auf
Intro Blickwinkel Zitate: Emanzipation Macht Buch&Projekt Fragen
Materialien

Freie Menschen in freien Vereinbarungen
Theorie & Praxis herrschaftsfreier Gesellschaft

Übersicht ++ Intro ++ Bücher ++ Herrschaftsfreiheit versus Liberalismus ++ Internetseiten ++ Termine ++ Weitere Links
Wer keine Visionen hat, muss wohl Bundeskanzler werden.

Bild mit Hauptlinks zu Utopien Übersicht

Zweite Auflage "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen"
Die Texte stehen auf diesen Internetseiten (immer zwischen den einem schwarzen Anfangsbalken mit Link auf die Gesamtgliederung und einem schwarzen Endbalken mit Link auf das Folgekapitel) zu finden.

Grundlagentexte
Zitate und mehr
Demokratie und Staatskritik
Zitatesammlungen zu Ideologien

Auf Wiki-Seiten, d.h. die Sammlungen können frei ergänzt werden:

Praxis

Aus: http://coforum.de:80/index.php4?Peter_Kropotkin
Beseitige die Bedingungen, welche es einigen erlauben, sich der Früchte aus der Arbeit anderer zu bemächtigen. Und, statt die Gesellschaft von oben nach unten, vom Zentrum in die Peripherie bauen zu wollen, laß sie sich - durch die freie Vereinigung freier Gruppierungen - vom Einfachen zum Komplexen entwickeln.

Meyers Taschenlexikon
Emanzipation (lat., eigtl. "Freilassung"), die Befreiung von Individuen oder sozialen Gruppen aus rechtl., polit.-sozialer, geistiger oder psch. Abhängigkeit bei ihrer gleichzeitigen Erlangung von Mündigkeit und Selbstbestimmung.

Fromm, Erich (1985): "Über den Ungehorsam", dtv München (S. 69): Den Vorrang hat der Mensch!

Es folgt: Einleitung zu Buch/Textsammlung "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen" ++ Gliederung:

Um gleich falsche Erwartungen zu verhindern: Fragestellung dieser Abhandlungen ist nicht, welche Gesellschaftsform Ausbeutung, Unterdrückung und alles Schlechte zwischen den Menschen bzw. im Umgang mit ihrer Umwelt ausschließt? Das wäre nämlich nicht nur vermessen, sondern aus herrschaftskritischer Sicht sogar kontraproduktiv. Denn alles, was etwas garantieren, also vermeintliche Sicherheit anstreben will, muss in der Konsequenz autoritären Charakter aufweisen. Das Gute zu erzwingen oder auch nur festschreiben zu wollen, ist der Türöffner für Machtansprüche. Nicht zufällig würde das den aktuellen Legitimationsdiskursen für Kriege, Strafen und Überwachung ähneln.

Die Fragestellung lautet anders: Unter welchen Rahmenbedingungen (Verhältnissen) ist der Anteil kooperativer Verhaltensweisen und Organisierungsformen am höchsten - und gleichzeitig der konkurrierender bis dominierender am geringsten? Denn darum geht es: Das Kooperative und Gleichberechtigte soll wachsen, das Konkurrierende und Unterwerfende weichen. Dafür bedarf es nicht Kontroll- und Machtmechanismen, sondern deren Abbau zugunsten von Selbstorganisierungsprozessen freier Menschen, die ihr Miteinander selbständig und ohne Privilegien gestalten. Sie schließen freie Vereinbarungen oder treten diesen bei, ohne Zwang und ohne Vereinnahmung.

Vor Ihnen und Euch, liebe LeserInnen, liegen nun über viele Seiten voller Gedanken und Entwürfe. Wer nach einem Patentrezept für die bessere Zukunft sucht, wird enttäuscht werden. Alle Texte sind eine Werbung für das Begreifen des Lebens als dynamischer Prozess und einen geübten Umgang im notwendigerweise unsicheren Fahrwasser der Selbstentfaltung. Wir können wählen zwischen dem Sprung zurück in die geistige Entmündigung, die dann den Anschein von Geborgenheit bietet, die als Sicherheit ausgelegt wird. Oder den Sprung in das Abenteuer des Lebens, in den „wilden Dschungel der freien Kooperation“, wie es in nahestehenden Debatten einmal benannt wurde. Es werden Fragen offen bleiben – und das ist gut und notwendig. Denn der Drang nach endgültigen Antworten, Sicherheiten oder Wahrheiten kann ebenso fatal wirken wie die Gleichgültigkeit gegenüber den Erscheinungen im Hier und Jetzt. Das Unbefriedigende ist neben der Hoffnung auf das Besser wichtigster Ansporn, sich einzumischen, Neues zu entwerfen und zu schaffen.

Worum geht es?

Der Mensch kann sich und seine Umwelt abstrahieren. Das heißt, er kann so tun, als stände er außerhalb seiner selbst und beobachte sich. Er kann überlegen, ob das sinnvoll ist oder nicht, was er gerade tut, getan hat oder tun will. Gleiches lässt sich zur eigenen Umwelt sagen - je sogar zu einer entfernten Umwelt, die gerade gar nicht direkt vor Augen steht. Der Körper, allen voran die Hände, bieten hervorragende Möglichkeiten, konkrete Ideen zur Veränderung der äußeren Erscheiungen auch umzusetzen. Der Kopf mit dem leistungsfähigen Gehirn spielt mit, das in sehr komplexen Handlungsabläufen zu tun. Nicht nur lässt sich so die Natur direkt verändern, z.B. kann ein Boden aufgelockert, Wasser umgeleitet oder Holz zu Papier werden. Es lassen sich auch nicht nur einfache Hilfsmittel herstellen, sondern mehr verschachtelte Vorgänge entwerfen, bei denen z.B. ein Werkzeug hergestellt wird, das ein Werkzeug herstellt, mit der eine Maschine hergestellt wird, die die Umgebungsbedingungen verändert. Selbst das ist noch recht einfach - kommen noch Kooperationen vieler Beteiligter und programmierte Algorithmen wie die Software von Computern hinzu, so entsteht ein sehr komplexer Ablauf, der am Ende die Auffassungsfähigkeiten der Einzelnen schnell übersteigt. Allerdings lassen sich wieder Hilfsmittel erzeugen, die die Steuer- und Überschaubarkeit von Vorgängen verbessern - oder verschlechtern.

Die Grenzen menschlicher Gestaltungsfähigkeit sind also weit gesteckt und lassen sich ständig weiter dehnen. Die entscheidende Frage ist, wofür diese Fähigkeiten genutzt werden. Wohin wird die Produktivkraft gelenkt? Wie sehen die Entscheidungswege aus? Auf welche Weise entstehen Kooperationen, wie können Entwicklungen beeinflusst werden - und durch wen? All das kann nicht "wissenschaftlich" oder technisch entschieden werden. Wohl können für alle Entscheidungen dann wieder die passenden Hilfsmittel erstellt werden, aber die Richtung selbst ist eine politische. Eine, die den Menschen angeht und, aus emanzipatorischer Sicht, von ihnen ausgehen sollte.

Zur Zeit dient gesellschaftliche Aktivität überwiegend der Steigerung von Profiten und der Kontrolle. Beide sind mitunter auch verbunden und bestehen wieder aus vielen Teilaspekten, bilden die dominanten Säulen gesellschaftlicher Organisation. Seit Jahrhunderten. Der lange Gewöhnungsprozess lässt sie wie Naturgesetze erscheinen, doch bei näherer Betrachtung sind sie mit allen verfügbaren Mitteln der Herrschaftsausübung durchgesetzt und immer wieder neu inszeniert - von formal begründeten Drohkulissen (Gesetze, Strafe) bis zu diskursiver Vermittlung.

Emanzipation als Ringen um gesellschaftliche Bedingungen bedeutet also zunächst, die Metafrage immer wieder zu stellen. Es reicht nicht, nur über die technische Lösung der Energieversorgung, der Nahrungsmittelerzeugung, zu Medikamenten und ärztlicher Behandlung, zu Wissen, Kommunikationsformen und Entscheidungsfindung zu debattieren. Sondern zur Disposition steht die Frage, wie darüber entschieden wird - also die Eigentumsfrage, die Frage der Transparenz aller Abläufe, die Methoden der Entscheidungsfindung, ja sogar schon die Frage, wie über diese Fragen diskutiert und entschieden wird. Auch gehört dazu die Klärung, ob überhaupt etwas für alle festgelegt werden soll, was also Entscheidungen überhaupt bedeuten und nach sich ziehen.Schnell können schwindelerregende Höhen mehrfach verknoteter Gedankenstränge erreicht werden, die bei allem zu berücksichtigen sind. Denn soziale Gefüge sind hochkomplex. Einfache Einzellösungen werden ihnen selten oder nie gerecht. Daher sei eine der wichtigsten Schlussfolgerungen schon am Beginn genannt. Es wird keine neue Norm, kein neues Gesetz geben können, dass Emanzipation passgenau beschreibt und sichert. Nur der Mensch selbst, allein oder in der Kommunikation mit anderen, ist in der Lage, komplex wirkende Lösungen zu entwerfen und - da diese immer nur für den Moment gelten können - weiterzuentwickeln. Es gibt also keinen Anfang und kein Ende. Es gibt immer Alternativen, aber uns werden nicht immer alle einfallen. Fortschritt basiert daher auf der Offenheit der Gegenwart und der Reflexion, ob nicht noch Anderes oder Besseres möglich wäre. Das wiederholt sich nach jedem Schritt voran ...

Fragend schreiten wir voran ...

Solche Erkenntnis von Emanzipation als ständigem Prozess ist nicht neu. Eine schöne Formulierung drang aus dem Lakandonischen Urwald, dem symbolischen Ausgangspunkt zapatistischer Aufstandskultur in Chiapas (Mexico), in die Welt. Nämlich, dass Befreiung immer ein von Versuch, Irrtum, Reflexion und neuem (verbessertem) Versuch geprägter Prozess sein müsse. "Fragend schreiten wir voran" wurde zu einem wichtigen Leitspruch des Aufstandes, der am 1.1.1994 eine gefühlte Alternativlosigkeit in vielen Regionen der Erde durchbrach.

Fragend schreiben wir voran ...

Dieser Idee folgen auch die Texte auf diesen Seiten. Sie sollen, so jedenfalls die Hoffnung, Bekanntes und Neues verbinden, weiterentwickeln und ins Gespräch bringen. Aber sie können kein Manifest, keine Geschichtsschreibung und keine Utopie sein, die irgendeine besondere Bedeutung hat, einen herausgehobenen Status beansprucht oder gar Wahrheiten. Denn solches gibt es nicht, auch wenn mitunter Verlautbarungen als solche definiert werden, um sie aufzuplustern. Alles, was menschlicher Produktivkraft entspring, hat unter einem emanzipatorischen Blickwinkel dann Bestand, wenn es Menschen, zumindest Einzelnen, nützt. Es wäre schön, wenn diese Texte irgendwo etwas gedanklich voranbringen können - also Ausgangspunkt von wieder neuen Ideen und Erkenntnissen sind, die das, was hier steht, überwinden. Das kann durch Widerlegung oder durch Erweiterung geschehen. Fatal wäre es, wenn diese Texte hier in 10 oder 100 Jahren wie ein Gesetzesbuch behandelt würden. Lieber leben diese Ideen als Bestandteil der sich daraus wiederum entwickelnden Methoden, Techniken, Produkte oder Ideen weiter, während der Ursprung in Vergessenheit gerät und gerne auch geraten kann. Das Klammern heutiger politischer Theorie an uralte Texte beweist vor allem, wie wenig Dynamik seit langem schon überall dort herrscht, wo es nicht um Profit und Macht geht. Die Schalter der Gesellschaft sind falsch gestellt. Menschliche Schaffenskraft treibt in autoritären Systemen nicht die Emanzipation und ein besseres Leben voran, sondern Profit und Kontrolle. Das eigentlich Typische am Mensch wird verschüttet: Sich entfalten, Anderen die Entfaltung ermöglichen und insgesamt so das Potential der Menschen zum guten Leben voranbringen.

Noch eines: Alles, was hier steht, ist offen, darf weiterverwendet und weiterentwickelt werden. Es wäre kein Schaden, wenn es unbeachtet bleibt. Aber es erhöht die Chance, nützlich für Menschen und ein besseres Leben, wenn alles verwendet und weiterentwickelt werden kann. Formale Hürden sind Handbremsen der Emanzipation. Sie einzureißen, ist Teil von Befreiung.

"Freie Menschen in freien Vereinbarungen II" ist die überarbeitete und ergänzte Version der ersten Auflage, die 1999 und 2000 von der Gruppe Gegenbilder geschaffen wurden. Die ersten Entwürfe der neuen Texte entstanden im Winter 2010/11 im Gießener Gefängnis. Verfasser war Jörg Bergstedt, der damals eine Freiheitsstrafe wegen einer Aktion gegen die Agro-Gentechnik absitzen musste. Danach konnten sie bis Dezember 2011 diskutiert werden, um anschließend im Internet (also hier) aktualisiert und dann mit ausgewählten der gesamten Zitate in Buchform gegossen zu werden.

Creative Commons-LizenzvertragAlles für alle! Diese Texte stehen unter einer Creative Commons-Lizenz. Sie dürfen frei verwendet und verändert werden. Bedingungen: Alle darauf aufbauenden Werke müssen im gleichen Sinne frei sein und ebenfalls unter dieser Lizenz veröffentlicht werden. Eine Quellenangabe für "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen" oder diese Internetseiten wäre nett.

Ergänzende Literatur

Um Wiederholungen zu vermeiden, finden sich - vor allem in den Kapiteln zur Strategie und Praxis - Verweise auf Text aus anderen Veröffentlichungen, die im Rahmen der gleichen oder ähnlicher Debatten entstehen. Es sind dies vor allem die konkreten Zukunftsentwürfe im Buch "Autonomie & Kooperation" sowie das Methodenhandbuch zum Abbau von Hierarchien und Dominanzen in Gruppen mit dem Titel "HierarchNIE!". Alle Texte, auf die verwiesen wird, sind auch im Internet und auf der CD "Utopien" zu finden. Der Link ist angegeben. Wir empfehlen, zumindest diese drei Werke als zusammenhängendes "Set" der Debatte und des Ringens um Emanzipation zu nutzen.

Zum nächsten Text, dem ersten im Kapitel über die Geschichte sozialer Organisierung

Bücher zum Thema

Freie Menschen in Freien Vereinbarungen. Gegenbilder zu Markt und Staat ... 14 Euro

Das Grundwerk zur Theorie der Herrschaftsfreiheit: Ein Buch voller Visionen, Konzepte und Experimente für eine Gesellschaft ohne Hierarchien und ökonomische Verwertung. "Gegenbilder" zum kapitalistischen System werden vorgestellt. Kein Weg ohne Ziel! Wir brauchen eine neue Debatte um Visionen und Utopien!!!

Anarchie.
Träume, Kampf und Krampf im deutschen Anarchismus ... 14 Euro

Gibt es Klassen und kann etwas befreiend wirken, was Menschen in einheitliche Kategorien zwingt, um sie dann zum Subjekt der Revolution zu machen? Ist Demokratie nicht eine Form der Herrschaft? Wie kann Anarchismus dann basis- oder direktdemokratisch sein wollen? Wo laufen die Debatten um diskursive Steuerungen, Entmachtung der Funktionseliten oder das Spannungsfeld von Eigentum und gesellschaftlichem Reichtum? Ist kollektive Identität nicht auch eine Form der Beherrschung? Warum aber weisen dann gerade politische Proteste sich als anarchistisch gebärdender Gruppen eine so hohe Einheitlichkeit von Fahnen, Schildern oder Labels auf? ++ Internetseite zur Debatte um Anarchie (mit den Texten zum Buch) ++ 12,5 x 22 cm, 408 S. Erschienen im Juni 2012.

Herrschaft ... Richtwert 3 Euro

Der Überblick: Formen, Wirkung, Wege zur Herrschaftsfreiheit. Einführung in die theoretischen Grundlagen von Herrschaft und Herrschaftskritik. Angefangen mit einer Definition über die Frage, warum Herrschaft eigentlich abzulehnen ist, bis zu den Thesen über Herrschaftsfreiheit und den Weg dorthin. Entwickelt aus zahlreichen Workshops, Seminare und den Theoriewochen zur Herrschaftskritik.
   Ab 3 St.: 2,50 €, ab 10 St.: 2 €. Quadratisch 15x15cm, 64 S. ISBN 978-3-86747-058-2

Autonomie und Kooperation ... Richtwert 14 Euro

Grundlagen herrschaftsfreier Gesellschaft. Bausteine für eine solche Utopie werden in getrennten Kapiteln vorgestellt: Herrschaftsgrundlagen ++ Herrschaft erkennen ++ Wirtschaft(en) ohne Herrschaft ++ Alternativen zur Strafe ++ Horizontalität zwischen Menschen ++ Lernen von unten ++ Emanzipatorische Ökologie. A5, 196 Seiten. Extraseite zum Buch! ++ Bestellseite

Mehr Bücher ...
Veranstaltungen, Interviews ...

Zu verschiedenen Themen werden Workshops, Vorträge, Lesungen und Seminare angeboten. Genaueres auf der Liste zu Veranstaltungsangeboten.

Der folgende Text stammt aus der "Zeitung für stürmische Zeiten"
Download ...

Herrschaftsfreiheit, Sozialdemokratie & (Neo)Liberalismus

"Wenn alle Gesetze weg wären, würden sich die Menschen gegenseitig totschlagen."
"Der Mensch ist nunmal nicht so gut, dass er ohne Kontrolle leben kann."
"Es kommt darauf an, Institutionen zu demokratisieren, ihre Abschaffung wäre Anarchie und Chaos."
Gegenüber grundsätzlich herrschaftsfreien Entwürfen von Gesellschaft gibt es erhebliche Vorbehalte - ob nun bei "Linken", in der bürgerlichen Mitte oder bei Rechten. Wenn man die auf Autorität durch Staat, Führer, Herrenrassen, Gott oder wer weiß wem setzenden Konservativen, Rechten und Teilen der Bürgerlichen mal weglässt, weil deren Vorstellungen auf den ersten Blick emanzipatorischen Ideen der Befreiung des Menschen offensichtlich zuwiderlaufen, so überrascht die Staatstreue vieler sozialdemokratischer, sozialistischer und zum Teil auch linksradikaler Kreise oft. Ihre Argumentation lautet, dass die Menschen ohne eine ordnende Hand zum Faustrecht kommen würden. Unterschiede ergeben sich, wer die ordnende Hand sein und wer sie kontrollieren soll - mal ist es eine unklar definierte Mischung der zivilgesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Eliten namens Governance, mal sind es Räte oder schlicht das Proletariat. Ihnen sind zwei grundlegende Fehler gemeinsam: Sie glauben, Menschen würden besser, wenn andere Menschen sie kontrollierten. Zudem wollen sie als ordnende Hand wiederum Menschen einsetzen (was anderes gibt halt nicht) - und sie blenden die Frage aus, was denn mit diesen Menschen wird, die nun mit Macht ausgestattet sind. Werden die dann nicht viel eher konkurrierend agieren, wo sie bessere Durchsetzungschancen kraft Ihrer Macht haben?

Abwesenheit von Herrschaft fördert kooperatives Verhalten
Alle Modelle einer guten Führung scheitern an diesem Punkt: Wenn einige Menschen bessere Durchsetzungsmöglichkeiten haben als andere, werden sie eher geneigt sein, diese auch einzusetzen. Das heißt: Die Existenz von Herrschaft ist selbst der Grund für die Anwendung derselben. Kontrolle nützt da wenig, denn kontrollierbar ist höchstens konkretes Abstimmungsverhalten, nicht aber der privilegierte Zugang zu Ressourcen, Informationsweitergabe oder -veränderung, informelle Absprachen usw.
Die einzige Chance ist die Abwesenheit von Herrschaft. Dann ist die Chance am größten, dass Menschen miteinander kooperieren, weil sie den größten Nutzen und das geringste Risiko haben. Es gibt keine Garantie, aber es geht bei der Debatte um Utopien auch nicht um die Suche nach dem Paradies. Wichtiger ist, die Rahmenbedingungen zu entwickeln, die am stärksten zur Kooperation drängen und am wenigsten zur Konkurrenz.

Freiheit und Freiheit
Fanatiker des Rechtsstaates kritisieren den Wunsch nach Herrschaftsfreiheit, indem sie die neoliberalen Ideen mit denen anarchistischer oder anderer herrschaftsfreier gleichsetzen. Das ist verständlich als Propagandastrategie der StaatsfetischistInnen von Sozialdemokratie, Attac, Radikal- oder BasisdemokratInnen. Tatsächlich aber wäre jede Gleichsetzung von Liberalisierungsprogrammen z.B. der Grünen oder der F.D.P. mit herrschaftskritischen Positionen vor allem eines: Ein Armutszeugnis der Analysefähigkeit derer, die die Gleichsetzung betreiben.
Das Bild oben ist eine Anzeige der Industrie. Auch dort wird Propaganda gemacht. Denn tatsächlich sind Markt und Staat keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Eine Ausrichtung auf Profit und Verwertung ist nur möglich durch staatliche Rahmensetzungen. Die wirtschaftliche Globalisierung wird von den Nationalstaaten und ihren Institutionen gemacht. Die Verschärfung der Arbeitsgesetze, der Abbau des Sozialen - alles geht von den Regierungen aus. Profiteure sind die Konzerne, aber der Staat ist der Macher. Hinzu kommt immer mehr Kontrolle, Überwachung, Bestrafung für die, die nicht den Normen gemäß handeln. Auch das ist der Staat. Insofern sind Staat und Markt nicht Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Herrschaftsfreiheit wäre das Gegenteil von beidem. F.D.P. & Co. wollen gar nicht weniger Staat, sondern einen modernisierten. Und alle ...-DemokratInnen wollen mit ihrer Forderung nach mehr Staat auch vor allem mehr Kontrolle. Nützen wird das den Herrschenden und u.a. den Konzernen. Wer Freiheit will, muss weniger Staat und weniger Markt anstreben. Oder am besten ganz abschaffen - beides!

Viele, viele Internetseiten

Experimente
Erziehung, Schule, Bildung ...
Zur Entwicklung von Gesellschaft, Geschichte ...
Diskussion

Banner fuer BuchDie Debatte war lang (Herbst/Winter 2001) und (vor allem zum Ende) recht unversöhnlich. Aber sie war klärend und teilweise produktiv. Auslöser waren zunächst Zweifel am Konzept der "Freien Vereinbarungen" - jenseits jeglicher Herrschaftsstrukturen. Geht das? Welche Gefahren hat das? Aus dieser Debatte finden sich hier.
Erst später kam dann das Gegenmodell der radikaldemokratischen Herrschaftsstrukturen hinzu - und auch hier gab es Fragen, Kritiken usw. - näheres hier.

Weitere Fragestellungen im Laufe der Debatte:

Lang, lang ist's her ... Ausgangstext auf der Mailingliste "Hoppetosse", mit der die Debatte entstand:
Fragestellung ist nicht: Welche Gesellschaftsform schließt Ausbeutung, Unterdrückung und alles schlechte zwischen den Menschen bzw. im Umgang mit ihrer Umwelt im weitesten Sinne aus?
Sondern Fragestellung ist: Unter welchen Rahmenbedingungen (Verhältnissen) ist der Anteil kooperativer Verhaltensweisen und Organisierungsformen am höchsten und der konkurrierender bis dominierender am geringsten?
Hier stehen sich verschiedene Modelle gegenüber, die nach aktuellem Diskussionsstand unvereinbar scheinen. Allerdings ist die Debatte nicht beendet, sondern hat an dieser Stelle (Hoppetosse-Mailingliste) den Punkt der Nicht-mehr-Weiterführbarkeit (warum auch immer) erreicht. Als offene Fragen bleiben mindestens:

Herrschaftskritik
Utopien
Gelebte Alternativen?
Demokratie?
Dominanzabbau und Entscheidungsfindung von unten
Technik
Widerstand und direkte Aktion
Service

Termin-Übersicht (wenn nicht zu sehen, hier klicken ...)

Links