Martin Luther

MARTIN LUTHER - KRITISCH BETRACHTET

Martin Luther - ein Vorbild?


1. Einleitung
2. Grundsätzliches zu Martin Luther
3. Die unbekannten Seiten des Martin Luther
4. Martin Luther - ein Vorbild?
5. Luther - deutschnationales Vorbild auch und gerade heute
6. Lob für den Hetzer
7. Aktion gegen Lutherverehrung
8. Links zu Martin Luther

Text aus dem Würzburger AKW-Info, Februar 2004

Der "andere" Luther: Sozialrassist, Antisemit, Reaktionär
Martin Luther ist "in": Bei der ZDF-Umfrage nach dem "Größten Deutschen" landete der Reformator auf Platz zwei und in dem Kinostreifen LUTHER wird er als "deutscher Held" verklärt, der das Mittelalter beendete. Daß Luther jedoch wesentliche reaktionäre Elemente der römisch-katholischen Lehre übernahm und sie teilweise noch verstärkte, wird völlig verdrängt. Nicht ohne Grund lobte Adolf Hitler den Kirchengründer schon 1923 als antisemitischen Vordenker.

In dem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mitfinanzierten Film LUTHER wird anschaulich das Leben des Augustinermönchs Martin Luther (1483-1546), seine Auseinandersetzungen mit inneren (er fühlt sich ständig in Versuchung gebracht durch "den Teufel") und äußeren Anfechtungen (durch geistliche wie weltliche Obrigkeit) sowie die Fehler und Verkrustungen der römisch-katholischen Kirche dargestellt.

Kirchenreformator ... und "deutscher Held"?
Auslöser von Luthers Gegnerschaft zur römisch-katholischen Amtskirche war der Ablaßhandel. Der Papst war verschuldet und wollte eine prächtige neue Kirche in Rom bauen, den Petersdom. Das Geld dafür sollten Ablaßprediger beschaffen, die gegen Geld Dokumente verkauften, in denen der Ablaß von Sünden versprochen wurde. Durch Spenden konnte so ein Platz im Himmel "erkauft" werden. Diesen antichristlichen Brauch lehnte Luther genauso ab wie Heiligenverehrung, Zölibat (ursprünglich Ehe-, später auch Sexverbot für den Klerus) und Priesterkult.

Für Heilige, Reliquienkult und fürs Zölibat sah er keine biblische Rechtfertigung, ebensowenig für die Hierarchie zwischen Priestern und LaiInnen. Mit der Übersetzung der Bibel ins Deutsche, die Sprache der gewöhnlichen Menschen, schuf er die Grundlage für das Priestertum aller Gläubigen sowie für das moderne Hochdeutsch. Luther kämpfte gegen den römisch-katholischen Klerus und Zentralismus, ersetzte ihn allerdings durch die Vergötzung weltlicher Herrschaft. Dem Hedonismus der kirchlichen Obrigkeit stellte der Reformator seine radikale Ablehnung jeglicher Fröhlichkeit und Freiheit entgegen.

An diesen zwei Beispielen wird die Zwiespältigkeit Luthers deutlich, der meist einen Fehler durch einen anderen ersetzte, z.B. die Macht der Päpste durch die der Fürsten. Dennoch leistete er einiges für die Reformation der Kirche, was in dem Film einleuchtend erklärt wird. Äußerst ärgerlich jedoch ist die starke Verklärung Martin Luthers. Er wird als "deutscher Held" porträtiert, der durch seinen Widerstand gegen das reaktionäre Papsttum in Rom und die Herrschaft der Priesterkaste über die Gläubigen angeblich das Mittelalter beendete und die Aufklärung nach Deutschland brachte.

Unbändiger Haß auf "das andere"
Daß Luther aber wesentliche reaktionäre Elemente der römisch-katholischen Lehre übernahm und sie teilweise sogar noch verstärkte, wird dabei ausgeblendet. Wer in der sozialen Hierarchie unten stand oder von gesellschaftlichen Normen abwich, zog sich den unbändigen Haß Luthers zu. Die Ermordung oder totale Auslöschung von Menschengruppen macht die grauenhafte "Qualität" seines Denkens aus. Seine sozialrassistischen Ansichten über Frauen, Atheisten, Bauern und Behinderte, sein eliminatorischer Antisemitismus, nicht zuletzt seine totalitären Ansichten über weltliche Herrschaft rückt der Film in mildes Licht oder verdreht sie gar ins Gegenteil.

So meinte der Reformator, es sei ein "gerechtes Gesetz", "Zauberinnen" (d.h. "Hexen") zu töten, denn "sie richten viel Schaden an". Behinderte bezeichnete Luther als "wahre Teufel" und wollte sie in der Gosse ersäufen. In LUTHER hingegen hilft er mehrmals einem behinderten Kind. Auch für Ehebrecher forderte Luther die Todesstrafe. Über Frauen äußerte sich der Reformator - im Gegensatz zur freundlichen Darstellung im Film - sehr abwertend: "Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur [...], sie sind darum da."

Vergötzung von Tyrannenherrschaft
In den Bauernkriegen ab 1524 bezogen sich die Aufständischen bei ihrer Rebellion gegen die ausbeuterische Fürstenherrschaft positiv auf Luther. Zudem unterstützte der Reformator Thomas Müntzer (um 1489-1525) die Bauern. Luther jedoch stellte sich klar auf die Seite der Reaktion: "Es ist besser, dass alle Bauern erschlagen werden als die Obrigkeiten und zwar deshalb, weil die Bauern ohne Gewalt von Gott das Schwert nehmen: Deshalb gebührt den Bauern keine Barmherzigkeit, keine Geduld, sondern der Zorn und Unwillen Gottes."

Der Reformator erging sich regelrecht in geistigen Gewaltorgien: "Steche, schlage, würge hie, wer da kann [...] Bleibst Du darüber tot, wohl dir, einen seligeren Tod kannst du nimmer mehr erlangen." Diese Haltung ist keineswegs nur dem Wunsch Luthers zuzuschreiben, das schreckliche Morden auf beiden Seiten zu stoppen. Vielmehr zieht sich die einseitige Vergötzung weltlicher Obrigkeit wie ein roter Faden durch Luthers Werk. So verteidigte er sogar Tyrannenherrschaft: "Es ist besser, wenn Tyrannen hundert Ungerechtigkeiten gegen das Volk verüben, als dass das Volk eine einzige Ungerechtigkeit gegen die Tyrannen verübt."

Indem er jegliche Fürsten- und Königsdespotie als von Gott gegeben darstellte, schuf Luther eine der geistigen Grundlagen für den blutigen Absolutismus. Bis heute konnte sich die protestantische Kirche in Deutschland nicht von ihrer starken Bindung an die weltliche Obrigkeit lösen. Dies ist sicher eine der wesentlichen Ursachen, warum der protestantische Klerus die meisten Verbrechen der Herrschenden mittrug - ob im Absolutismus, im deutschen Kaiserreich (mit dem preußischen König als Vorsitzendem der preußischen Landeskirche!), unter dem nationalsozialistischen Terrorregime oder aktuell mit der Unterstützung des radikalen Sozialabbaus und deutscher Angriffskriege.

Vordenker der Judenvernichtung
Am übelsten wütete Luther gegen Juden. Zu Beginn seiner dubiosen Karriere bekämpfte er noch den Antijudaismus. Als jedoch seine Judenbekehrungs-Versuche scheiterten, entwickelte er sich zum glühenden Judenhasser. Auf Luthers rassistischen, eliminatorischen Antisemitismus berief sich 1923 sogar Adolf Hitler ("Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck [...] sah er den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen") und noch am 29. April 1946 verteidigte sich der Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts "STÜRMER", Julius Streicher, bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen mit Luther. "Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind": Diese Luther-Worte kommen der STÜRMER-Parole "Die Juden sind unser Unglück" tatsächlich verblüffend nahe.

Der christliche Antijudaismus beschränkte sich bis Luther meist darauf, Juden zwangszutaufen bzw. ihnen gegen einen Übertritt zum Christentum Freiheit von Verfolgung und Benachteiligung zu versprechen. Luthers Antisemitismus hingegen war völkisch-rassistisch. Er wollte die Juden ausrotten, egal ob konvertiert oder nicht: "Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrenne, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich [...] Zum anderen, daß man auch ihre Häuser zerstöre."

"Siebtens soll man den jungen, starken Juden und Jüdinnen Flegel, Axt, Spaten, Rocken und Spindel in die Hand geben und sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiße des Angesichts." Diese Forderung nach Konzentrationslagern zur Verwertung und Vernichtung von Juden wurde schließlich durch die Nazis in die Tat umgesetzt. Zur gleichen Zeit wie Luther warb hingegen der christliche Humanist Erasmus von Rotterdam (1469-1536) für ein liberales Christentum und legte damit eine der Grundlagen für die modernen Konzepte von Demokratie und Menschenrechten. Selbstverständlich verwarf Luther derartig "ketzerische" Gedanken aufs heftigste.

Noch immer Vorbild?
Angesichts der eindeutigen Fakten ist unverständlich, warum die protestantische Kirche den üblen Demagogen Martin Luther weiter als Vorbild verkauft, z.B. in einer Unterrichtsbroschüre zum LUTHER-Film für die Klassen 7-13. Hubertus Mynarek, einer der prominentesten Theologen und Kirchenkritiker des 20. Jahrhunderts, schreibt in seinem Buch "Die neue Inquisition": "Nach heutigem Rechtsverständnis war Luther ein Krimineller, den der Staatsanwalt sofort verhaften ließe wegen Volksverhetzung (§130 StGB), Anstiftung zum Mord (§§26,211), [...] zum Landfriedensbruch (§§26,125) und [...] zu schwerer Brandstiftung (§§26,306)." Die eindringlichen Teufels-Heimsuchungen im Spielfilm LUTHER lassen den Kirchengründer sogar als Psychopath erscheinen. Wenn die protestantische Kirche (Ersatz-)Heilige benötigt - den Heiligenkult hatte Luther bekanntlich ebenso radikal abgelehnt wie eine "lutherische" Kirche -, sollte sie besser den protestantischen Humanisten und Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560) würdigen.

Michael Kraus

Literatur:

Im Original: Kritischer Text von Michael Krämer
Der Thesenanschlag Luthers am 31.10.1517 jährt sich im Jahre 2017 zum 500. Mal
Die EKD hat deshalb am 21. September 2008 bis 2017 die Luther-Dekade ausgerufen, innerhalb derer in vielfältiger Form des Reformators gedacht wird. Die Theologische Fakultät der Humbold-Universität Berlin veranstaltet in der Zeit vom 5. bis zum 7. Oktober 2015 eine internationale Tagung zum Thema "Protestantismus Antijudaismus Antisemitismus" (Konvergenzen und Konfrontationen in ihren Kontexten).
Am 31. Oktober 1517 hat Martin Luther in Wittenberg die 95 Thesen angeschlagen. Sie haben eine Diskussion ausgelöst, die schließlich zur Reformation geführt hat. Insbesondere in den Lutherstädten Wittenberg, Eisleben, Erfurt, Torgau und Eisenach/Wartburg werden daher bis 2017 zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt. Der Lutherische Weltbund (LWB) hat in Wittenberg ein Zentrum eingerichtet, durch das die Einbeziehung der Mitgliedskirchen in die Lutherdekade und die Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum sichergestellt werden soll. Damit wird die weltweite Ausstrahlung der Reformation unterstrichen und die internationale Bedeutung der Lutherdekade hervorgehoben. Einen sichtbaren Ausdruck findet das im Luthergarten, der in Vorbereitung auf das 500-jährige Jubiläum der Reformation in den Wallanlagen der Lutherstadt Wittenberg bis zum Jahre 2017 nach den Plänen vom Landschaftsarchitekten Andreas Kipar entsteht. Das Projekt wurde durch den LWB in Genf initiiert, unter Mitwirkung des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Martin Luther Protestantismus Antijudaismus Antisemitismus
Neben all diesen schönen und erbaulichen Erinnerungen und Veranstaltungen scheint 500 Jahre nach dem Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg aber mehr und mehr auch die Frage nach Martin Luther, dem Protestantismus und seiner Verbindung mit dem Antijudaismus und dem Antisemitismus in die öffentliche Diskussion zu drängen.
So scheinen sich in jüngster Zeit auch in der evangelischen theologischen Wissenschaft zwei gegensätzliche Auffassung zum Thema "Martin Luther und der Antijudaismus/Antisemitismus" herauszubilden: "So sieht die eine Gruppe Luther heute tatsächlich eher kritisch. Sie ist der Auffassung, Luther sei nicht, wie es die andere Auffassung behaupte, zunächst (1523) judenfreundlich gewesen und erst im Alter (1543), aufgrund seiner Enttäuschung über die Bekehrungsunwilligkeit der Juden, zum Judenhasser geworden. Martin Luther sei auch nicht nur ein Kind seiner Zeit gewesen, und habe den Antijudaismus ausschließlich theologisch begründet. Tatsächlich habe er seine antisemitischen Forderungen zur Brandstiftung an den Synagogen, zur Zwangsarbeit für die jungen Juden und letztlich zur Vertreibung der Juden als politische Forderung an die Grafen von Mansfeld gerichtet. Deshalb sei auch die Unterscheidung der anderen wissenschaflichen Vertreter, es sei strikt zwischen dem theolgisch begründeten Antijudaismus und dem rassisch begründeten Antisemitismus zu unterscheiden künstlich. Dieser durch Luther begründete Antijudaismus/Antisemitismus sei auch, engegen der Auffassung der Kritiker, in der weiteren Tradition des Protestantismus nicht nur von untergeordneter Bedeutung gewesen., sondern es gebe einen Traditionsstrang dieses Antijudaismus/Antisemitismus im Protestantismus seit der Reformation gerade in der adeligen und großbürgerlichen protestantischen Schicht bis in das 20. Jahrhundert hinein."
Johann Gottfried Herder (1744–1803), Hofprediger in Bückeburg und Generalsuperintendent und Zeitgenosse Goethes in Weimar, hielt die Juden für "verdorben", "ehrlos" und "amoralisch", aber durch Erziehung zu bessern. Er deutete ihre Diaspora-Situation als Unfähigkeit zu einem eigenen Staatsleben und prägte den oft zitierten Satz, Juden seien seit Jahrtausenden eine parasitische Pflanze auf den Stämmen anderer Nationen. Er forderte die Abkehr von ihrer Religion als Voraussetzung für ihre nationale und kulturelle Integration.
Das im Jahre 1822 erschienene Werk von Hundt-Radowski "Die Judenschule" nehme auf Luthers antijudaistischen Schriften Bezug.
1883 habe der Historiker Heinrich von Treitschke eine Rede mit dem Thema "Luther und die Deutsche Nation" gehalten, in der er den Protestantismus als Hüter des "Deutschtums gegen fremdes Volkstum bezeichnet habe.
Von Treitschke stammt der Satz "Die Juden sind unser Unglück", der später das Schlagwort des nationalsozialistischen Hetzblattes Der Stürmer wurde. Treitschke formulierte diesen Satz in dem aufsehen erregenden Aufsatz Unsere Aussichten (1879) als angeblichen parteiübergreifenden Konsens seiner Zeitgenossen "wie aus einem Munde" und erhob darin Forderungen nach Zurückdrängen des gesellschaftlichen Einflusses der Juden.
1887 sei das "Handbuch zur Judenfrage" von Theodor Fritsch erschienen in dem zwanzig mal auf Luther Bezug genommen werde.
Der in der evangelisch-lutherischen Tradition tief verwurzelte Antijudaismus/Antisemitismus gipfelte im Jahre 1938 in einer Schrift des evangelischen thüringischen Landesbischofs Martin Sasse die am 23.11.1938 zur Rechtfertigung der Reichspogromnacht vom 09. auf den 10 November 1938 unter dem Titel "Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen" herausgegeben wurde. Martin Sasse führt in seinem Vorwort zu dieser Schift folgendes aus:"Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volke wird zur Sühne für die Ermordung des Gesandtschaftsrates vom Rath durch Judenhand die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. Der Weltkatholizismus und der Oxford-Weltprotestantismus erheben zusammen mit den westlichen Demokratien ihre Stimmen als Judenschutzherren gegen die Judengegnerschaft des Dritten Reiches. In dieser Stunde muß die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert aus Unkenntnis einst als Freund der Juden begann, der, getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden. In dieser Schrift soll nur Luther mit seinen eigenen Worten zu uns reden. Seine Stimme ist auch heute noch gewaltiger als das armselige Wort gottferner und volksfremder internationaler Judengenossen und Schriftgelehrter, die nichts mehr wissen von Luthers Werk und willen. Wartburgstadt Eisenach, den 23. November 1938. Martin Sasse"

In der weiteren Folge zitiert Landesbischof Sasse auschließlich aus Luthers Schrift von 1543 "Von den Jüden und ihren Lügen" in der Luther ausführte: "Was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? Zu leiden ist's uns nicht, nachdem sie bei uns sind und wir solch Lügen, Lästern und Fluchen von ihnen wissen, damit wir uns nicht teilhaftig machen aller ihrer Lügen, Flüche und Lästerungen. So können wir das unlöschliche Feuer göttlichen Zorns nicht löschen noch die Juden bekehren. Ich will meinen treuen Rat geben:
Erstlich, daß man ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecke, und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, daß wir Christen seien und solch öffentlich Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gebilligt haben.
Zum anderen, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre; denn sie treiben eben dasselbe darinnen, was sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun, wie die Zigeuner [!], auf daß sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Land, wie sie rühmen.
Zum dritten, daß man ihnen nehme all ihre Betbüchlein und Talmudisten, darin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird.
Zum vierten, daß man ihren Rabbinern bei Leib und Leben [!] verbiete, hinfort zu lehren; denn solch Amt haben sie mit allem Recht verloren.
Zum fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe; denn ihr sollt sie nicht schützen, es sei denn, ihr wolltet vor Gott aller ihrer Greuel teilhaftig sein.
Zum sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete. Alles was sie haben, haben sie uns geraubt durch ihren Wucher.
Zum siebenten, daß man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nasen, wie Adams Kindern auferlegt ist."

Am 06.Mai 1939 führte der im Protestantismus in Deutschland tief verwurzelte Antijudaismus, der durch die Nazis und die Deutschen Christen aufgegriffen und in einen rassisch begründeten Antisemitismus umgemünzt wurde, zur Gründung des so genannten "Entjudungsinstitutes" in Eisenach, welches von 11 von 28 evangelischen Landeskirchen finanziert wurde und innerhalb dessen sich 300 evangelische-theologische Wissenschaftler mit der Frage der Entjudung des evangelischen kirchlichen Lebens befasst haben.
Das Fazit kann deshalb nur lauten: Von Luthers Antijudaismus des Jahres 1543 bis zur Gründung des Entjudungsinstituts durch 11 von 28 evangelischen Landeskirchen in Deutshland im Jahre 1939 war es zwar ein fast 400 Jahre dauernder, aber doch ein ziemlich direkter Weg, auch wenn das von renomierten evangelischen-theologischen Wissenschaftlern immer wieder bestritten oder doch relativiert wird.
Die evangelische Pfarrerin Sybille Biermann-Rau hat deshalb in ihrem Buch mit dem Titel "An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen – Eine Anfrage" folgendes ausgeführt: "Die Absage an den Antijudaismus, und insbesondere den von Martin Luther, halte ich für eine Bekenntnisfrage. Gehört eine solche Absage nicht in die Grundordnung einer Kirche, die sich eine lutherische nennt bzw. sich auf Luthers Theologie beruft? Wir können Luthers reformatorische Erkenntnisse und Luthers Bibelübersetzung -allen voran die der Psalmen- nur dann gebührend würdigen und die 500-jährige Wiederkehr des Thesenanschlags nur dann recht feiern, wenn wir uns deutlich von seinem Antijudaismus distanzieren. So habe ich die Hoffnung, dass die Evangelische Kirche in Deutschland, vertreten durch die Synode und den Rat der EKD, öffentlich und verbindlich Luthers Judenfeindschaft als Irrweg erklärt - wenn nicht zu Beginn der Lutherdekade, so im Laufe dieser Jahre bis 2017. "


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