Textsammlung

Liebe Leute,
zu den Terroranschlägen in den USA habe ich folgende Auswahl von Stellungnahmen und Kommentaren zusammengestellt:

ERKLÄRUNG DES INTERNATIONAL ACTION CENTER ZU DEN EREIGNISSEN VOM 11. SEPTEMBER 2001
Anl. 1 -

STELLUNGNAHME DES POLITBÜROS DER PARTEI DER ARBEIT BELGIENS ZU DEN
ATTENTATEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Anl. 2 -

CASTRO WILL INTERNATIONALE GEGEN TERRORISMUS GRÜNDEN
Anl. 3 -

ÜBER DIE BOMBENANGRIFFE
Von Prof. Noam Chomsky
Anl. 4 -

„WREMJA“ (MOSKAU): FÜR DIE AMERIKANER BEGINNT EIN NEUES ZEITALTER
Anl. 5 -

„VREME“ (Belgrad): AMERIKAS INNERE VERWUNDBARKEIT IST KEINE TECHNISCHE FRAGE
Anl. 6 -

„DER NATO-BESCHLUSS ZWINGT ALLE VERBÜNDETEN INS BOOT“ dpa-Korrespondent
Thomas P. Spieker am 13.09.01 aus Brüssel
Anl. 7 -

VÖLKERRECHTLER ROTTER: US-GEGENSCHLAG WÄRE VÖLKERRECHTSWIDRIG - KEINE
KRIEGSSITUATION GEGEBEN - AUCH KEIN ANGRIFF IM SINN DES NATO-VERTRAGES - Der Standard (Wien) v. 13.09.01 -
Anl. 8 -

RESOLUTION DES VN-SICHERHEITSRATES VOM 13.09.01 ZU DEN TERRORANSCHLÄGE IN DEN USA (nach AFP)
Anl. 9 -

Mit internationalistischen Grüßen Klaus von Raussendorff

Anti-Imperialistische Korrespondenz (AIK), Redaktion: Klaus von Raussendorff
Postfach 210172, 53156 Bonn; Tel.&Fax: 0228 – 34.68.50; Email: raussendorff@web.de

Anti-Imperialistische Online-Korrespondenz; Webmaster: Dieter Vogel
http://www.aikor.de; Email: aik-web@t-online.de
Wer die AIK nicht empfangen möchte, schicke bitte eine Mail mit dem Betreff
„unsubscribe“ an raussendorff@web.de

Anlage 1

ERKLÄRUNG DES INTERNATIONAL ACTION CENTER ZU DEN EREIGNISSEN VOM 11. SEPTEMBER 2001

Diese Erklärung wurde von New York City aus verfasst

Jeder hier ist von den heutigen Ereignisse zutiefst betroffen worden.  Das International Action Center bekundet seine herzliche Anteilnahme allen, die liebe Angehörige verloren haben, wie auch den Tausenden von Arbeitern, die heute im unteren Manhatten waren.
Während in diesem Augenblick Tausende von Familien um Tod und Wunden ihrer Lieben trauern, ist die Bush-Regierung schon dabei, aus den tragischen menschlichen Verlusten ihren Vorteil zu schlagen, um die Kräfte der Repression aufzurüsten und gleichzeitig den Kriegskurs des Pentagon, besonders im Mittleren Osten, zu intensivieren.
Arabische und muslimische Menschen in den Vereinigten Staaten berichten, dass sie in ihren Wohngemeinden, am Arbeitsplatz und in Moscheen rassistischen Belästigungen ausgesetzt sind. Der anti-arabische Rassismus ist ein Gift, das entschieden zurück gewiesen werden sollte.  Wir rufen alle dem Rassismus Widerstand leistenden Menschen dazu auf, mit der arabisch-amerikanischen Gemeinde angesichts dieser reaktionären Raserei Schulter an Schulter zu stehen.
Nach der Bombardierung des Bundesgebäudes in Oklahoma City 1995 waren die US-Regierung und die Medien schnell bei der Hand, über die Verantwortung arabischer und muslimischer Organisationen zu spekulieren; tatsächlich war, wie jeder weiß, der rechtsextreme Armeeveteran Timothy McVeigh dafür verantwortlich zu machen.

Neue Kriegsgefahr
Das International Action Center beschwört alle Kriegsgegner und fortschrittlichen Menschen, äußerst wachsam zu sein im Widerstand gegen die Pläne der Bush-Regierung und des Pentagon, diese Krise als Sprungbrett für eine neue Runde der Aggression gegen die Dritte Welt, insbesondere gegen die Menschen des Mittleren Ostens auszunutzen.
Im August 1998 richtete das Pentagon mörderische
Cruise-Missile-Lufschläge gegen eine pharmazeutische Fabrik im Sudan ohne irgendwelche Beweise, angeblich zur Vergeltung für die Bombardierung der US-Botschaft in Kenia. Die Cruise Missiles zerstörten die Al Shifa Arzneimittelfabrik, die den Großteil des Sudan mit Medikamenten versorgte. Tausende afrikanischer Menschen gingen als direkte Folge der Bombardierungen des Pentagon zugrunde.
Präsident Ronald Reagan befahl die Invasion in Grenada in der Karibik, kurz nachdem eine Lastwagenbombe in der Nähe eines US-Marinestützpunktes im Libanon 1983 explodierte. Unter Bush senior wurden 2000 Einwohner Panamas mitten in der Weihnachtsnacht 1989 unter dem Vorwand des Krieges gegen Drogen getötet.
Wegen einer Explosion in einer Diskothek in Deutschland 1986, für die zunächst auf Syrien, Iran und einige palästinensische Organisationen gezeigt wurde, bombardierten US-Flugzeuge Tripoli und Benghazi in Libyen. Hundert von Zivilpersonen, darunter Kinder, starben im Schlaf, als die US-Luftwaffe diesen heimtückischen nächtlichen Überfall ausführte.
Wir bitten Aktivsten und Menschen dieses Landes, sich für Proteste gegen neue Pentagon-Aggressionsakte im bevorstehenden Zeitabschnitt bereit zu halten.
Die Bush-Regierung will die gegenwärtige Krise ausnutzen, um eine weitere Erhöhung des Kriegshaushalts des Pentagon zu rechtfertigen, und zwar zu Lasten der Mittel für Wohnung, Erziehung, Gesundheit, Arbeitsbeschaffung und andere menschliche Bedürfnisse.

Gefahr weiterer staatlicher Repression
Landesweit riegeln nun Militär, FBI und örtliche Polizei weite städtische Gebiete ab, blockieren Brücken, Tunnel und Straßen und mobilisieren eine massive Präsenz von Polizei und Nationalgarde. All dies zeigt ein fortgeschrittenes Stadium der Planung für innenpolitische Repression, die gegen fortschrittliche Bewegungen und Arbeitskämpfe sowie gegen die Bevölkerung der Schwarzen, Latinos, Asiaten, Araber und andere unterdrückte Gemeinschaften eingesetzt werden kann.
Um so mehr besteht Grund zum Widerstand gegen die derzeitigen Anstrengungen, unter dem Deckmantel der laufenden Krise die polizeilichen Maßnahmen zu verschärfen.

Schafft Solidarität
Die Menschen von New York City und des ganzen Landes dürfen der Bush-Regierung und dem Pentagon nicht gestatten, mit den echten Gefühlen des Schocks und Zweifels ihr Spiel zu treiben, um reaktionäres Verhalten aufzustacheln und die Kräfte der Repression zu stärken. Damit ist nicht den arbeitenden und unterdrückten Menschen dieses Landes oder irgend eines Landes geholfen.
Der einzige Antwort auf die heutigen Ereignisse besteht darin, den Familien und Freunden derer, die im World Trade Center und Pentagon zugrunde gingen oder verwundet wurden, Solidarität zu erweisen, globale Solidarität mit Menschen zu schaffen, die weltweit gegen Krieg, Armut und Ausbeutung kämpfen, und die Bewegung des Protestes gegen neue Aggressionsakte des Pentagon zu vertiefen.


Anlage 2

STELLUNGNAHME DES POLITISCHEN BÜROS DER PARTEI DER ARBEIT BELGIENS ZU DEN ATTENTATEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (22h20, 11-09-01)

Die Attentate gegen das World Trade Center und das Pentagon, die überall auf der Erde Bestürzung hervorriefen, zeugen vor allem von dem Krisenzustand, in dem sich die Welt befindet, was immer die Herren dieser Welt bei ihren feierlichen Messen der reichen Länder der G-8 darüber verlautbaren lassen. Wir teilen die Trauer der Familien und Freunde der Opfer und wir sprechen ihnen unser Beileid aus. Die Opfer unter der US-amerikanischen Zivilbevölkerung können ebenso wenig wie die große Mehrheit des Volkes der USA für die barbarische Politik verantwortlich gemacht werden, die von ihrer Regierung sowie von den Transnationalen Unternehmen verfolgt wird, die sie repräsentiert.
Zugleich sind wir zutiefst schockiert über die Heuchelei der
US-amerikanischen Regierung. Diese trägt eine erdrückende Verantwortung für das, was sich heute ereignet hat.
Die größte imperialistische Macht, die sich seit dem Fall der Mauer brüstet, der unangefochtene Weltpolizist zu sein, sieht sich zum ersten Mal auf seinem eigenen Boden mit Angriffen konfrontiert, die Tausende von zivilen Opfern fordern, wie sie von Seiten der US-amerikanischen Armee in weit größerem Umfang die Völker Vietnams, Iraks, Jugoslawiens und so vieler anderer Länder erfahren haben.
Seit über 50 Jahren zwingen die Regierung und die Transnationalen Unternehmen der Vereinigten Staaten der ganzen Welt ihren Willen auf, zerstören einheimische Volkswirtschaften, enteignen Bauern, stürzen populäre Regierungen und bringen in ihrem Solde stehende Leute wie Pinochet, Marcos und Mobutu an die Macht, die nicht zögern, ihre eigenen Landsleute, fernab der Kameras, zu massakrieren. Auf diese Weise haben sie den Hass und die Rebellion aller Völker hervorgerufen, die darunter zu leiden haben. Darüber hinaus verschärft auch die Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten alle Widersprüche im Lande selbst.
In einer Welt voller wirtschaftlicher, politischer und militärischer Gegensätze sind im Bezug auf den Ursprung dieser Attentate alle Hypothesen möglich. Nichtsdestoweniger lassen das hohe technische Niveau und der in einem so überwachten Land wie den Vereinigten Staaten hohe Risikofaktor vermuten, dass ein solches Unternehmen von US-amerikanischem Boden aus niemals ohne Komplizenschaft innerhalb der US-Geheimdienste oder anderer paralleler Organisationen hätte durchgeführt werden können.
um die Interessen der Transnationalen Unternehmen zu schützen und um den Kommunismus und die Befreiungsbewegungen zu bekämpfen, unterstützen die Geheimdienste der Vereinigten Staaten seit 50 Jahren alle faschistischen, integristischen und nationalistischen Strömungen, deren sie sich bedienen können, um die Völker zu spalten. Als Terroristen von höchstem Niveau werden in diesen Ländern von ihnen die am meisten faschistischen und integristischen Elemente rekrutiert, bewaffnet und formiert. Dies reicht von den ehemaligen Nazis, die nach dem zweiten Weltkrieg in die US-Gemeimdienste einbezogenen wurden, über die integristischen Söldner in Afghanistan bis hin zu den Todesschwadronen in El Salvador.
Infolge wechselnder politischer Allianzen können diese Terroristen sich gegen ihre früheren Herren wenden. Dieses Szenario ist der Fall bei dem saudi-arabischen Terroristen Usama Ben Laden. Dieser war vor einigen Jahren ein „Freiheitskämpfer“, ein Handlanger der Vereinigten Staaten in ihrem Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan. Wie man dabei allerdings auch die Hypothese einer Komplizenschaft von Kräften der extremen US-amerikanischen Rechten, wie in Oklahoma, nicht ausschließen kann, die von Kräften inspiriert werden, die entschlossen sind, Bush in Richtung einer noch robusteren Wirtschafts- und Militärpolitik zu drängen.
Diese Attentate könnten der US-amerikanischen Regierung auch eine falsche Legitimität in einem Augenblick verschaffen, wo sich in der ganzen Welt eine antiimperialistische Protestwelle ausbreitet, die sich diese Regierung, die Speerspitze der kapitalistischen Globalisierung, der Umweltzerstörung und des neuen Rüstungswettlaufs, zum Ziel nimmt.  Die Attentate überschatten möglicherweise auch die wirtschaftlichen und sozialen Sorgen des US-amerikanischen Volkes selbst, das einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und der schnellen Ausbreitung von Armut auf seinem eigenen Boden erlebt.
Wir schließen uns den Aufrufen an, die verhindern wollen, dass die US-amerikanische Regierung und die mit den USA verbündeten Regierungen diese Attentate zum Vorwand nehmen, um Länder anzugreifen, die mit diesem Terrorismus nichts zu tun haben aber wegen ihrer unabhängigen Politik schon lange von der US-amerikanischen Regierung aufs Korn genommen werden, oder diese Attentate ausnutzen, um alle antidemokratischen Maßnahmen sowohl in den Vereinigten Staaten wie anderswo zu verstärken. Eine solche Reaktion würde nur die Gefahr des Krieges und des Faschismus anwachsen lassen.
Die Völker der ganzen Welt haben allen Grund, über die weitreichende Bedeutung dieser Attentate besorgt zu sein. Diese sind die Konsequenz der Verschärfung aller grundlegenden Widersprüche der Gesellschaft, die zu Recht von Arbeitern und Jugendlichen im Rahmen der Bewegung gegen die imperialistische Globalisierung angeprangert werden. Um diese Widersprüche zu lösen, gibt es keinen anderen Weg als auf die Einheit der Kämpfe der Arbeiter und Völker der ganzen Welt hinzuarbeiten und die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, wirklicher Demokratie und Frieden auf ein noch höheres Niveau zu heben. Wenn die terroristische Aktion es schon nicht möglich macht, diese Ziele zu verwirklichen, dann die Maßnahmen der militärischen Vergeltung und der Repression sowie der aufgepeitschte Rassismus der imperialistischen Regierungen noch weniger.  Auf dem Wege, der durch die Bewegung von Seattle oder Genua, durch die Kämpfe der Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas gegen alle Folgen des Kolonialismus und Neo-Kolonialismus vorgezeichnet ist, weiter zu gehen, ist die einzige Möglichkeit ernsthaft für die Zukunft der Menschheit zu arbeiten.


Anlage 3

CASTRO WILL INTERNATIONALE GEGEN TERRORISMUS GRÜNDEN

Havanna, 12. September (AFP) - Der kubanische Präsident Fidel Castro hat zur Bildung einer „Internationalen gegen den Terrorismus“ aufgerufen.  Die Anstrengungen der Weltgemeinschaft müssten dem Terrorismus ein Ende bereiten, forderte Castro am Dienstagabend in Havanna. Zugleich mahnte der Staatschef, die US-Führung müsse nun ausgewogen reagieren, ohne sich dabei von Wut oder Trauer leiten zu lassen. In einer anschließend von ihm verlesenen Erklärung drückte Castro seinen „Schmerz“ und seine „Trauer“ über die Terroranschläge aus. Zuvor hatte er den USA bereits medizinische und humanitäre Hilfe angeboten.


Anlage 4

ÜBER DIE BOMBENANGRIFFE

Von Prof. Noam Chomsky
Die terroristischen Angriffe (auf die USA) gehören in die Kategorie der bedeutenden Gräueltaten. In ihrem Umfang erreichen sie aber möglicherweise nicht die Bedeutung vieler anderer Gräueltaten, wie z.B.  die Bombardierung des Sudans durch Präsident Clinton. Ohne glaubwürdigen Vorwand wurde damals die Hälfte der pharmazeutische Produktion des Landes zerstören, was für eine große aber unbekannte Zahl von Menschen den Tod bedeutete. (Niemand kennt die genaue Zahl, weil die USA eine entsprechende Anfrage in der UNO blockierten und auch niemand Wert darauf legt, die Frage weiter zu verfolgen.) Um nicht von noch viel schlimmeren Fällen zu sprechen, an die man sich leicht erinnert.
Dass es sich bei den Angriffen auf New York und Washington um ein abscheuliches Verbrechen handelt steht außer Zweifel. So kommen die meisten Opfer aus der arbeitenden Bevölkerung: Hausmeister, Sekretärinnen, Feuerwehrmänner, usw.. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich der Anschlag auch für die Palästinensern und andere armen und unterdrückte Völker als vernichtender Schlag erweisen. Wahrscheinlich ist auch, dass dies zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen (des Staatsapparates; Anmerkung d. Ü.) führen wird, möglicherweise mit vielfältigen Auswirkungen zur Untergrabung der Bürgerrechte und der innerstaatlichen Freiheiten.
Die Ereignisse decken auch auf dramatische Weise die Dummheit des Projektes für die „Nationale Raketenverteidigung“ (NMD) auf. Von Anfang an war es offensichtlich und es war auch immer wieder von strategischen Analytikern betont worden, dass es in hohem Maße unwahrscheinlich ist, dass, wenn jemand den Vereinigten Staaten unermesslichen Schaden zufügen will - einschließlich des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen- er dies nicht mit einem Raketenangriff versuchen wird, wodurch seine eigene sofortigen Zerstörung garantiert wäre. Statt dessen gibt es unzählig viele einfachere Methoden, die im Grunde genommen nicht aufzuhalten sind. Aber die jüngsten Ereignisse werden sehr wahrscheinlich dazu ausgenutzt werden, um den politischen Druck zur Entwicklung und Dislozierung des NMD-Systems noch zu verstärken. „Verteidigung“ ist ein fadenscheiniger Vorwand für die Pläne zur Militarisierung des Weltraums.  Und mit guten Public Relations werden sogar die dünnsten Argumente in der erschreckten Öffentlichkeit Gewicht bekommen. Mit anderen Worten, das Verbrechen ist ein Geschenk für die chauvinistische, hurrapatriotische Rechte, für all jene, die nur darauf warten, Gewalt einsetzen zu können um ihre Interessen zu schützen.
Die wahrscheinliche Reaktion der USA wird jedoch nur noch mehr Angriffe wie diese - oder noch schlimmere – auslösen. Jetzt erscheinen die Aussichten für die Zukunft sogar noch ominöser, als sie es vor den jüngsten Gräueltaten waren. Wenn es darum geht, wie wir reagieren sollen, dann haben wir eine Wahl. Wir können unserem gerechtfertigten Horror Ausdruck verleihen, oder wir können versuchen zu verstehen, was die Gründe für diese Verbrechen sind; was dazu geführt hat. Das bedeutet, daß wir uns bemühen müssen, uns in die Vorstellungswelt der potentiellen Täter zu begeben.
Falls wir den zweiten Weg wählen, dann können wir – meiner Meinung nach
? nichts besseres tun, als uns die Worte von Robert Fisk zu verinnerlichen, dessen direkten Kenntnisse und dessen großer Einblick in die Probleme der Region nach vielen Jahren hervorragender Berichterstattung nicht zu übertreffen sind. Nachdem er „die Gemeinheiten und ungemeine Grausamkeiten gegen ein unterdrücktes Volk“ (die Palästinenser, Anm. d. Ü.) beschrieben hat, fährt er fort: „dies ist nicht der Krieg der Demokratie gegen den Terror, was der Weltöffentlichkeit in den nächsten Tagen glaubhaft gemacht werden soll.  Vielmehr geht es hier um amerikanische Raketen, die ein palästinensisches Haus zerstören, es geht auch um US-Hubschrauber, die 1996 Raketen auf libanesische Krankenwagen abfeuerten, und es geht um amerikanische Granaten, die im Dorf mit dem Namen Qana einschlugen und es geht um libanesisch-christliche Milizen, die - von Amerikas israelischem Verbündeten bezahlt und uniformiert – sich hackend, raubend, vergewaltigend und mordend ihren Weg durch Flüchtlingslager bahnten. Und es geht noch um viel mehr.“
Nochmals, wir haben eine Wahl: Wir können entweder versuchen zu verstehen oder es bleiben lassen, um damit jedoch die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass noch viel Schlimmeres auf uns zukommen wird. (Ende)
Übersetzung: Rainer Rupp


Anlage 5

„WREMJA“ (MOSKAU): FÜR DIE AMERIKANER BEGINNT EIN NEUES ZEITALTER

Moskau (dpa) - Amerika müsse seine Rolle als selbst ernannte Weltmacht nach den Terroranschlägen überdenken, fordert die russische Tageszeitung Wremja (Moskau) am Donnerstag (13.09.01): „Die Amerikaner müssen sich jetzt einige Fragen stellen, die sie früher aus reiner Selbstgefälligkeit ignorierten. Weshalb ist der Anti-Amerikanismus so stark in aller Welt? Woher kommt der Hass auf den „Großen Satan“? Es ist Zeit für die USA, in der internationalen Politik Abschied vom System des Ptolemäus (griechischer Gelehrter) zu nehmen, wonach sich Amerika als Nabel der Welt betrachtet. Als ob sich alle anderen um Amerika drehen wie die Planeten um die Erde bei Ptolemäus . Das Jahrhundert des Kopernikus hat längst begonnen.


Anlage 6

„VREME“ (Belgrad): AMERIKAS INNERE VERWUNDBARKEIT IST KEINE TECHNISCHE FRAGE

Belgrad (dpa) - Das Belgrader Nachrichtenmagazin „Vreme“ befasst sich am Donnerstag (13.09.01) mit der „Mitverantwortung“ der USA für die Terroranschläge: „Wird irgendjemand in den USA ernsthaft die Antworten auf die schwierige Frage suchen, ob die US-Außenpolitik solche Verzweiflungsangriffe herausfordert und anspornt? Warum hat sich fast in der gesamten Welt so viel Schadenfreude gegenüber den USA angehäuft? Ist das nicht alles ein Beweis dafür, dass die einzige Supermacht das Maß seiner Arroganz überschritten hatte, den ganzen Planeten nach eigenen Vorstellungen zu formen?... Wenn der erste Schock vorbei ist, muss Amerika begreifen, dass das Problem ihrer inneren Verwundbarkeit nicht technisch, mit Hilfe eines neuen Gerätes zu lösen ist....Deswegen würde es jemandem in Washington gut tun, wenn er sich Gedanken darüber machen würde, wie die Produktion der Verzweiflung in manchen Teilen der Welt verringert werden könnte. Oder wenigstens, wie man von diesem Produkt das Label „Made in USA“ abtrennen könnte.“


Anlage 7

„DER NATO-BESCHLUSS ZWINGT ALLE VERBÜNDETEN INS BOOT“,

überschreibt der dpa-Korrespondent Thomas P. Spieker seinen Bericht v. 13.09.01, in dem es heißt:
„Der historische Beschluss des Nordatlantikrates ist...weit mehr als eine Solidaritätserklärung. Er zwingt alle Bündnispartner mit ins Boot.  Nur der Vorbehalt, dass der Terrorangriff von außen gesteuert worden sein muss, steht noch vor der Anwendung des Artikels 5 aus dem Nordatlantikpakt, der die Mitglieder zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet.
Wie immer diese Hilfe dann aussieht, entscheidet jedes Land selbst. Da die USA militärische Unterstützung kaum benötigen, ist vor allem die politische Konsequenz von Bedeutung: Wenn die NATO die Bündnisverteidigung ausruft, wird jede Verteidigungsaktion zu einer Aktion der gesamten NATO - auch wenn nur ein einziges Mitglied sie ausführt.
Damit haben die USA jetzt eine Art „Persilschein“ in der Hand, sagt ein Experte in Brüssel. Und darauf hat Washington sehr gedrängt. Offenbar will die Bush-Regierung von ihren europäischen Freunden mehr sehen als Lichterketten und Betroffenheitsadressen. „Wir drängen sie zu einer deutlicheren Sprache,“ sagte ein US-Diplomat am Rande des EU-Außenministertreffens, dessen Kommunique dann mehrfach geändert wurde. In der NATO dürfte das kaum anders gewesen sein.“


Anlage 8
Der Standard (Wien) v. 13.09.01

VÖLKERRECHTLER ROTTER: US-GEGENSCHLAG WÄRE VÖLKERRECHTSWIDRIG – KEINE KRIEGSSITUATION GEGEBEN - AUCH KEIN ANGRIFF IM SINN DES NATO-VERTRAGES

Eine Militäraktion der USA „gegen irgendeinen Staat“ als Konsequenz der Anschlagsserie am Dienstag wäre eindeutig völkerrechtswidrig. Es liege nach dem Völkerrecht nämlich „auf gar keinen Fall eine Kriegssituation vor“, sagte der Völkerrechtler Manfred Rotter im ORF-„Mittagsjournal“.  Als Gefahr für die Weltordnung sieht er, „dass immer wieder mächtige Akteure das Völkerrecht in die Hand nehmen und nach Gutdünken vorgehen“, damit werde „ein Wahnsinn durch den anderen ersetzt“. Nach dem gegenwärtigen Stand der Information könne von Krieg nicht gesprochen werden, weil es keine zwei Völkerrechtssubjekte, die im Krieg miteinander stehen könnten, gebe, erläuterte Rotter. Man wisse derzeit „viel zu wenig über den Täterkreis“ und es könne „nicht gesagt werden, dass irgendein Staat mit diesem Wahnsinn in Verbindung steht“.
„Militärbündnis Nato als solches nicht gefragt“
Rotter widerspricht mit seiner völkerrechtlichen Analyse nicht nur den Darstellungen der US-Politiker, die immer wieder von „Krieg“ sprechen, sondern auch der NATO. Er betonte nämlich, dass auch kein Angriff auf die USA nach Artikel 5 der NATO-Verträge vor. Unter Berufung darauf hatte die NATO gestern das Vorliegen des „kollektiven Verteidigungsfalles“ festgestellt - und den USA Unterstützung nach dem Motto „Einer für alle, alle für Einen“ zugesagt. Rotter hielt dem entgegen: Die NATO sei ein Militärbündnis und als solches derzeit nicht gefragt. „Gefragt ist nur Zusammenarbeit bei der Ermittlung der Täter“, auf polizeilicher oder allenfalls geheimdienstlicher Ebene. (APA)


Anlage 9

RESOLUTION DES VN-SICHERHEITSRATES VOM 13.09.01 ZU DEN TERRORANSCHLÄGE IN DEN USA (nach AFP)

Der Sicherheitsrat,
gemäß den Prinzipien und Zielen der Charta der Vereinten Nationen,
entschlossen, auf alle Fälle jede Bedrohung des internationalen Friedens
und der Sicherheit durch terroristische Akte zu bekämpfen,
in Anerkennung des natürlichen Rechts auf individuelle oder kollektive
Selbstverteidigung in Übereinstimmung mit der Charta,
1. verurteilt unmissverständlich in strengster Weise die entsetzlichen Anschläge, die sich am 11. September 2001 in New York, Washington (DC) und Pennsylvania ereignet haben, und betrachtet diese Taten, wie jeden anderen Akt internationalen Terrorismus, als eine Gefährdung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit;
2. spricht den Opfern und ihren Familien und dem Volk und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika sein tiefstes Mitgefühl und Beileid aus;
3. ruft alle Staaten dringend zur Zusammenarbeit auf, um die Täter, die Organisatoren und Unterstützer dieser terroristischen Anschläge vor Gericht zu bringen und betont, dass jene, die den Tätern geholfen, sie unterstützt oder ihnen Unterschlupf gewährt haben, zur Verantwortung gezogen werden;
4. ruft die internationale Gemeinschaft auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um durch engere Zusammenarbeit und vollständige Umsetzung der Anti-Terror-Konvention und der Sicherheitsresolutionen, vor allem der Resolution 1269 vom 19. Oktober 1999, Terroranschläge zu verhindern und zu unterdrücken;
5. erklärt sich bereit, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 zu reagieren und alle Formen des Terrorismus in Übereinstimmung mit der Verantwortung gemäß der UN-Charta zu bekämpfen;
6. beschließt, sich weiter mit der Angelegenheit zu befassen.

E N D E

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