Herrschaft

VERKEHR, UMWELT UND DER KAPITALISMUS

Politik der kurzen Wege


1. Zahlen, Fakten, Zitate - Material für Eure Flyer, Schautafeln usw.
2. Was nicht hilft: Elektromobilität
3. Gute Gründe gegen Autos (egal, welcher Antrieb)
4. Stimmen gegen das Auto
5. Politik der kurzen Wege
6. Diesel & Co.: Alte Autos weg, aber keine neuen her!
7. ... wirtschaftliche Effizienz ist nicht die Lösung, sondern das Problem ...
8. Abschaffung der Verkehrsregelungen senkt Unfallquote
9. Flugverkehr
10. Deutsche Bahn, vor allem eine AG (der Autolobby)
11. Politiker*innen-Gequatsche
12. Lobby & Co.

Rekorde bei Autozulassungen, immer mehr Stau auf der Autobahn - und das, obwohl immer mehr Fahrradfahrer*innen unterwegs sind und auch die Bahn jährliche Passagierrekorde meldet. Flughäfen und Schiffsverkehr werden auch ausgedehnt. Huch? Wo kommen denn die ganzen Menschen und Güter her, die da transportiert werden?

In der Tat: Es wächst alles. Immer mehr Menschen fahren herum, zum Arbeitsplatz, zum Einkaufen, einfach nur so oder reisen in nahe oder ferne Gegenden. Und immer mehr Güter werden um den Erdball transportiert, um die billigsten Produktionsstätten anzusteuern, das stetig angekurbelte Wirtschaftswachstum zu befeuern oder den ausufernden Konsum zu befriedigen. Die wachsende Mobilität ist eine Folge unserer Lebensweise, vor allem aber der Art des Wirtschaftens - so wie der wachsende Rohstoff- und Energieverbrauch. Einige Mobilität wird dabei gesellschaftlich erzwungen, z.B. durch Zentralisierung von Einkaufsmärkten und Kulturangeboten oder die Zumutung größerer Entfernungen zum Arbeitsplatz.

Verkehr hausgemacht: Die meisten Autos stammen aus der Umgebung
Laut Pendlerstudie der IHK von 2019 pendeln werktäglich 32.544 Menschen allein wegen der Arbeit in den Kreis Gießen, 33.419 verlassen aus gleichem Grund den Kreis. Allein das macht über 120.000 Fahrbewegungen. Arztbesuche, Schüler*innen und Studierende, Einkaufs- und Freizeitverkehr sind ebensowenig mitgerechnet wie der Binnenverkehr im Kreis, also Pendlerströme zwischen den Gemeinden, insbesondere in die Stadt Gießen und aus der heraus. Eine weitere Studie zeigt: Die arbeitende Bevölkerung Gießens tauscht sich jeden Tag zur Hälfte aus - eine Hälfte haut ab, ebensoviele kommen in die Stadt. Ebenfalls nicht in der Statistik drin: der besonders lärm-, schadstoff- und unfallintensive Güterverkehr.

Die Zahlen fürs Wiesecktal
Die Anwohner*innen an den großen Einfallstraßen Richtung Gießen oder Rhein-Main stöhnen über den Verkehr. Dabei ist vieles hausgemacht: Die, die da stöhnen, sind auch Mitverursacher*innen. Entlang des Wiesecktales sind die Zahlen sehr dramatisch: 84 Prozent = 4143 der beschäftigten Busecker*innen fahren zum Arbeiten an einen anderen Ort, 1714 davon nach Gießen. Fast gleichauf liegt Reiskirchen mit 82 Prozent = 3389 der Beschäftigen, 1108 davon nach Gießen. Schauen wir noch nach Grünberg: 77 Prozent = 4055 arbeiten außerhalb, 982 davon in Gießen. So geht es auch im Vogelsberg weiter: 76 Prozent der Beschäftigen in Mücke pendeln, immerhin noch 481 nach Gießen.
Mensch bedenke: Das ist nur die Hinfahrt, zurückkommen werden die Menschen wohl auch. Hinzu kommen die Menschen, die von Gießen aus in die Gemeinden pendeln, z.B. täglich 461 nach Buseck, 230 nach Reiskirchen und 127 nach Grünberg. Außerdem sind es nur die Zahlen für den Berufsverkehr: Hochschulen, Schulen, Einkaufen - da kommen noch ganz andere Zahlen zustande. Alles ist Ziel- und Quellverkehr - Umgehungsstraßen nützen da nichts, besserer ÖPNV und Fahrradstraßen hingegen viel.

Verkehr sparen, Mobilität nicht länger erzwingen, Wege kürzen!
Die Verlagerung der Verkehrsmengen vom Auto auf Fußwege, Fahrräder, Busse und Bahnen ist daher nicht ausreichend. Wie bei der Energie- und Rohstofffrage ist "Mobilität sparen" eine weitere wichtige Forderung - dumm nur, dass diese Frage sowohl bei Mobilität als auch bei Energie und Rohstoffen nicht (mehr) gestellt wird. Der Wachstumsfetisch ist längst auch Credo der (Pseudo-)Umweltbewegung, der Grünen usw. geworden, die mit ihren Ökoideen den Mythos des unendlichen Wachsens selbst bedienen.
Viele Probleme wären aber entschärft, wenn unser Leben und Wirtschaften weniger Rohstoffe, Energie, Flächen verbrauchen und Mobilität nötig machen würde.

Für die Mobilität hieße das unter anderem:
  • Keine Flächen für Supermärkte und anderen Handel außerhalb der Ortschaften.
  • Initiativen für Läden, Kulturangebote, Gemeinschaftsräume auch und gerade in den kleinen Orten.
  • Regionalpolitische Einmischung zugunsten kurzer Wege, gegen neue
    Straßen, Outlet Center und Märkte auf der grünen Wiese.
  • Initiative über den Gemeindebund, den Städtetag, weitere NGOs und
    Parteien zur Umschichtung der Fördermittel für den Autoverkehr und der
    Ausgaben für die Pendlerpauschale für Nulltarif und Radwegeausbau.
  • Veränderung der Zumutbarkeitsregelungen für die Annahme von Jobs, die tägliche lange Fahrten zum Arbeitsplatz oder gar ein eigenes Auto voraussetzen.

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