Der Infodienst für aktive UmweltschützerInnen
Frühjahr 1998
[Vorherige Seite] [Nächste Seite] [Inhaltsverzeichnis] [Ö-Punkte]
local economy
|
||
|
Themenredaktioin "loal economy"
Jutta Sundermann
Local economy geht weiter In dieser Rubrik finden sich diesesmal vor allem kleine Projekte und Ansätze, die kleine Schritte und Versuche für ein anderes Wirtschaften aufzeigen. Food-Coops, Direktvermarktung, Tauschringe - ziemlich viele Umweltgruppen sind dabei schon aktiv, immer wieder wagen sich neue über diesen Weg an das heiße Eisen Ökonomie heran. Es kann aber auch weitergehen, der Weg zu einer wirklich fairen, ökologisch- und sozialverträglichen Wirtschaft ist weit. Umfassendere Konzepte können und sollten noch viel mehr auch von Umweltgruppen kommen. Einige Entwürfe, größere Ansätze, Wege und Irrwege werden im nächsten Heft beleuchtet.
Zeitschriftenschau
Bankspiegel 4/97 Schwerpunkt Armut - ein Thema für eine Bank Obdachloseninitiative
|
Tauschringe: Neue AbrufnummerDie bundesweite Fax-Abrufnummer hat sich geändert. Ab sofort wählen Interessierte die Nummer 07275/91891-2910, wenn sie die Tauschring-Kontaktadressen aus dem Postleitzahlenbereich bis 49999 wünschen. Tauschringe mit Sitz im Postleitzahlenbereich ab 50000 werden bei der Nummer 07275/91891-2920 übermittelt. Mit dem eigenen Faxgerät wird die entsprechende Nummer einfach angewählt, dann auf Empfang gedrückt.
Tolstefanz: Eine etwas andere BeteiligungÖko-Investment, "grünes Geld" und vieles mehr: es gibt inzwischen einen großen Markt an ökologischen & ethischen Geldanlagemöglichkeiten. Eine ungewöhnliche bietet der kleine wendlländische Verlag Tolstefanz an: Gesucht werden Menschen, die für mindestens ein Jahr mindestens 1000 DM zinslos leihen können, damit weitere Vorhaben vorfinanziert werden können. Die "Rendite" für die Darlehnsgeber: So lange das Darlehen läuft erhalten sie je ein Expemlar sämtlicher Tolstefanz-Publikationen geschenkt. Wer schonmal an einem Büchertisch vorbeigekommen ist, wenn im Wendland oder anderswo die Anti-Atom-Bewegung zusammenkommt, wird mindestens das eine oder andere Buch aus dem Tolstefanz-Verlag gesehen haben. Die Bildbände "Wir stellen uns quer" oder "Castor-das Buch" gehen schnell von Hand zu Hand, Szenen und Menschen können darin wiederentdeckt werden, die in den letzten Jahren den Widerstand gegen den atomaren Wahnsinn ausmachten. Bunt und plakativ kam der große Wandkalender "Gorleben 1997" daher. An den Büchern, die während der Hauptaktionstage in großen Mengen über die Tapeziertische gehen, verdient sich kein Mensch eine goldene Nase. Es sind vielmehr drei Menschen, die ehrenamtlich viel Energie in "Tolstefanz - wendländisches Verlagsprojekt" stecken. Die Drei haben etliche Erfahrungen in Projektorganisation aufzuweisen und setzen die jetzt dafür ein, daß die Protestbewegung mehr "Druck machen kann". Wörtlich gesehen natürlich. Doch dieses Projekt ist auf Unterstützung der Szene aus der es stammt und für die es da sein will, angewiesen. Tolstefanz gibt nicht nur Bilderbücher des Widerstandes heraus. Aktionsbroschüre gegen Atommülltransporte und eine Flugblattserie "Gegen den AtomStrom" erscheinen jetzt als konkrete Arbeitshilfen für Initiativen. Hinter dem Buchprojekt: "Ungehorsam ins Gefängnis" steckt nicht nur der Untertitel "Knastaufenthalt als politische Aktion" und rund 50 Seiten Erfahrungsberichte, Rechtstips sowie Hinweise zur Solidaritätsarbeit. Der Verlagskatalog ruft gleich mit auf, einen Rechtshilfefonds Ziviler Ungehorsam zu unterstützen. Tolstefanz - Wendländisches Verlagsprojekt, 29439 Jeetzel 41, Tel. & Fax 05841/4521
Manjana: Utopie für eine andere ÖkonomieManjana ist ein Reisebericht durch ein fiktives Land mit einer anarchistischen Gesellschaft. Der Autor betrachtet verschiedene Lebensbereiche und beschreibt auch ausführlich, was er an ökonomischen Strukturen in Manaja "beobachtet" hat. Diese Abhandlungen sind hochinteressant zu lesen, viele kleine Ansätze davon lassen sich nämlich auch konkret umsetzen oder im Zusammenhang mit mehreren Gruppen und Menschen weiterentwickeln. Die Broschüre gibt es beim Verdener Büchertisch Anders Leben, c/o Umweltwerkstatt, Herrlichkeit 1, 27283 Verden
Tauschen über den eigenen Tellerrand hinausTauschringe verbreiten sich z.Z. in der Republik. Mal tun sich einige NachbarInnen zusammen, mal initiiert eine Umweltgruppe das Tauschprojekt, mal eine Kirchengemeinde. So unterschiedlich die Zusammensetzung und die Struktur der Tauschringe, so unterschiedlich auch ihre Verrechnungs- und Währungssysteme. Torfdollar, Talent, Tieden, andere phantasievoll benannte Einheiten oder einfach Stunden bekommen die Tauschringmitglieder gutgeschrieben, wenn sie für andere im Einsatz sind. Das Problem der Vielfalt: Kompatibel sind die Ringe nicht, es können kaum Mitglieder der einen Initiative mit der anderen in Austausch treten. In Freiburg gibt es allein fünf Tauschringe, in Franfurt und Stuttgart jeweils vier solcher Zusammenschlüsse. In der erstgenannten Stadt versucht jetzt eine Wechselstube Abhilfe zu schaffen. Dort werden die unterschiedlichen Einheiten der einzelnen Tauschringe in eine Einheitswährung umgerechnet, der eine Stunde (Aushilfs-)Arbeit zugrunde liegt. Die Tauschringe legen den genauen Wechselkurs selbst fest und sollen so miteinander in's Geschäft kommen. Vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt raus aus dem reinen Nischendasein der Tauschringe bis heute. Kontakt: Norbert Beier, Hieberainle 18, 79108 Freiburg, 07655/95922
Naturkost in KonzernhandDie Zeit der kleinen, schummerigen Szenebioläden ist schon länger vorbei. In großen Städten sind sie noch zu finden, sonst geben sich immer mehr als Naturkostläden mit gesunder, exklusiver Kost für FeinschmeckerInnen. Ein großer Teil der KundInnenschaft hat viel Geld. Aber auch hinter den Kulissen tut sich viel, denn die großen Lebensmittelkonzerne sind wach geworden und dringen mit Macht in den Bereich der Naturkost ein. Damit wird eine Struktur zerstört, die ein wichtiges Element der Bio-Idee war: Kleinere, regionale NaturkosthändlerInnen bieten den Bioläden in ihrer Region immer auch Produkte aus der Region. Gemüse, Obst und weitere Produkte machen zwar den Weg über Großhändler und Einzelhändler zu den EndkundInnen, müssen dabei aber nicht hunderte von Kilometern zurücklegen. Die Großhändler kalkulieren von vornherein anders, LKW-Kilometer zählen nicht, Produkte, die billiger im Ausland zu kriegen sind, werden eben von weit, weit hergeholt. Konserven rentieren sich im großen Stil immer mehr, Energieverbrauch, Abfall und Frische zählen weniger. Da können ErzeugerInnen und regionale GroßhändlerInnen nicht mehr mithalten - im Bioladen gibt es Biomassenware, billiger, aber ökologisch und gesellschaftlich kaum noch eine Alternative. In den Niederlanden ist der Kahlschlag bereits vollzogen. Bis auf eine Ausnahme (die Firma "De Nieuwe Band") ist der Naturkosthandel in der Hand von Sandoz, Nutricia und Hügli. In Deutschland ist dieser Prozeß noch in der Entwicklung. Bundesweit kann "Dennree" immer mehr Naturkostanbieter unterbieten und zwingt sie in die Knie. Der Schweizer Konzern Hügli Holding AG ist ebenfalls mit von der Partie. KundInnen in Bioläden können nicht oder nicht ohne weiteres erkennen, welche Veränderungen da klamm und heimlich passieren. Der Protest gegen die skrupellosen Konzerne im Naturkostbereich ist noch schwach. Vor einem Jahr gründete sich die Gewerkschaft Naturkost-Landwirtschaft-Lebensmittel in der FAU (anarchistische Gewerkschaft "Freie ArbeiterInnen Union"), die zum Thema arbeiten will. Kontakt: GNLL/FAU, c/o Libertäres Zentrum, Thadenstr. 118, 22767 Hamburg, Tel. 040/4307855. Viele Food-Coops, die sich als Teil der Naturkostszene sehen, versuchen, auf die Entwicklung aufmerksam zu machen. Die Zusammenschlüsse wollen gerade regionale Bioprodukte fördern - oft bleibt ihnen jetzt nur der Weg direkt zum Erzeugerhof. Manche machen dazu Öffentlichkeitsarbeit und gewinnen neue Aktive, die erkennen, daß Selbsthilfe angesagt ist. BAG, Annette Hoffstiepel, Im Mailand 131, 44797 Bochum, 0234/797831. |
![]()
Kommentare zum Inhalt bitte an oe-punkte@infomagazin.de
![]()
Zuletzt überarbeitet am 5. Mai 1998
Kommentare zur Gestaltung bitte an den webmaster@infomagazin.de