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Kreativverfahren

Jenseits der Frage des Abbaus von Dominanzen gibt es Verfahren, die die kreative Ader der Beteiligten reizen sollen. Am besten ist die Verbindung mit Entscheidungsfindung von unten, denn angstfreie Räume stärken Kreativität. Und zur Angst gehört die Angst vor der Niederlage überall dort, wo es um Entweder-Oder geht, also z.B. eine Wahl oder Abstimmung am Ende steht. Einen Rahmen zu entwickeln, wo nicht die Entscheidung, sondern die Entwicklung von Ideen und Strategien für die Umsetzung in den Mittelpunkt rücken, ist deshalb wichtig. Zudem können Einzelmethoden helfen, die Kreativität anzuregen.

 

Brainstorming

Brainstorming meint das unreglementierte Sammeln von Ideen. Dafür wird eine gesondere Phase festgesetzt, z.B. zu Beginn eines Treffens oder einer konkreten Planungsphase, aber auch zur Durchbrechung festgefahrener Gesprächssituationen. Bei Brainstorming gilt, dass Ideen nur gesammelt werden. Möglich sind Ergänzungen oder Varianten, aber kein wertendes Debattieren über die einzelnen Ideen. In einer kreativen Atmosphäre sollten die TeilnehmerInnen sogar aufgefordert sein, benannte Ideen auch weiterzuspinnen. Die Ideen können z.B. auf einem Flipchart festgehalten werden.

Bewertung: Hohe Beteiligungsmöglichkeit, Vielfalt wird gefördert, wenig Anforderungen an TeilnehmerInnen, fördert Transparenz, macht häufig (zumindestens anfangs) Spass, Angst vor Fehlern ist geringer
Weiterentwicklung: Um Verfälschungen und Manipulation zu verhindern, sollte jede Person ihre Idee selbst auf das aufschreiben
Variante: Ideen werden (nach dem Abklären des Textes) durch jeden selbst auf kleine Zettel geschrieben, diese dann auf das gemeinsame Papier gepinnt. Eventuell werden in ein paar Jahren technische Verfahren existieren, die die Kartentechnik ersetzen, die aber Transparenz und Manipulationsverhinderung vermindern. Karten können (bei schüchternen TeilnehmerInnen) eingesammelt werden, anstatt von jedemR zum Papier gebracht zu werden (vermeidet Unruhe).

 

Mindmap

Diese Methode lebt stark von der Visualisierung. Ausgehend von einem Anfangspunkt werden Ideen in einem vielfach verästelten Baum notiert, wobei die Verästelungen jeweils Detailierungen des vorherigen Vorschlags sind. Mindmapping ist sozusagen ein sortiertes Brainstorming, bei dem aber einzelne Stränge gezielt weiterentwickelt werden.

 

Zukunftswerkstatt

Zukunftswerkstätten sind Treffen zur Planung von Aktionen, Veranstaltungen, Stadtteilen, Organisationsgründungen oder ähnlichem - also alles, wo Menschen für sich (und andere) etwas neues entwickeln oder Bestehendes verändern wollen. Es geht also um die Klärung der Problemstellung, der Fragen, und der Entwicklung des neuen. Üblich ist die feste Gliederung in drei Phasen, innerhalb derer jeweils plenare und Kleingruppenarbeit wechseln können. Die erste Phase stellt die Frage, wer warum und wie mit der bestehenden Situation unzufrieden ist (Kritikphase). Die Ergebnisse werden möglichst visualisiert oder anders festgehalten. Sodann erfolgt ein Bruch zur zweiten, der Visionsphase. Hier geht es, auch unabhängig von der konkreten Kritik, von Machbarkeit usw. um das Fernziel, den eigenen Traum (Visionsphase). Schließlich folgt die Realisierungsphase, d.h. das Anwenden der Traumphase auf aktuelle Situation, das Schmieden von konkreten Ideen, Entwickeln von Handlungslist, Vereinbarung konkreter Schritte usw. Der Zeitaufwand beträgt in der Regel 3 Tage bzw. ein Wochenende. Kürze Zukunftswerkstätten enden im Streß und täuschen kreative Phasen nur vor.

Bewertung: Viele andere Methoden können oder müssen integriert werden (z.B. Moderation). Beschreibung und Kritik an diesen gilt dann auch für die Zukunftswerkstatt. Diese kann helfen, bei festgefahrenden Situationen, Lösungsmöglichkeiten und Visionen aufzuzeigen. Die separat organisierten Phasen schaffen einen Rahmen, in dem die oft dominant wirkenden Machbarkeitsargumente zeitweise ausgeblendet werden können, was Kreativität erhöht. Allerdings ist der Gesamtrahmen recht starr, Störungen und Vorschläge für spontane Arbeitsgruppen usw. haben kaum Wirkung. Schwierig ist auch der Übergang von zweiter zu dritter Phase. In vielen Zukunftswerkstätten geht es nicht mehr um die Verwirklichung der Utopie, sondern die zweite Phase bleibe als etwas skurile, künstlerische Ebene stehen, alle Vorschläge in der dritten Phase werden dagegen gleich wieder auf vermeintliche Realität bezogen.

Weiterentwicklung: Chancen können sich ergeben, wenn die Zukunftswerkstatt nicht selbst den Rahmen bildet, sondern innerhalb eines offeneren Rahmens, z.B. Open Space, mit anderen Techniken verbunden ist. Dann erhöhen sich die Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten, weil sie andere Arbeitsformen als die zur Zukunftswerkstatt passenden, dann im Gesamtrahmen leichter umsetzen können.

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