Prozesstipps

DIREKTE AKTIONEN GEGEN WAHL & HERRSCHAFT

Kommunikationsguerilla, Subversion


1. Einleitung
2. Wahlboykott
3. Wahlplakate
4. Wahllokale zum Aktionsort machen
5. Kommunikationsguerilla, Subversion
6. Straßentheater & Co.
7. Mehr Aktionsideen
8. Alles zusammen: Die Mischung machts
9. Links

Initiative "Pro-Wahl"
Ihr gründet eine Bürgerinitiative "Pro-Wahl", die während der Wahlk(r)ampfphase mit Pressemitteilungen, Infoständen in die öffentliche Debatte eingreift. Gegenüber BürgerInnen total überzeichnet, aber ernsthaft argumentieren, als wärt ihr die überzeugtesten DemokratInnen schlechthin: "Auch nach diesen Wahlen wird sich an Umweltzerstörung, Krieg und weltweiter Armut nichts verändern. Gerade deshalb ist es unabdingbar, dass Sie wählen gehen." "Weder SPD, CDU, Grüne, noch PDS werden. Deshalb ist es um so wichtiger, dass Sie wählen gehen." Und das in einer schicken Broschüre, die ihr überall in Briefkästen wandern läßt usw. Ziel ist, die absurde Logik von Wahlen und Parlamentarismus offen zu legen, die vorgetäuschte, demokratische Freiheit zu demaskieren. Noch verzwickter wird es, wenn ihr eine andere Gruppe eingreifen läßt, die zum Wahlboykott aufruft und euch darauf bezieht. Oder z.B. ein ,offizielles' Behördenschreiben, dass absolut sachlich-neutral den Ausfall der Bundestagswahl mit der Begründung erklärt, dass es ohnehin keine wirklichen Änderungen geben würde.

Wahl-Lotterie
Ihr macht einen schmucken, ansprechend wirkenden Infostand mit Wahl-Lotterie in der Innenstadt; dabei die vorbei gehenden Menschen laut redend einladen, mitzuspielen: "Spielen sie mit! Hier gewinnt immer die Demokratie! Hier kommt immer Deutschland dabei heraus!" Dazu gebastelte Hütchen mit Parteienlogos auf eurem Infotisch, Leute auffordern, darunter zu kucken ... unter allen Hütchen befindet sich Kunstscheiße oder D-Land-Symbole. Die Reaktionen der Leute aufgreifen und so Diskussionen über Wahl & Herrschaft starten. Unterstützend noch ein inhaltliches Flugblatt bereit stellen ("Wahlen ... eine Spielanleitung"). Textidee: "Wollen Sie ihren BürgerInnen das Gefühl von Mitbestimmung geben, ohne sie real an Entscheidungen zu beteiligen? Dann sind Wahlen genau das richtige für Sie!"

Fakes
Authentische Internetseiten von SPD, Grünen & Co. berichten unverblümt über die ‚wirklichen' Interessen und Kungeleien der Parteien. Die Herstellung täuschend echter Kopien ist auch bei geringen HTML-Kenntnissen problemlos. (Gutes Beispiel: welcome.to/gastronomie-gegen-nato). Infostände von Parteien mit überzeichneten Slogans können sehr wirksam sein. Allerdings greifen diese Aktionen für sich stehend nur einzelne Parteien an, die systemkritische Ebene fehlt.

Wahlplakate verändern
Mit Minimalaufwand (Sprayschablonen und Eddings helfen...) verändert ihr die Aussagen von Wahlplakaten. Manchmal reicht ein Wort, um die Bedeutung der ursprünglichen Aussage zu verkehren. Im Vorfeld der NATO -Tagung tauchten in München z.B. massenweise Plakate mit Oberbürgermeister Ude auf, auf denen "Wir unterstützen Mieter" in "Wir unter-stützen Mörder" verändert war. Denkbar sind Sprechblasen mit Sprüchen gegen Wahl und demokratische Herrschaft. Für eine gute KG drauf achten, dass die Veränderung nicht als solche zu erkennen ist! Ein paar Vorlagen gibt es bereits, die zum Download bereit stehen.

Interessant sieht es auch aus, wenn die grinsenden Gesichter auf Plakaten plötzlich Augenbalken haben, also kaum noch unterscheidbar sind. Dazu kann mensch natürlich auch das Logo der Partei mit einem Kästchen überkleben. Wenn man (mit einer kleinen Schriftart) noch einen netten Spruch, oder ein Zitat auf diese Papierstreifen drauf bringt ... noch netter! Oder selber Plakate ducken lassen .. mit Logos aller großen Parteien und mit dem Spruch: "Wählt einen von uns, ändern wird sich nichts". Oder offiziell aussehende Zettel auf die Plakate kleben, welche den Ausfall der Wahl oder deren Verlegung verkünden.

Wahlveranstaltungen "sprengen"
Wahlveranstaltungen zu verhindern erweist sich aufgrund verstärkter Sicherheitsvorkehrungen als schwierig. Viel weniger Aufwand entsteht für euch, wenn ihr als ,Fans' der jeweiligen PolitikerInnen auftaucht: Mit Jubelorgien, endlosem Applaus und Sprechchören ist schon so manche Wahlveranstaltungen vor Ort gesprengt worden, weil die RednerInnnen irgendwann entnervt aufgeben. Andere bevorzugen Farbbeutel (kein Aufruf zu Straftaten, gibt möglicherweise mächtig Ärger mit staatlichen Repressionsorganen!).

Fischer & Co. in Göttingen (August 02)
Gestern haben die Grünen hier in Göttingen eine Wahlkampfveranstaltung auf dem Marktplatz gemacht. Es redeten im strömenden Regen von der Ballustrade des Rathauses: Margit Göbel, Stefan Wenzel (Land- und Kreistag), Jürgen Tritten, Joschka Fischer. Zahlreiche Aktionen kommentierten das Geschehen, im folgenden eine kleine Liste:
  • Die Antifa hat eine kleine Demo (200 Leute) zum Marktplatz gemacht, dabei hatten sie Schilder in B90/Grüne-Design mit verschiedenen Sprüchen
  • mehrere andere Gruppen hatten ebenfalls Schilder auf denen (oft ebenfalls in dem Design der Grünen) gegen Krieg und neoliberale Politik protestiert wurde, außerdem wurden am Gänseliesel-Brunnen Anti-Atom-Transpis angebracht
  • es gab ein inhatlich fundiertes Flugblatt zur Situation im Irak und den Kriegsvorbereitungen bzw. der Politik gegen den Irak, das Flugi wurde allerdings zu wenig verteilt, was vielleicht auch an dem strömenden Regen lag, der jedes Papier sofort durchnässt hat
  • an der gegenüberliegenden Häuserzeile haben zwei Kletterer versucht ein Riesentranspi vom Dach abzuseilen, das gelang im Prinzip auch, nur leider ist das Transpi bei der Aktion zerrissen, so daß man es nicht mehr lesen konnte
  • vorne in der Menge hat sich eine Gruppe diverse Sprüche für Krieg gerufen ("Wir sind Grüne, wir wollen Krieg!") und den Grünen frenetisch zugejubelt; auf zwei umgedrehten Schirmen wurde ein Transpi aufgespannt mit dem Spruch "Humanitär bombardieren, aber konsequent" und dem B90/Grüne-Logo (Sprüchezettel anbei)
  • die Minister, Bullen und viele andere wurden mit Konfetti beworfen
  • überall auf dem Marktplatz wurden hunderte DIN A7-Zettelchen in die Luft geworfen, auf der einen Seite zeigten sie einen Panzer ("Unser Ziel: Der 3-Liter-Panzer" plus umgestaltetes B90/Grüne-Logo "Bund 90/Olivgrün"), auf der anderen Seite zeigten sie Kampfjets ("Grün ist der Solarbomber" und ein umgestaltetes Grünen-Logo "Jäger 90/ Die Grünen")
  • mit Trillerpfeifen, Stadiontröten und Rufen wie "Kriegstreiber" hat eine weitere schwarz gekleidete Gruppe vorne die Reden kommentiert (insgesamt in den vorderen Reihen ziemlicher Lärm, in den hinteren Teilen des Platzes ließen sich die Reden wegen der leistungsstarken Anlage dennoch ganz gut verfolgen - den Protest haben aber auch alle mitbekommen)
  • es sind einige Farbeier geflogen, eins traf das Rathaus (ich habe allerdings im Gegensatz zur Presse sonst nicht so viele Wurfgeschosse gesehen)

Außerdem: Die Bullen waren massiv vor Ort, vor allem hatte sich eine sehr große Anzahl Zivi-Bullen unter die Leute gemischt. Die haben dann teilweise ziemlich brutal und ohne Rücksicht auf die Umstehenden versucht, WerferInnen herauszugreifen. Dabei ist - vielleicht willentlich - auch das "Humanitär bombardieren"-Transpi zerrissen worden (nach einige Sekunden).

Fazit: Die Kommunikationsguerilla-Aktionen haben ein bißchen an der Durchmischung der Protestierenden gelitten. Am Ende haben sich eher der gewohnte Spruch "Kriegstreiber" und der allgemeine Stör-Lärm durchgesetzt. Allerdings war die Koordinierung insgesamt auch mehr als schwierig, da die allermeisten Leute auf dem Platz unter Schirmen standen, großer Lärm war und man gar keinen Überblick bekam. Die Veranstaltung hat insgesamt (3 Redner!) nur 40 Minuten gedauert, da sonst Fischer alleine schon mal eine Stunde redet (laut taz) und auf dem Platz auch viele ZuhörerInnen waren, die nicht mitprotestiert haben, muß man das als Folge des Protestes werten, denen die ergiebiegen Regengüsse aber sicher geholfen haben. Fischer mußte am Ende mit Polizeischilden abgeschirmt werden.

Gut: Die Kommunikationsguerilla war am Anfang gut (als nicht enden wollende Joschka-Rufe den Lokalmatador Trittin verwirrten) und gut wäre auch gewesen, nach Ende der Reden nochmal laut zu rufen (da hätte man das nämlich über den ganzen Platz hören können) - der Regen war jedoch unerträglich. Gut sind vermutlich auch spontane Kommentare, wie z.B. die "Aldi, Aldi"-Rufe, als Trittin das Engagement der Kette bzgl. des Dosenpfands lobte. Die Dachkletterer waren toll, mir tat es echt leid, daß deren Transpi zerriß.

Wahlparties "angreifen"
Wahlparties (nach der Wahl) stören, vor allem in größeren Städten. Sehr witzig wäre, dort alle Fernseher lahm zu legen, zuzukleben oder zu übermalen - natürlich mit inhaltlicher Vermittlung.


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