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Organisierung von unten

Auf dieser Seite: Protokoll ++ Der Text ++ Konkrete Vorschläge ++ Viertes Treffen ++ Debatte

Christoph Spehr, 1999: "Die Aliens sind unter uns"
Es funktioniert nicht, die zentrale Staatsmacht zu erobern und die Verhältnisse von oben neu zu ordnen. Die Macht hat viele Zentren und viele Gesichter; und im großen und ganzen müssen die versammelten Waffen des Alienismus zurückgedrängt, abgebaut, abgewickelt werden. Man kann sie nicht umstandslos für etwas Gutes einsetzen, ohne einen neuen Alienismus zu schaffen. Man muß die Macht, die Kompetenzen, die Entscheidugnsfreiheit an die Menschen zurückgeben.

Stichwortprotokoll

vom Treffen 14.-16. September 2001 in Saasen
Bericht vom zweiten Treffen 2.-4.11. ++ Bericht vom vierten Treffen, Ostern 2002

1. Unsere Grundsätze einer „Organisierung von unten“
2. Warum funktioniert nix?

Hinweise: Die für die benannten Problempunkte aufgezählten Gegenstrategien der Organisierung von oben und von unten sind solche, die diese Probleme überwinden sollen. Daneben ist bei der Organisierung von oben weit verbreitet, daß die Probleme ganz bewußt belassen oder sogar erzeugt werden, als politischen oder Dominanzgründen. Als Organisierung von oben sind alle politischen Organisationskonzepte mit zentralen Gremien und ungleicher verstetigter Ressourcenverteilung (Geld, Befehlsgewalt, materielle Zugänge, Informationen usw.) gemeint – unabhängig davon, ob diese durch eine demokratische Wahl (Vorstand u.ä.), durch Selbstakklamation (Führungsgruppe) oder intransparent (dominante Zirkel) erfolgen.

2.1 Gesellschaftliche Konstruktionen (Sozialverhalten) wirken weiter
Organisierung von oben:
- Verregelung (z.B. Frauenquote)

Organisierung von unten:
- Allgemeine Analyse von Herrschafts- und Diskriminierungsmechanismen
- Aneignung, Anwendung und Weiterentwicklung kreativer Gruppenmethoden zum Abbau der gesellschaftlichen Konstruktionen und Steigerung der Handlungsfähigkeit (siehe Texte der Projektgruppe „HierarchNIE“ unter www.projektwerkstatt.de/hoppetosse)
- Verbindung der internen Diskussionen/Veränderungen mit nach außen gerichteter politischer Arbeit gegen soziale Konstruktionen

2.2 Sich „normal“ zu organisieren, scheint besser zu funktionieren
Org.v.o.:
-

Org.v.u.:
Muß wirksamer werden (nicht nur überzeugender, sondern auch wirkungsvoller, d.h. Organisierung von unten ist dann der sinnvolle Weg, wenn sie zwei Ziele verdindet – sich so zu organisieren, wie es emanzipatorischen Zielen entspricht („was wollen wir“) und wie es die Handlungsfähigkeit und Wirksamkeit steigert („was nötig ist“).

2.3 Eigene Ohnmacht und unendliche Ressourcen von Staat und Gesellschaft. Irrelevanz und Marginalisierung der politischen Arbeit und der AkteurInnen (bzw. der Individuen und ihrer freien Zusammenschlüsse überhaupt)
Org.v.o.:
- Scheinmächtigkeit („religiös“, fanatisch, internalisierter Zwang)
- Pressegeilheit
- Minimalreformismus und Kooperationen mit Machtinstitutionen
- VertreterInnen der Macht in die eigenen Strukturen holen
- Eventhopping, Hype der Events

Org.v.u.:
- Prozesse erzeugen statt statische Ziele erreichen
- Flexible Handlungsfähigkeit erzeugen durch Aneignung von Methoden und Aktionstechniken
- Neue Handlungsfelder erschließen, z.B. Konzept direkter Aktion & Erregungskorridor, direkte Intervention im Alltag
- Subversion (Nutzen der Übermacht für eigene Ziele – Prinzipien japanischer Kampfkunst auf politische Auseinandersetzung übertragen)
- Visionen entgegensetzen und populär machen
- Raus auf die Straße, rein in die Gesellschaft („teachins“ statt Vorträge in Hinterzimmern, Drängen in öffentliche Räume mit Aktionen und Mitdiskutieren) ... statt Nischenbildung, Konspi-Gehabe usw.

2.4 Bedürfnis nach schnellen Erfolgen
Org.v.o.:
- Lobbyarbeit

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.5 Unwillen zur kontinuierlichen Arbeit
Org.v.o.:
- Hauptamlichkeit

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.6 Geringe Handlungsmöglichkeiten durch Einbindung der AkteurInnen in gesellschaftliche Zwänge (Arbeit, Ausbildung, Familie usw.)
Org.v.o:
- Hauptamtlichkeit

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.7 Fehlende Phantasie, Verstellungskraft für Organisierung von unten, Alternativen zu gesellschaftlichen Zwängen
Org.v.o.:
- Verregelte Kurzzeitkreativmethoden (als Unterbrechung sonst starrer Strukturen)
- Einkauf von Kreativität von außen (Agenturen usw.)
Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.8 Angst vor Vielfalt, Dynamik, produktivem Streit
Org.v.o.: (das wird dort komplett nicht gewollt)
Org.v.u.: (nicht diskutiert)

2.9 Angst vor Repression, Eigenverantwortung/.initiative, Vereinzelung, Offenheit
Org.v.o.:
- Zu Repression (nur bei sich als radikal empfindendenden Gruppen): Konspi-Tick und intransparente Zuständigkeit
- Zu Eigenverantwortung: Schein-Eigenverantwortung durch Ämtervergabe, Einbindung in Apparate; ansonsten eher Zentralismus statt Eigenverantwortung/-initiative, z.T. durch den Begriff „Demokratie“ legitimiert
- Zu Vereinzelung: Cliquenbildung, Identitätskonstruktion, Vereinsmeierei, Uniformisierung
- Zu Offenheit: Mythos der Offenheit, z.B. bei Verbänden („hier kann jedeR mitmachen“ ... aber nur als StatistIn oder ZuarbeiterIn) oder im Begriff „antiautoritäre Linke“ für einen von Dominanzen und Machtkämpfen stark durchzogenen Zusammenhang von Gruppen

Org.v.u.: (nicht diskutiert)

Gesamter Text "Organisierung ... WIE GEHT DENN DAS?

ÜBERLEGUNGEN VON DEN WOCHENENDEN 15./16.09.01 & 1.-4.11.01 IN SAASEN

Vorweg: Dieser Text ist eine Art Protokoll einer Diskussion - also genau das Gegenteil von "Thesenpapier" u.ä. Viele Punkte sind inzwischen weiterdiskutiert, aber leider nicht als neuer Text festgehalten. Emanzipation im allgemeinen und "Organisierung von unten" als Umsetzungsversuch in der Struktur politischer Organisierung im speziellen sind immer ein Prozeß. Kritiken sind denn auch gern gesehen!
Hinzuweisen ist auf Debatten, die eng verbunden sind, z.B. Entscheidungsfindung von unten, Direct Action und kreative Antirepression.
Und: Auch etliche Formulierungen werden inzwischen als "mißverständlich", zu "schwarz-weiß" u.ä. gesehen.

Materialien zum Thema auf der Bestellseite ... (z.B. der Reader "HierarchNIE!")

1. Grundsätze für eine >>Organisierung von Unten<<

Übersicht:

Obwohl es nur so wimmelt von Gruppen, die sich "antiautoritär", "emanzipatorisch" oder "hierarchielos" bezeichnen, können wir in den allermeisten von ihnen intransparente, macker-artige Führungsstrukturen und Dominanzen entdecken.

Obwohl der Verfassungsschutz sogar 6000 Militante kennen will, passiert eigentlich nicht viel hierzulande.

Obwohl es in vielen Ländern seit einigen Jahren wieder eine größere soziale Bewegung gibt, die "Globalisierungsbewegung", mitsamt Pink-Silver Block und Reclaim The Streets, sind hierzulande keine größeren kreativen Aktionen zu verzeichnen. Und obwohl sie eine herrschaftsfreie Gesellschaft wollen, organisieren sich manche bewusst zentralistisch.

Wir glauben aber, dass sich all diese Gegensätze auflösen lassen, dass wir einiges verändern können. Dabei ist es wichtig, dass das Ziel, eine "freie Gesellschaft" nicht vom Weg abgekoppelt ist, dass die Befreiung nicht ein irgendwie, nach einer irgendwie organisierten Revolution zu vollziehender Akt ist, sondern im Jetzt und Hier beginnt. Deshalb ist eine emanzipatorische Bewegung "von unten" organisiert.

Der Grundsatz hierfür ist, dass es keinerlei Hierarchien gibt, das heißt wir sprechen von einer freien Kooperation gleichberechtigter Menschen, sowie Netzwerken gleichberechtigter Gruppen. Dabei behalten die Gruppen (Zusammenhänge, Organisationen) ihre volle Handlungsautonomie. Sie können nicht gezwungen werden, irgendwo mitzumachen, noch besteht in diesen Netzwerken und Bündnissen ein Konsenszwang. Verschiedene Positionen können nebeneinander stehen bleiben, ohne die gemeinsame Arbeit zu verunmöglichen. Denn die Idee des Konsens führt dazu, dass zum einen Inhalte entleert werden, bis mensch sich auf den kleinsten angeblich gemeinsamen Nenner geeinigt hat. Zum anderen führt ein durch Mehrheitsentscheide herbeigeführter Konsens meist dazu, dass diejenigen, die nicht dafür gestimmt haben, schlicht nicht mitmachen.

Damit einher geht die Herstellung eines diskriminierungsfreien Raumes. Obwohl mensch meinen möchte, dieser sei durch die Gleichberechtigung automatisch gewährleistet, ist dies in Wirklichkeit ein immer wieder bewusst und aktiv zu betreibender Prozess, da wir alle eine gewisse, aus unserer Normal-Sozialisierung mitgebrachte "Vergiftung" (soziale Rollen u. Konstruktionen) in uns tragen. Die HerscherInnen in uns abzubauen, gehört da dazu. Notwendig ist auch eine Atmosphäre, in der die Individuen sich trauen, abweichende Meinungen zu äußern, skurrile Vorschläge zu machen, oder Fragen zu stellen. Zu oft können wir erleben, dass solches Verhalten zu aggressiven Reaktionen bei den Anderen führt. Nicht zu letzt sollten diese wichtigen emanzipatorischen Ansätze, Positionen und Visionen offensiv nach außen getragen werden, um die Idee populär zu machen und alte Strukturen aufzubrechen.

Die Belohnung für die Anstrengungen einer solchen Organisierung, die zugegebenermaßen jeglicher gesellschaftlicher Sozialisierung entgegenläuft, sind ein spürbares Mehr an Vielfalt der Ideen und Lösungsvorschläge, und damit ein höheres Maß an Kreativität und eine unglaubliche Vermehrung der Handlungsmöglichkeiten der Gruppe und der Individuen. Die Stärken der einzelnen AkteurInnen kommen viel stärker zur Geltung, die Entfaltung wird gefördert. Dadurch, dass kein Konsenszwang herrscht, ist es möglich, viel flexibler zu agieren.

Der zweite große Vorteil ist, auch wenn viele das sich nicht vorstellen können, dass offene, undogmatische Strukturen viel schwerer dominier- und unterwanderbar sind. Für Spitzel verkompliziert sich die Situation, wenn eine offene, spontane Atmosphäre und eine persönliche Ebene zwischen den AkteurInnen existiert. Unspontanes, auswendig gelerntes Verhalten fällt viel eher auf. Wer viel laut plant, bringt Verwirrung in die Einschätzung, was davon ernstgemeint sein könnte. Auch müssen Spitzel in einer solchen Situation viel mehr von sich selbst offenbaren. Extreme Konspirativität ermöglicht auch dem Spitzel in seiner Anonymität zu verweilen. Sie behindert mehr, als sie schützt. Sollten andere Gruppen Interesse an einer Unterwanderung haben, gestaltet sich auch das viel schwieriger in einer Gruppe, in der alle Entscheidungen transparent und alle Vorgänge offen sind.
Diese Hauptanforderungen werden zum großen Teil von vielen Menschen sogar geteilt. Dennoch werden sie nicht umgesetzt. Selbst die VerfasserInnen befinden sich momentan nicht in einer überaus handlungsfähigen emanzipatorischen Gruppe.

2. Was funktioniert nicht, und warum funktioniert es nicht?

Gegen eine "Organisierung von unten"wird oft ins Feld geführt, dass diese nicht funktioniere, oder wenn, dann äußerst ineffizient; es wird auch richtig argumentiert, dass sich meist eben doch wieder Hierarchien einstellen, nur dann eben intransparent als "Mackerstrukturen" oder ähnlichem. Greenpeace, Attac und andere große, hierarchisch aufgebaute Organisationen erscheinen äußerst handlungsfähig und attraktiv, während der "Organisierung von unten" das Vorurteil der Mühseligkeit, des Chaotischen und Unübersichtlichen anhaftet.
Sich "normal", also hierarchisch zu organisieren, scheint besser zu funktionieren. Die Frage ist nur, zu welchem Preis! Denn die meisten emanzipatorischen Ansprüche müssen dabei zwangsweise über Bord geworfen werden, obendrein entpuppt sich so mancher Vorteil als Scheinvorteil, manche Effektivität als Scheineffektivität, mancher Erfolg als Scheinerfolg.
Die Organisierung von unten muss, um ihr Image loszuwerden und der hierarchischen Organisierung die schöne Maske herunterzureißen, wirksamer werden. Das bedeutet nicht nur, dass sie überzeugender wird, sondern dass sie auch die Verbindung der zwei Ziele leistet - sich so zu organisieren, wie es emanzipatorischen Zielen entspricht ("was wollen wir") und wie es Wirksamkeit und Handlungsfähigkeit steigert ("was nötig ist").
Wenn wir danach fragen, was nicht funktioniert und warum, so sprechen wir von Ansprüchen an die Organisierung und die Handlungsfähigkeit einer Gruppe, denen nicht genügt wird und die Gründe für diese Unzulänglichkeit.
Es werden zuerst der Problempunkt, dann die Gegenstrategien einer Organisierung von Oben (O.v.o.) und schließlich der Lösungsansatz für eine Organisierung von Unten (O.v.u.) genannt. Dabei ist es uns wichtig, dass diese Organisierung von Unten den unter Punkt 1 genannten Grundsätzen auch wirklich folgt. Die für die Problempunkte aufgezählten Gegenstrategien sind solche, die diese Probleme überwinden sollen. Daneben ist es bei der O.v.o. weit verbreitet, dass die Probleme ganz bewusst belassen oder gar erzeugt werden, sei es aus politischen oder Gründen des Dominanz- und Machtstrebens.
Als O.v.o. sind alle politischen Organisationskonzepte mit zentralisierten Gremien und ungleicher verstetigter Ressourcenverteilung (Geld, Befehlsgewalt, Zugang zu materiellen Ressourcen, Informationsmonopole) gemeint - unabhängig davon, ob diese durch demokratische Wahl (Vorstand oder ähnliches), Selbstakklamation (Führungsgruppe) oder intransparent (dominante Zirkel, unsichtbare Hierarchien) erfolgen.

2.1 Gesellschaftliche Konstruktionen und Mechanismen des Sozialverhaltens wirken weiter

Viele Menschen werden in diesem System krasser unterdrückt als andere. Dazu gehören beispielsweise Frauen, Homosexuelle oder ethnische Minderheiten. Auch gehen alle Menschen anders mit ihrer Unterdrückungssituation um. Je nach Charakter und Sozialisation reagieren die Individuen unterschiedlich auf Bevormundung, Dominierung, Herumkommandierung, Bestrafung und ähnlichem. Derlei Dinge haben wir alle erfahren: in der Schule, im Elternhaus, in der Uni, in der Arbeit, auf dem Spielplatz und so weiter. Immer wieder wurde uns beigebracht, wir seien unmündig, manchen mehr, manchen weniger. Das typische Verhalten, das mensch benötigt, um sich >>gegen andere durchsetzen<< zu können und >>im Kampf der Diskussion<< zu bestehen, ist, ebenso wie diese Logik, ein patriachales Mackertum: Laute, am besten tiefe Stimme, >>harte<< Argumente, rhetorisch gute, grammatikalisch und anderweitig fehlerfreie, akzentfreie Sprache, Erniedrigung des Gegners, verbale Intrigen, bedrohliche Gestik und Gebärde.
Dadurch werden Menschen, die diese Mittel nicht beHERRschen oder als in der gesellschaftlichen Hierarchie tieferstehend sozialisiert sind, also gelernt haben, dass sie nichts zu sagen haben oder sich nichts sagen trauen, davon abgehalten, sich einzubringen, oder ihr Beitrag wird im Vergleich zu dem der dominierenden Personen nicht als gewichtig wahrgenommen, relativ unabhängig von der inhaltlichen Qualität.
Symptome sind die in den meisten Gruppen vorhandenen "SchweigerInnen" und VielrednerInnen", sowie die Tatsache, dass manche "alles" tun und andere gar nicht aktiv sind. Die resultierende Überlastung einiger und Passivität anderer führt zur (teilweisen) Handlungsunfähigkeit der Gruppe, vor allem verglichen zu dem Potential, dass in einer gleichberechtigten Aktivität aller entstehen würde.

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

2.2 Eigene Ohnmacht gegenüber unendlichen Ressourcen von Staat und Gesellschaft; Irrelevanz und Marginalisierung der politischen Arbeit und ihrer AkteurInnen, der Individuen und ihrer freien Zusammenschlüsse überhaupt

Politische Arbeit erscheint uns manchmal wie ein endloses Rennen gegen eine Mauer, die einfach nicht einfallen will. Ich kann zwanzig Reihen von PolizistInnen durchbrechen, nur um auf die einundzwanzigste Reihe zu stoßen; der Castor kommt letztlich auch jedes mal durch; Gelungene Aktionen haben eventuell die Verschärfung der Repression zu Folge. Die meisten Aktionen, können ohnehin nur symbolisch sein, wirkliche Veränderung können wir uns meist nicht erhoffen, wenn wir Glück haben, denken ein paar BürgerInnen zwei Minuten darüber nach.
Dieses Gefühl von Ohnmacht und Marginalisierung, die Unerreichbarkeit der Ziele, Wünsche und Träume lässt viele Aktionspläne in der Schublade verstauben, da schlicht die Motivation fehlt, bei scheinbar so wenig Anreiz, etwas zu tun. Einer der wenigen Bereiche, wo dies anders ist, ist der antifaschistische Kampf, da auch die Nazis keiner scheinbar unerschöpflichen Ressourcen haben, direkt konfrontiert, frustriert und "besiegt" werden können. Diese Aussicht auf Erfolg macht den Anti-Nazi-Kampf sehr attraktiv.

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

2.3 Bedürfnis nach schnellen Erfolgen

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

Radikale Forderungen und Erfolge kommen von unten. Das erkennen auch einige "von oben" Organisationen, zum Beispiel zentralistische marxistische Gruppen oder Greenpeace.

2.4 Unwillen zu kontinuierlicher Arbeit

Eine Schwierigkeit, die auftritt, wenn mensch mit anderen Menschen arbeitet, liegt darin, dass sie schnell das Interesse an etwas verlieren, was sicherlich auch mit der Sozialisation in einer Zeit der Hochgeschwindigkeit zu tun hat. Das andere ist ein gewisse Unzuverlässigkeit, die auftritt, wenn die gewohnten Regeln und Zwänge wegfallen. Es ist nicht das eigene Geld, das eigene Eigentum, es gibt keine Sanktionierung, wenn mensch etwas nicht tut. Als Resultat stellt sich eine gewisse Passivität und Lähmung ein.
Ein anderer Grund für Unlust zu kontinuierlicher Arbeit liegt in der Aussichtlosigkeit, in der Erfolglosigkeit, des Erlebens der eigenen Handlungsunfähigkeit. Es macht schlicht keinen Spass, etwas zu machen, wenn nichts dabei herauskommt. Und Spass ist ein wichtiger Bestandteil der Motivation für ehrenamtliche Arbeit.

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

2.5 Geringe Handlungsmöglichkeiten durch Einbindung der AkteurInnen in gesellschaftliche Zwänge (Arbeit, Familie, Ausbildung usw.)

Nur sehr wenige Menschen sind nicht dem täglichen Verwertungs- und Reproduktionszwang unterworfen. Die meisten von uns müssen entweder in die Schule oder Universität, arbeiten oder den Haushalt machen und die Kinder betreuen. Zwischen den einzelnen Abschnitten (nach Uniabschluss, nach Schulabschluss) oder im Renten- oder Kindesalter sind die einzigen Perioden, in denen mensch sich dem widmen kann, was er/sie gerne machen würde (innerhalb des vom System Gesetzen Rahmens). Das erschwert wichtige politische Arbeit. Wer wöchentlich nur eine Stunde Zeit dafür hat, kann keine großen Aktionen auf die Beine stellen.

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

2.6 Fehlende Phantasie, Vorstellungskraft für Organisierung von unten und Alternative zu gesellschaftlichen Zwängen

Dieser Punkt ist in mehrere Teile aufzuspalten. Einerseits (1) mangelt es den AktivistInnen, und denen, die es gerne wären, tatsächlich an Phantasie bezüglich ihrer Aktionsmöglichkeiten, zum zweiten (2) gibt es Probleme bei der Realisierung des Ausgedachten, die auch an mangelnder Vorstellungskraft liegen, und zuletzt (3) fehlt die Vorstellung davon, dass und wie Organisierung und Aktivität überhaupt anders sein könnten Deshalb richten sich auch die Gegenstrategien auf die drei Aspekte getrennt aus, wobei aber klar, ist, dass alles natürlich miteinander zusammenhängt.

a) Lösung von Oben:

"Von oben" organisierte haben natürlich das Problem, dass sie sich keine frei-kooperative Organisierungsform vorstellen können (Punkt 3) , nicht, da sie das gar nicht wollen. Für die beiden anderen Probleme haben vor Allem die ganz großen Organisationen (etwa Greenpeace) ziemlich einheitliche und typische Lösungen, während die kleineren HierarchistInnen (z.B. Linksruck) meist gar nicht in der Lage sind, diese Probleme zu lösen.


b) Lösung von Unten:

(1) Für die Basisbewegung ist der Mangel an Kreativität ein deutliches Zeichen, dass kein Kontakt zu künstlerischen Kreisen und alternativen Szenen besteht. Wo dies passiert, wie etwa bei ReclaimTheStreetsLondon mit der Raverszene, oder dem Pink-Silver-Block mit Transgenders und KünstlerInnen, kommen deutlich skurrilere, interessantere, phantasievollere und wirkungsvollere Widerstandsformen heraus. Womit also muss eine O.v.u. beginnen, um überhaupt einen Ansatz für eine solche Zusammenarbeit zu bieten, attraktiv zu werden?

(2) Oft erleben wir, dass gute Ideen für alle möglichen politischen Bereiche vorhanden sind, allerdings die Umsetzung für nicht möglich gehalten wird, oder bestimmte Aspekte der Realisierung unklar bleiben: "Aber was machen wir, wenn...?" Auch hier ist Flexibilität wichtig. Gemeinsam lässt sich meist eine Lösung finden, wenn mensch sich von den vertrauten Denkpfaden herunterwagt.

(3) Natürlich ist es kein Wunder, dass die Mittel am Ziel vorbeigehen, wenn die Auswahl der Mittel sehr gering ist, weil mensch keine anderen kennt. Deshalb ist eine Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Bewegung, die für andere Vorgehensweisen eintritt, unerlässlich. Die Arbeitsweise von Pink-Silver, nämlich das Einsetzen von Irritation und Subversion (auch bei "Linken"!), könnte richtungsweisend und viel breiter eingesetzt werden. Darum ist es für emanzipatorische Ansätze wichtig, dass sie öffentlich vertreten werden: in Bündnissen, durch Medienarbeit, in Vernetzungstreffen usw. Dabei können wir natürlich niemenschen vertreten außer uns selbst, und auch das ist wichtig deutlich zu machen. Alle sprechen immer nur für sich, niemensch kann für andere Menschen sprechen. Das ist zwar eine harte Nuss, und wir dürfen damit rechnen, uns erst mal unbeliebt zu machen und gegen einiges an Mackerstrukturen kämpfen zu müssen, aber es ist unsere Stärke, dass wir Situationen, die wir erkennen, auch gleich zur Sprache bringen. Das heißt, dass Mackerigkeit, Überheblichkeit oder Stellvertretertum von uns angesprochen werden, wenn wir sie erleben. Und so können wir Stück für Stück in mühseliger Kleinarbeit emanzipatorische Freiräume schaffen. Darüber dürfen wir unsere inhaltlichen Beitrage natürlich nicht vergessen. Irgendwann wird sich vermutlich der eine oder die andere für unsere Ideen interessieren. So kann ein Stück Handlungsfähigkeit auch bei den anderen erreicht werden. Belehrung wäre die falsche Methode. Streit und Irritation behandeln die Gegenüber als gleichberechtigte Menschen. Das ist wichtig.

2.7 Angst vor Vielfalt, Dynamik und produktivem Streit

Diese drei Aspekte gehören zu jenen Dingen, die wir auf jeden Fall brauchen und wollen. Vielfalt, Dynamik und produktiver Streit gehören zu einer emanzipatorischen, gleichberechtigten, selbstorganisierten und kreativen Bewegung. Sie lebt praktisch von Veränderung, welche wiederum auf jenen drei Aspekten aufbaut.
Angst vor Streit haben verschiedene Typen Mensch. Für uns sind zwei Kategorien wichtig. Diejenigen, die ihren Machtverlust zu befürchten haben, und diejenigen, die harmoniesüchtig sind. Deshalb sind verschiedene Taktiken zur Überwindung erforderlich.
Dass mensch Streit schlecht findet und einem Harmoniezwang verfällt ist allerdings nicht verwunderlich. Eigentlich beinhaltet dieses Verhalten noch eine Menge anderer Ängste. Denn die Welt "da draußen" erscheint uns oft als kalt und bedrohlich, wir haben Angst, alleine dazustehen. Einheit erscheint uns als Stärke, gibt uns Geborgenheit. Die meist aggressiven und destruktiven Streits, die patriarchisch geführt werden, also mit der Erniedrigung des/der GegnerIn zu tun haben, erinnern uns an die gesellschaftliche Kälte, die uns umgibt, wir fallen dann in ein ziemliches Loch. Und das ist nachvollziehbar. Die meisten Streits, die auch in unseren "linken Sphären" so ablaufen, sind Machtkämpfe und Verleumdungen. Dazu kommt dann ein selbstauferlegter Konsensdruck und Einigungszwang, der alles nur noch schlimmer macht. Und was nicht gegeneinander ausgetragen wird, wird "hintenrum" ausgetragen. Eine solche Atmosphäre verdirbt leicht die Lust am Streiten.
Angst vor Vielfalt und Dynamik ist meist eine Angst vor dem ungewissen Chaotischen, die Angst, dass dann alles aus dem Ruder läuft, unübersichtlich wird, und das ist natürlich eine Angst vor Kontrollverlust.
 

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

2.8 Aktiv gegen Repression

Ob bei Aktionen gegen Herrschaft und Verwertung im Ganzen oder dem Protest gegen Diskriminierung, Umweltzerstörung usw. – immer steht der Staat und die herrschende Rechtsordnung mit seinen Organen gegen uns. Die drohende Gewaltanwendung reicht vom Bullenknüppel bis zur Gefährdung von Ausbildung oder Arbeitsplatz, Druck im sozialen Umfeld oder psychische Einschüchterung. Angst vor solcher Repression kann zur Handlungsunfähigkeit führen. Um das zu verhindern, ist es nötig, die Folgen abzuschätzen, Hilfe, Solidarität und Schutz zu organisieren und zu lernen, mit umzugehen mit dem Ziel, aus der Ohnmacht auszubrechen, handlungsfähig zu bleiben, vom Opfer zum/r AkteurIn zu werden. Selbst im Gerichtssaal, auf der Polizeiwache und im Knast gibt es Möglichkeiten, Inhalte zu transportieren und weiterhin aktiv zu bleiben, leichter ist es bei der Festnahme, im Bullenkessel, vor Bullenketten usw.
Ziel ist ein doppeltes: Zum einen verschafft die Handlungsfähigkeit Chancen der Vermittlung Herrschaftsverhältnissen nach außen, zum anderen hilft sie gegen Ohnmachtsgefühle und Einschüchterung. Daher greifen Antirepression (Repressionsorgane und –handlungen attackieren oder demaskieren) und Repressionsschutz (Schutz vor den Folgen der Repression wie Strafen) ineinander – die Antirepression hilft gegen das fatale Ohnmachtsgefühl, das Ausgeliefertsein gegenüber der Staatsgewalt, in der dann dem Druck z.B. zu Aussagen nachgegeben wird. Und der Repressionsschutz, also das Wissen um Unterstützung und Solidarität, hilft beim offensiven Umgang mit der Repression.
All das wird einfacher zu erreichen sein, wenn Gruppen und AkteurInnen, die Rechtshilfe und Repressionsschutz organisieren, mit denen kooperieren, die kreative Antirepressionsideen entwickeln und trainieren. In Broschüren, auf Internetseiten, bei Infoveranstaltungen und Seminaren sollten immer beide mit dabei sein und sich ergänzen – denn zu einer emanzipatorischen Politik gehört beides: Der Schutz vor und der gut nach außen vermittelte Angriff auf Repression!

a. Angst vor Überwachung

Oft führt bereits die Erwartung von Überwachung in Form von Wanzen oder Spitzeln zu Einschränkungen der Vernetzung, der Tranzparenz usw. Soziale Kontakte in politischen Gruppen werden eingeschränkt, was Dominanzen und Unsicherheit fördert. Der Staatsapparat tut also nichts, außer die Gewissheit zu streuen, daß es den Verfassungsschutz, den Staatsschutz, Überwachung usw. gibt - und erzielt damit Wirkung: Konspirativität statt Tranzparenz. Veränstigung statt Kreativität. Dominanz statt Offenheit. 
Wichtig ist daher das Abwägen zwischen den tatsächlichen Risiken und dem Nutzen in  Form von mehr Menschen die informiert und aktiv sind. Zum Beispiel die Frage was die staatliche Seite mit den Informationen tatsächlich anfangen könnte oder in wieweit mehr Personen die Aktion bereichern würden.
Gefahr „von oben“: Konspirativität kann Dominanzen massiv steigern, wenn Strukturen auch innerhalb der Gruppe nicht mehr gleichberechtigt einsehbar und Informationen zugänglich sind. Zudem fördert Konspirativität die Gefahr der Bespitzelung: In einer anonymen und ernsten Atmophäre fällt es besonders leicht sich bedeckt zu halten und genau heraus zu filtern was geplant ist.
Chance „von unten“: Eine politische Gruppe muß auch eine soziale Gruppe sein – also mit der direkten Beziehung zwischen Menschen, mit Offenheit und dem Willen zur Gleichberechtigung. Das kann Ängste abbauen. Wer den Umgang mit Repression diskutiert, Handlungsmöglichkeiten auslotet und trainiert, baut einen Teil der Angst und Unsicherheit ab. Ständige Konspirativität zerstört Vertrauen, hemmt Aktivität und Kreativität. Davon unabhängig ist, daß bei bestimmten Aktionen keine Transparenz möglich ist – das aber ändert nichts daran, daß eine emanzipatorische politische Bewegung grundsätzlich offen, gleichberechtigt und in direkter, sozialer Interaktion organisiert sein soll.

b. Angst vor schlagenden Bullen, Strafen und dem „längeren Hebel“ der Justiz

Keine Frage, diese Angst ist begründet und nachvollziehbar. Manchmal verbergen sich dahinter aber ein übertriebenes Bild der Gesetzeslage und Horrorgeschichten, oft aber auch die Unsicherheit und Angst vor Bullen, Knästen usw. sowie fehlende Ideen und Übung, damit umzugehen.
Wichtig ist es zum einen, die eigenen Rechte und Möglichkeiten  zu kennen (wielange muß ich höchstens in Gewahrsam sitzen, wie bekomme ich Kontakt nach außen ...) und diese gegenüber der Polizei o.ä. auch klar zu vertreten. Zum anderen hilft, auch weiter die Inhalte, die mensch mit der vorangegangenen Aktion transpotieren wollte, deutlich zu machen. Zumindest Festnahme, Kontrollen, Personalienaufnahme oder Gerichtsprozeß laufen öffentlich und sind somit weiter Teil der Aktion. Selbst auf dem Polizeirevier oder im Knast können weiter Inhalte vermittelt werden – sie erreichen andere Gefangene und helfen einem selbst, sich nicht vollständig handlungsunfähig und ausgeliefert zu fühlen. Politische Vermittlung und Antirepression haben aber nichts mit Aussagen zu tun. Die Fragen der Bullen können höchstens Anlaß sein, eigene Themen zu setzen, niemals dagegen sollten „Anna und Athur“ Namen, Tathergänge schildern, über sich oder andere reden usw. Doch das schränkt kaum ein – vom antistaatlichen Lied, Brecht- oder Mühsam-Gedicht bis zu lautem Nachdenken über das beschissene Leben von Bullen in der Herrschaftsstruktur ist alles möglich. Oder einfach Blödsinn: Die laufende Waschmaschine oder der hungernde Hund zuhause (am besten, wenn mensch sowas gar nicht hat!).
Gefahr „von oben“: Kreative Antirepression, also der offensive Umgang mit den Organen der Repression, darf nicht zu Leichtsinn führen. Bullen und Spitzel trainieren Verhörmethoden. Es gibt „gute“ und „böse“ Bullen. Beide wollen Dich für sie gewinnen. Daher: Klar eine eigene Strategie durchziehen (am besten vorher in der eigenen Gruppe üben – und immer wieder hinterfragen), sonst aber lieber schweigen! Schweigen ist immer richtig! Antirepression soll die Handlungsmöglichkeiten erweitern, mehr vermitteln – aber das Schweigen bleibt als Möglichkeit immer da! Kreative Antirepression verstärkt Dominanzen und die Gefahr der Kriminalisierung, wenn scheinbare „HeldInnen“ andere zu Experimenten verführen, ohne das eine politische Auseinandersetzung und das Training stattgefunden haben. Zudem kann Antirepression im Einzelfall Aggressionen bei Bullen oder RichterInnen schüren. Das muß Teil der Trainings und Diskussionen sein – in gut überlegten Fällen kann das sogar gewollt sein.
Chance „von unten“: Trainings und Diskussionen zu Antirepression helfen, sich handlungsfähig zu machen, sich  immer der eigenen Position gewiss zu sein und diese zu artikulieren. „Ich bin hier nur für einen begrenzten Zeitraum, die staatliche Seite ist in den Strukturen gefangen“ kann auch mental befreiend wirken gegenüber der ausschließlichen Reduzierung auf das schweigende Opfer von Repression. Wichtiger aber ist noch die Chance, Repression selbst zum Ausgangspunkt politischer Arbeit zu machen

c. Repressionsschutz

Wichtig sind die Rechtshilfestrukturen wie Ermittlungsausschüsse (EAs) oder die dauernde politische Arbeit z.B. von Roter oder Bunter Hilfe. Seminare, Vorträge, direkte Beratung und Mitwirkung in Vorbereitungsgruppen von Aktionen sind sinnvoll, um Hilfestellung zugeben und die Agierenden zu stärken. Hinzu kommen finanzielle und juristische Unterstützung sowie das Wissen, daß nicht alleine mit der Repression klar kommen muss. 
Gefahr „von oben“: Wenn Repressionsschutz intransparent erfolgt und die, denen die Hilfe gilt, in Abhängigkeit beläßt statt ihnen Handlungsmöglichkeiten und Solidarität zu vermitteln, werden Dominanzen verstärkt. Dieses ist zur Zeit immer wieder Praxis des Repressionsschutzes – z.B. in der Reduzierung auf Anweisungen, Hinweisen für „richtiges“ Verhalten und der Weitergabe einer Telefonnummer ohne genaue Information, was dahintersteht. Das bringt die AktivistInnen in ein doppeltes Ausgeliegertsein – dem Staat und der Hilfe von „irgendwo da draußen“ gegenüber. Noch schlimmer wird das, wenn Solidarität und Hilfe selektiv sind, also AktivistInnen nicht mehr sicher sein können, ob sie solche erhalten – z.B. weil sie ungeliebten politischen Strömungen angehören. Viel schlimmer als die intransparente, nicht die Handlungsmöglichkeiten der AkteurInnen selbst stärkende Form des Repressionsschutzes ist kein Repressionsschutz. Vor allem große NGOs, die zudem meist staatsorientierte Positionen vertreten (und damit die repressionsausübende Instanz bejahen), informieren ihre AktivistInnen oft gar nicht zu diesem Thema.
Chance „von unten“: Repressionsschutz gehört zu einer widerständigen politischen Bewegung dazu. Die Menschen, die sich um solchen kümmern, sind wichtiger Teil des Ganzen. Wenn sie sich als solche auch in den Aktionsvorbereitungen bewegen, können sie viel dafür tun, daß Vertrauen entsteht und Menschen selbstbestimmt entscheiden können, welche Aktionen sie umsetzen wollen. Daher sollten sich Rote und bunte Hilfe sowie alle anderen, die sich um Repressionsschutz kümmern wollen, offensiv in die Diskussionen um Aktionen einbringen, direkte Kontakte knüpfen und direkte Rücksprachen mit Aktionsgruppen schon vor den Aktionen treffen. Das setzt Vertrauen voraus – und das wiederum entsteht nicht allein über eine Telefonnummer auf dem Unterarm.

d. Trainings, Infrastruktur und Diskussionen für den Umgang

Den Umgang in Verhören, im Gerichtssaal, bei der Festnahme usw. sollte mensch trainieren und diskutieren, z.B. auf Camps, in Seminaren und Basisgruppen, Freundeskreisen, AKs usw. Das alles sind eine gute Gelegenheiten, sich Methoden anzueignen und sich selber auszutesten. Bei Aktionen können Info- und Trainingscenter/-treffpunkte geschaffen werden, wo Menschen vorher und währenddessen üben können, Informationen über Aktionsmöglichkeiten, die Örtlichkeit (Stadtpläne mit Markierungen), Rechtshilfe, Anlaufpunkte usw. bekommen. Auch hier gilt wieder, daß Transparenz hilft, Konspirativität viele Menschen in der Ohnmacht beläßt und Dominanzen stärkt.
Gefahr „von oben“: Trainings dürfen nicht zum Machbarkeitswahn verleiten, außerdem wäre eine ausschließliche Fixierung auf den Umgang mit Repression stark einschränkend für die politische Arbeit.
Chance „von unten“: Mit den Möglichkeiten, die Subversion, Vermittlung, passiver Widerstand usw. bieten, können Repressionsmaßnahmen zur zweiten Aktion (nach der Aktion, die zur Repression führte) gemacht werden. Das bietet große Chancen, stärker Öffentlichkeit zu erreichen und gerade die hinter Castoren, Nazis, Banken, Abschiebungen usw. stehenden Macht- und Verwertungsinteressen zu genennen, also nicht beim Ein-Punkt-Bezug stehen zu bleiben. Die Repression ist eine Attacke der institutionalisierten Herrschaft auf die Kritik in der Sache – sie offenbart daher die Interessen, die hinter dem Kritisierten stehen. Das ist eine Riesenchance! Kein Bullenübergriff, keine Verhaftung, kein Prozeß und kein Tag Knast sollten mit ungenutzt vorübergehen. Sie bieten Ansatzpunkte für grundlegende Kritik und sogar für die Vermittlung von Visionen, denn wer Bullen und Knast ablehnt, wird auch insgesamt eine herrschaftsfreie Gesellschaft wollen!

e. Repressionsstrukturen und –maßnahmen angreifen

Nötig ist ein politischer und offensiver Umgang mit Repression, in dem auch der staatliche Repressionsapparat als solcher kritisiert wird, da dieser die herrschenden Verhältnisse mitproduziert und stabilisiert. Der Angriff auf Repression kann nicht nur dann erfolgen, wenn wir selbst betroffen sind. Knäste, Gerichte, Bullen, Überwachung, Ordnungsbehörden und Abschiebung sind immer grausam und Symbole einer herrschaftsförmigen Gesellschaft. Sie anzugreifen, kann Macht symbolisieren – in Einzelfällen (Befreiung von Abschiebehäftlingen u.ä.) sogar Menschen direkt helfen.
Gefahr „von oben“: Offensive Antirepression würde, wenn sie tatsächlich breiter stattfindet, Reaktionen zeigen – und zwar auch seitens der Staatsmacht, die keine Lust hat, wenn ihre VS-Kontaktbüros in den Städten auffliegen (alle MitarbeiterInnen auf Fotoplakaten, die Büros und Autos ständig per Farbbeutel markiert ...), Bullenfahrzeuge platte Reifen oder Buttersäure im Kühlergrill haben, Gerichtstüren zugeklebt oder Wände verziert sind, Prozesse zu politischen Aktionen werden sowie Knäste mit Bildern und Parolen, Blockaden und Aktionen in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte gezerrt werden. Diese Zuspitzung von Repression muß bedacht werden, ohne sich dadurch einschüchtern zu lassen. Denn die Reaktion des Staates ist auch ein Zeichen, daß es ihm wehtut – und das ist, wenn verbunden mit öffentlicher Vermittlung, schließlich ein Ziel.
Chance „von unten“: Repressionsstrukturen sind eines der offensichtlichsten Merkmale von Herrschaftssystemen. Hier wird deutlich, daß Herrschaft nicht auf Akzeptanz und Zustimmung baut, sondern Kontrolle und Unterdrückung braucht – auch und gerade in der Demokratie, wo der Mythos gestreut wird, die Regierung handele im Auftrag der Menschen. Tatsächlich ist sie die Elite des „Volkes“ – und Volk ist ein Konstrukt, daß von oben organisiert ist und bestimmt ist. Die Menschen müssen über ökonomische Abhängigkeit, mentale Zurichtung und Repressionsdrohung und –anwendung zu Rädchen im System geformt werden. Der Angriff auf diese zentralen Orte der Herrschaftsausübung (neben Repressionsorgane und Behörden noch Schulen, Unis, Betriebe, Arbeitsämter, Militär usw.) eröffnet Debatten, die über Ein-Punkt-Bezüge hinausgehen und visionäre Ziele vermitteln können. Das ist eine große Chance, eine Ausdehnung von Aktionen auf diese Ziele für eine emanzipatorische Politik sehr wichtig.

f. Antirepression und neue Interessierte?

Politische Arbeit soll so angelegt sein, daß sie offen ist, daß mehr Menschen aktiv werden können, daß Befreiung zu einem Prozeß mit immer mehr AkteurInnen wird. Kann kreative Antirepression dazu beitragen?
Gefahr „von oben“: Wer neu in politische Zusammenhänge kommt, wird aktive Antirepression vielleicht als Überforderung wahrnehmen. Angst und Respekt vor Uniformierten sind vorhanden. Menschen, die scheinbar furchtlos diese symbolisch, subversiv oder direkt attackieren, könnten so wirken, als würden sie „in einer anderen Liga spielen“. Zudem kann das Gefühl aufkommen, immer perfekt vorbereitet zu sein – was Vorsichtsmaßnahmen vergessen läßt. Selbstüberschätzung droht dann.
Chance „von unten“: Kreative Antirepression muß begründet, geübt und immer wieder reflektiert werden. Es geht nicht (nur) darum, immer „besser“ zu werden, sondern auch solche Aktionsformen zu einem Teil selbstbestimmter Politik zu machen. Wer sich Handlungsmöglichkeiten aneignet, kann Ängste überwinden und Selbstvertrauen gewinnen. Kreative Antirepression z.B. in Gerichtssälen oder bei Festnahmen/Kontrollen bietet zudem auch für die AkteurInnen die Chance, sich mit Visionen jenseits vom Staat auseinanderzusetzen – angesichts der weitverbreiteten Rufen nach mehr Repression (härtere Strafen für Nazis und Vergewaltiger, internationaler Strafgerichtshof usw.) und damit mehr Herrschaft wäre das eine wichtige Debatte. Die visionäre Debatte kann dabei auch Menschen aus der unreflektierten Gefolgschaft staats- und herrschaftsbejahender Gewerkschaften, Kirchen, NGOs und Parteien bzw. der reinen Zuarbeit für zentrale Kader- und Aktionsgruppen herausholen und sie für eine emanzipatorische Politik gewinnen. Wichtig ist in jedem Fall, neuen AkteurInnen die Möglichkeiten von kreativer Antirepression UND Repressionsschutz transparent zu machen (Seminare, Trainings, Infoveranstaltungen, Broschüren usw.).

2.9 Angst vor Vereinzelung, Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Offenheit

"Linke" Gruppierungen haben oft was von "Ersatzfamilie". Ansonsten aber drücken sich die meisten um wichtige (Drecks-) Arbeit. Die Gruppe als solches bleibt unter sich, mit neuen müsste mensch sich ja Mühe geben. Das führt dazu, dass politisch Interessierte auf einer langen, mühseligen Suche sind, bis sie einen Zusammenhang finden, der zu ihnen und zu dem sie passen. Die politische Arbeit der Gruppe auf der anderen Seite wird wie Briefmarkensammeln betrieben. Wenn mensch mal Zeit und Lust hat, gibt mensch sich Mühe, auch mit der Zuverlässigkeit und Anwesenheit. Sonst ist das Treffen vor Allem ein lustiger Kaffeeklatsch, am besten im Hinterzimmer vom Infoladen: so findet eineN niemensch, die Gruppe plant nichts konkretes, auch sonst passiert nix, aber mensch fühlt sich wohl. Gut, das ist jetzt ein krasses Klischee. Viel anders geht es in vielen Vereinigungen aber tatsächlich nicht ab. Professionelle, große Organisationen haben dafür natürlich ihre eigenen Lösungsideen.

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

2.10 Kommunikation

Nicht statt findende oder falsch laufende Kommunikation in der Gesellschaft, aber auch in "unseren" Zusammenhängen, wird immer wieder als Problem benannt - bei genauerem Hinsehen mit vielen verschiedenen Hintergründen: Das Verhalten in Diskussionsrunden ist oft sehr mackerhaft geprägt, das heißt, sie folgt patriarchalen Sieg-Niederlage-Logiken ("jemanden platt machen" usw.), es geht ums Gewinnen, nicht um produktiv-inhaltlichen Austausch. Zu oft geht es gar nicht um Meinungsaustausch, Debatte oder Ähnlichem, sondern um die Wirkung im (schweigenden) Publikum; eine "Arenaatmosphäre" entsteht, die ganze Diskussion verkommt zu einem "verbalen Schwanzvergleich".
Dazu kommen vielfach belehrungsartige, von oben herab sehende Kommunikationsformen, Dominanzrhetorik - vor allem gegenüber Frauen, Jüngeren und neuen Leuten, denen z.B. auf Plena immer wieder mit Arroganz und Selbstüberlegenheit begegnet wird. Die Neigung, mit vermeintlich objektiven Wahrheiten und "Wir"-Konstruktionen zu reden, entpersonalisierten Formeln und Verallgemeinerungen ("man" sollte...) verschleiern den subjektiven Charakter der eigenen Beiträge und machen diese unangreifbar. Monologe, bewusstes Unterbrechen und das unsensible Nicht-Eingehen auf einander verhindern gleichberechtigte Prozesse und sind auch persönlich belastend.
Kommunikation hat viele Ebenen und Facetten. Es geht mit Nichten immer nur um den Inhalt geleisteter Redebeiträge. Die Form, wie diese vorgetragen werden kann davon nicht getrennt werden, ist sie doch ausschlaggebend für die Bereitschaft anderer, den Inhalt überhaupt für sich anzunehmen, dem/der Redenden überhaupt zuzuhören. Dazu gehören der Tonfall, die Lautstärke, die Stilmittel "Zynismus und Sarkasmus zum Beispiel können sehr verletzende, der Erniedrigung anderer dienende Stilmittel sein - die Mimik und Gestik und eine Reihe anderer Faktoren, die Kommunikation beeinflussen. Zusätzlich zu dieser formalen und der inhaltlichen Ebene existiert auch noch die emotionale Ebene, die sich sowohl auf das emotionale Verhältnis zwischen SenderIn und EmpfängerIn, wie auch auf das Verhältnis der beiden beteiligten KommunikationspartnerInnen zum transportierten Inhalt bezieht. Wichtig anzumerken ist vielleicht, dass Kommunikation auch auf non-verbaler Ebene stattfindet, was berücksichtigt werden sollte - etwa bei Sitzanordnungen.

a) Lösung von Oben:
b) Lösung von Unten:

Grundsätzlich sollte die Begegnung aber mit einem Gefühl von "Gleichmut" geschehen. Gleichmut zu haben, bedeutet nicht seiner/ihrerseits wiederum nun SiegerIn zu werden, sondern zu versuchen, die Position des/der anderen zu verstehen, auch seine/ihre eventuelle Wut bzw. den Anlass seiner/ihrer Aggression mit-zu-fühlen, um dann aus dieser Position heraus - mit Verständnis für des/dies/das andereN - die Situation zu überwinden. Gleichmut bedeutet ausgeglichen sein, Mitgefühl zu pflegen und ruhig zu bleiben. Das ist manchmal ganz schön schwer, aber Du kannst bestimmt erleben, wie viel weniger anstrengend Kommunikation - auch Streit und Diskussion - wird, wenn die Eskalationsspirale in der Kommunikation aufgehalten wird. Eine Möglichkeit, Verständnis und Ausgeglichenheit zu transportieren, dem/der anderen fühlen zu lassen, dass Du Dich um Mit-Gefühl bemühst, kann Körperkontakt sein. Je nachdem., wie gut ihr Euch kennt, kannst Du den/die AggressorIn kurz am Arm oder auf der Schulter berühren, in den Arm nehmen oder an den Händen fassen. Du solltest hier vorsichtig sein, nicht die Grenzen des/der anderen zu überschreiten. Ob und in wiefern Du Körperkontakt aufnimmst, hängt stark mit Deiner Beziehung zu Deinem/r Gegenüber und der Situation zusammen.
Es geht  nicht um Harmoniesucht, erzwungene Friedlichkeit oder "wir lieben und doch alle" Mentalität. Es geht darum, die Dominanzen und Schwierigkeiten von Kommunikation zu sehen, zu analysieren und zu überwinden - auf emanzipatorische Art. Unsere Kommunikation ist - wie unsere anderen Lebensbereiche auch - von patriarchalen und kapitalistischen Logiken durchzogen. Streit , Kritik und Diskussion sind notwendig und wichtig. Sie sollten aber jenseits von "Kampf" oder "Verwertung" stattfinden, wenn wir einen emanzipatorischen Umgang miteinander pflegen möchten.
Wie die Problematik von Kommunikation nach außen / innen vermittelt werden kann (außer Direkter Intervention und Kommunikationsguerilla), bleibt momentan eine offene Frage, da der Appell, die Gruppen sollen das irgendwie machen, noch nie funktioniert hat. Vermutlich wird es notwendig sein, Konferenzen, Seminare und Trainings zum gesamten Organisierung von Unten Komplex zu veranstalten. Allerdings ist es immer ein Anfang, wenn diejenigen, die dieses Papier lesen oder an seiner Weiterentwicklung interessiert oder schon beteiligt sind, versuchen, diese Ansätze bei sich selbst zu verwirklichen ( was immer nur ein Prozess ohne endgültiges Ergebnis sein kann) und in das eigene Umfeld zu tragen. Die Erfahrung hat bereits gezeigt, wie heilsam Kommunikationsinterventionen auf Bündnisplena sein können. Es handelt sich dabei um einen mühsamen Akt des immer wieder Bewusstmachens, wie wir alle uns gerade verhalten. Der lohnt sich jedoch, weil in einer verbesserten Kommunikationsatmosphäre, auch die besseren Inhalte transportiert und somit bessere Beschlüsse gefasst werden.

3. Abschließendes und konkrete Pläne zur Umsetzung

Auf mehreren Treffen haben einzelne Menschen aus dem Hoppetosse Zusammenhang dieses Papier erarbeitet. Dabei haben wir versucht, uns auch konkrete Projekte auszudenken, die wir uns vornehmen wollen oder die wir anderen zur Verwirklichung vorschlagen möchten. Dieses Protokoll ist nichts weiter als ein Ansatz. Es muss ständig erneuert und erweitert und an der Praxis überprüft werden. Neue Erfahrungen sollten miteinbezogen, Punkte in Diskussionen Verändert werden. Es wird von einzelnen Hoppetossies immer wieder zu Treffen aufgerufen werden. Wir laden ausdrücklich alle Menschen, die sich für dieses Projekt und seine Verwirklichung interessieren, ein, mitzumachen. Dieses Projekt wird niemals beendet sein, auch nicht nach einer Revolution.
Alle Kritik an Organisationen, Gruppen und Personen, die in diesem Papier vorkommt, ist solidarisch gemeint und soll dazu dienen, die kritisierten und allen LeserInnen zu einer Reflexion über ihre Strukturen und ihre Arbeitsweise anzustoßen. Wir möchten Alternativen aufzeigen und Auswege aus verfahrenen Situationen aufweisen. Wir haben eine Vision , die herrschaftsfreie Gesellschaft, und wir möchten für sie kämpfen, sie leben und sie hörbar und sichtbar machen. Eine andere Welt ist möglich - sie fängt heute in Dir an. Vieles muss anders werden, neu werden, in der "Linken", damit es nicht nur weiter geht, sondern vorwärts. Die Linke bist Du, erneuere Dich.
Unsere konkreten Pläne stellen wir nun hier vor. Updates und mehr Infos zu diesen und auch sonst allem unter www.projektwerkstatt.de/hoppetosse und auf der Mailingliste "hoppetosse".

Konkrete Vorschläge

Buchprojekt(e) zuDirekter Aktion und Repression
Titel Direct Action KalenderWir wollen ein Buchzu kreativem Umgang mit Gerichten, Gefängnis und Verhören machen - einmal als Tipps, zum anderen mit Interviews und Berichten mit Leuten,die schon mal in den Klauen der Repressionsbehörden mit kreativenMitteln (vielfältig Angreifen statt eingeschüchtertes Schweigen&Rechtstaktieren)einen Prozeß, einen Bullenkontakt oder sogar Knastaufenthalte zueiner politischen Aktion gemacht haben.
Eventuell kann dasGanze auch als Kapitel in einem umfangreichen (nötigen!) Buch zu kreativemWiderstand und direkter Aktion erscheinen.
Die einzelnen Kapitelund Texte sollen auch auf den Seminaren (siehe nächster Absatz) diskutiertund weiterentwickelt werden.
Nachtrag 2005: Etliche neue Bücher entstanden ...

Seminare, Veranstaltungen usw.
Wir wollen Seminare und Veranstaltungen zu Themen wie "Selbstorganisierung in Alltag und Politik", "Direkte Aktionen", "Kreativer Umgang mit Repression", Presse-/Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung/materielle Ressourcen, Mitmischen in Bündnissen und Netzwerken, Zeitungmachen usw. organisieren. Als Modell haben wir im Kopf, daß Basisgruppen, die an einem Thema interessiert sind (also sich Wissen auch selbst aneignen wollen) überlegen können, ob sie den technischen Rahmen organisieren (Unterkunft, Räume, Verpflegung, Einladung usw.) und überregional nach ReferentInnen u.ä. gesucht bzw. zusätzlich dort geworben wird.
Nachtrag 2005: Seminar- und ReferentInnenangebote hier ...

Direct-Action-Koffer
Wir haben über einen "EinsteigerInnen-Koffer" geredet mit Aktionsmaterial und "anleitungen. Näheres verschweigen wir ... er kann über Büchertische und Zentren vertrieben werden.

Mitwirkung in Bündnissen
Wir halten es für nötig, in Bündnissen mitzuwirken. Organisierung von unten widerspricht aber Vertretungsprinzipien. Andererseits wollen wir klar Flagge zeigen mit emanzipatorischen Positionen, Entscheidungsfindungsverfahren "von unten" und kreativen Aktionsideen. Daher machen wir im Hoppetosse-Netzwerk folgenden Vorschlag: Wer (als Einzelperson oder Gruppe) zu einem Bündnistreffen (z.B. Vorbereitung für Aktionen, inhaltliche Bündnisse usw.) fährt, kann dort auch sagen, zum "Hoppetosse-Netzwerk" zu gehören (allerdings nicht für dieses oder die Leute dort zu reden und zu entscheiden!!!), wenn die Person oder Gruppe das vorher auf der Mailingliste ankündigt und Anregungen zum Einbringen in das Treffen sammelt (und die auch einbringt unabhängig von der eigenen Meinung dazu - allerdings eben immer als Meinung der absendenden Gruppe/Person, nicht der tatsächlich zum Treffen gehenden) sowie anschließend auf der Mailingliste von den Ergebnissen berichtet.
Ziel ist, auf solchen Treffen emanzipatorische Positionen einzubringen, damit einerseits politische Arbeit verändern, andererseits aber auch (z.T. im Streit mit NGOs, autoritärer Linker, DominanzlerInnen usw.) neue Kontakte schließen.

Nachtrag 2005: Nach den verheerenden Wirkungen der Besuche bei Bündnistreffen mit der Forderung nach Dominanzabbau gibt es zur Zeit keine Versuche mehr, an Bündnissen mitzuwirken. Neben hierarchischen Veranstaltungsformen sind auch etliche Rauswürfe, Ausgrenzungen usw. zu verzeichnen gewesen.
Beispiele:

Neues Zeitungsprojekt
Hauptzeitung: Ziel ist eine neue Zeitung in einer kompletten thematischen Breite, deren Kern kreativer Widerstand und emanzipatorische Positionen/Visionen sind. Organisatorisch könnte es so aussehen:
Autonome Themenredaktionen z.B. zu "Umweltschutz von unten", "Gender/Queer/Feminismus ...", "Kreativer Widerstand, Strategien, Direkte Aktion", "Antira/Antifa ...", "FreiRäume/Kommunen/Betriebe ..." oder irgendwie anderes aufgetreilt, z.B. mit je 2-4 Seiten und immer verbunden mit einer Internetseite, wo dann eine Übersicht über weitere Texte, Links usw. zu finden ist.
Regionale UnterstützerInnengruppen (Verteilung, Verkauf, Mitfinanzierung, Mitarbeit).
Regionale Einlagen (Regionalzeitung einlegen und Etikett auf Titel "Mit ... aus ..." u.ä.)
Sonderhefte: Als Sonderausgabe der neuen Zeitung erscheinen zudem zu großen Aktionen oder besonderen Kampagnen Mobizeitungen "von unten". Das Prinzip der Mobilisierungszeitungen mit Regionalausgabe (z.B. 4 Seiten, davon 1-2 regional einschließlich Titel), vor allem vor den Anti-Expo-Aktionen erfolgreich umgesetzt, danach wieder "vergessen" (welch Rückentwicklung von politischen Gruppen auf Zentralismus und Nebeneinander!) bzw. rudimentär versucht (Genua-"BewegungsmelderIn") sollte "kultiviert" und als Mindeststandard in Zukunft immer wieder erreicht werden. Wenn es zum Projekt einer neuen Zeitung gehört, kann das erreicht werden.
Nachtrag 2005: Als neue Zeitungsidee ist "Fragend voran ..." entstanden und das erste Heft erschienen (Thema: Herrschaftsfrei wirtschaften).

Projekt "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen"
Nach dem Buch "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen" will die Gruppe Gegenbilder nun einen neuen Anlauf nehmen zu weiteren Schritten. Die gesamte Arbeit soll als transparenter und offener Prozeß vollzogen werden. Gesucht sind Menschen, die mitwirken, mitdiskutieren und Texte entwickeln wollen - auch Gruppen! Erstes Ziel ist ein neues Buchprojekt - eine umfassendere Abhandlung gesellschaftlicher Visionen ... Startpunkt soll ein Workshop auf dem nächsten Oekonux-Kongreß im November sein.
Infos:

Buchreihe „Strategien politischer Organisierung“

Markt und Staat erdrücken mit ihrer Mischung an innerer Sicherheit, militärischer Außensicherung und modernen Integrations- und Manipulationstechniken fast alle Alternativen. Immer mehr politische AkteurInnen lassen sich auf den Deal mit Konzernen und Staat, mit Markt- und Herrschaftslogiken ein. Visionäre Entwürfe, klare Vermittlung von Kritik und Alternativen fehlen.
An diesem Punkt setzt die neue Reihe an: Messerscharf werden politische Organisations- und Aktionsformen auf ihren emanzipatorischen Gehalt, ihre Abhängigkeit von Staat und Markt, ihre Bezüge zu rechter Ideologie oder neoliberalen Konzepten durchleuchtet. Reihenweise fallen Kampagnen und Gruppen durch – immer wieder sind sie nichts als nützliche Idioten im großen Spiel um Macht und Geld. Doch die Bücher bleiben nicht stehen bei der Kritik. Neue Konzepte, Ansätze von Organisierung und politischer Vermittlung werden aufgezeigt und diskutiert – praxisnah und doch auf einem hohen Niveau emanzipatorischer Theorie.

1. Band: Reich oder rechts?
Umweltgruppen und NGOs im Filz mit Staat, Markt und rechter Ideologie
Umweltschutzverbände, -gruppen und –parteien sind die Beispiele einer präzisen Untersuchungen: Wer vertritt welche Konzepte, erhält welche Gelder? Wie wird eine geschlossene Linie durchgesetzt, welche SpitzenfunktoinärInnen haben welche Parteibücher in der Tasche? Welche direkten Verbindungen zu Parteien, Konzernen, esoterischen oder rechten Gruppen bestehen? Daten, Fakten und Hintergründe zu Organisationen, deren Glaubwürdigkeitsgetue oft genug Strategie ist, um Politik und Wirtschaft mit einem grünen Mäntelchen zu versorgen.
A5, 300 Seiten, 22,80 Euro +++ Mehr hier: "Reich oder rechts"

2. Band: Nachhaltig, modern, erfolglos?
Staats- und Marktorientierung aktueller Konzepte von Agenda 21 bis Tobin Tax
Aktuelle Vorschläge aus politischen Gruppen werden auf ihre Wirksamkeit untersucht. Die Herrschaftsfrage wird gestellt: Steigern die Vorschläge Macht- und Ausbeutungsverhältnisse?
A5, Seiten, Euro (erscheint im Juli 2002)

3. Band: Zentralistisch? Instrumentell? Oder „von unten“?
Vergleichende Betrachtung politischer Organisierungsformen
Beschreibung und Gegenüberstellung verschiedener Modelle politischer Arbeit – von zentralistischen Apparaten über Netzwerke bis zu Autonomiekonzepte und kreativer „Organisierung von unten“. Schwerpunkt sind aktuelle Versuche und Debatte – verbunden mit historischen Hintergründen und Entwicklungen der verschiedenen Ansätze und Erfahrungen.
A5, Seiten, Euro  (erscheint im Herbst 2002)

Weitere Bände ab 2003

Vorschläge aus dem Treffen vorher (hier nachrichtlich übernommen)

Eigene Pressearbeit bei Aktionen
Im Vorfeld zu größeren (gemeinsamen) Aktionen eine Pressekontaktstelle schaffen (Telefon, Adresse, Handy, Fax, Email, Erreichbarkeit, Liste von InterviewpartnerInnen und Fachmenschen) und mit Materialien ausstatten. Diese aktiv an MedienvertreterInnen herantragen. Die Pressestelle redet nicht für alle, sondern vermittelt, leitet weiter, ist „nutzbar“ für die AkteurInnen draußen usw.

Bestehende Zeitungen und Medien nutzen
Es wäre gut, wenn systematischer Infos über „linke“ Medien gestreut werden. Diese totale Fixierung auf Indymedia ist daneben. Nichts gegen Indymedia, aber Bewegung kann sich nicht auf Internetseiten und Mailinglisten reduzieren. Statt neuer Projekte könnten verschiedene AkteurInnen/Gruppen zu bestehenden Zeitungen Kontakt halten und diese so auch in den Organisierungsprozeß hineinziehen.

Gezielt Gruppen und Zusammenhänge informieren und gewinnen
Ob Einzelkontakt oder das Fahren auf Kongresse – immer lassen sich Basisgruppen und AkteurInnen für die Idee der „Organisierung von unten“ gewinnen. Da eine solche Organisierung in keiner Konkurrenz zu Verbänden u.ä. steht, ist es nicht das Ziel, „abzuwerben“, sondern zusätzlich für diesen Ansatz zu gewinnen. Dabei bilden die politischen Positionen, die die Debatte prägen, den Rahmen – nicht Namen. D.h.: Antideutsche Gruppen sind willkommen, auch wenn da einige Führungscliquen faschistische Positionen vertreten. Attac-Gruppen sind willkommen, auch wenn ...

Aufruf zu einem kreativenProjekt für eine Bewegungszeitung & mehr
(vom vierten Organisierung-von-unten-Treffen,Ostern 2002 in Saasen)
Die Grundideen
Dieses Projekt entspringt dem „brainstorming“ für ein neues Zeitungsprojekt auf dem 3. Organisierung von unten – Treffen“ (siehe unter www.projektwerkstatt.de/hoppetosse und in den Einladungen zum „Februartreffen im April“). Folgende vier Punkte seien hier herausgehoben:

Das Startprojekt: Anti-Herrschaftszeitung (mit Mobilisierung Bundestagswahl, Rio+10, 11. September)

Nach dem Vorbild der Anti-Expo-Zeitung wollen wir versuchen, im Sommer eine Mobilisierungszeitung zu den politischen Aktionen im September und dazu passend mit Herrschaftskritik hinzubekommen. Gedacht ist an 12 Seiten Tageszeitungsformat mit:
- Titel: Titelschriftzug usw. regional, drei Texte zu Herrschaftskritik, Wahlboykott und Aktionszeitraum September.
- 3-5 Seiten mit Herrschaftskritik, Wahl-/Demokratiekritik und vielen, vielen AktionsideenZeitungstitel
- 2 Seiten neue „RandaleführerIn“ in der Mitte
- Eine Seite (Seite 8) ebenfalls möglich als Regionalseite
-Vorbild ist vor allem die Anti-Expo-Zeitung (hatte 8 Seiten und 11 Regionalausgaben!), vor Genua gab es eine "BewegungsmelderIn" mit immerhin 5 Ausgaben (siehe Bild).

Gesucht sind jetzt regionale Zusammenhänge, die dieses Projekt auch für sich nutzen und füllen wollen – also die Rückseite mit eigenen Texten, Terminen usw. füllen und einen Titel entwerfen, eine Auflage festzulegen (diese auch selbst zu finanzieren – Kostenvoranschlag wird noch eingeholt) und zu verteilen in der Region.
Ebenso werden Menschen gesucht, die an den überregionalen Seiten mitwirken wollen. Oder insgesamt für das Projekt Geld übrig haben, damit es für alle billiger wird.

Zeitplan:
- Redaktionsschluß für Texte der bundesweiten Ausgabe 15. Juni
- Am 25. Juni müssen die Regionalseiten (fertig layoutet) fertig sein.
- Druck und Zuschicken dann Ende Juni, rechtzeitig zum Semesterende und zu den Sommercamps

Zeitungstechnix:

Geliefert werden mußder 1. Farbteil des Titels. Vorschlag: Oberer Bereich mit Namen der Zeitungund eine Spalte für regionalen Text, Editorial usw. (Text ist dannauch farbig). Und 2. die komplette Rückseite.
Geliefert werdenmüssen komplett montierte Aufsichtsvorlagen (also ausgedruckt, belichtetu.ä.). Das ist auch deshalb sinnvoll, weil nur dann sicher ist, daß es 1:1 so wird, wie Ihr wollt.

Zur Druckvorlage::

Wichtig wäre, daßbei jeder Regionalausgabe eine feste Ansprechperson (mit Telefonnummer!)für uns da ist!!! Unsere Telefonnummern: 06401/903283 und ...(immer auch das zweite probieren, da in Saasen Funkloch ist!!!).

Kein Problem ist, direkt Kontakt aufzunehmen für technische Rücksprachen usw. Alle aktuellen Infos sind über www.projektwerkstatt.de/hoppetosse zu finden.
 

Und dann weiter:
Je nach Erfahrungen mit dieser Zeitung wird das Projekt langsam gestartet. Es wäre daher gut, wenn auch für die weitere Umsetzung Menschen überlegen, daran mitzuwirken – in der überregionalen Redaktion und/oder regional. Verpflichtungen gibt es nicht. Keine regionale Gruppe, die mitmacht, ist gezwungen, jede Zeitung auch regional mitzutragen. Sie kann es aber ...

Kontakt: Projekt „BewegungsmelderIn“, Projektwerkstatt, Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen, Tel. 06401/903283, saasen@projektwerkstatt.de

Weitere Ideen und Mails zur Zeitung ...

Zusätzlich sei auf das schon vorhandene Projekt "HierarchNIE" hingewiesen, das im Zusammenhang des Hoppetosse-Netzwerkes entstanden ist. Es setzt sich mit kreativen Gruppenmethoden und Entscheidungsfindung von unten auseinander (siehe unter www.projektwerkstatt.de/hoppetosse).

Viertes Treffen Organisierung von unten in Saasen - Reflexion des Treffens:

1. Eindrücke, Kritik,Lob
2. Daran anschließende Verbesserungsvorschläge für Folgetreffen
Bilder vom Treffen
Training zu Antirepression
Arbeitskreis mit Kochen
AK zu Wohnprojekt in der Projektwerkstatt mit Kids auf dem Spielplatz
AK "Wie weiter mit Hoppetosse?" im Seminarraum

Debatte auf Hoppetosse-Mailingliste (Auszüge)

Nachdem immer wieder die Diskussion um OvU an dem Moment abbreicht, wenns heisst, es gibt ja kaum welche, will ich gerade die Erfahrungen vermailen, die ich mit OvU gemacht habe. Das ist natürlich meine subjektive Erfahrung und durch meinen politischen Hintergrund geprägt, den ich dann im Zusammenhang mit erkläre. Und nachdem ich seit dem WTC-Anschlag ziehmlich ohnmächtig war und mich schlecht gefühlt habe, das Selbstvertrauen ziehmlich niedrig war (hatte auch was mit LR zu tun), mir hat die OvU echt den Kick gegeben.
Das in Freiburg entstandene „Widerstandskollektiv“ ist wahrscheinlich einer der „letzten Überlebenden“ dieses Projekts. Die ganze Sache ist direkt in der Genua-mobilisierung „eingeschlafen. Noch vor Semesterstart bei den ersten Friedensdemos haben sich 4 der AktivistInnen verabredet, dass ganz wieder nach dem Sommer in Gang zu setzen. Das erste Projekt, was wir in „Angriff“ genommen haben war eine selbstgebastelte Zeitung.  Wie haben wir das realisiert, dass es von unten war.  Wir sassen halt einfach zusammen, und jedeR hat vorgeschlagen, welche Themen er/sie in der Zeitung gerne hätte. Danach aufteilung der Artikel, wobei sich eigentlich jedeR an dem Bediente, was ihn/sie am meisten interessierte.
Meine persönliche Erfahrung fand ich sehr spannend, denn ich kenns halt aus dem LR (wo ich nicht mehr bin), dass es immer die Kombi erfahreneR GenossIn gibt, die zusammen ein Flugi entwerfen. Es war erstmal schwer für mich, den anderen Menschen aus der Gruppe, die noch nicht so lange Politik machen, einen guten Text über ein Thema, das wir noch nie diskutiert hatten zuzutrauen. Im LR hätte ich zum Beispiel einfach selber ein Interesse an dem Text angemeldet oder „vorgeschlagen“, den Text „gemeinsam“ zu schreiben. Habe ich aber zum glück nicht(denn die Artikel sind recht gut). Gleiches gilt auch für Themen, die ich für nicht relevant/vermittelbar hi Sehr interessant fand ich, wie sich eine Gesamtkonzeption ergeben hat.  Die deckte sich natürlich auch nicht mit meinen Vorstellungen, als Diktator hätte ich zum Teil andere Themen genommen, und da halt eine Diskussion angefangen ob das Sinn macht usw. und wahrscheinlich am Ende meine Meinung durchgesetzt.
Sehr gut war, dass wir keine Zeichenbegrenzung (aus mangelnder Erfahrung) eingeführt hatten. So konnte jedeR das formulieren und so viel schreiben wie er/sie Zeit, Lust und Kreativität hatte.  Dann Fertigstellungstreffen. Gemeinsam noch die Artikel durchgegangen und einge Stellen an Form und Inhalt verbessert. Was wiederum nicht hies, die eigen Poistion da allzusehr mit reinzunehmen. Das Beste war eigentlich das Lachen, wenn wieder eineR von uns eine allzucoole Formulierung kreiert hatte (und alle waren da sehr kreativ, richtig schön zu lesen).
Dann Bomben auf Afghanistan als wir gerade ans Layouten gehen wollten.  Schnell zu zweit einen Text geschrieben (da war durchaus Dominanz wieder eine Gefahr, denn irgndwie war Zeitdruck und an einer Computertastatur kann meist nur einer schreiben.
Zusammenfassend kann ich sagen, das Projekt als solches hat Spass gemacht. Wichtig war, nicht irgendwelche Entscheidungen zu treffen.  Natürlich musste irgend ein bestimmter Artikel auf die Seite 1. Aber das einfach ein bischen lockerer zu sehen, was halt passt, angesichts der Situation war klar, dass nicht was über Bildung auf der Vorderseite ist.  Und Form eines Artikels spielt auch eine Rolle, ein Text über eine ganze Seite macht sich ganz gut im inneren Teil der Zeitung. Die einzigen Regeln waren eigentlich die, die uns unser Layoutprogramm vorgegeben hat (und da haben wir ganz schön geflucht).
Was kam dabei raus? Also, das war dann eine 4 seitige Zeitung (DIN A 3, doppelseitig und gefaltet). Und nach all den Jahren im LR habe ich mal eine Zeitung verkauft, die „meine“ war, also Produkt meiner Kreativität und Tätigkeit im miteinander mit den anderen. Aber es lag nicht so sehr nur an meiner Begeisterung, dass wir am Einführungstag so viele von den Teilern verkauft haben. Es war auch, dass wir halt mehr die Stimmung der Menschen getroffen haben (*). Also, es sind 140 Stück wegegangen (mit LR wärens nach meiner Erfahrung weniger als 30 gewesen).  Noch was zur Finanzierung. Wir hatten da ja am Anfang grosse Skepzis, ob wir das durch Spenden finanziert bekommen. Wir haben halt nicht den alten LR-Stil gemacht mit Zeitung gegen 2 Mark Spende, sondern mit Spende zwischen 0 und 100 Mark (mehr nehmen wir aber nicht ;) ). Also die Teiler verteilt und jedeN gefragt, ob er/sie was Spenden will für unsere Kopierkosten. Da war mal ein: „Ich habe kein Geld.“ warauf ich gemeint habe: „Ist doch o.k.“ (hallo GratisökonomInnen). Und dann fands halt mal ein Mensch wichtig, und da waren 2 Mark. Das war echt cool, aus dem „verkaufen“ herauszukommen, in Praxis die Herrschaft des „Geldes“ in Frage zu stellen.
(*) Ich will mal was zum Layout von der Zeitung sagen. Der Linksruck wurde ja öffters als „Bild“ kritisiert, was ich persönlich für falsch halte. Die grossen Buchstaben auf der LR-Zeitung, dieses klotzig-starke war gut in einer Zeit, wo Pessimismus auf der Linken gepaart war mit real sehr schlechten politischen Bedingungen (Kohl usw.).  Wie sieht die Situation heute aus? Die antikapitalistische Bewegung ist in der Öffentlichkeit bekannt und wird wahrgenommen, sei es in den ganzen bürgerlichen Debatten über „Globalisierung“ oder durch die Proteste in Genua. Und sie wird (sowohl in der Friedensbewegung als auch an den Unis auf jeden Fall) als eine „Gruppe“ wahrgenommen, von der aus Antworten auf Fragen (z.B. Krieg) kommen. Das war das billige „Verkaufsargument“ für die Zeitung „antikapitalistische Zeitung gegen den Krieg“. Aber eben auch das „intelektuelle“ Layout mit „Bleiwüste“ auf Seite 1 hat damit was zu tun. Der Bildzeitungsvergleich bei LR enthielt ja vor allem das Argument, da steht wenig inhaltlich drin (immer gekontert mit: es ist eine Aktionszeitung & Ausserdem ist innen ja was anderes). Es ist die Wirkung nach aussen über die Titelseite, die LR immer richtig argumentiert hat, aber aktuell falsch umsetzt.

So, jetzt zum Schluss, ich bin gespannt, wieviele „neue“ Menschen auf das heutige Treffen von uns kommen.
Und an alle (ex) LR-lerInnen (und denen, die vor ähnlichen Fragen stehen): Kopf hoch, Organisierung von unten geht, wir brauchen keine „Massenparteien“. Es ist echt nicht so, dass du Ausserhalb der Organisation plötzlich nicht mehr so etwas wie eine Zeitung hinbekommst.  Du brauchst nicht neu anzufangen mit 50 Menschen und wieder 4 Jahre aufbauen, bis du an die 1000 bist. Das ist doch überhaupt nicht nötig.  „Politik für Menschen, nicht für Profite“ muss auch nach innen gelten.
Auch dir gegenüber, fordert das ein und realisiert es selber.
Vielleicht wirds ja bald wieder was mit menschenstattprofiten und widerstandskollektiven...
--
Die Revolution muss      sein!
Politik für Menschen, nicht für „Linien“!
Felix

Hallo,
habe leider nicht viel Zeit, aber da ich ja neulich eine Diskussion darüber angemahnt habe, will ich doch noch kurz was dazu beitragen.
Erstmal zu Felix: Das mit der Zeitung ist echt interessant.
Was macht mensch aber, wenn nicht so viel Platz zur Verfügung steht, also z.B. bei einem Flugi.
Also wir (u.n.i.) hatten neulich das Problem, dass wir uns als undogmatische Gruppe verstehen, es (mitunter) ein breites Spektrum an Meinungen (auch über den grundsätzlichen Charakter der Gruppe) gibt, wir keine wirklichen Entscheidungsfindungsstrukturen haben (also weder [Pseudo]demzent. noch langwierige „Konsensbildung“), aber ein Vorstellungsflugi brauchten - was sollte also darauf, wenn die Selbstdefinition der Gruppe sehr umstritten ist (war ein „Perspektivplenum“)? Letzlich haben wir doch noch wie aus heiterem Himmel eine alle Anwesenden zufriedenstellende Lösung gefunden (eine Person, die weg musste, schrieb deshalb ihre Gedanken auf, eine andere überarbeitete diese und das Resultat erschien allen als gut).
Aus der vorangegangenen Diskussion kann ich mich noch an folgende Vorschläge erinnern (von einem Gast gemacht), falls kein Konsens gefunden würde. Diese basieren darauf, dass unterschiedliche Meinungen ja auch positiv seien können und wir diese deshalb auch darstellen sollten:

Jetzt meine Fragen: Gibt es Erfahrungen mit diesen Methoden oder noch weitere Ideen, wie mit dieser Problematik umgegangen werden könnte?
li(e)bertäre Grüße
mich(A)el
 

Hallo!
> * versuchen, auf dem Flugi die verschiedenen Positionen darzustellen
Aber dann ist ers ja eigentlich sinnlos, eine Flugi herauszugeben. Oder soll das ein Beitrag gegen die Bildungsmisere werden. Interessant und politisch wird so ein Blatt doch dadurch, das es eine von einer Gruppe getragene Analyse und eine eigene Vorstellung von der Zukunft enthält.

> * öffentliches schreiben/diskutiern des Flugis, dabei könnten
> Anwesenden/
> Interessierten das Meinungsspektrum präsentiert werden und wir
> würden nicht
> im eigenen Saft schmoren
Kommt denn jemand zu so etwas. In der Regel muß es da doch erst diese „Dynamik“ (Luciano) geben. Habt Ihr die gerade, Massenmobilisierung?  Interessante Idee, aber der Wege zum Flugi als solchen dürfte sich beträchlich verlängern.

> Jetzt meine Fragen: Gibt es Erfahrungen mit diesen Methoden oder noch
> weitere Ideen, wie mit dieser Problematik umgegangen werden könnte?
Man kann die weniger spezifische Position vereinbaren, also die Analyse und die Forderungen weniger genau formulieren. Auf die Position, auf die man sich gerade noch gemeinsam einigen kann.
Mit solidarischen Grüßen
Einfreunddesmaquis

> Was macht mensch aber, wenn nicht so viel Platz zur Verfügung steht, also
> z.B. bei einem Flugi.
Ich halte ein Flugi nicht für das „Instrument“ inhaltlich die differenzierte/vielfältige Meinung einer Gruppe darzustellen. Einfach aufgrund des geringen Platzes können da entweder nur die Schlagworte/“Phrasen“ verschiedener Sichtweisen vorgestellt werden oder eine einzige Sichtweise.
Vielleicht ist es am besten, bei unterschiedlichen Positionen nur die Teile zu verwenden, die Konsens sind, oder eine Auszuwählen (z.B. über Losen - das zeigt wenigstens das es keine Vernünftige Entscheidung war).  oder natürlich:

> * versuchen, auf dem Flugi die verschiedenen Positionen darzustellen
Oder 2 Flugis? Dann geht aber auch schon fast ne Zeitung

> * öffentliches schreiben/diskutiern des Flugis, dabei könnten Anwesenden/
> Interessierten das Meinungsspektrum präsentiert werden und wir würden nicht
> im eigenen Saft schmoren
Wobei da natürlich wieder Domianzverhalten einwirkt, z.B. rethorische Fähigkeiten, Vorarbeit, Durchsetzungsvermögen...

> Wie gesagt, das war dann doch nicht nötig und zumindest letzterer Vorschlag
> schien uns auch aus Zeitgründen nicht machbar, aber interessant finde ich
> das doch.
> Jetzt meine Fragen: Gibt es Erfahrungen mit diesen Methoden oder noch
> weitere Ideen, wie mit dieser Problematik umgegangen werden könnte?
Erstmal, die Vielfalt als etwas positives zu sehen und die Gruppe zu „dekonstruieren“. EineR von uns fragte mal: Was halten „wir“ von Globalisierung (mensch merkt, wir definieren uns als AntikapitalistInnen). Also, das wir in „“.
Das heisst ja, dass viele Meinungen nebeneinander existieren können und ein Austausch stattfindet, so dass jedeR auch gute Ansätze der anderen für sich bekommt.
Und wir haben beim Treffen gestern(*) festgestellt, dass die Positionen, die wir auf unser Transpi für Samstag drauf malen werden, überhaupt nicht unseren Postionen entspricht. Einfach weils halt nur ein Transpi ist, also zwangsweise Plakativ, und weil die Positionen „vermittelbar“ sind, ich muss es konkreter bringen: die Forderungen nach Schuldenerlass und Faire Trade sind bei uns mittlerweile nicht mehr als pauschal richtig analysiert. Trotzdem bringen sie eine konkrete Alternative zur militärischen „Terrorbekämpfung“ bzw. zeigen auf was „Terrorismus bekämpfen heisst Armut bekämpfen“ konkret heissen könnte: „Schuldenerlass statt IWF“.
Tja, sind wir halt am Samstag ein bischen Schizophrän...
Also, es kann ja sein, dass die Gruppe einen Konsens schneller findet, wenn andere Bewertungskriterien in Betracht gezogen werden, wie eben „konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen“, „vermittelbarkeit“, „knappere Formulierung“, „Ästhetik“ (bei Transpi oder Plakatgestaltung).
Ich denke, die Vielfalt der Gruppe als Potential zu erkennen, heisst auch nicht überall seine Meinung präsent zu haben. JedeR von uns verzichtet ja auch darauf, alles was er/sie/es zu „Globalisierung“ zu sagen hat auch zu sagen, es würden halt Enzyclopedien entstehen...
--
Die Revolution muss      sein!
Felix

Hallo Felix,
[...]
> oder eine Auszuwählen (z.B. über
> Losen - das zeigt wenigstens das es keine Vernünftige Entscheidung war).
Ist aber nach außen nicht transparent, es sei denn, mensch schriebe auf das Flugi, das das eine ausgeloste Position sei. Fände ich aber seltsam ...  (weiter s.u.)

> > * öffentliches schreiben/diskutiern des Flugis, dabei könnten Anwesenden/
> > Interessierten das Meinungsspektrum präsentiert werden und wir würden nicht
> > im eigenen Saft schmoren

> Wobei da natürlich wieder Domianzverhalten einwirkt, z.B. rethorische
> Fähigkeiten, Vorarbeit, Durchsetzungsvermögen...
Ja, aber willst du deswegen jede Diskussion vermeiden? Ich meine, wo das möglich ist, können sicherlich auch verschiedene Positionen nebeneinander stehengelassen werden; mitunter sind aber auch Entscheidungen als Gruppe nötig - hier gälte es dann, Formen zu finden, Dominanzverhalten weitestmöglich entgegenzuwirken. Ist aber m.E. nicht unser Hauptproblem.

> Erstmal, die Vielfalt als etwas positives zu sehen und die Gruppe zu
> „dekonstruieren“.
u.n.i. sieht sich ja als undogmatische Gruppe, d.h. es gibt keine „Einheitsmeinung“ bzw. höchstens einen Minimalkonsens.

> Ich denke, die Vielfalt der Gruppe als Potential zu erkennen, heisst
> auch nicht überall seine Meinung präsent zu haben.
Wäre in unseren konkreten Fall aber blöd gewesen, da es sich ja um ein Vorstellungsflugi mit „Selbstdefiniton“ handeln sollte. Da sollte m.E. schon eine für alle tragbare Lösung gefunden werden oder falls das mal nicht möglich sein sollte, eben doch die verschiedenen Positionen dargestellt werden.
li(e)bertäre Grüße
mich(A)el

Meine einzige Hoffnung habe ich darin, dass sie bestehenden, emanzipatorischen und zentralismusfeindlichen Basisgruppen und -akteurInnen zusammenkommen und von sich aus einen Prozess der Organisierung von unten starten, sich einmischen auch in Buendnisse, in die Oeffentlichkeit, in Aktionsplanungen usw.
Also: IMUN, schoener leben, pakt, u.n.i., Menschenstattprofite- und Direct-Action-Gruppen, inkak, umweltzer und wie sie alle heissen (rein willkuerliche Auswahl!) ... wie waere es mit:
  • 2.-4.11. Organisierung von unten (Treffen in Saasen)
  • Februartreffen in Duesseldorf
  • Und dann einigermassen zusammen handlungsfaehig sein. Liesse es sich machen, dass jeweils mind. eine Person pro Gruppe kommt? Das waere die Chance!
    joerg

    Im Zusammenhang mit der Frage der Absprachen zwischen Gruppen (Beispiel: Als "Black Bloc" bezeichnete Militante in Genau):
    Hallo!

    >Als Kriterium dafür, ob eine solche Aktionsform Teil der Bewegung
    > sein kann, möchte ich jedoch nicht die Gewalt nehmen, sonderndie Frage,
    > ob sich die Leute dieser Aktionsform an der gemeinsamen Koordination der
    > Aktionen an den Events beteiligen und dabei - sofern dies der Wunsch
    > anderer Aktionsgruppen ist - Absprachen anstreben, die verhindern, daß
    > sich die Aktionsformen mischen.
    >Das musste mal den Bullen erzählen,die werden sicherlich alles
    >tun,damit solche Absprachen gut funktionieren.
    Weil es ihnen leichter fällt, eine ganze Demo zu verkloppen, anstatt nur den schwarzberockten Teil?

    >So wars am 1.Mai
    >in Berlin, in Genua wars nicht anders.
    Wie war es? In Genua hat es jedenfalls nicht geklappt, das ist sicher. Die Aktionsformen waren nicht getrennt und überall gab es deshalb Frust. Und ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass man nicht plötzlich zwischen Leuten stehen möchte, die mit Steinen werfen, wenn man das selbst als kontrapoduktiv/-revolutionär einschätzt (und gefährlich ist es ja sowieso auch). Es liegt dann sicher immer auch in der Dynamik der Situation, wo sich die Gruppen gerade aufhalten. Deswegen enden die Aktionen der Globale Bewegung und die bisherige bzw. meine vorgeschlagene einzige Bedingung der Teilnahme (Absprache zum Nicht-Stören anstreben) auch nicht mit dem letzten Plenum vor der Demo, sondern erst nach Ende aller Aktionen. Der Sinn dieser Abgrenzung ist: KeineR muß irgendwo mitmachen, was er oder sie nicht will. Emanzipatorisch oder? Die Position, daß man eh nichts machen könne, weil der „schwarze Block“ halt total unorganisiert sei oder sonstwie chaotisch, ist eine Haltung, die ich vielleicht zum Wetter habe, aber nicht dann, wenn ich es mit Menschen zu tun habe, die objektiv in der Lage sind, ihr Verhalten zu ändern. Wer solche Absprachen nicht anstrebt, beteiligt sich eben nicht an der Globalen Bewegung und kann von mir aus dann auch ausgegrenzt werden. Wie man das umsetzt: Erstmal inhaltlich durch eine klare Ansage entsprechend dieser Ausführungen und dann durch weitere friedliche Maßnahmen (Leute aufhalten und diskutieren, Block bilden und dichtmachen, entsprechende inhaltliche Distanzierung im nachhinein, weggehen) und ich habe sogar auch schon Demos erlebt, wo sich die Leute untereinander verkloppt haben (wegen Sprechchor-Texten), was natürlich nicht die beste Lösung wäre.
    Als ob militante
    Autonome oder sonstige Strömungen  das in der Hand hätten.

    Wenn es - so offenbar die Intention - keine Organisationsform in der Hand hat, dann haben die bürgerlichen Medien mit ihrer Interpretation „Polit-Hooligans“ recht. Das würde nämlich bedeuten, daß ein Mob (so heißt das bei den echten Hooligans) einfach irgend etwas macht, was ihm halt gerade so Spaß macht. Und ob andere, die glauben, die gleich Ziele zu haben, das an diesem Ort, zu dieser Zeit und auf diese Weise gerade gut oder nicht gut finden, ist diesem Teil des „schwarzen Blocks“ dann augenscheinlich total egal. Das wäre meiner Ansicht nach tatsächlich völlig unpolitisch und läßt sich nicht besser als mit dem Ausdruck „Hooligans“ umschreiben. Ein politisches Ziel kann man diesen „Polit-Hooligans“ nur unterstellen, kann sein, daß zufällig auf dessen Verwirklichung hingearbeitet wird, aber auch das Gegenteil kann eintreffen (es braucht nur jemand anderes durchschlagender das gegenteilige Ziel in die Aktion hineinzuinterpretieren). Ich will nicht bestimmte Strömungen ausgrenzen, auch nicht die Gewalt, aber die Teile der Aktionsform „schwarzer Block“, wo die daran Beteiligten keine Absprachen zum Nicht-Stören anstreben. Von mir aus kann es zwei „schwarze Blöcke“ geben, jener der mitmacht und organisiert und koordiniert mit den anderen vorgeht und der „schwarze Block“ der die anderen überrascht, weil er einfach irgendwann, irgendwo, irgendwas macht. Da verläuft die Grenze: Quer durch den „schwarzen Block“, nicht davor oder dahinter.
    Wer hat es in der Hand? Sollen wir vielleicht mal ATTAC fragen? Oder die Grünen? Oder die Bundesregierung?
    Nein, im Ernst in der Hand hat es (1) jedeR TeilnehmerIn für sich, (2) alle Leute, die solche Aktionsformen theoretisch oder praktisch unterstützen, (3) alle, die ein Interesse am Gelingen der Globalen Bewegung haben und irgendwie Kontakt zu den besagten Szenen aufbauen können (also TeilnehmerInnen der entsprechenden Plena auch in Genua). In Genua hat es nicht geklappt, solche aufgezwungenen Vermischungen zu vermeiden, aber dort gehörte es auch nicht zum allgemein geteilten theoretischen Schatz der Globalen Bewegung, daß es etwas gemeinsames ohne gemeinsame Aktionen und Ziele nur geben kann, wenn man wenigstens soweit gemeinsam ist, daß man sich nicht stört. In Prag war das noch allen klar.  Vielleicht lag es in Genua an der nur vordergründig übergreifenden Organisation über das GSF, daß es nicht geklappt hat. Auf jeden Fall reicht es. Es kann doch nicht sein, daß sich der „schwarze Block“ etwa wie das Wertgesetz „hinter dem Rücken der Akteure“ durchsetzt. Wie soll es denn dann nach Euren Ideen weitergehen? Wie kommt es dann nach Eurer Meinung überhaupt zu so etwas wie einer Koordination unter den Beteiligten???
    Mit solidarischen Grüßen
    einfreunddesmaquis

    Gedächtnisprotokoll eines kritischen Diskussion über das Papier

    Hallo,
    gestern war eine Diskussion überOrganisierung von unten im Rahmen eines Treffens in Göttingen. Esgab einige Kritikpunkte, die ich ziemlich wichtig fand und die ich weitergebenmöchte. Damit verbunden wäre meine Hoffnung, daß wir vielleichtirgendwelche Wege finden, diese Debatte weiterzuentwickeln, ohne das darausso ein bündnistypischer Prozeß um genaue Formulierungen u.ä.entsteht, der ewig dauert, bis dann nur noch 3 mit viel Sitzfleisch dasGanze vollenden.
    Aber erstmal der Versuch, die Kritikpunkte,wie ich sie wahrgenommen habe, zu benennen (wäre nett, wenn schöner-leben-menschendas noch ergänzen, verändern ... - zumal ich meine Mitschriftauf der Rückseite des Kritik-Textes von schöner-leben irgendwienicht eingepackt habe - hat die jemand anders???):


    KONKRETE VORSCHLÄGE

    Aus diesen und anderen Kritiken (es gabja schon weitere aus anderen Ecken) will ich ein paar Vorschläge machen- und hoffe auf mehr und auf Menschen/Gruppen, die Lust haben.

    1. Kritiken zusammentragen
    Wäre nett, wenn hier Kritiken, Lücken usw. benannt würden. Ich würde diese gern auch auf die Internetseite stellen, damit das Papier nicht so sehr wie ein „Grundgesetz“ da steht. Es ist eine Momentaufnahme, ein Protokoll einer Debatte, mehr nicht. Und schon mehr als ein halbes Jahr alt. Das würde stärker klar, wenn eine Kritikensammlung angehängt würde.

    2. Text erneuern
    a. Vorschläge für Veränderungen
    Ich würde vorschlagen, daß die Punkte, die als Mangel oder gar falsch empfunden wurden, in der Einleitung geklärt werden (Prozeß statt Regel - wobei Regel beim Treffen in Gö auch verschieden interpretiert wurde -, selbst weiterentwickeln, nichts ist per se schlecht oder gut, sondern immer relativ zum Kontext, zur Ausgangslage und ob es nur ein Schritt im Prozeß oder ein Abschluß ist).
    Dann in den einzelnen Kapiteln gibt es die jeweilige Einleitung (eventuell überarbeiten) und dann statt „Lösung ...“ die zwei Kategorien „Gefahr des von oben“ und „Chance des von unten“. Die Beispiele, Methoden u.ä. tauchen oft zweimal auf.
    Variante: Nach konkreten Beispielen und Methodenvorschlägen gliedern und dann jeweils im Text, wie das mehr „von unten“ bzw. mehr „von oben“ bringen kann.

    b. Wer überarbeitet Text wie?
    Vorschlag: Einzelpersonen, Gruppen, Seminare oder wer/was auch immer kann sich überlegen, ein Kapitel zu überarbeiten und dann zur Diskussion hier auf die Liste bzw. ins Internet zustellen. Das würde ich durchaus schon auch als Anfrage formulieren: Guckt Euch doch mal an, ob Ihr nicht einen Text übernehmen wollt, was zu Eurer Arbeit oder Eurem Interesse paßt. So ein Kapitel ist ja nicht viel. Und dann am besten gleich schreiben „Wir kümmern uns um ...“. So trudeln dann nacheinander die überarbeiteten Versionen ein.

    3. Weitere Debatte denkbar auf nächstem Ovu-Treffen Ende August (wann denn jetzt????).

    Reaktion auf 2.a

    Die neuen Kategoriensind aber in meinen Augen dann etwas anderes. Die Überlegung war jaschon oft, wie lösen die „von oben“-Organisierungsprozesse die Probleme.Hauptamtlichkeit ist ja nicht die Gefahr eines von oben Prozesses, sonderneine Lösung des Problems, dass mensch ja arbeiten „muss“.
    Aber ich fände es nichtungeschickt, diese Strukturierung Problem-LvO-LvU aufzugeben, da sie zwarin der entwicklungsphase des Haupttextes einen roten Faden gebildet hat.Aber es war ja auch gleichzeitig oft, dass wir damit an Grenzen kamen,wo uns z.B. nichts eingefallen ist, wie das die von oben lösen (dastand dann, wird von denen gewollt). Auserdem ist mir das Schema OvO vs.OvU zu binär geworden.
    Wichtig fand ich eigentlichvon Anfang an, diesen Prozess im Kontext von anderen Prozessen zu sehenund damit zu verbinden. Also z.B. die verweise auf „Entscheidungsfindung“von HierarchNie.  Gerade die AntiRepressions-Geschichte hat sich jaschon fast von der OvU Debatte abgelöst, und ist vor allem als Praxisbzw. Taktik im Umgang mit Repressionsorganen von Bullen bis zu Gerichtssälenweiterentwickelt worden. Und das ist vielleicht ganz sinnvoll, denn wennich mir den Umgang mit Repression anschaue, so gibt es eigentlich 3 Strömungen:gar nix machen (attac, DGB, ...), klassischer Schutz (div. Rechtshilfen),und kreative Aktionen (5-von-Süschdorf-Prozess als eine Sache dienicht vom OvU-Kern kommt).
    Und genau daran scheiterteigentlich der Teil im OvU-Haupttext, denn was soll mensch eigentlich gross über die schlimmste Strategie gegen Repression sagen, nähmlichEA-Nummern und verhaltenstipps komplett zu ignorieren, ausser das es eineKatastrophe bedeuten kann?
    Naja, nur ein paar Gedanken.Kurzform:

    z.B. die Frage von antisexistischerPraxis fände ich wichtig. Denn ich persönlich halte die Quotierungan sich für eine schlechte Strategie.  Aber ich komm schon wiederins schreiben...
    -- 
    Love & Anarchy
    Felidaë die Cyberelfe