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1. Mai 2002
Ausstieg & Widerstand
Schluss mit dem Wahnsinn – her mit dem
guten Leben!
Terror der Wirtschaft
Wirtschaft des Terrors
Einige Anmerkungen und ein Vorschlag zu einer überfälligen Debatte
Unerwünschte Definitionen des Terrors (1)
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Täglich sterben 35 615 Kinder an Hunger (lt. Welternährungsorganisation FAO). Gleichzeitig werden Massen von Lebensmitteln vernichtet. Weil sonst die Preise kaputtgingen.
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7 Länder produzieren 90% aller Waffen. Raten Sie mal, welche.
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Im Kongo sind infolge Krieges seit 1998 1,7 Millionen Menschen verschwunden oder getötet worden. Westliche Minen- und Handelsgesellschaften finanzieren Söldnertruppen und Banden, die die Menschen zur Sklavenarbeit zwingen. Es geht um Coltan (ohne das kein Handy funktionieren würde), um Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt, Titan, Mangan, Blei...
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20% der Menschheit verursachen 80% von Umweltzerstörung und Ressourcenverbrauch
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Öl, das universelle Schmiermittel der zerstörerischen Lebensweise der sogenannten reichen Länder: auf dieses Konto gehen Verbrechen ohne Zahl - z.B. die Kriege in Tschetschenien und Nigeria.
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Tausende Menschen in Südafrika sind alleine deswegen an AIDS gestorben, weil Pharmakonzerne unter Berufung auf ihr sogenanntes Eigentumsrecht die billigere Abgabe von Medikamenten verhindert haben.
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Seit einem halben Jahrtausend fließt fast der gesamte Reichtum des Planeten in einige Länder des Nordens. Sklaverei, Völkermord, Kolonialismus, Zerstörung anderer Kulturen, unermeßliche Brutalität, Gräueltaten ohne Ende, hemmungslose Ausbeutung von Mensch und Natur –die Blutspur der “westlichen Zivilisation”.
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Immer mehr Länder, Regionen, Stadtviertel, in denen die Menschen keine
Perspektive mehr haben – nicht nur
in Asien, Afrika , Lateinamerika, sondern zunehmend auch in Europa und
Nordamerika. Ihr ursprüngliche Subsistenzwirtschaft wurde ersatzlos
zerstört. Oder sie sind als “Erwerbslose” von der großen Maschine
ausgespuckt worden. In jedem Fall hat sie die globalisierte Marktwirtschaft
für überflüssig erklärt, noch nicht einmal mehr der
Ausbeutung für wert befunden. Die “Alternativen”:
Migration in die reicheren Weltgegenden,
Drogenhandel, Kriminalität, Anschluß an bewaffnete Banden, Terrorismus.
“Wenn wir in die Terrornetze eindringen,
stoßen wir auf effektiv arbeitende Finanzsysteme und hochmoderne
Technologien...” (George W. Bush)
Gar nicht so falsch, Mr. President!
Unerwünschte Definitionen des Terrors (2)
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Mehr als eine Million Todesopfer weltweit durch den Autoverkehr. (Weltgesundheitsorganisation WHO, 1996)
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3000 Tote jährlich durch die Folgen des Lärms allein in Deutschland. (www.tag-gegen-den-lärm.de)
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“Die Grenzen der Belastung am Arbeitsplatz sind... nahezu erreicht. In den vergangenen Jahren sei eine stete Zunahme psychischer Erkrankungen aufgrund von Überbelastungen im Berufsleben zu beobachten... Immer weniger Mitarbeiter sollen immer mehr arbeiten. Arbeitsstreß und Überbelastung führten bei immer mehr Menschen zu psychischen Störungen wie Depressionen, Ängsten und Magengeschwüren... Eine steigende Technisierung verlange den Beschäftigten eine immer höhere Arbeitsgeschwindigkeit ab. Der Arbeitsrhythmus wird von der Technik vorgegeben, der Mensch wird im Prinzip verglichen mit einem Computer.” (Westfälische Rundschau, 22.3.99)
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“Die immer stärker eingeforderte Mobilität von Arbeitnehmern geht oft auf Kosten des Familienlebens...Flexibilität ist eins der Zauberworte für die Zwänge einer modernen Wirtschaft... Familiengründungen werden aufgeschoben; Trennungs- und Scheidungsquoten erhöhen sich; Hilfeleistungen zwischen den Generationen verringern sich. 67% aller mobilen Personen...berichten von Belastungen, die mit ihrer Lebensform zusammenhängen. Forderungen an die Arbeitgeber seien selten, weil ihre Realisierung für so unwahrscheinlich erachtet wird, dass Wünsche erst gar nicht formuliert werden.” (Stuttgarter Zeitung, 30.8.01)
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Arbeitshetze, Konkurrenz, Überstunden, Herzinfarkt.
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Handy auf der Straße, Handy in der Wohnung, Handy im Zug, Handy bei der Arbeit, Handy im Theater, Handy im Auto, Handy in der Straßenbahn, Handy beim Einkaufen, Handy im Bett, Handy beim Sch...
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17 Stunden Glotze pro Woche für Kinder. (Statistischer Durchschnitt)
Falle Nr. 1: Arbeitslos
Argumentation ersparen wir uns.
Falle Nr. 2: Arbeitsplatz
Reklame für Zigaretten ist beschissen.
Weiß doch jeder. Aber Stop. Vielleicht arbeiten Sie in der Tabakindustrie?
Oder in der Werbebranche?... Sie wissen schon lange: Mit dem Autoverkehr
kann es nicht so weitergehen. Wie blöd, dass Sie in der Zulieferindustrie
Ihre Brötchen verdienen... Viel zu viele, viel zu teure und oft sogar
schädliche Medikamente. Ist ja bekannt. Wieviel Arbeitsplätze
mögen da wohl dran hängen?... Atomkraftwerke, nein Danke! Naja,
solange Sie nicht zufällig dort arbeiten, haben Sie leicht reden...
Sie sind fein raus, denn Sie arbeiten im Krankenhaus? Und wieviel Keime
züchten Sie da groß, wieviel unnötige Röntgenaufnahmen
machen Sie?...
Mit unserer Arbeit machen wir die Welt
kaputt. Und uns selbst. Denn es geht nicht um das, was gute, befriedigende
und sinnvolle Betätigung für uns sein könnte. “Arbeit”
heißt Arbeiten-gehen-müssen-um-Geld-zu-verdienen. Denn ohne
Moos nix los.
Hauptsache Arbeit – zu dieser entwürdigenden
Losung sind alle gezwungen, deren Existenz davon abhängt, daß
sie noch halbwegs erfolgreich als Verkäufer ihrer Ware Arbeitskraft
am Markt auftreten können. Hauptsache Arbeit – an diesem existentiellen
Zwang scheiterte bisher regelmäßig jeder Emanzipationsversuch
der Ausgebeuteten, Erniedrigten und Beleidigten. Denn die Marktwirtschaft
macht alles zu Ware. Auch uns selbst. Und weil wir uns verkaufen müssen,
müssen wir alles in Kauf nehmen: Bomben bauen, schädliche Medikamente
oder Zigaretten herstellen, wissentlich lügen, Menschen klonen,
sich auf jede nur denkbare Weise entehren lassen – alles müssen
wir in Kauf nehmen, wenn wir in der Marktwirtschaft überleben wollen.
Solange wir arbeiten gehen müssen, um Geld zu verdienen, weil wir
anders nicht leben können (wollen?), sind wir erpreßbar. Wer
vom Arbeitsplatz abhängt, muß sich zu den Bedingungen des Arbeitsmarktes
verkaufen. Nichts macht das deutlicher als der verzweifelte Kampf von Belegschaften
um die Standortsicherung “ihrer” Betriebe, für die immer mehr Menschen
einen immer höheren Preis zu zahlen bereit sind (sein müssen?).
Selbstredend ist solidarische und gewerkschaftliche Gegenwehr notwendig,
aber selbst da, wo sie stattfindet – es ist selten genug – steht ihr dauerhafter
Erfolg zu bezweifeln. Die Spirale aus betriebswirtschaftlicher Effizienz
und Kostensenkung führt unweigerlich nach unten. Die ökonomischen
Zwänge des
globalisierten Marktes setzen sich solange
durch, solange er selbst nicht ins Zentrum der Kritik rückt und angegriffen
wird.
Ein Vorschlag: Anti-Terror-Koalition
für weniger Arbeit
Noch einmal die Westfälische Rundschau:
Ein Psychologe rät: “Wirklich in den Griff zu bekommen sei das Problem
nur durch eine Umverteilung der Arbeit. Mehr Teilzeitarbeit, weniger Überstunden
– das sei ein Rezept zum Abbau psychischer Belastungen. Sonst kommen wir
noch dahin, dass sich die Leute regelrecht zu Tode arbeiten.”
Anders als der Psychologe glauben wir,
dass das Problem nur wirklich in den Griff zu kriegen ist, wenn es gelingt,
die Marktwirtschaft zu überwinden. Das erfordert die globale Durchsetzung
einer solchen Produktions-, Konsumtions- und Lebensweise, die sowohl allen
Menschen auf der Erde die grundlegenden Voraussetzungen für ein reiches
und erfülltes Leben ermöglicht als auch einen verantwortungsvollen
und naturverträglichen Umgang mit den weltweiten Ressourcen garantiert.
Die Alternative liegt jenseits von Markt und Staat. Eine andere Welt ist
möglich. Eine Welt, in der es nicht mehr darum geht, wieviel “wert”
etwas oder jemand ist, sondern darum, was den Menschen gut tut. Eine Welt
der Lust: am Leben, an den Mitmenschen, an der Langsamkeit, an der Übereinstimmung
mit der Natur. Eine dezentrale, selbstbestimmte Welt – ohne Staat und ohne
Geld, ohne die Diktatur der Uhr und ohne Hierarchien der Macht. Wird aber
wohl noch ein wenig dauern...
Deswegen finden wir den zweiten Teil des
Psychologen-Rats gar nicht so schlecht und wollen ihn noch ein bißchen
ausbauen: Massive Arbeitszeitverkürzung für alle. Sagen wir mal
- fürs erste - die 20-Stunden- oder 3-Tage-Woche. So was fällt
natürlich nicht vom Himmel. Dazu bedarf es einer breiten gesellschaftlichen
Bewegung für mehr Lebensqualität. So einer richtigen Anti-Terror-Koalition
eben.
Es wäre ein wahrer Segen:
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Mehr Zeit für uns selber, für unsere Kinder, Enkel, PartnerInnen, FreundInnen. Zum Faulenzen, Spazierengehen, Lesen, Lieben, Engagieren, Experimentieren...
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Natürlich würden wir uns nicht noch mehr hetzen lassen. Würden in der Hälfte der Zeit auch nur noch die Hälfte produzieren: Die Hälfte der Umweltzerstörung, die Hälfte der Waffen, die Hälfte der Verkehrstoten, die Hälfte der Herzinfarkte...
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Hätten immer noch reichlich genug zum Leben. Mehr noch: Würden erfahren, dass wir mit weniger Arbeit gesünder wären, ausgeglichener, zufriedener... einfach besser leben würden.
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Reduzierung der globalen Ausbeutung um 50%. Milliarden Menschen könnten wieder Luft holen.
“Unserer Wirtschaft” täte das
natürlich nicht gut.
Aber warum ist es eigentlich “unsere”,
wenn sie ein besseres Leben verhindert? Literaturhinweise:
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Feierabend – zwölf Attacken gegen die Arbeit; Konkret Literatur Verlag
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P.M. : Subcoma – Nachhaltig vorsorgen für das Leben nach der Wirtschaft; Pranoia city Verlag
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Gruppe Krisis: Manifest gegen die Arbeit Förderverein Krisis, Postfach 2111, 91011 Erlangen
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Gruppe Gegenbilder: Freie Menschen in freien Vereinbarungen – Gegenbilder zur Expo 2000; Projektwerkstatt, Ludwigstraße 11, 35447 Reiskirchen-Saasen, http://come.to/projektwerkstatt
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Maria Mies: Patriarchat und Kapital – Frauen in der internationalen Arbeitsteilung, rotpunktverlag
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Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie; Dietz Verlag
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Karl Marx, Das Kapital; Dietz-Verlag
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Zeitschrift Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft, Horlemann-Verlag www.krisis.org
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Zeitschrift Streifzüge Kritischer Kreis, Margaretenstr. 71-73/23, A-1050 Wien www.widerspruch.at/streifzuege
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Robert Kurz; Schwarzbuch Kapitalismus; Eichborn-Verlag
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Robert Kurz: Karl Marx lesen im 21. Jahrhundert; Eichborn-Verlag
Wer ist die MONTAGSGRUPPE?
Ein Kreis von Menschen, die sich
alle zwei Wochen treffen, um gemeinsam Texte zu lesen, zu debattieren und
Veranstaltungen zu organisieren. Unser Thema: Wie könnte ein
neuer Ansatz menschlicher Emanzipation jenseits von Markt und Staat aussehen?
Interesse? Tel 0711/560294
utalothar@z.zgs.de
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