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Große Treffen Schlechte Beispiele Open Space Tuschelrunden Kleingruppen Fish Bowl
Ausstellung

Rahmenbedingungen schaffen!
Open Space

Beschreibung

Open Space sowie die nötigen Weiterentwicklungen dieses Verfahrens sind „die“ umfassende Gestaltungsform für größere Treffen, Camps, Kongresse usw. Teil können jedoch vielfältige weitere Methoden sein, denn „Open Space“ stellt nur den Rahmen für das Gesamte. Es ist daher verbindbar mit vielen weiteren Ideen – organisiert diese aber nicht zwanghaft, sondern schafft einen Freiraum, in dem die TeilnehmerInnen ihre jeweilige selbstbestimmte Form der Informationsweitergabe, Diskussion oder Entscheidungsfindung entwickeln. Darüberhinaus sichert das Verfahren die Verknüpfung und die Transparenz.
Die Idee des Open-Space oder die “systematische Kaffeepause“ stammt nicht als sozialen oder gar emanzipatorisch-politischen Bewegungen, wo oftmals Hierarchien und zielgerichtete Treffen (wo das Ergebnis schon vorher festgelegt wurde) im Vordergrund stehen. Am schnellsten wurde sich stattdessen in der Wirtschaft entdeckt, auch um kreative Potentiale von MitarbeiterInnen abzuschöpfen. Open Space ist, wie schon daraus zu sehen ist, nicht per se "gut", d.h. der Zweck und die konkreten Abläufe können und sollten (wie jede Methode) immer kritisch betrachtet, hinterfragt und weiterentwickelt werden. Die Grundidee des Open Space aber ist überzeugend: Auf Konferenzen wurde beobachtet, dass die spannendsten und anregendsten Gespräche in den Pausen zwischen den Vorträgen stattfinden. In diesen informellen Gesprächen werden die wirklichen Wünsche und Ideen der Teilnehmenden eher und auch ehrlicher mitgeteilt – nur leider selten verwirklicht, da es meist bei einem beiläufigen Gespräch bleibt. Zudem bleiben sie intransparent, d.h. das Diskutierte bleibt in den Köpfen derer, die oft sehr zufällig beieinander standen und erreichen andere, die daran auch Interesse haben oder ähnliche Aktivitäten verfolgen, nicht. Die Wirtschaft hat aus diesen “Flurgesprächen” eine Methode entwickelt, um diese Ideen - selbstverständlich effektiv - zu “nutzen”.
Dieses Verfahren schafft in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang die Möglichkeiten der freien Entwicklung von Diskussionsprozessen und Themen. Ständig können neue Fragestellungen und Themen je nach Verlauf der Debatte aufkommen und "ausgerufen" werden (z.B. durch Anschreiben an einer zentralen Säule "Thema XY trifft sich um ... Uhr in Raum A/in der Sesselgruppe am Aquarium"). Es gibt keine festen Anfangs- und Endzeiten der Kleingruppen. Es kann ein Kommen und Gehen zwischen den Kleingruppen entstehen. Während einige zuende gehen, entstehen neue Fragestellungen. Jede und jeder kann Themen benennen und zur Debatte einladen. Beim Open Space setzen sich meist die Themen durch (Abstimmung mit den Füßen, d.h. wo Leute hingehen, da kann auch die Debatte laufen - denkbar aber sind auch Arbeitskreise allein), die aus der jeweiligen Situation heraus entstehen, wenn ein unmittelbares Interesse vorhanden ist. Das ist auch gut so, da es bisherige Dominanzgruppen und -personen auf eine gleichberechtigte Ebene bringt. Wichtig ist, daß die Ergebnisse an den Stellen der Diskussion dokumentiert werden (z.B. als Plakat oder Protokoll), um wiederum die nötige Transparenz herzustellen über die diskutierten Inhalte, ob eine Debatte weitergeht oder ob konkrete Vorschläge bzw. Aktionsideen entwickelt wurden. Ein Austausch in zwischengeschalteten und abschließenden Plena ergänzt das, fördert die Entstehung neuer Diskussionen, das Zusammenkommen sich berührender Themen usw.

Infrastruktur “Marktplatz”
1) Info-Wand (AK-Phasen – was läuft wann/gerade wo?, angedachter Zeitplan, Erklärungen zur Methode Open-Space, Prinzipien ...)
2) AK-Ankündigungs-Wand
3) AK-Ergebnis-Wand
4) Vernetzungs-Wand und andere Ankündigungen (z.B. 23. - 29. Juni Anti-AKW-Fahrradtour in ... Wer hat Lust mitzukommen? Oder: Ich suche für eine Aktion ein Soundsystem, bitte melden bei ...)

Es gibt etliche Punkte, die den Verlauf und die Ergebnisse eines Open-Space-Verfahrens beeinflussen:

Kurzanleitung
  (zum Aushang, Verteilen ...)
Hallo,
hier soll „Open Space“ laufen ... was so fremd klingt ist nichts anderes als der Versuch, Hierarchien abzubauen und in diesem Treffen das zu verwirklichen, was die Einzelnen interessiert – also z.B. Dich! Darum gibt es kein vorgegebenes Programm, denn das hätten wieder nur die „CheckerInnen“, die die immer schon dabei waren, ausgekungelt. Sondern es kommt darauf an, daß alle ihre Wünsche und Ideen einbringen – und zwar immer wieder neu. Was hier ablaufen soll, ist ein kreatives, motivierendes und durchschaubares Chaos, ein Feuerwerk von Ideen, von Gesprächen, Projektplanungen, Diskussionen, Reflexionen usw. Es wird nicht im Vorherein ein „Programm“ abgesprochen, sondern alles ist jederzeit möglich – wie in den berühmten „Kaffeepausen“ von Kongressen, die immer wieder das Spannendste sind. Aber: Es soll transparent abgehen.
Wie das funktioniert? Hier ein paar Tipps:

Probleme und Lösungsmöglichkeiten

Open Space ist ein Rahmen und keine Methode. Deshalb kann das Verfahren nicht von sich aus bereits Probleme lösen. Bestehende Dominanzen usw. bleiben bestehen, wenn nicht noch andere Ideen hinzukommen, sie speziell den Dominanzabbau betreiben. Open Space als Rahmen bietet aber gerade die Möglichkeit dazu, weil verschiedene Elemente nebeneinander vorstellbar sind. Günstig ist, die Räumlichkeiten so zu gestalten, daß sehr unterschiedliche Workshops stattfinden können – kleine und große Runden, Frontalunterricht, Leinwand oder Fish Bowl, Stuhlkreis, Tische, Computerausstattung usw.
Eine besondere Problembereiche seien noch benannt:

Weiterentwicklung

Planspiel und Open-Space verbinden?

Eine besondere Idee der Weiterentwicklung wäre, Elemente des Planspiels ins Open-Space aufzunehmen. Denkbar wäre z.B., in einer Phase des Open-Space den Austausch von Ergebnissen und konkrete Planungen als Planspiel mit den realen Akteursgruppen zu „spielen“ (z.B. als Vorbereitung auf eine Aktion die daran beteiligten Gruppen – von Aktionsgruppen bis Sanis, EA, Zeitungsgruppe usw.). Das wäre auch in anderen Formen möglich. Denkbar wäre aber auch (oder zusätzlich) bestimmte Elemente der realen Praxis bereits im Open Space zu simulieren, also z.B. Treffen fester Gruppen, die z.B. den Terminkalender im Internet machen oder ein Einladungsflugblatt für das nächste Treffen formulieren usw.. Das wären dann jeweils gesetzte Gruppen mit besonderen Aufträgen – wie im Planspiel ja üblich.

Beispiele

Open-Space-Projekteforum in Marburg

Als monatlicher Treffpunkt zum Austausch von Ideen, zur Planung von Aktionen und Projekten sowie zur inhaltlichen Debatte oder Auswertung von Aktionen ist das Projekteforum gegründet worden. Es fand erstmal am 6. Februar statt und seitdem an jedem ersten Mittwoch im Monat (www.nichtwissen.de). Als Raum wird ein selbstverwalteter Kneipen- und Veranstaltungsraum genutzt. Kicker usw. wandern an diesem Tag auf den Flur. In den zwei Räumen sind jeweils in den Ecken zwei bzw. drei Sitzgruppen aufgestellt. Neben diesen hängt jeweils eine Wandzeitung, auf dem Tisch liegen Stifte und Zettel. Ungefähr in der Mitte finden sich die zentralen Infowände. Dort werden angehängt (jeweils an verschiedenen Pinnbrettern):

PinnwandDas Projekteforum hat keinen offiziellen Beginn. Die Menschen kommen über den ganzen Abend gestreut in den Raum. Beim ersten Treffen gab es gar keinen direkten Infoaustausch jenseits der Bretter und vielen Einzelgespräche. Beim zweiten entstand um kurz vor 22 Uhr ein solches Infoplenum. Das sollte eigentlich nur kurz den Stand der Dinge austauschen, allerdings gab es über Nachfragen u.ä. dann doch immer wieder die Neigung, in der Gesamtrunde zu diskuieren. Angesichts der Zahl der Anwesenden (ca. 15) war der Hang zur Unterteilung eher noch gering. Dennoch war das Plenum deutlich zäher als die anderen Phasen.
Typisches Ergebnis, soweit das nach den wenigen Versuchen zu sagen ist, sind viele kleine Projekte statt einem großen gemeinsamen. Was zu hoffen ist, ist daß die Projektansätze nicht nebeneinander stehen, sondern auch gemeinsame Aktivitäten hervorrufen.
Weitere Infos: www.nichtwissen.de, Bericht und Ziele des "Open Forum" in Marburg.

Bundes-Ökologie-Treffen

Nach einigen mißglückten Versuchen gab es auf dem BÖT im Mai 2001 in Augsburg erstmals ein lupenreines „Open Space“ – angefüttert mit weiteren Ideen. Es war klassisch aufgebaut, in einer Infoecke, wo Ideen und was jeweils wo läuft, aufgehängt wurde. Kreativ war der Beginn, die dort so genannte „Tuschelrunde“. Alle Anwesenden (bzw. alle, die wollen) laufen kreuz und quer durch einen Raum (nur kurz). Auf ein Stoppsignal bilden die Zusammenstehenden Gruppen, die sich wenige Minuten darüber austauschen, warum sie da sind und was sie wollen. Dann wieder kreuz und quer und nochmal (insgesamt war es 3x). Am Ende wurden alle entstandenen Ideen auf Zettel geschrieben und aufgehängt – aus dem Pool entstanden die ersten Arbeitskreise. Was sichtbar wurde, war die dadurch entstandene Ideenvielfalt. Zudem dominierten jetzt die Ideen der Nicht-CheckerInnen, also der Menschen, die sonst nicht prägend sind, weil die vorformulierten Ideen und Arbeitskreisvorschläge der Wichtig-Leute meist schnell allen Raum einnehmen und die anderen Menschen sich diesen nur noch zuordnen (nicht als Zwang, sondern weil es sie tatsächlich auch interessiert – aber eben nur aus dem Angebot ausgewählt, statt selbst die Interessen durchdacht werden). Diese „Tuschelrunde“ hat viele Dominanzen gebrochen, weil alle Menschen darin gleiche Möglichkeiten hatten (teilweise waren die Wichtigleute sogar gehemmter, weil sie weniger offen sind für Experimente). Es erscheint aber sinnvoller, diese Tuschelrunden öfter als Einstieg (z.B. jeden Morgen oder zu Beginn jeder längeren Phase) zu organisieren und dann sofort aus den „Zufallsrunden“ zu starten. Es zeigte sich nämlich, daß in vielen dieser Runden sofort die Diskussionen einsetzten, die einen Arbeitskreis begründen konnten. Der abgewandelte Verlauf wäre dann, daß nach den Tuschelrunden sofort begonnen wird – aber zum einen transparent, d.h. die zwei, drei oder mehr aus einer Tuschelrunde, die sich sofort an ihren vorgetragenen Wunschthemen festgebinnen hatten, machen noch Raum und Thema an der Pinnwand sichtbar, sowie zum zweiten noch erweitert um die Vorschläge, die gerade keine Tuschelrunden-Gruppen schon fesselten, aber die trotzdem jetzt oder später laufen sollten.
Im Verlaufes des BÖTs entstand eine akzeptable Dynamik auch immer wieder neuer AKs, manche trafen sich zusammen, wenn sich Themen überschnitten usw.
Das folgende Bundes-Ökologie-Treffen wurde ähnlich versucht, litt aber unter Mangel an Dynamik, weil nur wenige Menschen ihre Ideen einbrachten (war eher ein „Familientreffen“ derer, die sonst auch immer kommen). Open Space lebt stark davon, daß Menschen kommen, die etwas wollen (und nicht nur die, die kommen, weil sie immer kommen).
In mehreren linken Medien wurde dieses weitere BÖT scharf angegriffen – vor allem die Praxis des Open Space, weil dann keine strukturierten Diskussion laufen konnten. Die „Junge Welt“ kritisierte, daß geladene ReferentInnen nicht mehr den ihnen zustehenden Aufmerksamkeitsgrad bekamen – wenn sie ihr Thema uninteressant präsentierten, ging niemand hin. Das zu kritisieren, bedeutet eine Verteidigungshaltung derer, die sich als Wichtigleute ansehen und das auch sein wollen. Sie wollen über Strukturen ihre Wichtigkeit auch gebührend durchsetzen. Selbstbestimmung ist in überwiegenden Teilen der deutschen Linken nicht gewollt (da ist noch viel stärker zu sehen in anderen Zusammenhängen – so wurde der Vorschlag für eine Open Space bein 25. BUKO als „antitheoretizistisch“ abgelehnt. Diese Kritik kam von Personen, die seit Jahrzehnten dabei sind und sicherstellen wollten, daß sie auf den Podien den ihnen zustehenden Platz bekamen und dann auch alle diesen Podien zuhören müssen – sprich: keine offene Programmdynamik stattfindet).

Raumgestaltung in der Projektwerkstatt Saasen

Die Projektwerkstatt in Saasen hat im Laufe des Jahre 2001 ihren Seminarbereich, der ohnehin schon stark auf Selbstorganisierung ausgerichtet war, auf Open Space-Verfahren umgestaltet. Nun findet sich in der Mitte, umgeben vom Zeitschriftenarchiv, der Info-Marktplatz – eine kleine Theke mit Sitzplätzen und viele viele Infowände. In drei Richtungen geht es von dort in andere Räume oder Durchgänge, in und an denen sich insgesamt sieben kleine Sitzecken einrichten lassen, vier davon mit Computern (z.T. mit Internet), alle mit Wandzeitungen, Stiften usw. Sollte das nicht reichen, gibt es noch einige Räume mehr, die allerdings etwas weiter entfernt im Haus liegen (anderes Stockwerk u.ä.).
Diese räumliche Aufteilung macht „Frontalunterricht“ fast unmöglich, weil es sehr einfach ist, sich sofort zusammenzusetzen und auch handlungsfähig zu sein. Die umfangreichen Archive, Materialsammlungen der Projektwerkstatt durchziehen denselben Bereich und können auch genutzt werden – hinzukommen Layoutsammlungen, Kopierer, Fotolabor, Transpistoff und Farbe, Fax-Presseverteiler, Internet-Programme usw. in weiteren Räumen.

Mehrere Sitzecken im Archivbereich

Großer Seminarraum (mit großen Pinnwänden usw.)

Überall stehen Arbeitsmaterialien wie Computer, Diaprojektor usw.

Infopoint (Open-Space-"Marktplatz") in der Mitte des Tagungshauses

Rechts: Weiterer Kleingruppenraum

Links zu weiteren Bildersammlungen des Seminarhauses:

Infos zum Seminarhaus. Weitere Infos: www.projektwerkstatt.de/saasen

Und zum Abschluß noch ein paar „Leitsätze“ aus der Open-Space-Literatur ...

Weitere Internetseiten zu Open Space

Weitere Links: