Organisierung von unten
Kreativer Widerstand

Das Wochenende vom 21.-23.12.2001 in der Projektwerkstatt Saasen
Die Berichte:

Es war bunt, kreativ, druckvoll. Inhaltliche bis visionäre Debatten wechselten mit konkreten Planungen. Ablauf und Stimmung zu beschreiben, fällt schwer – selten so viel gelacht und gleichzeitig gemacht. Im folgenden sollen die Ergebnisse Stück für Stück zusammengetragen werden ... Einzelberichte aus AGs oder dem Treffen insgesamt (noch sind nicht alle Berichte da - die gehen zunächst über die Hoppetosse-Mailingliste und erscheinen dann hier).

Neues Zeitungsprojekt

Nach dem Ende der „Ö-Punkte“ gab es eine Sammlung von Idee für eine neue Zeitung. Einigkeit bestand, daß zur Zeit im deutschsprachigen Raum keine Zeitung existiert, die auch nur annähernd diesen Wünschen entsprechen könnte. Also müßte es was Neues sein. Ob das allerdings sinnvoll bzw. machbar ist, konnten wir in der Runde nicht einschätzen. Es bedarf nun vieler Diskussionen darüber – in verschiedenen Gruppen, auf Treffen und vor allem mit bestehenden oder in Gründung befindlichen regionalen Zeitungsprojekten.
Hier folgen die einzelnen Punkte, die genannt wurden für eine neue Zeitung – in der Reihenfolge, wie sie auf dem Wandplakat landeten.
Themenschwerpunkt „Organisierung von unten/Entscheidungsfindung von unten“
Diese Themen und Diskussionsstränge sollten auf jeden Fall in der Zeitung sein – mit Beispielen aus der Praxis. Die Zeitung ist Diskussionsplattform, ein internationaler Blick ist wichtig.
Forum für Utopien
Diskussionen um Utopien, visionäre Gesellschaftsentwürfe (z.B. Oekonux, Freie Kooperationen, Freie Menschen in Freien Vereinbarungen, Streit zwischen Herrschaftsfreiheit und kontrolliertem Staatsmodell).
Bewegungsmelder(in)
Die Zeitung im Vorfeld von Genua wurde benannt als Anschauungsbeispiel der Verknüpfung mit regionalen Gruppen und konkreten Aktionen.
Berichte aus Gruppen
Vor allem von besonderen Aktionsstilen (direkte Aktion u.ä.) mit Auswertung. Kein thematisch vereinheitlichender Schwerpunkt
Also nicht wie die „Ö-Punkte“ den Schwerpunkt Öko hatten.
Bundesweite Zeitung als Beilage für regionale Blätter
Das wäre eine weitreichende Idee ... die bundesweite Ausgabe wird nicht nur bundesweit über Abo, Verkauf u.ä. vertrieben, sondern auch als Beilage für regionale selbstorganisierte Zeitungen, in die sich eingelegt wird. Das wäre vor allem dann gut, wenn das ganze Projekt auch als Vernetzungsebene zwischen eben solchen Blättern gesehen wird, d.h. regionale Zeitungsredaktionen auch an der bundesweiten Beilage mitarbeiten (z.B. Texte aus ihrer Region schreiben) oder auch Unterstützung, Seminare usw. für regionale AkteurInnen organisiert wird.
Autonome Themenredaktionen
Es sollte wieder Gruppen gegeben, die bestimmte Themen kontinuierliche bearbeiten und einbringen. Über die Aufteilung bestand noch keine Klarheit – die klassische „linke“ Aufteilung in International – Antifa – Feminismus – Ökologie ... hat Schwächen, weil sie Grenzen und verkürzte Gesellschaftskritik geradezu festzementiert.
Bunte Reihe verschiedener Produkte
Neben der Zeitung als Infodienst könnten weitere Veröffentlichungen entstehen, die im Rahmen eines Abos auch zugeschickt werden. Denkbar wären:
- im Herbst ein Taschenkalender zu kreativem Widerstand, der auch über Büchertische, Buchhandel usw. vertrieben wird (Kalendarium, Texte, Termine usw.).
- aktualisierte Adreßhefte
- Seminarprogramm am Jahresanfang
Kreatives Forum
Kunst, Satire, Spiele usw. sollten Teil der Zeitung sein (u.a. die in den letzten Ö-Punkten begonnene Idee eines Brettspiels mit Terminen)
Offener Ansatz und Herrschaftsfreiheit
Diskutiert wurde, wie in der Zeitung ein offener Ansatz verwirklicht werden könnte, aber Dominanzen oder Mißbrauch unterbleiben – das gleiche Thema ist gesamtgesellschaftlich spannend. Einigkeit bestand, auch über die Debatte und die verschiedenen Vorschläge in der Zeitung selbst Transparenz zu schaffen.
Titel
Keine überzeugenden Vorschläge. Klar war, daß die Frage der Herrschaft und der Loslösung aus Zwängen und Zwangsverhältnissen (also die Emanzipation) den inhaltlichen Kern bildet. Der einzige Vorschlag „Emanze“ wurde trotzdem sofort verworfen. Das Begriffspaar „Widerstand und Vision“ erscheint als Teil z.B. eines Untertitels geeignet.

Radioprojekt

Grundsätzliche Idee: monatliche Radiosendung, die überregional erstellt und über Freie Radios ausgestrahlt wird.
Konkreter:
- Schwerpunktthema, News und Unterhaltung aus emanzipatorischer Sicht
- Offene Platform für BasisakteurInnen u. Interessierte statt selbsternannte Presse-Profis
- Bundesweite Readaktion von unterschiedlichen Basishoppeln, die sich die Zeit untereinander aufteilen u. über Internet koordinieren
- Beiträge werden autonom erstellt, über Internet verschickt, in einer „Endreadaktion“ zusammen gebastelt u. dann ins Netz gesetzt (z.B. auf freie-radios.net).
- besser noch: feste Sendetermine mit Freien Radios aus dem Bundesgebiet vereinbaren
- Denkbar auch: pro Sendung ein längerer Schwerpunktteil, der an versch. Radiogruppen geht, die den Rest mit lokalspezifischen Infos ausfüllen
- BewegungsreporterInnen in unterschiedlichen Regionen einbinden, z.B. Castor-GegleiterInnen, GipfelstürmerInnen usw. Weitergehender wäre: Mediennetzwerk u. Kooperation mit Zeitungen

Seminare

Auf dem Hoppetosse Treffen vor Weihnachten gab es auch Neues zu den angedachten „Werkzeug“-Seminaren. Für einige Städte sind schon welche geplant (hier vermischt mit weiteren Terminen):
25. – 27.01 in Frankfurt: Buko: Rio+10
26. – 28.4 in Düsseldorf: Februar-Treffen
Ostern Organisierung von unten
23. – 25.8 Thüringen: HierarchNIE – Hierarchien
Thüringen: D.A. gegen interne Hierarchien
München: Kreative Anti-Repressionsarbeit
25. – 27.1 Saasen: Seminar zu Utopien
Sommer Seminar zu Gentec
Herbst Verden: Projektkurs
Herbst Organisierung von unten
Ausserdem schwebte die Idee im Raum, sich im Sommer auf bestehenden Camps einzuklinken, Workshops zu D.A. & Co. Zu organisieren. Für den Fall, das keines zu stande kommt, besteht die Option, selber ein Camp zu organisieren. Hier nochmal die Themen (ist sicher noch mehr denkbar):
- Organisierung von unten
- Entscheidungsfindung von unten
- Selbstorganisation in Alltag & Politik
- Linux für EinsteigerInnen
- Direct Action Trainings
Immer noch gesucht werden  Basisgruppen, die bei sich vor Ort Seminare zu diesen o.a. Themen organisieren wollen. Hilfreich wäre ebenfalls: Leute, die ihr Wissen u. Erfahrung um Direkte Aktionen, Selbstorganisation usw. weiter geben wollen und sich als ReferetInnen zur Verfügung stellen.

Konzept fuer ein Buch ueber Direkte Aktion, kreativen Widerstand und kreativen Umgang mit Repression

Protokoll:  3 Seiten eines Clipboardes thematisch unterteilt. I. Allgemeine Vorstellung
Buch hat zwei Teile:
1. Direkte Aktion
2. kreativer Umgang mit Repression

  • Dem zu Grunde liegt die Ueberzeugung, dass eine Aktion nicht mit der Aktion zu Ende ist, sondern dass Teil 2 integraler Bestandteil des ersten ist. Moegliche Repression muss vorher ueberdacht, eingeplant werden, sie muss wenn sie eintritt bewusst in eine Richtung gelenkt werden, das konzept kreativen Widerstandes geht weiter, die Aktion an sich ist erst mit ende aller Repressalien zu Ende.
  • Die Vorraussetzung dafuer, dass es mehr DA gibt, ist die Angstueberwindung und die Aneignung von Teil 2.
  • Obwohl alles miteinander verwoben ist, ist der Repressionsteil extra gestellt, weil er so wichtig ist, und noch kaum Literatur in dieser Richtung existiert.
  • Ausserdem soll in dem Buch ein Anhang mit Informationen zu DA Seminaren sein. Dieser soll es ermoeglichen, ueber die Theorie im buch hinauszukommen und Praxis, Anwendung, Schulungen, Trainings etc erleichtern. Dafuer gibt es eine Kontaktliste fuer Seminare (Wo, wer welche..), eine grosse Liste von Orgas, die sich damit beschaeftigen und sowas anbieten (z.B. x-quer) und eine Literatur und Webseiten Liste zum Thema. So soll es moeglich werden, dass ueberall Trainings etc stattfinden koennen, und die Menschen mit Erfahrung ihr Wissen weitergeben koennen.
  • Als Zusatz waere ein Hompage moeglich; sie waere eine Weiterentwicklung des Buches ueber einen Pool, weil sie interaktiv ist. Hier koennen Menschen ihre Aktionen, Ideen, Erfahrungen etc einspeisen, so dass es neue Auflagen geben kann, die um jeweils von einer Redaktion ausgewahlte, gute Beispiele reicher ist (wir haben uns hier bewusst fuer eine „Moderation“ durch eine Redaktion entschieden, weil ein Buch nur begrenzt gross ist, im Gegensatz zu der HP, auf der alles stehen kann. Und es ist wichtig, dass nicht jede „Demo hat die Strassenseite gewechselt“ Aktion, die evtl auf die HP gestellt wurde, auch noch im Buch landen muss. Das waere dem Zweck, gute Aktionen als Beispiele mit Lerneffekt etc, zu zeigen, nicht dienlich


 II. Teil 1 des Buches: Direkte Aktion
Wir haben eine Liste von Begriffen gemacht (die nicht als endgueltig oder fertig anzusehen ist). Zu diesen Begriffen sollen Aktionen/Aktionsformen als Beispiel gefunden werden, und dann daran exemplarisch aufgezeigt werden, wie etwas gut gemacht wurde. Eine gute DA hat natuerlich die allermeisten Aspekte beruecksichtigt und gut ausgearbeitet, es soll jedoch fuer jeden Aspekt/Begriff immer nur ein oder zwei exemplarisch etwas klar machen. Das kann in Form von Artikeln, Berichten, Interviews sein.
 
 

Die Begriffe sind:

  1. Vision
  2. Freiraum
  3. Direkte Intervention im Alltag
  4. Aneignung
  5. Militanz
  6. Erregungskorridor
  7. Diskursive Herrschaft
  8. Institutionalisierte Herrschaft
  9. Selbstorganisation/Organisierung von Unten
  10. Vermittlung
  11. Dekonstruktion
  12. Spass & Lust als Element von Politik
  13. Kommunikationsguerrilla
  14. Eskalation
  15. Sabotage
  16. Direktes Verhindern
  17. Zielgerichtetes Handeln

Die Aktion(sformen) sind:
(werden den passenden Aktionen zugeordnet)

  • Lotterie Sorglos, Anti-Expo-Sachen
  • Hausbesetzung (vielleicht die Erfurter ProfihausbesetzerInnen???)
  • Gratiseinkaeufe, Carwalking
  • ReclaimTheStreets, Gratiszug
  • Farbbeutel auf Fischer in Bielefeld
  • Anti-Weihnachten(?)
  • Verstecktes Theater
  • Knaststuermung der Tutte Bianche, Parteibuerobesetzungen etc.
  • Aktionen beim Stuttgarter Gruenenparteitag.
  • ReclaimTheStreets
  • Castorstopp, Abschiebeverhinderung


      Wie mensch sieht: noch sehr erweiterungsfaehig.
Dann muss noch erklaert werden, was zu einer DA alles dazu gehoert und Tipps, wie mensch das machen kann. Naemlich: TECHNIKEN – OEFFENTLICHKEITSARBEIT – GELD/MATERIAL
 
III. Teil 2 des Buches: Umgang mit Repression
Zunaechst gibt es eine Einleitung.
- Darin wird geklaert, was der Unterschied zwischen Antirepressionsarbeit und Repressionsschutz ist.
- Ausserdem werden alle Elemente der Repression aufgezaehlt und erklaert:
Knast, Bullen, VS, Gerichte, schwarze Sheriffs & Bahnschutz, Jaeger, Bundeswehr, Behoerden, BGS
- die Eigenschaft der Antirepressionsarbeit als Aktionsplattform wird erklaert. Wir sind TaeterInnen, nicht Opfer.
Dann ist das Buch nach den verschiedenen Repressions-situationen gegliedert. Zu jeder Situation gibt es wieder ein zwei Beispiele, wie damit erfolgreich und gut umgegangen wurde.

  • Bullen auf der Strasse
  • Bullen im Verhoer
  • In Gewahrsam
  • Staatsanwaltsverhoer
  • Gerichtsprozess
  • Gerichtsanhoerung
  • Knast
  • Bundeswehr
  • Behoerden
  • VS Bespitzel
  • VS Anquatschversuch
  • JaegerInnen
  • Schwarze Sheriffs/U-bahnwachen
  • BGS

Beispiele haben wir noch keine besprochen.

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