Laienverteidigung

TEXTE AUS UND ÜBER NGOS

WWF


1. WWF
2. Grüne Liga
3. BUKO ... Attac für Linke?
4. Blicke in die Praxis der sog. RadikaldemokratInnen ... zentralistisch und hierarchisch!
5. Nabu (Naturschutzbund)
6. Greenpeace
7. Links

Aus Murr, Günter (1996): „Entwicklung und Handlungsmöglichkeiten von Umweltverbänden in der internationalen Politik“, Ökom Verlag Schriftenreihe Nr. 1, München
1971 wurden die Finanzen des WWF auf eine neue Grundlage gestellt. Prinz Bernhard gründete den Exclusiv-Club The 1001: A Nature Trust. Er bat 1000 wohlhabende Personen, jeweils 10 000 US-Dollar dem WWF zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Kapitalstock sollte die Verwaltung der Organisation finanziert werden, so daß die eingehenden Spenden voll für die Naturschutzarbeit verwendet werden können. Die Idee für The 1001 stammte ursprünglich von dem südafrikanischen Tabak-Industriellen Anton Rupert, Präsident von WWF-Südafrika und später Vizepräsident von WWF-International. Zur Anwerbung der Spenden stellte Rupert dem WWF Charles de Haes, einen Mitarbeiter seines Tabakkonzerns Rothmans, kostenlos zur Verfügung. 1975 wurde de Haes neben Fritz Vollmar Ko-Direktor und 1977 alleiniger Generaldirektor von WWF-International (bis 1993). Im November 1973 hatte de Haes die angestrebte Zahl von 1000 Spendern zusammen (das 1001. Mitglied ist Prinz Bernhard selbst). 60 davon kamen aus Deutschland. Neue Spender können in den Club nur eintreten, wenn ein Mitglied ausscheidet. Mittlerweile wurde die Höhe der Einlage auf 25 000 Dollar aufgestockt, das Gesamtvolumen der Stiftung beträgt somit mehr als 14 Millionen Schweizer Franken. Die Mitgliedslisten des "Clubs der 1001" behandelt der WWF streng vertraulich. Raymond Bonner vermutet, daß die Organisation einige Clubmitglieder von zweifelhafter Reputation verheimlichen möchte. So sollen zum Beispiel Präsident Mobutu von Zaire und ein amerikanischer Industrieller, der Regenwälder abholzen läßt, Mitglieder des Clubs sein. Überproportional vertreten seien weiße Südafrikaner. Laut Bonner war das für viele von ihnen zu Zeiten der Apartheld eine der wenigen Möglichkeiten, Mitglied in einem internationalen Club zu werden und Kontakte zu Industriellen und Adligen zu knüpfen. Der starke Einfluß der Südafrikaner ist für Bonner auch ein Grund dafür, warum der WWF lange Zeit Südafrikas Widerstand gegen ein Verbot des Elfenbeinhandels unterstützt hat. (S. 51)
Strategie des WWF war es immer, prominente Persönlichkeiten wie Unternehmer, Politiker oder Wissenschaftler für Repräsentations-Ämter zu gewinnen. Bekannteste Beispiele sind Prinz Bernhard und Prinz Philip, die jeweils 15 Jahre an der Spitze von WWF-International standen bzw. noch stehen. Prinz Sadruddin Aga Khan, der damals Berater des UN-Generalsekretärs war, wurde 1986 zum Vizepräsidenten des WWF gewählt. Von seiten der Wirtschaft waren unter anderem die Schweizer Industriellen Luc Hoffmann und Rudolf Geigy von Anfang an im Treuhandrat des WWF. Später bemühte sich der WWF, verstärkt Vertreter der Umweltbewegung zu integrieren und berief zum Beispiel Aurelio Peccci, den Gründer des Club of Rome, und Maurice Strong, den Generalsekretär der Umweltkonferenz von Stockholm, in den Treuhandrat. Aus dem Bereich der internationalen Organisationen sind unter anderem der frühere Weltbankpräsident Robert McNamara und der ehemalige UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar zu nennen.
Auch bei den nationalen Organisationen stehen häufig - adlige oder bürgerliche - Staatsoberhäupter an der Spitze. Die ursprünglichen Regeln für die Gründung einer nationalen Organisation sahen vor, daß eine der sechs berühmtesten und bekanntesten Persönlichkeiten Präsident oder Ehrenpräsident werden sollte. So war zum Beispiel in den 60er Jahren der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower Ehrenpräsident von WWF-US und in den 70er Jahren König Juan Carlos Präsident von WWF-Spanien. WWF-Deutschland wurde in seiner Gründungszeit repräsentiert durch Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier, den Zoologen Bernhard Grzimek und Konsul Walter Gerling. Anfangs der 70er Jahre war der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher Vorsitzender des Stiftungsrates von WWF Deutschland. (S. 72 f.)
Der WWF in Malaysia wurde 1971 von britischen Immigranten gegründet. Es begann mit der Aktion einer Einzelperson, die Projekte von Freiwilligen finanzierte. Heute hat die Organisation 60 Angestellte. "Patron" der Organisation ist der Sultan des Staates Perak, Azlan Shah. In den 70er Jahren beschäftigte sich WWF-Malaysia vor allem mit den Erhalt von genetischer Vielfalt, Arten und Ökosystemen. In den 80er Jahren wurde die Arbeit auf die Propagierung der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen ausgeweitet. Heute beschäftigt sich der WWF in Malaysia auch mit Umwelterziehung und möchte die Regierung dazu bewegen, sich stärker mit lokalen und internationalen Umweltproblemen zu befassen.
WWF-Malaysia gilt als sehr konservativ. Er unterhält enge Beziehungen zur Bundesund zu Landesregierungen, seine Mitarbeiter sind als Berater für staatliche Stellen tätig, was gelegentlich ein gewisses "Wohlverhalten" und Vertraulichkeit bei der Arbeit erfordert. Nach Ansicht von Fred Pearce entfernt sich WWF-Malaysia immer mehr von WWF-International, der über die "Heimlichtuerei" seines malayischen Ablegers verärgert sein soll. 1988 hat der WWF-Malaysia die Hälfte seiner Projektberichte für vertraulich erklärt und nicht veröffentlicht. Andere Umweltgruppen in Malaysia verhalten sich daher dem WWF gegenüber äußerst skeptisch. Reinhard Behrend, Vorsitzender des deutschen Vereins "Rettet den Regenwald", urteilt folgendermaßen über die Tropenwaldpolitik des WWF-Malaysia: "Der WWF ... ist ... von den Regierungen völlig erpressbar.“ (S. 105)


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