// Gedankenfluss ...

Gedankenfluss einer Schulstunde II

Dem lyrischen Ich krampfen sich die Eingeweide zusammen.
„So, meine Lieben.... Jetzt schreiben wir euer Schicksal. Nehmt einen Lungenflügel raus und schreibt mit eurem Blute. Wenn jemand redet oder mit seinem Mitverurteilten kommuniziert, kürzt er mir die Scharfrichterarbeit ab und wird gleich hingerichtet. Alle Rettungs- und Hilfsmittel verschwinden von den Schlachttischen!“
Es ist also wieder soweit.
Jetzt wird auf Gedeih und Vererb die angepasste Leistungsfähigkeit unserer Gehirne getestet; ob wir auch gierig alle Brocken fressen, die uns unsere Herrchen zuwerfen.
Wie deprimierend.
Hab doch noch andere Sachen zu tun.
Verdammt, in meinem Kopf breitet sich eine klebrige schwarze Leere aus, so, wie der Tintenfleck auf meinem einzigen Blatt Papier. Warum muss dieser Scheiß-Füller ausgerechnet jetzt auslaufen?
Das ist mein Verhängnis.
Eigentlich könnt ich’s ja. Wenn’s mich interessieren würde.
Mein Sitz ist so hart...
Er behindert meine volle geistige Konzentrationskraft. Außerdem erinnert mich die Qualität der Luft in diesem Raum, der eigentlich für weniger als 35 Schüler gedacht ist, eher an einen Raubtierkäfig.
Auf eine Katze würde ich mich viel lieber konzentrieren.
Warum denke jetzt an Katzen? das hier ist `ne Matheklausur!

Dem lyrischen Ich wird es Schwarz vor Augen.

icke

 


Gedankenfluss einer Schulstunde III

Das lyrische Ich fühlt sich glücklich und zufrieden

Die Worte der Lehrerin haben eine faszinierende Ähnlichkeit mit dem leise dahinplätschernden Bach vor meinem träumenden Auge. Welch eine schöne bunte Wiese. Und die Sonne grillt unbarmherzig alles, was hier kreucht und fleucht. Wie angenehm die laue Brise ist, die durch mein Bewusstsein streift. Da drüben grast einträchtig eine Kuh vor sich hin. Irgendwie passt es gar nicht zu diesem idyllischem Bild, dass sie plötzlich grunzend umkippt. Hat sie etwa BSE?
Mal sehen, was mit ihr los ist...
Oh nein. Das ist ja meine Lehrerin. Wo bin ich? Was will sie bloß von mir? Bin noch gar nicht richtig da.
Ach so, es geht um Tierkrankheiten.
Wie interessant.
Was soll der Vortrag über zuviel Fernsehgucken und Zu-spät-ins-Bett gehen? Als ob ich Zeit zum Fernsehen hätte! Als engagierter, lebenslustiger Schüler der 11. Klasse hat man normalerweise keine Freizeit für so was.
Was? Test? Wegen meiner „Unbereitschaft, Leistung zu bringen“?
Super. Jetzt habe ich den Hass der ganzen Klasse garantiert.
Das lyrische Ich zieht sich in sein Mauseloch zurück und überbrückt die Zeit mit Meditation, um das Nirwana zu erreichen.

icke



// Eingangsseite Lernen - Schule - Erziehung _ Andere Bereiche: Herrschaftskritik // Direct Action //