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Offener Raum - was ist das?

Abschnitte dieser Seite: Kontroll- und bedingungsfrei ++ Probleme und Lösungen ++ Debatten und Beispiele ++ Schutzraum ++ Links
Link auf diese Seite: offener-raum.tk (ehemals: www.offener-raum.de.vu)

Raumverbot im Stratum0Rechts: Aushang am Stratum0, ein sich (bis dahin) im Internet als offen nutzbar bezeichnender Raum in Braunschweig (Termine mussten nur auf einer Internetseite eingetragen werden) - bis es mal jemand tat. Dann mischte sich der "Vorstand" ein und untersagte die Nutzung. Einzige Begründung: Es sei nicht mit dem Vorstand abgesprochen. Dafür gab es auf der Termineintrageseite im Internet gar keine Möglichkeit. Merke: Offenheit gilt immer solange, bis sie wirkt. Dann wird sie verboten.

Als "offener Raum" kann ein Aktionsfeld bezeichnet werden, in dem es keine Beschränkungen gibt, diesen zu nutzen und zu füllen - außer die anderen AkteurInnen, mit denen bei Interessenkollision (z.B. Nutzung der gleichen Infrastruktur, Flächen u.ä. zur gleichen Zeit) eine direkte Vereinbarung geschlossen wird. Ein Raum und seine Ausstattung (Technik, Räume, Wissen, Handlungsmöglichkeiten usw.) ist dann offen, d.h. gleichberechtigt für alle nutzbar, wenn die Beschränkungen formal und praktisch nicht bestehen, d.h. der Zugang zu den Handlungsmöglichkeiten darf weder durch verschlossene Türen, Vorbehalte, Passwörter usw. verwehrt werden können noch dürfen Wissensbarrieren hingenommen werden, die Einzelne von der Nutzung des offenen Raumes und seiner Teile ausschließen. Dieses bedarf in der Regel eines aktiven Handelns, um Transparenz herzustellen, Zugänge zu Informationen zu ermöglichen und Erklärungen z.B. für technische Geräte bereitzustellen. Die Idee offener Räume tritt als Gegenkultur zu Haus- und Eigentumsrechten auf, lehnt formale Hierarchien und Privilegien (exklusive Passwörter, Definitionsmachten usw.) auf. Sie stößt dabei auf Probleme. Im Seminar sollen Idee, Funktionsweisen, Schwierigkeiten und Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden.

Kontrollfreier und bedingungsfreier Raum

Die Offenheit eines Raumes würde eingeschränkt durch Bedingungen des Zugangs oder der Nutzung von Teilen sowie durch tatsächliche oder optionale Kontrolle. Kontrolle erzeugt auch dann, wenn sie nicht konkret ausgeführt wird, Angstgefühle. Sie teilt Menschen oder Gruppen in (potentiell) kontrollierte und (potentiell) kontrollierende. Dieser Zustand bleibt auch dann bestehen, wenn die potentiell Kontrollierenden diese Funktion nicht ausüben wollen und es im Regelfall nicht tun. Allein die Möglichkeit verändert das Verhältnis von Menschen untereinander.
Ist eine Metastruktur als Kontrollinstanz nutzbar, z.B. ein Plenum, so verlagert sich die Kommunikation um die Weiterentwicklung des Raumes, bei Interessenkollisionen und oft auch bei Kooperationen zwischen Teilen des Ganzen auf diese Metastruktur. Das steht einer freien Entfaltung aller Teile des Ganzen im Weg, da in der Metastruktur eine andere Form der Kommunikation herrscht, die von Regeln, taktischem Verhalten und einer mehr auf Sieg/Niederlage orientierten Redeform geprägt ist.
Direkte Kommunikation und freie Vereinbarung gedeihen nur dort uneingeschränkt, wo Kontrolle und damit die mögliche Alternative, Konflikte auch herrschaftsförmig zu klären, gar nicht bestehen. Zweitrangig ist dabei, wie die Kontrolle organisiert ist - ob in der Dominanz einer Einzelperson oder -gruppe (z.B. Hausrecht, Faustrecht, rhetorische Dominanz) oder in demokratischen Prozesse. Demokratische, auch basisdemokratische Entscheidungskompetenz auf Metaebenen ist Kontrolle, zerstört direkte Kommunikation und erschwert freie Vereinbarung " wenn auch verschleierter. Die einzig grundlegende Alternative zu allen Formen von Kontrolle ist die totale Kontrollfreiheit: Es gibt keine Möglichkeit mehr, außerhalb gleichberechtigter Kommunikation eigene Interessen durchzusetzen.

Offensives Herstellen des offenen und kontrollfreien Raumes

Offenheit und Kontrollfreiheit entstehen nicht durch bloßes Weglassen form aler Verregelung. Das würde übersehen, dass die Gesellschaft durchzogen ist von Zurichtungen der Einzelpersonen und sozialer Gruppen, die auch in einem von formalen Unterschieden freien Raum weiterwirken. Hierzu gehören di e autoritären Aufladungen im Verhältnis zwischen Menschen, z.B. der Respekt vor älteren Menschen, Titeln, sog. ExpertInnen oder Amtspersonen, aber auch die Rollenmuster nach Geschlecht, Bildungsgrad oder Herkunft. Mit dies en Vorprägungen betreten alle Menschen auch einen offenen, kontrollfreien Raum und werden sich entsprechend gegenüber anderen verhalten " es sei denn, es gibt einen aktiven Prozess, der Zurichtungen überwindet oder zur Überwindung beiträgt. Dazu gehören:

  1. Bewusstmachung von Zurichtungen, Dominanzen usw. über Texte, Gespräche, Reflexionen und mehr vor, während und nach dem Gruppenprozess. Offensive Erklärungen aller Möglichkeiten, also der Technik, der Nutzbarkeit von Räumen und ihrer spezifischen Ausstattungen, des Zugangs zu Wissen (falls dieses nicht direkt sichtbar ist) und informierten Personen, der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten des offenen Raumes usw. Bereitstellung der räumlichen und technischen Möglichkeiten sowie des Wissens für dominanzmindernder Gruppenverfahren, z.B. Räume für Fish-Bowl, Wände zur Visualisierung usw.
  2. Workshops, Seminare und Einführungen in die Nutzung technischer Ausstattung, in Aktionsmethoden, Gruppenverfahren und vieles mehr. Herstellung einer hohen Transparenz des "Was läuft wo?", "Welche Streitpunkte bestehen und werden wo diskutiert/geklärt?", "Was fehlt?", "Wer braucht Hilfe?", "Welche Weiterentwicklungen des offenen Raumes laufen oder werd en angestrebt?" usw. Dazu sollten ein oder mehrere Informationspunkte geschaffen werden, an denen alles, was läuft oder geplant wird, angeschrieben wird mit Treffpunkt, Kontakt u.ä. (siehe Verfahren "Open Space").
Raum als sozialer Begriff

Mit Raum ist in diesem Text nicht nur ein umbauter Bereich, also ein Gebäude oder Zimmer, ein Zelt oder eine Fläche, sondern auch ein sozialer Raum. Es ist denkbar, einen solchen herzustellen, ohne dass sich die Menschen überhaupt direkt begegnen - eine Internetkonferenz mit dem Ziel, z.B. eine Aktion zu planen oder Software zu entwickeln, kann als ein solcher sozialer Raum betrachtet werden. Klassischer ist das Treffen einer Gruppe, ein Camp, ein Kongress oder ein Projekttreffen. Der konkrete Ort ist oft völlig unwichtig, wichtiger ist das, was die Beteiligten mitbringen an Wissen, Erfahrungen, Know-How, handwerklichen Fähigkeiten, Informationen, materieller und finanzieller Ausstattung. Sie verbinden sich oft mit unterschiedlichen rhetorischen und sonstigen Möglichkeiten zu Dominanzstrukturen. Experimente zur Dominanzminderung und zur Öffnung allen Wissens und aller Möglichkeiten für alle Beteiligten gestalten auch eine Gruppe, ein Seminar oder ein andere Treffen zum "offenen Raum".

Besondere Raumtypen

Nicht alles muss überall möglich sein. Offene Räume können besondere Zweckbestimmungen haben – aber innerhalb derer gibt es keine Regeln. Alle daran Beteiligten leben in freien Vereinbarungen ohne formale Regeln und Hierarchien. Ein Beispiel seien Aktionsplattformen. Das wären dann Räume u.ä., in denen Aktionsmaterialien und -möglichkeiten für alle zugänglich lagern und genutzt werden können (je nach Aktion Handwerkzeug, Transpis, Farbe usw.). Sie sind offene Räume (siehe oben), aber mit einer besonderen Zweckbestimmung. Das bedeutet, dass sie nicht beliebig für andere Zwecke genutzt werden können, aber zu allen Ideen in einem dynamischen Prozess der freien Menschen/Aktionsgruppen in freien Vereinbarungen zu Zwecken des Aufbau und der Aufrechterhaltung einer Infrastruktur für politische Projektarbeit.

Merkmale, Probleme und Lösungsmöglichkeiten verschiedener Räume

Merkmale demokratischer (gelb), basisdemokratischer (gelborange) und offener (orange) Räume

Merkmal

Emanzipatorisches Ziel

Demokratischer Raum

Basisdemokratischer Raum

Offener Raum (Ziel)

Dominanzen
Hierarchien

Gleichberechtigung, Vielfalt und Kooperation

Vorstände, Wahlen

Plenum als Entscheidungsort. Formal scheinbar gleichberechtigt, aber voller informeller Hierarchien
Zum Teile Rätemodelle wie SprecherInnen- oder Koordinierungskreise

Keine formalen Privilegien, keine Entscheidungen, weder formale noch informelle Hierarchien.

Durchsetzung

Einigung statt Zwang

Hausrecht mit Inhaber_innen oder deren Beauftragte

Oft unklare Durchsetzungsfrage oder Beauftragte des Plenums

Keine Zuständigen oder formalen Grundlagen einer Durchsetzung

Kommunikation

Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten ohne Einschränkungen, aber auch ohne Zwang

Oft nur verregelte Formen der Begegnung, zumindest zwischen den Hierarchien der Gesellschaft.

Zentrierung von Infoaustausch auf das Plenum bzw. die Gesamtheit aller.

Keine Regeln, aber Förderung direkter Kommunikation - von Intervention bei Krise oder zum direkten Austausch zwecks Kooperation

Wissen und Information

Hohe Transparenz und optimale Nutzung allen Wissens. Ausdehnung des Wissens bzw. des Zugangs zu Informationen.

Formalisierter Zugang zu Informationen (je nach Regelinhalt hohe oder niedrige Gleichberechtigung)

In der Regel ausgeblendete Frage, Gleichberechtigung im Zugang zu allem Wissen könnte aber mit Basisdemokratie verbunden sein.

Offener Zugang zu allem Wissen, organisierte Weitergabe von Erfahrungen, aushängende Anleitungen und Benennung aller Wissensquellen

Ressourcen

Effiziente und gleichberechtigte Nutzung aller Ausstattungen.
Erhalt und Ausdehnung der materiellen Möglichkeiten

Zugang für Berechtigte oder mit Erlaubnis
Kontrolle, wer was macht
Eventuell besserer Erhalt der Sachwerte?

Regeln (festgelegt im Konsens aller)

Zugang für alle und jederzeit
Bedingungsanleitungen, Workshops ...
Geschenkökonomie stärkt Neigung zur Leihe/Spende

Konkurrenz und Kooperation

Nutzen des Einzelnen ist gleichzeitig Nutzen Vieler (Konkurrenz abbauen). Freie Kooperation als Grundmuster der Interaktion von Menschen.

Regeln und Kooperationsanbahnung durch demokratische Entscheidungsfindung oder die durch solche geschaffenen Räume (z.B. Markt)

Offen, aber starke Tendenz, alle Fragen über das zentrale Gremium (meist das Plenum) zu regeln

Keine Vorgaben, aber Förderung von Kooperation (Infoaustausch, Kooperationsanbahnung)

Stellvertretung
Außenpolitik

Alle Menschen sprechen für sich - gemeinsam nur nach jeweiliger Vereinbarung

Vertretungsberechtigtes Gremium oder Einzelperson

Formal: Plenum.
Tatsächlich oft SprecherInnen.

Keine Stellvertretung. Niemand kann für das Ganze sprechen.

Umgang mit sozialen Vorbelastungen

Soziale Rollen, Erwartungshaltungen, Reichtumsunterschiede, sozialer Status, Alter usw. sollen keine Handlungsunterschiede bedingen

Regeln
Je nach Beschlusslage Förderung bestimmter Personenkreise (z.B. Frauenquote)

Formale Gleichsetzung aller Personen im Plenum (eine Stimme, eventuell Vetorecht), meist aber ohne praktische Veränderung z.B. von Reichtums- oder Wissensunterschieden

Selbstorganisierung im Alltag (Koops, Umsonstladen, Nutzigems), gleicher Zugang aller zu allem, aktiver Abbau von Diskriminierungen

Lernen und Prozess

Selbstermächtigung aller Beteiligten zur Aneignung des von ihnen gewünschten Wissens, Reflexion von Abläufen und Transparenz

Zentrale Steuerung und Vorgabe von Lernzielen

Moderation (sanft steuernde und kontrollierende Person, z.T. rotierend).

Learning by doing - keine Steuerung (Selbstmoderation statt Moderation usw.). Ausprobieren von Methoden. Ständige Reflexion.

Umgang mit Konflikten

Streit als Produktionskraft: Offensiver Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und Konflikten.

Verregelung durch demokratische Entscheidung oder demokratisch mehr oder weniger legitimierte Gremien (z.B. Gerichte, Vorstände)

Verlagerung ins Plenum oder von diesem legitimierte Gremien

Schaffung von Orten aktiver Streitkultur (z.B. Fish Bowl)

Innen und Außen

Keine Grenzen.

Mitgliedsstatus

Für Konstruktion des Plenums muss geklärt werden, wer dazugehört, eingeladen wird usw.

Es gibt kein Innen und Außen, damit auch keine Klärung, wer dazugehört

Probleme und Lösungsansätze in offenen (orange) und kontrollierten (weiß) Räumen

Probleme

Konkrete Probleme

Typische Umgangsform wäre ...

Gefahr des Scheiterns

Möglicher Umgang

Klauen

 

Heimlicher Diebstahl
Ausleihe mit Schwund
Offenes Wegschleppen

Direkte Intervention, kommt aber nur selten vor

Gleichgültigkeit und Unaufmerksamkeit verhindern Intervention

Streitdebatte
über Eigentumsbildung bei Klau

Heimlicher Diebstahl
Ausleihe mit Schwund

Kontrolle&Sanktion, bei Versagen mehr davon und stärkere Eigentumssicherung

Wie im Staat: Recht hat, wer das Recht durchzusetzen in der Lage ist. Privilegierte können sich Ressourcen "legal" aneignen.

Bei Versagen: Verschärfung von Kontrollen und Sanktionen.

Entropie

Dinge werden irgendwo liegengelassen oder so behandelt, dass sie schnell unbrauchbar werden

Öffentlichmachung von Kritik, Appelle, Workshops zur Selbstorganisierung, Verzicht auf separates Eigentum (Reichtum der Einzelnen = Reichtum aller)

Gleichgültigkeit bleibt bzw. zieht durch neue Leute ständig wieder ein. Frustrierte Aufgabe derjenigen, die die Nutzbarkeit aufrecht erhalten.

Transparenz der Folgen, Trainings und Seminare zum "Einüben" von Aufmerksamkeit, eigentumsfreie Zone.

Ähnlich wie im offenen Raum

Schlösser, Schlüssel, Passwörter, Ausgrenzungen, dazu Regeln, Kontrolle, Verweise, und Sanktionen sowie Zuständigkeiten für die Wiederherstellung der Nutzbarkeit

Kontrolle, Neukauf.

Gesteigerter Personal- und Finanzaufwand.

Diskriminierung

Offener Übergriff
Übergriff im persönlichen Kontakt

Nichts oder direkte Intervention
Im günstigen Fall: Mehr Aufmerksamkeit und Einmischen

Leute oft nicht bereit zum Hingucken und Handeln

Debatte, Trainings
Fall-Transparenz (z.B. Klagebrett)

Diskriminierender Redebeitrag, Beschluss oder Forderung, formale Benachteiligung.
Offener Übergriff

Gegenrede/-antrag oder keine Reaktkon. Sonst: Formaler Umgang, z.B. Ausschluss

Macht erleichtert Diskriminierung, daher häufiger ausgeübt durch Privilegierte

Kontrolle der Kontrollierenden.

Privatisierung
des Raumes

Schleichende Besetzung des offenen Raumes durch Menschen, die ihn für Privates nutzen.

Oft keine Reaktion (Raum geht verloren). Jammern oder gegenseitiges Mobbing.

Bislang unbefriedigend, d.h. keine brauchbaren Strategien vorhanden.

Frühe Debatte.
Offene Wohnräume
(Küche, Betten ...) räumlich getrennt.
Umsonstladen, eigentumslose Zone.

Formale Übernahme

Keine oder formale Gegenwehr
(z.B. Antrag auf Abwahl, VV ...)

Formale Gegenwehr reproduziert selbst Herrschaft, d.h. gesteigerte Formalstreiereien.

Machtkampf, Verbote.

Machtergreifung

Außenvertretung
MacherInnentum, Lautstärke

Keine oder interne Kritik
Keine oder Gespräche

Offensive Darstellung der Nicht-Stellvertretung
Schafft Leere und Gleichgültigkeit

Autonomie der Teile, Kooperation
Kein Ganzes
Trainings

Formale Übernahme, Hausrecht
Dominanz in Gremien (Vorstand, Plenum ...)

Verregelung (Konsens ...)
Keine oder formale Gegenwehr
(z.B. Antrag auf Abwahl, VV ...)

Verändert Mechanismen, aber nicht das Prinzip

Machtkampf.

Transparenz

Viele informelle Vorgänge
Open Space, Zugang zu Wissen

Keine oder Rückkehr zu Plenum
Infoboards, Tuschelrunden ...

Dominanzen entstehen

Wandzeitungen, Pinnwände usw.
für alle Bereiche. Offenes Wissen und freier Zugang zu allen Unterlagen.

Formale Gremien sichtbar
Viele informelle Ebenen

Informelle Dominanzen in Gremien
Intransparente Privilegien, Treffen

Reduzierung auf formale Reaktionsformen hemmt.

Formaler Zugang zu Informationen.

Verbrauchs- material

Mangelnde Aufmerksamkeit, kein Interesse für Aufrechterhaltung der Ressourcen.

Materialmangel ist immer transparent (nicht erst, wenn letztes Material verbraucht!). Alle versuchen, neue Ressourcen zu organisieren.
Eigentumslose Zone verhindert, dass Menschen für eigenen Bereich Ressourcen horten.

Appelle nutzen nichts. Diejenigen, welche gute Infrastruktur wollen, kümmern sich - andere denken nicht drüber nach.

Appelle und Trainings zu Selbstorganisierung und Aufmerksamkeitsschulung.

Wie offener Raum, zudem: Fehlende Zuständigkeit

Regeln, Schaffung von Zuständigkeiten.

Starke Arbeitsteilung: Nur wenige kümmern sich um Reproduktionsarbeit.

Schärfere Regeln, Sanktionen und Kontrolle.

Legende

Farbig: Offener Raum

 

Weiß: Kontrollierter Raum

 

Reaktionen und Re-Organisierung von Macht in der Krise

Aus einem Flugblatt im Jahr 2007
Wir - die Reitschule-BetreiberInnen - haben für heute und auch für die nächsten Wochen am Grossen Tor der Reitschule eine Art "Eintrittskontrolle" eingereichtet. ...
Diebesbanden, Dealer, Jugendgangs und aggressivealkoholosierte oder bekokste Mitmenschen sorgen für eine gewalttätige Stimmung und nicht selten auch für gewalttätige Übergriffe mit Verletzten. ...
Wer sein aggressives und unsolidarisches Verhalten nicht draussen lassen kann, muss selber draussen bleiben. ...
Unser Ziel ist es, gemeinsam (wieder) eine Stimmung hiinzukriegen, die für alle erträglich und ein Grund mehr ist, in die Reitschule zu kommen. Unterstützt deshalb die "Eintrittskontrolle", selbst wenn sie euch auf den ersten Blick unsympathisch erscheint. ... Helfen wir uns gegenseitig aus dem Kulturzentrum Reitschule einen offenen Treffpunkt zu machen ...

Mail aus der TS vom 19.1.2016
Am 12.01.2016 wurde vom Gesamtplenum Traumschule Riebau (8 Anwesende) einstimmig ein sofortiges unbefristetes Platzverbot für E... und W... (...) ausgesprochen. Das Betreten, Befahren oder auch Überfliegen mit Drohnen ist untersagt.
Es umfasst das gesamte Gelände und alle darauf befindlichen Bauten, Wägen etc. ...
Das Plenum hat auch beschlossen, das jede*r Anwesende die für sich am besten geeignete Methode anwenden darf, um im Falle eines Falles euch schnellstmöglich vom Gelände zu bekommen. ...
Die Traumschule ist Offener Raum 2.0.
Dazu gehört Respekt gegenüber dem Ort und den menschlichen wie auch nicht-menschlichen Wesen.

Debatten um konkrete Experimente offener Räume

Die Idee des kontroll- und bedingungsfreien Raumes scheint erhebliche Emotionen und Ideologiekriege zu entfachen - warum auch immer. Probleme in offenen Räumen führen nicht zu Weiterentwicklungen, sondern bereits mehrfach zu krassen Gegenreaktionen. Veröffentlichungen aus den ehemals offenen Räumen "Projekteraum" und "OUBs" in Berlin sind gerade voller Hass gegen Andersartige und Ausgrenzungsgelüsten ... in anderen Projekten kommt es dagegen zu Spaltungen entlang der Frage offener Räume.

Projekteraum Hermannstr. 48 in Berlin

Aus dem Flyer vom Herbst 2006:
Grenzüberschreitungen sind subjektiv - wenn jemand sagt ihre/seine Grenze wurde überschritten, dann wurde sie überschritten. Wer die Grenzen anderer Menschen nicht respektiert fliegt raus. Das umzusetzen liegt in der Verantwortung aller, die sich hier aufhalten.

Der Absatz zeigt die Absurdität. Erst wird behauptet, etwas sei subjektiv. Aber dann steht noch im selben Satz das Gegenteil: "dann wurde sie überschritten" - das klingt nach Objektivität. Rasant geht es weiter, denn schnörkellos und ohne Debatte erfolgt dann der Rauswurf - und dazu müssen (!) alle beitragen. Nicht diskutieren, sondern rauswerfen!

Durch klare Verantwortlichkeiten wollen wir erreichen, daß der Projektraum lange so neu und frisch bleibt, wie er jetzt gerade ist.

Kommentierung:
Regeln sind strukturkonservativ, sie verhindern Veränderung oder erschweren diese zumindest. Das wird im Projektraum jetzt positiv gewertet. Es soll so bleiben, wie es ist - Konservatismus von links.

Alle regelmäßigen NutzerInnengruppen müssen außerdem mindestens eine Person zum Plenum schicken.

Kommentierung:
Die Struktur muss anerkannt und mitgemacht werden. Eine Gruppe, die kollektive Entscheidungsfindung ablehnt, wäre also im Projekteraum verboten.

Offene Uni BerlinS

Rechts: Screenshot der Eingangsseite (!) der OUBs im Netz am 26.11.2006

Aus Positionen

Aus dem taz-Bericht am 18.6.2006
"Wir müssen wissen, wer hier reinkommt. Denn eigentlich sollen wir schon längst raus sein", begründet ein Mann mit längeren dunklen Haaren, der sich als Sokrates vorstellt, die verschlossene Tür. ...
Silke Baumann gehörte zu der Gruppe, die am Donnerstag zur Räumung aufgefordert hatte. Für sie ist das alternative Projekt gescheitert. Der alltägliche Umgang sei zunehmend von Machtkämpfen, Demütigungen und Mobbing bestimmt gewesen, berichtet auch Thomas Knauf, der die OUBS mitgegründet hatte. ... Die Schließung wollen Knauf und seine MitstreiterInnen für einen Neustart des Projekts nutzen. ... Als Vorbild und Beispiel für einen gelungenen Neustart nennt Knauf den Projektraum in der Hermannstraße 48 in Neukölln. Auch er sei als Offener Raum, der von allen Interessierten aus dem Stadtteil genutzt werden sollte, in die Krise geraten, werde jetzt aber nach einer vorübergehenden Schließung mit einem neuen Konzept als Projektraum wieder verstärkt frequentiert.

Hinweis: Der Verweis auf den Projektraum in der Hermannstraße 48 deutet die Zielrichtung derjenigen an, die mit formalen Mitteln die Auseinandersetzung zu führen versuchen. Die H48 war nach einer euphorischen Offener-Raum-Phase geschlossen und dann kontrolliert, also nicht-offen, wieder eröffnet worden. Einige H48-Aktive zogen daraus die Konsequenz, künftig autoritäre Strukturen zu befürworten.

Aus der Erklärung der Gruppe, die eine formale Schließung der OUBs will/wollte:
Offener Raum bedeutet vor allem auch Schutzraum ... Die Verrücktheiten der kapitalistischen Verwertung und andere Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse können nicht einfach so vor der Eingangstür abgelegt werden. Dies bedeutet aber nicht sich einfach dem Schicksal hinzugeben und die Hände in den Schoß zulegen. Wir wollen für eine selbstbestimmte und emanzipatorische Praxis kämpfen. Dies tun wir, indem wir den Raum Offene Uni erstmal schließen, um eine funktionierende Organisationsstruktur (soll heißen Menschen die einander vertrauen und miteinander dieses Haus organisieren wollen) zu realisieren. Damit wollen wir nicht die Vielen bestrafen, die sich in der OUBS engagieren und die mit ihren Kursen und Veranstaltungen die OUBS zu einem interessanten und lebendigen Ort machen. Für uns bedeutet die Schließung, die Möglichkeit die Offene Uni wieder zu einem Frei- und Schutzraum zu machen! Wir wehren uns, gegen die Menschen, die Offenheit mit Sozialdarwinismus, Ausgrenzung und gezielten Grenzüberschreitungen gleichsetzen. ...
Wir stellen uns gegen diejenigen, die herrschaftliche Gewalt und Unterdrückung durch Personen billigen, unterstützen oder sogar selbst betreiben, indem sie Betroffene nicht schützen, sondern persönliche Demütigungen und strukturelle Ausgrenzung von Individuen zu einem Bestandteil von .Freiheit. verdrehen. Konkret bedeutet dies, dass in den letzten Monaten Mackertum, Homophobie und sexistische Grenzüberschreitungen in der OUBS zum Alltag gehörten und dass das mehrtägige Tragen eines Thor Steinar T-Shirts durch einen OUBS-Nutzer, maximal zu zaghafter verbaler Kritik und Aufklärungsversuchen führte. ...
Eine temporäre Schließung der "Offenen Uni" ist unabdingbar. Eine Zäsur wie diese stellt den einzig möglichen Ausgangspunkt für neue, gleichberechtigte Auseinandersetzungen um ein Projekt dar, das ein wirklicher Frei- und Schutzraum ist, das nicht durch Lautstärke und Dauerpräsenz dominiert wird, in dem Menschen nicht fürchten müssen, den üblichen gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen mit anderen Mitteln ausgesetzt sein zu müssen.

Offene Räume im KuBiZ (Weißensee, Berlin)
Weitere Beispiele offener Räume

Offener Raum versus Schutzraum?

Position: Gegensatz ist künstlich

Der Gegensatz, der mit der Aufteilung in offenem und Schutzraum aufgemacht wird, sollte gerade nicht existieren. Wo behauptet wird, werden die wichtigsten Lösungspotentiale ausgeblendet. Nach dieser Logik wäre nämlich ein offener Raum ein gleichgültiger Raum, d.h. einer, in dem alle machen können, was sie wollen, ohne dass es Intervention gibt. Schutzraum wäre hingegen einer, wo irgendwelche Regeln gelten und Leute, die darauf aufpassen, dass die eingehalten werden. So unterschiedlich wie das klingt, so ähnlich wären diese Konzepte. In beiden Fällen nämlich sind die Menschen selbst keine AkteurInnen mehr im Raum. Es geschieht etwas mit ihnen, aber nicht durch sie.
Für einen offenen Raum wäre das fatal, weil die direkte Intervention der einzige Mechanismus ist, wie Menschen auf Übergriffe reagieren. Für einen Schutzraum aber ist die Gefahr noch größer. Denn nun hängt von den Handlungsbevollmächtigten ab, was wie bewertet wird. Es gibt ein Durchgriffsrecht - ähnlich wie in der demokratischen Gesellschaft gibt es Definitionsmacht sowohl über die Bewertung des Geschehens wie auch über Sanktion. Ein Schutzraum ist ja nicht durch die Erklärung ein Schutzraum, sondern durch die aktive Unterbindung bestimmter Verhaltensweisen. Allerdings ist Neutralität ein Hirngespinst, dass so auch in Gerichtssälen beschworen wird. Tatsächlich gibt es das nicht - und so werden die guten Kumpels der Wichtigen mehr Handlungsspielraum haben als die, die ohnehin schräg angesehen werden. Und wenn die AufpasserInnen gerade nicht aufpassen, ist schnell alles möglich.
Das Gegenmodell ist in beiden Fällen dass der Übung in direkter Intervention. Es kommt nicht auf die Definition eines Raumes an, sondern dass in diesem Menschen sind, die aufmerksam sind und sich einmischen. Das vermittelt ansatzweise so etwas wie Sicherheit, nicht der peinliche Verlass auf irgendwelche Regeln. Von daher halte ich die obige Fragestellung für gefährlich und rückwärtsgewandt. Sie öffnet die Tür für das Weggucken und schafft daran anschließend Akzeptanz für autoritäre Organisierung. Denn wenn die Menschen sich nicht mehr um das Geschehen kümmern, dann muss es eine Kontrollmacht geben, weil sonst ja jedeR macht, was er/sie will ...
Wenn also irgendwo zu spüren ist, dass die Räume nicht mehr übergriffsgesichert sind (und das kommt ständig vor!), dann bedarf der Bewusstmachung der Rolle der Einzelnen und des Trainings in direkter Intervention - egal in welchem Raumtyp.

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