Was geschah im Vernetzungstreffen menschenstattprofite in Dresden 11.-13.Mai
2001 (Ergänzungen zu den konkreten Ergebnissen Genua-Zeitung, Mailinglisten
und Diskussionsforen, siehe Mails der vergangenen Woche, die Ergänzungen
sollten möglichst noch ergänzt werden)
Freitag 11. Mai
ca. 20 Leute waren da.
Kennenlernrunde und längere Diskussion zu den Zielen des Treffens,
die Meinungen reichten von „erst mal sehen, ob uns überhaupt etwas
verbindet, ob wir in unserem Widerstand gemeinsame Ziele haben.“ bis zu
„wir sollten uns auf konkrete Mobilisierungen wie Göteborg und Genua
konzentrieren, statt Grundsätze und Ziele zu diskutieren“.
Die Menschen kamen überwiegend über Linksruck zu der Kollektividee.
Mit dabei waren außerdem Mitglieder von Arbeitermacht, vom Dresdner
Freien Radio coloRadio, von SAV sowie Leute aus diversen Umwelt- und DirekteAktionsGruppen
und auch Einzelmenschen ohne Gruppe. Die meisten Leute kamen aus Dresden,
sonst war, glaub ich vertreten: Chemnitz, Leipzig, Hannover, Mühlhausen,
Berlin, Köln, Essen und Saasen.
Vorstellung der open-space-methodik.
Jede/r schrieb dann mal auf, welche Arbeitsgruppen er/sie am nächsten
Tag gern gründen würde.
Hier ungeordnet die gesammelten Ideen:
Sonnabend, 12. Mai
aus der Fülle der Ideen fanden sich zunächst zwei Arbeitsgruppen
eine Arbeitsgruppe zum uralten und schon wieder aktuellen Streit zwischen
SozialistInnen und AnarchistInnen über Herrschaftsformen und Chancen
von Herrschaftsfreiheit (leider weiß ich nicht, was dabei rausgekommen
ist, weil ich nicht dabei war, vielleicht kann da jemand ergänzen?)
eine Arbeitsgruppe zur Genua-Mobilisierungszeitung, die Ergebnisse
hat Jörg
Bergstedt ja schon rumgemailt
später weitere eher konkrete Arbeitsgruppen z.B. zur Frage, wie
die großen Events wie Genua für den regionalen Widerstand genutzt
werden können, außerdem zu einer sächsischen Regionalausgabe
der Mobilisierungszeitung ... fällt noch jemandem was ein?
Abends Plenum
Schwerpunkt: sinnvolle Nutzung der Mailinglisten, Einrichtung von Diskussionsforen
im Internet, Kontakte zu linken Medien verbessern (z.B. eigene Redaktionen
aufbauen)
Sonntag, 13. Mai
allgemeine Zerstreuung und Abreise
Meine Einschätzung
Die Beteiligung war viel zu gering, um von einem bundesweiten Treffen
zu sprechen. Die wenig zentrale Lage von Dresden kann nicht der einzige
Grund für die geringe Teilnahme sein. Ich vermute eher allgemeines
Desinteresse und gut gepflegte Vorurteile. Schade war vor allem, dass die
„ErfinderInnen“ der Kollektive nicht da waren.
Der große Anteil Linksruckies führte nicht zu einer Linksruck-Dominanz.
Die Linksruckies und auch alle anderen waren nicht als VertreterInnen ihrer
Organisation gekommen, sondern als diskutierwütige Individuen.
Die Fähigkeit zur Selbstorganisation ist noch nicht sehr weit
entwickelt, irgendwie schienen nicht wenige Leute darauf zu warten, dass
ihnen jemand sagt, was als nächstes dran ist. Ebenso ist natürlich
dieses dünne Protokoll Ergebnis fehlender schriftlicher Zusammenfassungen
aus den Arbeitsgruppen. Nur wer dabei war, kann also ein Bild von dem haben,
was hier los war und auch davon nur bruchstückhaft, so dass strenggenommen
alle ihre Eindrücke aufschreiben müssten. Trotzdem fand ich die
Atmosphäre dieses Treffens sehr angenehm und denke, die SpontanArbeitsgruppen-Methode
hat viele Vorteile.
Die Idee von MenschenStattProfite ist mir zwar im Ansatz klar, ich
halte diesen aber für wenig praktikabel. Für die in Dresden bestehenden
lockeren Kontakte zwischen den Gruppen braucht es keinen extra Namen und
keine Organisationsstruktur. Kontinuierliche Zusammenarbeit kann ich mir
kaum vorstellen, wohl aber bessere Abstimmung zu konkreten Mobilisierungen.
Das mag von Stadt zu Stadt verschieden sein. Regionale Kontakte, wie zwischen
Dresden, Leipzig und Chemnitz, werden hoffentlich wachsen. Eine bundesweite
Vernetzung halte ich weder für aussichtsreich noch für erstrebenswert,
weil ich Nationalgrenzen ablehne.
Vernetzungen kann mensch nicht einfach beschliessen, sie müssen
langsam wachsen. Vielleicht nicht während bundesweiter Treffen, sondern
Stück für Stück.
Jedenfalls war das Treffen für mich nicht umsonst, denn ich lerne
immer gern neue Leute kennen.
Viele Grüsse aus Dresden Uta
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