Der "Carneval against NATO" war gedacht als Aktion,
die verschiedene Gedanken miteinander verbindet - mit dem Ziel, moeglichst
vielen Menschen eine Moeglichkeit zum Ausdruck ihres Unwillens mit und
Widerstandes gegen den herrschenden Kriegszustand zu geben.
Wie ja auch schon in unserem Aufruf stand, ging es uns
darum, die Ideen von ReclaimTheStreets, PinkSilver und kreativer Direkter
Aktion miteinander zu verbinden. Ein Teil von unserem Konzept war, moeglichst
nichts, was dazu an Ausruestung ( etwa Lautsprecherwagen, Generator, Musikanlage
etc.) von Noeten war, im normalen Geld- und Verwertungsweg zu organisieren,
sondern Projekte, Zusammenhaenge und Menschen durch Leihgaben und Spenden
miteinzubinden und dadurch das Ganze so >selbstorganisiert< wie moeglich
zu gestalten.Die Verbotssituation, die ja auch unser Aktion betraf - wir
erhielten ein 16-seitiges Verbotsschreiben - hat unsere Situation
enorm beeinflusst. Zum einen konnten und wollten wir nicht das Equipment
selbstorganisierter Strukturen gefaehrden, indem wir die Aktion als illegalisierte
ReclaimTheStreets-Aktion einfach trotzdem durchfuehren, denn die Gefahr,
dass die Polizei die geraete beschlagnahmt oder gar zerstoert, besteht.
Zum anderen waren die Demos, die letztendlich stattfanden ja eine RTS im
urspruenglichsten Sinne: die MuenchnerInnen haben sich gemeinsam mit den
Angereisten die Strassen gegen das Verbot zurueckerobert (=> englisch:
to reclaim!). Das war ganz in unserem Sinne. Musik und Tanz haben so zwar
leider gefehlt, an verkleideten Menschen und bunten Aktionen mangelte es
aber schoenerweise dennoch nicht. Hunderte Menschen "verkleideten" sich
als DemonstrantIn oder thematisierten das Demokratie- und Politikverbot
durch verklebte Muender oder aehnlichem.
Wir hatten im Vorfeld zu einem kreativen Vorbereitungstreffen
und deeskalierendem Verhaltenstraining eingeladen. Zur Vorbereitung bunter
Protestaktionen gab es den Protest- und Beschwerde-Stadtplan, auf dem alle
interessanten Gebaeude, wie Behoerden, Konzernzentralen oder Militaer-
und Polizeieinrichtungen eingezeichnet waren. Leider haben viel zu wenig
Gruppen von diesem Plan gewusst, obwohl er von staatlicher Seite als Hetzfaktor
genutzt wurde ("Chaoten wuerden die Stadt nach Plan verwuesten und diverse
Gebaeude entglasen wollen"). Das hat - in der gegebenen Situation viel
zu viele Menschen an die Demo gebunden. Es war zwar absolut richtig und
wichtig, diese Demonstration durchzusetzen, da ein Verbot - zumal auf solch
fadenscheinigen Begruendungen wie das Konstrukt von ominoesen 3000 Chaoten
beruhend - in keinster Weise hinnehmbar war. Wir haetten uns aber gewuenscht,
dass mehr Menschen von der unuebersichtlichen Situation in der Stadt Gebrauch
machen und sich mittels des Stadtplanes auf phantasievolle Aktionen vorbereiten.
Das hat bei jenen, die eben dies taten, sehr gut geklappt. Wir sind der
Meinung, dass ein solcher Stadtplan fuer Protest und Beschwerde fuer die
naechsten Gipfelstuermereien Standart werden sollte. Wichtig finden wir,
dass die Gruppen das Konzept von Direct Action (Aktion - Erregungskorridor
- Vermittlung von Inhalten) verstehen und anwenden. Einige dutzend einigermassen
vorbereitete Gruppen haetten zusaetzlich zu den Demonstrationen sicherlich
noch viel mehr ausrichten koennen, und die Erfahrung und das Wissen waeren
fuer Aktionen im Nachhinein, bei Wahlkampfveranstaltungen des Oberbuergermeisters
und der anderen Verantwortlichen bei Polizei und Kreisverwaltungsreferat,
nuetzlich gewesen.
Wir denken, dass es fuer das naechste Mal viel zu lernen
gibt. Erstens wird "unser" Carneval stattfinden, zweitens sollten viel
mehr Gruppen und Menschen zur Vorbereitung frueher anreisen (wenigstens
ein Mensch pro Gruppe/Zusammenhang) und drittens sollten wir alle uns mit
kreativer Direct Action auseinandersetzen, um spontaner und handlungsfaehiger
zu werden. Wir bewerten Ideen wie den "sound of war", die "Schweige-Demo',
das "Natodeutsche Kriegsmassaker", die "Nackt-demo" und die Kommunikationsguerilla
des Hotel-und Gaststaettenverbandes (http://welcome.to/gastronomie-gegen-nato)
als positiven Schritt in die richtige Richtung, und freuen uns, dass die
Tuebinger Gruppe "trojas Puppenkiste" ihre fuer Muenche gebastelten Puppen
im "richtigen" Karneval einsetze und so ein kleiner Carneval against NATO
doch noch stattfand.