Projektwerkstatt

DOKUMENTE ZUR JAGD AUF "HOPPETOSSE" IM CASTOR-WIDERSTAND NOV. 2002

Der Castor kommt, die Demokratie geht?


1. Der Castor kommt, die Demokratie geht?
2. Erklärung zu einem vorläufigen „Rückzug“ aus Aktionen gegen Castor und Herrschaft in Lüneburg
3. Hinter dem Castor steht das System!

Veranstaltungstext für den 10.11. (an zwei Orten durch das Plenum genehmigt, veröffentlicht und dann von Einzelpersonen, die offenbar wichtiger sind als das Plenum, untersagt und mit Gewaltandrohung unterbunden)

Oder ist Castor nur ein anderes Wort für Rechtsstaat?
Offene „Fishbowl“ Diskussion

Castortransporte bedeuten Ausnahmezustand: Über ein massives Polizeiaufgebot wird wohl auch dieser Castor durchgesetzt werden. Was das bedeutet ... dazu gibt es sehr unterschiedliche Ansichten: Viele Anti-Atom-Gruppen und -Initiativen bezeichnen die Versammlungsver-bote und Polizeieinsätze als Einschränkung von Demokratie. Von der BI stammt - sinngemäß - der Satz: „Wenn die Polizei kommt, geht die Demokratie“. Aber es gibt auch Gruppen, die sich nicht als VerteidigerInnen des Rechtsstaates verstehen oder sich positiv auf die Demokratie beziehen. In ihren Augen stellen prügelnde Polizisten, Verbote und Einschränkungen von Grundrechten nicht die Abwesenheit, sondern die Normalität von Demokratie, Recht und Ordnung dar: Herrschaft lebe von der Durchsetzung per direkter Repression, Bildung, Meinungsmache, Erziehung, materieller Abhängigkeit usw. - egal ob sie sich „demokratisch“ gibt oder als Diktatur offen daherkommt. Die Ansichten gehen also auseinander, Diskussion macht Sinn: Denn dieser „Streit“ ist wichtig für die Frage, was ‚uns‘ an dieser Gesellschaft eigentlich stört und vor allen, was die Welt ist, von der wir träumen: Herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Knäste, Polizei und Repression oder Demokratie? 

Was ist „Fishbowl“
Diesen Streit wollen wir offensiv führen - als Alternative zu Podiumsdiskussion (formale Hier-archie) oder moderierten Großplena wollen wir eine „Fishbowl“ versuchen: Bei einer „Fishbowl“ werden ein innerer und ein äußerer Stuhlkreis aufgebaut (oder auch mehrere, z.B. Matratzen-, Stuhl- und Tischkreise hintereinander, damit eine Art „Arena“ entsteht). Im inne-ren Kreis stehen 4-6 Stühle und im äußeren Kreis Stühle für die restlichen Teilnehmenden (TN). Wie läuft eine „Fishbowl“ ab: Nur die TN im Innenkreis dürfen diskutieren, die TN im Außenkreis hören zu. Wenn sich ein/e TN aus dem Außenkreis an der Diskussion beteiligen will, dann muss er/sie sich entweder auf einen freien Stuhl im Innenkreis setzen oder stellt sich hinter einen Stuhl. Diese darf ihren Gedanken noch zu Ende formulieren und anschließend den Kreis verlassen. Die andere Person darf dann diesen Platz einnehmen. Ebenso kann jedeR TN im Innenkreis jederzeit den Platz im Innenkreis verlassen, wenn er/sie in der Diskussion pausieren möchte. Wer den Kreis verläßt, kann auch wiederkehren. Wer das penetrant macht (also dominieren würde), fällt sofort auf. Das Verfahren schafft dann Transparenz über Dominanzverhältnisse. Chancen: Die Fish Bowl kombiniert eine Großveranstaltun-gen mit den Vorteilen kleiner Gesprächsrunden. In diesen werden keine Reden gehalten, sondern miteinander geredet. Die rhetorischen Unterschiede werden aufgeweicht, weil eben miteinander geredet wird, eine brilliante Formulierung oder Gestik dadurch weniger wichtig wird. Gegenseitige Unterstützung, Nachfragen, Aufeinander-Eingehen und direkter Widerspruch werden viel einfacher, weil keine starren Regeln, Redelisten oder Moderation dieses verhindern.

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