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Kohle, Klima, Katastophen
Risiken und Nebenwirkungen von Abbau und Verfeuerung

Klimawandel ++ Braunkohle ++ Internationales ++ Die den Klimawandel leugnen ++ Links

Klimawandel

Der Artikel "Die Gehilfen des Zweifels" in "Die Zeit" am 25.11.2010 brachte eine Entgegnung auf die von LobbyistInnen der Kohle- und Ölverfeuerung öfter vorgebrachte Behauptung "Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel". Die Antwort lautete: "Falsch. Natürlich gibt es auch beim Thema Erderwärmung Akademiker mit abweichenden Meinungen. Die Klimaskeptiker jedoch kommen meist nicht aus der Klimaforschung, sondern aus fachfremden Gebieten. Im Jahr 2009 ergab eine Umfrage der University of Illinois unter mehr als 3000 Geowissenschaftlern, dass rund 90 Prozent von ihnen sicher sind, dass der Mensch das Klima aufheizt. Besonders groß war übrigens die Zustimmung unter Klimatologen (bei Geologen aus der Erdölbranche betrug sie hingegen nur 47 Prozent). Allgemein gilt: Je informierter ein Forscher, desto besorgter ist er in der Regel über den Klimawandel.

Daten, Fakten, Argumente

Laut Greenpeace-Magazin Nr.6/2013 (S. 55ff.)

Weitreichende Folgen: Argumentative Basis des Widerstandes

Aus "Mehr Gewalt durch den Klimawandel", in: SZ am 2.8.2013 (S. 14)
Die bis 2050 erwarteten Klimaveränderungen könnten die Häufigkeit von Gewalt zwischen einzelnen Menschen um acht bis 16 Prozent ansteigen lassen und Konflikte zwischen Gruppen sogar um 28 bis 56 Prozent. Grundlage dieser Berechnung ist die Erwartung, dass innerhalb der kommenden Jahrzehnte die heutigen Extremfälle hoher Temperaturen und mangelnden Regens zur Norm werden. ...
Internationale Organisationen bis zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben bereits ähnliche Bedrohungen identifiziert. Besonders die Zahl der Flüchtlinge könnte große Konflikte auslösen. Schätzungen der UN sprechen von 150 bis 200 Millionen Menschen, die im Jahr 2050 vor Klimaveränderungen fliehen, andere Organisationen nennen ähnliche Zahlen. Darum stellen sich vielerorts Generalstäbe und Geheimdienste darauf ein, dass der Klimawandel die nationale Sicherheit bedroht.

Aus "Wie Leben und Tod verteilt werden", in: SZ am 27.11.2013 (S. 2)
Die Klimakonferenz in Warschau hat die vorhersehbaren entmutigenden Signale gesendet: Japan ist von der geplanten 25-prozentigen Reduzierung seiner CO2-Emissionen abgerückt, Forderungen nach Entschädigungen für arme, vom Klimawandel verwüstete Länder sind auf taube Ohren gestoßen, das Gastgeberland Polen bot parallel zur Klimakonferenz der weltweiten Kohleindustrie zwei Tage lang eine Bühne. Auch hört man, dass Kanada sich nun wie auch Australien bemüht, andere Industrieländer votf der Einhaltung der Klimaziele abzubringen. Die Bilder der Verwüstung, die der Taifun Haiyan über die Philippinen gebracht hat, lassen ahnen, was der Menschheit möglicherweise bevorsteht. Es ist eine Schreckensvision: zerstörte Häuser, Tote am Straßenrand, Menschenmassen, die auf der Flucht vor Dürre, Hochwasser und anderen Klimakatastrophen an Staatsgrenzen Einlass fordern. Es ist die Schreckensvision von einer Zukunft der Kriege um das Lebensnotwendige, der zunehmenden Sicherheitsvorkehrungen, der tiefer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich und eines Planeten, der unter unseren Füßen dahinsiecht. Wir wissen, dass in manchen Ländern schon heute an Notfallplänen gearbeitet wird, wie die Bevölkerung in Schach zu halten ist im Falle von Unruhen, die der Klimawandel auslösen könnte. ... Die Bilder des Taifuns zeugen nicht nur von den verheerenden Wirkungen der Naturgewalten, sondern auch von den der Klima-Ungerechtigkeit zugrunde liegenden Mustern: Die schlimmsten Folgen des Klimawandels treffen ausgerechnet jene, die am wenigsten dazu beigetragen haben und über die geringsten Mittel verfügen, sich dagegen zu wappnen. Die Opfer der Klima-Ungerechtigkeit sind also vorhersehbar. Es sind die ,,Armen" - wo immer sie auch sind. In unserer Gegenwart sind sie vor allem auf der südlichen Hemisphäre. Sozioökonomische Benachteiligung ist weder neutral noch zufällig. Die Verteilung von Privilegien und relativer Schwäche folgt gesellschaftlichen und historischen Mustern, auch bei der Klima-Ungerechtigkeit. Diese in der ganzen Welt verbreiteten Muster treten in den UN-Statistiken über Armut und Benachteiligung deutlich zu Tage. Es sind eingespielte Verteilungen von Leben und Tod", wie die Naturwissenschaftshistorikerin Donna Haraway sie nennt. Nach den Worten des Soziologen David Nibert entstehen daraus ,,Unterdrückungsgeflechte", die einen Teil der Menschheit ebenso betreffen wie Tiere und Ökosysteme.

Aus dem Bericht "Zehntausende Todesfälle wegen Kohlekraft?", auf: tagesschau.de, 5.7.2016
Der Bericht mit dem Titel "Europe's Dark Cloud" - zu deutsch "Europas dunkle Wolke" - stützt sich auf Auswertungen von 257 der insgesamt 280 europäischen Kohlekraftwerke. Demach belaufen sich die durch sie verursachten Gesundheitskosten jährlich auf bis zu 62,3 Milliarden Euro.
An der Spitze der Staaten, von denen die größten Belastungen ausgehen, sieht die Studie Polen. Die polnischen Kraftwerke sollen demnach jährlich für 5830 vorzeitige Todesfälle verantwortlich sein. Auf die Kappe deutscher Kraftwerke sollen 4350 Fälle gehen, das damit den zweithöchsten Ausstoß hat. Danach folgen Großbritannien mit 2860 Todesfällen, Rumänien (2170) und Bulgarien (1570).
Die fünf EU-Staaten, die am meisten unter den Kohleschadstoffen eigener und fremder Kraftwerke leiden, sind laut Bericht Deutschland, auf das von den 22.900 Todesfällen insgesamt 3630 entfallen, Großbritannien (2100), Polen (1860), Italien (1610) und Frankreich (1380).

Abwarten und Geld einnehmen: Offizielle Klimapolitiken

Aus "Vor uns die Sintflut", Kommentar zum Klimagipfel 2013 in Polen in: SZ, 23.11.2013
Warschau sendet ein Signal politischer Ohnmacht aus. Letztlich ist es wohl der Kampf um Ressourcen, der viele taktieren lässt. Niemand ist bereit, größere Opfer zu bringen oder zurückzustecken, die meisetn wollen weitermachen wie bisher. Die Europäer haben ihren Wohlstand einst schneller erkämpft als andere, sie haben geklotzt, aber auch verschwendet. Nun wollen es ihnen andere gleichtun. Der Konflikt ist kaum lösbar.

Schöne Worte - kaum Taten: Aus dem "Umweltprogramm 2030" des BMU
... im Unterschied zu 1986, dem Gründungsjahr des Bundesumweltministeriums, kann Umweltpolitik heute nicht mehr nur den Anspruch haben, die Kollateralschäden eines aus dem Ruder gelaufenen Wirtschaftsmodells zu beseitigen. Heute geht es darum, zu einer Wirtschaftsweise zu kommen, die die Grenzen unserer natürlichen Lebensgrundlagen respektiert. Eine Wirtschaftsweise, die deshalb erfolgreich ist, weil sie nicht den kurzfristigen Profit für wenige, sondern nachhaltigen Wohlstand für alle im Auge hat. Wir müssen einen weitreichenden Wandel unserer Wirtschaft und Gesellschaft einleiten, wenn wir bis zur Mitte des Jahrhunderts nahezu klimaneutral wirtschaften und arbeiten wollen. So hat es die weltweite Staatengemeinschaft – auch Deutschland – beim Klimagipfel in Paris Ende 2015 beschlossen. Es ist nun unsere Aufgabe, als eines der wohlhabendsten Industrieländer auf diesem Weg voranzugehen. Umweltschutz ist eine große Chance für uns und für unser Land. Wir können den Risiken unserer Zeit die begründete Hoffnung entgegensetzen, dass wir unsere Welt zum Besseren verändern können. Wenn wir diesen Wandel, die „Transformation unserer Welt“, anstreben wollen, heißt dies, dass sich unsere eigenen Lebensentwürfe, unsere Volkswirtschaften, unser gesellschaftliches Zusammenleben und unsere Politik verändern müssen, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen weltweit dauerhaft zu erhalten. Es ist Zeit für einen neuen Aufbruch der deutschen Umweltpolitik, der die ungelösten Probleme entschlossen angeht und Umweltpolitik wieder stärker in unserer sich wandelnden Gesellschaft verankert. Umweltpolitik muss zum Motor des Wandels werden. Hin zu einer sozialökologischen Marktwirtschaft und einer nachhaltigen Gesellschaft. ... (Vorwort)
Wir wollen eine Energiewende, die eine nahezu emissionsfreie Energieversorgung aller Sektoren sichert, einen im Dialog mit allen Beteiligten entwickelten Fahrplan für den Kohleausstieg verfolgt und klare Kriterien für ihre natur- und sozialverträgliche Umsetzung berücksichtigt. ... (Kurzfassung, S. II, Kernbotschaft, S. 17 und S. 20)
Kohleverstromung sozialverträglich und regionalwirtschaftlich verantwortungsvoll beenden ... (Leitziel, S. 33 und S. 49)

Kritische, aber emanzipatorische Blicke auf die offizielle Klimapolitik

Braunkohle

Die Probleme

Viele Kraftwerke von RWE nutzen keine Kraft-Wärme-Kopplung. Ihr Wirkungsgrad ist daher sehr niedrig. Aber auch bei den “modernen” (Braun)Kohlekraftwerken geht die meiste Energie durch den Schornstein(bzw. Kühlturm) flöten. Im letzten Jahr stieg der Braunkohleverbrauch im rheinischen Braunkohlerevier auf 96 Millionen Tonnen und die gesamte Braunkohleförderung in der Bundesrepublik auf 176,5 Millionen Tonnen. Auch der Anteil an der Energieerzeugung stieg im letzten Jahr auf 24,5%, was berechnet auf den Primärenergieverbrauch ein Wachstum von 3% ist. Wenn es nach RWE geht soll die Braunkohle in den bestehenden Tagebauen bis 2045 abgebaut werden (weitere Pläne gibt es jedoch auch). Mehr ...

Der Ausbau der Braunkohle versaut die Klimabilanz in Deutschland - und wird nicht für die Energieversorgung gebraucht!
Aus " CO2 trotz Ökoboom: Kohlekraftwerke treiben Stromexport auf Rekordhöhe", auf: Spiegel Online, 2.8.2013
Ein erklärtes Ziel der Energiewende ist es, immer mehr Strom aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und die klimaschädliche Produktion aus Kohlekraftwerken damit zu ersetzen. Die Realität sieht anders aus: Zwar steigt die Produktion von Ökostrom mittelfristig; doch die Energiekonzerne regeln ihre Kohlekraftwerke nicht herunter. Sie lassen alte Meiler einfach weiterlaufen, produzieren immer mehr Strom, den in Deutschland niemand braucht - und verkaufen ihn ins Ausland.
Schon im vergangenen Jahr erreichte der deutsche Exportüberschuss einen historischen Höchstwert. Insgesamt 23,1 Terawattstunden Strom wurden ins Ausland verkauft. Das entspricht dem Jahresverbrauch von knapp 5,8 Millionen Vierpersonenhaushalten.

Tagebau

Aus Wikipedia zum Tagebau Hambach
Der damals noch unter dem Namen Rheinbraun firmierende Tagebaubetreiber leitete 1974 das Genehmigungsverfahren für den Tagebau ein und konnte 1978 mit dem Aufschluss beginnen. Der erste Bagger begann seine Arbeit am 15. Oktober 1978. Damit ging die Umsiedlung von Ortschaften einher und das größte Waldgebiet in der Jülicher Börde, der Hambacher Forst, wurde weitgehend gerodet. Am 17. Januar 1984 wurde die erste Braunkohle gefördert.
Hambach ist mit einer Betriebsfläche von 3.389 Hektar (Stand 2007) bei einer genehmigten Maximalgröße des Abbaufeldes von 8500 Hektar der größte Tagebau in Deutschland. Auf dieser Fläche werden jährlich etwa 40 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert. Heute wird geschätzt, dass noch 1772 Mio. Tonnen Braunkohle zum Abbau zur Verfügung stehen. ... Mit 293 Metern unter NN, was 399 Meter unter dem Geländeniveau vom Südostrand (106 Meter über NN) des Tagebaus entspricht, ist der Tagebau Hambach auch der tiefste Tagebau in Deutschland. Der Tagebau fördert jährlich eine Abraummenge von 250–300 Mio. m³. Das Verhältnis von Abraum zu Kohle beträgt 6,2 : 1. ...
Ab 2013 soll die Tagebaufläche südöstlich erweitert werden. Dazu müssen die Ortschaften Morschenich und Manheim umgesiedelt werden, die Autobahn A 4 und die Hambachbahn, über die der Transport der Braunkohle zu den Kraftwerken geschieht, um rund drei Kilometer nach Süden parallel zur Eisenbahnstrecke Köln–Aachen verlegt werden. Außerdem muss ein kleines Stück der Bundesstraße 477 Richtung Osten verlegt werden. ...

Feinstaub
Der Tagebau Hambach ist an Feinstaub-Emissionen in seinem näheren Umfeld beteiligt. Der Anteil des vom Tagebau herrührenden Feinstaubs wird vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen mit 25 % angegeben. 71 % werden der allgemeinen Hintergrundbelastung zugeschrieben.

Kohleausstieg

Aus "Das Ende der Kohle ist absehbar", in: SZ, 16.1.2017
Doch ohne massive Einschnitte bei der Kohle wird es nicht gehen. "Für die Erreichung der Klimaziele", so heißt es in einer Studie des Umweltbundesamtes, "ist eine stärkere Minderung der Emissionen aus Kohlekraftwerken um etwa 60 Prozent gegenüber dem Jahr 2014 erforderlich." Die Studie liegt der Süddeutschen Zeitung vor. 60 Prozent weniger Kohlekraft binnen weniger als 14 Jahren - das passiert nicht von selbst.

Wenn die Energiekonzerne und -lobbyisten selbst gegen ihre Kohle wettern ...

Das ist eine absurde Situation: Um die Atomkraft als Goldgrube der Profitgier durchzusetzen, wetterten die Energiekonzerne und ihre Lobbyisten selbst gegen die Kohlenutzung. Die zerstöre die Umwelt usw. Wenn noch größerer Profit winkt als durch das schmutzige Kohlegeschäft, dann ist Klimaschutz usw. plötzlich ein großes Thema. Seit die Atomkraft kaum noch eine Zukunft hat, wird wieder die Kohle beworben - die wundersamerweise plötzlich ganz umweltfreundlich ist ...
Es braucht gar keiner Studien oder Beweise - die Zitate gegen die Kohle kommt von denen selbst, die Tagebau ausbeuten und das Klima zerstören.

Im Original: Beispielparolen gegen Kohle - weil für Atom ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus Joachim Grawe (VDEW): "Lösungsstrategien im Energiebereich für die befürchteten globalen Klimaveränderungen", in: Crutzen/Müller (1989), "Das Ende des blauen Planeten?", Beck in München (S. 175 f., rtf-Datei) ++ Rechts: Abbildung mit der Beschriftung "Bausteine einer CO2-freien Energieversorgung" - die Kohle ist nicht genannt!
a) An dem Treibhauseffekt haben das Kohlendioxid und das Methan mit 50% bzw. 19% (davon knapp 1/3 aus Verlusten bei Gewinnung und Transport von Erdgas) den größten Anteil.
b) Die C02-Emissionen rühren wahrscheinlich zu rd. 80% aus der Verfeuerung fossiler Energieträger und zu rd. 20% aus Rodungen, bes. der Regenwälder, her.
c) Die spezifischen Emissionen bei der Verbrennung von Braunkohle, Steinkohle, Erdöl und Erdgas verhalten sich wie 121:100:88:58. ...
f) Je erzeugter Mio. kWh in einem Kohlekraftwerk werden rd. 1000 t C02 freigesetzt. ...
Eine wirksame Bekämpfung der Klimagefahren erfordert ... eine zunehmende Abkehr von den fossilen Energien (weniger und zugleich effizientere Verbrennung) ...
Wegen der drohenden Klimagefahren sollten alle umweltbewußt Handelnden gemeinsam für ihre Akzeptanz als Teil eines integrierten Gesamtkonzepts mit nachfrage- und angebotsseitigen Elementen werben.

Aus A. Wünschmann (1991): "Umwelt und Verantwortung: Der "energetische Imperativ"
Durch Analysen von Luftblasen in Gletschereis hat man festgestellt, daß der vorindustrielle CO2-Gehalt der Atmosphare im Bereich von 260-270 ppm lag, und daß die Konzentration über lange Zeiträume konstant war. Es bsteht kein Zweifel, daß die beobachtete CO2-Exkursion mit der Verbrennung der fossilen Energieträger wie Kohle, Holz, Öl, Gas zusammenhängt. ... (S. 16)
Um das CO2-Problem wirkungsvoll anzugehen, muß ein ganzes Bündel von nationalen und internationalen Maßnahmen ergriffen werden, z.B.: Begrenzung des Wachstums der Weltbevölkerung, kein Abholzen der Regenwälder, Einschränkung des Verbrennens fossiler Energieträger ... (S. 17)
Die fossilen Brennstoffe wie Öl, Kohle und Erdgas wachsen nicht nach. Gegenwärtig verbrauchen wir in einem Jahr so viele fossile Energierohstoffe wie erdgeschichtlich in 500000 Jahren durch Sonnenlicht und Photosynthese entstanden sind. Es ist daher ethisch nicht zu verantworten, chemisch so hochwertige Stoffe wie Öl und Kohle in steigendem Tempo zu verheizen, anstatt sie für die Herstellung wichtiger chemischer Produkte (Farben, Lacke, Arzneimittel, Kusntstoffe) zu reservieren. ... (S. 24)
Der "energetische Imperativ" heißt: Um den Frieden in Zukunft zu sichern, müssen Verteilungskämpfe um abnehmende fossile Rohstoffe vermieden werden, d.h. der Übergang von fossilen Energieträgern zu nicht fossilen, wie z.B. der Kernenergie, muß zügig in Angriff genommen werden. (S. 27)

Aus P. Borsch/H.J. Wagner (Kernforschungsanlage Jülich): "Energie und Umwelt", in: Erwin Münch (1983), "Tatsachen über Kernenergie" (S. 268f.)
... lässt sich jedoch feststellen, daß - zumindest bei gegenwärtigen modernen Feuerungsanlagen - Kohle und Gas recht große Belastungen hervorrufen ...
Gemessen am Kriterium "Beeinflussung des Klimas" sind am besten die regenerativen Energiequellen Sonne und Wind, die Kernenergie ist mittelmäßig, während die fossilen Energieträger wegen der CO2-Emission sich am stärksten auswirken.

Aus einer Anzeige der deutschen Stromversorger, u.a. RWE und VEW, am 26.6.1993 (siehe rechts)
Kann Deutschland aus der Kernenergie aussteigen? Ja. Die Folge wäre allerdings eine enorme Steigerung der Kohleverbrennung, mithin der Emissionen des Treibhausgases CO2.
Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken. ...
Der steigende Energiebedarf der dritten Welt verpflichtet die reichen Staaten, ihre CO2-Emissionen zu mindern.
Hintergründe und Fachthemen
Aber trotzdem: Weiter und am besten mehr Kohle verfeuern!


RWE-Plan laut eigener Internetseite: Viel mehr Kohle und Gas!

Aus "Doppelter Angriff", in: Spiegel, 41/2008 (S. 32)
Deutschlands Industrielobby torpediert das weitreichende Klimapaket der Europäischen Union, das den Kohlendioxid-Ausstoß der 27 EU-Staaten bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 2005 senken soll. Geschickt haben Deutschlands Industrielobbyisten einen Zweifrontenkrieg gegen das Vorhaben von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas Emissionen kostenpflichtig machen und so Anreize schaffen, in Spartechnik zu investieren. Europaweit soll es einen Börsenpreis für jede Tonne Kohlendioxid-Ausstoß geben, der je nach Angebot und Nachfrage schwankt.
Die Kohlendioxid-Schwergewichte aus der Stahl-, Zement- und Grundstoffindustrie gehen nun frontal gegen diesen sogenannten Emissionshandel vor. Sie fordern weitreichende Ausnahmen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit mit China und Amerika zu bewahren. Dafür finden sie Unterstützung bis hin zu Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). „Man kann natürlich so viele Ausnahmen erlauben, dass nur noch Ausnahmen bleiben", sagt Klimaschützer de Boer.
Die deutschen Stromkonzerne dagegen, die für ihr Kraftwerksabgas auch nicht voll bezahlen wollen, blitzten bei der Bundesregierung ab. Deshalb heizen sie nun die Regierungen osteuropäischer Länder wie Polen und Ungarn an, gegen die Brüsseler Pläne aufzubegehren. Sonst könnten Milliardeninvestitionen platzen, drohen die Unternehmen.
Besonders aktiv ist die Essener RWE. Für den Konzern zählt Polen, das rund 95 Prozent seines Stroms aus Kohlekraftwerken bezieht, zu den neuen „Kernmärkten". Im Großraum Warschau ist RWE bereits größter Stromlieferant, landesweit kommt das Unternehmen auf einen Marktanteil von sechs Prozent. Der Strom werde deutlich teurer, wenn für jede Tonne CO2 ein Emissionsgutschein gekauft werden müsse, warnt RWE nun unisono mit der polnischen Regierung udn anderen osteuropäischen Staaten. Klingt edel, die Sorge um zu hohe Preise. In Wahrheit geht es den Stromkonzernen aber nur darum, die CO2-Geführen auf Firmenkonten zu leiten statt in die Staatskasse.

Im Original: Aus Pro-Braunkohle-Werbung ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus der Anzeigenserie "Die Braunkohle. was liegt näher?" (ab 2008)
Zerstörung schafft Arbeitsplätze (Beitrag stammt von Rüdiger Hamm, Prof. für Volkswirtschaftslehre, NS Niederrhein)
Überdies zwingen ökologische Probleme die Braunkohlewirtschaft, alternative Lösungsansätze zu finden und technologisch umzusetzen. Das begünstigt in der Region die Entwicklung Verfahren zur Verringerung ökologischer Schäden ... Ferner hat der Braunkohlenbergbau Umsiedlungen zur Folge. Das ist für die betroffenen Menchen zwar im ersten Moment ein Schock, doch die von den Bergbaubetreibern angebotenen sozial verträglichen Lösungen sind bisher merhheitlich gut angenommen worden. Und nach Beendigung der Kohleförderung müssen die notwendigen Rekulitvierungsmaßnahmen eingeleitet werden. Dies ist mit der Vergabe von Aufträgen an mittelständige Unternehmen aus der Fortwirtschaft oder dem Garten- und Landschaftsbau verbunden. Die dabei erworbenene Kenntnisse könnten dann auch zu Aufträgen aus anderen Kohleregionen führen.

Mehr Braunkohle (Beitrag stamm von F.-W. WEellmer, Prof. an der TU Berlin)
Weltweit, so viel ist sicher, wird der Verbrauch von Kohle ind en nächsten Jahrhehnten weiterhin stetig zunehmen.

CCS besser als Energiewende (Beitrag stamm von Carl Christian von Weizsäcker, Prof. an der Uni Köln)
Angesichts der klimatischen Bedingungen in Deutschland ist es völlig utopisch, anzunehmen,d ass erneuerbare Energiequellen unseren Strombedarf vollständig decken könnten. Ohne Braunkohleverstromung würde Deutschland zum Nettoimporteur von Strom werden - erst recht, wenn am Ausstieg ausd er Kernenergie festgehalten wird.
Nun entsteht bei der Verbrennung von Braunkohle zur Stromerzeugung bekanntlich das Treibhausgas CO2. Welhalb sollte also ausgerechnet das Felthalten an der deutschen Braunkohle zur Stabilsierung des Weltklimas beitragen, wie ich eingangs behauptet habe?Weil für die Bekämpfung des Klimawandels ein neues eltklimaabkommen nötig ist. Wie ist das zu verstehen? Das Kyoto-Protokoll von 1997 hat sich als völlig unzureichend erwiesen. Sein direkter Klima-Effekt ist praktisch gleich null. ... Angesichts des ständig wachsenden Energiebedarfs von Ländern wie China und Indien ist es unmöglich, das Weltklima allein mit erneuerbaren Energien und mit Energiesparen zu stabilisieren. ... CO2-Emissionen sind im großen Stil nur mithilfe von Verfahren zu senken, bei denen das CO2 abgefangen und unter der Erde gelagert wird. Diese "Clean Coal Technology" - auch "Carbon Capture and Storage", kurz CCS, genannt - ist prinzipiell machbar. Der bedeutendste deutsche Beitrag zur Stabilsierung des Weltklimas wäre daher der Nachweis, das "Clean Coal" tatsächlich funktioniert. Ein solcher Beitrag wäre weitaus wichtiger als alle deutschen Windmühlen und Solaranlagen und staatlichen Energiespardiktate zusammengenommen.

Aus "Trotz Energiewende: Stromproduktion aus Braunkohle erreicht Rekordwert", auf: Spiegel Online 7.1.2014
Im Jahr 1990 erzeugten Deutschlands Braunkohlekraftwerke knapp 171 Milliarden Kilowattstunden Strom. Damals liefen jedoch viele alte DDR-Meiler noch. Mittlerweile sollen die klimaschädlichen Kraftwerke dank der Energiewende eigentlich zurückgedrängt werden. Doch davon ist bislang wenig zu spüren - im Gegenteil: Mit 162 Milliarden Kilowattstunden kletterte die Stromproduktion aus Braunkohle 2013 auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung.

Aus Kölner Stadtanzeiger, 3.11.2014
Seit 2012 sinken die Kohlendioxid-Emissionen hier zu Lande nicht mehr, vielmehr steigen sie wieder. Hauptgrund ist der neue Boom der Kohleverstromung: Etliche Kohlekraftwerke laufen trotz des Preisverfalls an der Strombörse auf Hochtouren, weil der europäische Handel mit Verschmutzungsrechten darnieder liegt.

Aus "Bundesregierung unterstützt auch künftig Kohlekraftwerke" (Infomail am 25.12.2014 auf Basis eines FAZ-Artikels)
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich im Streit über die weitere Exportförderung deutscher Kohletechnik gegen das Umweltressort durchgesetzt. Kohlekraftwerke sollen auch künftig mit Unterstützung der staatlichen KfW-Bank und Hermesbürgschaften ausgeführt werden können, allerdings nur, wenn sie Mindestvorgaben für Effizienz und Umweltstandards einhalten. ...
Ohne Beteiligung der KfW-Tochtergesellschaft Ipex-Bank kämen deutsche Anbieter im internationalen Wettbewerb kaum zum Zug, heißt es in dem "Bericht der Bundesregierung zur internationalen Kohlefinanzierung", der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. "Daher ist das Angebot der Ipex für die deutschen Unternehmen essentiell." Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatten zuvor verlangt, die staatliche Unterstützung für den Export deutscher Kohletechnologien aus Klimaschutzgründen ganz zu versagen. Kohle gilt als wesentlicher Treiber für die Erderwärmung und den Klimawandel.

Aus "Dreckschleudern ade", in: Junge Welt, 24.11.2014 (S.9)
Es sieht nicht danach aus, als werde Deutschland das »ehrgeizige« Ziel bis 2020 erreichen. Jedenfalls nicht bei der derzeitigen Energiepolitik, die die Kohlekraftwerke unangetastet lassen will. Seit ihrem Tiefstand 2009 nehmen die deutschen Emissionen wieder etwas zu, was vor allem auf die Energiewirtschaft zurückzuführen ist. Deren Treibhausgasausstoß ist zuletzt wieder gestiegen und liegt auf dem Niveau von Mitte der 1990er Jahre. Von allen relevanten Bereichen hat dieser bisher am wenigsten zu den Klimaschutzbemühungen beigetragen. Und das, obwohl rund 40 Prozent der Emissionen auf sein Konto gehen.
Schuld daran ist die Kohle. Der weitaus überwiegende Teil der Emissionen der Energiewirtschaft (85 Prozent) wird von den Stein- und Braunkohlekraftwerken verursacht. Diese tragen dabei nur mit rund 45 Prozent zur Bruttostromerzeugung bei, und netto ist ihr Anteil wegen des hohen Eigenverbrauchs - acht Prozent in Stein- und sieben Prozent in Braunkohlekraftwerken - sogar noch geringer. Insbesondere Braunkohle ist die mit Abstand klimaschädlichste Form der Stromerzeugung, verdrängt aber in letzter Zeit wegen der Besonderheiten des Marktes die weniger schmutzigen Gaskraftwerke.

Gesteigert: Kohleabbau international & Kohleverstromung in Deutschland

Kohleverstromung weltweit und in Deutschland steigt!

Braunkohle blamiert die deutsche Energiewende in der weltweiten Presse
Wie Braunkohlestrom die Erreichung der Klimaziele in Deutschland in Frage stellt und die Umsiedlung ganzer Dörfer erfordert, war in den vergangenen Tagen auch Thema der US-amerikanischen Medien National Geographic und New York Times. Damit blamiert der aktuelle Braunkohle-Boom die deutsche Energiewende international und schadet dem Ruf des deutschen Atomausstiegs in der Welt. Die Journalisten hatten zuvor die Lausitz besucht, um sich einen Eindruck zu verschaffen:

Die Rückkehr der Kohle: Dokumentation im NDR
Am 24. Februar 2014, 22:00 bis 22:45 Uhr zeigte der NDR die Dokumentation "Die Rückkehr der Kohle". Kohleboom statt sauberer Energie : Wie konnte es dazu kommen? Die NDR Autoren Inge Altemeier und Steffen Weber begeben sich auf eine spannende Spurensuche, denn heutzutage wird so viel Strom aus Kohle produziert wie zu Zeiten, als die Braunkohlemeiler der damaligen DDR noch am Netz waren. Zudem ist Kohlestrom für die Industrie so billig wie schon lange nicht mehr. Für den normalen Verbraucher allerdings steigen die Strompreise und mehr noch: Diejenigen, die in der Nähe eines Kohlekraftwerks leben, kämpfen immer häufiger mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Zum Beispiel Familie Köhler aus Lünen, die in der Dokumentation begleitet wird. Kinder und Eltern leiden unter chronischen Atemwegerkrankungen. Nach Meinung des behandelnden Arztes liege dies an den Schadstoffen aus den Kühltürmen der Kohlekraftwerke. Neueste Studien belegen diesen Zusammenhang und gehen davon aus, dass moderne Kohlekraftwerke sogar noch gefährlicher seien. Der Film geht auch der Frage nach, wer dafür die Verantwortung trägt."

Aus" Neue Kohlekraftwerke: 300 Milliarden Tonnen CO2 nicht mehr zu verhindern", auf: Spiegel Online, 27.8.2014
Wenn das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden soll, darf bis zum Jahr 2100 nur noch eine bestimmte Menge an CO2 in die Atmosphäre gelangen. Doch allein die vorgesehenen Emissionen aus der Verstromung fossiler Brennstoffe werden große Teile dieses Budgets auffressen, wie die Studienautoren Steven Davis und Robert Socolow vorrechnen. ...Besserung ist nicht in Sicht, wie Davis und Socolow betonen: "Trotz der internationalen Bemühungen um eine Senkung der CO2-Emissionen sind die Ausstoß-Festlegungen im globalen Stromsektor in keinem einzigen Jahr seit 1950 gesunken", schreiben die Forscher. Im Gegenteil: Sie seien zwischen 2000 und 2012 im Jahresmittel sogar um vier Prozent gestiegen. ...
So prophezeit die IEA, dass Kohle bis Ende des Jahrzehnts Erdöl als wichtigsten Energieträger der Menschheit ablösen wird. "Wir sind weit davon entfernt, das Problem des Klimawandels zu lösen, und investieren massiv in Technologien, die das Problem verschlimmern", erklärt Davis. "Weltweit haben wir im letzten Jahrzehnt mehr Kohlekraftwerke gebaut als in irgendeinem früheren Jahrzehnt, und die Schließung älterer Anlagen hält mit dieser Expansion nicht Schritt."

(IEA = Internationale Energieagentur)

Kohleverschiffung weltweit
Klimaschutz und Imperialismus

RWE und Klimaschutzprojekte international (von RWE-Internetseiten)
RWE Power investiert in und beteiligt sich an Klimaschutzprojekten im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM) und Joint Implementation (JI). CDM bezeichnet den Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung in Schwellen- und Entwicklungsländern, JI steht für die Gemeinsame Projektumsetzung von Industrieländern.
Wir finanzieren Projekte im Rahmen des CDM und JI, beraten, oder bringen unsere technische und CDM-Expertise in die Projektbegleitung mit ein.
In jedem Fall sind wir an dem Erwerb von Certified Emission Reductions (CERs) aus CDM-Projekten und Emission Reduction Units (ERUs) aus JI-Projekten interessiert.

Den Klimawandel leugnen

Beim Versuch, die profitorientierten Interessen weiterer Kohleverfeuerung durchzusetzen, verfallen Konzerne und LobbyistInnen auf krude Ideen. So gibt es seit einigen Jahren Strömungen, die Behauptungen aufstellen, der Klimawandel sei erfunden. Es sind zwar nur kleine Grüppchen mit auffällig immer gleichen Adressen, die solches verkünden. Aber sie haben PR-Profis für sich gewonnen oder eingekauft, die genau darauf spezialisiert sind: Völlig unsinnige Behauptungen so vermitteln, dass sie irgendwann akzeptiert werden oder zumindest verunsichern. Es sind dieselben Leute, die schon die Tabakindustrie reinzuwachsen versuchten usw. Da ist es umso irritierender, dass solch erkennbar interessengeleitete Theorien ausgerechnet bei denen Beifall finden, die vereinfachte Welterklärungen oder sogar Verschwörungstheorien mögen. Eigentlich dominieren dort solche Erklärungsversuche, bei denen die Konzerne alles steuern. In Sachen Klimawandelleugnung sind genau diese Konzern- und deren Lobbyapparate der Taktgeber des eigenen Denkens ...

Von der Internetseite des EIKE
EIKE sieht keine Gefahren für die künftige Energieversorgung der Menschheit durch einen Mangel an Primärenergieträgern, da die schon heute bekannten fossilen und nuklearen Energieressourcen für überschaubare Zeiträume reichen werden ...
EIKE fordert daher:
* Ersatzlose Streichung des "Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG“ ...
* Beendigung der Kernenergie-Diskriminierung

Im Original: Klimaleugnung im Umfeld der RWE ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Erweitert und überarbeitet auf Grundlage des Artikels "Die Klimaskeptiker_innen und das RWE" am 15. April 2013 auf dem Hambacherforst-Blog
Skepsis am menschengemachten Klimawandel zu verbreiten ist seit langer Zeit eine beliebte Methode jener, deren Profite auf der Verursachung des Klimawandels beruhen. Einen besonderen Erfolg hatten diese Methoden in den USA. Bei Versuchen diese Strategien auf Europa zu übertragen treten die Macher_innen dieser Strategien an das RWE mit einem Strategiepapier heran. In den Folgejahren werden genau die Empfehlungen aus diesem Strategiepapier Wirklichkeit. Mit dem Chef der RWE-Umweltsparte RWE Innogy betrat in den letzten Jahren ein Schwergewicht die Szenerie der Klimaskeptiker_innen.

Horner und die Klimaskepsis in den USA
Christopher C. Horner ist einer jener Architekten der aggressiven Kampagnen in den USA, die dafür sorgten, dass dort heute Klimawissenschaftler_innen die von einem menschengemachten Klimawandel ausgehen kaum noch öffentlich auftreten können, und oft massiv denunziert werden. Den Klimawandel als Verschwörung anzusehen, ist dort dank dieser, von Erdöl, Auto- und weiteren Lobbys finanzierter Kampangen zur Mehrheitsmeinung geworden, und so ist es natürlich schwer möglich die klimaschädlichen Industrien anzugreifen. Dieser Artikel in der Zeit beschreibt die dortigen Zustände.

Strategiepapier und Vortrag von Horner für RWE
Genau dieser Christopher C. Horner sieht es als seine (gut bezahlte) Mission die Klimaskepsis auch in Europa hoffähig zu machen. Greenpeace veröffentlichte, dass es 2005 ein internes Strategiepapier von Chris Horner gab, das an RWE gerichtet war. Darin wird RWE empfohlen ein „Aktionsteam“ zu schaffen. „In dem Papier wird unter dem Titel Aktionsplan für RWE die „Gründung einer europäischen Klimaschutz-Koalition in Brüssel“ vorgeschlagen. Weiter heißt es: „Andere Unternehmen (inkl. Vattenfall, Endesa, Lufthansa, Exxon, Ford) haben bereits Interesse bekundet.“ Und weiter hinten: „In den Vereinigten Staaten hat eine informelle Koalition erfolgreich dazu beigetragen, die Annahme eines Kyoto-ähnlichen Programms zu verhindern.““ (Quelle Greenpeace) und als konkrete Strategie wird vorgeschlagen:
„Industrieorganisationen sind die falsche Plattform, um den Kurs der EU Klima-Agenda zu beeinflussen. Stattdessen sollte man ein aktives Team von Experten aufbauen, um der Kyoto-Agenda der Kommission etwas entgegen zu setzen. Eine solche Koalition hat bereits Erfolge in den USA genossen, und teilweise auch schon gute Dienste in der EU geleistet. RWE soll – zusammen mit anderen interessierten Konzernen – einen solchen Koalitions-Ansatz initiieren.“
Der Name der sich ausgedacht wurde für dieses Aktionsteam ist European Sound Climate Policy Coalition (www.lobbycontrol.de). 2005 kam es ebenfalls zu einem Treffen von Chris Horner und RWE-Leuten in Brüssel, auf dem eine Power-Point Präsentation zu diesem vorgeschlagenen „Aktionsteam“ gehalten wurde. RWE’s Brüsseler Chef-Lobbyisten, Markus Becker sagt zu diesem Treffen RWE habe die Pflicht sich mit ihren Stakeholdern zu unterhalten.
Ob es zum Aufbau eines Aktionsteams von verschiedenen interessierten Konzernen und Lobbyverbänden unter der Führung von RWE kam oder nicht, ist nicht belegt. Interessant aber ist, dass nur ein Jahr nach diesem Treffen EIKE gegründet wurde. Das „Europäische Institut für Energie und Klima“, das bis heute wichtigste Sammelbecken für Klimaskeptiker_innen in Deutschland. Besondere Bedeutung haben die jährlichen Kongresse, die EIKE organisiert. „Auf dem vierten Klimaskeptiker-Kongress im November 2011 ist RWE-Mann Vahrenholt zu Gast. Als Referent mit dabei ist auch wieder Chris Horner.“ Aber nicht nur das: Von diesem Zeitpunkt an gründete sich fast wöchentlich irgendein weiterer kruder Vereine und Blogs mit dem Ziel zu beweisen, dass der Klimawandel ein großer Schwindel sei. Zig Bücher mit den immerselber „Argumenten“ werden verfasst. Immer in verschiedenen Ausprägungen und verschiedenem politischen Hintergrund. Mal in der marktradikalen Version, mal in verschwörungstheoretischer, mal mit rechtem Hintergrund. Anfangs wird also auf jene Milieus abgezielt die stets dabei sind, wenn es darum geht gesellschaftliche Analysen durch einfache Weltbilder zu ersetzen.

Der Filz der Klimaskeptiker_innen
Zu nennen, als wichtige Akteurin des Klimaskeptiker_innenfilzes ist die Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP-nahe, marktliberale Stiftung, heute umbeannt in Stiftung der Freiheit). Diese unterstützt EIKE finanziell, beteiligt sich an ihren jährlichen Kongressen und organisiert eigene klimaskeptische Veranstaltungen. Die FDP und die Klimaskeptiker_innen ist ein Thema für sich. Eine andere zentrale Stelle ist der Vorsitzende von EIKE, das Jenaer CDU-Mitglied Holger Thuss. Das Postfach von EIKE (kein Institut, sondern ein Postfachverein) läuft über seinen Namen. Auch zwei weitere klimaskeptische Vereine, beide nicht ohne Relevanz in dieser Szenerie laufen auf dasselbe Jenaer Postfach: Das Commitee for a Constructive Tomorrow (CFACT) und der Thuss & van Riesen Verlag (TvR), ein fast ausschlieslicher Klimaskeptiker_innen-Verlag.

Abb. von Michael’s Climate Blog
Das „CFACT ist ein rechtskonservativer US Think Tank, der durch besonders aggressive Antiklima-Rhetorik auffällt und sich großzügiger Finanzierung durch Exxon Mobil & Co. Erfreut.“
Die Überschneidungen von CFACT und EIKE sind immens, wie dieses Schaubild zeigt:

Ein nicht unrelevantes Mitgileid von EIKE ist übrigens Helmut Alt, Professor für Elektrotechnik an der FH Aachen, der lange zeit für RWE arbeitete, dessen Schwerpunktthema aber eher die Atomkraft ist (natürlich mit einer Pro-Atom-Position).
Wie schon erwähnt entstehen seit 2007 neue klimaskeptische Blogs in atemberaubendem Tempo. Auch Bücher zu diesem Thema überschwemmen regelrecht den Markt. Um einige dieser Blogs zu nennen: klima-ueberaschung seit 2007.
klimanotizen und science-skeptical seit 2008, naeb.info seit 2009, und so weiter und so fort.

Die rechten Klimaskeptiker_innen als Sprungbrett zur diskursiven Relevanz
Eine besondere Relevanz kommt folgenden Internetforen und Milieus zu: Die Rassist_innen um die Seiten „Achse des Guten“ und „Political Incorrect“ stiegen massiv auf den Zug der Klimaskepsis auf. Michael Miersch und Dirk Maxeiner, die beiden nach M. Broder wichtigsten Schreiberlinge der „Achse des Guten“, schreiben dort regelmäßig Artikel in denen sie den menschengemachten Klimawandel verneinen, schreiben aber auch für die Seite von EIKE. M. Broder ist ein offener Rassist, der zum Beispiel bei jeder Gelegenheit die genetischen Thesen Sarrazins verteidigt, und zum Beispiel mit der „Welt“ und anderen rechts-konservativen Zeitungen „Antiislamisierungskongresse“ organisiert (es ist absurd, dass er von, sich selbst als links sehenden Zeitungen wie der konkret, dennoch hoch geschätzt ist und dort auch publiziert). Mirsch und Maxeiner stehen ihm in nichts nach, genauso wie die meisten Autoren von „AchGut“, von denen übrigens sehr viele auch klimaskeptisch schreiben. Vera Lengsfeld zum Beispiel, die auch auf einer EIKE Konferenz eine Rede hielt, erhielt dort für ihre Thesen, die vorgeschlagene Lösungen gegen den Klimawandel in die Nähe der Eugenik brachte langanhaltenden Applaus. Sie sagte: „In gefährlicher Nähe zur Eugenik bewegt sich auch Umweltminister Röttgens Vorschlag, jedem Menschen ein CO2- Kontingent zuzumessen.“ Auch wenn eine Kritik des autoritären Klimaschutzes geteilt werden kann, genauso wie Lengsfelds Kritik an Geburtenkontrollen; das mit der nationalsozialistischen Eugenik zu vergleichen, wie Lengsfeld es tut, ist einfach nur geschichtsrelativierend. Der Rest von Lengsfelds Rede ist ziemlich absurd, so wird der real existierende westliche Wohlstand zur Notwendigkeit für die Befreiung autoritärer Politik verdreht. Der Kabarettist Vince Ebert schreibt für EIKE und die Achse des Guten klimaskeptisch, und moderiert gerne zum Beispiel Veranstaltungen von Thyssen Krupp, wie den Jahresempfang von „Ideen Park“ mit Thomas Gottschalk zusammen.
Ein weiterer einflussreicher Klimaskeptiker von der Achse des Guten ist Ulli Kulke, Redakteur bei der „Welt“. Er führt einen klimaskeptischen Blog auf „welt online“ namens „Donner und Doria“. Auch der ehemalige Chefredakteur der „Welt“ und ebenfalls des „Ciceros“ Wolfram Weimer, schreibt für die Achse des Guten.
So ist es bezeichnenderweise der rechts-konservative Flügel der Klimaskeptiker_innen der die Skepsis gegenüber dem menschengemachten Klimawandel in die großen Zeitungen bringt. Offener rechtsradikal und im Tonfall noch aggressiver sind die Klimaskeptiker_innen von PI-news.

Klimaskepsis auf dem Weg zum Mainstream
Diese Sammlung an klimaskeptischen Beiträgen in bürgerlichen Medien, über die sich EIKE freut, zeigt wie die Strategie derjenigen aufgeht, die die Klimaskeptiker_innen als nützliche Idiot_innen für ihre profitablen Interessen einsetzten. Das Ziel ist es den Diskurs über den menschengemachten Klimawandel soweit zu verwirren, dass dieser nicht mehr als Fakt erscheint, sondern als Streitpunkt unter Wissenschaftler_innen (weiter unten wird darauf aus einer wissenschaftskritischen Sicht näher eingegangen).
Die zwielichtigen Millieus konservativ-rechter und verschwörungstheoretischer Gruppen sowie neoliberalen Think-Tanks waren notwendig als Fundament, in dem der klimaskeptische Diskurs anfangen konnte zu zirkulieren. Sobald dieses Fundament stand wurde die nächste Phase eingeleutet. Mit „seriöseren“ Akteur_innen soll der gesellschaftliche Mainstream getroffen werden.

Und schon wieder das RWE
Diese gesuchten „seriösen“ Akteure wurden gefunden in Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning, die zusammen das Buch „Die kalte Sonne“ verfassten. Fritz Vahrenholt galt einst als Vorkämpfer in Sachen Umweltschutz. Durch diese Vergangenheit sollen seine Thesen also seriös wirken. Einziger Schönheitsfehler bei der Sache: Dass beide bei RWE in Lohn und Brot stehen lässt doch etwas an der Glaubwürdigkeit zweifeln. In einem Vorwort des Buches schreibt Fritz Vahrenholt, dass er stets an die „Hockey Stick Theorie“ (eine Parabel die die Parallelität des Anstiegs von CO2 und globaler Erwärmung anzeigt) geglaubt habe und sie in eigenen Vorträgen verwendete, bis es ihm wie Schuppen von den Augen fiel, dass das ja gar nicht möglich wäre, wo es doch schon frühere Warmzeiten gegeben hätte. Die Frage die offen bleibt ist die, ob nicht auch der erste Gehaltsscheck vom RWE zur Sinneswandlung beitrug.
Fritz Vahrenholt war sogar zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung Vorstandsvorsitzender der RWE Innogy, der auf erneuerbare Energien fokussierten „Umweltsparte“ von RWE. Im Jahr 2012 wurde er als Vorstandvorsitzeder abgelöst und übernahm den Aufsichtsratsvorsitz von RWE Innogy. Während RWE die gesamte Landschaft mit Großplakaten beglückt, auf denen RWE als Klimaschützer angepriesen wird, glaubt der wichtigste Mensch der Umweltsparte nicht an den Klimawandel. Es könnte also die Frage gestellt werden, wozu es diese Sparte überhaupt gibt. Folgerichtig schraubte RWE seine Investitionen für die Folgejahre in dieser Sparte massiv herunter.

Der eigentliche Skandal
Nun lässt es sich nach unseren bisherig vorliegenden Informationen nicht eindeutig nachweisen, dass das RWE beteiligt ist, an der Umsetzung einer gezielten Strategie Klimaskeptiker_innen zu finanzieren und zu fördern, oder Strukturen selber aufzubauen, um den Diskurs des menschengemachten Klimawandels zu diskreditieren. Das Strategiepapier von Chris Horner, an RWE gerichtet, die darauffolgende Entstehung all dessen was in diesem Papier steht, und das anschließende An-die-Spitze-der-klimaskepischen-Bewegung-stellen zweier hochrangigen RWE-Angestellte lässt aber einiges vermuten. Wir werden weiterhin versuchen mehr Material zu sammeln um die Verstrickung des RWEs belegen zu können. Dabei hoffen wir auch auf mithilfe. Material kann auch anonym in folgendes Kontaktformular eingestellt werden.
Ob das RWE nun direkt verstrickt ist, oder nicht; wir dürfen den eigentlichen Skandal nicht vergessen: Nämlich dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es für Unternehmen wie RWE in der kapitalistischen Binnenlogik rationelles Handeln bedeutet, einen Diskurs zu sabotieren, der notwendig ist, um die Rettung dieses Planeten anzugehen.

Eine Anmerkung zur Debatte um die Wissenschaftlichkeit
In der Auseinandersetzung zwischen Vertreter_innen der Existenz eines menschengemachten Klimawandels und Klimaskeptiker_innen, dreht sich die Debatte meist darum, der Gegner_in vorzuwerfen nicht „wissenschaftlich“ zu sein, was meist in reinen Schlammschlachten ausartet. Genau diese Fokussierung auf die Debatte welche Seite eigentlich die „Wissenschaftlichkeit“ gepachtet hat, ist Teil der Strategie der Klimaskeptiker_innen. Denn sie führt erstens zu einer Depolitisierung der Debatte, und schließt zweitens einen Großteil der Menschen aus, da sie auf diesem Gebiet nur Laien sind. Drittens stützt es die Herrschaftsmethode „wissenschaftlicher Diskurse“
Depolitisierung: Die Fokusierung auf die Frage danach, wer wissenschaftlich im Recht ist, blendet schnell andere Fragen aus. Zum Beispiel welches Interesse eigentlich hinter welcher Position steht. „Wissenschaftlich“ lässt sich in einer kapitalisitisch organisierten Wissenschaft immer das belegen, was belegt werden soll. Deswegen ist die Frage nach dem Interesse viel interessanter. Es macht nämlich einen Unterschied, ob eine Position vertreten wird, aus dem Interesse weiterhin billig und massenhaft CO2 und andere Klimagase in die Luft pusten zu können, oder ob das Interesse ist, jetzt das notwendige zu versuchen, damit diese Erde auch noch in 60 Jahren ein lebensspendender Ort ist.
„Ausschluss von Laien“ und „Wissenschaftlichkeit als Herrschaftsmethode“: Durch das Verlagern der Debatte auf eine „wissenschaftliche Ebene“ wird ein Großteil der Menschen von der Debatte ausgeschlossen. „Wissenschaftliche Erkenntnisse“ werden zur objektiven „Wahrheit“ gemacht. Wenn bedacht wird, dass Studien mit vorherbstimmten Ergebnissen „zu kaufen“ sind, ist auch „die Wahrheit“ zu kaufen. Alleine aus diesem Grunde empfielt es sich von vornherein wissenschaftskritisch an Debatten heranzugehen, um nicht gesellschaftlichen Eliten, die Deutungshoheit über alles Geschehen zu überlassen. Das bedeutet nicht, dass eine Erforschung des bevorstehenden Klimawandels nicht sinnvoll sei, sondern, dass es niemals objektive Erkenntnisse geben kann, und dass eine Wissenschaft immer in ihren Rahmenbedingungen betrachtet werden muss.

Wie absurd die Gedankenkette sein kann, bewiesen die Ex-Öko-Journalisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch, die seit Jahren mit stets unbelegten und oft schnell widerlegten Hasstiraden auf ihre ehemaligen Mitstreiter*innen schimpfen und dafür unglaublicher Weise sogar stets Verlage finden. Ihre Gedankenkette geht so:

  1. Klimawandel ist da, deshalb braucht es Atomkraft (und übrigens auch Gentechnik ... hat zwar mit dem Thema nichts zu tun, aber wo wir schon mal dabei sind, profitgeilen Konzernen den Weg freizuräumen, darf das ja wohl auch mal gesagt sein).
  2. Der Klimawandel ist erfunden, deshalb ist der Propagandist dieser Position, Fritz Vahrenholt, toll und auch dann ein unabhängiger Wissenschaftler, wenn er bei RWE arbeitet.
  3. Ohnehin ist die Energiewende Mist und demnächst gehen die Lichter aus.

Aus Dirk Maxeiner/Michael Miersch, „Alles grün und gut?“
Wenn sich die Theorie von der antropogenen Klimakatastrophe tatsächlich weiter bestätigen sollte, ist eine Neubewertung der Atomenergie ziemlich wahrscheinlich (zumindest außerhalb Deutschlands). Zumal in den letzten Jahren weiter Fortschritte in Sachen Sicherheit und Effizienz gemacht wurden. ... /S. 297f.)
Seit Fritz Vahrenholt den Vorhersagen des Weltklimarats (IPCC) nicht mehr traut und ein Buch darüber geschrieben hat („Die kalte Sonne“, gemeinsam mit dem Geologen und Paläontologen Sebastian Lüning), weht ihm der Wind hart ins Gesicht. Kein Vorwurf ist zu absurd, um den Kritiker aus den eigenen Reihen abzuwehren. Er stehe im Sold der Kohle- und Öl-Lobby, sei eitel und wolle nur Aufmerksamkeit auf sich ziehen und hätte im Übrigen als Chemiker keine Ahnung von Klimaforschung. Die Hüter der reinen Lehre reagieren besonders empört, weil der heutige Vorsitzende der Deutschen Wildtierstiftung zu den Pionieren der Umweltbewegung in der Bundesrepublik gehört. ... (S. 305)

2014
Reform der Energiewende. Was viele vorausgesagt haben, tritt ein: Die Energiewende läuft ökonomisch und technisch aus dem Ruder. Die Kosten explodieren, die Versorgungslage wird unsicherer, und obendrein steigen die Kohlendioxidemissionen. Der Bundestag verabschiedet eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), welche die krassesten Fehlentwicklungen zumindest mildern soll. (S. 378)

Dubiose Seilschaften

Aus: taz am 20.1.2014
Die Klimaskeptiker in den USA werden aus geheimen Quellen finanziert, zeigt eine neue Studie. Die Herkunft der Mittel werde systematisch verschleiert. Ganz groß im Geldverstecken sind die milliardenschweren Koch-Brüder, die im Ölgeschäft aktiv sind ... Drei Viertel aller Zuwendungen für klimaskeptische Organisationen kommen nach einer aufwändiger
Recherche eines US-Wissenschaftlers aus "schwarzen Quellen", sind also nicht nachvollziehbar. ...
Gespendet für die Attacken auf Klimawissenschaftler und ihre Arbeiten wurde bis 2007 auch im großen Stil direkt von den Stiftungen des Ölmultis ExxonMobil oder der "Koch Industries", eines der größten US-Privatunternehmen, Ölinvestor und Finanzier der ultrakonservativen Tea Party. Ab 2008 sind die Zuwendungen der Stiftungen nicht mehr öffentlich nachzuverfolgen.
Wie sorgfältig gerade die Milliardäre Charles und David Koch ihren finanziellen Einfluss auf die Politik verbergen, hat gerade eine Recherche der Washington Post enthüllt. Demnach hat ein verschachteltes System aus Organisationen allein im Wahlkampf 2012 über 400 Millionen Dollar für rechte und neoliberale Propaganda gesammelt und ausgegeben - um Stimmung gegen Themen wie Klimaschutz oder Gesundheitsreform zu machen.
Dieses unkontrollierbare Geflecht aus Lobbygruppen, die nicht den Regeln der Parteienfinanzierung unterworfen sind, sei in der US-Geschichte beispiellos, schreibt die Zeitung. Es handele sich um die größte Spendenmaschine der Rechten und sei allein etwa so groß wie der gesamte finanzielle Einfluss der amerikanischen Gewerkschaften.

Kritik

Das Umweltbundesamt hat 2013 in einer Broschüre den aktuellen Stand der Klimadebatte und die Belege für den Klimawandel zusammengefasst. Am Ende findet sich eine Kritik an den Kreisen, die den Klimawandel leugnen.

Im Original: Aus "Und sie erwärmt sich doch" ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Aus dem Kapitel "Entstehung und gezielte Verbreitung von Zweifeln an den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur anthropogenen Klimaerwärmung" der Broschüre des Umweltbundesamtes (S. 111-118)
Im Jahre 2007 veröffentlichte die US-amerikanische Wissenschaftlervereinigung „Union of Concerned Scientists“ (UCS; deutsch: Vereinigung besorgter Wissenschaftler)7 eine Studie unter der Überschrift: „Smoke, Mirrors & Hot Air“ (UCS 2007). Die UCS zeigt in dieser Studie auf, wie ExxonMobil – laut eigenen Angaben der größte Erdölkonzern der Welt – eine Kampagne zur systematischen Desinformation der Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Klimawissenschaft finanzierte. Dabei baute ExxonMobil auf die gleichen Methoden und zum Teil sogar auf die gleichen Akteure, wie schon zuvor in der jahrelangen Verbreitung von Falschinformationen über die vermeintliche Unschädlichkeit des Rauchens (siehe auch Germanwatch 2008, Greenpeace 2010). ...
2006 erschien das Buch „The True State of Global Warming“ (deutsch: Die Wahrheit über die globale Erwärmung) von Patrick Michaels, einem bekannten Vertreter der „Klimawandelskeptiker“. Michaels gehörte mindestens 10 Organisationen an, die von ExxonMobil gesponsert wurden. Beiträge zu diesem Buch lieferten auch Sallie Baliunas, Robert Balling, John Christy, Ross McKitrick und Willie Soon, die ebenfalls für etliche der finanzierten Institutionen tätig waren (vgl. UCS 2007, S. 34 – 36). ...
Die „Klimawandelskeptiker“ kamen in den USA zu beträchtlichem politischen Einfluss. Während der Präsidentschaft von George W. Bush gelang es ihnen, Ämter in höchsten politischen Kreisen zu besetzen. So war Philip Cooney zwischen 2001 und 2005 als Stabschef des Rates für Umweltqualität im Weißen Haus tätig und beriet den Präsidenten zu Fragen der Klimawissenschaft und Klimapolitik. Cooney, ein Anwalt mit Abschluss in Ökonomie, arbeitete zuvor viele Jahre als Teamleiter „Klima“ im American Petroleum Institute. Während seiner Amtszeit im Weißen Haus änderte er zahlreiche wissenschaftliche Berichte zur Thematik der globalen Klimaänderung ab. Beispielsweise verstärkte er Aussagen über die wissenschaftlichen Unsicherheiten in unvertretbarer Weise. Als diese Vorfälle öffentlich bekannt wurden, verließ Cooney das Weiße Haus, um eine hochrangige Stelle bei ExxonMobil anzutreten (UCS 2007).
Während der Regierungszeit von US-Präsident George W. Bush wurde auf Vorschlag von ExxonMobil Harlan Watson als Chefverhandler der amerikanischen Delegation bei den UN-Klimaverhandlungen eingesetzt. Watson war Mitglied des Wissenschaftsausschusses des Repräsentantenhauses und arbeitete eng mit jenen Kongressmitgliedern zusammen, die gegen Maßnahmen zum Klimaschutz eingestellt waren. Er lehnte jegliches Engagement der USA im Kyoto-Prozess ab. Zwischen 2004 und 2006 war Joe Barton Vorsitzender des Energie-und Wirtschaftsausschusses des Repräsentantenhauses. Zu den Aufgabenbereichen des Ausschusses gehören unter anderem die Energieversorgung und die Reinhaltung der Luft. Barton erhielt laut UCS während seiner Karriere mehr als 1 Million Dollar von der Öl- und Gasindustrie. Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von irreführenden Aussagen und der Verzögerung von Maßnahmen gegen die globale Erwärmung. ...
In der jüngeren Vergangenheit wurde das Heartland-Institut zu einer wichtigen Stimme der „Klimawandelskeptiker“ in den USA (Klimaretter.Info 2012b). In den 1990er Jahren engagierte sich die Organisation gegen Regelungen zum Schutz von Nichtrauchern und erhielt dafür Geld vom Tabakkonzern Philip Morris. Zwischen 1998 und 2005 gehörte das Heartland-Institut mit 561.500 $ zu den Geldempfängern von ExxonMobil und widmete sich dem Thema Klimawandel (UCS 2007). Anfang 2012 kamen interne Dokumente des Heartland-Instituts an die Öffentlichkeit. Aus diesen Papieren geht hervor, dass die Organisation Spenden von Konzernen der Industrie einwirbt. Damit finanziert sie Internetblogs und scheinbar neutrale Organisationen für die Verbreitung von Zweifeln am Klimawandel (Klimaretter.Info 2012b, Klimaretter.Info 2012c). Darüber hinaus geriet das Institut mit einer Werbekampagne in die
Schlagzeilen, bei der Klimaschützer mit Mördern und Diktatoren verglichen wurden (Klimaretter.Info 2012d). ...
Aber auch hierzulande werden Zweifel verbreitet. Mit Thesen, die dem wissenschaftlichen Konsens widersprechen, macht in Deutschland beispielsweise ein eingetragener Verein unter dem Namen „Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE)“ von sich reden. Laut eigenen Angaben (http://www. eike-klima-energie.eu/eike/) ist EIKE „ein Zusammenschluss einer wachsenden Zahl von Natur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Publizisten und Politikern, die die Behauptung eines „menschengemachten Klimawandels“ als naturwissenschaftlich nicht begründbar und daher als Schwindel gegenüber der Bevölkerung ansehen. EIKE lehnt folglich jegliche „Klimapolitik“ als einen Vorwand ab, Wirtschaft und Bevölkerung zu bevormunden und das Volk durch Abgaben zu belasten.“ Der Verein betreibt eine Internetseite, organisiert Tagungen und entsendet Vertreter zu Vorträgen (Reuter u. a. 2010, Klimaretter.Info 2012a). Jährlich stattfindende Konferenzen hält EIKE gemeinsam mit dem Berlin Manhattan Institut (frühere Bezeichnung: Institut für unternehmerische Freiheit; http://www.berlinmanhattan.org/veranstaltungen) ab (Plehwe 2011, Brunnengräber 2013).
Ein Buch mit „klimaskeptischen“ Inhalten, das 2012 erschien und in den Medien zeitweise viel Aufmerksamkeit erfuhr, trägt den Titel „Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet.“ Autoren des Buches sind Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning. Die beiden Autoren stellen grundlegende Erkenntnisse der Klimaforschung in Frage. In erster Linie machen sie natürliche Ursachen wie die schwankende Strahlungsintensität der Sonne für die globale Erwärmung in den letzten Jahrzehnten verantwortlich. Mit diesem Argument haben wir uns ausführlich in Frage 6 sowie in UBA 2012 useinandergesetzt
und auch im Internet sind treffende Stellungnahmen zu finden (z. B. klimafakten.de, Hoffmann 2012). Auf welcher wissenschaftlichen Basis fußen diese Erkenntnisse von Vahrenholt und Lüning? Im Klappentext des Buches beschreiben die Autoren ihren Werdegang. Fritz Vahrenholt promovierte im Fach Chemie, arbeitete von 1991 bis 1997 als Umweltsenator von Hamburg, war danach im Vorstand der Deutschen Shell AG und ist seit 2001 Manager des Energieversorgungskonzerns RWE. Sebastian Lüning promovierte in Geologie/ Paläontologie und arbeitet als Afrika-Experte beim Öl- und Gasunternehmen RWE Dea (Vahrenholt und Lüning 2012). Demnach haben weder Vahrenholt noch Lüning in der Klimaforschung oder auf verwandten Gebieten der Physik der Atmosphäre gearbeitet und geforscht.
Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE)

Laut Wikipedia wurde EIKE "2007 gegründet und ist als gemeinnütziger Verein eingetragen. EIKE sieht seine Aufgabe nach eigener Aussage darin, als ein öffentliches Forum die Klima- und Energiefakten ideologiefrei darzustellen, internationale wissenschaftliche Kongresse auszurichten und Veröffentlichungen zur Klimaforschung, insbesondere von EIKE-Mitgliedern, zu fördern und zu verbreiten. Der Verein ist in der rezipierten Klimawissenschaft nicht präsent und wird in der Hauptströmung von Wissenschaft und Printmedien nicht als seriöses Institut wahrgenommen.
Vereinspräsident ist der Verleger, Historiker und lokale CDU-Politiker Holger Thuss.[13][14] Thuss ist zugleich Gründer und Vorsitzender von CFACT Europe, einer in Struktur und Zielsetzung ähnlichen klimaskeptischen Dependance der US-amerikanischen Vereinigung Committee for a Constructive Tomorrow.
EIKE-Generalsekretär Wolfgang Müller ist gleichzeitig im Vorstand des libertären Berlin Manhattan Instituts und verantwortlich für das CFACT Climate Change Programme. EIKE und CFACT Deutschland teilen sich eine Postfachadresse in Jena.
EIKE hat einen Fachbeirat, dessen Aufgaben in der Beratung von Mitgliedern bei fachlichen Fragen bestehen. Der Pressesprecher des Vereins, der emeritierte Professor für Strömungstechnik Horst-Joachim Lüdecke, wird mit dem Satz zitiert: „Wir brauchen keine Klimaforscher“. Denn es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass CO2 die Atmosphäre aufheize. Deshalb könnten laut Lüdecke im Fachbeirat auch ein Materialforscher, ein Radiologe und ein Elektronikspezialist sitzen. Im Beirat vertreten waren im Dezember 2010 beispielsweise Dieter Ameling (ehemaliger Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstitut VDEh), Klaus Landfried (Professor für Politikwissenschaft und ehemaliger Präsident der Hochschulrektorenkonferenz), Eberhard Menzel (SPD-Politiker), Nils-Axel Mörner (Ozeanograph) und Gernot Patzelt (Glaziologe und Polarforscher).
"

Aus "Wir brauchen keine Klimaforscher", in: Süddeutsche Zeitung am 31.3.2010
Der Name macht mächtig Eindruck: Europäisches Institut für Klima und Energie, kurz Eike. Von Eikes Seriosität - es gibt einen Fachbeirat, Grundsatzpapiere und Publikationen - kann man sich allerdings nur im Internet überzeugen. Denn Eike, das sich dem Kampf gegen den Klimaschutz verschrieben hat, ist gar kein Institut, sondern ein Verein ohne Büro, mit nur einer Postfachadresse in Jena.
Sein Präsident: Holger Thuss, ein Jenaer CDU-Lokalpolitiker und Verleger konservativer Bücher. Eikes Pressesprecher: Horst-Joachim Lüdecke, ein pensionierter Professor für Strömungsmechanik. "Wir brauchen keine Klimaforscher", sagt Lüdecke, schließlich gebe es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass CO2 die Atmosphäre aufheizte. Und deshalb können im Fachbeirat auch ein Materialforscher, ein Radiologe und ein Elektronikspezialist sitzen.
Was skurril klingt, ist durchaus ernst zu nehmen: Über Eike hat die weit verzweigte und eng vernetzte US-Szene der Klimaskeptiker in Deutschland Fuß gefasst. Denn Eike-Präsident Thuss ist zugleich Gründer von CFACT Europe, dem Ableger des amerikanischen "Committee for a constructive tomorrow", das 2008 mit fast 600.000 Dollar zu den größten Spendenempfängern des Ölkonzerns ExxonMobil gehörte. Eike selbst erhält Lüdecke zufolge kein Geld von Konzernen. Nachprüfen lässt sich das nicht, denn in Deutschland müssen sogenannte Think-Tanks ihre Geldgeber nicht offenlegen.(...) Gehör verschafft sich Eike auch außerhalb des Netzes - etwa durch Tagungen. So organisierte das Institut zusammen mit der FDP-nahen Naumann-Stiftung Anfang Dezember in Berlin eine "internationale Klima-Tagung". Hauptredner war Fred Singer, ein pensionierter Meteorologe, der in der Szene derjenigen, die den Klimawandel leugnen, zu den Stars gehört. Singer ist Mitglied von so ziemlich jedem klimaskeptischen Verein, unter anderem des Heartland Institute, einer konservativen Denkfabrik, die in den USA den Ton angibt und seit ein paar Jahren große Konferenzen gegen den Klimawandel organisiert. (...) Weiterer Redner bei Eikes Klimatagung war Lord Monckton, auch er ein Handlungsreisender gegen den Klimawandel. Nach seinem Auftritt in Berlin flog Monckton, der als Berater der früheren Premierministerin Margaret Thatcher Karriere machte, nach Australien - der Kohlekonzern Hancock Prospecting hatte ihn zu einer Vortragsreise eingeladen."

Aus "Die Gehilfen des Zweifels" in "Die Zeit" am 25.11.2010
Dank Holger Thuss sind ein paar Tropfen dieser Welle auch nach Deutschland geschwappt. Der Präsident und Gründer von Eike arbeitete vor Jahren für die US-Lobbygruppe Cfact. Von dort, sagt CDU-Mitglied Thuss, habe er die Idee für Eike mitgebracht. Anders als Cfact bekomme Eike aber kein Geld von Konzernen. Es gebe nur private Kleinspender und weniger als hundert Mitglieder. Das Geld reiche gerade, um einmal im Jahr eine Konferenz auszurichten. 2009 kam das Buffet noch aus dem Supermarkt, dieses Jahr kann man sich erstmals einen Caterer leisten.
Die Tagung, die kommende Woche im Berliner Maritim-Hotel stattfindet, zeigt, dass Eike trotz obskurer Thesen erfolgreich an einem Netzwerk baut. Auf der Rednerliste steht mit Dieter Ameling der ehemalige Präsident des deutschen Stahlindustrie-Verbandes. Mitveranstalter der Tagung ist das marktradikale Berlin Manhattan Institut für unternehmerische Freiheit – das hat zwar auch nur ein Ein-Mann-Büro, sein Beirat voller Wirtschaftsprofessoren vermittelt aber Seriosität. Auf der Einladung wird zudem die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung genannt (die aber auf Anfrage betont, die Tagung nicht aktiv zu unterstützen).

Aus "Die Klimakrieger", in: Die Zeit, 28.11.2012
Nur in Europa sind die Klimaleugner noch in der Defensive. Fred Singer, der inzwischen 88-jährige Verkäufer des Zweifels, fliegt jetzt oft über den Atlantik, vor allem nach Deutschland. Hier glauben die meisten Leute noch an die Ergebnisse der Wissenschaft. Singer will das ändern.
Im September 2010 war er auf Einladung der FDP im Deutschen Bundestag zu Gast. Die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marie-Luise Dött, zeigte sich beeindruckt: »Ich fand Ihre Ausführungen, Professor Singer, sehr, sehr einleuchtend und sehr schön amerikanisch vorgetragen«, sagte sie laut Zeitungsberichten. Die Frage sei nun, wie man die Politik auf einen anderen Kurs bekomme, die Skeptiker bräuchten »gesellschaftliche Mehrheiten«. Dött sei falsch zitiert worden, heißt es später aus der CDU. Für Singer hätte es dennoch kaum besser laufen können.
In diesen Tagen, im November 2012, reist er wieder nach Deutschland, wo das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) eine Konferenz in München abhält, wie immer mit Unterstützung des Committee for a Constructive Tomorrow, des Arbeitgebers von Marc Morano.
»Wir werden im Bayerischen Hof tagen, mit einer internationalen Besetzung vom Feinsten«, sagt Horst Lüdecke. Neben Singer werde jemand vom Heartland Institute reden. Eine kanadische Bloggerin werde ihr neues, kritisches Buch über den Weltklimarat vorstellen.
Horst Lüdecke ist der Pressesprecher von EIKE, ein 70-jähriger emeritierter Physikprofessor, der sich seit seiner Pensionierung mit dem Klima beschäftigt. »Ich habe mich selbst in die Materie eingearbeitet«, sagt er stolz.
Im Fachbeirat von EIKE sitzen ein Journalist und ein Forstwissenschaftler, der Präsident ist ein Historiker, der zweite Vorsitzende ein Elektroingenieur, der bei Vorträgen gerne das Horrorszenario einer Ökodiktatur beschreibt: keine Heizung, keine Autos, keine Fabriken. »Wir sind fast alle Rentner«, sagt Lüdecke.
Das »Institut« hat keine Büroräume, nur ein Postfach in Jena, trotzdem ist die EIKE-Website die wichtigste deutsche Plattform der Klimaleugner: Ein blauer Himmel mit Schäfchenwolken spannt sich über eine saftige Wiese. Das blau-gelbe Logo mit dem Sternenkranz erinnert an das EU-Signet, alles wirkt freundlich, seriös, wissenschaftlich. Man findet Links zu amerikanischen Websites wie der von Marc Morano oder zu klimaskeptiker.info, dem »Forum gegen die Irrlehren von Treibhauseffekt und Klimaschutz«.
Seit Kurzem ist das 2007 gegründete EIKE als gemeinnütziger Verein eingetragen. Das Institut darf jetzt offiziell zu Spenden aufrufen.
Wer spendet für EIKE? »Das ist geheim«, sagt Lüdecke. Wie viele Mitglieder hat der Förderverein? »Alles kann gegen uns verwendet werden«, sagt er mit gesenkter Stimme, man habe jedoch beste Kontakte zu Abgeordneten aller Parteien. Zu wem genau? Lüdecke schüttelt verschwörerisch den Kopf. »Zu brisant!«

Holger Thuss schreibt als vermeintlicher Experte zu Klimafragen in der anarcho-kapitalistischen, rechts-offenen Zeitung "eigentümlich frei".

Im Original: Wer ist "eigentümlich frei"? ... Diese Zitate ausblenden ++ Alle Zitate aus / einblenden
Zitate aus derer eigenen Selbstdarstellung
Eigentum – das ist der Schlüssel zur Freiheit. ...
Im Zusammenleben der Menschen gibt es nur zwei Wege: Gewalt oder Freiwilligkeit, Gewehr oder Vertrag, Zensur oder freies Wort, Sozialismus oder Eigentum, Politik oder Handel. Wir treten kompromisslos für Freiwilligkeit, Vertrag, das freie Wort, Eigentum und Handel ein, wo andere der sozialdemokratischen Versuchung oft genug nicht widerstehen können. ...
Wir sind auf dem besten Wege in den totalitären Sozialismus. Skurrilerweise wird uns dabei täglich ein Gespenst des „Neoliberalismus“ an die Wand gemalt, das allenfalls in den Köpfen der Staatsverdienerklasse existiert. ...
eigentümlich frei steht auf der Seite der libertären Gegenwehr. Gegen die zunehmende neosozialistische Enteignung.

In der Liste der AutorInnen (gleiche Seite) finden sich einige Namen bekannter rechter Persönilchkeiten, u.a. Christoph Blocher (SVP), Eva Herman (Befürworterin von Hitlers Familienpolitik und Ex-Koppverlag-Nachrichtensprecherin) und Udo Voigt (langjähriger NPD-Bundesvorsitzender).

Personen

Internetseite(n) von EIKE selbst

CFACT Deutschland

Aus "Die Gehilfen des Zweifels" in "Die Zeit" am 25.11.2010
Dank Holger Thuss sind ein paar Tropfen dieser Welle auch nach Deutschland geschwappt. Der Präsident und Gründer von Eike arbeitete vor Jahren für die US-Lobbygruppe Cfact. Von dort, sagt CDU-Mitglied Thuss, habe er die Idee für Eike mitgebracht. Anders als Cfact bekomme Eike aber kein Geld von Konzernen.

Mehr KämpferInnen pro Kohle und Atom, die den Klimawandel leugnen
Die die Energiewende bekämpfen


Ein Aufkleber, der von EIKE vertrieben wird ... spannend sind die Kooperationspartner: Eine rechtslastige Druckerei und ein Versand mit absurden Sprüchen auf T-shirts usw. - von pro Atom bis zur Hommage an Franz Josef Strauß und Thilo Sarrazin:



Immerhin ist ja interessant, dass die platten Sprüche anerkennen, dass sich die Erde erwärmt - das wird nur begrüßt. Schon in den 90er Jahren machte ein Tarnverein auf sich aufmerksam: Der Bundesverband Landschaftsschutz (BLS). Er wetterte vor allem gegen die damals beginnende Neigung, Windräder zu bauen (siehe Einladung zu einer Pressekonferenz rechts). Ein Hetzbrief gegen die Windkraft wurde damals beim Hochtief-Konzern freigestempelt - einer Tochter von RWE!

Gegenpositionen und Aufklärung

Rechts: Ausschnitt aus dem Titel einer Veröffentlichung der Deutschen Bank, in dem diese sich mit dem Unsinn der Klimaleugnung auseinandersetzen. Ähnlich deutlich sind Veröffentlichungen z.B. bei einigen Versicherungskonzernen, die genau wissen, dass der Klimawandel kommt und Schäden bringt.

Gegenvorschläge: Kohleausstieg, Energiewende und Utopien

Aus "Grünstrom, nein danke?", in: Freitag, 17.10.2013 (S. 4)
Die Verteidiger der Marktfreiheit weisen auf die Benachteiligung der Stromerzeugung aus Kohle hin. Sie sei teuer, unterliege in der Konkurrenz und rechne sich heute schon nicht mehr, müsse aber für den Fall gefördert werden, dass es einmal zu wenig Strom aus erneuerbaren Quellen gebe. Eben noch gab es zu viel davon, jetzt ist Strommangel zu befürchten; eben noch war die Marktfreiheit verletzt, wenn eine Strom-Art subventioniert wird, jetzt soll eine andere Strom-Art subventioniert werden. Und zwar nicht irgendeine, sondern eine sehr unökologische. Ganz unbekümmert teilmt man uns daher auch mit, die Strompreise würden weiter ansteigen, weil ja möglichst bald eine Kohle-Umlage zu beschließen sei.

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Eanzipatorische Ökologie