DIREKTE AKTION UND WIDERSTAND IM ALLTAG
Etwa 8 Leute, darunter erfreulicherweise vier Neulinge, die
zum ersten mal den A-Laden betraten, sehr neugierig wirkten. Nach einer Einführung
zu diskursiver Herrschaft ein paar Beispiele für Direktes Intervenieren
gegen Sexismen. Anfangs viele Nachfragen und Ungläubigkeit, ob Direkte
Aktionen nicht an der Gleichgültigkeit der Menschen scheitern, Kritik,
dass Direkte Intervention an SexistInnen abprallen würde und die Forderung,
statt dem Angriff auf Sexistinnen lieber deren „Opfer“ zu fördern.
Ich erzähle von der Idee, mit Einkaufswagen einen Gratiseinkauf zu simulieren
(„Ich hab kein Geld, aber ist doch ok, das so mitzunehmen“). Dann so ein
Spruch einer Person - in etwa: Leute von Homophobie und Sexismus abzubringen
sei ok, aber Gesellschaft ohne Geld ginge nicht, sei utopisch usw. Ein Erregungskorridor
tat sich auf, die Diskussion verschob sich auf die visionäre Ebene.
Immer wieder Einwände: Ohne Geld ginge keineR mehr arbeiten, Menschen
seien halt faul & egoistisch, was ist mit „Scheißarbeiten“, wer
putzt das Klos - schöne Anknüpfungspunkte zur Dekonstruktion.
An diesem Punkt entwickelte sich eine supercoole, visonärere Debatte,
die ich extrem fesselnd, intensiv, konzentriert und spannend fand. Ausgehend
von den Bedenken der Neulinge kamen wir dahin, unsere Ideen post-kapitalistischer
Organisierung zu formulieren ... u.a. Kritik an der Trennung von Arbeit
| Freizeit, produktiver | unproduktiven Tätigkeiten, Umgestaltung der
Städte, ökologische statt industrieller Nahrungsmittelversorgung
die Vorzüge kooperativer Verhältnisse. Ich fand schon sehr beeindruckend,
dass ‚wir‘ auf jeden Einwand Antworten fanden: Und den Menschen war trotz
ihrer Ungläubigkeit und Vorbehalte gegen freie Vereinbarungen und Gesellschaft
ohne Geld & Arbeitszwang im Verlauf anzumerken, dass gerade was abging,
Positionen ins Wanken gerieten. Witzig, weil gerade die Diskussion die Idee
des Erregungskorridors bestätigte, die während der Veranstaltung
mehrfach in frage gestellt wurde.
Nach einer Pause kam es dann zu Überlegungen, was gegen die Spaltung
der Proteste gegen den Bankenskandal (Gut Bürgerliche vs. böse
Autonome) zu tun sei. Irgendwann kam auch die Idee auf, Ende August ein Direct-Action-Seminar
mit Planung & Durchführung von Aktionen zu machen (mein Vorschlag
war, konkret den Bezug zur Wahl herzustellen). Mal sehen.
Außerdem noch ein paar neue Ideen, um die drohende Überwachung
in Berliner U-Bahnen anzugreifen: Mit einem Theaterkombo eine Unterdrückungssituation
nachspielen ... warten bis Bullen eintrudeln und dann sagen, dass mensch
hier gerade nur einen Film drehen lasse. Dazu noch eine Stoppuhr mitnehmen,
Zeit festhalten, bis die Polizistis da sind, und die gegenüber der Presse
nutzen, um Argumente des Sicherheitsdiskurses zu widerlegen (Überwachung
schütze MigrantInnen, Frauen usw. vor Übergriffen).
Insgesamt aus meiner Wahrnehmung die beste Veranstaltung (was die Intensität
der Disko anbelangt), ein deutliches Zeichen für die „Magie“ utopischer
Debatten & ein schöner Abschluss der Berlin-Magdeburg-Leipzig-Tour
... morgen bzw. heute geht es dann auf nach Cottbus, hochmotiviert
und vorfreudig ...
ReferentInnenliste, wenn Ihr selbst eine Direct-Action-Veranstaltung machen wollt ...
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