Der Infodienst für aktive UmweltschützerInnen
Frühjahr 1998

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Erneuerbare Energie

Erneuerbare Energien

 

Vortragsangebot

 

Wolfgang Kühr, ehemals Siemens/KWU-Mitarbeiter, später aktiv bei den GRÜNEN und jetzt Vorstandsmitglied beim BBU, bietet Vorträge zu folgenden Themen an: Atomenergie und Kernfusion, Endlagerung und Wiederaufbereitung, fossile Energien und Treibhauseffekt, Kraft-Wärme-Kopplung und Fernwärme, regenerative Energien und effiziente Energienutzung, europäische Energiewirtschaft und Ökosteuer-Konzepte sowie Abfallwirtschaft und Verkehrspolitik. Kosten für die Vorträge mittels Tageslichtprojektor oder die Teilnahme an Podiumsdiskussionen 200 ? 400 DM plus Reisekosten (keine Wahlkampfveranstaltungen!).

Infos: Wolfgang Kühr

Tel./Fax 059 04 / 18 67

 

 

 

Literatur

 

Informationen

über Fördermittel

Welchen Investitionskostenzuschuß kann ich für die Errichtung einer Windkraftanlage bekommen? Gibt es in meinem Bundesland überhaupt noch Zuschüsse für Solaranlagen? Wird die Nutzung eines alten Wasserkraftwerkes gefördert? Alle diese Fragen beantwortet die neue "Förderfibel Energie" vom Fachinformationszentrum Karlsruhe. Sie kostet 36,80 DM und ist im Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst (ISBN 3-87 156-211-4) erhältlich.

 

Marktübersicht

Solaranlagen

Solaranlagen zur Warmwasserbereitung werden immer billiger und immer besser. Die Marktanalyse des Öko-Instituts hat 180 Angebote von 83 Herstellern ausgewertet. Neben Fachinformationen findet man Preisübersichten und Adressen von Herstellern, Planern und Montagefirmen. Erhältlich für 29,80 DM vom Ökobuch-Verlag (ISBN 3-922 964-66-4)

 

"Anti-Windkraft-Buch"

wird korrigiert

Der 2001-Verlag muß das von Prof. Dr. Wolfrum (sonst Artikelschreiber bei der FAZ) herausgegebene Buch "Windkraft: Eine Alternative, die keine ist" korrigieren. Das Landgericht Düsseldorf verpflichtete den dort zitierten Rechtsanwalt Thomas Mock vom "Bundesverband Landschaftsschutz" die Behauptung zu unterlassen, in einem Windpark seien Windkraftanlagen zum Teil 170 Meter von Wohnungen entfernt. Tatsächlich beträgt die Entfernung zu einem ausgesiedelten Einzelgehöft 280 Meter. Auch muß die Behauptung zurückgenommen werden, die Mehrheit der Bevölkerung in Reuth sei gegen die Errichtung von Windparks und mehrere Kommanditgesellschaften, die sich mit der Errichtung von Windparks beschäftigen, seien bereits in Konkurs gegangen. Bei einem geplanten Windpark in der Hocheifel gibt es vor allem einen Gegner: Rechtsanwalt Mock, der in der Nähe ein Wochenendhäuschen besitzt. Stellt sich die Frage, ob es Aufgabe des 2001-Verlages ist, die Privatinteressen eines Atomlobbyisten (Arbeitgeber: VAW Aluminium AG, einem Unternehmen der VIAG-Gruppe) zu vertreten. Andere Aussagen des Buches sind zugegebenermaßen schwerer zu widerlegen: Die Argumentation ist weitgehend so konfus, daß es schwierig ist dagegen zu argumentieren. Versucht haben dies Franz Alt, Jürgen Claus und Hermann Scheer: "Windiger Protest" heißt das Buch von Ponte Press (ISBN 3-920 328-37-X, 189 Seiten, 30 Fotos) und kostet 20 DM.

 

"Tag der erneuerbaren

Energien" in Sachsen

Bereits seit drei Jahren organisiert die Stadt Oederan den "Tag der erneuerbaren Energien" aus Anlaß der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Betreiber von Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien werden aufgerufen, ihre Anlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit den Gedanken einer dezentralen und umweltgerechten Energieversorgung zu verbreiten. Auf diese Weise sollen Erfahrungen weitergegeben und Interessenten zur Nachahmung angeregt werden. Im Vorjahr informierten 107 Anlagenbetreiber über 2.500 Besucher. Auch Presse, Funk und Fernsehen berichteten über die Aktionen. In diesem Jahr findet der Termin am 25. April statt.

Infos: Stadtverwaltung Oederan (Herr Ohm)

Markt 5, 09569 Oederan, Tel. 03 72 92/27 200

 

 

 

 

 

 

 

Zeitschriftenschau

 

Rundbrief Grüne Liga Brandenburg Jan. '98:

Windenergieanlagen in der FREIen HEIDe (S. 2)

Deutschland-Rundbrief 12/97:

Interview zum Stromeinspeisegesetz mit BWE (S. 27+28)

Deutschland-Rundbrief 1/98:

Position des Bund Deutscher Landschaftsarchitekten zur Windenergie (S. 24+25)

Bedarfsplan für Bundesschienenweg (S. 30+31)

BBU-Infodienst 97:

Schönauer Energieinitiativen (S. 12-14)

Umweltnachrichten Dez. 97:

Folgen der Energiegesetznovelle (S. 2-4)

Energiesparpotentiale in Gebäuden am Beispiel Großraum München (S. 28-30)

 

 

 

 

Broschüre

 

Nach dem Kauf des Stromnetzes haben die SchönauerInnen jetzt eine 82seitige Broschüre mit Stromspartips herausgegeben (3 DM plus Porto).

Netzkauf Schönau

Ledergasse 5

79677 Schönau

 

 

 

Projekte

 

Solaranlage auf Aachener Umweltzentrum

Auf der ehemaligen Gehörlosenschule in Aachen wurde im Herbst 97 eine 4 kW-Solarstromanlage errichtet. Das von Umwelt- und 3. Welt-Gruppen genutzte Haus wurde nach ökologischen Gesichtspunkten saniert. Die Solaranlage wurde von der Genossenschaft ENERGIE 2030, die bereits grenzüberschreitend mehrere Energieprojekte (Belgien, Niederlande) realisiert hat, vorfinanziert. Der Stromverkauf an die Aachener Stadtwerke garantiert die Wirtschaftlichkeit.

Infos: Energie 2030

Im Grüntal 18 a

52066 Aachen

Tel. 02 41 /97 01-38, Fax -39

 

 

50 kW-Solaranlage in der Schweiz

Die ADEV Solar KG wird Anfang 1998 eine 50 kW-Solarstromanlage auf dem Dach der Klinik Balgrist in der Schweiz errichten. Die aus der "Arbeitsgemeinschaft für dezentrale Energieversorgung" hervorgegangene Gesellschaft hat die Aufträge hierfür bereits vergeben.

Die Vergütung des eingespeisten Stroms erfolgt im Rahmen der EWZ-Solarstrombörse. Finanzielle Beteiligungen sind ab SFR. 10.000 möglich.

Infos: ADEV

Postfach 550

CH-4410 Liestal

Tel. 0041 61 / 921-94 50

Fax ? 08 31

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur rechten Seite:

 

Themenredaktion "Chemie und Industrie"

Niemand, daher sind nur wenige Informationen ausgewertet worden.

 

 

 

GuD setzt AKW-Ideologie matt

Der wichtigste Glaubenssatz der Kernenergie-Verfechter bricht zusammen: "Der Ausstieg aus der Atomenergie ist volkswirtschaftlich nicht möglich, weil sich die Strompreise dann vervielfachen würden." Zwei Gutachten aus Hamburg weisen nun nach: Die Energieproduktion aus modernen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken ist nicht nur risikoloser, sie ist sogar wirtschaftlich günstiger zu haben als der besonders billige Strom aus bereits abgeschriebenen Kernkraftwerken!

Bereits vor über hundert Jahren wurde dem Berliner Ingenieur Stolze das Patent für Gasturbinen erteilt. Der besondere Trick dieser Erfindung besteht darin, daß der Brennstoff zweimal genutzt wird: Das Gas wird erhitzt und strömt ähnlich wie bei einem Düsentriebwerk durch eine Turbine, die Strom erzeugt. In einem zweiten Schritt erzeugen die noch extrem heißen Abgase Dampf, der eine herkömmliche Turbine antreibt. Die ersten Anlagen, die nach diesem Prinzip arbeiteten, wurden in den dreißiger Jahren gebaut. Das größte Problem war, daß es noch keine Werkstoffe gab, die so hohe Temperaturen aushalten konnten. Aus diesem Grund blieb der Wirkungsgrad derartiger Anlagen unter 40%. Heutige Werkstoffe verkraften jedoch Temperaturen von 1200 Grad. Damit können Wirkungsgrade von bis zu 55% erreicht werden, als kraft-wärme-gekoppelte Anlagen sogar von über 90%!

Bereits auf der HEW-Hauptversammlung im Juni 1997 wurde von der Gemeinschaft kritischer Aktionäre "AIDA" auf diese zukunftsweisende Technologie hingewiesen. Der Bürgerschaftsabgeordnete Axel Bühler und der Physiker Paul Grosse-Wiesmann weisen nun in einer Untersuchung im Auftrag der Hamburger GAL-Fraktion nach, daß neu errichtete GuD-Kaftwerke unter ähnlichen wirtschaftlichen Bedingungen betrieben werden können wie bereits abgeschriebene Atomkraftwerke. Weltweit wurden von 1991 bis 1995 nur 11 neue AKW bestellt, allein 8 davon vom hochverschuldeten Südkorea, wodurch weitere Investitionen in diese Technik eher unwahrscheinlich sind. In den USA gibt es seit 1978 und in Deutschland seit 1982 keine neuen Aufträge für AKW. Demgegenüber hat sich die GuD-Technik in den letzten Jahren als bevorzugte Technologie beim Kraftwerksneubau durchgesetzt. Große Stückzahlen, die modulare Bauweise und die hohe Brennstoffausnutzung führen zu immer günstigeren Betriebskosten. So kommen die Autoren der GAL-Studie auf einen Preis von 5,9 Pfennig je Kilowattstunde. Demgegenüber gab der Vorstandssprecher der HEW öffentlich zu, daß der Preis für AKW-Strom zwischen 7 und 12 Pfennig je kWh liegt. Eine von der GAL ebenfalls in Auftrag gegebene Studie der LBD-Beratungsgesellschaft Berlin kommt günstigstenfalls auf Stromkosten von 6,24 Pfennig für das AKW Neckarwestheim I und II, durchschnittlich jedoch auf 10 bis 14,58 Pfennig. Der GuD-Strom kommt hier noch günstiger weg: 5,61 Pfennig pro kWh! Auf dieser Basis würden sich für die HEW Kosteneinsparungen von mindestens 70 Millionen DM jährlich ergeben, wenn sie aus der Atomenergie aussteigen würde! Das sieht der Stromversorger natürlich anders: Vom Deutschen Institut für Wirtschaft ließ er sich vorrechnen, daß der Ersatz der AKW durch Gaskraftwerke Mehrkosten in Höhe von mindestens 265 Millionen Mark jährlich verursachen würde. Schließlich mußte man sich doch vom selbst finanzierten Gutachten distanzieren. Die Daten der Studie basierten auf dem Jahr 1994. Für das Gas unterstellte das Berliner Institut einen Preis von stolzen 3,69 Pfennig je kWh ? realisierbar sind heute langfristige Lieferverträge für 2 Pfg./ kWh. Vom DIW prognostizierten Investitionskosten von 1.400 DM je kW stand die auf Marktuntersuchungen basierende Aussage von 800 DM/kW gegenüber. Entsprechend moderat die Reaktion des HEW-Sprechers: "Wenn in Deutschland der Gaspreis für Industriekunden (...) deutlich sinkt, steht (...) das Kernkraftwerk Brunsbüttel zur Disposition". Ja, wahrscheinlich nicht nur dieses! Die Ersatzkapazitäten könnten jedenfalls innerhalb von zwei Jahren errichtet sein. Die Erdgasreserven sind bis in die zweite Hälfte des nächsten Jahrtausends ausreichend, könnten aber auch jederzeit durch regenerativ erzeugte Brennstoffe ersetzt werden. Was fehlt: etwa 1 Milliarde DM aus den Rücklagen des Stromversorgers ? und der Wille, sich von überholten Ideologien zu trennen. Selbst der Generaldirektor der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA) Hans Blix vertritt inzwischen die Ansicht, daß die Kernenergie ihren Wettbewerbsvorsprung als kostengünstigster Stromversorger ? vor allem im Vergleich zu GuD-Kraftwerken ? verloren hat (Erdölinformationsdienst 38/97).

Die GAL lädt am 21.2. ein zu einem Informationstermin zur GuD-Tehnologie bei VASA Energies und Besichtigung des Gaskraftwerkes Moorburg. Anmeldung unter 040/450 37 110. Die AG Energie der GAL tagt am 16.2., 17.3. und 20.4. um 19 Uhr im Rathaus, Raum B. Infos: GAL-Fraktion, Dirk Seiffert, Rathaus, 20095 Hamburg, Tel. 040/3681-2645, Fax -2660.

 

Modernstes Kraftwerk Europas in Berlin

Noch im vorigen Jahr nahm die BEWAG Europas modernstes Heizkraftwerk in Betrieb. Die Gas- und Dampfturbinen ersetzen ein 30 Jahre altes Kraftwerk. Die Anlage im Zentrum der Stadt versorgt rund 60.000 Wohnungen und 500 öffentliche Gebäude mit Heizwärme. 380 MW werden maximal thermisch erzeugt, und noch mal die gleiche Menge über zwei 138 MW-Gasturbinen und eine 108 MW-Dampfturbine. Der Wirkungsgrad der Kombiprozesse (Stromerzeugung) wird mit 47,4% angegeben, der Gesamtwirkungsgrad (inklusive Wärme) mit 89,2%. Die Anlage kostete 600 Mio. DM bzw. 785 DM pro kW Gesamtleistung.

 

Stromeinspeisungsgesetz gesichert

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für die Nutzer regenerativer Energien. Die gute zuerst: Das Stromeinspeisungsgesetz, das die Einspeisung sauberen Stroms in das öffentliche Netz regelt, bleibt entgegen den Anstrengungen von FDP-Rexrodt und CDU-Uldall bestehen. Ausgerechnet CSU-Bundestagsabgeordneter Ramsauer machte deutlich, daß für seine Fraktion eine Überprüfung des Stromeinspeisungsgesetzes in der nächsten Legislaturperiode nicht in Frage kommt. Zukünftig sollen auch Biogas-Anlagen von den erhöhten Einspeisesätzen profitieren. Die schlechte Nachricht: Auf Bestreben insbesondere der PreussenElektra wurde eine doppelte 5%-Hürde eingebaut. Der norddeutsche Konzern hatte sich darüber beschwert, daß er fast ganz allein die Mehrkosten aus der Vergütung für Windstrom von der Küste tragen müßte. Offene Ohren fand er dabei ausgerechnet beim schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Möller, der folgenden Vorschlag machte: Jeder Stromversorger soll nur verpflichtet sein, 5% seines Stromumsatzes aus regenerativen Energien decken zu müssen. Wird dieser Wert überschritten, kann das Unternehmen die Mehrkosten beim Vorlieferanten geltend machen. Falls jedoch auch beim vorgelagerten Unternehmen der Wert von 5% erreicht wird, entfällt die Pflicht, darüber hinaus den Strom abnehmen zu müssen. Die regenerativen Energien erhalten damit eine künstliche Beschränkung, die jeder ökologischen Energiepolitik zuwiderläuft. Der Bundesverband Windenergie hält es für möglich, daß der zweite 5%-Deckel für den Bereich der PreussenElektra bereits in diesem Jahr erreicht werden könnte. Und süddeutsche Wasserkraftwerksbetreiber befürchten die gleiche Begrenzung für ihren umweltschonend erzeugten Strom. Minister Möller hat sich inzwischen von seinem eigenen Vorschlag distanziert, und auch den anderen Herren Abgeordneten war wohl nicht ganz wohl bei ihrer Entscheidung: Das Gesetz sieht vor, daß vor dem Erreichen des zweiten Deckels eine weiterführende Regelung gefunden werden soll. Stellt sich die Frage: Warum beschließt man einen Gesetzestext, von dem man nicht will, daß er je eintritt?

Infos: Bundesverband Windenergie e.V., Herrenteichsstr. 1, 49074 Osnabrück, 0541/350 600

 

Europäische Kommission für Alternative

Die Nutzung von erneuerbaren Energiequellen in Europa soll bis zum Jahr 2010 von sechs auf zwölf Prozent steigen. Die Europäische Kommission stellt ein entsprechendes Arbeitsprogramm für den Ausbau der Biomasse, der Windenergie und der Photovoltaik vor.

Vorrangig geht es dabei jedoch nicht nur um ökologische Ziele. Vor allem nämlich will man langfristig die eigene Versorgungssicherheit erhöhen. Schließlich wächst weltweit der Energieverbrauch bei sinkender Verfügbarkeit der fossilen Quellen. Bis zum Jahr 2030 drohe laut Kommissionsbericht bei Erdgas eine Abhängigkeit von 70%, bei Kohle von 80% und beim Erdöl sogar von 90%.

Ein weltweiter riesiger Absatzmarkt für die erforderlichen neuen Technologien ist ein weiteres Motiv, um den Aktionsplan umzusetzen. Dadurch erwartet die Kommission allein bis zum Jahr 2010 selbst nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 500.000 neue Arbeitsplätze in Europa. Die Vorhersage der Industrie ist sogar noch optimistischer: Die European Biomass Assocation geht bei vollständiger Ausnutzung der Biomasse von gut einer Million neuer Arbeitsplätze aus! Der Ausbau dieses Sektors spielt im Aktionsplan deshalb auch die wichtigste Rolle: Sie ist überall gut verfügbar und die Mengen in der Agrarwirtschaft sind leicht zu steigern. Allerdings werden etwa 10 Mio. Hektar Land dafür benötigt, was etwa einem Zehntel der heute verfügbaren Ackerflächen entspricht. Wasserkraft habe wegen der damit verbundenen ökologischen Probleme (gilt für Großprojekte, aber nicht für bestehende Wehre! Anm.d.Verf.) kaum ein Ausbaupotential, die Nutzung der Windkraft lasse sich durch den Faktor zehn erhöhen, die der Photovoltaik gar um den Faktor 100.

Als Schlüsselmaßnahmen schlägt die Kommission vier Großprojekte vor, die sie organisatorisch, technisch und finanziell unterstützt: ein 1-Million-Dächer-Programm für Solaranlagen, Errichtung großer Windparks, Biomasse-Kraftwerke mit je 10 GW Leistung sowie 100 Großprojekte mit autarker regenerativer Energieversorgung. Zur Finanzierung der Vorhaben im Bereich Solarstrom verweist das "Weißbuch" ausdrücklich auf die deutsche Erfindung der kostendeckenden Vergütung, während die "Grünen Tarife" der Stromversorger, bei denen der Kunde einen freiwilligen Ökoaufschlag zahlt, als nicht ausreichend beurteilt werden. Weiterhin sind mehrere Direktiven geplant, die bei Zustimmung durch Ministerrat und Parlament in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Hervorzuheben ist hier der Vorschlag für eine unionsweite Stromeinspeise-Richtlinie für erneuerbare Energien, die gestatten soll, zu den vermiedenen Bezugskosten einen Umweltaufschlag von 20% zu erheben. Selbst Wettbewerbskommissar van Miert, der sich noch im letzten Jahr vor den Karren der Atomlobby spannen ließ und Bedenken zum deutschen Stromeinspeisungsgesetz formulierte, hat die Vorschläge unterschrieben. Allerdings besteht die berechtigte Befürchtung, daß die große Einigkeit allein von der Unverbindlichkeit des Maßnahmenkataloges herrührt. Jedenfalls ist das Finanzierungskonzept für die benötigten 165 Mrd. ECU äußerst unsolide. Und absolut widersprüchlich sind die Signale des Ministerrates: Wurde das Weißbuch Anfang Dezember noch in den höchsten Tönen gelobt, wurde gleichzeitig das zugrundeliegende Forschungsprogramm von 30 auf 22 Mio. ECU zusammengestrichen.

Trotzdem wird das Konzept von der Umweltbewegung gutgeheißen: Die Geschäftsführerin von Eurosolar, Irm Pontenagel, begrüßte das Weißbuch in vollem Umfang. Und auch Ralf Bischof vom Bundesverband Windenergie ist damit zufrieden. Immerhin hatten über 70 Nichtregierungsorganisationen ? darunter viele Umweltverbände aus Deutschland ? ihre Stellungnahmen zum Entwurf des Weißbuches abgegeben. Wie man sieht, war diese Arbeit wohl nicht ganz umsonst.

Infos: Bündnis 90/Grüne, Michaele Hustedt, Rheinweg 6, 53113 Bonn, Fax 02 28/16 86 302

 

Atomlobby in ihrer Ehre verletzt

Im Namen der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke wurde Bundestagsabgeordneter Scheer aufgefordert, seine "Schmähkritik" gegenüber den Stromkonzernen zu unterlassen. Als Anlaß wurde ein Leserbrief Scheers gewählt, in welchem er den Energieversorgern eine "geistige Umweltverschmutzung durch Desinformation" sowie eine "Denunzierung alternativer Energieformen" vorwirft. Als Gipfel der Schmähung wird die Formulierung "cosa nostra des atomaren/fossilen Energiesystems" angeprangert, mit der sich die Stromkonzerne auf keinen Fall verglichen sehen möchten. Rechtsanwalt Jan Gerrit Tönnies, der die Interessen von Scheer vertritt, belegt nun die von Scheer aufgestellten Behauptungen mit zahlreichen Beispielen: "Dazu gehören die zahlreichen Rechtsbrüche von Mitgliedsunternehmen Ihres Verbandes; erpresserisches Verhalten gegenüber kommunalen Unternehmen; permanente Verstöße gegen das Kartellrecht; permanentes Korrumpieren von politischen Akteuren und Ministerialbeamten" und dergleichen mehr. Dem Vernehmen nach hätte Hermann Scheer allerdings gegen einen medienwirksamen öffentlichen Beleidigungsprozeß keinerlei Einwände.

 

Solaranlage in Sachsen "gestürmt"

Die "Energieversorgung Sachsen Ost AG" (ESAG) hat kurz vor Weihnachten einen Polizeieinsatz der besonderen Art veranlaßt: 15 Polizisten stürmten das Haus der Familie Blochberger in Oberseifersdorf, damit die ESAG den Zählerplatz der hauseigenen Solarstromanlage so umbauen konnte, daß der in das Netz eingespeiste Strom nun gar nicht mehr registriert wird. Blochbergers waren 1990 die ersten DDR-Bürger mit einer eigenen Photovoltaikanlage am Stromnetz. Das VEB Energiekombinat Dresden hatte seinerzeit zugestimmt, daß der Stromzähler bei Stromüberschuß rückwärts laufen durfte. Selbst Wirtschaftsminister Schommer (CDU) betonte noch 1991: "Die Sonnenstrom-Netzeinspeisung soll einfach und unbürokratisch erfolgen, über eine Schuko-Steckdose und mit rücklaufenden E-Werks-Zählern." Weder der politische Wille noch geltende Verträge scheinen den Stromversorger jedoch zu hindern, seine Sicht der Dinge durchzusetzen ? selbst wenn er damit gegen das Stromeinspeisungsgesetz verstößt, wie es der Fall ist! Durch den Polizeieinsatz ? Fotoapparate wurden beschlagnahmt, Bankkonten gesperrt und das Telefon unbrauchbar gemacht ? ist nun auch das von Eurosolar-Aktivist Blochberger errichtete Solarzentrum wirtschaftlich gefährdet.

 

1.000 Arbeitsplätze im Wind

Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums wurde in einer Arbeitsplatz- und Umsatzstudie festgestellt, daß in diesem Bundesland mindestens 1.000 Menschen von der Windenergie leben. 75% davon arbeiten im Stahl- und Maschinenbau, 11% im Bereich Elektrotechnik und 7% im Dienstleistungssektor. Die Brache erzielt bundesweit jährlich einen Umsatz von rund einer Milliarde Mark. Im letzten Jahr gingen 830 Rotoren neu ans Netz, im Jahr 1996 waren es noch 840. Damit stehen in Deutschland nun 5.128 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2.063 MW. Sie produzierten 1.552.000.000 kWh Windstrom und vermieden damit die Erzeugung von 1.527 t CO2 bzw. von 4.982 kg Atommüll. Pro Bundesbürger wurden statistisch jedoch nur 36 kWh erzeugt, also etwa ein Hundertstel des Verbrauches eines Durchschnittshaushaltes. Mit dieser Stromproduktion hätten allerdings 872 Elektroloks der Deutschen Bahn übers Jahr betrieben werden können (Grundlage: Daten des Statistischen Bundesamtes von 1994) ? und das wäre immerhin jede fünfte!

 

Neue Solarproduktion in Deutschland

Deutschland wird zukünftig ein Drittel des Weltmarktbedarfs an Solartechnik abdecken. Durch den Bau einer Solarzellenfabrik in Gelsenkirchen und die Erweiterung eines Werkes in Alzenau (Bayern) wird die inländische Produktion von 7 MW auf 38 MW Modulleistung steigen. Insgesamt wird das Gemeinschaftsunternehmen von Pilkington, Deutscher Shell und ASE mit 50 Mio. DM gefördert. Damit ist die gesamte Produktionskette von der Siliziumfertigung über die Zellenproduktion bis zur Modulherstellung wieder in Deutschland vertreten.

 

Satzungsänderung bei RWE beantragt

Einen außergewöhnlichen Antrag haben der Landkreis Mettmann und die Stadt Gladbeck auf der diesjährigen RWE-Hauptversammlung gestellt: "Die Gesellschaft fördert die Stromerzeugung aus Sonnenenergie, Windkraft und Wasserkraft und Biomasse sowie aus Kraft-Wärme-Kopplung durch Einspeisevergütungen, die den Einspeisern eine rationelle Betriebsführung durch eine kostendeckende Vergütung ermöglichen. Die Gesellschaft setzt ihren Einfluß ein, um die kostendeckende Vergütung auch bei den ihr verbundenen Unternehmen und in Form einer bundes- und europaweiten gesetzlichen Regelung durchzusetzen." Die kostendeckende Vergütung für Solarstrom wird bisher in zwanzig Städten gewährt. Dort hat sich die installierte Solarleistung inzwischen verzehnfacht! Nur die RWE lehnt die kostendeckende Vergütung für private Einspeiser ab ? aber natürlich werden die eigenen Anlagen kostendeckend betrieben. Auf der RWE-Vorstandssitzung am 11.12.97 hat der Antrag dann aber mit fast 16% der Stimmen das höchste jemals erreichte Ergebnis bei einer Abstimmung über ökologische Verbesserungen gegen den Willen der Geschäftsleitung erreicht. Es ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang, daß kommunale Aktionäre des RWE einen Antrag stellen, der den Absichten der Konzernleitung zuwiderläuft. Nicht von ungefähr hat der Konzern die Abschaffung der Mehrheitsstimmrechte der kommunalen Aktionäre durchgesetzt.

Infos: Dachverband Kritische Aktionäre, Schlackstraße 16, 50737 Köln, Tel. 0221/559 56 47

 

Verwertungswege für organische Abfälle in Deutschland

Die Nutzung organischer Reststoffe ist wirtschaftlicher als die Verwendung gezielt angebauter nachwachsender Rohstoffe. Das belegt eine Studie des Forschungszentrums Karlsruhe im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Für biologische Abfälle bieten sich sehr unterschiedliche Verwertungswege an: Verwendung als Futtermittel, Kompostierung, thermische Verwertung oder Gewinnung von Biogas. Das Aufkommen liegt heute bei etwa 70 Mio. Tonnen Trockensubstanz pro Jahr, wodurch etwa 1% des Primärenergiebedarfes gedeckt wird. Bis zum Jahr 2030 könnte der Anteil aus der Land- und Forstwirtschaft, dem Gewerbe und den Haushalten bis zu 7% betragen. Die Aufnahme der Biomasse in die Regelungen des Stromeinspeisungsgesetz war hierzu ein erster wichtiger Schritt. Zwecks Vermeidung klimaschädlicher Methangas-Emissionen sollte diese Potential jedoch zukünftig noch konsequenter erschlossen werden.

Infos: Forschungszentrum, Postfach 3640, 76021 Karlsruhe, Tel. 07247/82-2861, Fax -5080

 

Biogasanlage Wolpertshausen fertiggestellt

In Wolpertshausen wurde eine Biogasanlage für einem jährlichen Durchsatz von 2.500 t Gülle und 2.500 t Fettabscheiderinhalte fertiggestellt. Vorteile der Anlage sind die Aufwertung der Gülle, Zurückführung organischer Reststoffe in den Naturkreislauf und die Einsparung von Mineraldünger auf den Feldern. Ohne zusätzliche CO2-Belastung kann Strom erzeugt werden (ca. 1,4 Mio. kWh/a) und durch eine angeschlossene Nahwärmeversorgung bis zu 120.000 Liter Heizöl pro Jahr eingespart werden. Besichtigung der Anlage möglich am 28.2. und 25.3.98 ab 18 Uhr. Infos und Anmeldung:

GEDEA GmbH, Brennäckerstraße 7, 71540 Murrhardt, Tel., 071 92 / 900-188, Fax -189

 

Eine Solaranlage für die Schule

Wie kommt die Solaranlage auf´s Schuldach? Ein Projekt der Gesamtschule Hamburg-Blankenese wird nun in einem Video dargestellt: Von der ersten Idee über die Finanzierung bis zur Montage (mit Eigenbeteiligung) werden die einzelnen Schritte gezeigt, vorgestellt und durchgeführt von den Schülern selbst. Auch Maßnahmen zum Energiesparen werden gezeigt.

Infos: Staatliche Landesbildstelle, Kieler Str. 171, 22525 Hamburg (Kosten: 20 DM)

 

Kirchendach als Solarkraftwerk

Die Kirchengemeinde St. Jürgen hat im Hamburger Stadtteil Langenhorn eine Solaranlage mit 20 kW Leistung errichtet. Auf dem Satteldach des Kirchenschiffes wurden 166 Module errichtet, die Anlage hat 250.000 DM gekostet. Nach Gewährung eines Zuschusses des Stromversorgers über 140.000 DM erhält die Gemeinde für den eingespeisten Strom über 15 Jahre noch 1 DM pro kWh. Zuerst war nur eine Anlage von 10 kW geplant. Nachdem sich aber herausstellte, daß der Eigengeldanteil bei Vergrößerung von 63% auf 43% sinken würde, wurde ein selbständiger Betreiber für weitere 10 kW gesucht und gefunden. Das Vorhaben wurde schließlich vom städtischen Amt für Denkmalpflege sowie der kirchenaufsichtlichen Genehmigung abgenommen und sogar von der Hamburger Bischöfin unterstützt. Die Gemeinde wird damit etwa 80% ihres Stromverbrauches selbst decken.

Infos: St. Jürgen, Eichenkamp 10-14, 22417 Hamburg, Tel. 040/537 05 75, Fax 537 18 521

Bank eröffnet SolartankstelleNürnberger UmweltBank hat im letzten Jahr ihre eigene Photovoltaikanlage mit 10 kW Leistung in Betrieb genommen. Hiermit ließe sich nahezu der gesamte Jahresstrombedarf der Bank decken, hieß es. Gleichzeitig wird allen Elektromobil-Besitzern der Region angeboten, kostenlos "Sonne zu tanken". Um den Bau weiterer Anlagen zu fördern, bietet die UmweltBank zinsgünstige Darlehen, die Vermittlung öffentlicher Fördermittel und die Bereitschaft, Solarstromanlagen bis zu 100% zu finanzieren. Als Sicherheit genügt der Bank die Solarstromanlage, was selbst unter den "grünen Banken" bisher ein einmaliges Entgegenkommen ist. Damit ist es zumindest in Städten mit kostendeckender Vergütung nun jedem möglich, eine eigene Solaranlage zu installieren.

Infos: UmweltBank AG, Laufertorgraben 6, 90489 Nürnberg, Tel. 0911/53 08-123, Fax -129

 

Solar-Fertighäuser

Der Bundesverband Deutscher Fertigbau steht auf Solarenergie: Die 35 Mitgliedsunternehmen des 1961 gegründeten Verbandes wollen 10.000 neue Fertighäuser innerhalb der nächsten zwei Jahre serienmäßig mit Kollektoranlagen zur Warmwassergewinnung ausrüsten. Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas hofft: "Der Kollektor auf dem Dach könnte schnell zum Symbol des intelligenten Hausbaus werden."

 

Pflanzenöl-Motoren im Vergleich

Der Förderkreis zur Unterstützung der Pflanzenöl-Motorentechnologie hat Vergleichsrechnungen veröffentlicht über die Wirkungsgrade verschiedener Motoren. Der Wasserstoffantrieb liegt dabei bei 23%, der Benziner bei 27%, ein Diesel-Direkteinspritzer bei 36%, ein Raps-Methyl-Ester(RME)Motor bei 28%, der Menthol-Antrieb bei 31% und der Elsbett-Motor bei 40%. Im Hinblick auf die wirtschaftlichste Antriebsart ergeben sich aufgrund der Energieumsetzung in Abhängigkeit vom Wirkungsgrad (Bezugsgröße ist der Benzinmotor mit 100%) für den Wasserstoffmotor 23,3%, den Methanolmotor 57,3%, den RME-Motor 108,5%, den Dieselölmotor 150% und den Pflanzenölmotor (Elsbett) 160%. Ein mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk bietet den Vorteil, ohne den Austausch der Motorsysteme Heizöl, Pflanzenöl oder aufbereitete Altfette verwenden zu können. Beim Betrieb mit Pflanzenöl wird Strom und Wärme im Verhältnis 40:50 ohne Schwefel-, Blei- oder Methan-Emissionen erzeugt.

Infos: Gerd Legien, Hans-Popp-Straße 13, 91154 Roth, Tel. 091 71 / 34 28, Fax 633 24

 

Kampf gegen Holzbriketts gescheitert

Einen harten Kampf hat ein Unternehmer aus Markt Schwaben mit den Behörden durchgestanden: In seiner Firma war ein Verfahren entwickelt worden, um aus Holzresten Briketts zu pressen, die gut brannten, ein Minimum an Rückständen bildeten und raumsparend stapelbar waren. Dummerweise kommen diese in der 1988 in Kraft getretene Bundesimmissionsschutzverordnung (§3, Abs.1) nicht vor, und die aufmerksam gewordene Kohlelobby arbeitete kräftig dagegen. Das Umweltministerium meldete daraufhin ökologische Bedenken gegen dieses Verfahren an. In mehreren Gutachten wies die Firma jedoch nach, daß "biogene" Briketts schneller zünden, heißer werden, die Wärme länger speichern und bessere Schadstoffwerte haben als die Konkurrenz. Inzwischen haben die Briketts zwar eine eigene DIN, der Hersteller wanderte aber ob dieser Beeinträchtigungen in die Schweiz aus, wo diese Befeuerungsart schon lange Tradition hat und keine Bedenken gegen umweltfreundliche Brennstoffe bestehen.




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Zuletzt überarbeitet am 5. Mai 1998
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