An
den Anfang möchte ich mal einen Versuch stellen, etwas mit dem Begriff
Label anzufange, der ja (wohl zu recht) nicht gerade sehr positiv in der
Linken bewertet wird. Negativ ist auf jeden Fall so etwas wie agressives
Branding, also die hoppetrottel-Pullis, die ja keine Aussage haben ausser
„ohne wäre mir kalt“ oder so... Was Labels reizvoll macht, ist
die Vermittlung von inhalten ohne jedesmal von 0 anfangen zu müssen.
Also ein Label „OvU“ oder „kreativer Widerstand hoppel“ würde nach
einigen gelabelten Aktionen menschen auf unsere Aktionsformen und die OvU-Debatte
aufmerksam machen. Also, über den Widererkennungseffekt ein Branding
zu produzieren, um unser Produkt „OvU-Protokoll“ zu vermarkten, ähhh,
genau das doch eigentlich wieder nicht...
Wie
gesagt, sollte ja nur ein versuch werden.
Michael
D. wrote:
>
Wieso? Für OvU gibt es doch noch nicht einmal eine „Mailingliste mit
einer
>
angeschlossenen Webseite“. Ich kann mir da genauso gut oder schlecht
>
vorstellen, „wer dazu gehört“ oder nicht, zumal es ja keine
>
„Mitgliedschaften“ im eigentlichen Sinn gibt. Mir ist ebenso unklar,
was
Naja,
OvU ist halt schon der Wunsch nach einer anderen, selbstbestimmtne und
herrschaftsfreien/-armen möglichkeit uns zu organisieren um politische
Veränderungen und Aktionen zu machen. So wie es im Protokoll festgehalten
ist.
> dieses
Label überhaupt bringen soll. Eine einheitliche Meinung, die dann
von
Und
dann würde das Label genau für diese Organisierungsform Werbung
machen.
> VertreterInnen
repräsentiert werden soll, wird ja meines Wissens nicht
>
angestrebt (was ich in der momentanen Situation auch gut finde). Wenn aber
>
sowieso jedeR, macht was ersiees will (bzw. jede Gruppe), dann müsste
m.E.
>
erst noch geklärt werden, warum so ein Label sinnvoll ist und wie
mensch
>
darstellen kann, dass eben keine ausdiskutierte Einheitsposition vertreten
>
wird.
Gerade
hier wäre ein Label gar nicht so dumm. Wenn ich auf irgendeinem Treffen
oder ner Aktion mich bei anderen vorstelle, ich bin flixy aus dem Poser-Label-Zusammenhang,
dann würden die alle wissen, dass ich zu denen gehöre, die ständig
betonen, nur für sich und nicht für andere Menschen sprechen
zu können. Wäre dann immer auch auf Castor-Camps die Forderung,
den SprecherInnenrat umzubenennen, da ich weder SprrecherIn sein will,
noch eineN haben will.
> S.o.
- was versprichst du dir von diesem Label und (für mich viel wichtiger)
>
von dieser „bundesweiten Struktur“? Hast du Ideen, wie mensch dazu kommen
>
soll? Wie sie aussehen könnte? Wie offen sie sein soll/ kann? etc.
etc.
Ist
doch nett, wenn mensch von einer geilen Aktion ist XY-Dorf oder ABC-Neustadt
was hört und dann „hoppe-Poser“ hören und mit stolzgeschwellter
Brust allen FreundInnen erzählen können, dass es eine Aktion
von ihrer Gruppe war... ;)
Aber
andererseits, schon praktisch, wenn ich weiss, das Rumpelstilzchen auch
ne kreative ist und ich die anlabern kann für ne Aktion aufm Anti-Gencamp
oder was in DieStadt an Event ansteht und ich die Gruppe „Besser Essen“
anhauen kann, ob dir mir nicht einen DA-Stadtplan basteln können usw.
(pennplätze, Infrastruktur, ...)
> Könnte
sinnvoll sein ...
>
Wenn es allerdings eine bundesweite „Vernetzung“ (verwende jetzt mal den
>
Begriff) geben soll, wäre es m.E. wichtig, dass sich lokale Zusammenhänge
>
vorher klar werden, was sie sich darunter vorstellen, wie sie sich
>
einbringen können/ wollen, was sie sich davon erwarten etc.
Schon
klar, dass „lasst uns mal was richtig fettes überregionales gründen“
so ohne Inhalt keinem AnarchistInnen-Herz gefällt. Aber wie schnell
wird ein Program daraus, und danach eine verkrustete Struktur...
und wie passt das auf „keine ausdiskutierte Einheitspositionen“? Klar:
freie Vereinbarungen in freien Menschen in freien Strukturen bla...
(auch wenn ich es grade für ne gute Idee halte, was ist morgen?
vielleicht mehr Bock auf Radikalbasisdemokratie oder Konsens oder sonstwas)
> Auch
fände ich es gut zu klären, was OvU, hoppetosse oder was auch
immer in
>
diesem Sinne eigentlich bedeutet/ bedeuten soll. Zur Veranschaulichung:
>
Dürfen nur Menschen/ Gruppen mitmachen, die das OvU-Protokoll unterschreiben
>
können bzw. sogar nur die, die sich (tendenziell) auch daran
halten? Falls
Genau,
Big Rehzi is watching you. Und Chefinquisitor JB wacht darüber, dass
du regelmässig dein kreatives Antirepressionstraining besuchst. ;)
> ja:
wie rechtfertigt mensch dieses Selektionskriterium und wer überwacht
sie
>
und setzt sie durch? Falls nein: Wie geht mensch mit den damit verbundenen
>
Risiken (z.B. Unterwanderungsversuche) um?
Naja,
also irgendwie hatten wir (oder wars nur meine Wahrnehmung, oder nur ich...)
die Idee beim OvU-Protokoll, dass wenn alles voll offen ist und ohne Zensur,
nur dann sind wir fett sicher vor StaatNazisTrozkistenEntristenEntenGänsenusw
Nur gegen attac hilft es nix, da helfen nur gute Aktionen und vielvielviel
vermittelung. Vielleicht auch denen ein Label entgegenzusetzen?
> Ein
weiteres Bsp.: Sollen auch laut OvU-Protokoll wohl „hierachische“/
>
„zentralistische“ linke Organisationen (z.B. die FAU-IAA, der ich
>
mittlerweile ja irgendwie angehöre), falls sie das Wünschen sollten,
>
vernetzt werden?
Erzähl
uns mal, auf was du dich da eingelassen hast, wo ist das Selektionskriterium,
weil du nur „irgendwie“ angehörst. Fände ich echt so ne ganz
tolle Idee, damit alle wach werden:
ACHTUNG
TOLLE IDEE!
Wie
wäre es, wenn wir auch hier nicht schwarz-weis machen, also entweder
hoppepopel oder nicht-hoppepopel, sondern noch ganz viele andere Farben....
> (Wenn
ja: wo ist die Grenze?) Oder doch nur Einzelmitglieder, die zusätzlich
>
was in OvU-Zusammenhängen machen wollen (was ja Tendenz des Protokolls
ist)?
>
Oder nur bisher nicht (bundesweit) organisierte Menschen/ Gruppen? (Auch
>
hier wieder das Problem von Rechtfertigung, Überwachung und Durchsetzung)
Bei
den K-Gruppen gabs da so nette Probemitgliedschaften und so... ;) Ne, aber
ich denke, dass es durchaus für ne OvU-Menschen-Ansammlung einen unterschied
macht, ob sie mit ner anderen OvU-Menschen-Anhäufung kooperieren oder
mit ner Basisgruppe von attac.
Wäre
übrigens auch so ne richtig witzige sache, die Mega-Super-Zusammenhangsgruppe
zu konstruieren, mit nur der Aussage:
Keinen
Zentralen, also jeder attac-Ortsverband darf rein ausser die Verden, genauso
mit FAU-IAA (und wenn du ins ZK oder wie das bei euch heisst kommst, dann
machen wir nix mehr mit dir, ätsch) oder dem LR oder dem VS (und dem
werfen wir ein instrumetelles Verhältnis zu uns vor, wenn wir in ihrem
zentralen Bericht erscheinen).
ein
paar Ideen zu der Hopselstopsel-Debatte:
-
Ein „Label“
oder irgendeine Form von Kollektivität („wir haben alle das und das
Papier zur Grundlage“ u.ä.) finde ich grundlegend falsch, hat nichts
mit „von unten“ zu tun, weil es ein strukturkonservatives Element enthält
– das zeitlich Zurückliegende bestimmt das Zukünftige auch formal.
-
Das Ganze
ist nichts als eine Vernetzung, eine Plattform, die organisiert ist (hier
ist sicher noch viel mehr rauszuholen), z.B. die Internetseite (wo viel
mehr Menschen mitwirken könnten, Teilbereiche übernehmen könnten
usw.), die Maillingliste (oder auch „Abzweigungen“ davon), die Treffen
als Open-Space-Prozesse usw.
-
Konkreter
sind die Teildebatten und Projekte, die sich in dieser ganzen Kommunikationsvernetzung
bewegen. Dazu gehören HierarchNIE!, die Organisierung-von-unten-Debatte,
die Kreativer-Widerstand-Kooperationen zu konkreten Ereignissen. Sie können
in der Tat deutlicher nach außen treten mit ihren Texten, Vorschlägen
... und sie können immer die weitergehenden Fragen thematisieren,
z.B. die Herrschaftskritik, die Anforderungen an „Von-unten-Prozesse“ usw.
diese Projekte und Aktionsvernetzungen, Debatten usw. sind das, was nach
außen tritt, agiert, wo konkrete Menschen sich als Teil des Ganzen
bezeichnen können usw.
-
Viele
Projekte und Ideen stehen erst im Start, z.B. eine neue Zeitung,
das Buch zu Antirepression, die „RandaleführerIn“
als dauernde Idee??? (dann muß aber auch eine Finanzierung gemeinsam
organisiert werden). Auch die neue Buchreihe
bei Iko, die ich anzettele (siehe unten) könnte ein solches Projekt
werden, wenn noch mehr Leute Lust dazu hätten.
-
Internet:
Vorschläge, Veränderungen, vielfältige Plattform, die auch
von vielen gemacht wird???
jb