Direct-Action-Vernetzung

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Regionale Direct-Action-Vernetzungen

Schon länger her ...: Aufruf zur Gründung von Direct-Action-Gruppen in allen Städten und Regionen sowie eines bundesweiten Netzwerks

Statt langer Begründungen verweisen wir auf den aktuellen Zustand politischer Bewegung. Außer den traditionellen Aktionsformen ist kaum noch eine Interventionsfähigkeit zu spüren (Ausnahmen bestätigen die Regel). Statt vieler Worte daher Wirklichkeit und Vision:
 

Wirklichkeit: 15.10., ca. 16 Uhr, am AKW Philippsburg

Wie eine Schafherde latschen die DemonstrantInnen zunächst in den NATO-Draht-Kessel. In zwei getrennten Plena (X1000malquer und sog. „unabhängige Strukturen“) wird über das weitere Vorgehen diskutiert. Der Weg zurück ist noch offen. Dominanzstrukturen in beiden Plena. Die jeweiligen Obergurus wissen immer alles. Neue Vorschläge sind ohnehin zögerlich und werden mit Pseudo-Erfahrung und Wichtig-wichtig-Getue abgewürgt (z.B. im „Unabhängigen“-Plenum immer wieder: „Da steht auch eine Hundertschaft, die siehst Du nur nicht, aber ich weiß, wie ich gucken muß“ usw. ... später stellt sich heraus, daß es diese Hundertschaften an den Orten gar nicht gab). Nach über zwei Stunden spektakulär langatmiger und ideenloser Plena beschließen die „Unabhängigen“, aus dem Kessel herauszugehen und dann zu versuchen, irgendwo einen Platz für Camp und Schienenbesetzung zu finden. Eigentlich war das ja schon der Sinn der ganzen Demo, aber Plena sind inzwischen Selbstzweck in einem Verein orientierungsloser PolitaktivistInnen, die nicht mehr wissen, was sie wollen. Das X1000malquer-Plenum ist noch schlimmer: Die debattieren sogar, ob sie im NATO-Draht-Kessel bleiben. Dabei hatte X1000malquer sogar angekündigt, an diesem Tag ein Schienenstück besetzen und ein Camp aufbauen zu wollen. Einige schlagen nun ernsthaft vor, das könnte doch im Kessel geschehen. Die „Unabhängigen“ ziehen los, die ganzen Orientierungslosen gehen mit, das X1000malquer-Plenum (ca. 20 FunktionärInnen) bleibt allein zurück und beschließt in Panik, doch mitzugehen. Die Demo verläßt den Drahtkessel und bewegt sich unentschlossen die Schienen entlang.
Und dann wird’s spannend: Wo die Demoroute von den Schienen abzweigt, stehen ca. 30 Bullen und sollen das Weiterlaufen auf den Schienen verhindern. Ohne Schilder. Und die Hundertschaften-Halluzinationen der Anti-Atom-ObercheckerInnen sind auch nicht da. Vorne diskutieren einige Leute in der Demo: „Da kommen wir durch. Los, Ihr rechts, wir links. Wir ziehen sie auseinander und dann durch.“ Wenige Minuten später prallen wir auf die Bullenkette: Rechts ca. 10 Leute, links eine Person. Der Rest bleibt stehen und gafft. Die Orientierungslosen, die erfahrenen Anti-Atomis der „Unabhängigen“ und X1000malquer sowieso und ganz hinten. Die Wichtigleute von X1000malquer verlassen sogar diese Situation und gehen genau jetzt in Richtung ihres warmen Büros in den Ort, lassen „ihre“ Leute allein. Es wird wieder diskutiert, Versuch 2. Dasselbe passiert. Massive Aufforderungen an den Demozug: Es gab den Beschluß, ein Stück Schiene und Wiese zu erobern, wenn es ginge. Es ist klar, daß es ginge: 500 DemonstrantInnen gegen 30 schlecht ausgerüstete Bullen, die auf ca. 50 Meter Breite den Durchgang absichern müßten. Eine dritte Gruppe aus wenigen Personen kann gewonnen werden, ganz nach links zu gehen. Die Bullenkette wird auseinandergerissen, Lücken bis zu 5 Metern zwischen den einzelnen Bullen. Ich kann einfach durchgehen, stehe allein auf der anderen Seite und rufe, der Demozug solle weitergehen. Nichts passiert. Ich gehe wieder zurück – niemand kann mich verhaften (trotz Androhung), weil die Bullen zu wenig dazusind. Wieder Diskussionen in der Demo, flehende Versuche, die DemonstrantInnen zum Weitergehen zu bekommen. Auch für X1000malquer wäre das möglich: Gewaltanwendung ist überflüssig geworden, die Bullenkette ist längst nicht mehr handlungsfähig. Der vierte Versuch, wieder gehen noch ganz wenige (ca. 5) mit. Diesmal Prügelei mit einigen Bullen, ich werde verletzt und steige aus der Aktion aus. Verändern tut sich nichts mehr. Die Bullen haben gewonnen. Es gibt kein Camp und keine Aktion auf den Schienen, nur Hilflosigkeit, Desorganisation und die Ersatzbefriedigung Dauerplenum.

Vision: 15.10., ca. 16 Uhr, am AKW Philippsburg

Die Demo latscht zum AKW. Alles sieht langweilig aus, aber der Weg ist wichtig. Ca. ein Viertel der DemoteilnehmerInnen kommt aus Gruppen, die im Direct-Action-Netzwerk zusammenarbeiten. Sie trainieren solche Situationen: Bullenketten und –kessel durchbrechen, Blockaden, Festketten und Klettern, Wasserwerfer lahmlegen usw. Zwar haben die meisten Gruppen so ihre Vorlieben, aber im Netzwerk wissen das alle voneinander. So ist vorher gecheckt worden, wer alles kommen will und wer was mitbringt. Auf dem Weg zum AKW werden die Verhältnisse ausgekundschaftet. Die Bullenkette mit den 30 Leuten ist allen aufgefallen. „Die stoppen uns nicht“, geht es durch die Köpfe. Die Plena gehen entsprechend schnell. Das Ziel, Schienen und eine Campfläche zu besetzen, war ja ohnehin das Ziel des Tages. Verschiedene Leute aus den Direct-Action-Gruppen machen Vorschläge. Nach 30 min setzt sich der Demozug in Bewegung. Vorne gehen 7 Direct-Action-Gruppen, die das Durchbrechen von Bullenketten trainiert haben. Sie reden auf dem Weg mit anderen DemoteilnehmerInnen. Etliche schließen sich jeweils einer Gruppe an. Andere überlegen sich weitere Unterstützungsmaßnahmen, wollen fotografieren oder die Sanis informieren, was abgehen wird. Kurz vor dem Aufprall auf die Bullenkette: Die 7 Gruppen driften nach links und rechts auseinander, die Demo teilt sich vielfach. Die 30 Bullen müssen die gesamte Breite von 50 Metern Durchgangsmöglichkeit abdecken – und haben keine Chance. In den sieben Zügen sind die Menschen eingehakt, die wenigen Bullen können niemanden rausziehen. Auch X1000malquer verläßt sich diesmal nicht auf den Eid auf Gewaltverzicht und Strukturen, sondern hat sich vorbereitet und geht im eigenen Stil durch den Bereich der Ex-Bullenkette - Gewalt gegen Personen ist gar nicht nötig. Wenige Minuten später sind die ersten Gruppen hinter der Ex-Bullenkette wieder auf den Schienen und die Demo zieht weiter – jetzt wieder als Block. Die Stimmung steigt. Von Ferne rauschen Bullenwannen heran, auf den nächsten kreuzenden Feldweg zu. Zwei Wasserwerfer tauchen in der Ferne auf. Zwei Gruppen aus dem Direct-Action-Netzwerk, trainiert im Umgang mit Wasserwerfern, lösen sich aus dem Demozug und begeben sich an den Straßenrand. Die Wasserwerfer dort fahren vorbei. Auf ihren Frontscheiben zerschellen Farbeier mit einer speziellen Flüssigkeit, die an Glas unabwischbar haftet. Die FahrerInnen sehen nichts mehr. Die Wasserwerfer stoppen. Der Demozug läuft weiter. Vor ihm baut sich eine massive Bullenkette auf. Da stoppt der Demozug. Vier weitere Gruppen aus dem Direct-Action-Netzwerk, die bisher noch nicht  in Erscheinung getreten sind, ketten sich an den Schienen fest, geben anderen Tipps, wie sich blockieren können.
Eine weitere Gruppe baut auf der Wiese daneben zwei Dreigebeine auf – oben sitzen jeweils eine oder zwei Personen, ziemlich räumungssicher. Schienenblockade und Campplatz sind erobert.

Nie wieder Aktionsunfähigkeit! Nie wieder Plenieren statt Agieren!

Aufruf zu Gründung von Direct-Action-Gruppen in allen Städten und Regionen
– am besten als gemeinsames Projekt vieler Gruppen am Ort, die das unterstützen und aus denen ein Teil der AktivistInnen jeweils kommt, damit das Know-How und die Planungen für Aktionen wieder zurückfließen können.

Aufruf zur Gründung eines bundesweiten Direct-Action-Netzwerkes
...damit wir größere Aktionen gemeinsam planen, uns austauschen können usw.

Zu Hoppetosse +++ projektwerkstatt.de +++ Direct Action. Zum Anfang.