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Ausstellung

Offene Plattformen

Die Treffen des Weltsozialforums beraten nicht im Namen der Institution Weltsozialforum. Daher ist niemand berechtigt, im Namen eines der Foren zu sprechen oder eine Position als die aller Teilnehmer wiederzugeben. Die Teilnehmer dürfen nicht aufgefordert werden, als Institution Erklärungen oder Aktionsvorschläge anzunehmen, die jeden oder die Mehrheit binden und den Eindruck erwecken können, mit ihnen würde das Forum als Institution etabliert. Es stellt daher keinen Ort der Macht dar, um den die Teilnehmer in den Treffen ringen. Ebenso wenig hat das Forum den Anspruch, die einzige Form der Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Organisationen und Gruppen zu sein.
(6. Absatz der WSF-Grundsätze - von den WSF-tragenden NGOs auch nicht mehr beachtet ...)

Die Alternative zu Zentralismus und Basisdemokratie

(Text aus der "Zeitung für stürmische Tage) ++ Download

Offene Plattformen ... den Anspruch des WSF ernst nehmen!

Wo immer etwas größer wird, entsteht das Problem der Koordinierung, des Überblicks, der Informationsflüsse bis hin zum seltsamen Zwang, jetzt auch Gemeinsames entscheiden zu müssen. Camps, Kongresse, Konferenzen, Aktionen, aber auch die politischen Zusammenhänge einer Stadt oder Region sind solche Größenordnungen. Normalerweise entwickelt sich eine Mischung aus Nebeneinander (manchmal auch Gegeneinander) und zentralen Organisationsstrukturen. Bei Camps, Kongressen oder Aktionen sind das meist Plena, in einigen Fällen auch SprecherInnenräte (z.B. Jugendumweltkongreß, X-1000malquer) oder formale Führungsgremien (wie die Vorstände in den NGOs, z.T. als Koordinations- oder Steuerungsgruppen verschleiert).
Die immer wieder negativen Erfahrungen mit Dominanzen und zentraler Steuerung sowie das Erleben der strategischen Unterlegenheit basisdemokratischer gegenüber zentralistischen Organisierungsmodellen führt zu ständigen Debatten über die Struktur großer Treffen, Aktionen oder gruppenübergreifender Prozesse. Dabei wiederholen sich immer dieselben Fehler:

Kooperation autonomer Teile

Das Gegenmodell zu solchen Lösungsmodellen muß sehr grundsätzlich mit der Vorstellung brechen, überhaupt ein allumfassendes Organisierungsschema zu finden. Das ist nämlich bereits eine Vorgabe, die dominant wirkt, weil sie die Einigung im Sinne einer Vereinheitlichung durchsetzt. Hierarchiemindernd aber kann nur eine Organisierung sein, die verschiedene (!) Handlungsmöglichkeiten schafft, die gerade Unterschiedlichkeit fördert - und zwar im Sinne echter Möglichkeiten, nicht nur der theoretischen Chance. Ein grundlegendes Modell dieser Art sind die "offenen Plattformen". Darunter ist zu verstehen, daß Organisierungen nicht mehr von Gremien ausgehen, sondern von allen AkteurInnen gleichermaßen entwickelt werden können.

Praktisch werden ...

Gegen das Prinzip der "Offenen Plattformen" könnte es Vorbehalte geben - weil es fremd ist und auch "Linke" meist strukturkonservativ sind, Angst vor Neuem haben. Oder weil Eliten ungern die Zügel aus der Hand geben (auch wenn sie es anders begründen werden). Da ist hilfreich, dass die Plattformen auch zunächst neben anderen Teilen bestehen können. Allerdings muss durchgesetzt werden, dass die hierarchische Gesamtorganisation mit Steuerungsgruppe, Plenum oder wie auch immer keine Zuständigkeit für die Plattform haben. Die ist ein autonomer Teil und hängt nicht von anderen Teilen, die z.B. Hausrecht anwenden, ab.
Wie offene Organisierungsplattformen aussehen können, wird noch sehr stark zu entwickeln sein. Es gibt aber bereits einzelne Beispiele für Anfänge von Praxis, die zeigen können, in welche Richtung es geht. Viele der bisherigen Beispiele litten unter äußeren Zwängen. "Offene Plattformen" werden zur Zeit in politischen Bewegungen als Fremdkörper wahrgenommen. Es sind Zonen, wo die normalen Dominanzen nicht mehr wirken. Daher versuchen formaldemokratische Gremien oder informelle Eliten, solche "Freiräume" wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Beispiele aus den vergangenen Jahren:

Die „Offene Presseplattform“ bei den Anti-NATO-Aktionen in München 2002

Dieses erste Experiment lief in München bei den Protesten gegen die NATO-Tagung 1.-3.2.2002. Dort hatten alle die gleiche Infrastruktur und die Adressen der JournalistInnen nutzen können. Es gab offene und direkte Begegnungen der daran interessierten AkteurInnen mit der Presse und keine SprecherInnen oder ähnliches. Das Modell funktionierte trotz eingeschränkter technischer Möglichkeiten überraschend gut. Die „Offene Presseplattform“ war der einzige spürbare selbstorganisierte Zugang zu den Medien außerhalb der Bewegungen. Von Seiten der Eliten und formalen Leitungsgremien der Anti-NATO-Bündnisse wurde die Idee nicht unterstützt. Bei nachfolgenden Aktionen, wo ein erneuter Anlauf unternommen wurde, wurde sie sogar ausgegrenzt (Atomforum im Mai 2002 in Stuttgart) oder per Hausrecht (!) verboten (Anti-Castor-Aktionen im Nov. 2002 in Lüneburg und Anti-NATO-Aktionen in München 2003). Die Idee der „Offenen Presseplattform" wird unten genauer beschrieben).

Zeitungen und Internetseiten als offene Plattformen, also ohne Zentralredaktion, Zensur usw.

Zeitungen und andere Medien sind meist von intransparenten Eliten geprägt. Sie kontrollieren, was hineinkommt. Dabei gehen sie unterschiedlich stark sortierend vor, die meisten Medien veröffentlichen nur, was aus ihren Seilschaften, ihrem Verband usw. kommt oder ihre Meinung widergibt. “Offene Plattformen“ gibt es in Deutschland kaum. Einige sind aber teilweise so organisiert. Das bekannteste Beispiel ist Indymedia, wo einerseits alle gleichberechtigt etwas hineingeben können, andererseits aber in intransparenten Runden und nach nicht inhaltlichen Kriterien entschieden wird, was auf den Titel kommt oder gar im Giftschrank landet. Das wäre anders vorstellbar und auch so veränderbar, daß die NutzerInnen stärker „regeln“, was wie intensiv wahrgenommen wird. Eine „offene Plattform“ vollständiger Art ist etliche Projekte aus der Oekonux-Debatte wie „Opentheory“ (www.opentheory.org) und „Co-Forum“ (www.coforum.de).
Auch Zeitungen, Radiosender usw. können als offene Plattformen organisiert sein. Einige Freie Radios bieten autonome Sendeplätze, was diesem Prinzip entspricht.

Offene Aktionsplattformen

Bei größeren Aktionen können verschiedene Bereiche als „offene Plattformen“ organisiert werden. Dazu gehören die bereits oben genannten Teile, aber auch Aktionsplattformen. Das wären Räume u.ä., in denen Aktionsmaterialien und -möglichkeiten für alle zugänglich lagern und genutzt werden können (je nach Aktion Handwerkzeug, Transpis, Farbe usw.). Zur Zeit sind riesige Aktionsmaterialbestände fein säuberlich nur bestimmten Herrschaftsstrukturen zugänglich. Ein krasses Beispiel ist der Castor-Protest, wo Greenpeace, X-1000malquer und die BI Lüchow-Dannenberg riesige Schätze an Material horten und weitgehend exclusiv für sich einsetzen - genauso wie die Pressekontakte (auf der Medienwiese stehen neben den Wagen der Medien und von Bullen bzw. BGS dann noch die der großen Organisationen, von denen aus dann der Eindruck vermittelt wird, sie würden für die Bewegung sprechen). Der Versuch, beim Castor-Protest Nov. 2002 eine offene Direct-Action-Plattform in Lüneburg zu errichten, wurde von den Eliten des Castor-Widerstandes verboten (!), die dann errichtete Widerstandsbaustelle war von der Idee hier wenigstens ein Stück weit in die Richtung „offene Plattform“ - in der Praxis allerdings wurde alles durch Plena und Elitentreffen geregelt.

Politische FreiRäume

Projektwerkstätten und ähnliche Räume sind dann „offene Plattformen“, wenn alle Infrastruktur ohne Einschränkung allen zur Verfügung steht. Dann gibt es keine Besitzrechte mehr und keine Räume einzelner Gruppen. Keine Schlösser und keine Paßwörter. Alles, was vorhanden ist dient als Plattform für alle mit ihren Ideen. Das bekannteste Beispiel ist die Projektwerkstatt in Saasen, wo Archive, Bibliotheken, Computerräume, Direct-Action-Werkstätten usw. immer allen offenstehen. Das Haus entwickelt sich ständig weiter durch die dort Agierenden. Es gibt keine formalen Gremien, die sie kümmern, sondern die Möglichkeiten ergeben sich aus dem, was Menschen an Infrastruktur aufbauen. Ständig kommen Ideen und damit neue Möglichkeiten hinzu - leider gibt es auch immer Gruppen und Personen, die durch Klau oder Zerstörung die „offene Plattform“ wieder einschränken (Klau bedeutet in diesem Fall dann Reprivatisierung!). Mehr unter www.projektwerkstatt.de/saasen.

Das Beispiel „Offene Presseplattform“ - selbstorganisiert, kreativ, eine unter vielen

„Die “Offene Presseplattform“ ist eine Chance, daß JournalistInnen und Aktionsgruppen direkt in Kontakt kommen - ohne die Hierarchie von PressesprecherInnen oder Pressestellen, die alles kontrollieren. Hier läuft der Kontakt direkt, die Aktionsgruppen bestimmen selbst, wo sie mit wem kooperieren, Medien zu Aktionen einladen, Interviews geben usw. Eintragen können und sollten sich JournalistInnen, die Kontakte zu AktivistInnen suchen - und Aktionsgruppen, die Kontakt zu Medienleuten suchen oder zumindest zur Kooperation bereit sind (vermittelt Eure Ideen - und zwar selbst!!!).

Eine offene Presseplattform kann u.a. umfassen:

Die Presseplattform betreibt keine eigene Pressearbeit und vertritt erst recht nicht irgendwelche anderen Menschen oder Gruppen gegenüber der Presse. Niemand redet im Namen der Presseplattform. Niemand ist die Presseplattform, es gibt sie nicht als eigenständig nach außen tretende Gruppe. Sie ist vielmehr ein Infokarrussel, das helfen kann, die Positionen und Berichte der Gruppen, die aktiv sind, so nach außen zu bringen, daß sie möglichst gut verbreitet werden.

Zum grundsätzlichen Rahmen
Textvorschlag für eine Einladung zur offenen Pressekonferenz

Hiermit laden wir JournalistInnen und AkteurInnen aus Basisgruppen zu einer direkten Begegnung ein. Inhalt des Gesprächs können sein:

Wir würden uns freuen, wenn viele Menschen den Weg zu diesem Gespräch finden. Es handelt sich nicht um eine offizielle Pressekonferenz. Es wird keine irgendwie offizielle Meinung vertreten, sondern die anwesenden Personen sind selbst die Gestaltenden. Es gibt daher auch keine offiziellen Einladenden. Die „Offene Presseplattform“ ist der Versuch, direkte Kontakte zu ermöglichen - ohne einen Zwang dazu zu schaffen oder gar irgendeine Form der Vereinnahmung aufzubauen. Niemand spricht für andere, aber es wäre schön, wenn viele für sich, ihre Ideen, Ziele, Aktionen, Visionen, Kritiken, Positionen usw. sprechen.

Aktive der Offenen Presseplattform

Die Erfahrungen von München (Anti-NATO-Aktionen 2002 ... in 2003 war die Presseplattform durch die linken Eliten verboten!)

Im Vorfeld trugen sich sowohl JournalistInnen wie auch Aktionsgruppen in die Liste ein. Die Liste der JournalistInnen war immer offen (Internet bzw. während der Aktionen am Infopunkt aktualisiert), so daß Gruppen ständig auch selbst Kontakte aufnehmen konnten. Außerdem war es bei Aktionen immer wieder möglich, AkteurInnen, die gerade nicht an der Aktion teilnahmen, aber am Infopunkt der Presseplattform waren, dafür zu gewinnen, die Liste durchzutelefonieren und die JournalistInnen zum Ort zu schicken. Das klappte gut - auch mit Menschen, die bisher der Idee gar nicht kannten - der Verzicht auf feste Presseleute war also kein Qualitätsverlust. Das Ergebnis konnte sich auch sehen lassen: Die JournalistInnen, die mit der Offenen Presseplattform kooperierten, waren bei mehreren Aktionen die Einzigen, die von Beginn an oder sehr schnell am Aktionsort waren. Das deutlichste Beispiel: Im Kessel des Samstagabend (Schillerstraße) waren alle Fernsehteam, die mit der Offenen Presseplattform kooperierten, im Kessel - aber auch kein anderes.
Etliche Aktionsgruppen konnten für ihre Aktionen direkt Kontakte aufnehmen.

Im Ergebnis
Fazit

Die Idee ist gut, sie war wirksam dort, wo die Kontakte hergestellt waren. Es ist nötig, die zentralistischen Politikstrategien zu überwinden. Das Projekt ist aber noch in der Anfangsphase ... eine Weiterentwicklung ist nötig, aber möglich.

Beispiel: Direct-Action-Plattform auf dem "Think progressive (Burg Herzberg Festival) 2003"

Ein paar Fotos zeigen, was wir dahatten:

Es fanden mehrfach Direct-Action-Workshops statt - einer davon englischsprachig.