_____martin_luther:_antisemit_sozialrassist__reaktionär

"Ich möchte mich fast rühmen, dass seit der Zeit der Apostel das weltliche Schwert und die Obrigkeit noch nie so deutlich beschrieben und gerühmt worden ist wie durch mich. Sogar meine Feinde müssen das zugeben. Und dafür habe ich doch als Lohn den ehrlichen Dank verdient, dass meine Lehre aufrührerisch und als gegen die Obrigkeit gerichtet gescholten und verdächtigt wird. Dafür sei Gott gelobt!"

(Martin Luther: Ob Kriegsleute in seligem Stande sein können, 1526)

Der humanistische Denker Erasmus von Rotterdam wollte die neue Kultur der Neuzeit auf zwei Säulen bauen, nämlich auf der Moral der stoischen Ethik und auf den Lehren der christlichen Bergpredigt. Doch der Reformtheologe Martin Luther widersprach ihm heftig, für ihn genügte allein die Bibel (sola scriptura) als Säule der neuen Kultur. Damit hat dieser Theologe die Impulse der humanistischen Denker für lange Zeit verzögert, lange Religionskriege zwischen den Konfessionen waren die Folge.

(Aus "Denklinien der Weltkulturen", S. 65)

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Martin Luther gilt als großer Held und wird ungebrochen als nationale Symbolfigur genutzt. Seine Ideologien sind allerdings derart menschenverachtend, dass er ohne Skrupel als Vordenker der Nazis bezeichnet wird, die sich immer wieder positiv auf den Reformator bezogen: In abstossenden Formulierungen phantasierte er über das feurige Ende aller Juden, vom Ersäufen behinderter Menschen in der Gosse und rechtfertigte das Morden an den aufständischen Bauern. Martin Luther steht für Sexismus, Sozialrassismus, Antisemitismus und Obrigkeitshörigkeit - ungeachtet dessen feiern die evangelische Kirche und auch insgesamt die patriotischen Teile Deutschland Luther unkritisch als wichtigen Gesellschaftsgestalter. Aufklärung und kreativer Widerstand gegen den Luther-Fankult bleiben auch in Zukunft notwendig - diese Seite ist hoffentlich ein kleiner Beitrag zu dieser kritischen Auseinandersetzung. Fragen, Anregungen, Kritik? Einfach Kontakt aufnehmen!

 


Gegen deutschen Heldenmythos

Völker und Nationen sind Konstrukte – das erste weitgehend ohne, das zweite aber mit dem vollen Schwall formaler Regelungen. Innen und Außen, das Eigene und das Fremde, das „Wir“ und das „Die“ schaffen Identität, das Gefühl organisierter Geborgenheit und Zugehörigkeit. Ein Mensch, der in solchen prägenden Verhältnissen aufwächst, wird vieles mehr verinnerlichen und die Existenz von Völkern und Nationen als unumstößliche Tatsachen akzeptieren. Und noch schlimmer: Als Folge wird das Konstruierte als Selbstverständliches wieder im Denken reproduziert, an andere Menschen weitergegeben und so die Konstruktion selbst weiter vorangetrieben.
Auch Deutschland hat Helden. Sie wechseln je nach Zeitgeist und entsprechend den Interessen bzw. Ideologien derer, die den Diskurs privilegiert beeinflussen können. Aber sie alle brauchen identitätsstiftende Helden – nicht als einziges, aber Helden (oft ausschließlich männlich, aber in feministischen Kreisen fehlen die Heldinnen dann auch nicht) sind gute Projektionsflächen dafür, was als identitätsstiftendes Gedankengut in ihnen verpackt werden soll.

Das prägnanteste Beispiel der letzten Jahre in doitschen Landen ist Martin Luther. Wer sich anschaut, was er für Theorien vertreten hat, würde sich – so er/sie nicht eine extreme rechte Gesinnung hat – angewidert abwenden. Alles Jüdische soll verbrannt, Behinderte ersäuft werden, Frauen sind nur darum da, um Männer zu gebären. Hoch lobt er die Obrigkeit und fordert die totale Unterwerfung selbst unter die fiesesten Herrscher. Da Luther tot ist, könnte mensch auch zur Tagesordnung übergehen – mit einem kritischen Hinweis zu jeder Geschichtsschreibung, die Luther als großen Reformator darstellt. Aber Luther ist nicht einfach tot. Er lebt – als deutscher Held. „Luther – eine deutsche Heldengeschichte“ titelte die Filmwerbung Ende 2003, als der Film die Kinos füllte. Von kritischen Bezügen auf Luthers Sprüche und Handlungen – kein Wort. Das Volk jubelt Luther zu, er kämpft aufrichtig gegen die kirchliche Obrigkeit. Das zieht – und macht ganz vergessen, wie er zu der ihm genehmen Obrigkeit stand, wie er sich für den Massenmord an den aufständischen BäuerInnen aussprach.

Lutherkritische Aktionen

Das Spektakel um Luther blieb zum Glück nicht ungestört. Zu Film gab es Flugblattaktionen, Ausstellungen und manch Veranstaltung. Die Mehrzahl der Kinos verweigerte jegliche Kooperation – der Heldengenuss sollte ungestört über die Leinwände flimmern. In einer der Wirkungsstätten von Luther, der Lutherstadt Wittenberg, lief eine Aktionswoche gegen Luther, wo verschiedene Aktionen zusammenkamen und recht wirkungsvoll auf die reaktionären und diskriminierenden Positionen von Luther hinwiesen. Gegenüber dem Heldenmythos ist das wenig – aber die Aktionsform setzt dort an, wo die modernste Form der Herrschaft stattfindet: Die Herrschaft über die Köpfe, der Diskurs.


Grundsätzliches zu Martin Luther

Originaltexte von Luther

Zitate


Lese- und Buchtipps


Materialien und Downloads für Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen

Vorlagen für Etiketten (3x9, A4-Bogen)

Workshops zu Lutherkritik

Bei Interesse sind auch Workshops zur Kritik an Luther möglich - gerne auch mit Bezug zu lutherkritischer Öffentlichkeitsarbeit. Ein bereits existierender Veranstaltungstext (als .rtf) kann übernommen werden - bei Bedarf einfach Kontakt aufnehmen!


Links zu Martin Luther

Die Person Martin Luther

Luther und Antisemitismus

Kirche und Nationalsozialismus

Christlicher Antijudaismus


Aktionen gegen Luther

Aktionen für Luther


Rückblick: Aktionen zu "Luther - der Film" (Ende 2003)

Kommentare zu dieser Seite

Da kann man nur sagen, dass die Verfasser dieser Site keine Ahnung von Geschichte haben, kein Verständnis für die großartigen Leistungen, die die lutherische Reformation für die europäische Geschichte bedeutet.
Unverständiges Kopfschütteln,



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