Pink & Silver
Mit Pink-Silver die herrschenden Verhältnisse zum Tanzen zu bringen

Bei einer Reihe von politischen Aktionen und Protesten, unter anderem in
Genua, auf dem Grenzcamp am Frankfurter Flughafen oder bei verschiedenen
Anti-Nazi-Aktionen waren Menschen in den Farben Pink und Silber
unterwegs. Meist gehörten Performances, aufwendige Kostüme, Cheerleading
oder Samba-Trommeln dazu.
Auf die Frage, was pink-silver ist gibt es verschiedene Antworten. Für
einige Menschen ist es eine leuchtende Erfindung der sogenannten
Antiglobalisierungsbewegung, die irgendwann zwischen Seattle und Prag
entstanden ist. Andere finden tiefere Erklärungen, die auf die
zahlreichen dynamischen Zusammenhänge eingehen, indem pink-silver als
situationistisches Ereignis, Spass-Guerillia oder queeres Spektakel
beschrieben wird. Die verschiedenen Antworten zeigen, dass es sich um
einen vielstimmigen Prozess handelt, der keine festen und
abgeschlossenen Identitätsgrenzen aufstellt. Eine Komponente von
pink-silver ist, dass Unterschiede und Vielfalt nicht nur aktzeptiert
werden, sondern Ausgangspunkt sind

taktische Frivolität ...

Mit dem Begriff der "tactical frivolity" beschrieben AktivistInnen ihre
Aktionform in der Entstehungsphase vor den Protsten gegen IWF und
Weltbank in Prag. Pink-silver berührt Menschen emotional als
spektakuläre Show, durch Extrovertiertheit, mit Glitzern und Funkeln. Es
irritiert auch durch den Bruch mit traditionellen Politikformen, aber
auch mit Geschlechternormen durch cross-dressing vieler AktivistInnen.
Immer wieder entstehen neue Variationen von Ästhetik und Bewegung. Es
wird Platz eingenommen, falls nötig mit konfrontativen Mitteln, aber
auch mit Tanz. Und auf der anderen Seite wird versucht, Menschen aus
ihrer Normalität herauszulocken, heraus zu reissen und sie mit anderen
Wegen die Welt zu sehen zu konfrontieren.
Taktische Frivolität spielt auch mit dem Kontrast zwischen pulisierendem
Leben und martialisch auftretenden OrdnungshüterInnen. Der Polizei fällt
es schwerer, ihre Gewalt zu rechtfertigen wenn das Rollenklischee von
"schwarz-vermummt-autonom" fehlt und ihre Ketten durchtanzt werden. Aber
auch Orte an die kaum eine Demo je gelangt, wie Kaufhäuser oder
Flughafenterminals eignen sich als Bühne für politische Performances.

... und queer

Egal in welchem Kontext pink-silver verwendet wird, in antirassischen,
antikapitalistischen oder anderen Auseinandersetzungen, pink-silver ist
mehr als eine Taktik, den pink-silver ist gender trouble! Um das
Konzepte der taktischen Frivolität in Aktionen umzusetzen hatten sich
AktivistInnen hauptsächlich Kostümen bedient, die in der pink-plüschigen
Glitzerwelt des Queeren Spektakels zu Hause sind.
Sowohl nach aussen, wie auch auf die AktivistInnen selbst ist die mit
Attributen wie "weiblich" oder "schwul" vorbelastete Farbe rosa und der
Verstoss gegen Geschlechternormen durch cross-dressing ein Anstoss sich
mit der eigenen geschlechtlichen Identität auseinanderzusetzen. Es
schafft aber gleichzeitig auch einen Freiraum für nicht heterosexuell
normierte Menschen politisch aktiv zu werden.

In Farbe

Pink-silver arbeitet mit vielen Sachen, die sich nicht in Worte fassen
lassen: mit Farben, Formen, Bewegungen, Samba und Gefühlen. Aber es gibt
es eine gute Möglichkeit bei dem europäischen Grenzcamp in Strassburg
"pink-silver" in Aktion zu erleben und daran selbst teilzunehmen. Es
wird vom 19. bis 28. July stattfinden und Infos gibt in der KTS oder im
Internet unter:

www.noborder.org