(Text von der deutschsprachigen Internetseite des Independent Media Center in Prag, 26.9. – dieser Text blieb als die gesamten Aktionstage auf der deutschsprachigen Seite stehen ohne Aktualisierungen oder Ergänzungen!)
Anstelle von Samba und Spassguerilla werden wieder Strassenkämpfe
die Medien beherrschen. Bilder wie in Kreuzberg werden ihren Weg auf die
heimischen Bildschirme finden.
Es ist kurz nach 15Uhr und die Demonstration hat sich rund um den Tagungsort
verteilt. Drei Gruppen sollen von verschiedenen Himmelsrichtungen die IWF
Mitglieder einkesseln, bis sie erschöpft auf alle Forderungen eingehen.
Jede Gruppe hat eine Farbe und ein Motto: Die Gelben sind angeführt
von einem italiaenischen Block, der weissen Schutzanzuegen mit Schaumstoffpolsterung
und Bauhelmen trägt. Zusätzlich sind sie mit Luftballonschlangen
und Ketten aus Gummireifen ausgestattet, um die Polizei von der Strasse
zu schubsen. Die Samba Gruppe kleidet sich in Rosa und muntert mit ihren
fröhlichen Rhytmen Aktivisten und Prager Zuschauer auf.
Die blaue Gruppe spaltete sich als erstes ab und ging schnurstracks
zum Ort der Konfrontation. Wie gewohnt wurde keine Zeit vergeudet und die
Arbeit der routinierten Demoautonomen nahm ihre Arbeit auf. Das Kopfsteinpflaster
wurde gelockert und mit schmissigen Wurfeinlagen aus allen Lagen gegen
den boesen Feind geschleudert. Als Belohnung gab es strahlweise Nass vom
Klassenfeind. Ein Stellungskrieg verwandelte den Ort in ein glibschigen
Hang aus Steinen und Brettern. Nach einer halben Stunde setzte die
Polizei CS-Gas ein und über die ganze Zeit hinweg wurde mit ohrenbetäubenden
Knallkörpern versucht die Menge auseinander zu treiben. Die Presse
versuchte seitlich von einem Hang aus die Wurfsalben in Bildern einzufangen.
Dabei ist so mancher Stein auch knapp an ihnen verbeigesegelt. Von einem
anliegendem Haus wurde mutwillig eine Scheibe zerstört. Der Werfer
wurde von anderen danach aufgefordert dies doch bitte zu lassen, um sich
dann eines besseren besonnen wieder lebendigen Uniformen zu witmen.
Nach ungefähr einer Stunde hat Wasser und insbesondere Tränengas
die Kampfmoral aufgeweicht und ein Rückzug zu einer nahgelegenen Kreuzung
erwirkt. Neue Pläne werden geschmiedet, verletzte versorgt,
Tee verteilt, Barries aus umliegenden Zäunen und Schildern gebaut,
Steine angehäuft. Eine neue Front entsteht als die Uniformierten nachrücken
und die Strasse blockieren, um den Block weiter abzudrängen. Viele
nutzen die Pause um neue Kraft zu Schöpfen, was mir die Möglichkeit
gab mit einigen von ihnen zu reden. Eine junge Frau aus Dresden wusste
es geht gegen den IWF und die Bonzen. Gewalt schien fuer sie ein selbstverständliches
Artikulationsmittel zu sein, schliesslich stehen wir auf der richtigen
Seite und die Anderen sind auch nicht ohne. Auf die Frage ob diese gewaltsame
Konfrontation der Bewegung in der Welt helfe, wusste sie keine Antwort,
doch schien sie diese Perspektive zu überraschen und zu verunsichern.
Vermutlich ist ihr Umfeld ebenfalls von Adrinalinstössen der Angst
und dem Wunsch gewaltsam seinem Frust zu kanalisieren geleitet.
Diese Protestform verlangt keine umständlichen Erklärungen
und Einsichten für das Warum? und wie geht es besser? Doch wäre
es nicht eine Hilfe, wenn sie sich stattdessen mehr für Samba und
Spassguerilla interessieren täten. Tun sie aber nicht und wie all
zu oft wissen die überwiegend männlichen Vorbilder für eine
bessere Welt nicht wie sie sich gleichzeitig Gehör verschaffen und
sich trotzdem dabei richtig herzerquickend austoben können. Der Nachhilfe
Unterricht hatte eine andere Farbe und befand sich in einer anderen Himmelsrichtung.
Ein anwesender tschechischer Reporter zeigte sich nicht besonders begeistert
und machte deutlich, dass Teile der einheimischen Bevölkerung genau
deshalb die Stadt verlassen haben und wie er andeutete wird in seinem Artikel
nicht fehlen, dass es sich hier nicht um tschechische Autonome gehandelt
hat.
Obwohl die autonome blaue Gruppe nicht die Mehrheit der Aktivisten
stellt, sind die Kameraaugen einseitig auf sie gerichtet und die Welt wird
von Samba und der italiaenischen Gummireifen-Legion nicht viel zu hören
bekommen.