Rückblick: Pressetermine zur Präsentation
- 1. März in Berlin, 11 Uhr: Pressegespräch
im WAF-Salon, Rigaer Str.
19 Uhr: Öffentliche Vorstellung im RAW-Tempel/Ambulatorium, Revaler
Str. 99
- 4. März 2004 in Gießen (13 Uhr, Vinothek
in den Kongreßhallen-Restaurants)
Dort wurde auf Einladung der Humanistischen Union die
Dokumentation präsentiert und der Öffentlichkeit vorgestellt.
VertreterInnen der Presse waren eingeladen. Ihnen wurde bei dieser
Gelegenheit die Dokumentation als gedruckte Fassung übergeben.
Gießener Allgemeine, Express und FR waren anwesend. Presseinformation
und Internetseite der HU mit Bericht von der Veranstaltung hier
...
- Mi, 10. März, 19 Uhr, Milchbar/Mensa-Anbau in
Marburg, Erlenring 10: Protest und politische Justiz (Veranstalter:
Humanistische Union, Attac Marburg und Einzelpersonen). Info- und
Einladungsflyer (auch zum Kopieren ...) hier
...
- Mo, 15. März, 19 Uhr, Margarete-Bieber-Saal
in Gießen, Ludwigstr. 34: Podiumsgespräch "Machtmissbrauch
im Rechtsstaat" (Veranstalter u.a. Humanistische Union, PDS,
Bildungssyndikat, Infoladen, Gruppe X ...). Werbeflyer
(.rtf)
- Bericht dieser Veranstaltung und des anschließenden Polizeiüberfalls
...
- Extra-Seite zur
Veranstaltung und dem Überfall
- Extra-Seite mit den
Anzeigen gegen Personen von Polizei, Justiz, Presse und Politik
wegen falscher Verdächtigung, politischer Verdächtigung,
Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Sachbeschädigung,
Beweismittelfälschung, Meineid, uneidlicher Falschaussage
und Verleitung zu Falschaussagen
Alles darf beliebig runtergeladen, kopiert, verteilt,
zitiert usw. werden! Hier folgen die einleitenden Texte der Dokumentation.
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Pressemitteilungen verschiedener Gruppen zur Dokumentation
Solidaritäts-Initiative Berlin
25. Februar 2004
Tel. 0179 6632157
PRESSEMITTEILUNG für Berlin
Hessische Staatsorgane schränken Bürgerrechte ein.
Eine Dokumentation zeigt Parallelen zum "Daschner"-Skandal
Am Montag, 1. März 2004 wird die Dokumentation von
Fälschungen, Erfindungen und Hetze in Berlin der Öffentlichkeit
vorgestellt. Damit wird klar, dass der Fall des Frankfurter Polizeivizepräsidenten
Daschner bei weitem kein Einzelfall ist. In dem über 50-seitigen
Bericht wird am Beispiel der mittelhessischen Stadt Giessen aufgezeigt,
wie sich unter der politischen Zielsetzung der "inneren Sicherheit"
eine repressive Praxis von Politikern, Polizei, Justiz und Pressevertretern
etabliert hat. Im Raum Giessen kam es dadurch zu erheblichen Grundrechtseinschränkungen
und Rechtsverletzungen gegenüber politisch aktiven Personen und
Gruppen. In der von Betroffenen, dem Bürgerrechtsverband Humanistische
Union und weiteren Gruppen herausgegebenen Dokumentation wird anhand
zahlreicher detaillierter Fallbeispiele das staatlicher Stellen und
der Medien kritisiert:
- Erfindungen von Straftaten
- Erfindungen von Tatbeteiligungen
- Angriffe auf die Demonstration- und Meinungsfreiheit
- Hausverbote, Platzverweise, Festnahmen und Hausdurchsuchungen
- Drohungen, Gewalt und Gewaltverharmlosung
- Fälschungen von Polizei- und Gerichtsakten sowie
Datenschutzrechtsverstöße
- Filz zwischen Politik, Polizei und Presse
Die Fallbeispiele zeigen, wie staatliche Institutionen,
Parteien und Medien in Mittelhessen ihre Macht gemeinsam nutzen, um
sich ungeliebter Opposition und politischer Kritik zu entledigen.
Seit Ende 2003 ist die Giessener Justiz durch einen von 300 Polizisten
bewachten Hochsicherheitsprozess zum Kristallisationspunkt der Behörden-
und Medienkooperation geworden. Zwei betroffene Menschen sind aufgrund
ihrer politischen Aktivität zu einer Haft- und einer hohen Geldstrafe
verurteilt worden, ohne dass stichhaltige Beweise für angebliche
Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen vorlagen.
In einem PRESSEGESPRÄCH am Montag, dem 1. MÄRZ, 11.00 Uhr,
wird die Dokumentation in Anwesenheit von Herausgeber/-innen im "WAF-Salon",
Rigaer Strasse 77, Berlin-Friedrichshain vorgestellt.
Um 19.00 Uhr findet dann im RAW tempel e.V., Revaler Str. 99, (Friedrichshain)
eine Veranstaltung zur "Inneren Sicherheit" und der Giessener
Ereignisse statt.
Eine telefonische Kontaktaufnahme sowie Terminabsprachen sind über
die Solidaritäts-Initiative unter der Telefonnummer 0179 6632157
möglich.
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Freitag am 9.4.2004 (S. 16)
Der
rechts zu sehende Absatz ist ein Auszug aus einem Text über Hessens
Sicherheitsarchitektur.
Der Gesamttext:
Andreas Schug
Hessens Sicherheitsarchitektur
LAW AND ORDER Innenminister Bouffier sorgt für mehr Polizisten
und politische Kontrolle
Während in Berlin noch über eine "Kiezpolizei" zur
Überwachung des sommerlichen Grill-Terrors diskutiert wird, ist
die im Land Hessen schon Realität. Was Innensenator Ehrhart Körting
den Berliner Bezirksbürgermeistern jüngst für Anfang
2005 versprochen hat, können Hessens Bürger seit Mitte 2000
in Gestalt von vier Modellprojekten zur Kenntnis nehmen: einen "freiwilligen
Polizeidienst". Nach 50 Stunden Ausbildung erhalten die dafür
Rekrutierten ein e Urkunde und blaue Uniformen, um fortan auf der Straße,
im Park und an anderen Orten für Sicherheit zu sorgen. In dieses
"besondere öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis"
eintreten kann jeder zwischen 21 und 62, sofern er dazu körperlich
fähig ist und eine abgeschlossene Schulausbildung vorweisen kann.
Als Ehrenamtliche bekommen die Polizeihelfer, die in Zweierstreifen
zu Fuß unterwegs sind, eine "Aufwandsentschädigung"
von sieben Euro pro Stunde - sie sollen laut einer Ausschreibung der
Gemeinde Griesheim: "Präsenz zeigen, Vorbeugen, Beobachten,
Melden."
Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU), der die
Freizeitpolizei in der vorangegangenen Legislaturperiode eingeführt
hat, will nun aufs Ganze gehen. Sein Gesetzentwurf, der im Februar in
erster Lesung im Landtag diskutiert worden ist, sieht die Ausweitung
der ehrenamtlichen Streifen auf das gesamte Bundesland vor. Doch regt
sich Widerstand gegen derartige Pläne, einige Gemeinden haben den
Gesetzesvorstoß kritisiert, weil sie irreparable Folgen für
das Ehrenamt an sich befürchten. "Warum soll ich für
nichts zur Freiwilligen Feuerwehr gehen, wenn ich die Stunden im Polizeidienst
bezahlt bekomme?", dürfte sich mancher der etwa 60.000 ehrenamtlichen
Brandhelfer in Hessen fragen ..
Auch viele Bürgermeister in den kleineren Orten,
die Forderungen nach Aufwandsentschädigungen befürchten, stehen
dem Ordnungsdienst skeptisch gegenüber. Die Stundensätze für
die Hilfspolizei könnten die Gemeinden bald selbst tragen müssen.
Waren die Pilotprojekte bisher vom Land finanziert, will die Koch-Regierung
mit der Gesetzesreform ihren Haushalt entlasten und die Aufwandsentschädigungen
den Kommunen aufbürden. Die Stadt Hanau hat schon reagiert und
ihre Hobbypolizisten im März nach Hause geschickt. Oberbürgermeister
Claus Kaminsky warnte in der Lokalpresse vor dem Irrweg einer "schleichenden
Kommunalisierung der Sicherheitspolitik".
Dass diese Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen
sind, zeigt Bouffiers "integriertes Sicherheitsmodell". "Auf
kommunaler Ebene alles zu tun, was man tun kann", beschrieb der
Minister in einem Fernsehinterview das oberste Gebot von lokaler Sicherheitsarchitektur.
Alle Institutionen vor Ort müssten einbezogen sein: "die Vollzugspolizei,
ganz wichtig die Ordnungsbehörde, der Bürgermeister mit all
seinen Bediensteten, das Jugendamt, das Sozialamt, die Schulen, die
Vereine, insbesondere auch die Jugendbetreuer". Es müsse gefragt
werden, wo sich Leute extremistisch entwickeln, was aus ve rmeintlichem
Zeitvertreib heraus geschehe, was man tun könne, um "entsprechend
anzutreten". Der Wunsch des Ministers: "Wir müssen alle
Informationen zusammentragen." Lokale Präventionsräte
sind schon jetzt Pflicht in Kochs Revier, und die Erlaubnis zur öffentlichen
Videoüberwachung wird hier schnell erteilt.
In Bouffiers Heimatwahlkreis Gießen haben politische
Aktivisten gemeinsam mit der Humanistischen Union in einer Dokumentation
zusammengestellt, welche Formen ein "reger Informationsaustausch"
auf lokaler Ebene annehmen kann. Mitglieder der linken Projektwerkstatt
Saasen berichten, selbst die Kunst bleibe nicht verschont. Als eine
Bewohnerin des alternativen Hausprojekts begrenzt eine Veranstaltungsreihe
mit Künstlern aus dem ganzen Bundesgebiet vorbereitete, bat sie
den Vermieter um die Erlaubnis, einen leer stehenden Raum nutzen zu
dürfen. Der verweigerte die Zustimmung mit der Begründung,
dass die Veranstalterin "ja auch im K nast gewesen" sei. Damit
war offenbar die "Ingewahrsamnahme" wegen einer öffentlichen
Gedichtlesung gegen Repression vor dem Rathaus gemeint. Die entsprechenden
Informationen konnte der Vermieter nur von der Polizei oder anderen
öffentlichen Stellen erhalten haben. In Polizeiprotokollen tauchte
der Hinweis auf, dass "zuverlässige Pressevertreter"
die Polizei auf eine nicht angemeldete politische Aktion in der Innenstadt
hingewiesen hätten. Auch der neu eingeführte "Unterbindungsgewahrsam",
der ohne Verdacht bis zu sechs Tage dauern kann, kam Ende 2002 erstmals
in Gießen zum Einsatz. Damals wollten Mitglieder der Saasener
Projektwerkstatt gegen das Gießener Sicherheits- und Ordnungsgesetz
demonstrieren, das seinerzeit im Rathaus debattiert wurde. Seit dem
Beschluss dieses Gesetzes ist in Gießens Öffentlichkeit zum
Beispiel das Ausklopfen von Teppichen, das Schlafen unter Brücken
und der Alkoholkonsum in Gruppen ab drei Personen untersagt.
Wenn sich kein nennenswerter Widerstand gegen den freiwilligen
Polizeidienst formiert, dürften bald Lokal-Politiker ihre "eigene"
Hilfspolizei auf Streife schicken. Zur Beobachtung von Umweltverschmutzern,
Obdachlosen oder auch der lokalen Jugendszene. Dass die Hilfspolizisten
aus rechtsextremen K reisen kommen könnten, ist nach Angaben des
Fraktionsvorsitzenden und innenpolitischen Sprechers der Grünen
im Hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir, nicht auszuschließen: "In
den Pilotprojekten hat die Landesregierung sehr genau darauf geachtet,
dass das Personal nicht extremistisch gesinnt ist. Bei einer Ausweitung
im großen Stil sehe ich aber viele Fragezeichen, ob das möglich
ist." Am 9. Juni soll Bouffiers Gesetzentwurf in die zweite Lesung
gehen. Mit einem Beschluss ist dank der Mehrheitsverhältnisse in
diesem Jahr zu rechnen. Ob damit jedoch die viel beschworene "Sicherheit"
entsteht, darf bezweifelt werden. Im vergangenen Jahr hatte das Innenministerium
trotz aller Beschneidungen der Bürgerrechte einen Anstieg der Straßenkriminalität
feststellen müssen - erstmals seit 1993.
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Die folgenden Presseauszüge betreffen
die Veranstaltung am 15.3.2004 und den anschließenden, seltsamen
Polizeiüberfall am Stadtrand Gießens (mehr zu den Vorfällen
am 15.3. hier ...).
Giessener Allgemeine vom 17.3.2004

Leserbrief der Gewerkschaft der Polizei

Giessener Anzeiger am 19.3.2004
19.03.2004 02:24 Uhr
Vorwürfe gegen Polizei und Widerspruch
von Meise
GIESSEN (rsl). In einem offenen Brief hat der Landessprecher der Humanistischen
Union, Franz-Josef Hanke, die Gießener Polizei scharf attackiert
und ihr darin einen Übergriff auf einen Bürgerrechtler vorgeworfen.
Die Jusos bezeichneten den Vorfall in einer Erklärung als offensichtlichen
Einschüchterungsversuch. Polizeipräsident Manfred Meise weist
diese gegen seine Beamten erhobenen Vorwürfe mit Nachdruck zurück.
Ausgangspunkt war die Veranstaltung "Missbrauch im Rechtsstaat"
am Montagabend, den die Humanistische Union gemeinsam mit anderen politischen
Gruppen, so auch dem Juso-Unterbezirk, organisiert hatte, bei dem die
Übergriffe von Polizei und Justiz in Gießen thematisiert
wurden und es unter anderem um Repressionsversuche gegen Aktivisten
aus dem Umfeld der Projektwerkstatt in Saasen ging.
Nach der Veranstaltung und dem anschließenden Besuch in einem
Lokal heißt es in dem offenen Brief, befand sich der 2. Vorsitzende
des Ortsverbandes Marburg der Humanistischen Union, Dragan Pavlovic,
zusammen mit anderen Personen auf der Heimfahrt, als er am Stadtrand
von Gießen von drei Zivilsteifenwagen mit Blaulicht angehalten
worden sei. Die Beamten hätten die Aktion mit einer Verkehrskontrolle
begründet, er sei nach Waffen durchsucht worden, man habe ihm mit
einer Widerstandsanzeige gedroht und nacheinander verschiedene Begründungen
für diese Kontrolle geliefert.
Pavlovic, sowie der Sprecher der Humanistischen Union und Christoph
Weinrich, Sprecher der Jusos, sehen in der Kontrolle einen Übergriff
auf einen gewählten Vertreter einerBürgerechtsorganisation
sowie einen schikanösen Einschüchterungsversuch. Hanke schlug
Polizeipräsident Manfred Meise ein Gespräch vor.
Dieses Angebot werde er annehmen sicherte Meise zu, wies aber die erhobenen
Vorwürfe mit Nachdruck zurück. Richtig sei, so Meise, dass
das Fahrzeug mit Pavlovic am Steuer in der Nacht zum Dienstag in der
Grünberger Straße zum Zwecke einer Verkehrskontrolle angehalten
wurde. Zum Zeitpunkt des Anhaltens hätten die Beamten nicht gewusst,
wer die Fahrzeuginsassen waren. Deshalb könne von einer geplanten
Einschüchterung nicht die Rede sein.
Gegen 23.50 Uhr sei das Fahrzeug einer Streife aufgefallen, weil es
angesichts der breiten Fahrbahn ungewöhnlich langsam fuhr. Die
Streifenbesatzung habe Verstärkung angefordert und sich zu einer
Verkehrskontrolle entschlossen. Im Zuge der Kontrolle habe der Fahrer
aus Gründen der Eigensicherung der Beamten durchsucht werden müssen.
Die Kontrolle habe aber nicht über Gebühr lange angedauert,
so der Polizeipräsident.
Polizeipräsident Meise stellt ausdrücklich klar, dass die
Polizei sehr wohl wisse, dass freie Meinungsäußerung Verfassungsrang
habe, und die Polizei alle diejenigen schütze, die in rechtmäßiger
Weise von ihren Grundrechten Gebrauch machten.
Es sei allerdings auch Pflicht der Polizei tätig zu werden, wenn
immer wieder im engen zeitlichen, räumlichen und inhaltlichen Zusammenhang
Straftaten nach Veranstaltungen einer bestimmten Gruppierung bekannt
würden. Die Polizei betont , so Meise, dass sie ausschließlich
Aufgaben aus dem Bereich der Gefahrenabwehr und der Strafverfolgung
wahrnimmt und nicht, wie unterschwellig behauptet werde, nachrichtendienstliche
Tätigkeiten ausübe.
Quelle: http://www.giessener-anzeiger.de/sixcms/detail.php?template_id=2449&id=1330966&_zeitungstitel=1133842&_resort=1103635
Gießener Allgemeine zu dem nächtlichen Vorfall
und dem Protest

FR zum Vorfall (22.3.2004) und Express (25.3.2004)
 
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