Radikal leben ...
Ist die Projektwerkstatt eine Kommune, Gemeinschaft, Hausprojekt oder wenigstens eine WG? Nein!
Widerstands-NomadInnen ++ Kritik an bisherigen WGs im Haus ++ Links
Bitte kein Wohnprojekt!
Die Projektwerkstatt ist eine politische Aktionsplattform. Für reines Wohnen oder die Kombination von Wohnen und fremdbestimmter Tätigkeit (Lohnarbeit, Studium, Schule ...) soll sie nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Idee der kreativen, offenen und widerständigen Aktionsplattform ist unlösbar konkurrierend zum Anspruch von Menschen, sich nur ihr Nest zu bauen oder gar das für politische Ziele geschaffene zum Privaten umzunutzen. Für Letzteres stehen Millionen von Räumen in der Republik zur Verfügung. Die Projektwerkstatt ist ein Projekthaus mit Übernachtungsmöglichkeiten - einmal für Gastgruppen (Seminarhaus), einmal für Menschen, die hier mitwirken oder auf Zeit an etwas werkeln wollen. Sich einzurichten, private Zonen zu schaffen, ist nicht angesagt. Allerdings: Die Projektwerkstatt ist ein offener Raum. Es gibt keine Verbote. Aber Auseinandersetzung. Wer also doch Nester bauen oder in der Projektwerkstatt abhängen bzw. sich versorgen lassen will mit Essen, Wärme, Räumen, Technik, Lesestoff, Zeitvertreib (Aktionsberichte ...), sollte nicht überrascht sein über Konflikt-Kommunikation. Hoffentlich werden immer genügend Menschen den offenen Raum organisieren und verteidigen, dass die Menschen, die für sich Räume besetzen wollen, auf Banken, Gerichte, Bürotrakte und leerstehende Häuser ausweichen müssen. Auch wenn das anstrengender sein kann als bei Mami oder in der Projektwerkstatt.
- Die Projektwerkstatt kann aber auch von Menschen genutzt werden, die systematisch versuchen, offene Räume zu organisieren und zu vernetzen. Formuliert ist das in der Idee der Widerstands-NomadInnen (siehe unten ++ Text in: grünes blatt 3/2007 (Bestellseite)
- Daneben gibt es weitere nomadische Netzwerke, die weniger offene Räume und deren Aufrechterhaltung in den Mittelpunkt rücken, sondern das Herumreisen und Aktivsein bzw. Lernen an vielen Orten. Mehr hier ... ++ Kritische Diskussion in: grünes blatt 3/2007 (Bestellseite)
Widerstandsnomadisch leben ... und die Projektwerkstatt
Stell’ Dir vor ...
Es gibt mehrere Häuser, Plätze, besetzte Flächen, auch ein paar umherfahrende Wägen oder herumgeschleppte Zelte, aber in denen wohnt niemand fest. Stattdessen können sie jederzeit von Menschen genutzt werden, die in ihnen Aktionen vorbereiten, Schriften erstellen, an Projekten arbeiten, sich in Themen einlesen, Seminare und Trainings veranstalten und vieles mehr. Zwischen diesen Menschen gibt es einen Austausch, sie kümmern sich jeweils darum, die Räume und Plattformen aufrechtzuerhalten, bauen neue hinzu, schleppen neue Sachen an, die nützlich sind für ein unabhängiges und widerständiges Leben. Die Kraft für eine eigenes Zimmer und den ganzen Kram, der sich ‚Eigentum’ nennt, kann verwendet werden für Aktionen, Kommunikation und Kooperation. Klingt gut? Schade. Denn die Idee ist eigentlich nicht neu. Aber gut finden reicht nicht, sondern der Ausstieg aus dem Mitmachen ins Selbstmachen ist etwas Aktives, Überlegtes und Gewolltes. Ich würde mich freuen, wenn es endlich, endlich einen bunten, nach außen offenen, chaotischen, aber doch immer wieder gut organisierten Haufen von Widerstands-NomadInnen gäbe. So etwas wie die Feldbesetzungen dieses Frühjahres dürfen nicht die Ausnahme von der Norm sein ...
Zur Projektwerkstatt gehört ein Stockwerk mit Küche, Bad und dem Dach, in dem 13 Betten kreuz und quer, z.T. als Hochbetten zu finden sind. Es ist Platz für Menschen, die hier in der Projektwerkstatt leben wollen ... für ein paar Stunden, für ein paar Tage, für länger oder immer mal wieder. Allerdings ist die Idee, hier auch eine dauerhafte WG oder kleine Kommune zu entwickeln, immer gescheitert. Es wirkt, als könne das auch nicht gehen. Der "wilde" Charakter der kreativ-widerständigen Aktionsformen, die rund um die Projektwerkstatt immer wieder geschehen, zieht eher Menschen mit Anarcho-Flair an, denen aber oft (nicht immer!) die Fähigkeit zur Selbstorganisierung und der Wille zur vertieften politischen Debatte fehlt, die handwerklich (sowohl beim Hausausbau wie auch im Haushalt oder auch in politischen Aktionsmethoden) vielfach wenig oder nichts können und dann in der Projektwerkstatt viel lernen müssten, um überhaupt mit dem hohen Selbstorganisierungsgrad und den intensiven Diskussionen um Utopien, Hierarchieabbau usw. klarzukommen. Die bisherige Erfahrung ist negativ: Die Erlebnis-Anarch@s, die in die Projektwerkstatt kommen, weil die irgendwie "cool" ist, scheitern sehr schnell - meist schon nach Stunden! Doch auch aus denen, die es langfristiger probierten, ist nicht eine dauerhafte Gruppe entstanden. Wer feste Strukturen kennt und braucht, wer auch innerhalb politisch-widerständigem Engagement nach festen Rollen oder gar Posten sucht, trifft in der Projektwerkstatt auf eine andere Welt und wird sich verloren vorkommen.
Politik heißt etwas wollen.
Olof Palme (früherer schwed. Ministerpräsident)
Das gilt viel mehr für die Projektwerkstatt. Dort agieren heißt: Etwas wollen.
Wer in die Projektwerkstatt kommt, sollte etwas wollen. Eine Idee haben von den Tagen, die er/sie dort verbringen will. Nichts muss fertig sein, es gibt viel Anschauung und Möglichkeiten, sich Wissen und Fähigkeit zu erwerben, sich inspirieren zu lassen für Aktionen usw. Menschen, die schon länger dabei sind oder bestimmtes Wissen haben, können gefragt werden. Aber: Wenn Du überlegst, in der Projektwerkstatt eine Zeit zu sein, dann muss das von Dir ausgehen. Hier ist kein Haus, in dem PraktikantInnen an Kopierer gestellt werden, ChefInnen sagen, was am Tag zu tun ist ... Auch die schon lange in der Projektwerkstatt aktiven Menschen kopieren und sortieren ihre Flyer selbst, putzen das Tagungshaus vor einem Gruppenbesuch (und meistens auch danach, weil auch die Gruppen, die z.B. für ein Wochenende hierherkommen, aus Menschen bestehen, die sowas - noch - nicht können ... und manchmal auch nicht wollen) oder machen die Buchhaltung. Es besteht keine Hoffnung, sich in der Projektwerkstatt mit den übrigbleibenden Arbeiten der anderen zu beschäftigen. Du musst eigene Ideen und einen eigenen Willen haben. Mit dem ist dann viel an Kooperation möglich. Aber wenn von Dir nichts kommt, wirst Du erleben, dass Dich niemand der in der Projektwerkstatt politisch aktiven Menschen mehr anspricht - denn horizontale Kommunikation gibt es dann nicht mehr, wenn Einzelne viel machen und viele Ideen haben und andere hoffen, deren Ideen mit ausführen zu können.
Das schafft Probleme für viele, die die Projektwerkstatt besuchen und sich dann einsam fühlen, weil hier die klassische soziale Gruppenbildung nicht angesagt ist. Denn die besteht daraus, dass Menschen zueinander finden, weil sie sich in ihren Rollen gegenseitig ergänzen und so zusammen "können". Doch diese Rollen sind meist dramatisch herrschaftsförmig - in "Beziehungen", in Gruppen, in Wohnprojekten, in Arbeitskollegien usw. Da aber selbst die Menschen in den dienenden Rollen (meist weiblich) äußerst gern in solchen Verhältnissen stecken, weil sie dann überhaupt Teil eines Geborgenheit vermittelnden sozialen Gruppengeflechts sind, sind rollenorientierte Gruppen und Beziehungen zwischen Menschen äußerst stabil. Sie werden selbst nach schlechten Erfahrungen immer wieder aufgesucht (wenn auch mit wechselnder Besetzung).
Die Projektwerkstatt sollte mal ein Experiment für etwas anderes sein. Da es keine Vorgaben gibt im Haus, kann das auch immer noch sein. Allerdings ist das Scheitern bisher unübersehbar. Daher gibt es andere Vorschläge für das Leben in der Projektwerkstatt, die erstmal ganz verhindern, dass eine dauerhafte Wohngruppe entsteht. Nach Erfahrungen aus anderen Kommunen, selbstverwalteten Projekten usw. ist die Entstehung dauerhafter sozialer Gruppen mit ihren Rollenlogiken und dem Hang, Offenheit zugunsten eigener Geborgenheitsvorstellungen, dem Abwehren des "Draußen" aus dem eigenen Nest usw. der häufige Killer für offene, kreative und widerständige Räume. Für die Projektwerkstatt wäre das der Tod. Der Flair, ein Gegenprojekt zu sein und dieses experimentell ständig fortzuentwickeln, soll tragende Säule des Ganzen sein und bleiben.
Denn der Wille, dagegen zu sein, bedarf in Wahrheit eines Körpers, der vollkommen unfähig ist, sich einer Befehlsgewalt zu unterwerfen; eines Körpers, der unfähig ist, sich an familiäres Leben anzupassen, an Fabrikdisziplin, an die Regulierungen des traditionellen Sexuallebens usw. (Sollten Sie bemerken, dass ihr Körper sich diesen >normalen< Lebensweisen verweigert, so verzweifeln Sie nicht - verwirklichen Sie Ihre Gaben!). Doch der neue Körper muss nicht nur radikal ungeeignet für die Normalisierung sein, sondern auch in der Lage, neues Leben zu schaffen.
Aus: Hardt/Negri (2000), "Empire", Kap. "Intermezzo: Gegen-Empire" (S. 227)

Im rechten, vorderen Haus befinden sich die Wohnküche in 1. und der große Bettenraum im 2. Stock (Dach)
Vorschlag für ein buntes, wechselndes Leben in der Projektwerkstatt ohne Dauerhaftigkeit
1. These: Projektwerkstatt und dauerhaftes Leben im Sinne eines eingerichteten Alltagsablaufs passen nicht zueinander. Normalität im Leben einer dauerhaften Wohngruppe würde die Projektwerkstatt ebenso zerstören wie die reine Orientierung auf Erlebnis-Widerständigkeit, die mehr aus rituellen Handlungen (Revoluzzer-Zeichen tragen, Parolen brüllen, kiffen und schwarze oder bunte Klamotten tragen, radikalverbale Internetseiten gestalten ...) besteht als aus selbstorganisierter Widerständigkeit, die ja eine kreative Aktivität ist.
2. These: Weil das so ist oder zumindest die Gefahr sehr groß ist, kann die ständige Hoffnung auf eine dauerhafte Wohngruppe das Projekt schnell zerstören, weil sie dann ohne kritische Reflexion auf die typischen Prozesse in solchen Gruppen zustande kommt und anschließend den Charakter des Hauses in eine verschlossenere, verregeltere Richtung verändern wird.
3. These: Da die Projektwerkstatt aber über keine hauptamtlichen Stellen verfügt, die zudem aus gleichen Gründen gefährlich wären, würde das Fehlen von in der Projektwerkstatt lebenden Menschen das Haus phasenweise leer stehen lassen. Zudem fänden Menschen, die das Haus nutzen wollten, keinerlei AnsprechpartnerInnen mehr, von denen sie Hilfe und Wissen einfordern könnten.
4. These: Eine mögliche Lösung für dieses Dilemma wäre die bewusste Entscheidung für eine Form des Lebens in der Projektwerkstatt, in der keine Dauerhaftigkeit entsteht. Will heißen: Es sind immer wechselnde Menschen im Haus, die hier über kurze oder längere Zeit wohnen und den Laden aufrechterhalten, verändern, nutzen, prägen ...
5. These: Da es gefährlich ist, wenn Menschen einfach so in der Projektwerkstatt leben und z.B. ihre Rolle als Dienende für das irgendwie als wichtig empfundene Projekt finden, sollte es der Normalfall sein, dass die Menschen, die dann im Haus leben, für diese Phase selbst definieren, was sie dort wollen. Das kann dann auch die Wirkung haben, dass (in den Fällen, wo das auch bekannt werden kann) mit jedem "Wechsel" wieder neue Ideen ins Haus kommen, andere Menschen hinzukommen, die daran jetzt mitwirken ...
6. These: Dieses "Wollen" in der Projektwerkstatt kann ein Projekt, ein Seminar oder eine Seminarreihe (incl. Vor- und Nachbereitung) sein, das Sägen von Heizholz, das Aktualisieren im Archiv, das Aufnehmen von Musikstücken, das Layouten einer Broschüre ... oder (sehr empfohlen) eine Mischung aus allem.
Konkret
Es entsteht ein Kreis von Menschen, die mit der Projektwerkstatt vertraut sind und hier auch ohne fremde Hilfe agieren können. Voraussetzung ist vor allem, die technischen Einrichtungen der Projektwerkstatt zu kennen. Hilfreich ist handwerkliches Basiswissen.
- Wir machen einen Kalender (z.B. als Wiki zum Selbsteintragen?), wo Menschen sich und ihre Vorhaben, ihre Ansprechbarkeit (Telefon, Mail oder was sie wollen) eintragen, wann sie wie in der Projektwerkstatt sein wollen.
- Jede Person oder Runde, die eine Phase übernimmt, sollte voreher ansprechbar sein, damit z.B. die die Gruppe/Person vorher Dinge klären kann, sich Gastgruppen für diesen Zeitraum anmelden und Rücksprachen halten können ...
- Soweit erwünscht (und das wäre toll), machen wir auch öffentlich, wer wann und vor allem mit welchen Ideen, Projekten ... in der Projektwerkstatt ist.
- Neue Menschen, die hinzukommen wollen, können sich das Know-How der Projektwerkstatt erwerben und dann fortan auch selbst mitmischen. Dafür hilft die schon bestehende "TA Saasen" als Anleitung, aber auch das Lernen von den schon länger in der Prowe agierenden Menschen.
- Was gerade anliegt in der Projektwerkstatt, sollte von Gruppe zu Gruppe als Information weitergeben werden, damit die ständigen Repro-Arbeiten (Aufräumen, Renovieren, Sachen organisieren, Bestand an Material ständig aufrechterhalten oder ergänzen, Putzen, Werkstätten ausweiten, Außengelände ...) ständig laufen können. Die Horrorvorstellung wäre ja eher, wenn viele ihren Aufenthalt als Urlaub von zuhause begreifen und einzelne dann in ihrer Zeit nur noch hausmeistern müssen ... (zur Zeit ist es kaum noch möglich, alles hinzubekommen, weil sich fast alle Gäste im Haus um die Aufrechterhaltung der Werkstätten und Archive, kaputte Geräte einfach irgendwo hingelegt werden usw.).
- Die Kommunikation kann direkt, per Infobuch im Haus, ständiger Aktualisierung z.B. der Liste gesuchter Materialien/Sachspenden, der Terminliste, To-do-Pinnbretter usw. erfolgen.
- Camps, Kongresse, Seminare, Aktionstage und mehr können zudem Gelegenheiten sein, sich direkt zu treffen und auszutauschen. Wenn das nicht reicht, sind auch gezielt verabredete Treffen aller (z.B. in der Projektwerkstatt) möglich.
Beispiel und Utopie
Um das Ganze plastischer zu beschreiben, mal ein mögliches Bild der Zukunft mit ausgedachten Namen und Projekten. So könnte es aussehen ...
| Wer?? | Wann?? | Was?? |
Frauke, Narri und Penta |
1.-17.3.200... |
Schreiben Referat zusammen zum Thema XYZ. Dabei sortieren wir auch gleich die Bibliothek durch. Außerdem wollen wir ... |
Die SympathisantInnen aus X-Stadt kommen mal wieder!!! |
15.-28.3.200... |
Wir wollen endlich das Tandem und den Hänger schweißen. Aber das ist nicht alles ... |
Kreuzberg-WG |
wissen wir noch nicht genau, ca. April 200... |
Endlich mal einen korrekten Gaaaaaten anlegen! |
geht Euch nix an! |
über Ostern |
das angekündigte Seminar und die Tage rundherum zum Vorbereiten, Heizen und Aufräumen |
Die Telefonnummer oder andere Kontaktdaten liegen in der Projektwerkstatt, so dass die dort Agierenden die nächsten immer erreichen können, z.B. um was abzuklären.
Erweiterung der Idee: Vielfalt überregional
Aus einer Mail von Jörg
Das Modell, dass es in offenen Räumen zwar auch immer oder möglich häufig Räume zum Leben (und nicht „nur“ zum Projektemachen) gibt, aber diese nie einer dauerhaften WG „gehören“, ist natürlich nicht nur in Saasen möglich. Wenn es aber mehrere Häuser, Plätze, Mobile (Wägen, Zelte usw., die jeweils an verschiedenen Orten für eine Zeit bestehen können – z.B. zum Castor im Wendland, auf Camp, zur Nato-Konferenz in München usw. ... und eben da auch mit wechselnden Besatzungen) gibt, dann könnte die ganze Idee noch viele Erweiterungen erfahren. Es gäbe dann in verschiedenen Orten unterschiedliche Projekte, in denen ein Kreis von Menschen sich auskennt und zwischen diesen wechseln kann. Es gibt kein schematisches Rotieren, denn alle werden sicher Vorlieben haben bzw. behalten, wo sie sich wohler fühlen, wo die Ausstattung passender für ihre jeweiligen Anliegen ist usw. Wenn die Häuser, Plätze und Mobile unterschiedlich sind, ergibt sich schon daraus, dass das Wechseln zwischen ihnen naheliegend ist.
Beispiel, aus meiner Sicht beschrieben:
- Um Pfingsten rum wird der Direct-Action-Kalender gemacht. Ich verabrede mich mit weiteren, die daran mitwurschteln, für die Tage in Saasen. Da machen wir dann aber eben nicht nur den Kalender, sondern in der Phase auch die ganze Projektwerkstatt ... ich sortiere „meine Ecken“ im Archiv, starte zwei Aktionen in Gießen und baue am XXX weiter.
- Drei Wochen später sind Seminare und Workshops im Raum Leipzig, Halle und Magdeburg geplant. Die Zeit verbringe ich in Magdeburg und fahre von dort aus weiter. Bei der Gelegenheit mache ich in MD noch ...
- Schließlich fahre ich nach ...
Für jede Phase verabrede ich mich auch wieder neu mit den Leuten, die da auch gerade sein wollen oder an gleichen Projekten mitwirken.
Grundlage für eine solche Entwicklung mehrerer Projekte wäre, dass diese eine hohe Offenheit haben. Ich jedenfalls möchte nicht so agieren, dass ich ständig wieder neu darum kämpfen muss, ob ich oder andere auch hier oder da hinkönnen. Eher stelle ich mir vor, dass eine zwar offene, aber auch feste Runde von Menschen einfach mehrere Häuser, Plätze und Mobile hat, die dieser Runde aber nicht gehören, aber von ihnen aufrechterhalten und gleichzeitig genutzt werden. Beim Gedanken an dieses Modell kommt mir dann auch die Stiftung FreiRäume als der oder ein möglicher Rechtsträger der Teile des Ganzen – natürlich jeweils mit Autonomievertrag, denn die Stiftung soll ja nicht zur Machtzentrale werden, sondern nur Rechtsträger sein ohne Mitspracherecht über die Garantenstellung der Offenheit hinaus.
Problemfrei wären meines Erachtens auch Mischprojekte, wo offene Teile mit festen „privaten“ Einheiten zusammen existieren. Allerdings sollten die offenen Teile auch möglichst garantiert offen sein – ich hätte sonst wenig Motivation, mich da bei Aufbau und Aufrechterhaltung zu engagieren, wenn ich dann immer aufpassen muss, mich mit irgendwelchen formal Mächtigen nicht zerlegen zu dürfen, weil die mich sonst rausschmeißen und alle bis dahin geleistete Arbeit vor mir absperren und sich selbst re-aneignen.
Unabhängig davon kann um ein solches Geflecht von Kooperationen und offenen Projekten ein Netzwerk von Kooperationen noch mit weiteren Projekten entstehen, z.B. in Form von Nutzungsgemeinschaften an Geräten ...
Rückblick auf kritische Gedanken zum Wohnen in der Projektwerkstatt
Persönliche Einschätzungen zur Frage, warum ein Wohnprojekt in der Projektwerkstatt vielleicht einfach falsch ist ...
Stand: März 2006
Die Projektwerkstatt ist eine "eigentumsfreie Zone". Seit Anfang 2006 gibt es auch kein Zimmer mehr, das jemand als Privatbereich hält (bis dahin hatten Einzelne das einfach noch gemacht). Seit dem ist alles "offener Raum" - also ein unkontrollierter Bereich, in dem die jeweils Anwesenden und am Haus Interessierten durch ihr Handeln das Geschehen prägen.
- Zweimal hat es schon Phasen mit 4-6 Leuten in der Projektwerkstatt gegeben und es war auch viel los dann immer. Allerdings hielt das nicht - für viele ist alternatives Leben nur eine Art Auszeit, ein kurzer Lebensabschnitt des (oft enthusiastischen, aber nicht fundierten) Protestes gegen Etablierung und Normalität, in die die Menschen dann aber wieder eintauchen. Zur Zeit gibt es gerade wieder keine WG.
- Platz ist im Wohnbereich für viele Leute - aber es gibt keine Privaträume, sondern ein großer Dachraum mit Betten und Hochbetten sowie 2 Bauwägen, die noch auf Renovierung warten. Privaträume aber sind nicht angesagt ... davon gibt es schließlich Millionen in Deutschland.
Die Einsamkeit politischen Engagements
Inzwischen ist die zweite Projektwerkstatts-WG (2001-2004) aufgelöst und die letzten Leute verabschieden sich - manche gerieren sich gleich als handfeste Projektwerkstatts-GegnerInnen in Abarbeitung der Vergangenheit. Letztlich ist das keine Überraschung und passt auch zu den Einstellungen vieler politischer Gruppen rund um die Projektwerkstatt, die vielfach einen ganz anderen politischen Stil fahren von hoch-identitär (als feste Gruppe mit festem Namen und Label - und auch immer in dieser Runde als "Wir" auftretend) bis stark orientiert auf Machtstrukturen (AStA-Posten ergattern, Parlamentarismus und Wahlkämpfe führen, Kungeln mit der Stadt für Gebäude, Demoanmeldungen, Zuschüsse oder gemeinsame Veranstaltungen) und formal vorgegebene Politikformen (vor allem Demonstrationen - also die Protestform, die der Staat auch offiziell als anerkannte Protestform festgeschrieben hat). Insofern gibt es zwischen Aktiven in der Projektwerkstatt und festen organisierten politischen Gruppen immer wieder Reibereien. Darüber hinaus gilt auch in Gießen, was überall gilt: Die meisten Gruppen interessieren sich vor allem für sich selbst und ihr Detailthema. Kooperation und Austausch finden insgesamt kaum statt. Die meisten Gruppen paktieren öfter mit der Gegenseite (Stadt, Staat, Polizei, Wirtschaft ...) als mit anderen politischen Gruppen. Wer das weiterhin will, muss zur Projektwerkstatt Distanz halten, denn Papi Staat und seine Interessensgruppen mögen die nicht - und auch alle nicht, die mit ihr kooperieren. Wer was werden will als Gruppe oder im Leben, sollte sich dem bunten Haus in Saasen fernhalten.
Besonderheiten des Lebens und Agierens in der Projektwerkstatt
Das wichtigste voran: Es gibt die Projektwerkstatt als Gruppe gar nicht. Zwar wird das von allen möglichen Seiten immer wieder behauptet, aber das macht es nicht richtiger. Die Polizei spricht von "Umfeld der Projektwerkstatt", weil sie einen TäterInnenkreis für lauter Sachen brauchen, wo ihre Aufklärungsquote einfach Null ist (siehe z.B. die Polizeistatistik des Jahres 2003). Die Presse macht einzelne Personen, die auch in der Projektwerkstatt agieren, zu Leitern oder Führern derselben. Wie das aber genau gehen soll, erklären sie nicht. Wie leitet mensch ein Haus? Lassen sich Möbel, Türen oder Waschbecken dirigieren? Den Vogel schießen dann autoritäre linke Gruppen ab, die auf die Kritik von Menschen aus der Projektwerkstatt an Hierarchien keinen Bock haben (z.T. weil es ihre Position gefährdet) und deshalb gegen die Projektwerkstatt stänkern. Höhepunkt: Das sei eine Sekte mit einem Guru vorne dran. Nun sei hier über Personen und ihre Art nicht spekuliert - aber was ist ein Guru ohne Menschen, gegenüber denen er Guru ist?
Denn: Die Projektwerkstatt ist ein Haus, ein offener Raum mit einer attraktiven Ausstattung für politische Aktionen, Projektetreffen, Seminare usw. Eine feste Gruppe im Haus oder für das Haus gibt es aber gar nicht. Es gibt keine regelmäßigen Treffen, kein Plenum - einfach nichts. Das soll auch so bleiben. Wer sich in der Projektwerkstatt engagiert, macht das aus eigenem Antrieb und mit eigenen Ideen. Kooperationen und Kommunikation sind möglich und gut - aber nicht als identitäres Gehabe. Es entsteht keine feste Gruppe und kein formalisierter Zusammenhang, der die Projektwerkstatt dann trägt. Mal sind es mehr, mal weniger Personen. Mal haben sie viel Kontakt, mal wenig. Mal wohnen mehrere davon länger im Haus, mal nicht. Es gibt keine Regel, keine Form und deshalb auch keine Gruppe. Die Projektwerkstatt ist das Haus. Wenn Leute unbedingt formalisierte Gruppen gründen und ihnen Namen geben wollen - bitte. Es hält sie hier niemand ab. Aber sie sind dann eben diese Gruppe, nicht die Projektwerkstatt. Das Haus bleibt ein Haus.
Für Menschen, die die Projektwerkstatt nutzen wollen - egal ob nur mal kurz oder für länger - bedeutet das, dass sie nicht (wie sonst in politischen Zusammenhängen und in der ganzen Gesellschaft üblich) in eine bestehende Gruppe einfach eintauschen, Mitglied u.ä. werden und dann die Verhaltensweisen der Gruppe kopieren. Alltag und politische Aktion sind hier selbstorganisiert. Das ist nicht ein Label, sondern eine Form des Handelns. Das Haus ist eine große Experimentierfläche dazu. Niemand muss schon fit sein in Sachen Selbstorganisierung. Aber die bloße Ablehnung von Fremdbestimmung und dann das sich Einnischen in identitäre Gruppen, das reine Mitmachen bei der Sache anderer - das ist keine Selbstbestimmung. In der Praxis schafft das vor allem Probleme. Das Normale zu tun, ist einfacher, wenn mensch 10, 15, 20 oder mehr Jahre darauf gedrillt wurde ...
Es knirscht im Getriebe, richtig dolle ...
Nein, die Projektwerkstatt ist keine Insel der Glückseligkeit. Der Wille, auf interne Hierarchien, identitäres Geborgenheitsgefühl in der festen Gruppe, Fremdbestimmung durch regelmäßige Termine und Aufgabenverteilung per Gruppenabsprache oder gar Plenum zu verzichten, schafft eine extreme Offenheit, in der viele sich nicht mehr zurechtfinden - jedenfalls, wenn sie ohne einen klaren Begriff für diese Situation in der Projektwerkstatt herkommen.
- Politische Aktivitätsphasen sind bei fast allen Menschen nur kurz, meist nur ein oder wenige Jahre. Aus einer Unzufriedenheit, euphorisiert durch oft naive Vorstellungen von der Wirksamkeit bestimmter Aktionen, Parolen oder Gruppen steigen Menschen ein und verschwinden nach dem Erlöschen der Euphorie wieder in die gesellschaftliche Normalität - ganz ohne politisches Engagement oder reduziert in eine stark formalisierte Art, z.B. regelmäßig einmal pro Woche einen Abend in einer festen Gruppe. Die meisten politischen Gruppen und auch fast alle ex-politischen Kommunen sind diesen Weg mitgegangen. In der Projektwerkstatt war das immer anders - am Ende gingen die ermüdenden Personen, damit das dann erstmal wieder leere Haus die Chance für einen Neuanfang hat, der zwar wieder nur eine neue solche Welle wird, aber immerhin. Der Ausstieg am Ende einer solchen Phase ist dabei immer eine Härte und mit Streit verbunden, die der Entfremdung folgt. Vielleicht sollte eine Lehre sein, zukünftig früher den Schlussstrich zu ziehen nach dem Motto: Das war gut, aber nun das Haus räumen für etwas Neues. Die Projektwerkstatt soll nicht alt werden mit den Leuten in ihr, sondern in der Konzeption des "offenen Raumes" immer wieder mit neuen Ideen gefüllt werden. Nur dem stetigen Anfang wohnt der Zauber der Widerständigkeit inne ...
- Projektwerkstatt ist ein ständig offener sozialer Prozess - und daher anstrengend. Alles hier ist "offener Raum". Das ist gelebter Kulturbruch und steht den Zurichtungen auf Hierarchien, Ordnung, Zuständigkeiten und Normierung völlig entgegen. Es gibt nur begrenzt Rückzugsmöglichkeiten und Privatheit. Das ist gewollt, schließlich stehen für das andere Millionen anderer Wohnungen zur Verfügung. In der Projektwerkstatt ist nichts sicher, alles kann immer in Frage gestellt werden. Das eben noch Selbstverständliche ist plötzlich umkämpft. Themen wechseln, Aktionsstile auch ... das jedenfalls ist die Idee. Praktisch scheitert sie daran, dass die meisten Menschen genau Wiederholung, Identität, feste Orientierung usw. im Leben suchen, auch wenn sie sich das mit linksradikaler Attitüde nicht eingestehen. Hier in der Projektwerkstatt geht es aber nicht um linksradikalen Schein, sondern um das Ausprobieren bunten, selbstorganisierten Lebens.
- Die Projektwerkstatt ist ein widerständiges Haus und damit kein einfaches Pflaster. Hobby-Politik ist woanders, in den Einmal-in-der-Woche-abends-Gruppen, wo sich auch getroffen wird, wenn nichts ansteht, aber auch keine zusätzliche Kraft entsteht, wenn es mal nötig wäre. Wo es auch nicht so schlimm ist, wenn es nicht klappt. Die Projektwerkstatt soll ein Ort sein, wo gesellschaftliche Veränderung wirklich zumindest gewollt ist. Widerstand ist hier nicht nur eine Simulation, auch wenn Üben, Trainieren, Ausprobieren und aus Fehlern lernen immer dazu gehören.
- Gemütlichkeit soll hier nicht einziehen. Wer nur Entscheidungen im Konsens treffen will, der Rest solle aber normal bleiben, ist hier falsch. Und wer findet, dass es vor allem und am besten 24 Stunden am Tag darum geht, über seine eigenen Probleme zu reden, auch. Nicht dass das falsch wäre - aber viele andere Orte der genannten Art gibt es schon. Ebenso haben fast alle Häuser Privatzimmer, Privateigentum usw. Die Projektwerkstatt nicht. Und das soll so bleiben, weil es absurd wäre, eines der wenigen Häuser, die mal anders sind, zu normalisieren - und das dann noch als politische Kommune oder alternatives Leben zu verkaufen. Natürlich heißt das nicht, dass die Hängematten im Archiv oder Partyraum nicht benutzt werden dürfen. Ganz im Gegenteil: Ein selbstorganisiertes Leben heißt auch, sich immer wieder neu zu erfinden und bewusst zu entscheiden, welcher Lebensstil und welcher Alltagsinhalt gerade angesagt sein soll.
- Selbstorganisierung ist in der Projektwerkstatt keine Nebentätigkeit. Nur so zum Spaß mal ein bisschen containern oder, weil es cool ist, ein bisschen Mohrrüben anbauen, das ist Hobby, aber kein selbstorganisiertes Leben. Wenn das nicht klappt, wird doch einkaufen gegangen? Und wenn das Geld nicht reicht, wird gejobbt? Nein danke, diese Welt soll draußen bleiben. Hier ist Selbstorganisierung Gegenwelt, d.h. sie ist der Normalfall. Das aber geht nicht, wenn sie nur nebenbei oder nur bei gutem Wetter betrieben wird. Selbstorganisierung braucht Know-How, um effizient zu gelingen - und das soll sie, damit sie Zeit und Energie für ein widerständiges Leben spart und nicht kostet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Fast alles Handwerkliche kann hier selbst gemacht werden, die Container-Raubzüge füllen den Keller mit einem beeindruckenden Lebensmittelreichtum an, Mobilität per Fahrrad und Trampen gelingen planvoll usw. Die Unterstützung von außen ist dabei leider minimal, aber dennoch klappt es recht gut - eben deshalb, weil es inzwischen effizient geregelt ist und die Menschen hier sich viel Know-How aneignen.
- Der Umgang mit den materiellen Ressourcen der Projektwerkstatt ist immer ein Problem gewesen. Der "offene Raum" lebt davon, dass viel an Arbeitsmöglichkeiten in ihm zu finden ist. Selbstorganisierung gelingt dann effizient, wenn nicht alles Mögliche ständig neu organisiert werden muss, weil es verloren ging, jemand geklaut oder versehentlich mitgenommen, geliehen und nicht wieder zurückgebracht hat, weil es im Regen draußen liegenblieb oder überhaupt ständig am Ort des letzten Benutzens fallengelassen wurde und dort von niemandem mehr gefunden wird ... bislang war das nie besonders befriedigend. Nur weil einige sehr viel Zeux ranschleppten, spendeten oder einige auch viel reparierten, ist die Projektwerkstatt richtig gut ausgestattet. Dass hier alle, die das Haus nutzen, auch an der Weiterentwicklung beteiligt sind - davon ist der Laden aber weit entfernt. Das liegt auch an der Zurichtung von Menschen. Wenn im Leben sonst die unsichtbare Hand der Mami hinter dem eigenen Rücken alles wieder klarmacht oder sich im anonymen Markt alles wieder neu einkaufen lässt, warum soll mensch dann Aufmerksamkeit üben und hingucken, was wo gerade verloren geht ... auch hier ist die Projektwerkstatt Gegenwelt und es ist wichtig, dass Menschen sich hier vornehmen, den Umgang mit den vorhandenen Ressourcen zu lernen - vom Retten vor der Zerstörung bis zum Reparieren oder Neu-Organisieren.
- Selbstorganisierung heißt, sich selbst organisieren bei den Aktivitäten. Wer ein Projekt startet, eine Aktivität beginnt oder eine Baustelle in der Projektwerkstatt aufmacht, sollte sich so organisieren, dass das im Normalfall auch zuendegeführt wird - sei es als Vollendung oder als Rückbau des Begonnenen. Hier besteht bis heute ein krasses Problem: Da in der Projektwerkstatt immer auch Leute waren, die nicht einfach abgehauen sind, wenn was nicht klappte, konnte mensch die wie Mami und Papi nutzen - sprich, wenn mensch keinen Bock mehr auf was hatte, einfach liegenlassen, aufhören, die räumen es schon weg. So manche Baustelle musste schon von Leuten beendet werden, die keine Lust drauf hatten, weil andere einfach ausstiegen. Das ist das Gegenteil von Selbstorganisierung.
- Falsche Vorstellungen herrschen auch oft von der Arbeitsmenge, die ein selbstorganisiertes Leben bedeutet. Selbstorganisierung ersetzt den Job und auch andere Formen der Fremdbestimmung im Alltag, in der politischen Aktion usw. Die meisten Menschen vollbringen absurde Arbeitsleistungen, wenn sie dazu gezwungen werden. Lohnarbeit ist das beste Beispiel: 8 Stunden plus Fahrzeit, Überstunden usw. pro Tag, dann noch Einkaufen und mehr - vollkommen durchgeknallt. Aber sie sind das gewohnt und deshalb bekommen sie das hin. Wenn aber für die Projektwerkstatt Heizholz gesägt werden muss, so ist es regelmäßig aus - zwar sind das "nur" 2-3 Wochen intensive Räum- und Sägearbeit (und auch nicht 8 Stunden pro Person und Tag), aber es ist offensichtlich: Das kriegt kaum jemand hin. Mit der Renovierung von Räumen ist es ähnlich. Noch dicker kommt es bei der Aneignung von Know-How. Wer mit Computern, Elektrik, Sanitäranschlüssen, Holzbearbeitung, Videotechnik oder Fahrrädern wirklich was anfangen können will, muss sich das Wissen aneignen. Das geht nicht in 20 Minuten. Und auch hier ist beeindruckend, wieviele nur unter Zwang lernen können - obwohl sie das eigentlich doof finden. Wenn das Essen alle ist, aber es draußen schneit, muss trotzdem zum Container gefahren werden. Es sei denn, am Tag davor, als das Wetter gut war und ohnehin der bessere Containertag war, ist schon jemand gefahren, obwohl noch was zu Essen da war. Das wäre die höhere Kunst der Selbstorganisierung. Die aber lohnt sich ...
Insgesamt bleibt: Projektwerkstatt ist der Ernstfall von Selbstorganisierung und Widerständigkeit - nicht ein bißchen Schein und Selbstbetrug, nicht der Hobby-Widerstand zwei Stunden am Abend in der Woche, während der Rest des Lebens eher das Gegenteil ist. Wer auf dieses Experiment Lust hat, ist hier richtig. Reinschnuppern, die Räume nutzen und mehr ist auch für alle anderen jederzeit möglich. Aber auf mehr sollte mensch sich lieber nicht einlassen, wenn "Alternativ leben" nur heißt: Besseres Gewissen, aber möglichst normal weiterleben. Die meisten der Kommunen in Deutschland sind da passender ...
Wie weiter?
Nun - jetzt, 2006, ist also erstmal wieder Schluss. Ich habe die oben beschriebene Idee entworfen, im Haus (zumindest vorläufig) auf ein Wohnprojekt ganz zu verzichten und etwas anderes zu versuchen, was bunter und vielfältiger ist, aber keine Einnischung in eine Alltagsroutine bringt. Mal sehen ...
Dieser Text stammt von Jörg aus der Projektwerkstatt - und ich füge dem eine persönliche Ansprache an:
Niemand sollte sich sicher fühlen - die Projektwerkstatt ist ein Ort spontaner Organisierung. Weihnachten 2001 wurde aus einer ganz spontanen Idee heraus die Praxis der "Direct-Action" eröffnet (siehe Bericht vom 24.12.2001). Ein halbes Jahr später später begann die legendäre zweite Phase einer WG mit Umfeld in der Projektwerkstatt (siehe die Chronik der Jahre 2002-2004). Die erste Phase war übrigens die "Öko-Zeit" mit vielen Projekten wie eigenen Zeitungen, dem Umweltmobil, Golfplatz- und Genfeldbesetzungen. Auch hier immer 4-6 Leute in der Prowe plus Umfeld. Auch keine schlechte Phase. 1997 war sie zu Ende, dann gab es vier Jahre keinen festen Kern. Aber immer wieder Projekte, die die Räume nutzten. So darf es auch jetzt weiter sein - vom spontanen Nutzen der Einrichtung bis zum Wochenende oder mehrtägigen Aufenthalt im Seminarhaus ...
- Text zur Utopie der Projektwerkstatt ... der grundlegende Traum kritisch beäugt
Weitere Seiten zum Thema
- Zur allgemeinen Beschreibung der Projektwerkstatt
- Seminarhaus der Projektwerkstatt
- Kooperationen und Selbstorganisierung im Alltag rund um die Prowe
- Die Werkstätten/Projekträume und Archive der Projektwerkstatt
- Projektidee für offene Räume und ohne Wohn-Logiken: Kein schöner Wohnen ++ Text "Kein Schöner Wohnen in dieser Zeit" in: grünes blatt 3/2007 (Bestellseite)
Weitere Links
- Selbstorganisierung im Alltag
