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Idee und Organisierung von Projektwerkstätten

Ein Blick zurück ...

Der folgende Texte stammt aus der "Aktionsmappe Umwelt", einer umfangreichen Arbeitshilfe für die praktische politische Arbeit vor Ort, vor allem für Umweltgruppen, -zentren usw. Die Idee der Projektwerkstätten war und ist aber nicht an dieses Thema gekoppelt. Die Verbindung ist dennoch kein Zufall, denn die Idee der Projektwerkstätten ist schon Geschichte. Sie entstanden ab 1990 aus der damals ziemlich großen Jugendumweltbewegung. Die hatte sich ab 1985 in den Umweltverbänden entwickelt und vor allem die Jugendverbände geprägt. Als 1989 bundesweit die Jugendumweltarbeit durch die neu entwickelten Ziele und Arbeitsformen wie der Absage an Hierarchien und Verbandsmeierei, eine neue Radikalität in Inhalten und Aktionsformen sowie der grundlegenden Idee der Projektfreiheit prägend wurde, zogen die verkrusteten und staatsnahen Vorstände der Umweltverbände die Notbremse und schmissen die projektorientierten Jugendumwelt-Aktiven raus. Die organisierten sich fortan außerhalb der Verbände neu - vor allem in der neuen Idee der Projektwerkstätten.

Als die Aktionsmappe Umwelt entstand, gab es ca. 50 dieser offenen Räume. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre aber zerfielen wieder viele oder etablierten sich. Die Idee aber bleibt spannend, denn das Prinzip "offener Räume" wurde bislang in Deutschland noch nie so weit auch praktisch umgesetzt wie in der Zeit der Projektwerkstätten ... der folgende Texte gibt einen tiefen Einblick in die Idee. Er ist im Original belassen, auch wenn einige Passagen nicht mehr aktuell sind, heute weiterentwickelt oder verworfen wurden. Die Verweise auf andere Kapitel der Aktionsmappe Umwelt sind ebenso belassen, auch wenn sie hier nicht viel Sinn machen.

Schafft FreiRÄUME!

Eine Bürgerinitiative gründet sich. Die Sache läuft gut, es werden schnell 20 Leute. bas Thema ist ein bißchen heikel, Konf likte mit den Stadtoberen sind zu erwarten. Warum findet sich nicht so schnell ein Raum. Die öffentlichen BürgerInnenhäuser sind angeblich ausgelastet, auch in Kirchenhäusern soll kein Raum mehr f rei sein. Viel Zeit und Kraft geht verloren. Wie schön wäre es, wenn jetzt ...? Szenenwechsel. Eine örtliche Gruppe eines Naturschutzverbandes hört von einem Straßenneubau. Wie kann mensch sich dagegen wehren? Was steht in den Gesetzen? Eine gut ausgestattete Umweltbibliothek wäre jetzt goldrichtig. Aber die nächste ist in der 74 Kilometer entfernten Großstadt ... Und nochmal: Eine plötzliche Entwicklung an einem dritten Ort. Fotos sollen entwickelt und ein Flugblatt layoutet werden. Aber wo? Bei Günther und Antje steht ein Fotolabor rum, aber die sind gerade in Urlaub. Schade ...

Aktionsplattformen
Es kostet Kraft und Zeit, für jedes Projekt wieder neue Arbeitsmöglichkeiten aufzubauen (oder wegen fehlender zu scheitern). Die Alternative ist einfach und klar: Am besten sofort, auch ohne drängendes Problem im Rücken, und am besten gemeinsam mit anderen Gruppen ein offenes und unabhängiges Zentrum aufbauen, in dem für alle Arbeitsmöglichkeiten bereitstehen ? Räume für Treffen, eine Bibliothek, Arbeitsgeräte wie Kopierer, Fax, Computer, Layoutarchive, Werkzeug, Farben, Fotolabor usw. Seit Jahrzehnten schon wurden Umweltzentren, NaturschutzInfozentren oder ähnliches geschaffen, um auf Dauer eine Einrichtung zum Arbeiten und für die Öffentlichkeitsarbeit zu haben. Etliche Fehler haben sich dort aber wiederholt, so daß aus dem Anfangsschwung nur selten etwas Dauerhaftes wurde.
Seit 1990 ist in verschiedenen Orten systematisch der Aufbau von "Aktionsplattformen", wie sie sich nennen, betrieben worden. Ca. 40 solcher offener Räume sind entstanden. Die Räume und Häuser mit ganz verschiedenen Namen verstehen sich als Projektwerkstätten. Das Wort ist Programm Werkstätten, in denen an Projekten gearbeitet werden kann. Sie können überall entstehen, genauso wie weitere Umwelt? oder Naturschutzzentren. Wichtig ist, daß einige Grundsätze beachtet werden, sonst werden Projektwerkstätten, Ökozentren usw. schnell zu Vereinsheimen, Geschäftsstellen oder Naturmuseen ohne Nutzen für die konkrete Arbeit.

Vielfalt ist möglich!

Sehr verschiedene Namen und Formen von Aktionsplattformen sind möglich. Sie reichen von einzelnen Räumen bis zu ganzen Häusern, von alleinstehenden Einrichtungen bis zu Räumlichkeiten, die Teil eines größeren Projektes, z.B. einer Kommune, eines Kulturzentrums, eines Initiativenzentrums, einer Bildungsstätte u.ä. sind. Vier verschiedene Typen, die so oder ähnlich schon bestehen, sollen kurz beschrieben werden. Kaum eine Einrichtung erfüllt schon heute die Grundsätze, eine Verbesserung der Arbeitsstruktur ist daher überall nötig.

Die Grundsätze

Projektwerkstätten (oder Umweltzentren o.ä., die die gleichen Ziele verfolgen) sind Räume, manchmal ganz Häuser. Arbeits- oder Aktionsplattform könnte mensch ebenso gut zu ihnen sagen. Hinter ihnen stecken Ideen, die in jedem Ort von Nutzen sein könnten. Nachfolgend werden die wichtigsten Eckpfeiler einer Projektwerkstatt dargelegt. In der Praxis gibt es nicht die Projektwerkstatt. je nach Platz und Einrichtungen variiert das Angebot der verschiedenen Werkstätten.

Warnung!

Die wenigen Jahre, in denen Projektwerkstätten bestehen, haben gezeigt, daß die benannten Ideale und Grundsätze zwar am Anfang von allen geteilt werden, mit der Zeit aber doch in Vergessenheit geraten sind. Dann schleichen sich unbemerkt Veränderungen ein, die in Konfliktsituationen verheerende Konsequenzen haben. Plötzlich gibt es nur noch eine zuständige Person für die Schlüsselvergabe ? und die verweigert einer Gruppe oder einer Person den Zutritt. Plötzlich beginnt ein Streit zwischen Projektgruppen, ob die jeweils andere noch geduldet werden kann - die ursprüngliche Projektfreiheit ist vergessen. Solche und andere Beispiele sind schon häufiger eingetreten und haben auch einige Projektwerkstätten "das Leben gekostet". Noch dramatischer ist diese Entwicklung bei Umwelt und Naturschutzzentren, wo oftmals schon von Beginn an die Grundsätze der Projektfreiheit und Unabhängigkeit nicht gegolten haben. Vereinsräume und ?büros ohne Zugang für aktive Umweltgruppen sind die Folge.

Weitere schlechte Erfahrungen wurden gesammelt. Der neuen Idee freier und projektorientierter Jugend? und Umweltarbeit stemmen sich die Hürden einer an Hierarchien orientierten Gesellschaft entgegen Freie Projekte bekommen selten Geld, werden als Vertragspartner abgelehnt, schnell in Ecken gestellt oder scheitern an dem Spannungsfeld zwischen spontaner Aktion in den Werkstätten und den formallangsamen Entscheidungswegen derer, die z.B. BesitzerIn oder VerwalterIn des Gebäudes oder PartnerIn bei Projekten sind (Vereine, Gemeinde, Jugendpflegerln). Einige Projektwerkstätten oder Zentren wurden Opfer staatlicher Repression (Hausdurchsuchungen, Zuschußentzug, Gerichtsverfahren gegen Mitwirkende), andere gerieten unter Druck der etablierten und oft parteinahen Umweltverbände. So fristen die beiden ersten Projektwerkstätten, die es überhaupt gab, nun ihr Dasein als Vereinsheim, nachdem VerbandsfunktionärInnen die einstmals Aktiven hinausdrängten oder sogar hinauswarfen.
Vorsicht ist also angesagt. Die Ideale von Projektwerkstätten, ähnlich organisierten Umweltzentren (Projektfreiheit, Abbau von Hierarchie und Unabhängigkeit) müssen immer wieder neu erstritten werden. Alltagsschlendrian bzw. das Vergessen dieser ursprünglichen Ziele verwandeln die Aktionsplattformen in normale Büros oder Vereinsheime.

Die Raumfrage

Arbeits- & Lebensprojekt
Nur selten findet sich die endgültige Lösung sofort. Nachdem nun erste Erfahrungen da sind, kann ohne Einschränkungen gesagt werden: Die beste Lösung ist ein eigenes Haus, in dem auch noch Leute wohnen, die die Idee mittragen. Da Hauptamtliche weder zur Idee der Arbeit passen noch finanzierbar sind, kann ein Haus nur dadurch offen sein, daß fast ständig Leute da sind. Inzwischen sind einige solcher Arbeits? und Lebensprojekte entstanden, z.B. im Kreis Gießen, Verden, Lübeck und Niederaula (Adressen siehe Seite 9.11). Die Idee wird in vielen anderen Orten auch verfolgt.

Einzelne Räume
Diese "große Lösung" aber ist keine Voraussetzung. Projektwerkstätten können auch einzelne Räume sein ? ein einziger kann für vieles schon ausreichen, und der findet sich schnell in einem Jugendzentrum, Gemeindehaus (eventuell auch bei Kirchen?), in anderen öffentlichen Gebäuden, leeren Schulräumen/-trakten, Umwelt- oder Initiativenzentren, BürgerInnenhäusern, ehemaligen Back- und Gefrierhäusern usw. Selbst in Privathäusern sind oft Keller oder Dach für Projektwerkstätten frei.
Wichtiger als das konkrete Aussehen der Räume ist die Idee des Ganzen: Die Räume müssen offen für alle sein, in ihnen wird Stück für Stück Arbeitsmaterial gesammelt, das allen zugute kommt. Und schließlich sollten auch konkrete Projekte von dort angeschoben werden. Wenn dann erstmal die Arbeit richtig läuft, können immer noch weitere Räume oder eine andere Lösung gefunden werden.

Zusammen mit der Jugend!?
Wo Erwachsene eine Projektwerkstatt aufbauen wollen, sollten sie überlegen, ob sie nicht Jugendprojekte aufnehmen. Erstens ist selbstverwaltete Jugendarbeit (Projektgruppen, Jugendzeitungen, SchülerInnenvertretungen, Jugendzentren, selbstverwaltete Jugendforen/parlamente usw.) ein wichtiger Bestandteil der Gesamtidee, selbstbestimmte Lebens? und Arbeitsformen zu fördern. Zweitens kann die Integration von Jugendprojekten viele Türen zu möglichen Orten öffnen z.B. in Jugendzentren, gemeindlichen Räumen usw.

Jugendzentren
Ein oder zwei Räume in einem Jugendzentrum können Werkstätten, Bibliothek usw. beherbergen. Andere Einrichtungen des Jugendzentrums, viele haben Arbeitsräume, Fotolabor usw., können genutzt und brauchen nicht selbst beschafft werden.
Vorteile: Meist sind gute Einrichtungen auch rundherum zu nutzen, da Jugendzentren oft eine gute Ausstattung haben. Zudem können weitere jugendliche im Jugendzentrum direkt angesprochen werden.
Nachteile: Abhängigkeit vom Jugendzentrum, deren Leiterln bzw. dem/der BetreiberIn, meist die Kommune. Diese Nachteile sind geringer bei selbstverwalteten Jugendzentren. Schwierig sind aber oftmals Übernachtungen Einzelner oder Gruppen bei Seminaren usw. Dieser Nachteil kann verringert werden, wenn in der Nähe Übernachtungsmöglichkeiten bestehen, z.B. in einer Schule, einem Gemeindehaus oder anderen Räumlichkeiten. Wird das Arbeitsspektrum größer, ist eine räumliche Ausdehnung kaum möglich.

Schulen
Ein Klassenraum in der Schule, der frei wird, bzw. sogar ein getrennt gelegener Trakt (Pavillon) wird zur Projektwerkstatt, an Wochenenden usw. können auch andere Klassen, Sanitäreinrichtungen und anderes der Schule mitbenutzt werden.
Vorteil: Der Raum bzw. Trakt kann eigenständig genutzt werden, wenn ein eigener Schlüssel Zugang verschafft. Mit Übernachtungen usw. gibt es oft auch keine Probleme, für Seminare oder Kongresse am Wochenende oder in den Ferien kann oft sogar die Schule mitgenutzt werden.
Nachteil: Der Standort Schule könnte Jugendliche abschrecken. Es muß zudem geklärt werden, wieweit die Räume auch umgestaltet werden dürfen. Da das Gebäude meist der Stadt oder dem Kreis gehört, ist eine gewisse Abhängigkeit gegeben. je bekannter die Werkstatt wird, desto besser ist aber die Ausgangssituation

Initiativenzentren
In Initiativenzentren, Bildungsstätten, Freizeiteinrichtungen, kirchlichen Gebäuden, Gemeinschaftsbüros usw. ist oft noch Platz in ein bis zwei Räumen. Arbeitsräume, Bücherei usw. sind vielleicht ohnehin da und können mitbenutzt werden.
Vorteil: Meist sitzen in solchen Einrichtungen noch andere Verbände oder Gruppen, mit denen Gemeinschaftsprojekte laufen können. Oft ist auch das "Betriebsklima" gut, Ausstattungen anderer können mitgenutzt werden.
Nachteil: Meist räumlich sehr eng, da Initiativen keine großen Geldmittel haben. Es kann auch hier Äiger geben mit bürokratisch veranlagten FunktionärInnen anderer Gruppen ? gerade wenn (was ja gewollt ist) in der Projektwerkstatt ein vielfältiges Kommen und Gehen stattfindet.

BürgerInnenhäuser., Gemeindezentren, Büchereien usw.
Jede Gemeinde, meist sogar jeder Ortsteil, verfügt über öffentliche Räume. EigentümerIn sind in der Regel die Städte oder Gemeinden bzw. Kirchen. Hier ist zu untersuchen, wieweit Räume ungenutzt sind - eventuell auch ausbaubare Dächer, Keller, Nebenräume oder Nebengebäude. Das wäre ideal, weil aus der dann aufzubringenden Eigenleistung eine recht hohe Unabhängigkeit resultieren würde, da es unwahrscheinlich wird, daß eine ' Konkurrenz anderer Gruppen entsteht, die genau denselben Raum auch in Anspruch nehmen wollen.
Vorteil: Möglicherweise kostenfreie Überlassung durch den/die EigentümerIn. Nutzbare Infrastruktur rundherum ? weitere Räume, eventuell sogar große Hallen, Begegnung mit anderen Gruppen, Einzelpersonen usw.
Nachteil: Gefahr der Abhängigkeit, weil inhaltliche Arbeit zu Konflikten mit den GebäudeeigentümerInnen führen kann. Dieser Nachteil kann entschärft werden, wenn ein langfristiger Nutzungsvertrag unterzeichnet wird, der Pflichten und Rechte der ProjektwerkstattsnutzerInnen festlegt.
Pflichten sollten auf Erhalt bzw.. Renovierung des genutzten Bereiches sowie auf die Hausordnung in den anderen, auch von weiteren Gruppen genutzten Gebäudeteilen beschränkt sein.

Mitnutzung von Räumen anderer
Es gibt 'Einrichtungen und Organisationen, die Ahnlichkeit mit der Arbeit von Projektwerkstätten haben bzw. bestehen mindestens Überschneidungen (z.B. gemeinsames Interesse an einer regionalen Zeitung, einem mobilen Infostand ... ). Beispiele sind: VerbraucherInnenberatungen, Umweltbibliotheken, Wissenschaftsläden, Umweltzentren, Büros alternativer Medien, soziale Einrichtungen wie Jugendwerkstätten, Drogenberatung usw., Volkshochschulen, Schulbiologiezentren, Schulgärten mit Gebäuden und vieles mehr.
Vorteil: Kontakte zum/zur "GastgeberIn" entstehen sehr einfach. Meist gibt es ein "Laufpublikum", das gleich mit angesprochen werden kann.
Nachteil: Abhängigkeit vom/von der "GastgeberIn", die eventuell durch langfristigen Nutzungsvertrag zu reduzieren ist. Sind die Räume nicht separat zugänglich, kann es Schwierigkeiten geben, außerhalb der sonstigen Öffnungszeiten die Projektwerkstatt zu nutzen.

Firmengebäude
Insbesondere Firmen in älteren Gebäuden können große Teile der Bausubstanz nicht nutzen. Das bietet Möglichkeiten, kostengünstig, kostenfrei oder gegen Spendenbescheinigung, Anzeige in einer vorhandenen Zeitung usw. Räume zu erstehen. Ein Ausbau in Eigenarbeit ist in der Regel nötig. Besonders günstig sind solche Firmen, mit denen neben der Raumnutzung noch weitere Gemeinsamkeiten. entstehen können ? also z.B. bei Firmen im ökologischen Bereich, Druckereien, ökologische Handwerksfirmen, Zentren mehrerer Kleinfirmen, Entwickler? oder Technologiezentren sowie auch Technikfirmen oder andere, die direkt bei der Ausstattung der Projektwerkstatt bzw. der Projektarbeit helfen können.
Vorteil: Oftmals Nutzung auch größerer bzw. mehrerer Räume möglich. Rückgriff auf die Firma auch bei Ausstattung der Räume bzw. konkreten Projekten. Nutzung weiterer Altbestände der Firma (ausrangierte Möbel, Geräte) bzw. der Infrastruktur (Kopierer usw.).
Nachteil: Abhängigkeit, durch langfristigen Nutzungsvertrag zu entschärfen. In der Öffentlichkeit kann die Kooperation zu einem zweifelhaften Image führen ? was bei ÖkoFirmen natürlich weniger der Fall ist.

Private Gebäude
Irgendwo kann in einem Privatgebäude (freies Zimmer, Anbau, ausgebauter Stall oder alte Waschküche, Dach oder Keller) bzw. in einem ehemaligen Kühlhaus, Spritzenhaus usw. die Werkstatt untergebracht werden.
Vorteil: Meist hat mensch große Freiheit, da niemand sonst Wert auf die Räume legt. Oft gibt es einen separaten Gebäudeteil oder gar ein einzeln stehendes Häuschen.
Nachteil: Mensch muß ein gutes Image der Werkstatt aufbauen, damit Leute kommen. Zufällige Kontakte wie in Jugendzentren oder Initiativenhäusern ergeben sich nicht. Wer kommt, kommt zur Werkstatt. Sämtliche Ausstattungen müssen selbst organisiert werden. Das ist etwas zu mildern, wenn zusätzlich ein Draht zum Jugendzentrum u,ä. besteht.

Eigenes Haus
Ein eigenes Haus bleibt für viele ? der ,Traum. Darin können alle Werkstätten eingerichtet werden, es bleibt Platz für Gruppentreffen, Übernachtungen usw. Zudem könnte auch eine Wohngemeinschaft untergebracht werden, die ansprechbar ist. So ist die Werkstatt fast ständig offen.
Vorteil: Es ist alles machbar, was räumlich geht und finanziert werden kann. Die Abhängigkeit von anderen ist sehr gering. Ist das Haus Eigentum, so ist sie gar nicht vorhanden. Ist das Haus z.B. von der Stadt zur Verfügung gestellt, so ist wichtig, daß die Werkstatt bekannt wird, damit niemand es wagt, die Arbeit wieder zu vernichten.
Nachteil: Hauskauf, ?renovierung, laufende Kosten und Ausstattung sind teuer. Ein Teil der Kosten ist gut durch die Wohngemeinschaftsmiete und durch Gruppenbelegungen zu decken (meist reicht das für laufende Kosten und Renovierungen). Für Kauf, Ausbau und Ausstattung müssen größere Zuschüsse hereingeholt werden.

Fazit
Diese und noch andere Lösungen sind möglich. Die wichtigsten Mittel sind die Phantasie und der Mut, nach Ideen zu suchen und auch dann nachzufragen, wenn etwas unmöglich erscheint. JugendpflegerInnen, BürgermeisterInnen, UmweltberaterInnen, Schule oder , Kirchen können Ansprechpartn erInnen sein. Augen offen halten, welche Räume nicht mehr benötigt werden, welche Gebäude oder Schuppen leerstehen. Manchmal reicht es, die EntscheidungsträgerInnen auch nur selbst auf die richtige Idee zubringen.

Das Geldproblem

Eine Initiative bzw. Projektgruppe ist nichts und hat nichts. Wer als Initiative um Geld "bettelt"/anfragt, erlebt oftmals frustrierende Fragen: Wer ist der/die Vorsitzende? Darf ich Ihre Satzung sehen? Wo ist Ihr Büro? Zu welchem Verband gehören Sie? So denken fast alle: Firmen, und noch schlimmer Behörden und Ämter. ie meisten offiziellen Geldquellen bleiben verschlossen, wenn die Gruppe einfach nur eine Initiative bleibt. Selbst zum Verein werden, heißt aber: Vorstand, Bürokratie und schleichend die Hierarchie. Selbst wenn die Gruppe das nicht will - es tritt nahezu immer ein! Projekte und Projektwerkstätten haben daher viele Ideen ersonnen, dieses Problem zu lösen.

Zusammenarbeit mit Verbänden
Viele arbeiten mit Verbänden zusammen und bitten diese dann, für die Werkstatt, ein Projekt oder eine Veranstaltung den Antrag auf Geld zu stellen, einen Vertrag zu unterzeichnen, die Versicherung zu übernehmen usw. Das kann aber, auch mal schief oder sehr langsam gehen.

Förderverein
Die meisten Projektwerkstätten haben einen Förderverein. Das heißt, es gibt einen Verein "pro forma", der jedoch nicht als Verein tätig ist; vielmehr führt der Verein das aus, was die Projekte bzw. ein Aktivenplenum beschließen (siehe Kapitel 7, "Organisation"). Als Vereinsziel legt mensch bei einem Förderverein fest, daß er finanziell (Spenden, Zuschüsse usw.) und organisatorisch (Verträge usw.) die Projekte und die Werkstatt unterstützt, jedoch nicht in d4ren Arbeitsform und Arbeitsinhalte hineinreden kann. Die Projekte und die Werkstatt sind dann nicht Einrichtung des Fördervereins, sondern bleiben selbständig.
Eventuell beschließt die Hauptversanunlung des Vereins noch ganz förmlich ein Selbstverwaltungsstatut, das festlegt, dass der Verein ausführt, was die Aktiven fordern. Ein solcher Förderverein kann viele Geldmittel beantragen, die auch für Jugendverbände möglich sind (siehe Kapitel 14, "Finanzen"). Für die Werkstatt sind insbesondere Zuschüsse zum Ausbau (Jugendraum?Bau) und zur Einrichtung (Material für die Jugendarbeit) möglich, zudem Zuschüsse zu Lagern und Seminaren; vorausgesetzt, in der Projektwerkstatt gibt es eine aktive Jugendgruppe!

"Zwei-Ebenen-Modell"
Vor allem in Niedersachsen arbeiten Projektwerkstätten mit dem "Zwei-Ebenen-Modell". Das ist eine Spielart des Fördervereinsmodells, die den Aktiven eine höhere Sicherheit gibt, falls irgendwer, der zufällig im Verein Mitglied ist, doch mal "ausrastet". Wie das funktioniert, ist im Kapitel 7, "Organisation" erklärt.

Sachspenden
Die wichtigste Fundgrube aber sind Sachspenden. Baumaterial (Farben, Holz usw.), Möbel, Geräte, Papier usw. kann mensch sich zusammenbetteln. Für das "Erbetteln" von Sachspenden gilt: Das Telefon ist das wichtigste Gerät. Ein Anruf bei Behörden, Ämtern, Kirchen usw. genügt, um zu klären, was dort herumsteht und nicht mehr gebraucht wird. Manchmal stehen dort richtige Schätze (siehe auch Kapitel 14, "Finanzen").

Projektförderung
Nur sehr selten gibt es staatliche Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte. Manche Kommunen geben Gelder auch an freie Gruppen. Infos hat die Gemeindeverwaltung, je nach Inhalt eines Zuschußantrages die Jugendpflege, das Umweltamt oder andere. Landes? und bundesweit sieht es meist noch schlechter aus, wenn nicht ein etablierter Verband hinter der Arbeit steht. Zugänglich sind die Lotto- und Troncmittel aus Ministerien bzw. über Stiftungen (siehe Kapitel 14, "Finanzen"). Geld für Jugendprojekte gibt es auch von der Europäischen Union aus dem sogenannten "Jugend für Europa"-Topf. Einige Werkstätten sind schon gefördert worden.

Zusammenschlüsse
Teilweise gibt es auch landes? und bundesweite Zusammenschlüsse, die Gelder erhalten, z.B. bundesweit die Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise (AG SPAK) bzw. in Niedersachsen Jugend-Aktion Natur- und Umweltschutz Niedersachsen (JANUN), in anderen Ländern tragen anerkannte Jugendverbände die Werkstätten mit.

Liste der Einrichtungen

Eine Umwelt- und Projektwerkstatt besteht aus unterschiedlichen Werkstätten. Nur so kann für viele das da sein, was zum Arbeiten gebraucht wird. Nicht immer wird sich alles verwirklichen lassen, bis heute sind in einigen Werkstätten aber vorhanden:

Einfach loslegen

Wo zwei oder mehr Leute die Idee haben, kann die Verwirklichung bereits beginnen. Wichtig ist nicht nur die Suche nach weiteren MitstreiterInnen und Räumlichkeiten, sondern ebenso der Versuch, andere Gruppen und Initiativen für die Idee zu gewinnen. An einigen Orten ist der Vorläufer einer Werkstatt ein erstes gemeinsames Projekt gewesen, z.B. eine Veranstaltung, eine Zeitung, ein Terminplaner u.ä. Es darf nicht unterschätzt werden, wie schwierig es ist, verschiedene Gruppen und Vereine zur Zusammenarbeit zu bewegen. JedeR sieht sich im Vordergrund, gerade zwischen den Führungspersonen der Gruppen entsteht Streit, oftmals werden Gemeinschaftsprojekte nur zweitrangig hinter den eigenen Aufgaben gesehen. Viele der bestehenden Gemeinschaftsprojekte werden von den Gruppen und Vereinen mitgetra gen, weil sie sich selbst dort profilieren können (z.B. Zeitungen mit seitenweise Selbstdarstellungen).
Solche Projekte sind kein Gewinn, aus ihnen wird keine weitergehende Zusammenarbeit entstehen. Interessanter ist, ein echtes Projekt aufzubauen, bei dem die Idee im Mittelpunkt steht. Dann kann eine Podiumsdiskussion, eine Ausstellung, eine Zeitung, Aktion usw., viel bringen an Kontakten. Wenn es gut läuft, können in Gesprächen die Ideen von vielen Leuten eingebracht werden (siehe auch Kapitel 8, "Vernetzung").

Weitere Leute suchen
Zusätzlich wird es auch immer Leute geben, die für eine solche Arbeit besonders gut ansprechbar sind. Das sind zum einen alle Initiativgruppen, denen Verbandsstrukturen (Büros, Gelder ... ) fehlen wie z.B. Umweltgruppen an Schulen, freie Gruppen, die oft nur als Freundeskreis wirken, usw. Zum anderen sind es aber auch Einzelpersonen, die auf eigene Faust für die Umwelt aktiv oder die aus Vereinen, Parteien usw. ausgetreten sind, weil ihnen die dortige Hierarchie und Bürokratie nicht gefällt.
In allen genannten Fällen ist die Chance hoch, daß in ihnen sehr erfahrene, in der eigenständigen Arbeit geübte Leute gefunden werden. Allerdings mußnach ihnen intensiv gesucht werden. Oft sind sie "abgetaucht', haben sich aus Frust ins Privatleben zurückgezogen, woraus sie nur schwer wieder herauszuholen sind. Außerdem sollte frühzeitig geprüft werden, ob nicht in der Gemeinde oder im Kreis JugendpflegerInnen bzw. UmweltberaterInnen arbeiten, die eine Projektwerkstatt oder einzelne Projekte unterstützen. Viele von ihnen sind nämlich inzwischen sehr enttäuscht über fehlendes Engagement, das in Jugendgruppen und Naturschutzvereinen in den letzten Jahren immer mehr zurückging. Manche JugendpflegerInnen oder UmweltberaterInnen sind gleichfalls inzwischen sehr träge geworden, andere aber warten darauf, daß endlich wieder jemand die Initiative ergreift und sie diese unterstützen können. Also: Fragen kostet nichts, zu verlieren gibt es auch nichts! Wenig Unterstützung wäre auch mehr als keine. Penetrant zu sein, ist meist ebenfalls kein Fehler.

Eine Aktion als Einstieg
Oft ist es schlau, nicht nur mit Raumsuche usw. zu starten, sondern auch eine erste Aktion zu starten. Entlang dieser wird sich die Suche nach neuen Mitwirkenden und nach einem Raum entwickeln. Neue Kontakte werden für Nachfragen genutzt, oftmals können sich daraus schon konkrete Ideen entwickeln. Dort entstehen dann erste Werkstätten mit gespendeten Ausstattungen, eine Umweltbücherei, ein kleiner Treffpunkt usw. Andere Gruppen können eingeladen werden, sich dort zu treffen oder dort auch zu arbeiten. So entstehen Verknüpfungen, aber eben so auch Ideen für gemeinsame Aktionen. Zudem wird es die eine oder andere Gruppe geben, die ihre Materialien dazu stellt und so Stück für Stück mehr daraus wird.
Gemeinsame Aktionen können auch später wichtig sein. Möglich ist eigentlich alles. Aus der laufenden gemeinsamen Arbeit heraus werden dann Ideen für ein eigenes Haus entstehen. Vielleicht gibt es dann auch irgendwann Leute, die Lust haben, in so einem Haus zu leben und die Idee mitzutragen.

Werkstatt-Team

Die Projektwerkstätten sind offene Häuser bzw. Räume, die von allen genutzt werden können. Dabei muß klar sein, daß selbst die attraktivste Ausstattung noch nicht reicht, um auch genutzt zu werden. Viele Gruppen kommen kaum aus ihrem eigenen "Sumpf' heraus. Sie müssen direkt angesprochen und für die Nutzung bzw. auch das Mitmachen im Netzwerk mit den gemeinsamen Projekten gewonnen werden. Aber selbst wenn das gelingt, fehlt noch ein Wichtiges: Das Team von Leuten, das die Werkstatt aufrecht erhält.
Meist ist es das gleiche Team, das gemeinsame, vernetzende Projekte voranbringt, z.B. eine JugendUmweltzeitung, ein Umweltmobil oder Vorschläge für gemeinsame Aktionen. Im Gegensatz zu den Projektgruppen, die die Räume nutzen, muß das Werkstatt-Team auch eine gewisse Kontinuität wahren. Manche sehen daher die Notwendigkeit, Hauptamtliche in die zentralen Aufgaben aufzunehmen. Das kann nützlich, aber auch gefährlich sein, denn es schafft eine mehrfache Ungleichheit.
Hauptamtliche können sein: PraktikantInnen, Zivildienstleistende, TeilnehmerInnen des freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ), hauptamtliche Mitwirkende wie ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme über das Arbeitsamt) oder JugendbildungsreferentInnen aus Verbänden oder Bildungseinrichtungen. Wichtiger als hauptamtliche Kräfte ist der Aufbau eines dauerhaften Stamms von Mitwirkenden.
Teil dieses Koordinationsteams können sein:

Problemfelder
In schwierigen Entwicklungen der Personal? und Aktivenstruktur liegt die häufigste Ursache für das Scheitern von Projektwerkstätten, Umweltzentren usw. Die Erfahrung zeigt folgende Probleme:

Alter

Inzwischen sind die ersten der JugendProjektwerkstättengründerInnen über 30 Jahre alt. Deutlich merkbar entstehen Probleme zwischen den "alten Hasen", den jahrelang geübten und erfahrenen KämpferInnen der Selbstbestimmung und Selbstverwaltung auf der einen Seite sowie den gerade von Zuhause, aus einem Verband o.ä. stammenden Neulingen. Das Ideal, alle in einem Team zu integrieren, scheitert meist. Die "Neuen" sind überfordert, die "Alten" trauern alten Zeiten hinterher, wo sie selbst das Arbeitstempo bestimmten und wesentlich effektiver arbeiteten. Immer öft er zeigen sich auch Unterschiede in der politischen Radikalität: Die jüngeren beklagen die radikalen Alten, die Alten lästern über die "schlaffe Jugend". In Natur? oder Umweltzentren herrschen meist deutlich Ältere oder gar RenterInnen. Dort ist es umgekehrt ? jüngere finden die "Oberen" zu lasch und fühlen sich in ihrer Kreativität eingeengt.

Lösungsmöglichkeiten
Naheliegend ist es, die Freiheit im Arbeitsstil auch auf das Nebeneinander von Menschen mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen zu beziehen. Danach sollten Hauptamtliche und Ehrenamtliche im Team der Werkstatt gleich dastehen, aber in den Projektgruppen kann es sehr unterschiedlich sein. Bereiche der Geschäftsführung sollten weitestmöglich in Projektgruppen verlegt werden (z.B. jede Projektgruppe macht ihre eigene Abrechnung, jede Projektgruppe übernimmt möglichst noch eine Sonderaufgabe aus dem gemeinschaftlichen Bereich, der Jahresabschluß wird auf einem Abschluß- und Neuplanungs-Wochenendcamp erledigt usw.).
Für die Altersfrage wird zu klären sein, wieweit auch altersmäßige Trennungen sinnvoll sind (bzw. auch Trennungen nach Frauen und Männern usw.). So können spezifische Projekte entstehen oder auch Wohngemeinschaften im Umfeld oder sogar in der Projektwerkstatt. Entschärft werden können die Probleme durch die Einstellung vonHauptamtlichen für klar abgegrenzte Projektbereiche oder Tätigkeiten, die anschließend abgeschlossen sind (z.B. Renovierungen, Aufbau einer Bibliothek).

Wer hilft?

Am einfachsten ist der Draht zu anderen Werkstätten und Zentren. Die Adressen stehen in dieser Mappe. Zwischen einigen, politisch orientierten Werkstätten gibt es einen regelmäßigen Austausch, viele kennen sich untereinander, immer mal wieder finden gemeinsame Aktionen landes- oder bundesweit statt. Als solidarische Selbsthilfe existiert ,der Jugend-Umwelt-Projektfonds (JUPF). Das ist ein loser Zusammenschluß von Projekten und Werkstätten bundesweit und Basis für gegenseitige Hilfe bzw. für Starthilfe neuer Projektwerkstätten. Beratung, ein Sachwertepool sowie in begrenztem Umfang auch Gelder stehen bereit.
JedeR kann jederzeit in den anderen Werkstätten anrufen oder Briefe schreiben. Viele helfen sich gegenseitig und sind im Verbund alle gleichberechtigt! Der Jugend-Umwelt?Projektfonds und das Netzwerk der offenen Aktionsplattformen ist auch offen für Umwelt- und Naturschutzzentren, die die gleichen Grundsätze verfolgen. Der Name spielt keine Rolle!

Überall Werkstätten???

Warum nicht ... alles, was in ihnen läuft, ist an jedem Ort wichtig: Aktion, Information, anders leben. Und Häuser stehen auch an vielen Stellen leer, Vereinsheime oder Jugendzentren sind kaum genutzt. Eine Projektwerkstatt verbindet den Anspruch konkreter Umweltschutzarbeit mit der Idee eines anderen Lebens, Die bisherige Strategie, Feierabendnaturschutz rnit Supermarktessen, 8-Stunden-Maloche und Autofahren zu verknüpfen, muß endlich zu Ende gehen. Platz hat eine neue, überzeugendere Form von Umweltschutz ? ohne Hierarchie, mit einem anderen Alltag und in offenen Räumen, wo alle mit und nebeneinander wirken!

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