McDonald’s - Ein Konzern zum Fressen

Umwelt- und Sozialkritik am Fast-Food-Riesen

 
Ein kalter Januartag. Der Mittagsansturm in der McDonald’s-Filiale in der Innenstadt erreicht gerade seinen Höhepunkt. Plötzlich dröhnen die Fensterscheiben. Draußen stehen Jugendliche und hämmern mit Fäusten dagegen. Eilig stürzt der Schichtführer zur Tür, um sie abzusperren. Doch schon stehen einige junge Leute in der Filiale. Einwegverpackungen fliegen durch den Laden, bis kurz darauf die Polizei die Jugendlichen nach draußen bringt. Die Kunden, denen der Hunger offensichtlich vergangen ist, verlassen das Restaurant mit dem goldenen “M” durch den Hinterausgang. Draußen steht die Polizei und läßt keinen mehr rein. Sprechchöre rufen Anti-Fast-Food-Parolen und die Fensterscheiben werden mit roter Farbe als Zeichen für das qualvolle Sterben der McDonald’s-Rinder beschmiert.

Aktionen wie diese in Freiburg gibt es des öfteren in einer der über 750 McDonald’s-Filialen in der Bundesrepublik. Nicht immer sind es militante TierschützerInnen, die gegen die industrielle Schlachtung von Rindern protestieren, oftmals marschieren auch GewerkschafterInnen auf, die PassantInnen über die miserablen Arbeitsbedingungen beim Fast-Food-Riesen McDonald’s informieren wollen.

Raubbau

Die Palette der Argumente gegen den Konzern ist groß: “Wir protestieren gegen den Hunger der Menschen in der Dritten Welt, die wegen des Futtermittelanbaus für Zuchtrinder leiden. Soja wird sofort nach der Ernte exportiert und zu Futter verarbeitet. Für die Menschen bleibt nichts mehr übrig”, erklärt Sven aus der Jugend-Umwelt-Projektwerkstatt in Hamburg. Er und seine MitstreiterInnen organisieren schon seit mehreren Jahren Protestaktionen.“Wir fordern den Stop der Regenwaldabholzung durch McDonald’s als dem größten Fleischverwerter der Welt”, erläutert Sven weiter.Warum, hat der Münchener Dokumen-tarfilmer Peter Heller eindrucksvoll erläutert. Er recherchierte, daß bereits zu Beginn der achtziger Jahre in Costa Rica ebenso viele Rinder wie Einwohner lebten. In seinem Film “Dschungelburger” berichtet Heller am Beispiel des mittelamerikanischen Landes über die Bedingungen, unter denen das Hackfleisch für die Fast-Food-Restaurants produziert wird: Rinder brauchen Weideland, deshalb wird der tropische Regenwald gerodet. Über 70.000 Hektar der für das Weltklima so wichtigen “grünen Lunge” fallen so jährlich dem Fleischhunger zum Opfer. Die Folgen sind Dürren und Bodenerosion. Pro exportiertem Kilo Fleisch gehen rund 2,5 Tonnen fruchtbaren Bodens verloren. Unmißverständlich bestätigt ein Fleischfabrikarbeiter in Hellers Film, daß in Costa Rica Hackfleisch unter anderem für McDonald’s produziert wird. Die McDonald’s-Konzernleitung streitet ab, an der Zerstörung des tropischen Regenwaldes beteiligt zu sein.
In einer Presseerklärung heißt es: “Für McDonald’s Hamburger-Produkte wird 100 Prozent deutsches Rindfleisch von Milchkühen und Jungrindern, vorwiegend aus Süddeutschland, verwendet.” Über die Herkunft der Futtermittel werden allerdings keine Angaben gemacht. Auch die Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG) organisierte schon zahlreiche Aktionen gegen den Fast-Food-Konzern. ArbeitnehmerInnen sollten so ermutigt werden, sich für ihre Rechte in den weltweit 24.000 Filialen des Burgergiganten, der in über 100 Ländern Restaurants aus dem Boden gestampft hat, einzusetzen.
Für  ihre anstrengende Arbeit erhalten die Angestellten nach NGG-Angaben zunächst 11,73 Mark Stundenlohn und nach 12 Monaten eine Lohnerhöhung um 38 Pfennige. Außerdem gibt es eine Nachtzulage von 25 Prozent für Arbeiten in der Zeit von 20 bis 6 Uhr, manchmal aber auch nur 15 Prozent.

Trillerpfeifen & Eier

Mc-MitarbeiterInnen aus Essen suchten bei Yvonne Sachtje von der NGG in Dortmund Hilfe, um einen Betriebsrat zu gründen. “Normalerweise ist das kein Problem.”, erklärt Sachtje. Doch statt einer ruhigen Betriebsversammlung erwartete die NGG-Vertreterin in Essen bereits am Eingang eine Crew-Mitarbeiterin, die an ihre KollegInnen unter Aufsicht der Geschäftsführung Trillerpfeifen verteilte. Letztlich mußte die Veranstaltung abgebrochen werden. Die Hostess, die zum Widerstand mobilisiert hatte, drohte, die Gewerkschafterin mit Eiern zu bewerfen. “Das konnte ich nicht glauben, da ich wußte, daß es bei Mc nur Eier aus Tetra-Paks gibt. Schließlich habe ich dort selbst mal gearbeitet”, scherzt Sachtje.
 Doch tatsächlich hatte jemand eine ganze Plastiktüte mit rohen Eiern in die Filiale gebracht und bewarf damit nun Yvonne Sachtje und ihren Kollegen. Wie die Gewerkschafterin weiter berichtet, gab es in Mühlheim an der Ruhr einen beispielhaften Fall von Mobbing: Die Geschäftsführung warf einem ausländischen Mitarbeiter vor, er hätte in die Küche gepinkelt. “Völlig haltlos”, wie Yvonne Sachtje meint. Der Mitarbeiter wurde aber fristlos entlassen. Nach fünf Monaten, in denen er von Sozialhilfe leben mußte, endete der Prozeß gegen die Restaurantkette. Nun arbeitet der Betroffene wieder in der Filiale und McDonald’s mußte ihm sogar noch Verdienstausfall zahlen.
 Proteste gegen McDonald’s sind jedoch inzwischen seltener geworden. Ein Hoch hatten die Fast-Food-GegnerInnen in den achtziger Jahren, als sich in Frankfurt am Main das “Volksmund-Büro” als bundesweite Servicestelle für Bürgerinitiativen und Anfragen der Bevölkerung konstituierte.
 “Während unserer Hochphase wurde die FCKW-Verpackung abgeschafft, der erste Betriebsrat wurde gegründet und zahlreiche Neuansiedlungen von McDonald’s-Filialen wurden verhindert. Wir konnten ganze Bauausschüsse überzeugen”, berichtet Oliver Weiland, damaliger Geschäftsführer des Volksmund-Büros.Zudem habe es zum Welternährungstag in über hundert Orten in Deutschland Aktionen gegeben. Im Oktober 1997 waren es noch zehn bis 15 Aktionsorte. Doch ebenso, wie McDonald’s kritische GewerkschafterInnen mundtot machen möchte, bekämpft der Konzern auch andere KritikerInnen. Der Ausschuß für Bildung und Publizistik der evangelischen Kirche bezuschußte die Einrichtung des Volksmund-Büros 1987 mit 20.000 Mark.
Weitere Zuschüsse waren zugesagt, “doch dann ist McDonald’s ins Kirchenpräsidium gelaufen und hat gedroht, seinen MitarbeiterInnen nahezulegen, aus der evangelischen Kirche auszutreten, falls diese weiterhin die Volksmund-Aktivitäten unterstützen sollte”, berichtet Oliver Weiland.
 Die Kirche wies keine weiteren Zuschüsse mehr an. Der Fast-Food-Konzern befürchtete scheinbar einen Imageverlust, durch die Volksmund-Aktivitäten, konnte aber nie klagen, da ein Gutachten dem Volksmund-Büro bescheinigt hatte, daß seine Aussagen rechtlich unantastbar sind.

Dreijähriger Prozeß

Für Schlagzeilen sorgte in London ein dreijähriger Prozeß gegen zwei Greenpeace-Aktivisten.
 Diese hatten 1994 Flugzettel mit Vorwürfen vor Mc-Donald’s-Filialen verteilt. Helen Steel und Dave Morris, die sich für das Greenpeace-Flugblatt verantworteten, recherchierten und fanden unter anderem heraus, daß für McDonald’s über drei Millionen Legebatterien betrieben werden, und daß jeden Tag tausende männliche Küken getötet werden, die für die Eierproduktion uninteressant sind. Jedes Jahr entstehen durch den Konzern 700.000 Tonnen Müll.
 Auch weitere Vermutungen konnten bewiesen werden, und so darf heute ganz offiziell behauptet werden, daß Mc-Donald’s Tiere vernichtet, Kinder ausbeutet, schlechte Löhne zahlt, in seiner Werbung lügt und mit voller Antipathie gegen politische GegnerInnen vorgeht. Nicht behauptet werden darf hingegen, McDonald’s zerstöre Regenwald, produziere ungesundes Essen, sei Mitverursacher der Hungersnot in der Dritten Welt und biete schlechte Arbeitsbedingungen.

„Mc“ kommt nach Weilburg

Anfang Dezember unterzeichnete Mc Donald’s Deutschland einen Kaufvertrag für ein Grundstück im Gewerbepark Kubach. Dort soll ein eine Filiale der Restaurantkette mit einem „Drive-in“ entstehen. Wenn die Baugenehmigung erteilt sei, dauere es noch drei bis vier Monate, bis das Gebäude fertig errichtet ist. Dann könne der erste Burger schon verkauft werden, erläutert Sabine Koss, die für Mc Donald’s die Umsetzung der Weilburger Filiale koordiniert.
(Jochen Rosenkranz)