Diskussionsbeitrag zu Eventhopping
  (aus den Ö-Punkten, Winter 2000/01, Themenredaktion "Weltwirtschaft")
 

KÖLN, EXPO, PRAG, NIZZA & DAVOS

Von Event zu Event und vor lauter keine Kraft und Zeit mehr für den Widerstand im Alltag?
Proteste und Aktionen gegen WTO, IWF & Weltbank, sprich den treibenden Kräften einer neoliberalen Umstrukturierung der Wirtschaft, sind wahrscheinlich vergleichbar mit Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen,  zumindest wenn der Widerstand daran gemessen wird, welche sofortigen  Änderungen dadurch erzielt werden.  Auch wenn beim nächsten Gipfel noch mal mehrere tausend DemonstrantInnen  hinzu kommen, wird sich an der aktuellen Politik dieser Institutionen nichts ändern.  Trotzdem haben solche Massenproteste sowohl für die GipfelteilnehmerInnen und Medien als auch für die TeilnehmerInnen der Protestaktionen einen hohen Symbolcharakter. Durch die breiten Bündnisse bei diesen Aktionen kann eine umfangreiche Mobilisierung stattfinden. Die Masse ermöglicht wiederum vielfältige Aktionen und die Treffen könnten zumindest theoretisch effektiver behindert und gestört werden. Außerdem kommen die Medien nicht drumrum über die Proteste zu berichten. Auch fällt die Kriminalisierung nicht ganz so leicht- es ist schwer die Oma von nebenan als gemeingefährliche Terroristin abzustempeln.
Natürlich ist ein permanenter Widerstand in dieser Größenordnung wünschenswert. Praktisch  ist es aber (leider) unmöglich , alle paar Tage zig tausend Menschen aus aller Herren Länder zu den ständig stattfindenden Konferenzen, Gipfeln und Tagungen der Herrschenden zu mobilisieren. Darum ist es sinnvoll sich auf ein paar „Events“ zu konzentrieren.
Außerdem bieten  solche Massenproteste gute Möglichkeiten, internationale Kontakte zu knüpfen, voneinander zu lernen und zu versuchen die unterschiedlichen Aktionsformen miteinander zu verbinden.
Aber Widerstand sollte auch noch mehr sein als Busfahren und demonstrieren. Vor lauter
Events wird leider all zu oft „vergessen“, daß ein Widerstand vor Ort mindestens genauso wichtig wäre. Sei es an der Schule, der Uni, bei der Arbeit, in der Kneipe und und und.
Oder sei es bei dem Versuch, Perspektiven zu entwickeln und Alternativen aufzubauen und auch zu leben.

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