Was soll'n das???Wieso diese Internetseite? Was soll eigentlich der "MIA.-Hype"? Das sind Fragen von vielen Leuten, seit es die Auseinandersetzung um die Band MIA. gibt. Da erscheinen als Kommentare auf Indymedia und in Foren auch regelmäßig Bemerkungen wie "habt wohl nichts besseres zu tun" oder "macht lieber mal was gegen den Staat". Leider sind diese Kommentare meist nur als Provokation gedacht, das heißt, die Leute, die das schreiben, haben wahrscheinlich gar kein Interesse an der Reaktion darauf. Deswegen bringt es an o.g. Stellen oft nix, darauf zu reagieren. Aber hier auf dieser Seite soll das wenigstens geschehen. Vielleicht lesens dann auch die einen oder anderen Leute, bevor sie sowatt schreiben... Na klar, nicht zu vergessen sind auch die MIA.-Fans, die ebenfalls nicht verstehen, warum ihre tolle Band runtergemacht wird. Naja, zum einen steht das ja schon auf dieser WebSite, was das Problem an MIA. ist. Zur Ergänzung hier nun meine ("Micky") persönliche Motivation, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Kritik an NationalismusIch sehe im Thema "MIA." die Möglichkeit, immer wieder die Diskussion um Nationalismus anzustacheln. Meinem Eindruck zufolge war die "Szene" - sofern sowas pauschales überhaupt umrissen werden kann - in Sachen Kritik an Nation schonmal weiter. Zumindest das Wissen darüber, warum der Bezug auf Nationen antiemanzipatorisch ist, schien mir in früheren Jahren besser gewesen zu sein. Das ist für mich ein Ausdruck der allgemeinen Theorie-Feindlichkeit, die innerhalb der "Linken" zu beobachten ist: nur noch relativ wenige aus der Masse der Szene beschäftigen sich wirklich noch intensiv mit den Hintergründen der Parolen und Forderungen, die "Standard" sind. Dann ist es natürlich leicht sowohl für Faschos (mit ihrem Querfront-Kram), sog. "fortschrittliche" PolitikerInnen (Ummünzen linksradikaler Begriffe und Positionen), als auch für Leute mit überraschenden Argumentationen (ich denke da z.B. an das, was MIA. machen), Leute auf ihre Seite zu ziehen, die das eigentlich den eigenen "offiziellen" Ansprüchen (emanzipatorisch, herrschaftsfrei, antinationalistisch, ...) zufolge nicht unterstützen könnten. Klar bin ich auch der Meinung, dass MIA. nun nicht der Mittelpunkt der Welt geworden ist, noch nicht mal eine Mehrheit der Menschen erreicht und damit bedienen könnte, sondern vielmehr auf einen relativ überschaubaren Kreis einwirkt. Das soll aber doch kein Hinderungsgrund sein, dies zum Anlass zu nehmen, einerseits die Gefahren für ein hoffähig Machen der Nation, nein sogar Deutschlands im Speziellen, in der alternativen Szene (ich benutze mal diesen Sammelbegriff, der natürlich sehr schwammig ist) zu thematisieren, und andererseits eben Nation, nationales Denken, den Drang sich "ungestört deutsch fühlen zu können" (nein, das ist kein Zitat!) anzugreifen. |
Utopien diskutierenEine andere Motivation ist, dass sich aus solchen Kritiken ganz schnell Utopie-Diskussionen entwickeln können und - das ist meine Erfahrung zum Thema hier in Magdeburg - es auch tun. Die Aktionen gegen MIA. haben einen Erregungskorridor geöffnet, der nun genutzt werden kann und sollte, um inhaltliche Positionen zu diskutieren und zu vermitteln. In Magdeburg haben wir das glaub ich schon in etlichen Gesprächen geschafft (nein, das hat natürlich nichts mit Revolution zu tun...). Die im ersten Augenblick vor allem für MIA.-Fans, aber auch für meiner Meinung nach in ihrem Denken etwas unflexible "Linke", offensive und massive Kritik an "Was es ist", hat zu Nachfragen und auch Polemik gegen diese Aktivitäten geführt. Uns gibt das aber den Raum, erstmal die Kritik loszuwerden und dann - dieser Schritt erfolgt zumindest des öfteren durch Nachfragen von FreundInnen der Band - sich erklären zu müssen, wie wir uns denn eine Welt ohne Nation, ohne Staat etc. vorstellen. Denn erstmal ist Ungläubigkeit da, so nach dem Motto "die spinnen ja". Und ganz schnell kommt mensch von der Nation/Staat zu Justiz, Polizei, Herrschaft im Allgemeinen - die Kritik umspannt letztlich die gesamte Gesellschaft. Und das ist ja auch der Sinn. Teilbetrachtungen sind für einzelne Diskussionen oftmals sinnvoll - doch letztlich zählt ja, was wir wirklich wollen: eine ganz andere, freie Gesellschaft ohne Herrschaft, ohne Unterdrückung. An der Stelle kann mensch keine richtig-falsch-Argumentationen mehr führen - niemand kann sowas entscheiden. In der Utopiediskussion geht es um Ideen von einer besseren Welt; auch den eigenen Gedanken Spielraum zu geben und nicht "realistisch" zu denken, sondern worum es mir wirklich geht - auch in der Frage nach der besseren Welt kreativ zu sein. Die Frage danach, wie mensch dahinkommen kann, stellt sich dann meist automatisch. Da sind wir dann auch an einem Punkt, wo Utopie-Diskussionen zu einer Politisierung und Aktivitäten im Hier & Jetzt führen können. Wenn ich weiß, dass ich eine herrschaftsfreie Gesellschaft will, weil ich glaube, dass ich mich da am wohlsten fühlen kann und die Bedingungen für ein möglichst gleichberechtigtes Leben aller Menschen dort am besten sind, muss ich nachdenken, was denn zu den Verhaltensweisen führt, die ich mir wünsche, und welche Dinge solche Sachen fördern, gegen die ich kämpfe. Da sind wir dann angekommen bei den Überlegungen zu einer Welt der Freien Menschen in Freien Vereinbarungen (als eine mögliche Utopie). |