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Christoph Spehr: |
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Wir kennen die
alten Fronten: Zuerst wurde der Kampf der Klassen erkannt und zur
Grundlage der politischen Bewegung. Seit dem Ende der 60er Jahre
entstanden neue Bewegungsformen: Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung
erzeugten neue Netzwerke, zumindest neue Bedingungen und neue
Erkenntnisse führten zu neuen Formen und Bündnissen. Es wurde erkannt,
dass nicht nur die Enteignung von Produktionsmitteln in einer
proletarischen Revolution der Hauptweg der Abschaffung des Kapitalismus
ist, sondern eine kulturelle Umwälzung und das Ausgehen von
gleichberechtigten Widersprüchen im Geschlechter- und
"Rassen"-Verhältnis (neben den Klassen) notwendig sind. Aus diesen
Impulsen entstanden neue Parteien und neue Formen der Ökonomie und
Kultur (Alternative Ökonomie, Kommunen, Ökodörfer etc.). |
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Einige Inhalte:
1. Kennzeichnung der politischen Kräfte ("Zivilisationen")
<Hier werden gesellschaftliche Verhältnisse personifiziert, was eigentlich theoretisch "falsch" ist, aber die gesellschaftlichen Verhältnisse führen ja auch zu typischen Verhaltensweisen von Menschen. Dabei verknoten sich im Einzelnen durchaus verschiedene Verhältnisse und er verhält sich öfter entsprechend mehreren - auch gegensätzlichen Mustern - gleichzeitig.>. Aliens:
"Es ist die Erfahrung, dass Leute auf den ersten Blick aussehen wie
normale Menschen, wie du und ich, einem fremden Programm folgen, einem
feindlichen Programm, das sie als Angehörige einer fremden Gattung
ausweist; dass ihre Solidarität nicht dir gehört, sondern einem fremden
Auftrag. Sei sehen nur so aus wie Menschen. In Wirklichkeit sind es
Aliens." (S.11)
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"Zivilisten":
"Sie machen einfach so vor sich hin, ohne zu überblicken, was vor sich
geht." (S. 167) = Privatmann = "Idiota" (grch.): "jemand, der keine
Ahnung hat, der sich für die Zusammenhänge nicht interessiert, der kein
Problem damit hat, dass die Entscheidungen von anderen getroffen werden,
und der auch nicht die nötigen Fähigkeiten besitzt, um einzugreifen."
(S. 168), folgen dem Prinzip der Bequemlichkeit "Sie achten sorgsam
darauf, nichts zu lernen, was ihre Bequemlichkeit gefährden könnte" (S.
174)
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Maquis: ("der Busch" aus der frz. Résistance) Zone, die nicht von den Aliens beherrscht wird (S. 168), folgen nicht dem Prinzip von Profit und Bequemlichkeit,
Emanzipation beginnt da, "wo man noch mit Haut und Haaren in den Verhältnissen steckt und sich nichts anderes vorstellen kann." (S. 266) |
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Rebellen: in Star Wars
(sind aber nicht identisch mit dem Maquis!): kämpfen gegen das
Imperium, suchen nicht nach einer alternativen Logik sozialer
Beziehungen, sind gewählte, gestaltete Kollektive, reflexiv, global
orientiert und informiert - aber nicht unbedingt emanzipativ - Symbol
für "postmoderne Kollektive"
Erlenmeyerkolben: = soziale Bewegungen - Normalform politischer Aktivität
drei notwendige Elemente:
"Soziale Bewegungen scheitern in der Regel nicht daran, dass sie zerstört werden. ... Sie scheitern daran, dass sie eines oder mehrere dieser Elemente verlieren." (S. 250) |
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2. Neue Realitäts- und Denkformen Wir befinden uns im Post-Entwicklungszeitalter. :
Die Idee der Entwicklung und des Fortschritts setzt im üblichen Sinne voraus, dass die Richtung vorgegeben ist (S. 124) - dies ist nicht aufrecht zu erhalten! "Natürlich ist es nicht so, dass es gar keine Entwicklung, gar keinen Fortschritt gäbe. ... Aber die Richtung dieser Entwicklung ist nicht festgelegt." (S. 215) <Dies ist das Problem, wegen dem ich versuche, die Dialektik zu hinterfragen, ggf. zu präzisieren oder zu erweitern. Auch das Überdenken des Gesetzesbegriffs hat dieses Problem als Hintergrund. Denn oft wird im Gegenzug "Entwicklung" oder "Gesetzmäßigkeit" prinzipiell weggeworfen, weil es vorher zu bestimmend-festlegend verwendet worden war.> Fatale Wirkung der Ideologie der Entwicklung: "Tatsächlich sterben die meisten Menschen im zwanzigsten Jahrhundert nicht an Faschismus und Völkermord, sondern an Entwicklung." (S. 125) |
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Es "gibt keine einfache Wahrheit" (Volker Braun), d.h.: Postmoderne Theorie:
<Hier steckt viel Wahrheit drin: "Es gibt nicht die einfache Wahrheit" schrieb Volker Braun in der DDR. Immanuel Kant erkannte, dass wir die Welt nur durch eine "Brille" wahrnehmen (die "Kategorien") können. Das moderne Autopoiesis-Konzept - ein spezielles Selbst-Organisationskonzept - betont ebenfalls, das jedes System die Außenwelt nur selektiv wahrnimmt: es wählt zu großen Teilen selbst (unbewußt) aus, was es aus der Außenwelt wie auf sich einwirken läßt.> |
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3. Gesellschaftliche Strukturen Herrschaftsformen:
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dies ist der Unterschied zur Macht: |
Elemente/Instrumente der Herrschaft (136): |
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Herrschaft allgemein |
spezifische Ausprägung im Faschismus: |
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direkte Gewalt: |
Terror |
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strukturelle Gewalt |
Apartheid |
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Diskriminierung: |
Herrenmenschentum |
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Kontrolle der Öffentlichkeit: "repressive Toleranz": |
totalitäre Öffentlichkeit |
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existentielle Abhängigkeit: |
geplante Vernichtung |
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Entstehung von struktureller Gewalt <auch in "Alternativen Projekten"!> (S. 145):
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"Demokratie":
aktuelle Form der Herrschaft (S. 252ff.): |
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Herrschaft allgemein |
aktuelle Form: |
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direkte Gewalt: |
"Neue Weltordnung" , schließt an die Sehnsucht sozialer Bewegungen nach friedlicher Konfliktlösung und an ihren Widerwillen gegen diktatorische Regime an ! |
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strukturelle Gewalt |
"Globalisierung": dass ökonomische Opfer gebracht werden müssen, ist vorausgesetzt, die Debatte geht bloß noch darum, bei wem... |
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Diskriminierung: |
"Multikulturalismus": Das "Nebeneinander der Kulturen" dient dazu, alle Bedürfnisse von Menschen auf ihre Kulturspezifik zu reduzieren ; polit. Probleme werden als Ausdruck von "Kulturen" gedeutet... |
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Kontrolle der Öffentlichkeit: "repressive Toleranz": |
"Demokratisierung und Zivilgesellschaft" ("governance", "Regierbarkeit" in offiziellen Papieren): Partizipation bei Unterwerfung ("Wer die falschen Fragen stellt, bekommt kein Geld mehr und keinen Platz am Runden Tisch" S. 255). |
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existentielle Abhängigkeit: |
"Nachhaltigkeit": stärkt die existentielle Abhängigkeit von Verursacher der Probleme! "Wenn eine soziale Bewegung sich auf die neuen Diskurse einläßt, hat sie schon verloren." (S. 257) |
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Befreiung:
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| Herrschaft allgemein |
Strategische Orientierung der Befreiung |
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direkte Gewalt: |
Gegenmacht: |
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strukturelle Gewalt |
Sabotage: |
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Diskriminierung: |
Conciousness-Politik: |
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Kontrolle der Öffentlichkeit: "repressive Toleranz": |
Separatismus: |
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existentielle Abhängigkeit: |
Selbstorganisation: |
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"Befreiung bedeutet.... wesentlich auch, eine Politik der Beziehungen zu entwickeln und zu betreiben, die Freiheit ermöglicht." (S. 216) 4. Theorie der Befreiung: Befreiung erfordert, die Grundlagen der Herrschaft zu beseitigen ® Philosophie der Praxis
4.1. Marxismus (S. 200ff.):
4. 2. 70er Jahre - erste Generation neuer Befreiungstheorien:
<Diese Konzepte arbeiteten wir seit 1990 auf und legten sie unseren Positionen und Strategien zugrunde. Sie reichen jedoch jetzt nicht mehr aus - d.h. es wird nicht alles falsch, aber es gibt neue Bedingungen und Erfahrungen ® weiter zu 3.> 4.3.: 90er Jahre - zweite Generation neuer Befreiungstheorien:
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Gemeinsamer Kern der neuen Befreiungskonzepte: die "Frage nach einer anderen, befreiten Intersubjektivität" (S. 224) <Kenner der Kritischen Psychologie horchen hier sicher auf!>
im Zentrum: Idee der freien Kooperation (S. 233) |
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Annahmen der Befreiungstheorien 1. Generation (werden gezeigt in "Matrix"): |
postmoderne Annahmen (2. Generation): |
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Befreiungsideen: können nicht mehr auf dem Boden von Entwicklungs- und Fortschrittsdenken beruhen (23)
Wichtiges Kriterium für wirklich emanzipative Bewegung:
Gegenmacht: Problem: Einfluß auf "Zivilisten" |
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Regeln für eine freie Kooperation (S. 234) "Alle Versuche einer Definition schlagen fehl... Ob eine Kooperation frei, gleich, gerecht ist, das ist immer eine Sache von Bewertungen, und diese Bewertungen können wir nicht objektivieren... Wir können also keine inhaltlichen Kriterien für freie Kooperation angeben...."(S. 234/235) ("One rule: no rules" Janet Jackson, zit. S. 241) aber: ® "Freiheit ... bedeutet, gehen zu können oder seine Kooperationsleistung einschränken zu können, um auf die Regeln der Kooperation Einfluß zu nehmen." (S. 235) "Nur das macht freie Kooperation aus: dass man sie aufkündigen oder einschränken kann, um Einfluß auf ihre Regeln zu nehmen; und zwar zu einem für beide Seiten bzw. alle Mitglieder vergleichbaren und vertretbaren Preis." (S. 236) Bemerkungen:
Emanzipation nimmt das Agieren in einer freien Kooperation vorweg... und macht deshalb süchtig... (S. 241) Strategie: Was tun im Erlenmeyerkolben?
1. Abwicklung der Waffen der Aliens, d.h.:
2. Praktische Demokratiekritik. d.h.:
3. Politik der Beziehungen (statt Gewalt und diskursiver, objektiver Vernunft)
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4. Entfaltung sozialer Fähigkeiten
ökonomisch weiterhin (S. 300f.):
Entscheidende Rolle des Maquis: "Sie besteht darin, in Theorie und Praxis vorstellbar zu machen, wie freie Kooperation in den postmodernen Kollektiven verwirklicht werden kann." "Es ist die Sache des Maquis, den postmodernen Kollektiven die Fähigkeit zu geben, an, wie Fox Mulder es nennt, "extreme Möglichkeiten" zu glauben. Zum Beispiel an eine Welt ohne Aliens." (S. 304 = Schlußsatz des Buches) |
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