Ausgrenzung in sozialen Bewegungen
Nicht nur "Papi Staat" mit seinen vielen willigen VollstreckerInnen von Polizei, Gerichten, Staatsanwaltschaft, Behörden usw. hat die Projektwerkstatt fest im Visier, sondern auch Teile sozialer und politischer Bewegung. Während einerseits viele Eliten in Verbänden (NGOs) und informellen politischen Netzwerken (Anti-Atom-Zusammenhänge, Rote Hilfe und Umfeld, autonome Verbindungen) mit formaler Macht (Hausrecht, Abstimmungen in Plena oder anderen Gremien) bis hin zu physischer Gewalt ProjektwerkstättlerInnen oft aus Treffen rauswerfen, von Infoflüssen verbannen, gibt es auch viele Attacken, die anonym erfolgen und teilweise mit viel Zeitaufwand das Ziel verfolgen, Gerüchte über ProjektwerkstättlerInnen zu streuen, um Ausgrenzung zu initiieren oder zumindest zu erleichtern.
Das klingt ein bißchen nach Verschwörung, aber wie der Staat und seine Schergen haben auch viele politische Gruppen, vor allem aber ihre Führungskreise gute Gründe, ProjektwerkstättlerInnen aus ihren Kreisen draußen zu halten:
- Seit Jahren geht von verschiedenen Menschen aus dem Umfeld der Projektwerkstatt immer wieder offene Kritik an den Strukturen in Verbänden und auch in anderen Teilen politischer Bewegung aus. Hierarchien, Ausgrenzungen, Machtkämpfe, Mackerei und vieles mehr sind prägend. Die Kritik wurde u.a. im Zusammenhang mit der Organisierung-von-unten-Debatte sowie im Projekt HierarchNIE! gebündelt.
- Hinzu kommt eine intensive Kritik an politischen Positionen. Nicht nur die oft vorhandene große Nähe zu Staat oder Markt bei vielen Verbänden und Gruppen, sondern auch insgesamt ein Fehlen an Herrschaftskritik, eine Befürwortung autoritärer Strukturen und Handlungen zur Durchsetzung der eigenen politischen Ideen (mehr Polizei, Gesetze oder Gerichte - national wie international, härtere Strafen für politisch unerwünschte Menschen bis zur Befürwortung von Kriegen). Dazu sind umfangreiche Zitatesammlungen, Hintergrundinformationen und Debattenseiten zu politischen Positionen und Organisationen im Internet vorhanden. In der Projektwerkstatt besteht ein Archiv zu antiemanzipatorischen Positionen sowie zu Verflechtungen politischer AkteurInnen mit Staat, Wirtschaft, esoterischen oder rechten Strömungen. Daraus sind mehrere Veröffentlichungen, u.a. die Bücher "Reich oder rechts?", "Nachhaltig, modern, staatstreu?" und "Mythos Attac" entstanden.
- Neben der Kritik agieren verschiedene Menschen aus dem Umfeld der Projektwerkstatt auch selbst mit neuen, vom per Dominanz aufrechterhaltenen Einheitsstil in Aktionsform und Inhalten abweichenden Ideen. So wurden viele Formen von Straßentheater, Kommunikationsguerilla bis hin zu kreativer Militanz entwickelt (siehe Direct-Action-Seiten), gegenüber staatlicher Repression wurde die Beschränkung auf reine Schutzmassnahmen um offensiv-kreative Aktionen erweitert (kreative Antirepression), während verschiedene grundlegend herrschaftskritische Projekte liefen und laufen:
- Debatte um Herrschaftskritik und Utopien
- Buch und Diskussion "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen"
- Herrschaftskritische Umweltzeitung "Ö-Punkte" (1997-2001), die oft in Opposition zu den deutschen regierungsnahen bis markteuphorischen Umweltverbänden stand
- "Fragend voran ...", Hefte zu Widerstand & Utopie
Es gab einige verbindende Punkte der Angriffe, d.h. bestimmte Logiken wiederholten sich:
- Anonym:
- Gerüchteküche:
- Konkrete Vorwürfe:
- Erfindung von Aktionen, die später kritisiert werden sollten:
Absurdes Beispiel: Wiki zu "Jörg Bergstedt"
Im Frühsommer 2005 machte sich jemand die Arbeit, bei Wikipedia einen Eintrag zu "Jörg Bergstedt" zu machen. Das ist eine Enzyklopädie, bei der alle mitschreiben können. Eigentlich war der Eintrag ziemlich platt, zunächst waren auch weiterführende Links darunter, die überwiegend seltsame Ergebnisse brachten. Es waren de.vu-Adressen, die mit gleichen Interessen von GegnerInnen der Projektwerkstatt auf deren Namen eingerichtet wurden und dann auf Seiten zeigten, die gar nichts mit der Projektwerkstatt zu tun hatten.
Im Text waren etliche komplett erfundene Behauptungen drin - aber reichlich versteckt, damit es nicht auffällt.
Die Strategie ist nicht dumm - auf jeden Fall war sie ausreichend, dass alle möglichen MitleserInnen drauf hereinfielen und bei dem Projekt eines Eintrag dieser Art sogar mitmachten. Wohl ungeplant rief der Eintrag aber andere Projektwerkstatts-HasserInnen auf den Plan. Die checkten das Spiel ebenfalls nicht und dachten (wie blind muss mensch sein ...), dass der Eintrag eine Selbstdarstellung wäre - und forderten die Löschung, weil sie wohl keine Lust hatten auf eine "Werbung" für ProjektwerkstättlerInnen. So entstand eine Debatte auf der Löschseite von Wikipedia. NIEMAND äußerte dort den Verdacht, dass das Ganze ein Fake sei - alle glaubten treudoof dem Macher des Bergstedt-Eintrags. Der selbst verteidigte nun erstmal seinen Eintrag, schließlich sollte der ja noch zu was benutzt werden. Denn die versteckten Erfindungen hätten es in sich:
- Ex-Grünen-Mitglied, daraus wäre vielleicht was zu machen gegen die antiparlamentarische Position rund um die Projektwerkstatt. Tatsächlich war Jörg Bergstedt schon in den Zeiten der Gründung der Grünen aktiv und einer der sehr wenigen "Ökos", die gegen die Gründung der Grünen waren (wie auch später bei der Gründung der Ökoli, der WASG usw.).
- Kritiker der Geldwirtschaft, daraus könnte dann der zur Zeit in linken Kreisen inflationierte Vorwurf des Antisemitismus folgen. Nur: Das ist frei erfunden, vielmehr gehört J.B. gerade zu den bekanntesten Kritikern der Freiwirtschaft und der auf die Finanzmärkte beschränkten Kritik am Wirtschaftssystem (siehe u.a. im Internet oder in den Büchern "Mythos Attac", "Reich oder rechts" und "Nachhaltig, modern, staatstreu".
- Die Verweise auf Froschrettungsaktionen und Dinkeleintopf könnten genutzt werden, um J.B. als dumpfen Öko zu beschreiben. Hier deutet sich an, dass hinter dem Text (wenn es nicht VS, intelligentere gefrustete Bullen aus Mittelhessen u.ä. sind) Kreise stecken, die einen starken Hass gegen "Ökos" haben.
Mitte Juni 2005 wurde nun dieser ganze Kram auf der Lösch-Diskussionsseite aufgeklärt. Oder vielmehr: Das wurde versucht. Denn nun stellte sich schnell heraus, dass die Manipulation offener wurde, damit das Ganze nicht auffliegt. Alle Aufklärungen über die Hintergründe der Wikipediaseite wurden sofort immer wieder gelöscht - von wem auch immer. Das größte Interesse dürfte sicherlich die Person haben, die das Wiki zu J.B. gemacht hat und darüber wohl die Propaganda gegen die Projektwerkstatt organisieren wollte. Die Löschungen zeigen, dass hier nicht nur mit Witz gearbeitet wird, sondern recht systematisch: Ständige Kontrolle der Seite, sofortige Löschungen ... das ist ja auch ein Aufwand an Zeit und Energie.
Einer der gelöschten Beiträge mal per Screenshot verewigt:
Am 28.6.2005 wurde das Jörg-Bergstedt-Wiki um folgenden Eintrag ergänzt:
Passenderweise schreibt der Bergstedt-Hetzer nun in einer Selbstdarstellung schön das Gegenteil seiner Intention - wenn ihn Machtspiele langweilen, warum tut er es? Der Ausschnitt stammt von http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Honecker.

Schließlich wurde die Seite für viele Monate gesperrt (das passiert nicht vielen Wikipedia-Seiten ...). Nach der Aufhebung ging es dann munter weiter, nur dass offenbar andere Personen nun agierten und im Stundentakt den Text umschrieben. Aus der Debatte:
- Zur jeweils aktuellen Version, von dort auch (siehe Links über Text) auch zu Vorversionen, Diskussion usw. ...
Nur wenig Solidarität: Die politischen Prozesse gegen Projektwerkstättler
Nur wenige linke Medien berichteten über die teilweise skandalösen und teilweise spektakulären politischen Prozesse gegen Projektwerkstättler ab dem Jahr 2003. Auch bei den Prozessen selbst ließen sich nur wenige mal sehen oder beteiligten sich an öffentlichen Aktionen. Beispiele:
- Die Rote Hilfe (Bundesebene) verhängte eine komplette Zensur über die Gießener Prozesse. Wer in dieser Organisation Mitglied ist, hat in der Zeitung bis heute nichts davon mitbekommen. Und das nicht zufällig ...
- Viele "linke" Medien haben bis heute gar nicht über die Prozesse in Gießen geschrieben.
- Beim Prozess in Halle gegen einen Projektwerkstättler fand sich keine Gruppe, die einen Raum klarmachte oder zur Verfügung stellte für eine vorweggehende Informationsveranstaltung. Nur Radio Corax verbreitete die Info überhaupt. Und trotz einiger Zusagen infolge direkter Besuche des Angeklagten bei linken Treffen kam zum Prozess am 28.9.2005 niemand aus politischen Gruppen der Stadt - aber alle verpaßten einen bemerkenswerten Ablauf ...
- Bei den Gießener Prozesse hat die Mehrzahl der Entlastungszeugen, die aus verschiedenen politischen Gruppen stammen, nur nach intensiven Bemühungen der Angeklagten oder gar nicht mit diesen kooperiert. Damit sind nicht Absprachen bei Aussagen gemeint, sondern z.B. einfachste Dinge, ob man als Zeuge überhaupt geladen ist usw.
