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__Das Spiel mit den Mehrdeutigkeiten
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Gustav – Verlass die Stadt (2008, Album, Chicks on Speed)
Schon der Titel ist großartig. Schuldbewusst fragte ich mich: Was habe ich getan, dass ich die Stadt verlassen soll? Gustav führt, so scheint es, die HörerInnen gerne aufs Glatteis. Während der Vorgänger „Rettet die Wale“ – bis auf den titelgebenden Song – vielleicht zu viel mit Feindbildern und „wir“-Gefühl – natürlich auf der Seite der „Guten“ – arbeitete, verzichtet die Künstlerin aus Wien auf ihrem neuen Album fast vollständig auf klare Einteilungen: Die Texte versprühen Ironie und Mehrdeutigkeit, ohne auf eine belanglos-lustige Ebene abzudriften, und das macht ihre Stärke aus.
Auch zwischen Musik und Text entfalten sich wunderbar verstörende Gegensätzlichkeiten. Auf „Total Quality Woman“ doziert Gustav singend über die patriarchale Rollenzurichtung von Frauen – zu einem fröhlich-euphorischen Beat.
Die Klänge sind im Vergleich zum Erstling wärmer, vielfältiger geworden. Bei der in Eigenregie eingespielten und wahnsinnig guten Orchestrierung von „Neulich im Kanal“ ist man geneigt, der Künstlerin Genialität zuzuschreiben. Andererseits ist man damit vielleicht auf einem Pfad, der dem des Projekts Gustav zuwiderläuft. Geht es doch darum, sich Zuschreibungen zu verweigern.
Fazit: So wunderbar poppig, intelligent produziert und unaufdringlich-eindringlich, ohne erhobenen Zeigefinger, kommt zeitgenössische Musik selten daher. „Verlass die Stadt“ ist ein großer Wurf.
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