Eine Leserbriefseite in 2001/1 für die rechten Freigeld-Propagandisten ist eindeutig viel zu viel!
Schupp, Appetshofen
In der Tat ist es allmählich schizophren, wenn selbst ein Karl Marx rechte Gesinnungsweise angedichtet werden muß? Jürgen Koch (Freiwirtschaftler) hat mir aus dem Herzen geschrieben und Jutta Ditfurth übertreibt, wie schon immer maßlos! Versuch doch mal, den Freud zu orten, die "Gedankenpolizei" läuft immer mehr ins Leere, da müßt Ihr doch nicht hinterher? Wenn ich Euch jetzt ein paar Adressen geben darf:
So sind es, wie ich auch, Kräfte, die sich um den friedlichen Erhalt der Gattung Mensch gesamt und der Umwelt Gedanken machen. Nicht nur um das Wohlergehen von ein paar, die den Hals nicht vollkriegen. Bleibt sauber.
- www.nationale-anarchie.de*
- www.zyn.de/paulspiegel**
- www.stachelbeere.de*
HFB, Postfach 616238, 22450 Hamburg, 0170/3658871*Anmerkung aus der Ö-Punkte-Redaktion: Diese Internetseiten stammen ganz klar aus rechtsgerichten bis rechtsradikalen Zusammenhängen. Es sind Strömungen innerhalb rechter Gruppen, die Umweltschutz und Antikapitalismus als Thema etablieren wollen. Sie sind z.T. bemüht, mit emanzipatorischen Gruppen eine Art "Querfront" zu bilden, um gemeinsam gegen das Kapital vorzugehen. Tatsächlich ist ihre Ideologie jedoch menschenverachtend, rassistisch und nationalistisch! Eine Auseinandersetzung und Kritik an den Nationalen Anarchisten war in der Ö-Punkte-Ausgabe 1/2000 auf Seite 46 zu finden (damals im Zusammenhang mit dem Expo-Widerstand, zu dem auch "nationale Anarchisten" aufriefen.
**Diese Internetseite (URL allerdings falsch, über www.zyn.de nach "Spiegel" suchen lassen) ist eine durchaus pointenreiche Satire auf Paul Spiegel vom Zentralrat der JüdInnen in Deutschland - allerdings im Kontext der Geschichte und des weiterhin unübersehbaren Antisemitismus mindestens fahrlässig, wenn nicht ziemlich daneben!
Betr. Ausgabe Sommer 2001, Beitrag von Jörg Bergstedt in Debatte zum Stichwort „Freiwirtschaft“- mein Leserbrief dazu:In dem mir zufällig in die Hände gefallenen Exemplar der Zeitung las ich zum Thema „Freiwirtschaft“ die quasi vom Konflikt zerrissene Debattenseite. Zerrissen hat sich der Redakteur Jörg Bergstedt selbst, indem er dreifachen Spagat versuchte.
„Ö-Punkte wollen nicht nur ein Infodienst sein, sondern auch hinterfragen, als selbstverständlich geltende Positionen überprüfen und neue Ideen vorstellen“
Diese sehr sympathische Einladung der Ö-Punkte-Redaktion an die Leser wird von Jörg Bergstedt in seinen Ausführungen nochmals unterstrichen. Leider hat er jedoch anschließend mit der Offenheit und Diskussionsbereitschaft seine Schwierigkeiten: Denn statt dem angesprochenen „Protest“ zum Thema Freiwirtschaft Raum zu geben, belegt er fast die ganze Debattenseite mit seinen eigenen Ansichten. Und was er dabei zur Sache von sich gibt, ist in einem Maß von Vorurteilen und Unkenntnis belastet, die für einem Wirtschaftsfachmann erstaunlich ist.
Das gilt sowohl bezogen auf das Anliegen der Geldreformbewegung als auch auf die herrschenden monetären Gegebenheiten. So z.B. für seine Behauptung, „die Debatte über den Zins“ sei „ebenso schwachsinnig wie die über die Einführung einer Spekulationssteuer“, womit er gleichzeitig der Attac-Bewegung, die sich ebenfalls schwerpunktmäßig mit Geldproblemen befasst, eins auswischt. Das gilt ebenso für seine Behauptung, dass „der Zins...nur ein schlaues Detail mit abnehmender Bedeutung“ sei. - Kennt Bergstedt denn tatsächlich nicht die Größenordnungen und Entwicklungen dieses „Details“? Weiß er wirklich nicht, dass allein die Zinserträge der Banken (die nur die Schuldenzinsbelastung unserer Gesellschaft widerspiegeln!) von 1991 bis 1999 um 58 Prozent zugenommen haben, während das Sozialprodukt um 30 und die Nettolöhne sogar nur um 11 Prozent zulegten? Dass diese Bankzinserträge bereits 1999 mit 625 Mrd DM weit über dem Bundeshaushalt lagen und bei 60 Prozent der Nettolöhne? Oder dass die Banken inzwischen an jedem Geschäftstag rund 2000 Millionen DM Zinsen auszahlen, überwiegend an das reichste Zehntel der Haushalte, bei dem sich die Zinseinkünfte aus den Sachvermögen sogar noch stärker konzentrieren?Im zweiten Teil seines ‚Debattenbeitrags` führt Bergstedt dann meinen im Januar erschienenen Contraste-Artikel, ‚Geldordnung gefährdet den sozialen Frieden`, als „krasses Beispiel der Argumentation von Freiwirtschaftlern“ an. Seine dafür herangezogenen „Beispiele“, kann man nur als bösartige Unterstellungen deuten. So habe ich weder „den Zins als Ursache für alles Schlimme in der Welt“ bezeichnet, „einschließlich dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges“, noch mit einer „Unterscheidung in raffendes und schaffendes Kapital...eine Steilvorlage für den Antisemitismus“ geliefert, „die eine Grundlage für Hass bietet, vor allem durch ihre Nähe zu antisemitischen Positionen“.
Weder die hier herangezogenen Sätze und Begriffe, noch die Unterscheidung zwischen raffendem und schaffendem Kapital, noch irgendetwas was mit Antisemitismus zu tun hat, kommt in meinem Contraste-Artikel vor, ebenso wenig wie in allen anderen Veröffentlichungen von mir. Was ich lediglich unterscheide, sind Kapital und Arbeit und die daraus fließenden Einkommen, also Zins und Lohn. Und wie berechtigt diese Unterscheidung ist, zeigen die von mir angeführten statistischen Größen. Im übrigen scheint sich Bergstedt nicht bewusst zu sein, dass er mit seiner Verknüpfung von Zins und Judentum die Diffamierungspolitik der Nazis fortsetzt.
Anhand meines Contraste-Artikels kann sich jeder Leser ein eigenes Urteil zu den Ausführungen von Bergstedt bilden. Die nochmalige Lektüre dieses Textes dürfte außerdem die Notwendigkeit der Befassung mit dem monetären Problemkomplex deutlich machen. Umfassend ist dies möglich in meinem Buch ‚Das Geldsyndrom´, das gerade in einer erweiterten und aktualisierten 5.Taschenbuchausgabe erschienen ist (Econ-Verlag, 640 Seiten, über 100 Grafiken und Tabellen, DM 19,90).
Helmut Creutz, Aachen
Antwort:
>beanspruchte, anstatt die Leserschaft zu Wort kommen zu lassen!
Ich habe mitunterstützt, daß in den Ö-Punkten viele Freiwirtschaftler selbst zu Wort kamen. Die Ö-Punkte sind dafür einige Male kritisiert worden, daß sie das überhaupt tun. Wir haben in der letzten Ausgaben KEINEN Text pro Freiwirtschaft rausgelassen. Die Formulierung mit „anstatt ...“ suggeriert aber genau das und soll es! Insofern gebe ich den Ball zurück: Sie können nicht ohne Unterstellungen argumentieren. Die „Ö-Punkte“ dagegen werden das weiter anders machen - ich und andere werden sich wehren gegen alle, die Menschen wie Sie ganz ablehnen und zensieren wollen. Und gegen Ihre Hegemonialmeinung, daß nach einer Ö-Punkte (vorletzte Ausgabe), wo nur die profreiwirtschaftliche Position erfolgte es jetzt so weitergehen muß, sonst sind Sie beleidigt.
Wir überlegen, ein Diskussionsforum dazu unter www.oepunkte.de einzurichten. Auch das ist unser Kurs der offenen Auseinandersetzung.
Sie sind da anders und kritisieren zum wiederholten Male, daß freiwirtschaftskritische Positionen zu Wort kommen. Ein Glück, daß Sie keinen Einfluß auf die Ö-Punkte haben, da wäre es mit der Offenheit vorbei.
Jörg Bergstedt
Antwort darauf:
Danke, Herr Bergstedt,
für Ihre schnelle Antwort, über die ich mich allerdings sehr wundern muß. Ich nehme zwischen den Zitaten Stellung, wobei ich aber VOLLSTÄNDIG zitieren, OHNE tendenziöse Auslassungen.Joerg Bergstedt schrieb:
>
> k-p.schleisiek@t-online.de (Klaus-Peter Schleisiek) schrieb am
> 20.06.101 03:26:33 zu Leserbrief zur Debattenseite der OE-punkte,
> Sommer 2001, #5:
>
> Hallo und guten Tag,
> auch wenn einiges merkwürdig ist an dieser Mail (hat sie doch einen
> auffällig ähnlichen Wortlaut wie die von H. Creutz, möchte ich
(was wollen Sie übrigens damit sagen?)
> antworten und klarstellen, daß das hier schlicht eine Lüge ist:
>
> > beanspruchte, anstatt die Leserschaft zu Wort kommen zu lassen!Zugegeben: ich scheine nur zu 77 Prozent korrekt zu sein, denn eine halbe von den drei Spalten durften ja Leser benutzen. Um aber beurteilen zu können, ob ich wirkich den schweren Vorwurf der Lüge verdiene, genügt natülich kein HALBER SATZ. Im Zusammenhang stand da:
-> ERSTENS handelte er seinem löblichen und im Abschnitt 1 nochmals tapfer
-> verbal verteidigten Anspruch auf emanzipierten (=unbevormundeten?)
-> Diskurs praktisch zuwider, indem er die Debattenseite für sich selbst
-> beanspruchte, anstatt die Leserschaft zu Wort kommen zu lassen!Das heißt: Der Redakteur hat sich auf der meiner Meinung nach für Leserbriefe reservierten Seite bevormundend in den Vordergrund gedrängt. Sie können diese Meinung vielleicht übertrieben finden, aber die Bezeichnung "schlicht eine Lüge" ist sachlich abwegig und reimt sich allenfalls auf "versuchte Beleidigung" Ihrerseits. Ob sich ein Redakteur nicht mit seinen Ansichten auf einer anderen Seite äußern kann, soll mal dahingestellt bleiben.
>
> Ich habe mitunterstützt, daß in den Ö-Punkten viele
> Freiwirtschaftler selbst zu Wort kamen. Die Ö-Punkte sind dafür
> einige Male kritisiert worden, daß sie das überhaupt tun. Wir haben
> in der letzten Ausgaben KEINEN Text pro Freiwirtschaft
> rausgelassen. Die Formulierung mit "anstatt ..." suggeriert aber
> genau das und soll es!
Wie ich schon im ersten Brief schrieb, habe ich das beanstandete Heft zufällig in die Hand bekommen. Bisher war mir Ihr Blatt völlig unbekannt! (*) Die Kritik bezieht sich ausschließlich auf DIESES Heft.> Insofern gebe ich den Ball zurück: Sie
> können nicht ohne Unterstellungen argumentieren.
Ach ? Sie unterstellen mir Suggestionsabsicht, um anschließend mir Unterstellung vorzuwerfen!> Die "Ö-Punkte"
> dagegen werden das weiter anders machen - ich und andere werden
> sich wehren gegen alle, die Menschen wie Sie ganz ablehnen und
> zensieren wollen.
MENSCHEN wie mich?? Kritiker oder was? Sollte es nicht um MEINUNGEN gehen?> Und gegen Ihre Hegemonialmeinung, daß nach einer
> Ö-Punkte (vorletzte Ausgabe), wo nur die profreiwirtschaftliche
> Position erfolgte es jetzt so weitergehen muß, sonst sind Sie
> beleidigt.
Siehe oben (*): Es geht nur um die beanstandete Ausgabe. Der Rest ist bloß Ihre irrige Vermutung.
>
> Wir überlegen, ein Diskussionsforum dazu unter www.oepunkte.de
> einzurichten. Auch das ist unser Kurs der offenen
> Auseinandersetzung.
Begrüßenswert! Übrigens habe ich die weiteren und vollständigen Leserbriefe, die mit dem i-Punkt-Hinweis unter www.projektwerkstatt.de/oepunkte abgelegt sein sollen, gestern nicht finden können. Könnten Sie mir vielleicht mit dem vollständigen URL weiterhelfen?
>
> Sie sind da anders und kritisieren zum wiederholten Male, daß
> freiwirtschaftskritische Positionen zu Wort kommen.
Zum wiederholten Male? Siehe oben (*). Habe ich vielleicht einen Doppelgänger, oder leiden Sie womöglich an Paranoia? Und nicht freiwirtschaftskritische Positionen habe ich gerügt, sondern ERSTENS, daß Sie sich ausgerechnet auf der Debattenseite breit gemacht haben, ZWEITENS, daß Sie zu Verunglimpfung ("schwachsinnig") und erlogenen Zitaten greifen.
(Beim dritten Punkt habe ich mich wohl in Ihnen geirrt: Niemand brauchte Sie anzustiften, Freiwirtschaft braun anzustreichen)> Ein Glück, daß
> Sie keinen Einfluß auf die Ö-Punkte haben, da wäre es mit der
> Offenheit vorbei.Danke, IHRE Art von Offenheit kenne ich ja jetzt.
Über meinen wirklich schwerwiegenden Vorwurf gegen Sie, daß Sie Helmut Creutz VOELLIG falsch und diffamierend aus dem Contraste-Artikel "zitiert" haben, sind Sie überhaupt nicht eingegangen. Vielleicht schämen Sie sich ja?
> ...
> (Ende der Mail)
Was für ein cooler Gruß !> ---------------
Mit befremdeten Grüßen von
************************
Dipl.-Ing.
Klaus-Peter Schleisiek
An den Finkenweiden 38
D-52074 Aachen
Telefon: ++49+241 873462
ab 23.7.01: Steige 5 -
82237 Wörthsee - Tel. 08153/987885
Oe-punkte@gmx.de
Wörthsee, 12.7.2001
Zu „Debatte: Freiwirtschaft“; Ö-Punkte 5 / 2001
1. Um nicht gleich der Fliegenklatsche
von Jörg Bergstedt zum Opfer zu fallen: ich betrachte mich nicht als
„Freiwirt“, und erst recht nicht als Verfechter der „Freiwirtschaftslehre“.
Ich sehe lediglich im Alltag und in (staatlichen) Statistiken, dass wir
eine zerstörerische wirtschaftliche Entwicklung haben, die mit einer
gespenstischen mathematischen Gesetzmäßigkeit abläuft –
und zwar mit einer exponentiellen Entwicklung. Wenn ich suche, wo eine
solche Entwicklung ihren Ursprung haben könnte, komme ich zwangsläufig
zum
Zinseszins. Ich würde gerne andere Erklärungen finden, aber bisher
Fehlanzeige. Auch Jörg Bergstedt bestätigt eigentlich meine Beobachtung:
„Der Kapitalismus ... funktioniert im Kern auf der Basis der ständigen
Verwertungslogik... Der Zins ist dabei nur ein schlaues Detail...“ Wieso
„nur“? Ein reines Ausbeutungssystem innerhalb des Produktionsprozesses
könnte doch auch wunderbar linear funktionieren: jedes Jahr 1 Million
Gewinn für den Kapitalisten. Weil aber die Gebühr für verliehenes
Geld in Prozenten gerechnet wird, und aus 10 Prozent nach 7 Jahren real
eben fast 100 Prozent der Ausgangssumme werden, haben wir es mit einer
irrealen, aber unsere Realität beeinflussenden Entwicklung zu tun,
die durch den exponentiell wachsenden Anspruch des Kapitals auf `seinen´
Anteil des BIP alle anderen `Teilhaber´ das Nachsehen lässt.
Je weniger Wachstum, desto spürbarer die Folgen! Deshalb sind ja alle
so wachstumsgeil, obwohl kaum noch jemand die Zusammenhänge mit der
(ebenfalls exponentiell zunehmenden) Umweltzerstörung leugnet.
2. Noch etwas Persönliches:
den Umgang mit Helmut Creutz, den Jörg Bergstedt pflegt, finde ich
beschämend. Jemand erfundene Äußerungen vorzuhalten, um
einer inhaltlichen Auseinandersetzung auszuweichen, ist mindestens so plump
und feige wie die nicht belegte Unterstellung „personeller Kontakte zu
rechten Gruppen“. Gerade weil die Rechten zum Teil die gleichen Themen
(Ökologie und Ökonomie) belegen, sollten wir uns von ihnen klar
unterscheiden – und den auf Informationen angewiesenen Lesern Differenzierungshinweise
geben, statt sie durch scheinheilige Warnungen (die stark an Nazi- und
Stasimethoden erinnern) davon abzuhalten, sich mit `konkurrierenden´
Ansichten zu beschäftigen, nur weil die einem selbst nicht in den
Kram passen.
Volker Freystedt
(2. Vorsitzender)
EQUILIBRISMUS e.V.
(www.equilibrismus.de)
Leserbrief zur Debatte „Freiwirtschaft“Jörg Bergstedt, Redaktion „Wirtschaft / Direkte Demokratie“ diskreditiert sich mit seiner Stellungnahme selbst: Mit pauschalen, oberflächlichen Parolen und wisenschaftlich nicht haltbaren Halbwahrheiten wird gegen die Zinskritiker zu Felde gezogen. Mir fehlt ein klarer Gedankengang, ein roter Faden und vor allem durchdachte Begründungen für seine zahlrei-chen Gegenthesen (ein Beispiel: „Die Konzepte von Silvio Gesell sind in vielen rechten Gruppen wirtschaftspolitisches Programm“ sind ein Totschlagargument, bei dem konkrete Namen [und entsprechende entlarvende, rechte Zitate aus dem Programm] solcher Gruppie-rungen fehlen. [Diese würden mich, der ich mich ganz klar von rechten Gedankengut distan-ziere, auf jeden Fall interessieren].)
Da Jörg ausdrücklich um ergänzende Ausführungen bittet, will ich diesem Punkt im folgen-den nachkommen und mich dabei auf den Aspekt des Umweltschutzes stützen. Dieser dürfte den Ö-Punkte Leser wie auch Jörg Bergstedt, den ich noch aus seiner / meiner Zeit bei der Naturschutzjugend her kenne, am ehesten interessieren:
Ich hoffe, die Bedeutung des Zinses beim Umweltschutz wird deutlich. Über Lösungsvor-schläge, wie sich der Zins absenken ließe, sei auf andere Literatur (z.B. B. Lietaers Ausfüh-rungen über Komplementärwährungen in „Das Geld der Zukunft“) verwiesen. Gerne kann ich dies auf Wunsch auch in einer der nächsten Ausgaben der Ö-Punkte einmal ausführlich dar-stellen.
Doch jetzt erst mal meine angekündigten, ergänzenden Ausführungen zum Umweltschutz und Zins:
Warum der Umweltschutz chancenlos ist
Der Blick in die Welt veranschaulicht immer wieder das große Konfliktpotential zwischen Naturschutz und Wirtschaftsinteressen:
- Goldtagebau in der Türkei:
Im Süden der Türkei sorgten vor einigen Jahren Pläne für Wirbel, 100.000de von ha Oli-venhaine für ein gigantisches Goldabbauprojekt in eine cyanitverseuchte Kraterlandschaft zu verwandeln. Für Gewinne aus 7 Jahre Raubbau sollte eine gewachsene Kulturland-schaft, die vielen Menschen eine dauerhafte Existenz sichert, geopfert und unwiderbring-lich vernichtet werden.- Ausbeutung der Meere
Mit riesigen Fangflotten werden die Meere systematisch leergefischt. Nicht nur die Exi-stenz vieler kleiner lokaler Fischer wird zugunsten einiger großer Industrieschiffe geopfert: Auch die Fische an sich verschwinden durch die Überfischung zunehmend. In dieser Lage wird nun auch nach und nach auf „minderwertige“ Fische und andere Meerestiere zurück-gegriffen, die zu Fischmehl verarbeitet werden. Diese Tiere gehen natürlich als Nahrung der Nutzfische verloren und dezimieren damit diese Fischbestände weiter.- Regenwaldzerstörung
Ungeachtet ihrer Bedeutung für das globale Klima und des unermäßlichen Artenreservoirs, schreiten der gigantische Holzraubbau, die Brandrodung und damit die Vernichtung der Regenwälder voran.- Beispiele für ähnliches Handeln – auch im privaten Umfeld – kennt jeder zur Genüge.
Wirtschaftwissenschafter und Finanzexperten haben für dieses kurzfristige Denken und die Ursachen dieser Entwicklung einen eigenen Fachbegriff: „Abdiskontierung der Zukunft“.
Damit die Tatsache umschrieben, dass ein heute erzielter Gewinn mehr wert ist als einer der erst morgen anfällt.
Zur Verdeutlichung: Wer für eine Investition heute 100 Euro erhält, muss in 10 Jahren bei einem jährlichen Zinssatz von 7 % bereits 200 Euro erwirtschaften um den gleichen Nutzen zu erzielen.
Oder anders: 100 Euro heute sind doppelt so viel wert wie 100 Euro in 10 Jahren.
Zukünftige Gewinne und Kosten werden also - so der Fachbegriff - „abdiskontiert“, d. h. auf einen niedrigeren Referenzwert für heute bezogen.
Ursache dafür: Durch die Zins- (und Zinseszins-) einnahmen wächst ein Gewinn um so schneller, je kurzfristiger er realisiert werden kann.Damit rückt der Wunsch, möglichst kurzfristig eine hohe Rendite zu erzielen in den Vorder-grund des menschlichen Strebens, was – wie oben dargestellt – die Zerstörung und Ausbeu-tung ganzer Landschaften einschließt. Selbst dauerhafte Entschädigungsleistungen (die ja z.T. entsprechend weit in der Zukunft liegen und durch die Abdiskontierung zusammenschmelzen) ändern unter dem Strich nichts an der Profitabilität solcher Projekte.
Ein jeder, der derzeit auf Nachhaltigkeit setzt, wird also letztlich zu den Verlierern gehören. Angesichts der immer schärferen Wettbewerbe können und wollen sich das zunehmend weni-ger Menschen leisten. Eine fatale Entwicklung, die die Grundlagen unserer eigenen Existenz zunehmend bedroht und dabei doch nur die Rahmenbedingungen unseres Zusammenlebens optimal nutzt.
Ohne eine Änderung dieser Rahmenbedingungen ist ein mehr an Natur- und Umweltschutz allenfalls punktuell möglich, wenn z.B. aufgrund des massiven Widerstands aus der Bevölke-rung einzelne Gesetze verabschiedet werden und meistens gleichzeitig noch die Allgemein-heit mit Steuermitteln dafür zahlt, dass die gewünschten Effekte auch tatsächlich eintreten.
In der Konsequenz wird mit immer mehr Erlassen, Förderungen und Verboten ein immer komplizierteres Netzwerk von Verordnungen geschaffen, welches doch nur an den Sympto-men herumkurriert ohne die Ursache anzugehen. Ursachen in Form der schon angesprochenen Rahmenbedingungen, die menschengemacht sind und damit auch von Menschen geändert werden können.
Entscheidende Rahmenbedingung in unserer Gesellschaft ist der Zins, der für die so kritische Abdiskontierung verantwortlich ist, aber auch noch andere Probleme mit sich bringt:
- Wachstum bis zum Kollaps
Der Zins lässt die Geldbestände nominal gesehen immer weiter ansteigen. Damit dieses mehr an Geld nicht dereinst zu einer Inflation führt, muss der diesem Geld gegenüberste-hende Warenwert auch entsprechend anwachsen. Dieses kann nur durch ein ständiges Wirtschaftswachstum erreicht werden, egal ob noch Bedarf (nach zusätzlichen Autos, ...) da ist oder nicht.
Kritisch vor allem: Das Zinses-Zins-Wachstum ist expotentiell. D.h. die gravierenden nachteiligen Effekte werden zu Beginn verdeckt und erreichen erst bei zunehmend älteren Volkswirtschaften gefährliche Dimensionen: Bei 3% Wachstum der durch Straßen versie-gelten Fläche (1,2 %) ergibt sich eine Verdoppelung dieser Fläche alle 23,5 Jahre schon in 235 Jahren wäre Deutschland allerdings in 12 Ebenen vollständig mit Straßen überbaut.- Überschuldung
Die Verschuldung der sogenannten „3. Welt“, zwingt diese Länder aufgrund des Zinssy-stems dazu, ihre Rohstoffe unter menschenverachtenden Bedingungen selbstverständlich ohne irgendwelche ökologischen Standards möglichst preiswert auszubeuten, um sie an-schließend zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt verkaufen zu können. Ziel ist es dabei genug harte Devisen für die Zinszahlungen für die aufgenommenen Kredite zu bekommen (eine Tilgung der Kredite ist nicht in der Regel nicht möglich und auch gar nicht gewollt). Täglich fließen somit 100-te von Millionen Dollar in die reiche „1. Welt“, ein vielfaches von dem, was an Entwicklungshilfe, Spenden, ... wieder zurückfließt.
Nicht nur Global sondern auch innerhalb z.B. Deutschlands öffnet sich durch den Umver-teilungsmechanismus des Zinses die Schere zwischen Arm und Reich zunehmend (vgl. 1. Armutsbericht der Bundesregierung).- Nebeneffekte:
- Wer immer mehr ins soziale Aus gerät, für den ist die Sorge um die eigene nahe Zukunft wichtiger als jede langfristige Umweltschutzbemühung.
- Die Verschuldung bis an den Rand der Belastbarkeit nimmt jeden Spielraum für eigene positive Akzente.
Es fragt sich ganz klar, wieso dieser Zins, der dem Geldbesitzer zufließt, berechtigt ist.
Dazu noch einmal etwas Wirtschaftstheorie:
Der Zins kann doch nur deshalb eingefordert werden kann, weil das Geld (wie ein Joker) als universelles Tauschmittel gegen jedes andere Gut eingetauscht werden kann und damit diesen Gütern überlegen ist.
Dies ist aber gerade keine Leistung des Geldbesitzers, sondern eine Eigenschaft eines öffent-lichen Transportmittels, die auf der Rechtsordnung und dem Vertrauen aller Wirtschaftsteil-nehmer beruht. Wenn man die Vorteile dieser Übereinkunft der Gemeinschaft den Geldbesitzern zugesteht, ermöglicht man ihnen, leistungslos reicher zu werden und degradiert die öf-fentliche Einrichtung Geld zu einem privaten Spekulationsobjekt.Endlich Zeit also, den Zins als Übel zu erkennen und etwas gegen ihn zu unternehmen. Modelle gibt es zahlreiche, die vorzustellen und zu bewerten den Rahmen dieses Leserbriefes sprengen würde. Weitere Details sind u.a. unter der Internet-Adresse www.geldreform.net zu finden.
Zurück zum Anfang. Zur Ö-Punkte-Übersicht.
Zu den Seiten der Projektwerkstatt und von Hoppetosse - Netzwerk für kreativen Widerstand.