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ZUR KAMPAGNE "EXPO NO!" ZUR EXPO 2000 IN HANNOVER

Am Ende war die Expo ein Event, den sich auch die kritische Linke nicht entgehen lassen wollte


1. Ein paar Vorüberlegungen ...
2. EXPO-NO: Allgemeine Infos Links Materialien
3. Projektbeschreibung
4. Text zur Expo-Widerstand aus der Projektwerkstatt Saasen
5. Texte, Pressemitteilungen
6. Rezension und Buchtipp: Gegenbilder zur Expo
7. Jürgen Resch und Ernst Mischke
8. EXPO-Reader und weitere Materialien
9. Ein Prozessbericht
10. Auswertungstexte
11. Am Ende war die Expo ein Event, den sich auch die kritische Linke nicht entgehen lassen wollte
12. "Deutschland” ist kein Grund zum Feiern
13. Was lief im Vorfeld?
14. Die Aktionswoche
15. Umgang mit Frust und Repression
16. Inhalte
17. Mögliche Gründe
18. und jetzt?

Von Peter Nowak
Kurz vor Torschluß wird doch noch einmal daran erinnert, daß es die Expo noch gibt. Doch bezeichnenderweise waren es nicht etwa hochdotierte Expo-Manager, die auf die Idee gekommen sind, die Weltausstellung mit einer Message zu beenden. Der in die Jahre gekommene Altrocker Udo Lindenberg, von dem spätestens seit seinem Sonderzug nach Pankow bekannt ist, dass er den kurzen Dienstweg bevorzugt, hatte persönlich bei Niedersachsens Ministerpräsident interveniert. Da doch jetzt so viel vom Ruck gegen Rechts die Rede sei, würde es doch der Expo gut anstehen, wenn sie sich mit einem Rock gegen Rechts verabschieden würde. Star der Veranstaltung sollte, wen wundert es, Udo Lindenberg sein. So hat sich doch noch jemand gefunden, der die Expo nicht nur mit Schulden und Pannen in Verbindung bringt.
Für Inhalte und Botschaften der Weltausstellung hat sich kaum noch jemand interessiert. Sogar die GegnerInnen sind der Weltausstellung abhanden gekommen. Vor Expobeginn las man das noch ganz anders. Da wurde von Polizei und Medien das Bild einer militanten Bewegung an die Wand gemalt, die die Weltausstellung verhindern will. Schließlich wurde ja noch gemunkelt, dass Punks aus ganz Europa ihre berühmt-berüchtigten Chaos-Tage abhalten wollten. Manche Expo-GegnerInnen freuten sich insgeheim über das Bild des gefährlichen Staatsfeinds, dass da gezeichnet wurde. Dabei war schon lange vor der Expo-Eröffnung klar, dass die Widerstandsstrukturen mit diesem Image wenig zu tun haben. Auch wenn der Widerstand nicht erst im letzten Jahr begonnen hatte.
Schon Anfang der 90er Jahre war die Weltausstellung Ziel einer linken Kampagne, die im Wesentlichen von regionalen Initiativen aus Hannover und Umgebung getragen wurden. ?Zu teuer, zu gigantisch, zu unökologisch? - lauteten damals die Gegenargumente. Nachdem sich bei einer rechtlich nicht bindenden Postkartenumfrage eine knappe Mehrheit der HannoverannerInnen Mitte Juni 1992 für die EXPO aussprach, verebbte der Widerstand. Erst im Herbst 1999 wurde die EXPO in einigen linken Zusammenhängen wieder zum Thema. Nicht mehr die hohen Kosten sondern die Ablehnung der durch die EXPO vermittelten technokratischen Ideologie stand jetzt im Mittelpunkt der Kritik.
Die erfolgreichen Proteste gegen die Welthandelskonferenz (WTO) Ende November 1999 gaben der Anti-Expo-Bewegung Auftrieb. Warum sollte, was in Seattle möglich war, nicht auch in Hannover gelingen? Zu dieser Zeit hatten sich die Expo-KritikerInnen längst darauf festgelegt, die Eröffnung der Weltausstellung zum Höhepunkt des Widerstandes zu machen. Nach dem ernüchternden Beginn konnte von einem Expo-Widerstand dann keine Rede mehr sein. Zwar gab es zu einzelnen Ländertagen themenspezifische Aktionstage, die allerdings die Expo als Gesamtes nicht hinterfragten. Überlegungen, den Expo-Widerstand zu verbreitern, indem die entlassenen LeiharbeiterInnen agiert werden, wurden nie umgesetzt.
Kritische Stimme gab es schon im Vorfeld. So schrieben zwei Wochen vor Expobeginn drei im Expo-Widerstand aktive Gruppen aus Hannover: ?Das Potential der EXPO für die Linke, die Verknüpfung der einzelnen notwendigen gesellschaftlichen Kämpfe hatte keine Ausstrahlungskraft mehr, um zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit zu kommen. Wir sind an unserer Kraftlosigkeit gescheitert. Eine demonstrativ zur Schau gestellte Stärke ist Theater und unverantwortlich.? Verständlich, dass die Expo-AktivistInnen diese Sätze wenige Tage vor Beginn der Aktionswoche als demobilisierend empfunden hatten. Im Nachhinein muß man feststellen, dass die Prognose richtig war.
Man versuchte, sich über die Eröffnungspleite mit dem Hinweis zu trösten, dass der Widerstand ins Leere gelaufen war, weil die Expo nicht stattgefunden hatte. Doch da war eine gehörige Portion Zweckoptimismus dabei. In Wirklichkeit fand die Expo, die die MacherInnen angestrebt und die GegnerInnen bekämpft haben, nicht statt. Welterklärungsansätze und Zukunftsvisionen wollte sich in Hannover kaum jemand abholen, die wollte dort aber auch kaum jemand bekämpfen. Das war auch der Grund warum es sich gegen das IWF-Treffen in Prag Ende September so viel leichter mobilisieren liess, als gegen die Expo. Die wurde mittlerweile als eine der zahlreichen Events wahrgenommen, wie die Loveparade oder der verhüllte Reichstag 1996 in Berlin.
?Nichts gegen die Expo in Hannover, einige meiner besten Freunde waren dort. Doch sie war nur ein Silberstreif am Horizont, denn sie geht im Oktober zu Ende? ironisierte Rayk Wieland in der Monatszeitung konkret, die dafür geschätzt wird, dass ihre Autoren nicht auf jeden Zug der Bewegungslinken aufspringen. Maik Söhler schreibt in der poplinken Wochenzeitung Jungle World unter der Überschrift ?Expo ist großartig, alles andere ist Quark? eine Glosse über seine Gefühle am Rundgang durch die Messehallen in Hannover. ?Nicht mal ins Ausland muss man derzeit ausweichen um den deutschen Mief und Pief für ein paar Tage zu vergessen. Das Expo-Gelände in Hannover bietet sich mit seinen Länderpavillons aus aller Welt als ideales Refugium an. Nun denken Sie vermutlich sofort an Gen-Tech-Kritik, verräterische NGOs, Bevölkerungspolitik und die Manipulation der Herrschenden. .... Ganz falsch ist das alles nicht. Aber auch nicht so wichtig.?
Am Ende wollte sich die kritische Linken den Expobesuch doch nicht entgehen lassen. Es wären sicher noch viel mehr gewesen, wenn die Eintrittspreise nicht so hoch gewesen wären. Angesichts dieser Stimmen ist zu bezweifeln, ob vom Expo-Widerstand mehr übrig bleiben wird, als einige klugen Analysen und für die unmittelbaren AktivistInnen ein paar aufregende Sommertage in Hannover. Aber bei welcher Bewegung der letzten 10 Jahre war das schon anders?

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