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WAS GING AB BEIM ATOMFORUM IN STUTTGART?

Versuch einer ersten Einschätzung


1. Versuch einer ersten Einschätzung
2. Weiterer Auswertungstext: 1. Inhaltliche Vermittlung, Medien und Öffentlichkeit
3. Widerstand, Direkte Aktionen
4. Situation im UWZ, Direct-Action-Vorbereitung

Bin gestern aus Stuttgart wiedergekommen. Hier der Versuch einer ersten Einschätzung bzw. kuzer Erfahrungsbericht.
Über die vorhergehende Spaltung zwischen Bündnis und Kreativwiderstand will ich hier gar nichts mehr sagen. Meiner Ansicht nach ist da auch in Stuttgart nicht wirklich was geklärt worden.


Am Samstag bei der (schlecht besuchten) Auftaktdemo haben wir massenweise Flyer für Pink-Silver-Aktionen und unseren Infopunkt im Umweltzentrum verteilt. Die Demo war halt normal, die üblichen Redebeiträge, nur wenige gute Transpis. Danach haben wir mit einigem Aufwand unseren offenen Vorbereitungsraum im Umweltzentrum aufgebaut: Büchertische, viele verschiedene Flugis, Aufkleber, Plakate für Kommunikationsguerilla, Aktionsmaterialien, Pink-Silver-Ecke, Flyer zur Selbstorganisation in diesen Räumen, offene Presseplattform und und und...

Die Nutzung dieser Räume ging dann überwiegend von etwa 10-15 Leuten aus, ebenso viele Aktionen, K-Guerilla, verstecktes Theater usw. Die offene Presseplattform ist aufgrund mangelnden Interesses auf beiden Seiten wohl ziemlich gescheitert, die Möglichkeiten wurden einfach nicht genutzt. Auch auf Seiten des Bündnisses war die Beteiligung extrem schlecht, beim offenen Vorbereitungsplenum waren ausser uns vielleicht noch 15 Menschen. Ein konfrontativer Kurs gegen das Atomforum wurde nicht eingenommen. Verschiedene Blockadevorschläge von uns wurden nicht angenommen, statt dessen Folklore vor der Liederhalle, ein bisschen Transpi-Hochhalten. Einige Menschen versuchten kurz eine Sitzblockade vor dem Eingang der Tagungshalle, diese wurde aber sofort abgeräumt. Zwei Menschen gelang es, mit einem Transpi vor die 1400 fahrradfahrenden AtomarbeiterInnen zu kommen und so zwei von ihnen zu Fall zu bringen :-)

Mit sechs Menschen hatten wir um acht Uhr morgens das Dach des Max-Kade-Hauses (ein Studiwohnheim direkt neben dem Eingang der Liederhalle) besetzt, ein elf Meter langes Transpi entrollt, die Ankunft der Atomlobby und der ArbeiterInnen mit Parolen und Verbalattacken gestört... Die Bullen haben drei Stunden gebraucht, um auf das Dach zu kommen und uns in Gewahrsam zu nehmen. Ein Aktivist sitzt noch in U-Haft, ihm steht wohl ein Prozess kurz bevor. Berichte über die Dachbesetzung und zur aktuellen Lage des Inhaftierten stehen auf der Indy-Titelseite.

Eine weitere Sache war die RTS. Der Anfang direkt vor der Liederhalle war meiner Meinung nach total verpeilt: Rumstehen und warten, dann vermummte Bullen, die das ganze angreifen. Richtig effektiv wurde es dann erst, als die Pseudo-RTS sich zerstreute und viele Kleingruppen durch die Stadt zogen, immer mal wieder auf die Strasse gingen und tanzten, sich immer mal wieder trafen, mehrere Car-Walking-Aktionen, verpeilte Bullen. So was passiert halt, wenn mal alle Leute nicht auf einem Haufen rumstehen und warten...

Insgesamt: Wenig Leute, wenig konfrontative Aktionen, kaum Nutzung der offenen Infrastruktur, trotzdem ' ne Menge Spaß und gute Gespräche. Sehr deutlich wurde, dass die Anti-Atom-Bewegung sehr stark auf Castortransporte fixiert ist und ihre Kritik an der Atomkraft kaum mit einer Herrschafts- oder Kapitalismuskritik verbindet. Andererseits nutzten auch andere Zusammenhänge das Atomforum nicht, um dieses zu tun. Auch aus dem DA/von-unten-Spektrum haben viele Leute diese Gelegenheit nicht genutzt. Schade, aber München hat vorher gezeigt, dass was gehen KANN.

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