Für uns, die beiden Praktikantinnen aus der Jugend-Umwelt-Projektwerkstatt Bad Oldesloe war der Jumja 96 eine völlig neue Erfahrung. Bis zu unserem Praktikum hatten wir noch nie Kontakt mit selbstorganisierter Jugendarbeit und sind nun fasziniert von den Möglichkeiten des Engagements und der Eigeninitiative, die sich dabei bieten. Hier ist es möglich,, eigene Ideen zu entwickeln und diese selbstverwaltet zu realisieren. Wir haben bei der Organisation des Jugend- Umwelt- Jahrmarktes mitgewirkt und erfuhren, dass sich alle Beteiligten gleichberechtigt in Entscheidungen einbringen konnten. Dieses Prinzip wurde auch beim Jumja selbst beibehalten: Die TeilnehmerInnenhatten alle die Möglichkeit, sich in den Ablauf des Kongresses mit einzubringen, auch wenn sie bei der Planung nicht dabei gewesen waren. Obwohl solche basisdemokratischen Entscheidungsprozesse, die dazu notwendig wurden, oft sehr langwierig und anstrengend sind, waren sie doch nicht demotivierend. Denn wenn ein Konsens gefunden war, so konnte mensch ihn als von allen erarbeitet und getragen ansehen. Es war für uns eine schöne Erfahrung, so viele Jugendliche zu treffen, die sich für gesellschaftliche und ökologische Probleme interessieren und darüberhinaus bereit sind, ihre Zeit in die Auseinandersetzung mit diesen Dingen zu investieren.
Denn ein grosser Teil der MitschülerInnen, mit denen wir bis zum Abitur zu tun hatten,waren erschreckend wenig an Gesellschaft und Politik interessiert. Natürlich sind solche Jugendlichen „pflegeleichter" , denn sie kommen nicht auf die Idee, gegen Umweltzerstörung, soziale Misstände oder ähnliche Dinge zu protestieren. Wir denken aber, dass es für unsere Gesellschaft existentiell notwendig ist, dass eine Generation „heranwächst", die eigene Meinungen vertritt, Ideen für die Zukunft entwickelt, sich für deren Realisierung engagiert und dabei Eigeninitiative ergreift.
Aus diesem Grund erscheint es uns empörend, dass die Presse zur Zeit über eine Veranstaltung wie den Jugend- Umwelt- Jahrmarkt derart überzogen, einseitig und sensationsgierig berichtet, und so die öffentliche Meinung stark negativ zu uns einstellt. Dadurch geraten selbstverständlich die PolitikerInnen unter Druck, sich klar von den Jugend-Umwelt - Aktiven distanzieren zu müssen. Da aber selbstorganisierte Jugendarbeit von der finanziellen Unterstützung seitens des Staates abhängig ist, wird unsere Arbeit und unser Engagement durch solche Vorgänge stark gefährdet. Wir hoffen inständig, dass die Presse in Zukunft die Fairness besitzt, weniger einseitig zu berichten und dass möglichst viele PolitikerInnen das Rückrat haben, uns weiterhin zu unterstützen.
Julia und Ines

Jumja `96- genau wie letztes Jahr hat uns der Jumja wieder gut gefallen. Es wurden viele interessante und lehrreiche Arbeitskreise und Workshops angeboten, wie zum Beispiel Sockenstricken, Ernährung ( Brot- und Kuchenbacken ), Fotos entwickeln und Naturkosmetik, aber auch theoretische Arbeitskreise wie gesunde Ernährung und verschiedene Sachfilmeüber Castortransport etc. Ein Arbeitskreis, in dem wir über die legalen Sitzblockaden redeten und anschließend ein Rollenspiel durchführten, wurde von den Medien völlig aufgebauscht, übertrieben und als Widerstand gegen die Staatsgewalt dargestellt. Deswegen sollen dem Jumja die Gelder gestrichen werden?
Dabei wurden die ganzen anderen Arbeitskreise, die stattfanden, überhaupt nicht an die Öffentlichkeit gebracht und so erscheint ein völlig verzerrtes Bild vom Jumja.
Würde dieser wegen der unberechtigten Kritiken nächstes Jahr nicht mehr stattfinden, wäre dies sehr schade für die Jugendlichen, da bisher in dieser Richtung ohnehin zu wenig getan wird.

Nira und Catrin


Jumja war super !

Wir sind total enttäuscht, daß dem Jumja vielleicht die Gelder gestrichen werden sollen, obwohl es neben dem stark kritisierten Arbeitskreis „ Auseinandersetzung mit aktuellen Demonstrationssituationen" auch noch andere Arbeitskreise gab, wie z.B. Zukunftswerkstatt, Anti-Atom, Socken stricken, Castor usw. Allerdings finden wir die Kritiken über den Arbeitskreis unberechtigt, da wir versucht haben, uns in die Situation von Demonstranten und Polizisten zu versetzen, um zu übelegen,wie mensch mit solchen Situationen am besten umgeht.Vorher sahen wir einen Film, in dem es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten kam. Wir versuchten, diese und ähnliche Situationen in einem Rollenspiel nachzuspielen und haben in der anschließenden Auswertung über verschiedene Handlungsmöglichkeiten gesprochen.
Wir fänden es total schade, wenn der Jumja nächstes Jahr nur wegen unberechtigter Kritik nicht stattfinden würde, da wir denken, daß mensch auf dem Jumja sehr viel wissenswertes dazulernen kann.

Marieke und Friederieke


Als Seminarleiter des Arbeitskreises „Auseinandersetzung mit aktuellen Demonstrationssituationen" möchte ich folgendes erklären: Aufgrund der absolut unsachgemäßen und reißerischen Berichterstattung in der Bild am Sonntag halte ich es für problematisch, meinen Namen in der Öffentlichkeit zu nennen und mich deswegen mit Journalisten auseinandersetzen zu müssen, die offensichtlich größtenteils nicht an sachlicher Berichterstattung, sondern nur an sensationellen Schlagzeilen interessiert sind. Wenn mein Name der Presse bekannt werden sollte, befürchte ich für die nächste Zeit ständige Nachstellungen und wahrscheinlich sogar Nachteile am Arbeitsplatz. Das soll nicht heißen,dass ich nicht zur Durchführung des umstrittenen Arbeitskreises stehe. Hätte ich von der Presse eine objektive Sicht des Sachverhaltes zu erwarten, wäre es für mich kein Problem , persönlich zum von mir beim Jugend- Umweltjahrmarkt veranstalteten Arbeitskreis Stellung zu nehmen. Doch ein sachlicher Bericht über die während dieses Kurzseminares diskutierte Problematik wäre wohl zu langweilig für eine ausgefallene und sensationelle Schlagzeile. Denn ich kann nur betonen, dass es in dem Arbeitskreis nicht um das „Einüben" gewalttätiger Aktionen ging, sondern darum, den Teilnehmern nicht nur die Situation von DemonstrantInnen, sondern auch die der PolizistInnen nahezubringen. Insgesamt bin ich der Auffassung , dass eine offene Diskussion über das Thema Gewalt auf Demonstrationen (sowohl seitens der Polizei als auch seitens von DemonstrantInnen)


Der Jugend Umwelt Jahrmarkt 1996 in Bad Oldesloe
Stellungnahme

Als Teilnehmer des Jugend Umwelt Jahrmarktes (Jumja) finde ich es empörend, daß dieser auf Grund von erlogenen Aussagen seitens der Bild am Sonntag derart schlechte Schlagzeilen macht und daß die zugesagten Fördermittel vom Land wieder eingezogen werden sollen. Die Berichterstattung in sämtlichen mir bekannten Medien nimmt fast ausnahmslos den Artikel der „BamS" als Grundlage. Die Ausführungen der Betroffenen werden oft nur so dargestellt, daß diese nicht mehr glaubwürdig erscheinen. Ebenso enttäuschend finde ich, daß die Landesregierung ohne, wie mir von den Organisatoren berichtet wurde, ein persönliches Gespräch mit den Verantwortlichen zu führen, eine Entscheidung über die Auszahlung der Gelder getroffen wurde. Nach Betrachtung dieser Tatsachen muß ich mir die Frage stellen, wer die Geschicke dieses Landes wirklich lenkt: Politiker, Bürger oder die Presse.
Sehr schade finde ich, daß auf diese Weise die Durchführung eines weiteren Jumjas unmöglich gemacht wird und muß annehmen, daß die zuständigen Ministerien die offene Jugendarbeit nicht schätzen können und ihren Sinn und ihre Wichtigkeit nicht erkennen.
Nun gibt es eine Möglichkeit weniger Informationen über Umwelt- und Naturschutz, Jugendlichen auf eine andere Weise als sie z.B. in unseren Schulen verfolgt wird und meiner Meinung nach kaum Erfolge aufweißt, näher zu bringen und sie für ein Zusammenleben mit der Natur zu sensibilisieren. Eine Möglichkeit weniger, für Jugendliche sich selbst einzubringen und ihr Wissen, ihre Gefühle, und ihre Erfahrungen zwanglos weiterzugeben.
Daß ein Workshop, der auf Bitten vieler Teilnehmer zur Klärung eines akuten Problems, nämlich der Gewaltszenen von Demos in Gorleben, einen Kongreß mit einem derart großen Themenspecktrum zu fall bringt, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Als Seminarleiter des Arbeitskreises „Auseinandersetzung mit aktuellen Demonstrationssituationen" möchte ich folgendes erklären: Aufgrund der absolut unsachgemäßen und reißerischen Berichterstattung in der Bild am Sonntag halte ich es für problematisch, meinen Namen in der Öffentlichkeit zu nennen und mich deswegen mit Journalisten auseinandersetzen zu müssen, die offensichtlich größtenteils nicht an sachlicher Berichterstattung, sondern nur an sensationellen Schlagzeilen interessiert sind. Wenn mein Name der Presse bekannt werden sollte, befürchte ich für die nächste Zeit ständige Nachstellungen und wahrscheinlich sogar Nachteile am Arbeitsplatz. Das soll nicht heißen,dass ich nicht zur Durchführung des umstrittenen Arbeitskreises stehe. Hätte ich von der Presse eine objektive Sicht des Sachverhaltes zu erwarten, wäre es für mich kein Problem , persönlich zum von mir beim Jugend- Umweltjahrmarkt veranstalteten Arbeitskreis Stellung zu nehmen. Doch ein sachlicher Bericht über die während dieses Kurzseminares diskutierte Problematik wäre wohl zu langweilig für eine ausgefallene und sensationelle Schlagzeile. Denn ich kann nur betonen, dass es in dem Arbeitskreis nicht um das „Einüben" gewalttätiger Aktionen ging, sondern darum, den Teilnehmern nicht nur die Situation von DemonstrantInnen, sondern auch die der PolizistInnen nahezubringen. Insgesamt bin ich der Auffassung , dass eine offene Diskussion über das Thema Gewalt auf Demonstrationen (sowohl seitens der Polizei als auch seitens von DemonstrantInnen) günstiger ist, als dieses Thema zu einem Tabu zu machen. Dinge über die mensch redet eskalieren erfahrungsgemäss weniger häufig als solche, über die mensch nie reden konnte (und durfte).
Ich hoffe, dass meine Bedenken gegen eine öffentliche Nennung meines Namens ausreichend deutlich geworden sind.