Keine A49

VERKEHRSWENDE IM VOGELSBERGKREIS

Bahn und Bus rund um Alsfeld und Lauterbach


1. Übersicht
2. Noch mehr Autobahn? A49-Weiterbau von Schwalmstadt zur A5
3. Was zerstört würde: Eindrücke rund um die geplante A49-Trasse
4. Straßen säen, Verkehr ernten - Betonpolitik geht weiter!
5. Bahn und Bus rund um Alsfeld und Lauterbach
6. Per Fahrrad im Vogelsberg

Zentrale Bahnverbindung im Vogelsbergkreis ist - der Name sagt es schon - die Vogelsbergbahn. Allerdings durchführt sie nur die nördliche Hälfte.

Text auf "Alsfeld minus Fremdenverkehr" am 27.11.2019
Zweigleisige Vogelsbergbahn plus Reaktivierungen
Die Vogelsbergbahn zwischen Gießen und Fulda ist das Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Vogelsberg. Aus Gründen der Umwelt- und Klimapolitik, zur besseren Erschließung der Region über die Schiene, aber auch zur Lösung der Verkehrsprobleme vor Ort ist ein Ausbau der Vogelsbergbahn unerlässlich. Die 106 Kilometer lange eingleisige Bahnlinie war ursprünglich zweigleisig projektiert. Ein genereller zweigleisiger Ausbau ist notwendig, um die Vogelsbergbahn attraktiver und leistungsfähiger zu machen. Nur so können Standzeiten im Begegnungsverkehr vermieden und im Rahmen eines künftigen Deutschland-Taktes die Anschlussverbesserung und -sicherung gewährleistet werden.
Wer die ländliche Region stärken will, darf nicht Bahnstationen auf dem Lande dicht machen. Durch einen kapazitätssteigernden Ausbau können bereits stillgelegte Bahnhöfe wie Wallenrod wieder in Betrieb genommen werden. Zudem stehen die Kommunen entlang des Schienenstranges in der Verantwortung, endlich Maßnahmen zu ergreifen, ihre Bahnstationen zu modernisieren und barrierefrei umzugestalten. Hier hinken die Bahnhöfe entlang der Vogelsbergbahn, insbesondere im östlichen Abschnitt, noch erheblich hinterher.
Für die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung beschlossene Verdopplung der Fahrgastzahlen im Eisenbahnverkehr ist die Wiederbelebung stillgelegter Strecken ein wichtiger Schritt. Mit diesen neuen, alten Eisenbahnverbindungen kann der Schienenverkehr nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch in ländlichen Regionen schnell gestärkt werden und Deutschland beim Klimaschutz rasch vorankommen. Inzwischen hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer seine Unterstützung erklärt und schlägt in einem Gesetzentwurf vor, auch die Reaktivierung von Eisenbahnstrecken künftig aus den deutlich erhöhten Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) zu fördern.
Um die Ost-West-Bahnverbindung in der Region deutlich zu verbessern und den Anschluss an die Vogelsbergbahn herzustellen, kommen zwei Reaktivierungen in Frage: die Lumdatalbahn zwischen Lollar und Grünberg und die Ohmtalbahn zwischen Kirchhain und Burg- und Nieder-Gemünden. Die zweigleisige Vogelsbergbahn und die Reaktivierungen wären ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des ÖPNVs, für eine Verkehrswende, für die Stärkung des ländlichen Raums in Mittelhessen.

Extraseite zur Vogelsbergbahn mit konkreten Vorschlägen

Reaktivierung stillgelegter und Stärkung vorhandener Bahnstrecken
Vor einigen Jahrzehnten durchzogen mehrere Bahnlinien den Vogelsbergkreis - viele auch über die Kreisgrenze hinaus in alle Richtungen bis zu den nächsten Bahnstrecken oder größeren Orten. Heute ist nur noch eine Linie in Betrieb - die von Fulda über Lauterbach und Alsfeld nach Gießen.

Reaktivierung Kirchhain – Homberg (Ohm) - Burg-/Nieder-Gemünden)
Ziel wäre zum einen die Anbindung der knapp 7500 Einwohner zählenden Kleinstadt Homberg (Ohm) und der touristisch attraktiven Orte Amöneburg und Schweinsberg sowie der Anschluss mehrerer kleinerer Ortschaften an die Main – Weser – Bahn. Zum anderen ähnelt der Streckenverlauf der geplanten A49, d.h. die Bahnstrecke kann auch die Autobahn überflüssig(er) machen.

Im Januar 2020 kam plötzlich Bewegung in die Sache. Landkreise und Gemeinden trafen sich und forderten die Reaktivierung.

Aus "Wiederauflebung der Ohmtalbahn? beide Landkreise verabschieden Erklärung", auf: OsthessenNews am 29.1.2020
Soll die Ohmtalbahn, die von 1900 bis 1980 zwischen Marburg-Biedenkopf und dem Vogelsbergkreis verkehrte, reaktiviert werden? Fakt ist, die Verkehrsanbindungen zwischen den beiden Landkreisen sollen verbessert werden. Ob im Zuge einer Reaktivierung der Bahn, soll im Rahmen einer Vorstudie geklärt werden. Darauf verständigten sich am Mittwoch Landrat Manfred Görig, die beiden ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak (Vogelsbergkreis) und Marian Zachow (Marburg-Biedenkopf) sowie die Rathauschefs der Anliegerkommunen Homberg, Gemünden, Kirchhain, Amöneburg und Stadtallendorf bei einem gemeinsamen Gespräch im Rathaus in Homberg. ...
Landrat Manfred Görig, die beiden Kreisbeigeordneten sowie Bürgermeisterin Claudia Blum (Homberg) und ihre Kollegen Lothar Bott (Gemünden), Olaf Hausmann (Kirchhain), Michael Plettenberg (Amöneburg) und Christian Somogyi (Stadtallendorf) verabschiedeten abschließend eine gemeinsame Erklärung mit folgendem Inhalt:
1. Die Bürgermeister und die beiden Landkreise kommen überein, dass die Verbesserung der Verkehrsverbindungen zwischen beiden Kreisen und den beteiligten Kommunen für die Zukunft wesentlich ist. Hinsichtlich einer Reaktivierung stellen sich eine Fülle offener Fragen und Probleme, gleichwohl soll diese Thematik weiterverfolgt, aber in eine ganzheitliche, verkehrsträgerübergreifende Sicht auf die verbesserte Vernetzung beider Regionen eingebettet werden.
2. Deswegen bilden beide Kreise sowie die beteiligten Kommunen eine Steuerungsgruppe, die folgende Schritte in Angriff nehmen will
a) Prüfung einer Optimierung der ÖPNV-Verbindungen zwischen beiden Landkreisen, zum Beispiel evtl. Durchbindung Linie 80 Marburg-Homberg-Burg- und Nieder Gemünden oder Linie 82 Kirchhain-Homberg-Burg- und Nieder-Gemünden oder Verlängerung Stadtverkehr Stadtallendorf über Schweinsberg nach Homberg-Ohm
b) Gemeinsame Beauftragung einer Vorstudie zur Machbarkeit einer Reaktivierung, dabei soll in besonderer Weise im Blick sein, dass Reaktivierungsüberlegungen weder den Radwegeplanungen noch den Ausweitungs- und Entwicklungsplanungen anliegender Unternehmen entgegenstehen dürfen.
3. Beide Kreise und Kommunen bekennen sich klar zur Bedeutung der Ohmtalbahn für den Güterverkehr und sprechen sich für langfristige Sicherung und Weiterentwicklung der Strecke bis Nieder-Ofleiden aus.
4. Grundsätzlich stimmen alle Gesprächsteilnehmer darin überein, dass eine Reaktivierung nur als Gesamtstrecke zwischen Main-Weser-Bahn und Vogelsbergbahn Sinn macht und Teil- und Insellösungen keinen Sinn ergeben.


Leser*innenumfrage dazu am 30.1.2020

Ohmtalbahn in der Reaktivierungsübersicht im Entwurf des Nahverkehrsplans (ZOV-Gebiet)
TRASSENSICHERUNG STILLGELEGTER STRECKEN
Die aktuellen Regionalpläne von 2010 für Süd- und Mittelhessen listen außer den o.g. Reaktivierungsstrecken folgende stillgelegte Strecken auf, deren Trassen planerisch gesichert werden:
- Hungen – Laubach
- Stockheim – Gedern – Lauterbach
- Burg- und Nieder Gemünden – Kirchhain (Ohmtalbahn)
Die Wettertalbahn Bad Nauheim - Griedel - Münzenberg wird seit 2003 von einem Museumsbahnverein betrieben.
Mit Ausnahme der Ohmtalbahn gibt es aktuell keine Überlegungen, die Reaktivierungswürdigkeit weitere stillgelegter Strecken zu überprüfen. Eine Vorstudie soll bezüglich der Ohmtalbahn Status und Möglichkeiten der in Teilen abgebauten und entwidmeten Strecke ermitteln.


Bahnstrecke Niederaula-Alsfeld

Der lückenhafte ÖPNV auf dem Lande
Viele Orte im Vogelsberg sind kaum oder gar nicht angebunden - Autofahren ist hier erzwungen, wenn mensch mobil sein will. Wer sich keines leisten kann bzw. keinen Zweit- oder Drittwagen in der Familie, ist von der gesellschaftlichen Teilhabe oft ausgeschlossen. Die Defizite treffen nicht nur kleine Dörfer, selbst in der Kreishauptstadt sind wichtige Einrichtungen abgehängt.

Fahrplanauskunft für das Krankenhaus in Lauterbach: Zu Fuß gehen ...

Aus "Krankenhaus wird nicht mehr angefahren", in: Lauterbacher Anzeiger, 22.2.2020
Wer das Lauterbacher Eichhof-Krankenhaus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen will, der muss kerngesund sein. Denn zur Klinik am Rand der Stadt führt von der nächstliegenden Haltestelle "Am Wörth" ein steiler Fußmarsch die Straße "An der Ritsch" hoch, wobei das letzte Stück am Eichhof-Schlösschen vorbei etwas flacher im Anstieg verläuft und so nach der sportlichen Herausforderung Luft schnappen erlaubt. Seit einigen Jahren wird die Haltestelle "Krankenhaus Eichhof" nicht
mehr angefahren. ...
Das Busnetz sei aus Kostengründen gestrafft worden. Früher habe die Stadt mehr als 60 000 Euro zuschießen müssen, jetzt seien es nach einigen Kostensteigerungen immer noch deutlich unter 40 000 Euro. ...
Derzeit nutzen Mitarbeiter und Besucher der großen Einrichtung also überwiegend private Pkw, wenn sie denn nicht als Krankentransport anreisen. Entsprechend werden Parkplätze gebraucht, zu bestimmten Behandlungszeiten herrscht derzeit ein akuter Mangel. Der Öffentliche Personen-Nahverkehr spielt praktisch keine Rolle wie beispielsweise auch beim künftigen Finanzamt in der Schillerstraße, wo die Mitarbeiter ja dann alle ein kostenloses Jobticket erhalten, aber letztlich doch aufs Auto angewiesen sind.

Park&Ride
Das Konzept, durch gute Parkplatzangebote Menschen zumindest zur Kombination Auto-Bahn zu bewegen, ist mehrschneidig. Denn es fördert das Autofahren und erfordert erhebliche Flächen für Stehzeuge. Je dezentraler das Ganze organisiert wird, desto kürzer werden die Autostrecken. Das aber setzt voraus, dass es überhaupt Haltestellen an den kleineren Orten entlang der Bahnlinie gibt.


Liste von aus- und überlasteten Parkplätzen an Bahnhöfen im Gießener Umland im Entwurf des Nahverkehrsplans (ZOV-Gebiet) - etliche der genannten Bahnhöfe würden durch zusätzliche Haltestellen entlastet (z.B. Reiskirchen durch Haltepunkte in Lindenstruth und Buseck-Industriegebiet, Buseck durch Rödgen und ebenfalls Industriegebiet sowie Lauterbach durch Haltepunkte in Wallenrod und Heblos/Rimlos).

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