Nachdem
immer wieder die Diskussion um OvU an dem Moment abbreicht, wenns heisst,
es gibt ja kaum welche, will ich gerade die Erfahrungen vermailen, die
ich mit OvU gemacht habe. Das ist natürlich meine subjektive Erfahrung
und durch meinen politischen Hintergrund geprägt, den ich dann im
Zusammenhang mit erkläre. Und nachdem ich seit dem WTC-Anschlag ziehmlich
ohnmächtig war und mich schlecht gefühlt habe, das Selbstvertrauen
ziehmlich niedrig war (hatte auch was mit LR zu tun), mir hat die OvU echt
den Kick gegeben.
Das
in Freiburg entstandene „Widerstandskollektiv“ ist wahrscheinlich einer
der „letzten Überlebenden“ dieses Projekts. Die ganze Sache ist direkt
in der Genua-mobilisierung „eingeschlafen. Noch vor Semesterstart bei den
ersten Friedensdemos haben sich 4 der AktivistInnen verabredet, dass ganz
wieder nach dem Sommer in Gang zu setzen. Das erste Projekt, was wir in
„Angriff“ genommen haben war eine selbstgebastelte Zeitung. Wie haben
wir das realisiert, dass es von unten war. Wir sassen halt einfach
zusammen, und jedeR hat vorgeschlagen, welche Themen er/sie in der Zeitung
gerne hätte. Danach aufteilung der Artikel, wobei sich eigentlich
jedeR an dem Bediente, was ihn/sie am meisten interessierte.
Meine
persönliche Erfahrung fand ich sehr spannend, denn ich kenns halt
aus dem LR (wo ich nicht mehr bin), dass es immer die Kombi erfahreneR
GenossIn gibt, die zusammen ein Flugi entwerfen. Es war erstmal schwer
für mich, den anderen Menschen aus der Gruppe, die noch nicht so lange
Politik machen, einen guten Text über ein Thema, das wir noch nie
diskutiert hatten zuzutrauen. Im LR hätte ich zum Beispiel einfach
selber ein Interesse an dem Text angemeldet oder „vorgeschlagen“, den Text
„gemeinsam“ zu schreiben. Habe ich aber zum glück nicht(denn die Artikel
sind recht gut). Gleiches gilt auch für Themen, die ich für nicht
relevant/vermittelbar hi Sehr interessant fand ich, wie sich eine Gesamtkonzeption
ergeben hat. Die deckte sich natürlich auch nicht mit meinen
Vorstellungen, als Diktator hätte ich zum Teil andere Themen genommen,
und da halt eine Diskussion angefangen ob das Sinn macht usw. und wahrscheinlich
am Ende meine Meinung durchgesetzt.
Sehr
gut war, dass wir keine Zeichenbegrenzung (aus mangelnder Erfahrung) eingeführt
hatten. So konnte jedeR das formulieren und so viel schreiben wie er/sie
Zeit, Lust und Kreativität hatte. Dann Fertigstellungstreffen.
Gemeinsam noch die Artikel durchgegangen und einge Stellen an Form und
Inhalt verbessert. Was wiederum nicht hies, die eigen Poistion da allzusehr
mit reinzunehmen. Das Beste war eigentlich das Lachen, wenn wieder eineR
von uns eine allzucoole Formulierung kreiert hatte (und alle waren da sehr
kreativ, richtig schön zu lesen).
Dann
Bomben auf Afghanistan als wir gerade ans Layouten gehen wollten.
Schnell zu zweit einen Text geschrieben (da war durchaus Dominanz wieder
eine Gefahr, denn irgndwie war Zeitdruck und an einer Computertastatur
kann meist nur einer schreiben.
Zusammenfassend
kann ich sagen, das Projekt als solches hat Spass gemacht. Wichtig war,
nicht irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Natürlich musste
irgend ein bestimmter Artikel auf die Seite 1. Aber das einfach ein bischen
lockerer zu sehen, was halt passt, angesichts der Situation war klar, dass
nicht was über Bildung auf der Vorderseite ist. Und Form eines
Artikels spielt auch eine Rolle, ein Text über eine ganze Seite macht
sich ganz gut im inneren Teil der Zeitung. Die einzigen Regeln waren eigentlich
die, die uns unser Layoutprogramm vorgegeben hat (und da haben wir ganz
schön geflucht).
Was
kam dabei raus? Also, das war dann eine 4 seitige Zeitung (DIN A 3, doppelseitig
und gefaltet). Und nach all den Jahren im LR habe ich mal eine Zeitung
verkauft, die „meine“ war, also Produkt meiner Kreativität und Tätigkeit
im miteinander mit den anderen. Aber es lag nicht so sehr nur an meiner
Begeisterung, dass wir am Einführungstag so viele von den Teilern
verkauft haben. Es war auch, dass wir halt mehr die Stimmung der Menschen
getroffen haben (*). Also, es sind 140 Stück wegegangen (mit LR wärens
nach meiner Erfahrung weniger als 30 gewesen). Noch was zur Finanzierung.
Wir hatten da ja am Anfang grosse Skepzis, ob wir das durch Spenden finanziert
bekommen. Wir haben halt nicht den alten LR-Stil gemacht mit Zeitung gegen
2 Mark Spende, sondern mit Spende zwischen 0 und 100 Mark (mehr nehmen
wir aber nicht ;) ). Also die Teiler verteilt und jedeN gefragt, ob er/sie
was Spenden will für unsere Kopierkosten. Da war mal ein: „Ich habe
kein Geld.“ warauf ich gemeint habe: „Ist doch o.k.“ (hallo GratisökonomInnen).
Und dann fands halt mal ein Mensch wichtig, und da waren 2 Mark. Das war
echt cool, aus dem „verkaufen“ herauszukommen, in Praxis die Herrschaft
des „Geldes“ in Frage zu stellen.
(*)
Ich will mal was zum Layout von der Zeitung sagen. Der Linksruck wurde
ja öffters als „Bild“ kritisiert, was ich persönlich für
falsch halte. Die grossen Buchstaben auf der LR-Zeitung, dieses klotzig-starke
war gut in einer Zeit, wo Pessimismus auf der Linken gepaart war mit real
sehr schlechten politischen Bedingungen (Kohl usw.). Wie sieht die
Situation heute aus? Die antikapitalistische Bewegung ist in der Öffentlichkeit
bekannt und wird wahrgenommen, sei es in den ganzen bürgerlichen Debatten
über „Globalisierung“ oder durch die Proteste in Genua. Und sie wird
(sowohl in der Friedensbewegung als auch an den Unis auf jeden Fall) als
eine „Gruppe“ wahrgenommen, von der aus Antworten auf Fragen (z.B. Krieg)
kommen. Das war das billige „Verkaufsargument“ für die Zeitung „antikapitalistische
Zeitung gegen den Krieg“. Aber eben auch das „intelektuelle“ Layout mit
„Bleiwüste“ auf Seite 1 hat damit was zu tun. Der Bildzeitungsvergleich
bei LR enthielt ja vor allem das Argument, da steht wenig inhaltlich drin
(immer gekontert mit: es ist eine Aktionszeitung & Ausserdem ist innen
ja was anderes). Es ist die Wirkung nach aussen über die Titelseite,
die LR immer richtig argumentiert hat, aber aktuell falsch umsetzt.
So,
jetzt zum Schluss, ich bin gespannt, wieviele „neue“ Menschen auf das heutige
Treffen von uns kommen.
Und
an alle (ex) LR-lerInnen (und denen, die vor ähnlichen Fragen stehen):
Kopf hoch, Organisierung von unten geht, wir brauchen keine „Massenparteien“.
Es ist echt nicht so, dass du Ausserhalb der Organisation plötzlich
nicht mehr so etwas wie eine Zeitung hinbekommst. Du brauchst nicht
neu anzufangen mit 50 Menschen und wieder 4 Jahre aufbauen, bis du an die
1000 bist. Das ist doch überhaupt nicht nötig. „Politik
für Menschen, nicht für Profite“ muss auch nach innen gelten.
Auch
dir gegenüber, fordert das ein und realisiert es selber.
Vielleicht
wirds ja bald wieder was mit menschenstattprofiten und widerstandskollektiven...
--
Die
Revolution muss sein!
Politik
für Menschen, nicht für „Linien“!
Felix
|
|
Hallo,
habe
leider nicht viel Zeit, aber da ich ja neulich eine Diskussion darüber
angemahnt habe, will ich doch noch kurz was dazu beitragen.
Erstmal
zu Felix: Das mit der Zeitung ist echt interessant.
Was
macht mensch aber, wenn nicht so viel Platz zur Verfügung steht, also
z.B. bei einem Flugi.
Also
wir (u.n.i.) hatten neulich das Problem, dass wir uns als undogmatische
Gruppe verstehen, es (mitunter) ein breites Spektrum an Meinungen (auch
über den grundsätzlichen Charakter der Gruppe) gibt, wir keine
wirklichen Entscheidungsfindungsstrukturen haben (also weder [Pseudo]demzent.
noch langwierige „Konsensbildung“), aber ein Vorstellungsflugi brauchten
- was sollte also darauf, wenn die Selbstdefinition der Gruppe sehr umstritten
ist (war ein „Perspektivplenum“)? Letzlich haben wir doch noch wie aus
heiterem Himmel eine alle Anwesenden zufriedenstellende Lösung gefunden
(eine Person, die weg musste, schrieb deshalb ihre Gedanken auf, eine andere
überarbeitete diese und das Resultat erschien allen als gut).
Aus
der vorangegangenen Diskussion kann ich mich noch an folgende Vorschläge
erinnern (von einem Gast gemacht), falls kein Konsens gefunden würde.
Diese basieren darauf, dass unterschiedliche Meinungen ja auch positiv
seien können und wir diese deshalb auch darstellen sollten:
-
versuchen,
auf dem Flugi die verschiedenen Positionen darzustellen
-
öffentliches
schreiben/diskutiern des Flugis, dabei könnten Anwesenden/ Interessierten
das Meinungsspektrum präsentiert werden und wir würden nicht
im eigenen Saft schmoren Wie gesagt, das war dann doch nicht nötig
und zumindest letzterer Vorschlag schien uns auch aus Zeitgründen
nicht machbar, aber interessant finde ich das doch.
Jetzt
meine Fragen: Gibt es Erfahrungen mit diesen Methoden oder noch weitere
Ideen, wie mit dieser Problematik umgegangen werden könnte?
li(e)bertäre
Grüße
mich(A)el
Hallo!
>
* versuchen, auf dem Flugi die verschiedenen Positionen darzustellen
Aber
dann ist ers ja eigentlich sinnlos, eine Flugi herauszugeben. Oder soll
das ein Beitrag gegen die Bildungsmisere werden. Interessant und politisch
wird so ein Blatt doch dadurch, das es eine von einer Gruppe getragene
Analyse und eine eigene Vorstellung von der Zukunft enthält.
> *
öffentliches schreiben/diskutiern des Flugis, dabei könnten
>
Anwesenden/
>
Interessierten das Meinungsspektrum präsentiert werden und wir
>
würden nicht
>
im eigenen Saft schmoren
Kommt
denn jemand zu so etwas. In der Regel muß es da doch erst diese „Dynamik“
(Luciano) geben. Habt Ihr die gerade, Massenmobilisierung? Interessante
Idee, aber der Wege zum Flugi als solchen dürfte sich beträchlich
verlängern.
> Jetzt
meine Fragen: Gibt es Erfahrungen mit diesen Methoden oder noch
>
weitere Ideen, wie mit dieser Problematik umgegangen werden könnte?
Man
kann die weniger spezifische Position vereinbaren, also die Analyse und
die Forderungen weniger genau formulieren. Auf die Position, auf die man
sich gerade noch gemeinsam einigen kann.
Mit
solidarischen Grüßen
Einfreunddesmaquis
>
Was macht mensch aber, wenn nicht so viel Platz zur Verfügung steht,
also
>
z.B. bei einem Flugi.
Ich
halte ein Flugi nicht für das „Instrument“ inhaltlich die differenzierte/vielfältige
Meinung einer Gruppe darzustellen. Einfach aufgrund des geringen Platzes
können da entweder nur die Schlagworte/“Phrasen“ verschiedener Sichtweisen
vorgestellt werden oder eine einzige Sichtweise.
Vielleicht
ist es am besten, bei unterschiedlichen Positionen nur die Teile zu verwenden,
die Konsens sind, oder eine Auszuwählen (z.B. über Losen - das
zeigt wenigstens das es keine Vernünftige Entscheidung war).
oder natürlich:
> *
versuchen, auf dem Flugi die verschiedenen Positionen darzustellen
Oder
2 Flugis? Dann geht aber auch schon fast ne Zeitung
> *
öffentliches schreiben/diskutiern des Flugis, dabei könnten Anwesenden/
>
Interessierten das Meinungsspektrum präsentiert werden und wir würden
nicht
>
im eigenen Saft schmoren
Wobei
da natürlich wieder Domianzverhalten einwirkt, z.B. rethorische Fähigkeiten,
Vorarbeit, Durchsetzungsvermögen...
> Wie
gesagt, das war dann doch nicht nötig und zumindest letzterer Vorschlag
>
schien uns auch aus Zeitgründen nicht machbar, aber interessant finde
ich
>
das doch.
>
Jetzt meine Fragen: Gibt es Erfahrungen mit diesen Methoden oder noch
>
weitere Ideen, wie mit dieser Problematik umgegangen werden könnte?
Erstmal,
die Vielfalt als etwas positives zu sehen und die Gruppe zu „dekonstruieren“.
EineR von uns fragte mal: Was halten „wir“ von Globalisierung (mensch merkt,
wir definieren uns als AntikapitalistInnen). Also, das wir in „“.
Das
heisst ja, dass viele Meinungen nebeneinander existieren können und
ein Austausch stattfindet, so dass jedeR auch gute Ansätze der anderen
für sich bekommt.
Und
wir haben beim Treffen gestern(*) festgestellt, dass die Positionen, die
wir auf unser Transpi für Samstag drauf malen werden, überhaupt
nicht unseren Postionen entspricht. Einfach weils halt nur ein Transpi
ist, also zwangsweise Plakativ, und weil die Positionen „vermittelbar“
sind, ich muss es konkreter bringen: die Forderungen nach Schuldenerlass
und Faire Trade sind bei uns mittlerweile nicht mehr als pauschal richtig
analysiert. Trotzdem bringen sie eine konkrete Alternative zur militärischen
„Terrorbekämpfung“ bzw. zeigen auf was „Terrorismus bekämpfen
heisst Armut bekämpfen“ konkret heissen könnte: „Schuldenerlass
statt IWF“.
Tja,
sind wir halt am Samstag ein bischen Schizophrän...
Also,
es kann ja sein, dass die Gruppe einen Konsens schneller findet, wenn andere
Bewertungskriterien in Betracht gezogen werden, wie eben „konkrete Handlungsmöglichkeiten
aufzeigen“, „vermittelbarkeit“, „knappere Formulierung“, „Ästhetik“
(bei Transpi oder Plakatgestaltung).
Ich
denke, die Vielfalt der Gruppe als Potential zu erkennen, heisst auch nicht
überall seine Meinung präsent zu haben. JedeR von uns verzichtet
ja auch darauf, alles was er/sie/es zu „Globalisierung“ zu sagen hat auch
zu sagen, es würden halt Enzyclopedien entstehen...
--
Die
Revolution muss sein!
Felix
Hallo
Felix,
[...]
>
oder eine Auszuwählen (z.B. über
>
Losen - das zeigt wenigstens das es keine Vernünftige Entscheidung
war).
Ist
aber nach außen nicht transparent, es sei denn, mensch schriebe auf
das Flugi, das das eine ausgeloste Position sei. Fände ich aber seltsam
... (weiter s.u.)
> >
* öffentliches schreiben/diskutiern des Flugis, dabei könnten
Anwesenden/
>
> Interessierten das Meinungsspektrum präsentiert werden und wir würden
nicht
>
> im eigenen Saft schmoren
> Wobei
da natürlich wieder Domianzverhalten einwirkt, z.B. rethorische
>
Fähigkeiten, Vorarbeit, Durchsetzungsvermögen...
Ja,
aber willst du deswegen jede Diskussion vermeiden? Ich meine, wo das möglich
ist, können sicherlich auch verschiedene Positionen nebeneinander
stehengelassen werden; mitunter sind aber auch Entscheidungen als Gruppe
nötig - hier gälte es dann, Formen zu finden, Dominanzverhalten
weitestmöglich entgegenzuwirken. Ist aber m.E. nicht unser Hauptproblem.
> Erstmal,
die Vielfalt als etwas positives zu sehen und die Gruppe zu
>
„dekonstruieren“.
u.n.i.
sieht sich ja als undogmatische Gruppe, d.h. es gibt keine „Einheitsmeinung“
bzw. höchstens einen Minimalkonsens.
> Ich
denke, die Vielfalt der Gruppe als Potential zu erkennen, heisst
>
auch nicht überall seine Meinung präsent zu haben.
Wäre
in unseren konkreten Fall aber blöd gewesen, da es sich ja um ein
Vorstellungsflugi mit „Selbstdefiniton“ handeln sollte. Da sollte m.E.
schon eine für alle tragbare Lösung gefunden werden oder falls
das mal nicht möglich sein sollte, eben doch die verschiedenen Positionen
dargestellt werden.
li(e)bertäre
Grüße
mich(A)el
Meine
einzige Hoffnung habe ich darin, dass sie bestehenden, emanzipatorischen
und zentralismusfeindlichen Basisgruppen und -akteurInnen zusammenkommen
und von sich aus einen Prozess der Organisierung von unten starten, sich
einmischen auch in Buendnisse, in die Oeffentlichkeit, in Aktionsplanungen
usw.
Also:
IMUN, schoener leben, pakt, u.n.i., Menschenstattprofite- und Direct-Action-Gruppen,
inkak, umweltzer und wie sie alle heissen (rein willkuerliche Auswahl!)
... wie waere es mit:
2.-4.11.
Organisierung von unten (Treffen in Saasen)
Februartreffen
in Duesseldorf
Und dann
einigermassen zusammen handlungsfaehig sein. Liesse es sich machen, dass
jeweils mind. eine Person pro Gruppe kommt? Das waere die Chance!
joerg
|
|
Im
Zusammenhang mit der Frage der Absprachen zwischen Gruppen (Beispiel: Als
"Black Bloc" bezeichnete Militante in Genau):
Hallo!
>Als
Kriterium dafür, ob eine solche Aktionsform Teil der Bewegung
>
sein kann, möchte ich jedoch nicht die Gewalt nehmen, sonderndie Frage,
>
ob sich die Leute dieser Aktionsform an der gemeinsamen Koordination der
>
Aktionen an den Events beteiligen und dabei - sofern dies der Wunsch
>
anderer Aktionsgruppen ist - Absprachen anstreben, die verhindern, daß
>
sich die Aktionsformen mischen.
>Das
musste mal den Bullen erzählen,die werden sicherlich alles
>tun,damit
solche Absprachen gut funktionieren.
Weil
es ihnen leichter fällt, eine ganze Demo zu verkloppen, anstatt nur
den schwarzberockten Teil?
>So
wars am 1.Mai
>in
Berlin, in Genua wars nicht anders.
Wie
war es? In Genua hat es jedenfalls nicht geklappt, das ist sicher. Die
Aktionsformen waren nicht getrennt und überall gab es deshalb Frust.
Und ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass man nicht plötzlich
zwischen Leuten stehen möchte, die mit Steinen werfen, wenn man das
selbst als kontrapoduktiv/-revolutionär einschätzt (und gefährlich
ist es ja sowieso auch). Es liegt dann sicher immer auch in der Dynamik
der Situation, wo sich die Gruppen gerade aufhalten. Deswegen enden die
Aktionen der Globale Bewegung und die bisherige bzw. meine vorgeschlagene
einzige Bedingung der Teilnahme (Absprache zum Nicht-Stören anstreben)
auch nicht mit dem letzten Plenum vor der Demo, sondern erst nach Ende
aller Aktionen. Der Sinn dieser Abgrenzung ist: KeineR muß irgendwo
mitmachen, was er oder sie nicht will. Emanzipatorisch oder? Die Position,
daß man eh nichts machen könne, weil der „schwarze Block“ halt
total unorganisiert sei oder sonstwie chaotisch, ist eine Haltung, die
ich vielleicht zum Wetter habe, aber nicht dann, wenn ich es mit Menschen
zu tun habe, die objektiv in der Lage sind, ihr Verhalten zu ändern.
Wer solche Absprachen nicht anstrebt, beteiligt sich eben nicht an der
Globalen Bewegung und kann von mir aus dann auch ausgegrenzt werden. Wie
man das umsetzt: Erstmal inhaltlich durch eine klare Ansage entsprechend
dieser Ausführungen und dann durch weitere friedliche Maßnahmen
(Leute aufhalten und diskutieren, Block bilden und dichtmachen, entsprechende
inhaltliche Distanzierung im nachhinein, weggehen) und ich habe sogar auch
schon Demos erlebt, wo sich die Leute untereinander verkloppt haben (wegen
Sprechchor-Texten), was natürlich nicht die beste Lösung wäre.
Als
ob militante
Autonome
oder sonstige Strömungen das in der Hand hätten.
Wenn
es - so offenbar die Intention - keine Organisationsform in der Hand hat,
dann haben die bürgerlichen Medien mit ihrer Interpretation „Polit-Hooligans“
recht. Das würde nämlich bedeuten, daß ein Mob (so heißt
das bei den echten Hooligans) einfach irgend etwas macht, was ihm halt
gerade so Spaß macht. Und ob andere, die glauben, die gleich Ziele
zu haben, das an diesem Ort, zu dieser Zeit und auf diese Weise gerade
gut oder nicht gut finden, ist diesem Teil des „schwarzen Blocks“ dann
augenscheinlich total egal. Das wäre meiner Ansicht nach tatsächlich
völlig unpolitisch und läßt sich nicht besser als mit dem
Ausdruck „Hooligans“ umschreiben. Ein politisches Ziel kann man diesen
„Polit-Hooligans“ nur unterstellen, kann sein, daß zufällig
auf dessen Verwirklichung hingearbeitet wird, aber auch das Gegenteil kann
eintreffen (es braucht nur jemand anderes durchschlagender das gegenteilige
Ziel in die Aktion hineinzuinterpretieren). Ich will nicht bestimmte Strömungen
ausgrenzen, auch nicht die Gewalt, aber die Teile der Aktionsform „schwarzer
Block“, wo die daran Beteiligten keine Absprachen zum Nicht-Stören
anstreben. Von mir aus kann es zwei „schwarze Blöcke“ geben, jener
der mitmacht und organisiert und koordiniert mit den anderen vorgeht und
der „schwarze Block“ der die anderen überrascht, weil er einfach irgendwann,
irgendwo, irgendwas macht. Da verläuft die Grenze: Quer durch den
„schwarzen Block“, nicht davor oder dahinter.
Wer
hat es in der Hand? Sollen wir vielleicht mal ATTAC fragen? Oder die Grünen?
Oder die Bundesregierung?
Nein,
im Ernst in der Hand hat es (1) jedeR TeilnehmerIn für sich, (2) alle
Leute, die solche Aktionsformen theoretisch oder praktisch unterstützen,
(3) alle, die ein Interesse am Gelingen der Globalen Bewegung haben und
irgendwie Kontakt zu den besagten Szenen aufbauen können (also TeilnehmerInnen
der entsprechenden Plena auch in Genua). In Genua hat es nicht geklappt,
solche aufgezwungenen Vermischungen zu vermeiden, aber dort gehörte
es auch nicht zum allgemein geteilten theoretischen Schatz der Globalen
Bewegung, daß es etwas gemeinsames ohne gemeinsame Aktionen und Ziele
nur geben kann, wenn man wenigstens soweit gemeinsam ist, daß man
sich nicht stört. In Prag war das noch allen klar. Vielleicht
lag es in Genua an der nur vordergründig übergreifenden Organisation
über das GSF, daß es nicht geklappt hat. Auf jeden Fall reicht
es. Es kann doch nicht sein, daß sich der „schwarze Block“ etwa wie
das Wertgesetz „hinter dem Rücken der Akteure“ durchsetzt. Wie soll
es denn dann nach Euren Ideen weitergehen? Wie kommt es dann nach Eurer
Meinung überhaupt zu so etwas wie einer Koordination unter den Beteiligten???
Mit
solidarischen Grüßen
einfreunddesmaquis
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