Berichte
- Mo, 15. März, 19 Uhr, Margarete-Bieber-Saal
in Gießen, Ludwigstr. 34: Podiumsgespräch "Machtmissbrauch
im Rechtsstaat" (Veranstalter u.a. Humanistische Union, PDS,
Bildungssyndikat, Infoladen, Gruppe X ...). Werbeflyer
(.rtf)
- Bericht dieser Veranstaltung und des anschließenden Polizeiüberfalls
...
- Presseberichte über die Veranstaltung und
nachfolgende Presseberichte auf der Extra-Presseseite
- Extra-Seite mit den
Anzeigen gegen Personen von Polizei, Justiz, Presse und Politik
wegen falscher Verdächtigung, politischer Verdächtigung,
Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Sachbeschädigung,
Beweismittelfälschung, Meineid, uneidlicher Falschaussage
und Verleitung zu Falschaussage
Alles darf beliebig runtergeladen, kopiert, verteilt,
zitiert usw. werden! Hier folgen die einleitenden Texte der Dokumentation.
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Polizeiüberfall in der Nacht
Bericht Dragan Pavlovic: Auf dem Nachhauseweg von
der Veranstaltung
"Machtmißbrauch im Rechtsstaat" am 15/16 März 2004,
Gießen
Nach der Veranstaltung "Machtmißbrauch im
Rechtsstaat" die Übergriffe von Polizei und Justiz in Gießen
thematisierte durfte ich neben der Theorie nun die Praxis kennenlernen:
Um 22 Uhr ging ich mit einigen Leuten bis kurz vor Mitternacht in die
Kneipe. Auf dem späten Heimweg gegen Mitternacht wurde ich kurz
hinter dem Ortsausgang Gießen Richtung Reiskirchen B49 /Kreuzung
"Panzerstraße" von drei Zivilautos der Polizei mit Blaulicht
angehalten: An einer Stelle die für Verkehrskontrollen nicht taugt,
da man nicht ordentlich "rausgewunken" werden und nicht richtig
anhalten kann weil kein Platz vorhanden ist.
Eine Person öffnete meine Tür und eine andere
die meines Beifahrers: Mir wurde gesagt das dies eine "Verkehrskontrolle"
sei. Meine Papiere wurden mitgenommen und von einem Kollegen in seinem
Wagen aufenommen. Ich wurde ohne Angaben von Gründen für diese
Verkehrskontrolle dazu gezwungen aus dem Auto auszusteigen durch mehrmalige
penetrante Aufforderung. Ich mußte mich einer Leibesvisitation
unterziehen lassen - an das Auto angelehnt mit dem Gesicht zum Wagen
mit auseinandergestellten Beinen wie in einem amerikanischen Film. Alle
meine Taschen mußte ich leeren und alles wurde genau in Augenschein
genommen. Lange fuddelte er in meinen Taschen herum. Auf die Nachfrage
was er denn suche meinte er "Sie könnten bewaffnet sein".
Ich war ziemlich ärgerlich, denn noch nie im Leben bezichtigte
mich jemand gefährlich zu sein. Die Aktion war absurd, denn so
sucht man nicht nach Waffen und ich regte mich auf. Schließlich
kam ich gerade von einer Veranstaltung wo über Polizeiwillkür
der Gießener Polizei/Staatsschutz gesprochen wurde.
Mir wurde gedroht mich auf die Wache zu bringen wegen
Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Dabei wurde ich auch rüde
am Nacken festgehalten und auf das Auto zurückgeworfen. Ich fragte
hartnäckig weiter - dann hieß es "wir suchen nach Drogen",
wieder etwas später "Ihre Plakette hinten am Auto ist nicht
in Ordnung". Ich sagte ich sei sicher, daß alles in Ordnung
sei und das sie die kleine Plakette nachts im Dunkeln sicher nicht hätten
erkennen können um mich deswegen anzuhalten.
Dann hieß es "Sie waren nicht angeschnallt".
Was sofort andere Polizisten bestätigten. Natürlich war das
eine Lüge. Es sah so aus daß nur nach einem Vorwand gesucht
wurde meine Personalien aufzunehmen und mich in der Zeit ein wenig zu
beschäftigen. Erst auf mehrmaliges Nachfragen bekam ich seinen
Namen genannt. Ich war sehr ärgerlich nachts ohne fahrauffälliges
Verhalten in eine "verdachtsunabhängige" Verkehrskontrolle
"geraten" zu sein: sechs Personen und und drei zivilpolizeiliche
Fahrzeuge mit Blaulicht waren dafür nötig. Eine merkwürdige
Verkehrskontrolle war das.
Als mein Beifahrer zwischenzeitlich ausstieg um die
Ereignisse zu beobachten - er blieb in seiner Tür stehen und hob
sogar die Hände - wurde er handgreiflich ins Auto zurückgedrängt.
Und durfte auch nicht mehr aussteigen. Als Grund wurde angegeben das
durch Zugucken die polizeiliche Maßnahme gestört würde.
Ihm wurde von einem Kollegen die ganze Zeit mit einer Taschenlampe ins
Gesicht geleuchtet, damit er nichts sehen kann.
Dragan Pavlovic
(2. Vorsitzender des HU-Ortsverbands Marburg)
Tel. 06402/508932
e-Mail: pavlovic@hu-marburg.de
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Pressemitteilung der Jusos Giessen zum Vorfall
Jusos: "Polizei in Giessen schüchtert Kritiker
systematisch ein"
Christoph Weinrich, Sprecher der Jusos Giessen hat in einer Presseerklärung
einen offensichtlichen Einschüchterungsversuch der Giessener Polizei
gegenüber dem Bürgerrechtler und HU-Aktivisten Dragan Pavlovic
scharf verurteilt und eine umgehende Stellungnahme der verantwortlichen
Beamten zum Fall eingefordert. Nach einer Veranstaltung zum Thema "staatlicher
Machtmissbrauch", den die Humanistische Union gemeinsam mit anderen
politischen Gruppen unter anderem dem Juso-Unterbezirk Giessen am vergangenen
Montag durchgeführt habe, sei es zu dem Vorfall gekommen. Auf dem
Rückweg von der Veranstaltung sei der Wagen von Pavlovic unter
dem fadenscheinigen Vorwand einer allgemeinen Verkehrskontrolle von
drei zivilen Polizeistreifen mit Blaulicht an der Ortsausfahrt Giessen
gestoppt worden und der Bürgerrechtler einer intensiven Leibesvisitation
unterzogen worden. Dabei wurde nun nicht mehr eine allgemeine Verkehrskontrolle
durchgeführt, sondern der Aktivist auf Waffen und Drogen durchsucht
unter ständig wechselnden Angaben der Gründe für die
Kontrollen, die jedoch allesamt erfunden worden seien. Das pikante an
der Geschichte sei, dass von weiteren Insassen des Fahrzeuges zumindest
zwei der anwesenden Polizisten erkannt wurden, die zuvor die Veranstaltung
observiert hatten. "Dieses Vorgehen der Polizei kann nur als ein
massiver Versuch eingestuft werden, hier einen Bürgerrechtler einzuschüchtern."
Auch könne es nicht hingenommen werden, dass auf einer Veranstaltung
von Bürgerrechtlern der Staatsschutz zum spitzeln anwesend sei.
Schon im Vorfeld der Veranstaltung sei es auch nach der Aussage des
anwesenden Bundesvorsitzenden der Humanistischen Union auf der Veranstaltung
zu Einschüchterungsversuchen seitens der Polizei gekommen, die
ihm geraten habe, nicht auf der Veranstaltung zu referieren. Dieses
Verhalten sei umso merkwürdiger, als es bei der Veranstaltung ohnehin
unter anderem um Repressionsversuche gegen Aktivisten aus dem Umfeld
der Projektwerkstatt in Saasen gegangen sei, so Weinrich weiter. Auch
wenn der Juso-Unterbezirk Giessen die Positionen aus dem Umfeld der
Projektwerkstatt in Saasen nicht teile, seien auch hier einige Fälle
mit deutlichen Merkwürdigkeiten zu erkennen. "Aufgabe der
Polizei ist es aber gerade nicht, missliebige Meinungen zu unterdrücken,
sondern vielmehr Straftaten aufzuklären", "die Polizei
ist in Deutschland nicht zuletzt aus den Erfahrungen mit dem dritten
Reich kein Geheimdienst und geheimdienstliche Tätigkeit ist ihr
deswegen gesetzlich untersagt," so der Juso-Unterbezirksvorsitzende.
Sollte die Aufklärung der Umstände ergeben, dass die Polizei
hier erneut in Giessen ihre Kompetenzen überschritten habe, seien
auch persönliche Konsequenzen im Dezernat Staatsschutz zu fordern.
Dabei werde sich der Juso-Unterbezirk auch vor dem Hintergrund der Berichte
anderer politischer Gruppen wie etwa der demokratischen Linken an der
Uni-Giessen nicht damit zufrieden geben, dass von der Polizei die Aussage
komme, es sei doch nichts passiert. Die Häufung der Vorfälle
in Giessen ließen prinzipiell den Schluss zu, dass das Derzernat
Staatsschutz im unklaren über seine eigentlichen Aufgaben sei.
Sollten die Antworten auf die aufgeworfenen Fragen nicht zufriedenstellend
sein, kündigte Weinrich an, gemeinsam mit der Humanistischen Union
weitere Schritte zu prüfen. Im übrigen behielt sich Weinrich
vor, den Landtagsabgeordneten der SPD im Unterbezirk Giessen in den
Vorgang einzuschalten. "Was wir erwarten ist ein klares Signal
der Polizei, dass Einschüchterungsversuche in Zukunft unterbleiben,"
wenn die Polizei sich hier nicht bewege, müsste sie mit entschiedenem
Widerstand rechnen, schloss Weinrich die Pressemitteilung.
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Offener Brief und Pressemitteilung der HU zum Vorfall
Humanistische Union e.V.
Landesverband Hessen
Furthstr. 6
35037 Marburg
Tel. 06421/6 66 16
Fax: 06421/6 66 17
www.humanistische-union.de
e-Mail:hu-hessen@hu-marburg.de
Bürgerrechtsorganisation seit 1961
Pressemitteilung 04/3
Marburg, 17.03.2004
Polizeiübergriff auf Bürgerrechtler
Offener Brief an Polizeipräsident Meise
Mit einem Offenen Brief protestiert der Landesverband Hessen der Humanistischen
Union (HU) gegen einen Übergriff von Gießener Polizeibeamten
auf den 2. Vorsitzenden des HU-Ortsverbands Marburg. Auf dem Nachhauseweg
von der Veranstaltung "Machtmissbrauch im Rechtsstaat" am
Abend des 15. März war Dragan Pavlovic von gleich sechs Beamten
in Zivil mit drei Autos angehalten und kontrolliert worden. Seinem Bericht
zufolge, den auch seine beiden Mitfahrer bestätigt haben, ist er
von den Beamten unter Angabe wechselnder Begründungen einer Leibesvisitation
unterzogen worden.
Dieses Vorgehen bewertet die HU als massiven Einschüchterungsversuch.
Der Eindruck dränge sich auf, die Polizisten hätten mit ihrem
Vorgehen Rache üben wollen für kritische Äußerungen
auf der vorangegangenen Veranstaltung mit HU-Bundesvorsitzenden Reinhard
Mokros.
Deutschlands größte und älteste Bürgerrechtsorganisation
lässt sich aber nicht einschüchtern.
HU-Landessprecher Franz-Josef Hanke fordert den Gießener Polizeipräsidenten
Manfred Meise auf, dem rechtswidrigen Verhalten einiger Beamter seiner
Behörde einen wirksamen Riegel vorzuschieben. Zudem schlägt
die Bürgerrechtsorganisation vor, einen Runden Tisch zu den Vorwürfen
gegen Gießener Polizeibeamte zu bilden.
"Bislang habe ich Berichte über Bedrohungsaktionen von Polizisten
gegenüber Bürgerrechtlern nur aus diktatorischen Staaten gehört",
schreibt Hanke in dem Offenen Brief. "Umso entsetzter bin ich über
die Vorkommnisse am frühen Dienstagmorgen."
Franz-Josef Hanke
(HU-Landessprecher)
Anlagen:
1. Offener Brief
2. Bericht von Dragan Pavlovic
Dokumentation zum Download: http://www.polizeidoku-giessen.de.vu
Kurzfassung: http://www.projektwerkstatt.de/antirepression/prozesse/kurzfassung_doku.pdf
Langfassung: http://www.projektwerkstatt.de/antirepression/prozesse/polizeidoku.pdf
Jusos Gießen+Projektwerkstatt berichten:
http://de.indymedia.org/2004/03/77161.shtml
Humanistische Union e.V.
Landesverband Hessen
Furthstr. 6
35037 Marburg
Tel. 06421/6 66 16
Fax: 06421/6 66 17
www.humanistische-union.de
e-Mail:hu-hessen@hu-marburg.de
An den Gießener Polizeipräsidenten
Herrn Manfred Meise
Polizeipräsidium Mittelhessen
Ferniestraße 8, 35394 Gießen
Offener Brief
wg. Polizeiübergriff auf Bürgerrechtler Marburg, 17.03.2004
Sehr geehrter Herr Meise,
mit Befremden habe ich den Bericht des 2. Vorsitzenden des HU-Ortsverbands
Marburg über eine Polizeiaktion in der Nacht vom 15. auf den 16.
März gehört. Auf dem Nachhauseweg von der Veranstaltung "Machtmissbrauch
im Rechtsstaat" am Abend des 15. März war Dragan Pavlovic
von gleich sechs Beamten in Zivil in drei Autos angehalten und kontrolliert
worden. Seinem Bericht zufolge, den auch seine beiden Mitfahrer bestätigt
haben, ist er von den Beamten unter Angabe wechselnder Begründungen
einer Leibesvisitation unterzogen worden.
Gegen diesen Übergriff auf einen gewählten Vertreter unserer
Bürgerrechtsorganisation protestiere ich im Namen der Humanistischen
Union (HU) als deren hessischer Landessprecher auf das Schärfste.
Ich kann die Polizeiaktion am Ortsausgang von Gießen nur als schikanösen
Einschüchterungsversuch auffassen. Der Eindruck drängt sich
auf, Beamte der Gießener Polizei hätten nach kritischen Äußerungen
über ihre Arbeit auf der
Abendveranstaltung der Humanistischen Union und anderer Mitveranstalter
nun Rache üben wollen und dazu ihre Machtmittel missbraucht.
Bislang habe ich Berichte über Bedrohungsaktionen von Polizisten
gegenüber Bürgerrechtlern nur aus diktatorischen Staaten gehört.
Umso entsetzter bin ich über die Vorkommnisse am frühen Dienstagmorgen.
Diese Aktion ist jedoch leider kein Einzelfall. Eine Dokumentation listet
mehr als 50 Fälle von polizeilichem Machtmissbrauch in ihrem Zuständigkeitsbereich
auf. Auch der HU-Bundesvorsitzende Reinhard Mokros, der als ehemaliger
Polizeidirektor und Dozent für polizeiliches Eingriffsrecht an
der Verwaltungsfachhochschule Duisburg am Montagabend auf der Veranstaltung
referiert hat, berichtete von der Warnung eines Gießener Polizeikollegen.
Sein Bekannter habe ihn gewarnt an dieser Veranstaltung teilzunehmen.
Deutschlands größte und älteste
Bürgerrechtsorganisation lässt sich durch derartige Drohungen
nicht einschüchtern.
Ich fordere Sie als verantwortlichen Behördenleiter auf, dem unrechtmäßigen
Treiben einiger Beamter Ihrer Behörde einen wirksamen Riegel vorzuschieben.
Die HU Hessen macht Sie persönlich dafür verantwortlich, dass
sich die Gießener Polizei künftig streng an Recht und Gesetz
hält.
Ich bin sicher, dass die Mehrheit der rechtschaffenen Beamten im Polizeipräsidium
Mittelhessen ein scharfes Durchgreifen gegen die Schwarzen Schafe befürworten
wird, liegt es doch in ihrem Sinne, das bereits stark beschädigte
Image der Gießener Polizei zu schützen.
In dieser Erwartung schlage ich vor, einen Runden Tisch aller Kritiker
von Polizeiübergriffen in Ihrem Zuständigkeitsbereich mit
Vertretern der Humanistischen Union und Ihrer Behörde zu bilden.
Als Bürgerrechtsorganisation treten wir für eine demokratische
Polizei ein, die die Menschen vor Verbrechen schützt und ihre Freiheits-
und Bürgerrechte streng respektiert. In der sicheren Überzeugung,
dass auch Sie diese demokratische Grundhaltung vertreten, freue ich
mich auf Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Franz-Josef Hanke
(HU-Landessprecher)
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Polizeipräsidium nimmt Stellung (18.3.2004)
POL-GI: Klagen über die Beschneidung von Bürgerrechten
Polizeipräsident Meise weist Vorwürfe zurück
[18.03.2004 - 15:48 Uhr] Gießen (ots) - Klagen über die Beschneidung
von Bürgerrechten Polizeipräsident Manfred Meise weist Vorwürfe
zurück
Gießen: Polizeipräsident Manfred Meise weist die Vorwürfe
gegen die Gießener Polizei, die im Zusammenhang mit einer Podiumsdiskussion
am Montag, dem 15.03.04, erhoben worden sind, und über die in einer
Gießener Tageszeitung berichtet wurde, mit Nachdruck zurück.
Das gilt auch für Vorwürfe und Beschuldigungen, die von den
Jungsozialisten Gießen und der Humanistischen Union in einem offenen
Brief geäußert wurden.
Kritisiert wurden von den Veranstaltern der Podiumsdiskussion unter anderem
Maßnahmen der Polizei bei öffentlichen Aktivitäten der
Projektwerkstatt Saasen.
Die Kritik gipfelt in einer Beleidigenden Äußerung eines Mitdiskutanten,
laut Zeitungsbericht eines Dr. Brosa, Amöneburg. "Wer die Polizei
als "Sammelbecken für Asoziale und Kriminelle" bezeichnet,
verhöhnt in unerträglicher Art und Weise diejenigen, die rund
um die Uhr Dienst am Bürger tun und den verfassungsmäßigen
Auftrag haben, Rechtsstaatlichkeit zu schützen und zu wahren",
so Polizeipräsident Manfred Meise wörtlich. "Der Staatsanwaltschaft
Gießen wird deshalb eine Strafanzeige wegen Beleidigung vorgelegt",
so Meise weiter. In einem Schreiben der Jungsozialisten Gießen und
in einem offenen Brief der Humanistischen Union vom 17. März werden
der Polizei Einschüchterungsversuche gegenüber Bürgerrechtlern
vorgeworfen. Es geht um eine Verkehrskontrolle im Anschluss an die Diskussionsveranstaltung.
Betroffen war der 2. Vorsitzender der Humanistischen Union, Ortsverband
Marburg.
Richtig ist, dass das Fahrzeug mit Pavlovic am Steuer in der Nacht zum
Dienstag in der Grünberger Straße zum Zwecke einer Verkehrskontrolle
angehalten wurde. Zum Zeitpunkt des Anhaltens wussten die Beamten nicht,
wer die Fahrzeuginsassen waren. Deshalb kann von einer geplanten Einschüchterung
nicht die Rede sein. Gegen 23.50 Uhr fiel einer Streife dieses Fahrzeug
auf. Sie folgte dem Pkw in die Grünberger Straße, wo es angesichts
der breiten Fahrbahn ungewöhnlich langsam fuhr. Die Streifenbesatzung
forderte Verstärkung an und entschloss sich zu einer Verkehrskontrolle.
Bei dem Anhaltevorgang missachtete der Fahrer das Anhaltezeichen, so dass
sich eine zweite Streife, ebenfalls mit eingeschalteten Blaulicht, vor
das Fahrzeug setzte. Bei der nachfolgenden Kontrolle wurde festgestellt,
dass es sich bei dem Fahrer um Herrn Pavlovic handelt.
Im Zuge der Kontrolle musste er aus Gründen der Eigensicherung der
Beamten durchsucht werden. Die Kontrolle dauerte nicht über Gebühr
lange.
Polizeipräsident Meise stellt ausdrücklich klar, dass die Polizei
sehr wohl weiß, dass freie Meinungsäußerung Verfassungsrang
hat, und die Polizei alle diejenigen schützt, die in rechtmäßiger
Weise von ihren Grundrechten Gebrauch machen. Es ist allerdings auch Pflicht
der Polizei tätig zu werden, wenn immer wieder im engen zeitlichen,
räumlichen und inhaltlichen Zusammenhang Straftaten nach Veranstaltungen
einer bestimmten Gruppierung bekannt werden. Die Polizei betont, dass
sie ausschließlich Aufgaben aus dem Bereich der Gefahrenabwehr und
der Strafverfolgung wahrnimmt und nicht, wie unterschwellig behauptet
wird, nachrichtendienstliche Tätigkeiten ausübt.
Polizeipräsident Meise wird das Gesprächsangebot von Herrn Pavlovic
und der Humanistischen Union annehmen.
Werner Tuchbreiter
Quelle: http://www.polizeipresse.de/p_story.htx?nr=538745 |
Express Online: Editorial | 25. März 2004
Absurdistan
Eine Verkehrskontrolle läuft im Allgemeinen
nach festen Regeln ab: Blaulicht an, "Guten Abend, Verkehrskontrolle,
Papiere bitte" und im Normalfall folgt ein "Gute Weiterfahrt".
Scheint fast so, das dem nicht so ist, sprach man gerade vor Publikum
über "Polizeiwillkür und -Gewalt in Gießen" ...
Der Bürgerrechtler Dragan Pavlovic (2. Vorsitzender der Humanistischen
Union Marburg) fuhr mit seinem Wagen nach der Diskussionsveranstaltung
am 15. März (wir berichteten) gegen Mitternacht auf der Bundesstraße
49 Richtung Reiskirchen, bis drei Zivil-Polizeiwagen mit Blaulicht hinter
ihm auftauchen. Dem wenig freiwilligen Stopp folgt eine rüde Leibesvisitation,
berichtet Pavlovic, das halbe Dutzend Beamte mühte sich auch redlich
um Gründe für den "Großeinsatz": mal Drogen,
dann eine fehlerhafte Plakette am Fahrzeugheck. Dass er nicht angeschnallt
war, will das Zivil-Kommando zudem erkannt haben. Alles Fehlanzeige.
Ein offener Brief der HU an Polizeipräsident Manfred Meise bittet
um Aufklärung.
Telefonisch geht da nichts. Also erhofft man Aufklärung von der
Pressemitteilung: Drogen? Plakette? Anschnallen? Nichts. Stattdessen
ein neuer, ja ungeheuerlicher Vorwurf: "Ungewöhnlich langsam"
bewegte Pavlovic dem Schrieb nach sein Auto auf der doch eigentlich
herrlich breiten Grünberger Straße. Woraufhin ohne ausreichend
Polizeiverstärkung nichts mehr zu machen ist. Das von der HU bereits
mehrfach dargebrachte Gesprächsangebot will Meise nun übrigens
annehmen hoffentlich nicht nur hinter verschlossenen Türen.
Christian Schulze Wenning
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