Aktionen zu bestimmten Themen
Gentechnik ++ Anti-Atom ++ Nazis ++ Antira ++ Uni/Schule ++ Tierrechte ++ ko ++ Utopie
Gentechnik
Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft
Monsanto & Co. schaffen Tatsachen: seit 2004 wird unter dem Deckmantel "wissenschaftlicher Erprobungsanbau" kommerzieller Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen betrieben. 2004 noch unter Geheimhaltung der Flächen, 2005 dank des Anbauregisters können sich Interessierte zumindest informieren, wo denn diese Pflanzen wachsen sollen. Diese Daten müssen drei Monate vorher ins Netz gestellt werden. Neben dem kommerziellen Anbau werden weiterhin Freisetzungsversuche betrieben, die aktuellen Flächen sind auch dem Anbauregister (Link siehe unten) zu entnehmen. Jedoch brauchen diese erst drei Tage vor Aussaat ins Netz gesetzt zu werden. Was ist zu tun?
- Seite mit Aktionsideen gegen Gentechnik, auch zum Eintragen weiterer Ideen
- Wikipedia zu Feldbefreiung
- Aktionsseiten gegen Gentechnik: www.gentech-weg.de.vu ++ Aktionsideen auf www.gendreck-giessen.de.vu
- Broschüre "Upps - ein Genfeld! Was jetzt?": Download (PDF) ++ Bestellseite der Broschüre
Öffentlich machen
Wir, das Aktionsbündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen, haben gute Erfahrungen gemacht, die Vorhaben von Monsanto und ihren Erfüllungsgehilfen an die Presse zu geben. Noch besteht dafür großes Interesse. Dadurch erfahren auch potentielle Betroffene von den Plänen.
Verbündete vor Ort suchen
Nachbarlandwirte, Imker, Landeigentümer können für uns Verbündete sein. Vielleicht sind sie sogar eher die Hauptakteure gegen die Gentechnik, die eure Unterstützung brauchen.
Landeigentümer teilen sich in verschiedene Gruppen: Privatpersonen, Kirchgemeinden, Kommune. Bei Kirchgemeinden und Kommunen lohnt es sich, die Verantwortlichen direkt zu informieren und das Gespräch zu suchen. Oft besteht ein großer Informationsbedarf bei den Entscheidungsträgern im Kirchenvorstand oder im Gemeinderat. Privateigentümer sind auch wichtig, nur halt viel schwerer zu erreichen.
Dann heißt es die Gentechnikanbauer zu bearbeiten: mit Presse, Gesprächen, Briefen mit vielen Unterschriften und natürlich auch mit symbolischen und direkten Aktionen:
Symbolische Aktionen
- Pollenflugversuche mit gelben und schwarzen Luftballons, um das Auskreuzungspotential sichtbar zu machen (Erfahrungen bei Ökolöwe Leipzig – (0341)3065381)
- Hinweisschilder am Feld aufstellen
- Radtouren und Spaziergänge zu den Feldern
- Camps in der unmittelbaren Nähe eines Genackers
Direkte gewaltfreie Aktionen
- Nachaussaat von anderem Saatgut, welches z.B. schneller wächst als Mais und ihn überwuchert
- bei Versuchsanbau Voraussaat der gleichen gentechfreien Kultur
- Mahnwache als Feldbesetzung - eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Überschreiten von Gesetzen im Zusammenhang mit der Gentechnik findet sich auf http://home.t-online.de/home/Gernot.Hofmann/stockm.htm
Ackerbesetzung
Da gab es verschiedene Beispiele in Deutschland und der Schweiz. Die vielleicht spektakulärste Besetzung war die der Wölfersheimer Wühlmäuse. Sie hielten das Feld für den Freisetzungsversuch von genmanipuliertem Raps von 1995 - 1997 besetzt. Weder Polizei noch Wachschutz konnte sie dazu veranlassen, das Feld zu verlassen, ausser die Nachricht der Aufgabe des Versuchs. Berichte dazu unter: www.gene.ch/genpost/200/Jan-Juni/msg00022.html und www.netlink.de/gen/Zeitung/home/htm. Auf dieser Seite findet ihr auch andere Berichte oder Pressemitteilungen von anderen Besetzungen.
Öffentliche Ernteaktion
Es gab bisher einige öffentliche Ernteaktionen mit mehreren hundert AktivistInnen in Großbritannien und Frankreich. In Deutschland ist mir nur eine organisiert von dem Aktionsbündnis Barnim bekannt. Vorbereitet wurde diese Aktion mit einem genehmigten Camp in der Nähe des Feldes. Der Acker war mit mehreren Zäunen schon extrem gesichert. Ca. 50 Menschen haben an der öffentlichen Ernteaktion teilgenommen.
(Aktionsbündnis Barnim 1999)
Milana - Kontakt: koordination@sachsen-gentechnikfrei.de, www.tk-windrose.de), Text aus dem Direct-Action-Kalender 2006
Kommunikationsguerilla
Aus einer Presseinformation des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter vom 26.1.2009
Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP) weist auf einen gefälschten Brief hin, der derzeit im Namen des BDP an Landwirte verschickt wird. In diesem Brief rufen die Urkundenfälscher zu einer Spende für die vermeintliche Stiftung »Sichere Landwirtschaft« auf, deren Ziel der Schutz von Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen sei. Der BDP hat Strafanzeige erstattet. ...
Landwirte erhalten derzeit Post, in der zur Spende für die Stiftung „Sichere Landwirtschaft“
aufgerufen wird. Ziel der angeblich vom BDP ins Leben gerufenen Stiftung sei ein umfangreicher
Schutz von Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen gegen militante Feldzerstörungen. „Es ist erschreckend, wie leichtfertig die Verfasser mit Unwahrheiten umgehen können.
Der Brief sollte uns alle wachrütteln. Ich rufe die Verfasser des Briefes zu einem verantwortungsvollen
Umgang miteinander auf“, so Dr. Ferdinand Schmitz, Geschäftsführer des
BDP. Statt der im Brief unterstellten Forderung nach Kameraüberwachung und einer 24
Stunden Bewachung von Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen, fordert der BDP
eine friedliche Koexistenz.
Wo sind die Felder?
- Früh informiert: Erste Informationen schon im Anmeldestadium - chronologisch sortiert: Deutschland ++ Europa
- Das offizielle Standortregister ++ als Karte ++ Abfrageformular (Suche nach Stichworten) ++ Übersicht über Datenbanken zu Feldern
- Alle Freisetzungsvorhaben (nach Städten sortiert)
- Karten und Flurkarten in Hessen ++ Offizielles Kartenregister Hessen, auch mit Flurkarten
- Genfelder im Nordosten Deutschland und in Bayern
- Genmais-Übersicht beim Umweltinstitut München ++ Genmaiskarte von Greenpeace (hier ist auch z.T. erkennbar, welche Felder zurückgezogen, also nicht eingesät wurden)
- Übersicht über viele Genfelder, Atomstandorte usw.
Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz
Für alle umweltrelevanten Informationen (Naturschutz, Energie- und Verkehrspolitik, Raumplanung, Bauleitplanung, Gentechnik, Immissionsschutz usw.) besteht ein gesondertes Gesetz - zum einen auf Bundesebene (Umweltinformationsgesetz) sowie zum anderen für alles Länder (betrifft dann Landeseinrichtungen und -behörden). Danach können die Akten gebühren- oder sogar kostenfrei auf den Behörden eingesehen, meist sogar abfotografiert oder gegen Kostenübernahme kopiert werden.
Aus der Rechtsprechung: Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE 108, 369, 373)
Wie der Senat in seinem Urteil BVerwGE 102, 282 ausgeführt hat, will die Umweltinformationsrichtlinie jedem Antragsteller rechtlich möglichst uneingeschränkt und faktisch möglichst ungehindert den Zugang zu Informationen über die Umwelt gewährleisten. Damit soll ein Beitrag zur Kontrolle der Verwaltung, zur Schärfung des Umweltbewusstseins und zur Effektuierung der von den Mitgliedsstaaten umzusetzenden Umweltpolitik der europäischen Gemeinschaften geleistet werden.
- Beispiel für das Ergebnis solch einer Akteneinsicht: Genversuchsfeld mit Gerste der Uni Gießen
- Leitfaden zur Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz ++ Infoseite Umweltinformationsrecht
Links
- www.dosto.de/gengruppe
- www.sachsen-gentechnikfrei.de (Aktionsbündnisse gegen Gentechnik)
- www.faire-nachbarschaft.de - gentechfreie Regionen
- www.informationsdienst-gentechnik.de - Infos und Aktionsmaterial zum Anbau von Gentech-Pflanzen
- www.bvl.bund.de - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit – Standortregister von Freisetzungen
- Datenbank zu Gentechnik-Standorten (Standortregister anklicken!)
- Aktionsserie zu Gendreck-weg im Sommer 2005 ... dasselbe auf Indymedia
- Großer Maiskolben auf Feld errichtet (Jan. 2006, Strausberg)
- Hier ist die Karte der Maisfelder
Beispiele und Ideen
Fussballspielen auf Maisfeldern?
Sabotage und Militanz
- Glasbruch bei Syngenta in Maintal (Mai 2007)
Links zu Aktionsberichten auf der Beispielseite zu Direct-Action ++ Besetzungsbeispiele
Aktionsideen-Wiki zu Gentechnik ... eigene Ideen einfach dazu tragen!
Basisinformationen zu den angebauten Pflanzen
Pflanze |
Aussaat |
Blüte |
Ernte |
Empfindlich gegen |
Mehr Infos |
|---|---|---|---|---|---|
Mais |
Ab ca. 20. April bis Anfang Mai (Keimung bei 7-9 °C). Faustregel: Jeder Tag Verzögerung nach dem 10. Mai kostet 1 % Minderertrag. |
Juni bis September (Windblüter, d.h. weite Streuung, aber Bienen sammeln Pollen als Zusatznahrung) |
Silomais Mitte September bis Anfang Oktober. Körnermais Ende September bis Ende November. |
Bodenverdichtung und Staunässe am Anfang |
|
Kartoffel |
Ende März bis Mitte April |
Juni bis Oktober, Beeren von August bis September (spielt für Bienen und Vermehrung aber keine Rolle, da kein Nektar) |
Je nach Sorte Anfang Juni bis Mitte Oktober. Frühe Sorten brauchen 90-110, späte bis 160 Tage. |
Bodenverdichtung, Frost und Feuchtigkeit. |
|
Rüben |
Um den Monatswechsel März/April (Keimung ab 5 - 6 °C, besser 10 - 12 °C) |
Erst im zweiten Jahr, d.h. nur nicht geerntete Rüben kommen zu Blüte |
Oktober |
|
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Erbsen |
Ab März bis Anfang Mai, je nachdem wann Boden abgetrocknet ist |
Mai und Juni, pro Blüte rund drei Tage, pro Pflanze 10 bis 21 Tage |
Ab Anfang/Mitte August |
Bodenverdichtung und Staunässe |
|
Raps |
10. August bis 5. September, in Höhenlagen ab 5. August bis Ende August (auch die Samen sind winterhart) |
April und Mai |
Ende Juli |
|
|
Getreide |
Siehe Tabelle unten |
Weizen und Gerste (98-99% Selbstbefruchter): Anfang Mai bis Ende Juli. Roggen (Fremdbefruchter, also viele Pollen unterwegs): vor allem Juni. Hafer: Juni bis August. |
Wintergerste: Juni. Sommergerste: Nach 100-120 Tagen, also ab Ende Juni. |
|
- Obige Tabelle als Graphik
- Übersicht: Aussaattermine für Nahrungspflanzen aller Art (vor allem Gartenanbau) ++ Übersicht Getreidesorten
- Blütezeiten sind auch gut aus Pollenflugkalendern (für HeuschnupflerInnen) abzulesen: Hier oder hier ...
Informationen zu Getreide
Sommergerste
Information aus der Landwirtschaftskammer NRW
Wie bei allen Sommergetreidearten, muss auch bei der Sommergerste durch eine möglichst frühe Aussaat die per se knappe Vegetationszeit ausgenutzt werden. Insbesondere die noch verfügbare Zeit unter Kurztagsbedingungen, also der Zeitspanne von Saattermin bis etwa 20. April, bewirkt eine gute Bestockung, als Voraussetzung für höhere Bestandesdichten bei noch moderaten Aussaatstärken. Der Tabelle 7 sind die Saatmengen und Saatstärkenempfehlungen zu entnehmen.
Andererseits verträgt sie, im Unterschied zu Sommerweizen und Sommerhafer, auch kürzere Vegetationszeiten bei leicht verspäteter Aussaat noch am besten. Da Sommergerste sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, sollten auf jeden Fall gute Saatbettbedingungen abgewartet werden. Die Grundsätze für die N-Düngung sind die gleichen wie bei den anderen Sommergetreidearten. Sommergerste neigt stärker zu Zwiewuchs. Sommergerste hat einen geringen Vorfruchtwert. Sie kann auch mehrmals hintereinander angebaut werden, ohne Ertragsminderungen befürchten zu müssen.

Informationen zu Kartoffeln

Links zu Gentechnik-Aktion
- Genfelder in Gießen und Aktionen dagegen ... Infoseite hier!
- Bundesweite Aktion Gendreck-weg
- Feldbesetzungsversuch 2007 in Lüsewitz
- Geschichte der Anti-Gentec-Aktionen
- Aktionen überall
Anti-Atom
Beispiele und Ideen
Streik- und Verweigerungstag der Frauen
Tschernobyl hat unser Leben verändert« gab die Gruppe Frauenfrühstück in Berlin bekannt und rief aus Protest gegen die militärische und zivile Bedrohung des Lebens durch die Atomenergie am Jahrestag von Tschernobyl zu einem Streik- und Verweigerungstag auf. Jeder Frau wurde dabei überlassen, welche Form des Protests sie wo anwenden wollte. In der Tat geschahen an jenem 27. April 1987 ungewohnte Dinge:
- Im Rathaus Schöneberg erschienen Putzfrauen mit Schutzbrillen gegen den radioaktiven Staub.
- In Supermärkten luden Frauen Einkaufswägen proppevoll und ließen sie so an den Kassen stehen, als die VerkäuferInnen ihnen keine Auskünfte über den Verstrahlungsgrad der einzelnen Produkte geben konnten/wollten.
- Kantinenessen wurde verweigert und statt dessen das eigene Essen ausgepackt...
Mehr über das, was sonst noch geschah, in dem Buch Fundorte - 2000 Jahre Frauenleben und Frauenbewegung in Berlin, Orlanda Frauenverlag, Berlin.
Aus Pieper, Werner: "Widersteh' Dich!", W. Piepers Medienexperimente in Lörrach
Links zu Anti-Atom
- Aktionsideen- und berichten auf der Beispielseite zu Direct-Action und speziell zu Anti-Castor
- Blockadeideen für Castor-Stoppen
- Aktionslieder
Kreativ gegen Nazis
- Extra-Seite mit Aktionsideen gegen Nazis und gegen Rassismus
Antifaschismus und kreative Widerstandsstrategien
Antifa ist immer noch eines der Politikfelder, das in linken Strukturen anhaltende Zugkraft entwickelt. Wie in anderen Bewegungszusammenhängen dominieren auch hier eingefahrene Aktionsmuster – zumeist Demos oder Kundgebungen – die für viele dauerhaft wenig motivierend und erfolgsversprechend wirken. Dieser Text will daher ein paar Anregungen für eine kreative Antifa-Praxis vermitteln, die aber sicher auch auf andere Felder politischer Auseinandersetzung bezogen werden können.
Emanzipatorisches Politikverständnis, Gewalt und Reflektion
Problematisch ist, wenn Nazis ausschließlich auf den Ebenen begegnet wird, die zu ihrem ureigensten „Repertoire“ (z.B. Schlägereien) gehören. Im schlechtesten Fall werden damit ihre eigenen Logiken wie Mackertum und männerbündisches Verhalten gestärkt – auch bei denen, die sich gegen Nazis und rechte Ideologien wenden. Ein Nazi, der von Antifas verprügelt wird, kann sich in einer Kameradschaft als Opfer stilisieren. Es könnte daher deutlich demoralisierender für einen Nazi-Obermacker sein, mit Parfüm besprüht, pink angemalt und mit Antifa-Symbolen bestückt zu werden – also Mackertum selbst anzugreifen als dieses zu bestätigen.
Aus diesen kritischen Anmerkungen gegenüber dem „Vermöbeln“ von Nazis leitet sich daraus kein dogmatische Nein gegenüber Gewalt ab. Gewaltfreiheit per se als das richtige zu feiern ist ähnlich absurd wie der Militanz-Kult in manchen autonomen Kreisen. Wichtig ist die ständige Reflektion, welches Mittel in welcher Situation sinnvoll ist. Den eigenen Kopf einsetzen und überlegen, ob eine Aktion emanzipatorischen Ansprüchen gerecht wird, d.h. wird Herrschaft verringert oder gestärkt. Als unmittelbarer Selbstschutz bei Nazi-Übergriffen ist auch Gewalt legitim, da es darum geht, eine Unterdrückungssituation zu beenden. Anders sieht es aus, wenn eine größere Gruppe Antifas aus einer klaren Überlegenheit heraus einen einzelnen Nazi krankenhausreif prügelt – dann kommt die Gewalt selbst „von oben“ und baut eine eigene Machtposition auf, anstatt diese abzuschaffen.
Emanzipatorische Politik unterscheidet sich immer deutlich von dem, was Nazis oder rechte Gruppen wollen. In den Aktionsformen sollte daher deutlich werden, wofür die Nazis stehen – und was die Utopie einer Welt wäre, in der Menschen ohne Angst verschieden sein können. Gerade bei öffentlichen Anlässen müssen die Unterschiede zu den Nazis erkennbar sein – ein bunter Aufzug verschiedenster Aktionsgruppen mit Tanz, Musik, Samba- und Theatergruppen wirkt deutlich offener als eine normale, von uniformierten Blöcken geprägte Demo. (unabhängig davon, dass uniforme Kleidung auch als Selbstschutz dienen kann, um von der Polizei nicht identifiziert werden zu können).
Subversiv und unberechenbar werden
Viele Antifa-Aktionen folgen einer linearen, „militärischen“ Logik, d.h. es geht darum, die Nazis durch die eigene Überzahl zu „schlagen“. Das ist schade, da dadurch viel Energie gebunden wird und politische Aktionen so immer in gewohnten Bahnen wandelt, berechenbar wird – statt zu überlegen, ob rechte Zusammenhänge nicht auch gegen sich selbst gewendet werden können. Gerade gegenüber schwerfälligen, hierarchischen Strukturen mit ausgeprägtem Führerprinzip können subversive Aktionsansätze deutlich destabilisierende und irritierende Wirkung entfalten. Zum Beispiel könnte mittels gefälschten Aufrufen („Fakes“) Streits zwischen einzelnen Nazi-Gruppen simuliert werden, zwischen denen es ja ohnehin viele Grabenkämpfe gibt. So könnte die NPD einen Text verbreiten, in dem sie vorschlägt, den anstehenden Aufmarsch mit einer klaren Position gegen der „Volksgesundheit“ schadende Drogen zu verbinden und dabei den Schwerpunkt auf Alkohol zu legen. Eine Burschenschaft fordert daraufhin den Ausschluss der NPD und distanziert sich von dem Aufmarsch usw. Kommunikationsguerilla und Fakes könnten eine deutliche Bereicherung der Antifa-Arbeit darstellen und diese gerade auch für Menschen interessant machen, die den vorherrschenden Aktionsstilen in Antifa-Zusammenhängen kritisch gegenüber stehen.
Handlungsfähigkeit aufbauen
Es wirkt wie ein ewiger Kreislauf: ab und zu gelingt es aus Demos heraus, den Nazis ihre Show zu vermasseln, dann folgen weitere, wo ein riesiges Polizeiaufgebot alles völlig im Griff hat. Die Reaktion darauf sind häufig dezentrale Aktionen, deren Vorbereitung dann dazu führt, dass wieder Demos gemacht werden. Statt dieser Endlosspirale wäre zu wünschen, dass auf Autonomie und Selbstorganisation setzende Aktionskonzepte ernsthaft umgesetzt werden. Dezentrale Aktionen setzen Handlungsfähigkeit der einzelnen Teilgruppen sowie eine hohe Transparenz voraus: so könnten vor einem Aufmarsch ein Stadtplan mit Routen und wichtigen Zielen veröffentlicht werden. Auf Direct Action Trainings könnten Ideen gesammelt und ausprobiert werden – wie werden Polizeikette durchbrochen, wie lassen sich Nazi-Autos lahm legen, wie vermitteln sich die Gegenaktivitäten nach außen. Eine Aktionsplattform mit Materialien, Workshops usw. kurz vor und während des Aufmarsches könnte Möglichkeiten bieten, Aktionen vorzubereiten und sich mit anderen Gruppen zu koordinieren.
Aus dem Direct-Action-Kalender 2006
Bericht
unter dem motto „wischi-waschi-weg-die faschis“ (war erst „weg den faschi“ aber nicht alle fasch@s sehen sich selbst als maennlich, so reimts sich aber nicht mehr richtig - meine idee jetzt grade: wischi-waschi-schluss-mit-faschi oder so was) wollten 8 menschen als putzmenschen verkleidet die fasch@s „wegputzen“. grosses transpi wurde gemalt, passende kleidung beim second-handler gekauft, und dann gings mit besen, wischmops, wassereimern, spruehflaschen (so wassserzerstaeuber), lappen usw. und entsprechendem outfit auf zum npd-„infostand“. Dort angekommen stießen die putzis auf jubel bei der schwarz-bunten bande, ein „das ist doch mal lustig“ von nem bullen (ohrenzeugen-bericht) und ziemlich verwirrte nazis. Der versuch, durch die bullenkette zu kommen (wir haben hier inner umgebung immer ne 100schaft bei solchen sachen), weil mensch dort nen putzauftrag habe, wurde natuerlich nicht ganz ernst genommen. dabei hat mensch den dreck schon von weitem aufa strasse liegen sehen! also wurden erst mal bullenvisiere mit wasser besprueht, dann mit nem lappen druebergeputzt, schienen ja einige aufm rechten auge blind zu sein... dann viel lustige verarschung, irgendwann wurden die bullen echt sauer („hier nehmen se mal den lappen hier, wollen sie dem einsatzleiter nicht mal die schuhe putzen, sie sind hier sonst ziemlich ueberfluessig“ - „jetzt reichts aber!!!“...).
noch son paar ideen und gedanken dazu; erstmal, ists nicht grad fortschrittlich wenn sich alle als „putzfrauen“ verkleiden und den job so als rein weiblich konstruieren. putzmenschen halt, keine frauenarbeit... (war bei einigen nicht ganz klar hier, ist schon ne zwiespaeltige sache sich als typ ausgerechnet bei so was nen rock anzuziehen) irgendwann viel auch den putzis nicht mehr viel mehr ein als sich parolisierend dazuzustellen. mensch haette mit chilliger tanzmusik, viel konfetti (oder: hab grad n altes federkissen vorm muell retten koennen, der inhalt kommt auch nicht schlecht), viel guter laune, und mehr mitmacherinnen den nazis von vorne bis hinten „die schau stehlen“ koennen (so pinky-maessig, ne putzmenschenparty neben dem npd stand, gleichzeitig immer wieder den anspruch artikulieren, die nasen da weg haben zu wolln, sonst steht mensch da wie die ig-metall letztens in osnabrueck; alle dachten die und die npd zusammen wuerden nen info-stand machen, weil die sich mit ihren tollen faehnchen einfach daneben gestellt haben; aber wenn da voll die geile party abgeht, wird schon keiner drauf kommen das wir da was mit zu tun haetten)
Weitere Berichte und Aktionen
- Gegen Nazisymbole im Raum Marburg
- Nazis verprügeln ... sehr unkreativ
- Nazi-Infostand abgeräumt (Febr. 2006, Schwäbisch Hall, mit Video)
- Kompost auf NPD-Stand (Juni 2006, Weimar)
- Flash-Mob vor Naziladen (Juli 2007, Rostock)
Links zu Antifa-Aktionen
Antirassismus
Widerstand gegen Abschiebelager und Rassismus
NoLager ist mehr als bloße Parole. NoLager ist Intervention: Ziel ist es, die soziale Isolation von Flüchtlingen und MigrantInnen praktisch aufzubrechen. Denn Isolation ist das Grundprinzip sämtlicher Lager – ganz gleich ob diese in der Libyschen Wüste, in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns oder im Industriegürtel westdeutscher Großstädte liegen. Je stärker Flüchtlinge und MigrantInnen isoliert bzw. sozial ausgeschlossen sind, d.h. je spärlicher ihre Kontakte zur ansässigen Wohnbevölkerung, zu migrantischen Communities, RechtsanwältInnen oder politischen AktivistInnen ausfallen, desto tiefer greift die Kontrolle, desto stärker sind sie außerdem den Schikanen, Demütigungen und Bestrafungen durch Lagerleitung & Behörden ausgesetzt.
Konkret heißt das also: Nehmt Kontakt mit Menschen auf, die in Lagern leben müssen, organisiert Protestcamps in unmittelbarer Nähe der Lager, schneidet Löcher in die Zäune, demontiert die Bewachungs- und Isolationsinfrastruktur, macht Dachbesetzungen, sucht ausgewählte ArbeiterInnen der Lagerbürokratie früh morgens bei ihren Privathäusern auf, tauscht Bargeld gegen Lebensmittelgutscheine, organisiert Imagebeschmutzungskampagnen gegen private Sicherheitsdienste und Lagerbetreiberfirmen (z.B. European Homecare), fädelt Schutzheiraten ein oder unterstützt Flüchtlinge, indem ihr Kontakte zu AnwältInnen oder Beratungsstellen herstellt, organisiert Speakers-Corner-Kundgebungen, bei denen Flüchtlinge in der Öffentlichkeit über konkrete Erfahrungen im Lager berichten können usw. usf.
Mit ihrer Isolationspolitik verfolgt die europäische Lagerbürokratie mehrere, oft auch gegenläufige Ziele auf einmal: Erstens sollen möglichst viele Flüchtlinge und MigrantInnen in Lagern abgefangen und somit an der Einreise in die EU gehindert werden. Das ist der Grund, weshalb derzeit innerhalb und außerhalb der EU mit hohem Tempo ein System unterschiedlicher Lager hochgezogen wird. Die Unterbringung in Lagern ist zweitens eine zentrale Voraussetzung dafür, Flüchtlinge und MigrantInnen möglichst reibungslos wieder abzuschieben, entweder direkt in ihre Herkunftsländer oder in die neu errichteten Auffanglager in Nordafrika, wo sodann die Regierungen Libyens, Tunesiens oder Marokkos über das weitere Vorgehen entscheiden. Drittens dient Lagerpolitik der Abschreckung bzw. Illegalisierung – sei es, dass Flüchtlinge und MigrantInnen es vorziehen, von Anfang an irregulär in die EU einzureisen (anstatt sich ins ohnehin fast aussichtslose Asylverfahren zu begeben) oder sei es, dass sie durch ihre Lagererfahrungen zermürbt werden und freiwillig in die Illegalität abtauchen. Beides ist durchaus Kalkül, jedenfalls in bestimmtem Umfang: Menschen ohne Papiere kosten den Staat nichts, außerdem stehen sie dem europäischen Arbeitsmarkt als billige, flexible und gewerkschaftlich unorganisierte Arbeitskräfte zur Verfügung – ob in der Landwirtschaft, auf dem Bau, im Reinigungsgewerbe, in der Gastronomie, der Sexindustrie oder den privaten Haushalten der Mittelklassen.
Widerstand gegen Lager gibt es überall – ob von innen oder außen. Hier zu Lande ist es seit einigen Jahren vor allem das NoLager-Netzwerk, das öffentlich das Lagerregime attackiert. Stellvertretend erwähnt sei die 17-tägige Anti-Lager-action-Tour 2004 durch mehrere nord- und ostdeutsche Bundesländer. Das NoLager-Netzwerk ist ein bundesweiter Zusammenschluss antirassistischer, feministischer und autonomer Gruppen; eine zentrale Rolle spielen Flüchtlingsselbstorganisationen wie die Brandenburger Flüchtlingsinitiative, The Voice oder die Karawane.
Als gemischter Zusammenhang in Deutschland unterwegs zu sein, bringt es unweigerlich mit sich, die Residenzpflicht zu verletzen, jenes Gesetz, wonach Flüchtlinge (auch solche, die eine Duldung haben) ihren Landkreis nur mit schriftlicher Genehmigung der Ausländerbehörden verlassen dürfen. Bereits dreimaliger Verstoß gegen die Residenzpflicht kann mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden, welche nicht selten ersatzweise im Knast abgesessen werden müssen. Die zentralen Forderungen des NoLager-Netzwerks lauten: Keine Lager – nicht hier und nicht anderswo! Für globale Bewegungsfreiheit! Gleiche Rechte für alle!
Beispiele und Ideen
- Ausreisezentrum in Niederlanden besetzt (Januar 2006)
- Chipkarten-Ballet in Berlin (November 2005)
- Kreative Aktionen am Bremer Flughafen
- Gedenktafel an Ausländerbehörde Weimar
- Subversive Umzugteilnahme in Frankfurt/Oder
- Übersicht der Aktionen beim Grenzcamp 2003
- Beckstein "abgeschoben" (Störung von Veranstaltung, Freiburg April 2004)
- An der Ex-Berliner Mauer gegen rassistische Grenzkontrollen (Dez. 2004)
- Aktionstag 14.9.2002 in Gießen
- Theater auf dem Wasser: "Bootsflüchtlinge" gehen in Lindau an Land (Okt. 2006)
- Straßentheater in Potsdam: Grenzkontrollstelle in der Stadt aufgebaut (Okt. 2006)
- Versiegelung der Hamburger Ausländerbehörde (Juli 2007)
Links
- NoLager
- aktiv gegen abschiebung - kein mensch ist illegal
- Initiative gegen das Chipkartensystem
- Antirassistische Initiative e.V.
- Büren-Gruppe Paderborn
- Karawane
- The Voice Refugee Forum
- kanak attak
- Netzwerk zur Unterstützung von Migrantinnen
- Logs on migration, labor, transnational organizing
- noborder network
- Schutzehe
Bildung(skritik)
Im Unialltag nicht abstumpfen
Gegen Studiengebühren sind viele. So ist es verständlich, dass es grad bei diesem Thema zu großen Protesten kommt. Doch die Universität ist bereits jetzt in ihrem Alltag nicht besonders frei: auf Verwertungslogik ausgerichtet, voll mit Hierarchien, Kontrollen und absurden Regeln. Bereits einfache direkte Aktionen können im Unialltag können einigen Staub aufwirbeln - oft mehr als eine Demo.
Anwesenheitsliste
In vielen Seminaren kursieren Anwesenheitslisten und zwingen zur körperlichen Anwesenheit. Diese lassen sich vielfältig sabotieren: klauen ist am direktesten. Noch schöner, wenn hinterher ein Bekennerinnenschreiben bei der Dozentin eintrifft. Die Erfahrung zeigt, dass dies in der Regel sogar verlesen wird, und so für einigen Gesprächsstoff sorgt.
Oder am Anfang des Semesters aufstehen, und erklären, dass mensch die Liste ignorieren werde, und warum. Oder ganz einfach, aber ohne politische Wirkung: Unterschreibgemeinschaften bilden. Immer eine Anwesende unterschreibt für die Abwesenden mit. Oder alle vorhandenen Unterschriften durchstreichen, dann fehlt die Kontrolle, wer sich danach eingetragen hat.
Hierarchien
Fast alle Veranstaltungen sind extrem dominiert von der Dozentin. Das liegt nicht nur an ihr, sondern in der Regel auch an den Studis. Wie wäre es, am Anfang eines Seminars eine Debatte darüber anzuzetteln? ...über Anwesenheitspflicht? ...über Diskussionsmethoden? Warum sitzen eigentlich fast immer alle in Reihen? Warum ist oft nur das, was die Dozentin sagt, wichtig? Wieso verlaufen fast alle Seminare nach starren Mustern?
Das mag nicht besonders revolutionär sein, kann aber für viele apolitische Studis der erste Schritt sein, Bestehendes in Frage zu stellen. Unter Umständen rennt mensch jedoch damit offene Türen ein: gerade im Umbau zur neoliberalen Uni ist z.B. „projektbezogenes Lernen“ der große Renner. Deshalb gilt es, nicht bei den Lernformen stehenzubleiben, sondern auch andere Inhalte einzubringen. Hierarchiearme Lernformen sind keine Garantie für emanzipatorisches Handeln, aber eine wesentliche Voraussetzung dafür.
Wissenschaftskritik
Wissenschaft ist nie „objektiv“, fast immer ist sie gegenwärtig mit Verwertungs- und Herrschaftsinteressen, mit sexistischen und rassistischen Ideologiefragmenten durchsetzt. Das zu thematisieren, ist nicht immer leicht. Einfach, aber mit enormer Wirkung: ein Flugblatt, das sich mit Inhalten und Methoden einer Vorlesung kritisch auseinandersetzt, und während einer langweiligen Veranstaltung kursiert, kann enorme Aufmerksamkeit erhalten. Überhaupt Lesestoff: Aufrufe zu Demos, Aufkleber - was einmal durch die Reihen geht, wird verteilt.
Selbstorganisation
Ein Modell, wie Bildung jenseits gegenwärtiger Unistrukturen, funktionieren könnte, sind selbstorganisierte oder autonome Seminare. Hier besteht aber auch enorme Vereinnahmungsgefahr: sehr leicht können selbstorganisierte Seminare dazu dienen, den Stellenabbau an der Uni aufzufangen. Das droht gerade dann, wenn selbstorganisierte Seminare als "Nachhilfestunde" für die „richtigen“ Lehrveranstaltungen verstanden werden.
Dagegen kann helfen:
- Selbstorganisierte Veranstaltungsformen radikal öffnen. Es sollten sich eben nicht nur StudentInnen angesprochen fühlen, sonder auch SchülerInnen, Erwerbstätige und -lose.
- Verzicht auf jede Kontrolle und zentrale Steuerung: gelernt wird das, was die Beteiligten wollen.
- Experimentieren mit Veranstaltungsformen. Nur zu leicht beginnt mensch das übliche Seminarverhalten zu kopieren: hier Dozierender dort Zuhörende.
- Einen sehr hilfreichen Text zu "Knackpunkten, Ursachen, Lösungsversuche bei Autonomen Seminaren" gibt es am Ende des Alternativen Veranstaltungsverzeichnisses Berlin/Potsdam bei: www.selber-denken.net.ms
- Tipps für Veranstaltungsformen auch bei www.collaborative-learning.de und im Reader „HierarchNie!“ (www.aktionsversand.de.vu).
- Seminare zum Ausgangsort für Widerstand machen. Ein Seminar kann der Ort sein, wo Menschen unter Umständen das erste Mal lernen, sich selbst zu organisieren. Hier gilt es eben, jener seltsamen Trennung von "Theorie" und "Praxis" entgegenzutreten.
Erst wo aus Selbstorganisation Widerstand gegen die aktuelle (Uni)politik erwächst, wird's richtig spannend: aus dem Studi-Streik 2003 in Berlin wurden zwei Räume besetzt. Aus der kleinen Aktion wurde schließlich ein ganzes Haus - die Offene Uni Berlins. Genutzt von Studierenden, feiernden Partygästen, debattierenden Politgruppen und nächtigenden Obdachlosen ist die OUBS das einzige Projekt in Berlin, das trotz Räumungsbedrohung den damaligen Unistreik überdauert hat. Probleme mit der Offenheit gibts mehr als genug, doch erst aus dieser Offenheit kann auch Neues erwachsen. (Links zu Gegenuniprojekten: www.coforum.de/?SelbstorganisierteSeminare)
Bildungssyndikat
"Bildungssyndikate" sind der Versuch, eine anarchistische Gewerkschaft für SchülerInnen, Studierende und Lehrende zu schaffen. In verschiedenen Städten gibt es Gruppen (eine Übersicht: www.fau.org/syndikate/bsy2/). Deren Praxis ist oft nicht so spektakulär, doch können sich hier Ansätze für mehr Aktionen finden.
Und an weiteren Aktionsfeldern besteht kein Mangel: Werbung an der Uni, Messen auf denen Unternehmen um Arbeitskräfte werben, Burschenschaften...
Und an der Schule?
Ideen finden sich in einer Broschüre: www.de.anarchopedia.org/index.php/Projekte:Schulaktionen
Direktes Handeln in der Schule
„In der Schule lernt man fürs Leben, nicht für die Lehrer!“ Leider stimmt dieser Satz, denn die Hauptaufgabe der Schule ist nicht die Wissensvermittlung, sondern die Konditionierung der Schülis auf ein herrschaftskonformes Leben. Deshalb sind Herrschaft und Autorität in der Schule deutlich spürbar. Doch das macht Schule spannend: Es gibt viele Möglichkeiten, Unterdrückung zu thematisieren, um aus jeder Schulstunde eine Aktion zu machen.
„Thomsen! Die Vokabeln für heute!“ „Äh, also...“ „Wie, Sie haben sie nicht gelernt?“ „Äh doch, aber...“ „Aber Sie können sie nicht! Das ist nicht gelernt! Thomsen, Thomsen, was soll ich mit ihnen nur machen! Ständig zu spät, und dann ihre Haare! Aber ihr Bruder ist ja auch nix geworden. So Lena, zeigen sie diesem Sauhaufen hier mal, wie das geht!“
Wege aus der Hilflosigkeit
Eine typische Situation, die zeigt, wie Schülis in scheinbar ausweglose Situationen gedrängt werden. Die erste Reaktion darauf ist häufig Empörung in der Pause, eventuell wird noch die „VertrauenslehrerIn“ eingeschaltet. Das führt dann meistens zu nichts, weil die typischen Beschwerdeinstanzen (Schülivertretung, „Vertrauenslehris") keine Durchsetzungsmöglichkeiten haben. Selbst an meiner Schule, wo die SV-Heinis echt bemüht waren, aus ihrer systemimmanenten Handlungsunfähigkeit auszubrechen, ist dies kaum gelungen. Der einzige Punkt, wo das klappte, war die Schülizeitung, in der Fälle wie oben gnadenlos ausgewalzt und mit allen Klopperkommentaren von Schulleitung, Lehris etc. veröffentlicht wurden. Dies führte allerdings nicht zu weniger Herrschaft, sondern lediglich zu Privilegien: Nur der individuelle Handlungsspielraum für die Zeitungsheinis erweiterte sich. Daran zeigt sich, dass Schülizeitungen gut und wichtig für Gegenöffentlichkeit sind, aber nicht per se bessere Verhältnisse schaffen. Und SV-Menschen müssen schon sehr frech und abgebrüht sein, um ihren Job so wenig ernst zu nehmen, das sie damit ernsthaften Widerstand leisten, und nicht nur die tolle demokratische Fassade der Schule schönen.
Wieder handlungsfähig werden
„Thomsen! Sie sind schon wieder 3 Minuten zu spät!“ „Ja, aber natürlich. Es gibt in meinem Leben ja auch mehr, als mich sinnlos anschreien zu lassen.“ Haben Sie die Hausaufgaben!“ „Aber Herr Meier, sie wissen doch, das ich aus Prinzip keine Hausaufgaben mache, weil ich Dinge verstehen möchte, und nicht nur sinnlos auswendig lerne.“ „Und äh letzte Stunde, wo waren sie da?“ „Am Strand in der Sonne. Wann ich Latein lerne, kann ich mir aussuchen, wann die Sonne scheint, leider nicht.“ „Äh ja, dafür gibt es jetzt aber einen Strich!“ „OK, wenn sie sich dann besser fühlen. Sie dürfen das nächste Mal aber gerne mitkommen. Am Strand ist genug Platz für alle.“
Repression in Kommunikation wandeln
Solchen Gesprächsansätzen liegt zugrunde, dass sie Absurditäten thematisieren, die sonst auch vorhanden sind, aber wie selbstverständlich hingenommen werden. Und damdurch, dass mensch diesen Herrschaftsquatsch thematisiert, läuft gleichzeitig die Repression ins Leere. Erst recht passiert dies, wenn mensch auch noch Repression einfordert: „Machen Sie jetzt einen Strich? Wird davon der Unterricht besser? Bringt Ihnen das Spaß?“ „Ist ihre Note - nicht meine! Die Note sagt nix über meine Fähigkeiten aus, aber sehr viel über Ihre.“ etc. Die Möglichkeiten in der Schule Herrschaft und Repression zu thematisieren, sind schier unendlich.
Unterdrückungsmaßnahmen thematisieren
Ein weitere spannender Ansatz ist die Thematisierung konkreter Unterdrückungsmaßnahmen. Zum Beispiel im Unterricht demonstrativ sein Frühstück auspacken, mit Serviette, Kaffeetasse, Besteck und darauf warten, dass die Leerkraft zu pöbeln anfängt. Dann fragen, warum es sinnvoll sei, nicht zu essen, wenn mensch Hunger habe. „Dann können Sie sich nicht auf den Unterricht konzentrieren!“ „Mit Hunger bin ich aber noch weniger in der Lage, mich zu konzentrieren.“ „Aber wenn das Alle machen würden!“ „Dann könnten alle viel besser lernen! Zumal ich nicht sehe, dass Frühstück den Unterricht behindert, sondern erst Ihr Ausrasten den Unterricht unterbrochen hat.“ Und dann lässt sich wunderbar einsteigen in generelle Herrschaftskritik, weil ja offensichtlich sei, dass das Essverbot dem Unterricht schade und nur zur Disziplinierung diene.
Zu Risiken und Nebenwirkungen
Lehris sind unter ihrer Charaktermaske Menschen! Nie vergessen! Es geht nicht darum, einem Menschen seinen Beruf zur Hölle zur machen, sondern Herrschaft zu thematisieren. Bitte immer eine Grenze zwischen Menschen platt machen und Herrschaftskritik ziehen. Und zu viele Schulis sind Radfahrer. Egoistische kleine fiese Radfahrer, die nach oben buckeln und nach unten treten. Nix tun sie lieber als auf schwache Menschen einzuprügeln (mobben). Dies zeigt sich leider auch an als gesellschaftlich „schwach“ konstruierten Lehris, die im Unterricht oft mit gnadenlosem Psychoterror überzogen werden. Das darf durch herrschaftskritisches Handeln nicht gestärkt werden. Vielmehr muss es immer Ziel sein, Schwächere zu stützen, Herrschaft zu thematisieren und abzubauen, statt eine neue Gewaltsituation aufzumachen.
Schulkritik und Aktionsmöglichkeiten: www.herrschaftsfrei-lernen.de.vu
Beispiele und Ideen
- Zeugnis-Glücksrad-Aktion in Berlin (Januar 2006)
- Aktion gegen Anwesenheitslisten in Dresdener Uni (November 2005)
- "Wilkommen im Knast"-Aktion vor Schulen in Dresden (Mai 2005)
- Schulbesetzung in Oldenburg (März 2005)
- Anti-Schul-Aktionsbroschüre
- Schulkritische Seiten auf projektwerksatt.de
Text aus dem Direct-Action-Kalender 2006
Beispiele und Ideen
Liste aus den Unistreiks 2004 in Gießen und Marburg
- Neue Gebühren für alles erfinden, um die Absurdität von "Langzeit-"Studiengebühren zu zeigen: Langzeitschläfergebühren, Gebühren für langsame Autofahrer, Langzeitsurfergebühren (www.asta-marburg.de), ... (Liste fortsetzen)
- Gucken, warum Hessen pleite ist ... aus dem Polizeiticker auf www.polizeipresse.de: Am Mittwoch, dem 12.11.03, um 15.00 Uhr, stellt Innenminister Volker Bouffier auf dem Hubschrauberlandeplatz des Polizeipräsidiums Mittelhessen in Gießen, Ferniestraße 8, die neuen Funkstreifenwagen der hessischen Polizei mit verbesserter Ausstattung vor. Hessen ist das erste Bundesland, dessen Polizei diese Ausstattung im Normalbetrieb einführt. Es sollen sechs Fahrzeuge an die Polizeipräsidien Nord -Mittel- und Osthessen übergeben werden. Zur verbesserten Ausstattung gehört auch ein neues Tonsignal, genannt "Yelp", das Polizeibeamte künftig zum Anhalten von Verkehrsteilnehmern verwenden werden. Es handelt sich um einen auf- und abschwellenden Ton ähnlich einer amerikanischen Polizeisirene. Darüber hinaus haben die neuen Funkwagen, eine Arbeitsleuchte und reflektierende Streifen zur besseren Erkennbarkeit bei Dunkelheit. Das ist gleich nach der VV in Gießen ...
- Am besten alle Bücher aus der UB und aus den Fachbereichen verkaufen. Dann ist genug Geld für die Uni vorhanden, die Attraktivität der Uni nimmt ab und es studieren weniger. Dann wird noch mehr Geld gespart.
- Nicht einschüchtern lassen! Polizisten dulden. Polizeiliche Aufforderungen gelassen entgegen nehmen. Auch wenn die Bundeswehr anrückt, durchhalten!!!
- Seminare im Vorgarten u.ä. von Landtagsabgeordneten, Minister/-innen usw. (öffentlich und vor allem der Presse ankündigen). Streß ist gar nicht nötig, wenn Bullen kommen entweder kreativer Umgang oder gehen. Das Betreten eines dafür vorgesehenden Eingangsbereiches ist noch nicht per se Hausfriedensbruch, weil mensch den ja auch tatsächlich betreten muß, z.B. um einen Werbeflyer vorbeizubringen. Für Giessener/-innen: Volker Bouffier, Innenminister der CDU-Landesregierung, wohnt nur wenige Meter neben der Neuen Mensa beim Phil I. Wegbeschreibung: Vor Mensaeingang stehend nach rechts auf den Teerweg neben dem Unigelände, dort nach links ... immer den Fahrrad-Ausschilderungen folgen ... bei Kreuzung (wo es nicht mehr geradeaus weitergeht) links (Altenfeldsweg), dann das zweite Haus links (ohne Namensschild, Kamera observiert den Eingangsbereich ... aber ist ja eh was öffentliches). Polizei fährt immer die Runde.
- An einem Tag alle Veranstaltungen auf öffentlichen Strassen/Kreuzungen stattfinden lassen. Nicht auf Polizeiforderungen eingehen. Dieses mit 30-40 verschiedenen Gruppen (Veranstaltungen); dazu Dozenten finden. Von morgens 10:00 bis 17:00. Nicht verhandeln. Es ist eine Aktion um Druck aufzubauen, ein Nachgeben unsererseits darf es nicht geben. Zur Not gewaltfrei wegtragen lassen, dann aber wieder auf die Strasse (andere/neue Veranstaltung). Wenn genug mitmachen 1000-1500 Leute können sie !NICHTS! machen. Die paar die sie kriminalisieren werden (als Exemple) werden sich nur mit ner Ordnungswiedrigkeit konfrontiert sehen, die als Busgeld 50 - 150 EUR ausmachen wird. Eine Soliparty und das Geld ist wieder drin. Ansprechpartner für die Polizei wählen, die sich der Situation gewachsen fühlen und immer nur sagen: "ja,ja, machen wir ...gleich", oder "tja, die wollen halt nicht..."
- Nackt über öffentliche Plätze rennen! Erzeugt viel Aufmerksamkeit (Presse miteinbeziehen) und Sympathie!!!
- Erstmal einfach Druck aufbauen Das kann mit Strassen-, Platz- und Kreuzungsbesetzungen anfangen. Oder man macht nen grosses Feuer auf dem Campus (oder davor). Oder man besetzt diverse Gebäude. Oder halt immer wieder unangemeldete Demonstrationen. Umsonst kollektiv Busfahren.Halt relativ einfache niedrigschwellige Sachen, die aber zu 100% eine Konfrontation mit der Gegenseite (dann halt die Polizei) herausfordern. Ziviler Ungehorsam wird das wohl genannt. So schafft man ein Bewustsein des Regiert- und Unterdrückt- werdens, welches viele noch nicht haben, welches aber dringend nötig ist. Kreative Aktionen ohne Reibung waren 1997 schon nett und nicht mehr...
- Bei TV-Shows (Harald Schmidt, TV-Total etc.) als Zuschauer Transparente/Banner hochhalten.
- Nicht auf geheuchelte Solidarität reinfallen! Presse, SPD, Grüne, Staatsanwälte, Polizei, Unileitung, Profs abblitzen lassen. Gesprächspartner der nächsten Tage sind nur die Studierenden und die Uni - Angestellten. Keine Diskussionen aufzwingen lassen. Selber agieren.
- Nie bitten: fordern !!! Forderungen Basisdemokratisch erarbeiten und Mittel zur Durchsetzung diskutieren.
- Wenn wir alle zusammen kämpfen, können wir sogar die Bundeswehr besiegen!!! solche sätze hier muss mir mal jemand erklären.
- Vollschicht-VV - also eine VV, die nie aufhört. Dann auch mal das TV einladen... Unterhaltsames Programm überlegen.
- Besetzen ist Punkt 1 !!! Daran führt kein Weg vorbei. Dann sind wir in der offensive bzw. die anderen in der Defensive. Mit denen die Forschung betreiben reden. Basisgruppen bilden und im Fachbereich weiteres Vorgehen koordinieren.
- Univerwaltung besetzen und oeffentliche Einschreibungen von allen die wollen vornehmen. Neue Studiengänge erfinden/eroeffnen
- Gesamte Verwaltung (von Einschreibungen bis zu Vorlesungen/Seminaren - Raumvergabe) selber übernehmen. Probleme auf Studierenden - Ebene diskutieren und lösen (bsp: ich muss aber morgen meine Diplomarbeit abgeben, etc). Dozenten finden, die mitmachen und neue Themen suchen. Unbeliebten Professoren / Dozenten kündigen.
- Flugblätter mit Hintergrundinformationen in alle Briefkästen schmeißen, damit alle Bürger der Stadt informiert sind.
- Seminare und Vorlesungen an vollen Plätzen in Bussen und Bahnen stattfinden lassen / auch in Verbindung mit Theater zB.: Ausgelagerter Fachbereich nun als eigenes Unternehmen auf dem Markt
- Austausch zwischen Studierenden und den Sozialen Initiativen - Seminare in verschiedenen Einrichtungen (auch CoForum) / Betreuungs- / Beratungsangebote, Kinder- / Jugendprojekte an der Uni (z.B. Drogenseminar, Tanzkurs)
- An öffentlichen Plätzen gegen Studiengebühren und sozialen Kahlschlag trommeln. Mehr Trommeln mitbringen, als Menschen, damit auch Passanten (=Öffentlichkeit) spontan mitmachen können!
- In Bussen und Bahnen mit einem Team über jetzige Situation informieren
- An Bussen und Bahnen Plakate, Transparente anbringen die die Situation und gewünschte Visionen darstellen. Den Busfahrer auffordern, eine andere Route zu fahren - Studiengebühren sind auch nicht der beste Weg.
- Frau Lochte in der Pressestelle des HMWK freut sich über alle Fragen, die sie zu Studiengebühren beantworten kann. Ihre Telefonnummer hat sie auch gleich mit dazu gegeben: 0611 / 323230.
- Eine Flash-Mob Aktion immer mit politischem Bezug ankündigen. Bitte keine Flash-Mobs ohne politischem Hintergrund, denn das schadet der guten Idee. Radioballet (mit freiem Radio + vielen kleinen Radioempfängern > perfekte Koordination durch Geisterhand)
- Sehr lange Schlange (bis auf die Straße) vor dem Sozialamt, um Antrag für Sozialhilfe abzuholen
- Schlange vor einer Wand mit Infos über Bildungsabbau, Sozialabbau und mehr
- In der ganzen Innenstadt alle 10 Meter betteln (Gründe mit verschiedenen Sprüchen und Erklärungen / Hintergrundinfos)
- Gratisessen, Gratis..., Gratisstudium, Gratisleben: Immer wieder Gratiszonen und -aktivitäten in der Stadt machen wie Kekse verteilen, Essen kochen und verteilen, Umsonstladen aufbauen und dabei offensiv Gratisleben (eben dann auch "Gratisbildung") fordern.
- Umsonst-Essen ausgeben - durch kostenlos organisiertes Essen durch Spenden/Märkte/Container/Bauernhöfe (Essen gibt's genug! Essen muss kostenlos sein!)
- Null-Diät: Nichts mehr essen, um Geld für Studiengebühren zu sparen.
- Junge Union äußert sich sehr positiv zu Studiengebühren, da ja Schröder und Co. 18 Semester und länger studiert haben und mensch daran ja erkennen kann, dass das nur nachteilig sein kann. Außerdem sind die meisten Langzeitstudenten linksextrem ;-)
- Parteien-Werbestand bei Firmen um die Vermarktung von Teilbereichen der Uni
- Univerkauf an Firmen:Rundbrief an Firmen mit Angebot für den "Kauf", Sponsoring, Patenschaft usw. von Fachschaften, Gebäuden, Vorlesungsreihen usw. - diese können dann den Namen der Firmen tragen (Dipl.-Ing. Behring-Agraringenieur und so was). Als Fälschung denkbar auf dem Briefkopf einer erfundenen Marketingagentur der Uni oder einer Partei, einem Ministerium ...
- Öffentliche Versteigerung von Teilen der Universität (Fachbereiche/Außenfassade/Beratungsstellen/Hilfskräfte/...) mit inszenierten Bietern, die noch mehr vermitteln können - Online Versteigerung (zB.: ebay)
- Flohmarkt/Schwarzmarkt für Seminarplätze
- Straße, Weg, Autobahn fast dicht machen & nachher bei Fußgängern Geld verlangen, da sie zu lange zum passieren gebraucht haben. - führt dazu, den Ruf der Studierenden zu schädigen und erhöht Druck auf Studiengebühren
- Eine Menschenkette um den Landtag machen und niemanden - wenigstens eine Zeit lang - durch lassen.
- Verwaltungsgebäude blockieren, damit nicht festgestellt werden kann wer welche Gebühren zahlen muss. In die Gebäude eindringen und Kassenbestände plündern.
- Die dreiwöchentlichen drei Verhandlungstage im Landtag zu drei Tagen Ausnahmezustand erklären - Aktionen, Demos bis ins unendliche und nicht kontrollierbare. Stress machen, und eine Zukunftsvision in Form einer kreativen Aktion aufzeigen und hier auch hier wieder die gewichtigen Unterschiede zwischen einem Student mit reichen Eltern und einem Student mit armen Eltern aufzeigen. Wichtig: Die Zeitungen müssen am nächsten Tag voll davon sein.
- Anbetung der Regierung - Zeremonie im Landtag
- Als Druckmittel die Stadt oder mehrere Städte lahm legen. Verkehr, Zufahrten, wichtige Firmen, Parkplätze, Brücken, Autobahnen, ...
- Studienzeiten von Schröder, Koch, Gysi & Co. veröffentlichen:
- '''das ist doch x was! aber ich lese und höre immer nur druck aufbauen, langsam frage ich mich jedoch ernsthaft, gegen wen hier wer drückt? wir uns gegenseitig ins aus? Auf Plakaten, Postkarten usw. die Studienzeiten berühmter Leute veröffentlichen. Oder als Satire für die Studiengebühren veröffentlichen, wer alles von Spitzenpolitikis Langzeitstudi war - und das die dann auch keinen "vernünftigen Job" mehr bekommen haben, was dazu führte, dass sie in die Politik gehen mussten. Letzteres ist dann auch wieder als Subversion, z.B. auf dem Briefpapier erfundener oder tatsächlicher Gruppen, die für die Studiengebühren sind/sein könnten
- Ich-AGs unterwegs zwecks Studienfinanzierung: Musizieren, Schuheputzen, Klamotten entfusseln, Rasieren oder weitere Dienste (skurile?) in der Fußgängizone anbieten und Schild daneben: "Spende zur Finanzierung meines Studiums". Eventuell auch als Variante nix machen und Schild: "Kann nix, will aber auch studieren" u.ä. Wenn es mehrere machen, könnte auch noch Konkurrenzkampf zwischen den Ich-AGs toben - z.B. "Billigster Schuhputzer auf dem Seltersweg" usw.
- Unzählige Ich-AGs gründen, die durch Putzen, Fegen, Autos waschen usw. sich in Konkurrenz zueinander vermarkten und dabei eine schöne nicht formal angreifbare Demonstration abgeben. (auch vor dem Landtag möglich)
- Menschenschlangen: Vor irgendwelchen Häusern, Ausstellungen, Infoständen usw., für die Aufmerksamkeit erzeugt werden soll, Anstehschlangen bilden. Das führt oft dazu, dass Passantis nachfragen, was denn da los sei. Verbindbar mit z.B. Lotterien (2 Studienplätze ohne Gebühren zu verlosen ...).
- 40 Euro FÜR Schwarzfahrer, 50 Euro FÜR Langzeitstudierende: Überkleber in exakt gleicher Machart und Farbe wie Schwarzfahrerschilder in Bussen und Bahnen, aber eben mit neuem Inhalt (60 Euro für Besserwisser).
- Vom Streik bis zur Aneignung: Die Uni selbst bestreiken kann den Druck von Einzelaktionen deutlich erhöhen. Allerdings ist ein reiner Streik immer ein Appell an die Mächtigen, ohne deren Rolle in Frage zu stellen. Anders ist das bei einer Besetzung oder Aneignung. Räume, die "erobert" und dann z.B. für andere Lernformen (gratis, selbstorganisiert usw.) genutzt werden, verbinden Protest mit visionären Ausblicken. Das gilt nicht nur für Aktionen an der Uni. Wenn z.B. Proteste gegen Busse oder Bahnunternehmen organisiert werden sollen, gäbe es diesen Unterschied auch: Busse bestreiken oder eben fahren - aber ohne Fahrscheine. Letzteres wäre die Anerkennung der Produktionsmittel und gesellschaftlich falschen Ressourcen für visionäre Politik. In Deutschland ist visionäre Theorie sehr wenig vorhanden, es dominieren durchstrukturierte Funktionäri-Gruppen und an Recht und Ordnung orientierte Aktionsformen (z.B. Demos, Petitionen, Resolutionen, Trommeln). In anderen Ländern ist das oft anders.
- 48h-Uni: Eine Idee, die z.B. in Göttingen schon einige Male gelaufen ist (zwar ohne Erfolg, hat aber Spaß gemacht). Ein Gebäude der Uni (oder auch mehrere) wird für z.B. 48h und dann rund um die Uhr zum Ort selbstorganisierten Lernens. Alles ist offen - wann welche Workshops, Pornofilme, Vorlesungen, Trainings, Filme, Spiele usw. laufen. Rund um die Uhr geschieht das, also auch um 4 Uhr nachts kann das alles beginnen. Rundherum Cafes, Treffpunkte, Fixerstuben und mehr. Diese Idee ist für Gießen schon ein bisschen angedacht. Wer noch Lust hat, das irgendwann in den nächsten Monaten mal zu verwirklichen, kann sich in der Polizeiwache Saasen melden: Tel. 06401/903283.
- Die 48h Unis liefen doch sehr gut. Klar, langfristig waren sie einmalige bzw. einmal im Jahr stattfindenden Ereignisse. Doch das Prinzip sollte bei jedem Protes an der Uni verwendet werden. Aneignung (des Raums) und selbermachen der Lehre.
- Bei den 48h-Unis in Göttingen, die gerade am Anfang sehr erfolgreich waren, sollten üblicherweise vorhandene Trennungen/Hierarchien aufgelöst werden - zumindest für 48 Stunden: Lehrende/Lernende, akademische Bildung/nicht-akademische Bildung, Männer/Frauen, Uniangehörige/Bürger der Stadt. Außerdem sollte die Uni zum Lebensraum werden, um das übliche Konzept einer von den konkreten Lebensumständen unabhängigen AkademikerInnenfabrik zu hinterfragen.
- Militanz: Viel Streit gibt es oft um Militanz als Aktionsformen. Dabei wird suggeriert, Gewalt als solches würde ein Kriterium für die Qualität von Aktionen sein. Das ist absurd. Weder ist z.B. eine zersplitterte Glasscheibe oder eine besprühte Wand an sich gut (weil eben cool militant) noch an sich schlecht (weil eben böse gewalttägig). Wie bei allen anderen Aktionsformen sollte auch eine militante Aktion nur dann erfolgen, wenn sie emanzipatorische Inhalte vermittelt, Menschen nicht gefährdet oder diskriminiert (gilt für Blockaden, Theater usw. auch) und als Mittel passend ist zum vermittelten Gegenstand
- Der Seltersweg als eine der größten hessischen Einkaufsstraßen wird dichtgemacht und es wird eine autonome Zone eingerichtet mit Flugies werden dann die Kapitalisten solange zugeschüttet wie es geht
- Blutspenden zur Finanzierung diverser Projekte
- ... ist ne gute Idee, aber - Obacht! - nicht übertreiben: Massensuizid ist zwar Protest pur, führt aber nur zu dem, was unsere 'Gegener' wollen: Weniger Studierende!
- Plakate an Busse kleben mit dem Schriftzug: " Bus ins nirgendwo" , das durch mehr oder weniger geschickte Handhabung in den Kontext zu Studiengebühren gesetzt wird.
- Falls alles scheitert, bleibt noch Ziviler Ungehorsam, speziell ein Regierungsboykott. Soll heißen, dass man die getroffenen Entscheidungen ignoriert, und z.B. Studiengebühren einfach verweigert. Je nach Rückhalt in der Bevölkerung könnte man weitergehen und Komittees aufstellen, die zeitweise mehr oder weniger die Regierungsgeschäfte übernehmen. Das hört sich nach Revolte an, aber die Idee dahinter ist, dass man der Behörde oder der Regierung, die gehen den Willen der Bevölkerung handelt, die Authorität untergräbt/entzieht.
- Diese Liste ist ein Aus dem Aktionswiki zum Streik
Links zu Aktionsberichten auf der Beispielseite zu Direct-Action ++ speziell zu Bildung ++ Kommunikationsguerilla an der Uni
Aktionsberichte
- Trimester der Hochschule für bildende Künste in Hamburg (einziger vollzogener Studiengebührenboykott 2007) ++ eigene Seite
Links zur Bildungskritik
- Aktionen an Schulen
- Theorie und Utopie "Lernen von unten"
Tierschutz, Tierrechte
Pelz
- Theaterszene in Pelzgeschäft (Clownsarmy im Dez. 2007)
Bedrohte Arten vom Speiseplan eliminieren
Auch der überzeugte Vegetarier wird sich kaum realistische Hoffnungen machen, die fleischessenden Mitbürger in Bälde völlig vom Fleischgenuß abbringen zu können. Zumindest der Verzehr von Tieren bedrohter Arten jedoch dürfte auch "Kadaverfressern" ein unappetitlicher Gedanke sein. Ein effektiver Weg diesen zu verbreiten ist es, auf Speisekarten in Restaurants zum Beispiel Schnecken und Schildkrötensuppen etc. durchzustreichen und eventuell eine kurze Erklärung für diese Zensur hinzuzufügen.
(Aus Pieper, Werner (1990): "Widersteh' Dich!", Werner Pieper's Medienexperimente in Lörrach)
Waldspaziergang – einmal anders ... Gedanken zu direkten Aktionen gegen Jagd
Unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der Ökologie oder auch ganz offen aus "Spaß am Töten" sind in den uns umgebenden Naturfleckchen zahlreiche Schießwütige unterwegs, deren Treiben nicht ungehindert zugesehen werden muss. Der Einstieg in Direkte Aktionen fällt beim Thema Anti-Jagd recht leicht, die meisten Aktionen sind legal bis niedrigschwellig, insbesondere, da die ausgespähten Objekte in der Regel unbewacht mitten im Grünen liegen.
Dass Hochsitze oder Kanzeln nicht für ewig erbaut sind, das wissen die meisten. Herkömmliche Holzbauten lassen sich leicht umsägen oder kippen, bei geeigneten Wetter- und Umweltbedingungen auch zu einem wärmenden Lagerfeuer verarbeiten. Das ist eine der einfachsten Sachen der Welt, aber warum stehen denn eigentlich noch so viele? Wie immer: Bitte niemals Hochsitze angesägt hinterlassen, mensch hat es nicht auf die Gefährdung von JägerInnen abgesehen.
Darüber hinaus hält die Technisierung auch bei den JägerInnen Einzug. Oft aufgewachsen in der Stadt ist der oder die Durchschnittsjagende nicht mehr vertraut damit, bei Nacht und Nebel durch den Wald zu stapfen und das "Wild" an Spuren zu erkennen. Stattdessen sind Jäger und Jägerin mit Autos unterwegs, oft Geländewagen oder Pickups, die an irgendeiner Stelle des Wagens nach außen durchblicken lassen, dass es sich um jagende EigentümerInnen handelt. Diese Autos (Vorsicht, meist ist Jägerin oder Jäger nicht weit, denn mensch möchte nicht viel laufen!) lassen sich nach Bedarf verzieren (zum Beispiel mit Abbeizer und Pinsel), oder es könnte vorkommen, dass urplötzlich Luft auf den Reifen fehlt.
Der moderne Homo sapiens jägermeister hinterlässt auch einen Teil seiner Technik im Wald. So finden sich moderne Kirrungstonnen aus Aluminium, die sich mit entsprechendem Gerät zerkleinern und dorthin befördern lassen, wo sie hingehören: In den grünen Punkt. Salzlecksteine können vergraben, Futterkrippen zerstört werden. Kein falsches Mitleid mit den Tieren im Winter! Das Füttern hat nur den Sinn, dem Jäger neues Wildfleisch heranzuzüchten und es an berechenbare Orte zu locken! An Futterplätzen finden sich häufiger auch Wilduhren, die mitsamt Ummantelung ins Getreide gesteckt sind. Kostenpunkt mindestens 30 €.
Sind Menschen nur für kurze Zeit oder spontan ohne Ausrüstung im Wald spazieren, ließen sich zumindest die Einrichtungen der Kanzeln etwas schmälern. Stühle verstecken, Teppiche, Leitern, Sichtschutz, Wärmedämmung, Wolldecken verschwinden lassen. Oder ihnen kleine Präsente in die Kabine legen. Klebrigen Saft auf Fensterbrettchen oder Holzbank hinterlassen. Vielleicht hat mensch ja einen Hund dabei, der dringend mal muss? JägerInnen überlegen sich in der Regel sehr genau, welchen Hochsitz sie in einer Nacht ansteuern wollen. Und da sie unflexibel sind, hält sie fehlendes Mobiliar oder ekelhafter Gestank zumindest eine Nacht lang vom Töten ab. Vor Jagden oder an Stellen, die bekanntermaßen gern von JägerInnen zum Morden verwendet werden, lassen sich Haare auslegen (im Friseursalon fragen ist allemal besser als eigene DNA-Ausweise zu hinterlassen).
Doch neben diesen insbesondere finanziell schädigenden Formen des Protests gegen Jagd stehen andere, nicht minderwichtige: Kommunizieren! Ob direkt mit JägerInnen, was je nach Situation nicht unbedingt ungefährlich ist, ob morgens mit PlatznachbarInnen im Bus oder auch indirekt über Hinweisschilder ("Idyllisch? Hier wurde heute Morgen ein Reh erschossen!"). Es ist wichtig, die Problematik in den Alltag der Menschen zu bringen, die zumeist sowieso nicht verstehen, wieso gejagt wird.
Übrigens: Viele Aktionen lassen sich auch gegen Randbereiche der Jagd, wie Schädlingsbekämpfung und Angeln, mitten in der Stadt organisieren!
Etwas gegen Jagd zu tun, hat vor allem etwas mit Fleiß und Kreativität zu tun. Aber auf jeden Fall bietet das Thema ein buntes Direct Action-Potpourri, bei dem für alle Interessierten etwas dabei sein dürfte...
- Jäger-"Couch" zerstört
- Kritisches zu Jagd
- Infos zu Hochsitzen
- Infos zu Jagdsabotagen
Öko-Aktionen
Aktionen
Klimaschutz
- Gesammelte Berichte vom Frühjahr 2008
Ideen zum Schutz von Flüssen und Bächen
Ausgewählte Aktionsideen aus Jutta Ditfurth/Rose Glaser (1987): "Die tägliche legale Verseuchung unserer Flüsse und wie wir uns dagegen wehren können", Rasch und Röhring in Hamburg (S. 283 f., ganzes Kapitel als .rtf-Download)
- Aktionsformen nach der Rheinkatastrophe in der Schweiz:
- Lifeboat: eine Gruppe startet eine Informationskampagne vom Boot aus.
- Plakataktionen: Eine Künstlerinnengruppe organisiert das Aushängen von Großplakaten zum Thema xoter Rhein«. Immer wieder erscheinen neue Plakate (»wilde« Plakate wurden nach dem 1. November 1986 überall aufgehängt und sofort wieder amtlich entfernt).
- Requiem für den Rhein: ökumenische Messe in einer Kirche, Trauermarsch zum Fluß, Trauermusik und verschiedene Aktionen auf einer Rheinbrücke.
- Menschenkette von Basel bis Rotterdam.
- Eine fischende Fischerpuppe wurde in niedrigem Rheinwasser aufgestellt, dazu eine Reihe schwarzer Totenkreuze.
- An bestimmten Tagen wurden in der ganzen Stadt frühmorgens schwarze Trauertücher aus den Fenstern gehängt (»Eine Stadt trauert um ihren Rhein«)
- Aktionen im Parlament: Umweltinitiativen - als Besucher in öffentlichen Sitzungen und als Öffentlichkeit stiftende Eindringlinge bei geheimen Sitzungen -können das Parlament zu Aktionen nutzen und so an einer wichtigen Stelle eine öffentliche Auseinandersetzung erzwingen. Aus den grauen Sitzungsräumen kann ein bunter Marktplatz der Meinungen werden. Tote Fische am Rednerpult und ein an Luftballons hängendes, über den Köpfen der Abgeordneten schwebendes Transparent können das parlamentarische Ritual unterbrechen.
- Alternative Flußrundfahrt und Bildungsurlaub auf dem Wasser
Was bedeuten die Vergiftung und Zerstörung eines Flusses für Menschen, die nicht direkt am Fluß leben, oder für Menschen, die gar nicht mehr die Zeit erlebt haben, in der man noch in Flüssen baden konnte? In Hamburg veranstalten Umweltinitiativen seit vielen Jahren alternative Hafenrundfahrten durch die ökologisch finstersten Gebiete des Hafens. Wer an den meterdicken Abwasserrohren vorbeifährt, erkennt, was Flußvergiftung bedeutet. - Alternative Werkspionage
Es gibt viele Mittel, Informationen zu beschaffen, vom konzentrierten Lesen von Firmenprospekten bis zum Auskundschaften von Schreibtischen und Mülltonnen.
Eine gute Möglichkeit ist das Fotografieren von Fabrik- und Militäranlagen über den Werkszaun. Mit einem lichtstarken Teleobjektiv lassen sich so Aufschriften von Giftfässern und Pläne hinter den Fenstern von Büros dokumentieren.
Rechtsgrundlage: Zum Schutz eigener Ansprüche darf auf dem Wege der Selbsthilfe eine Sache weggenommen, zerstört oder beschädigt und können Beweismittel gesichert werden. Dies gilt, sofern behördliche Hilfe nicht rechtzeitig zu erlangen ist und ohne sofortiges Eingreifen die Gefahr besteht, daß die Verwirklichung des Anspruches vereitelt oder wesentlich erschwert wird (§ 229 Bürgerliches Gesetzbuch). - Auwaldbesetzung:
Im Herbst 1984 rückten die ersten Baumaschinen an, um den letzten großen Auwald Westeuropas, die Donauauen östlich von Wien, zu fällen und anstelle der Urlandschaft ein Wasserkraftwerk zu errichten.
Der Widerstand vor Ort begann mit der Besetzung des bedrohten Auwalds durch eine noch relativ kleine Gruppe von Auschützern. Eine gewaltsame Räumungsaktion der Polizei brachte den Widerstand gegen die Auwaldzerstörung an die internationale Öffentlichkeit. Durch die gewaltfreie Entschlossenheit der Besetzer und den brutalen Polizeieinsatz entstand eine alle gesellschaftlichen Gruppen Österreichs erfassende Solidarisierung mit dem Widerstand gegen die Donauzerstörung. Während Unterschriften für ein Volksbegehren gegen die Donauzerstörung gesammelt wurden, besetzten mehrere tausend Bürger die Au. Sieben Widerstandsdörfer entstanden. So wurde die Auwaldzerstörung gestoppt. Der Bau von Hainburg ist politisch undurchsetzbar geworden. - Bachpatenschaften.
Bürger kümmern sich um ihren Bach. Dazu kann gehören:
1. öffentliche Bachbegehung: Abwassereinleitungen und Betonierungsmaßnahmen werden gezeigt (zum Beispiel: Vergleich des aktuellen Zustands mit alten Fotos und Zeichnungen des Bachs aus Archiven und Familienalben);
2. der eigenständige Rückbau der vorhandenen Kanalisierung: In einer öffentlichen Aktion wird Müll weggeräumt, mit der Spitzhacke oder kleinen Baumaschinen Beton entfernt und anschließend wiedergewonnenes Ufer mit standortgerechten Bäumen bepflanzt.
Geltende Wassergesetze können es notwendig werden lassen, daß Bürger in Selbsthilfe das »Vollzugsdefizit« des Staats beheben helfen: Das hessische Wassergesetz enthält zum Beispiel (§ 46) die gesetzliche Pflicht, kanalisierte Bäche, »sofern nicht überwiegende Gründe des öffentlichen Wohls entgegenstehen, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen«. - Bauplatzbesetzung: Im Mai 1979 besetzten 10 000 AKW-Gegnerinnen den Bauplatz des Atomkraftwerks Torness.
- Behördenpatenschaft:
In aller Regel errichten die für den Gewässerschutz zuständigen Behörden um sich eine Mauer des Schweigens, wenn Betroffene odei Interessierte um Informationen über die Flußvergifter nachsuchen. Abwasserdaten werden verschwiegen, die Gewässerverschmutzung wird gedeckt.
Hinter der monolithischen Fassade der Verwaltung sitzen einzelne Sachbearbeiter, die für ganz bestimmte Aufgaben zuständig sind. Diese Aufgabenbereiche gilt es aufzuklären, um dann eine »Betreuung« der einzelnen Sachbearbeiter durch die örtliche Initiative zu organisieren. Wöchentliche Besuche mit der Bitte um einen regelmäßigen Tätigkeitsbericht, regelmäßiges Abfordern von Informationen, beharrliches Einfordern von Informationsrechten an der richtigen Stelle und viele Gespräche - im Guten wie im Bösen - führen häufig zu interessanten Ergebnissen. Zumindest aber tragen sie Unruhe in den Hort der Anonymität. - Botschaftsbesetzung:
Um internationale Zusammenhänge bei der Wasservergiftung und Flußzerstörung deutlich zu machen und auf die Regierung eines oder mehrerer Länder internationalen Druck auszuüben, können Botschaften besetzt werden.
Dies ist eine Möglichkeit, sich durch eine Aktion auf einen ganzen Staat zu beziehen. Da die Regierung der betroffenen Botschaft die Polizei eines anderen Landes um Hilfe bitten muß, entstehen interessante Situationen ... Eine unbefristete Besetzung mit einem alternativen Botschaftsbetrieb (zum Beispiel von der Botschaft aus die Bevölkerung informieren) kann über viele Tage internationale Öffentlichkeit herstellen. - Fabrikblockade und Fabrikbesetzung:
Oktober 1983: Die Chemie Linz AG plant die Wiedereröffnung der Trichlorphenolanlage, einer Fabrik, bei deren Produktion Dioxin entsteht. Greenpeace Österreich organisiert eine Blockade und eine Besetzungsaktion dagegen. Florian Faber, der bei der Aktion mitgemacht hat, berichtet:
»In aller Früh klettern zwei unserer Leute in selbstgenähten, täuschend ähnlichen Werksanzügen in das Gelände der Chemie Linz und warten dort die Dämmerung und eine gute Gelegenheit ab, um, ausgerüstet mit einem Transparent (>Nie wieder Seveso<), die umstrittene 2,4,5-T-Anlage zu besteigen. Gleichzeitig machen sich zwei Paddler bereit, mit einem Boot und einem fünfzig Meter langen Transparent den Werkshafen abzusperren. Zehn unserer Aktivisten stecken mittlerweile schon nervös in gelben Overalls und besprechen, wer in welcher Reihenfolge die zwanzig Fässer abzuladen und aufzustellen hätte, mit denen wir symbolisch die Werkseinfahrt blockieren wollen. Noch einmal wird geprobt, alles klappt.
Es geht los. Die Fässer auf dem Lkw, der Rest folgt im VW-Bus, ab in Richtung Werkseinfahrt. Bei der Ankunft ist klar: Wir werden erwartet! Eine bedrohliche Menge steht erwartungsvoll vor dem Tor. Irgend jemand muß geplaudert haben, die wissen, was wir wollen! Auffallend die vielen Herren im Anzug - Betriebsräte, die ihre Arbeiter in den Kampf schicken!
Die Entscheidung muß rasch fallen, wir werden die >Aktion Fässer< trotzdem versuchen. Doch kaum laden wir die ersten Tonnen ab, als sich schon die Menge auf uns stürzt und mit unglaublicher Brutalität anscheinend schon lange aufgestauten Aggressionen Luft macht. Fässer fliegen durch die Luft, es setzt Tritte und Schläge, auch die versammelten Journalisten bekommen ihren Teil ab. Es wird zu gefährlich, wir brechen unser Vorhaben ab und versuchen, die Fässer wieder aufzuladen. Doch auch das wird uns nicht leichtgemacht. Für die Arbeiter vorbereitete Flugblätter, in denen wir auf die vielen Unfälle bei der 2,4,5-T-Produktion hinweisen, bei denen schon 2000 Arbeiter schwere Schäden davongetragen haben, werden uns entrissen und ins Gesicht geschleudert. Nichts wie weg, es wird zuviel.
Unsere ganze Sorge gilt nun den beiden im Werk selbst. Über Funk erfahren sie, daß sie bereits entdeckt sind, Arbeiter klettern ihnen gefährlich nahe und drohen, sie hinunterzuschmeißen. Wir bitten um Polizeischutz für die beiden, denn mittlerweile konzentriert sich die aufgestachelte Wut auf sie.
Bei der anschließenden Pressekonferenz sind auch die Reporter froh, heil davongekommen zu sein, von uns ganz zu schwcigen.
Jetzt sind wir bekannt. Plötzlich rennen uns die Zeitungsletite die Türen ein und nicht umgekehrt. Die 2,4,5-T-Problematik ist schlagartig voll im Gespräch, heiße Diskussionen folgen auf allen Ebenen. Wir bleiben dran, über ein Jahr versuchen wir das, was durch die Prügelaktion angezettelt wurde, nun durch politische Verhandlungen, endlose Gespräche mit Chemikern, mit den Linzer Umweltbehörden und auch mit der Chemie Linz AG auszunützen, um doch noch zu einem Erfolg zu kommen. Nur jetzt nichts abreißen lassen, keine Ruhe geben.«
Ein Jahr später steht der Erfolg fest: Die 2,4,5-T-Produktion wird nicht wiederaufgenommen. - Grundwasserproben aus Beobachtungsbrunnen: In der Umgebung von allen Wasserwerken und vielen Mülldeponien gibt es von den Behörden eingerichtete Grundwasserbeobachtungsbrunnen. Diese Brunnen lassen sich mit einfachem Werkzeug leicht öffnen. Mit einem selbstgebauten Schöpfgerät oder einer Handpumpe kann man Grundwasserproben gewinnen. Je nach politischer Situation können geheime oder öffentliche Brunnenöffnungsaktionen gemacht werden. So lassen sich wissenschaftlich einwandfrei und öffentlichkeitswirksam Grundwasservergiftungen und Bedrohungen der Trinkwasserversorgung nachweisen.
- Juristische Mittel bei der politischen Arbeit nutzen: Im Umwelt- und Planungsrecht sind viele Einspruchs-, Informations-, Anhörungs- und Klagemöglichkeiten für Bürger enthalten. Die im Wasser-, Bau- und Immissionsschutzrecht genannten Formen der Bürgeranhörung, der öffentlichen Information und des Widerspruchs gegen Planungen und Genehmigungen haben oft nur Alibicharakter. Außerdem gibt es genügend Paragraphen, die es Industrie und Behörden erlauben, die beschränkten vorhandenen Einflußmöglichkeiten von Bürgern zu umgehen.
- Plakatwände: Öffentliche Plakatwände können auch von Einzelpersonen und Initiativen gemietet werden. Die Bedingungen sollten in einem schriftlichen Vertrag festgehalten werden. Es läßt sich auch vereinbaren, daß die Plakatwand/wände, mit weißem Papier beklebt, dem Mieter zum Beschreiben und Bemalen überlassen wird/werden.
- Probenentnahme mit dem Schlauchboot:
Geheim zu jeder Tages- und Nachtzeit und öffentlich, etwa begleitet von einer schwimmenden Pressekonferenz (Journalisten und interessierte Bürger auf einem geliehenen Motorboot oder gemieteten Ausflugsschiff), können Wasserinitiativen von einem Schlauchboot aus direkt an Einleitungskanälen und -rohren Proben entnehmen.
Oft ist die Probenentnahme vom Wasser aus die einzige Möglichkeit. Die Großindustrie hat ihre Gifteinleitungsanlagen häufig so gebaut, daß sie vom öffentlichen Ufer aus nicht zu erreichen sind.
Es ist sinnvoll, vor einer öffentlichen Probenentnahme zu klären, was, wo und wann eingeleitet wird. Im Schutz der Öffentlichkeit kann auch versucht werden, über den Wasserweg auf das Gelände von oft militärisch abgeriegelten Industriebetrieben zu kommen, um dort Proben zu entnehmen (Boden, Fässer, Pflanzen usw.). - Tribunal:
Der Nutzen dieser Aktionsform wird am folgenden Beispiel deutlich - was aber nicht heißen soll, daß Tribunale nur in solch großem Maßstab möglich wären. Kleiner geht's auch.
Das Internationale Rheintribunal wurde nach einer Serie von Katastrophen am 13. Dezember 1986 nach Auggen (Baden) am Oberrhein einberufen. Es war eine regionale, nationale und internationale Vernetzung von Umweltgruppen und grünen Parteien aus den Rheinanliegerstaaten. An diesem Tag formierte sich erstmals ein breiter internationaler Widerstand gegen die Chemieindustrie. Zur Verhandlung standen der Fall Sandoz sowie die alltägliche legale Rheinvergiftung durch Hoechst, BASF, Bayer und andere Konzerne. Angeklagt waren die Verursacher aus der Chemieindustrie sowie die Verantwortlichen aus der Politik.
Die eintägige Veranstaltung begann mit den Anklagen von Vertreterinnen aus der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und der BRD, gefolgt von einer Publikumsanklagerunde. Anschließend sollten die Angeklagten gehört werden, die eingeladen, jedoch nicht erschienen waren. Es folgte die Befragung der Sachverständigen durch die internationale Jury. Den Abschluß bildete eine Publikumsfragerunde, die sich an alle Beteiligten auf dem Podium richtete.
Danach zog sich die Jury zur Beratung des Urteils zurück, während in einem Beiprogramm die weltweiten Zusammenhänge zwischen der Chemieproduktion und der Umweltverseuchung in der Dritten Welt dargestellt wurden.
Das Urteil wurde am darauffolgenden Tag auf einer internationalen Pressekonferenz in Weil am Rhein verkündet und anschließend im Rahmen der Aktion »Rheinalarm« von Basel bis Rotterdam auf den Rheinbrücken und auf den Kundgebungen entlang des Rheins verlesen. ... - Sichtbarmachen der Vergiftung:
Gifteinleitungen sind oft nicht leicht zu erkennen. Abwasserrohre, die private oder staatliche Betriebe versteckt verlegt haben, können manchmal durch kleine bauliche Veränderungen gut für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden (Umleitung eines Rohrs, Verlegung von Zäunen usw.).
Mit Hinweisen (Schilder, Markierungen) auf Giftproduktionen und -deponien, Einleitungskanäle und Flußzerstörungsmaßnahmen (zum Beispiel Uferbetonierung) kann ein Vergiftungs- und Flußzerstörungslehrpfad eingerichtet werden. Damit die Hinweise nicht zu leicht beseitigt werden können, sind dauerhafte Markierungen notwendig: zum Beispiel das wiederholte Besprühen von Fabrikwänden oder betonierten Ufern. - Die Strafanzeige:
Ein Mittel, um bei einer Kampagne gegen Wasservergiftung politischen Druck zu erzeugen, kann darin bestehen, gegen die Verantwortlichen öffentlich Strafanzeige zu stellen.
Eine Strafanzeige, die mit Flugblättern, Plakaten, einer Pressekonferenz und anderen Aktionen öffentlich gemacht wird, zwingt schweigende oder zum Schweigen gebrachte Umweltbehörden und Staatsanwälte, gegenüber der Bevölkerung Stellung zu beziehen. Aufgrund der geltenden Gesetze muß von der Staatsanwaltschaft jedem Hinweis auf eine strafbare Handlung nachgegangen werden.
Wegen ihrer Industrieabhängigkeit unterschlagen Behörden ständig Hinweise auf Umweltverbrechen und leiten sie nicht an die Staatsanwaltschaften weiter.
Die baden-württembergische Landesregierung hat dazu ein aufschlußreiches Bekenntnis abgegeben: »Eine Verpflichtung der Behörde, bei Anhaltspunkten sofort Anzeige zu erstatten, könnte die Verantwortlichen von jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Verwaltung abhalten.«
Dazu kommt, daß Staatsanwälte oft von oben angewiesen werden, nicht zu ermitteln, wenn es um die Umweltkriminalität der Großindustrie geht.
Eine Strafanzeige von Bürgerinitiativen kann helfen, diesen Filz sichtbar zu machen, und unabhängige Kräfte in der Staatsanwaltschaft unterstützen, trotz aller Schwierigkeiten zu ermitteln.
Die Staatsanwaltschaften sind verpflichtet, jeden Bürger, der eine Strafanzeige stellt, über das Ergebnis der Ermittlungen - auch wenn sie eingestellt werden - zu unterrichten. Jeder kann eine solche Strafanzeige stellen. - Verschließen von Abwasserrohren:
Wenn Abwasserrohre einen nicht zu großen Durchmesser haben und die Strömung in ihnen nicht zu stark ist, können sie mit schnellhärtendem, wasserfestem Zement zugeklebt werden.
Mit der Aktion kann praktisch und anschaulich auf gefährliche und/oder illegale Gifteinleitungen hingewiesen werden. Wirkungsvoll ist sie nur, wenn sie mit einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit verbunden wird. Die Aktion kann zum Beispiel bei einer alternativen Werksbesichtigung oder Pressekonferenz vor den Augen der Öffentlichkeit durchgeführt werden.
Es ist keine Nacht-und-Nebel-Aktion, sondern Notwehr. Wasservergiftung ist illegal, ihre Verhinderung ist legal. Siehe dazu die Notstandsregelungen in § 228 BGB und § 127 StPO. - Werksbesichtigung:
Die Produktionsstätten der Großindustrie sind oft wie militärische Anlagen bewacht. Wenn es »das Loch im Zaun« nicht gibt und eine fotografische Dokumentation über den Zaun keine ausreichenden Erkenntnisse über die Giftpraxis des Industriebetriebs erbringt, bietet sich die Benutzung der Werkstore an. Schlechter kontrollierte Tore kann man in passender Arbeitskleidung und mit entsprechend unauffälligem Auftreten häufig unbemerkt passieren. Scharfbewachte Werkstore können durch kritische Arbeiter des Betriebs benutzt werden. Im unüberschaubaren Arbeitsalltag einer großindustriellen Anlage ist kaum zu verhindern, daß »Betriebsangehörige« an sensiblen Punkten (zum Beispiel Werksdeponien, Kanalrohren) Proben für Umweltinitiativen entnehmen.
Unter Umständen lassen sich auch bei offiziellen Werksbesichtigungen wichtige Erkenntnisse gewinnen.
Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz
Für alle umweltrelevanten Informationen (Naturschutz, Energie- und Verkehrspolitik, Raumplanung, Bauleitplanung, Gentechnik, Immissionsschutz usw.) besteht ein gesondertes Gesetz - zum einen auf Bundesebene (Umweltinformationsgesetz) sowie zum anderen für alles Länder (betrifft dann Landeseinrichtungen und -behörden). Danach können die Akten gebühren- oder sogar kostenfrei auf den Behörden eingesehen, meist sogar abfotografiert oder gegen Kostenübernahme kopiert werden.
- Beispiel für das Ergebnis solch einer Akteneinsicht: Genversuchsfeld mit Gerste der Uni Gießen
- Leitfaden zur Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz
Links zu Ökothemen
Aktionen zu Utopien
Intro
Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat
Muß der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Ich finde, wir sollten erst Menschen sein und danach Untertanen. Man soll nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit...
Wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, daß es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach dein Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten.
Henry David Thoreau, Aus Pieper, Werner: "Widersteh' Dich!", W. Piepers Medienexperimente in Lörrach
Gegenstadt, Utopie-Camp
Mitten in einer Stadt über Demonstrationsrecht für einige Tage eine Gegenstadt aufbauen - alles offen, jedermensch erwünscht, alles gratis ... dazu Aktionen, Kunst und mehr.
- Beispiel: Versuch eines Utopie-Camps in Gießen 2003
- Aktionsberichte und -beispiele zu Arbeitskritik ++ Religionskritik
- Eroberung des öffentlichen Räumen (Reclaim the streets usw.)
- Internetseiten zu Herrschaftskritik und Utopien
Mehr Themen
- Gegen Nazis ++ gegen Rassismus
- Aktionsideen zu Krieg und Militär
Links
- Tipps für DemonstrantInnen und Demo-Organisierung/-Recht
- Trainings, Vernetzung und mehr
- Wiki zu Widerstand im Alltag
- Infoseite zur Broschüre "Widerstand im Alltag"
