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//_Platten Besprechungen
__Best Of der gehobenen Art
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Tocotronic – The Best of Tocotronic (2005, Album, L’AGE D’OR / Rough Trade)
Es gibt Leute, bei denen Best Of Alben prinzipiell Bauchschmerzen verursachen. Im Fall ist aber deutlich erkennbar, dass nicht nur eine ausgewogene Mischung alter und neuer Hits abgeliefert wurde: In einem umfangreiche Booklet versieht die Band ihre Songs mit persönlichen wie historischen Kommentaren. Und neben der Basisversion mit 22 Stücken gibt es eine Limited Edition mit Liveaufnahmen, Raritäten und unveröffentlichten Songs und einem noch pralleren Booklet. Auch und gerade für unerfahrene Tocotronic-Hörer eine gute Gelegenheit, in das Universum einer außergewöhnlichen Band einzutauchen – druckvoller und emotionaler Rock, innere Punk-Haltung, ausgefeilte Arrangements und wunderbar alltäglich und gleichsam intellektuelle, verspulte Texte. Zur weiteren Einordnung dessen, was Tocotronic musikalisch und textlich bedeutet, wird das Probehören dringend empfohlen.
__Punk-Ästhetik im Kinderzimmer
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CocoRosie – Noah’s Ark (2005, Album, Touch & Go)
Es ist eine seltsame Mischung aus akustischen Instrumenten, Samples und den unnachahmlichen Stimmen der Casady-Schwestern. Beats bleiben – mit Ausnahme des Titeltracks – immer nur eine hintergründige Andeutung. Spürbar verrauschte Aufnahmen und übersteuerte Mikrophone mischen sich mit traumhaften Melodien – unperfekt, rauh und genauso zauberhaft ist das, was die Schwestern Bianca und Sierra mit ihren zweiten Longplayer geschaffen haben. Gerade die schrottige, kantige Ästhetik und die prähistorisch anmutenden Aufnahmetechniken lässt macht die Musik von CocoRosie so berührend, ihren mal verträumten, mal gequälten Gesang so eindringlich. Fühlt sich an wie Punk, der in einem Kinderzimmer umher irrt.
__Expedition zur Funky Side Of Life
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Yesterdays New Quintet presents Sound Directions (2005, Album, Stones Throw / Pias)
Madlib hat sich einen weiteren Ableger für seine erstaunliche Produktivität geschaffen. Für Sound Directions hat der umtriebige Hip Hop-Artist mit zahlreichen Live-Musikern aus Los Angeles eigene Kompositionen eingespielt und Klassiker von Marvin Gaye, J.J. Johnson oder Billy Brook s neu interpretiert. Old school eingespielte Drumms und atemberaubend Breaks verschmelzen mit den Klängen von Hörnern, Flöten, Gitarren oder Orgeln – angenehm zurückhaltend nachbearbeitet durch Madlib. Das Resultat ist ein wunderbar grooviges Album – der Untertitel „The Funky Side Of Life“ ist Programm.
__So tiefgründig wie tanzbar
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LAL – Warm Belly High Power (2005, Album, Groove Attack)
LAL schafft wundersame Verbindungen, die erst beim zweiten Hören ins Bewusstsein treten: Samples, Synthesizer und glitchige Sounds gehen auf Warm Belly High Power eine ungemein organische Verbindung mit akustischen Instrumenten (unter anderem: Bass, Harmonium und Gitarre). Tiefgründige, mitunter sehr politische Texte mischen sich mit Rhytmen, die zwischen Dub, Downbeat und nirgendwo pendeln. Dabei legt sich die charismatische Stimme von Rosina Kazi auf die atmosphärischen Klänge. Obwohl ihnen immer etwas Melancholisches anhaftet, laden sie zum Tanzen ein – eine Mischung, die selten anzutreffen ist ... und so gut „funktioniert“. Fazit: Ein wundervolles Album, das Gegensätze zu überwinden scheint.
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