Offener Raum - was ist das?
Kontroll- und bedingungsfrei ++ Probleme und Lsungen ++ Debatten und Beispiele ++ Schutzraum ++ Links
Als "offener Raum" kann ein Aktionsfeld bezeichnet werden, in dem es keine Beschränkungen gibt, diesen zu nutzen und zu füllen - außer die anderen AkteurInnen, mit denen bei Interessenkollision (z.B. Nutzung der gleichen Infrastruktur, Flächen u.ä. zur gleichen Zeit) eine direkte Vereinbarung geschlossen wird. Ein Raum und seine Ausstattung (Technik, Räume, Wissen, Handlungsmöglichkeiten usw.) ist dann offen, d.h. gleichberechtigt für alle nutzbar, wenn die Beschränkungen physisch und praktisch nicht bestehen, d.h. der Zugang zu den Handlungsmöglichkeiten darf weder durch verschlossene Türen, Vorbehalte, Passwörter usw. verwehrt werden können noch dürfen Wissensbarrieren hingenommen werden, die Einzelne von der Nutzung des offenen Raumes und seiner Teile ausschließen. Dieses bedarf in der Regel eines aktiven Handelns, um Transparenz herzustellen, Zugänge zu Informationen zu ermöglichen und Erklärungen z.B. für technische Geräte bereitzustellen.
- A5-Broschüre (16 Seiten) zu "Offenen Räumen": Bestellen ++ Download (darf beliebig ausgedruckt, vervielfältigt und verteilt werden!)
- Text- und Debattenseiten zur Idee "Offener Raum" als Wiki
- Diskussion um offene Räume von Projekten aus Berlin mit Debattentexten, Terminen für Diskussionen usw.
- Debatten um Strukturen auf Jugendumweltkongress 2005/06
- Was gegen offene Räume gesagt wird und was davon zu halten ist ... Wiki zum Selbsteintragen von Kritik und Entgegnung
- Download einer Ausstellungstafel zu: Offener Raum ++ Offene Plattformen ++ Übersicht HierarchNIE-Ausstellung
- www.offener-raum.de.vu: Das Wiki zum Erfahrungsaustausch und zu Vernetzungstreffen/Seminare rund um "Offene Räume"
- Grundsatztext zur Idee von offenen Räumen, den Zielen und Schwierigkeiten (Grünes Blatt 1/2008)
- Berichte und Fotos vom "Offenen Raum" auf dem Sozialforum 2005 in Erfurt
- Debatte um Offenes Büro in Magdeburg
- Debatte um ein soziales Zentrum in Köln (März 2005) in Abgrenzung zu offenen Räumen
- Vorstellung des "Offenen Raumes Projektwerkstatt Saasen" (Broschüre als PDF)
Kontrollfreier und bedingungsfreier Raum
Die Offenheit eines Raumes würde eingeschränkt durch Bedingungen des Zugangs oder der Nutzung von Teilen sowie durch tatsächliche oder optionale Kontrolle. Kontrolle erzeugt auch dann, wenn sie nicht konkret ausgeführt wird, Angstgefühle. Sie teilt Menschen oder Gruppen in (potentiell) kontrollierte und (potentiell) kontrollierende. Dieser Zustand bleibt auch dann bestehen, wenn die potentiell Kontrollierenden diese Funktion nicht ausüben wollen und es im Regelfall nicht tun. Allein die Möglichkeit verändert das Verhältnis von Menschen untereinander.
Ist eine Metastruktur als Kontrollinstanz nutzbar, z.B. ein Plenum, so verlagert sich die Kommunikation um die Weiterentwicklung des Raumes, bei Interessenkollisionen und oft auch bei Kooperationen zwischen Teilen des Ganz en auf diese Metastruktur. Das steht einer freien Entfaltung aller Teile des Ganzen im Weg, da in der Metastruktur eine andere Form der Kommunikation herrscht, die von Regeln, taktischem Verhalten und einer mehr auf Sieg/Niederlage orientierten Redeform geprägt ist.
Direkte Kommunikation und freie Vereinbarung gedeihen nur dort uneingeschränkt, wo Kontrolle und damit die mögliche Alternative, Konflikte auch herrschaftsförmig zu klären, gar nicht bestehen. Zweitrangig ist dabei, wie die Kontrolle organisiert ist - ob in der Dominanz einer Einzelperson oder -gruppe (z.B. Hausrecht, Faustrecht, rhetorische Dominanz) oder in demokratischen Prozesse. Demokratische, auch basisdemokratische Entscheidungskompetenz auf Metaebenen ist Kontrolle, zerstört direkte Kommunikation und erschwert freie Vereinbarung " wenn auch verschleierter. Die einzig grundlegende Alternative zu allen Formen von Kontrolle ist die totale Kontrollfreiheit: Es gibt keine Möglichkeit mehr, außerhalb gleichberechtigter Kommunikation eigene Interessen durchzusetzen.
- Zitate zum Thema "Kontrolle"
Offensives Herstellen des offenen und kontrollfreien Raumes
Offenheit und Kontrollfreiheit entstehen nicht durch bloßes Weglassen form aler Verregelung. Das würde übersehen, dass die Gesellschaft durchzogen ist von Zurichtungen der Einzelpersonen und sozialer Gruppen, die auch in einem von formalen Unterschieden freien Raum weiterwirken. Hierzu gehören di e autoritären Aufladungen im Verhältnis zwischen Menschen, z.B. der Respekt vor älteren Menschen, Titeln, sog. ExpertInnen oder Amtspersonen, aber auch die Rollenmuster nach Geschlecht, Bildungsgrad oder Herkunft. Mit dies en Vorprägungen betreten alle Menschen auch einen offenen, kontrollfreien Raum und werden sich entsprechend gegenüber anderen verhalten " es sei denn, es gibt einen aktiven Prozess, der Zurichtungen überwindet oder zur Überwindung beiträgt. Dazu gehören:
- Bewusstmachung von Zurichtungen, Dominanzen usw. über Texte, Gespräche, Reflexionen und mehr vor, während und nach dem Gruppenprozess. Offensive Erklärungen aller Möglichkeiten, also der Technik, der Nutzbarkeit von Räumen und ihrer spezifischen Ausstattungen, des Zugangs zu Wissen (falls dieses nicht direkt sichtbar ist) und informierten Personen, der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten des offenen Raumes usw. Bereitstellung der räumlichen und technischen Möglichkeiten sowie des Wissens für dominanzmindernder Gruppenverfahren, z.B. Räume für Fish-Bowl, Wände zur Visualisierung usw.
- Workshops, Seminare und Einführungen in die Nutzung technischer Ausstattung, in Aktionsmethoden, Gruppenverfahren und vieles mehr. Herstellung einer hohen Transparenz des "Was läuft wo?", "Welche Streitpunkte bestehen und werden wo diskutiert/geklärt?", "Was fehlt?", "Wer braucht Hilfe?", "Welche Weiterentwicklungen des offenen Raumes laufen oder werd en angestrebt?" usw. Dazu sollten ein oder mehrere Informationspunkte geschaffen werden, an denen alles, was läuft oder geplant wird, angeschrieben wird mit Treffpunkt, Kontakt u.ä. (siehe Verfahren "Open Space").
Raum als sozialer Begriff
Mit Raum ist in diesem Text nicht nur ein umbauter Bereich, also ein Gebäu de oder Zimmer, ein Zelt oder eine Fläche, sondern auch ein sozialer Raum. Es ist denkbar, einen solchen herzustellen, ohne dass sich die Menschen überhaupt direkt begegnen - eine Internetkonferenz mit dem Ziel, z.B. eine Aktion zu planen oder Software zu entwickeln, kann als ein solcher sozialer Raum betrachtet werden. Klassischer ist das Treffen einer Gruppe, ein Camp, ein Kongress oder ein Projekttreffen. Der konkrete Ort ist oft völlig unwichtig, wichtiger ist das, was die Beteiligten mitbringen an Wissen, Erfahrungen, Know-How, handwerklichen Fähigkeiten, Informationen, materieller und finanzieller Ausstattung. Sie verbinden sich oft mit unterschiedlichen rhetorischen und sonstigen Möglichkeiten zu Dominanzstrukturen. Experimente zur Dominanzminderung und zur Öffnung allen Wissens und aller Möglichkeiten für alle Beteiligten gestalten auch eine Gruppe, ein Seminar oder ein andere Treffen zum "offenen Raum".
- Mehr Ideen unter www.hierarchnie.de.vu.
Merkmale, Probleme und Lösungsmöglichkeiten verschiedener Räume
Merkmal |
Emanzipatorisches Ziel |
Demokratischer Raum |
Basisdemokratischer Raum |
Offener Raum |
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Dominanzen |
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Vorstände, Wahlen |
Plenum als Ort informeller Hierarchien |
Keine formalen Privilegien |
Durchsetzung |
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Hausrecht |
Oft unklare Durchsetzungsfrage oder Beauftragte des Plenums |
Keine Zuständigen oder formalen Grundlagen für Durchsetzung |
Kommunikation |
Hohe Transparenz |
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Wissen und Information |
Optimale Nutzung allen Wissens. Ausdehnung des Wissens bzw. des Zugangs zu Informationen. |
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Anleitungen und Benennung aller Wissensquellen |
Ressourcen |
Effiziente und gleichberechtigte Nutzung aller Ausstattungen. |
Zugang für Berechtigte oder mit Erlaubnis |
Regeln (festgelegt im Konsens aller) |
Zugang für alle und jederzeit |
Konkurrenz und Kooperation |
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Stellvertretung |
Alle Menschen sprechen für sich - gemeinsam nur nach jeweiliger Vereinbarung |
Vertretungsberechtigtes Gremium oder Einzelperson |
Formal: Plenum. |
Keine Stellvertretung. Niemand kann für das Ganze sprechen. |
Umgang mit sozialen Vorbelastungen |
Soziale Rollen, Erwartungshaltungen, Reichtumsunterschiede, sozialer Status, Alter usw. sollen keine Handlungsunterschiede bedingen |
Regeln |
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Selbstorganisierung im Alltag (Koops, Umsonstladen, Nutzigems) |
Lernen und Prozess |
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Zentrale Steuerung und Vorgabe von Lernzielen |
Moderation |
Learning by doing - keine Steuerung (Selbstmoderation statt Moderation usw.). Ausprobieren von Methoden. Ständige Reflexion. |
Umgang mit Konflikten |
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Innen und Außen |
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Mitgliedsstatus |
Für Konstruktion des Plenums muss geklärt werden, wer dazugehört, eingeladen wird usw. |
Es gibt kein Innen und Außen, damit auch keine Klärung, wer dazugehört |
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Legende |
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Offener Raum |
Probleme |
Erscheinungsform |
Typische Umgangsform wäre ... |
Bewertung |
Perspektive |
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Klauen |
Heimlicher Diebstahl |
Direkte Intervention, kommt aber nur selten vor |
Gleichgültigkeit und Unaufmerksamkeit verhindern Intervention |
Streitdebatte |
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Heimlicher Diebstahl |
Kontrolle, bei Versagen mehr davon und stärkere Eigentumssicherung |
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Entropie |
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Diskriminierung |
Offener Übergriff |
Nichts oder direkte Intervention |
Leute oft nicht bereit zum Hingucken und Handeln |
Debatte |
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Redebeitrag, Beschluss ... |
Gegenantrag oder nichts |
Macht erleichtert Diskriminierung |
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Privatisierung |
Schleichende Besetzung |
Keine, Gejammer, Mobbing |
Bislang unbefriedigend |
Frühe Debatte |
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Formale Übernahme |
Keine oder formale Gegenwehr |
Reproduziert Herrschaft |
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Machtergreifung |
Außenvertretung |
Keine oder interne Kritik |
Offensive Darstellung der Nicht-Stellvertretung |
Autonomie der Teile, Kooperation |
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Formale Übernahme, Hausrecht |
Verregelung (Konsens ...) |
Verändert Mechanismen, aber nicht das Prinzip |
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Transparenz |
Viele informelle Vorgänge |
Keine oder Rückkehr zu Plenum |
Dominanzen entstehen |
Boards usw. |
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Formale Gremien sichtbar |
Informelle Dominanzen in Gremien |
Reduzierung auf formale Reaktionsformen hemmt |
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Legende |
Offener Raum |
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Kontrollierter Raum |
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Reaktionen in der Krise
Reitschule, Bern
Auszug aus einem Flugblatt im Jahr 2007
Wir - die Reitschule-BetreiberInnen - haben für heute und auch für die nächsten Wochen am Grossen Tor der Reitschule eine Art "Eintrittskontrolle" eingereichtet. ...
Diebesbanden, Dealer, Jugendgangs und aggressivealkoholosierte oder bekokste Mitmenschen sorgen für eine gewalttätige Stimmung und nicht selten auch für gewalttätige Übergriffe mit Verletzten. ...
Wer sein aggressives und unsolidarisches Verhalten nicht draussen lassen kann, muss selber draussen bleiben. ...
Unser Ziel ist es, gemeinsam (wieder) eine Stimmung hiinzukriegen, die für alle erträglich und ein Grund mehr ist, in die Reitschule zu kommen. Unterstützt deshalb die "Eintrittskontrolle", selbst wenn sie euch auf den ersten Blick unsympathisch erscheint. ... Helfen wir uns gegenseitig aus dem Kulturzentrum Reitschule einen offenen Treffpunkt zu machen ...
Debatten um konkrete Experimente offener Räume
Die Idee des kontroll- und bedingungsfreien Raumes scheint erhebliche Emotionen und Ideologiekriege zu entfachen - warum auch immer. Probleme in offenen Räumen führen nicht zu Weiterentwicklungen, sondern bereits mehrfach zu krassen Gegenreaktionen. Veröffentlichungen aus den ehemals offenen Räumen "Projekteraum" und "OUBs" in Berlin sind gerade voller Hass gegen Andersartige und Ausgrenzungsgelüsten ... in anderen Projekten kommt es dagegen zu Spaltungen entlang der Frage offener Räume.
Projekteraum Hermannstr. 48 in Berlin
Auszüge aus dem Flyer vom Herbst 2006:
Grenzüberschreitungen sind subjektiv - wenn jemand sagt ihre/seine Grenze wurde überschritten, dann wurde sie überschritten. Wer die Grenzen anderer Menschen nicht respektiert fliegt raus. Das umzusetzen liegt in der Verantwortung aller, die sich hier aufhalten.
Kommentierung:
Der Absatz ist schlicht absurd. Erst wird behauptet, etwas sei subjektiv. Aber dann steht noch im selben Satz das Gegenteil: "dann wurde sie überschritten" - das klingt nach Objektivität. Rasant geht es weiter, denn schnörkellos und ohne Debatte erfolgt dann der Rauswurf - und dazu müssen (!) alle beitragen. Nicht diskutieren, sondern rauswerfen!
Durch klare Verantwortlichkeiten wollen wir erreichen, daß der Projektraum lange so neu und frisch bleibt, wie er jetzt gerade ist.
Kommentierung:
Regeln sind strukturkonservativ, sie verhindern Veränderung oder erschweren diese zumindest. Das wird im Projektraum jetzt positiv gewertet. Es soll so bleiben, wie es ist - Konservatismus von links.
Alle regelmäßigen NutzerInnengruppen müssen außerdem mindestens eine Person zum Plenum schicken.
Kommentierung:
Die Struktur muss anerkannt und mitgemacht werden. Eine Gruppe, die kollektive Entscheidungsfindung ablehnt, wäre also im Projekteraum verboten.
Offene Uni BerlinS
Rechts: Screenshot der Eingangsseite (!) der OUBs im Netz am 26.11.2006
- Zwischenzeitliche Titelseite, die eine Einzelperson dort setzte und mit offen zugegebenem Machtmissbrauch als Steuerungseingriff nutzte - es zeigt sich, dass die Existenz von Regelungschancen deren Einsatz fördert.
Auszüge:
Auf Grund diverser schwerwiegender Vorfälle in der Offenen Uni Berlins und wegen mangelnder Aufarbeitung dieser Vorfällen habe ich mich entschlossen, die Internetseite www.oubs.tk in ihrer bisherigen Form (vorläufig) einzustellen.
Ich als Betroffener von mehrfachen faschistischen Beschimpfungen und Verleumdungen sehe jetzt dieses MACHTmittel als die einzigste Möglichkeit, auch nach vergeblichen Debatten darüber auf dem Plenum, weitere Vorfälle dieser Art zu verhindern. ...
Die OUBS bietet dem Recht des Stärkeren immer mehr öffentliche und offene Entfaltungsmöglichkeiten. Dadurch sind Menschen, die sich laute Musik nicht antun wollen, die Tabakrauch, überquellende Aschenbecher, Zigarettenasche zwischen und auf Computertastaturen ätzend finden, die exzessiver Alkoholkonsum und deren Nebenerscheinungen ankotzt, die sich über ausladende versiffte Räume ärgern, die erst einmal einen Großabwasch hinlegen müssen, bevor sie sauberes (Koch-)Geschirr in den Händen halten dürfen, verdammt, auf nimmer wiedersehen zu verschwinden.
Konsequente Entscheidungen gegen solche unsozialen Verhaltensweisen sind auf dem allwöchentlichen Plenum Fehlanzeige. - Debatte um interne Strukturen, Rauswürfe, Hausrechtsstreit und Versuch der Schließung von außen ... Indymedia-Bericht, O-Töne ++ taz-Bericht am 18.6.2006 ++ Neues Deutschland am 23.6.2008
Auszüge aus Positionen
- Auszug aus dem taz-Bericht am 18.6.2006
"Wir müssen wissen, wer hier reinkommt. Denn eigentlich sollen wir schon längst raus sein", begründet ein Mann mit längeren dunklen Haaren, der sich als Sokrates vorstellt, die verschlossene Tür. ...
Silke Baumann gehörte zu der Gruppe, die am Donnerstag zur Räumung aufgefordert hatte. Für sie ist das alternative Projekt gescheitert. Der alltägliche Umgang sei zunehmend von Machtkämpfen, Demütigungen und Mobbing bestimmt gewesen, berichtet auch Thomas Knauf, der die OUBS mitgegründet hatte. ... Die Schließung wollen Knauf und seine MitstreiterInnen für einen Neustart des Projekts nutzen. ... Als Vorbild und Beispiel für einen gelungenen Neustart nennt Knauf den Projektraum in der Hermannstraße 48 in Neukölln. Auch er sei als Offener Raum, der von allen Interessierten aus dem Stadtteil genutzt werden sollte, in die Krise geraten, werde jetzt aber nach einer vorübergehenden Schließung mit einem neuen Konzept als Projektraum wieder verstärkt frequentiert.
Hinweis: Der Verweis auf den Projektraum in der Hermannstraße 48 deutet die Zielrichtung derjenigen an, die mit formalen Mitteln die Auseinandersetzung zu führen versuchen. Die H48 war nach einer euphorischen Offener-Raum-Phase geschlossen und dann kontrolliert, also nicht-offen, wieder eröffnet worden. Einige H48-Aktive zogen daraus die Konsequenz, künftig autoritäre Strukturen zu befürworten. - Auszüge aus der Erklärung der Gruppe, die eine formale Schließung der OUBs will/wollte:
Offener Raum bedeutet vor allem auch Schutzraum ... Die Verrücktheiten der kapitalistischen Verwertung und andere Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse können nicht einfach so vor der Eingangstür abgelegt werden. Dies bedeutet aber nicht sich einfach dem Schicksal hinzugeben und die Hände in den Schoß zulegen. Wir wollen für eine selbstbestimmte und emanzipatorische Praxis kämpfen. Dies tun wir, indem wir den Raum Offene Uni erstmal schließen, um eine funktionierende Organisationsstruktur (soll heißen Menschen die einander vertrauen und miteinander dieses Haus organisieren wollen) zu realisieren. Damit wollen wir nicht die Vielen bestrafen, die sich in der OUBS engagieren und die mit ihren Kursen und Veranstaltungen die OUBS zu einem interessanten und lebendigen Ort machen. Für uns bedeutet die Schließung, die Möglichkeit die Offene Uni wieder zu einem Frei- und Schutzraum zu machen! Wir wehren uns, gegen die Menschen, die Offenheit mit Sozialdarwinismus, Ausgrenzung und gezielten Grenzüberschreitungen gleichsetzen. ...
Wir stellen uns gegen diejenigen, die herrschaftliche Gewalt und Unterdrückung durch Personen billigen, unterstützen oder sogar selbst betreiben, indem sie Betroffene nicht schützen, sondern persönliche Demütigungen und strukturelle Ausgrenzung von Individuen zu einem Bestandteil von .Freiheit. verdrehen. Konkret bedeutet dies, dass in den letzten Monaten Mackertum, Homophobie und sexistische Grenzüberschreitungen in der OUBS zum Alltag gehörten und dass das mehrtägige Tragen eines Thor Steinar T-Shirts durch einen OUBS-Nutzer, maximal zu zaghafter verbaler Kritik und Aufklärungsversuchen führte. ...
Eine temporäre Schließung der "Offenen Uni" ist unabdingbar. Eine Zäsur wie diese stellt den einzig möglichen Ausgangspunkt für neue, gleichberechtigte Auseinandersetzungen um ein Projekt dar, das ein wirklicher Frei- und Schutzraum ist, das nicht durch Lautstärke und Dauerpräsenz dominiert wird, in dem Menschen nicht fürchten müssen, den üblichen gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen mit anderen Mitteln ausgesetzt sein zu müssen.
Offene Räume im KuBiZ (Weißensee, Berlin)
- Extra-Internetseite zu den Offenen Räumen unter www.nicht-geschlossen.de.vu
- Internetseite des Gesamtprojektes KuBiZ
Weitere Beispiele offener Räume
Offener Raum versus Schutzraum?
Position: Gegensatz ist künstlich
Der Gegensatz, der mit der Aufteilung in offenem und Schutzraum aufgemacht wird, sollte gerade nicht existieren. Wo behauptet wird, werden die wichtigsten Lösungspotentiale ausgeblendet. Nach dieser Logik wäre nämlich ein offener Raum ein gleichgültiger Raum, d.h. einer, in dem alle machen können, was sie wollen, ohne dass es Intervention gibt. Schutzraum wäre hingegen einer, wo irgendwelche Regeln gelten und Leute, die darauf aufpassen, dass die eingehalten werden. So unterschiedlich wie das klingt, so ähnlich wären diese Konzepte. In beiden Fällen nämlich sind die Menschen selbst keine AkteurInnen mehr im Raum. Es geschieht etwas mit ihnen, aber nicht durch sie.
Für einen offenen Raum wäre das fatal, weil die direkte Intervention der einzige Mechanismus ist, wie Menschen auf Übergriffe reagieren. Für einen Schutzraum aber ist die Gefahr noch größer. Denn nun hängt von den Handlungsbevollmächtigten ab, was wie bewertet wird. Es gibt ein Durchgriffsrecht - ähnlich wie in der demokratischen Gesellschaft gibt es Definitionsmacht sowohl über die Bewertung des Geschehens wie auch über Sanktion. Ein Schutzraum ist ja nicht durch die Erklärung ein Schutzraum, sondern durch die aktive Unterbindung bestimmter Verhaltensweisen. Allerdings ist Neutralität ein Hirngespinst, dass so auch in Gerichtssälen beschworen wird. Tatsächlich gibt es das nicht - und so werden die guten Kumpels der Wichtigen mehr Handlungsspielraum haben als die, die ohnehin schräg angesehen werden. Und wenn die AufpasserInnen gerade nicht aufpassen, ist schnell alles möglich.
Das Gegenmodell ist in beiden Fällen dass der Übung in direkter Intervention. Es kommt nicht auf die Definition eines Raumes an, sondern dass in diesem Menschen sind, die aufmerksam sind und sich einmischen. Das vermittelt ansatzweise so etwas wie Sicherheit, nicht der peinliche Verlass auf irgendwelche Regeln. Von daher halte ich die obige Fragestellung für gefährlich und rückwärtsgewandt. Sie öffnet die Tür für das Weggucken und schafft daran anschließend Akzeptanz für autoritäre Organisierung. Denn wenn die Menschen sich nicht mehr um das Geschehen kümmern, dann muss es eine Kontrollmacht geben, weil sonst ja jedeR macht, was er/sie will ...
Wenn also irgendwo zu spüren ist, dass die Räume nicht mehr übergriffsgesichert sind (und das kommt ständig vor!), dann bedarf der Bewusstmachung der Rolle der Einzelnen und des Trainings in direkter Intervention - egal in welchem Raumtyp.
Links zu mehr ...
- Entscheidungsfindung von unten & Dominanzabbau
- Offene Plattformen
- Die Idee von Projektwerkstätten
- Offene Räume formal sichern ... die Stiftung FreiRäume
- Offener Raum-Debatte in Berlin (Anfang 2006)
- Vernetzung ... das Netzwerk FreiRäume
- Offenes Internet (u.a. Wikipedia) und offene Medien
