//_Platten Besprechungen

__Viel Leben unter dem Disco-Banner

 

Rodion – Romantic Jet Dance (2007, Album, Gomma)

Cover des Albums "Romantic Jet Dance" von RodionEigentlich kann ich mit Musik, die unter Disco geführt wird, nicht viel anfangen; die ersten Takte von Romantic Jet Dance verdeutlichten, dass diese Einordnung passend ist. Aber ich entschied mich dazu, die Bestätigung meines Vorurteils zu übergehen, weiter zu hören – und ich wurde positiv überrascht: Unter den sehr klaren, sauberen Disco-Klängen verbergen sich intelligent, mutig arrangierte und vibrierende Tracks. Rodion gelingt es dabei, in der eher kalten Umgebung synthetischer Disco-Beats und –Sounds sehr viel Emotion unterzubringen und seine Musik erstaunlich warm klingen zu lassen. Zudem driften die dicht gewobenen Stücke, in denen Basslinien und Funk ein solides Fundament bilden, immer wieder in abgedrehte Momente (z.B. Geschwindigkeitswechsel). Diese helfen den Umstand zu kompensieren, dass die meisten Melodiebögen des Albums mir zu kurz vorkommen. Richtig herausragend sind zwei Tracks: Während Dolce Futbole durch den überraschenden Einsatz einer Orgel überzeugt, die wunderbar mit den synthetischen Komponenten harmoniert, deutet das lautmalerische Romantic Jet Dance an, welche noch unausgeschöpften Möglichkeiten für Rodion offen stehen. Daher darf durchaus mit Spannung auf Fortsetzungen gehört werden.


__Soul und Kreativität vermisst

 

Belleruche – Turntable Soul Musik (2007, Album, Tru Thoughts)

Cover des Albums "Turntable Soul Music" von Belleruche Die Musik von Belleruche wird als „Hip Hop Blues Soul“ beschrieben – DJ Modest liefert gesampelte Schallplatten-Passagen und Scrachtes, Ricky Fabulous das Gitarrenspiel, während Kathrin DeBoer den Gesang beisteuert. Zwar machen die drei Künstler auf dem ersten Track, Northern Girls, richtig Tempo und setzten einen eingängigen Sound. Aber schon nach kurzer Dauer kann Turntable Soul Musik nicht mehr fesseln, weil die folgenden Stücken auffällig starr am Muster „Strophe – Refrain – Wiederholung“ festhalten. Von Abwechslung und Dynamik fehlt jede Spur; und der zu kalt aufgenommen Gesang transportiert nur wenig Soul. Fazit: Ein enttäuschendes Album.

 


__Hip Hop-Songs im Orchestergewand

 

Wax Tailor – Hope & Sorrow (2007, Album, Lab’Oratoire)

Cover des Albums "Hope & Sorrow" von Wax Tailor Hip Hop und sich entwickelnde Songstrukturen – eine seltene Mischung. Mit seinem zweiten Album „Hope & Sorrow“ bewegt sich Wax Tailor erfreulicherweise in diese Richtung, ähnlich wie Rjd2. Neben reinen Instrumentalstücken erweitern ausgewählte MCs und Sängerinnen das Spektrum. Positiv fällt sein Hang zu Soul- und Klassik-Samples auf. Zudem nutzt er von Marina Quaise - die einige Songs mitgeschrieben hat - eingespielte Cello-Spuren. Zusammen mit allem schafft Wax Tailor teils orchestral anmutendende und melancholisch gestimmte Passagen, welche seine große Stärke darstellen. Allerdings hätten die Melodien durchaus abwechslungsreicher ausfallen können. Durch ihre Kurzlebigkeit wird die detailverliebte Soundgestaltung der 15 Tracks immer wieder überschattet.


__Funky aber langweilig

 

The Bamboos – Rawville (2007, Album, Tru Thoughts)

Cover des Albums "Rawville" von The BamboosDie Band The Bamboos aus Australien hat sich auf deepen Funk spezialisiert. Schon nach den ersten Sekunden ihres zweiten Albums wird deutlich, dass dazu scheppernde Breaks der alten Schule gehören, die mensch nicht schöner von alten Platten sampeln könnte. Enttäuschend ist allerdings, dass es kaum innovative Songstruktur gibt und die Melodik sehr eintönig und sich schnell wiederholend ausfällt. Richtig fesseln kann Rawville daher nicht – schade, denn es ist hörbar, dass es sich um versierte Musiker handelt, die unter ihren möglichkeiten blieben ... oder Langeweile mögen.

 


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