Projektwerkstatt

TEXTE DER BROSCHÜRE "ORGANISIERTE UNVERANTWORTLICHKEIT"

Wenn Gentechnik Häuslebauen wäre ...


1. Herzlich willkommen zu einer Lektüre, die keinen Spaß machen wird
2. Broschüre "Organisierte Unverantwortlichkeit"
3. Wenn Gentechnik Häuslebauen wäre ...
4. Gute und böse Gentechnik?
5. Stichwort- und Personenverzeichnis
6. Fussnoten
7. Die Chronik des K(r)ampfes
8. Aus einer Schrift der DFG ... mit Kommentaren
9. Seilschaft im Fernsehen
10. Theoriebücher aus dem SeitenHieb-Verlag zum Thema und rundherum

Heinz M. ist schon lange im Geschäft. Er betreibt eine Baufirma mit elf MitarbeiterInnen. Oft kooperiert er mit anderen Firmen, die sich die anstehenden Arbeiten teilen. Jetzt will er ein eigenes Haus bauen. Folglich stellt er einen Bauantrag, schließlich schreibt ein Gesetz vor, dass er dieses tun muss. Er setzt sich also hin und schreibt auf, was er gerne hätte. Das lücken- und fehlerhafte Schreiben nennt er Antrag, aber an eine bestimmte Form hält sich Heinz M. nicht. Er benennt einen ungefähren Ort - ein paar Kilometer Abweichung nach Ost oder Süd machen nichts. M. weiß, dass da niemand genau hingucken wird. Denn die Sachbearbeiterin beim Bauamt ist seine Schwester, der Chef des Amtes hat früher in seiner Firma gearbeitet. Die Begehungsprotokolle fälscht er seit Jahren zusammen mit seinen Verwandten und Kumpels beim Amt. Auf zwei Formblättern muss M. einen Bauleiter und einen Beauftragten für die Sicherheit benennen. Als erstes setzt er sich selbst ein, der zweite wird jemand anderes aus seiner Firma. Wo der Nachweis des Fachwissens benannt werden muss, trägt er ein: „Onkel Kurt hat uns mal was dazu erzählt“. Heinz M. weiß, dass sein Bauvorhaben viele Nachteile für die Nachbarn hat. Doch aus zwei der vier betroffenen Familien arbeitet jemand in der Firma von Heinz M. Die anderen beiden haben zum Glück keinen Einfluss. Denn M. sorgt vor. Er klärt mit seinem Kumpel vom Bauamt ab, dass er per Sofortvollzug mit dem Bau beginnen kann. Sollten die zwei von ihm unabhängigen Nachbarn doch klagen, nützt es ihnen nichts. Wenn ihr Verfahren anläuft, steht sein Haus schon. Auch sonst werden sie keine Chance haben. Was hat M. gelacht, als ein Nachbar neulich drohte, an die Presse zu gehen. Die lebt ja von seinen Werbeanzeigen. Die Briefmarke kann der sich sparen ...
Dann reicht Heinz M. den Antrag ein. Im Bauamt gibt es eine Kommission, die den Antrag fachlich prüft. Gut, dass dort der Chef der Malerfirma drin sitzt, mit dem M. das Bauprojekt zusammen anpacken will. Der begutachtet also sein eigenes Projekt - da kann nichts schief gehen, zumal unter den weiteren Kommissionsmitgliedern noch ein Baupartner von früher und zwei ehemalige Angehörige seiner Firma sind. Die einzige externe Beraterin, die Teile des Neubaus und vor allem später die Bauausführung begutachten wird, ist im Hauptberuf bei der Firma angestellt, die das Baumaterial für M.s Vorhaben liefert.
Ein bisschen Arbeit macht noch die Geldfrage. Schließlich will sich M. sein Haus aus Steuergeldern finanzieren lassen. Da passt es ganz gut, dass in der Vergabestelle ein alter Schulfreund von ihm sitzt. Der guckt nicht so genau hin. So kann M. in seinen Antrag ein paar Sachen reinschreiben, die gar nicht stimmen, aber besser zum Fördertopf passen. Das macht M. schon seit Jahren. Es geht immer gut - niemand hat jemals nachgeschaut. Als ein Nachbar ihn einmal bei der Behörde anschwärzte, hat er eine Antwort erhalten, dass alles überprüft, aber kein Mangel gefunden wurde. Heinz M. lacht: „Niemand ist hier gewesen und hat geguckt ...“
So - nun stellen Sie sich vor, Sie wären Heinz M. und würden statt Häuser zu bauen Pflanzen genetisch manipulieren. Dann würde Ihr Genehmigungsverfahren mehr oder weniger so ablaufen. Je riskanter eine Technologie, desto intensiver entwickelt sich ein Filz aus Konzerninteressen, Seilschaften und Abhängigkeiten. Davon soll diese Broschüre berichten: Dürfen wir Sie einladen auf ein paar Einblicke in deutsche und europäische Behörden und Institutionen der Gentechnik? Seien Sie sicher: Alles Folgende kratzt nur an der Oberfläche. Am Ende und in vielen Quellenangaben verweisen wir auf weitergehende Informationen. Je genauer Sie hingucken, desto schlimmer wird es! Hinter den schönen Begriffen der Nachhaltigkeit, von Innovation und Forschungsfreiheit sowie des Verbraucherschutzes stecken Konzerne und LobbyistInnen - gar nicht mal besonders schwer zu erkennen.

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