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Martin Luther im Original - Hetzschrift gegen Bauern
Vorweg: Auch gute Zitate sind immer nur Versatzstücke, die aus dem ursprünglichen Kontext gerissen wurden und als Quelle für weitere Nachforschungen dienen können. Um Luthers' Gedankenwelt nicht nur bruchstückhaft zu erleben, dokumentieren wir an dieser Stelle einen Originaltext, in dem der Reformator sich eindeutig auf der Seite der Obrigkeit positioniert und zur blutigen Niederschlagung der Bauernaufstände aufruft. Aber lest selbst ...
Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern
Im vorigen Buchlin turste ich die Bauren nicht urteilen, weil

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Dreierlei greuliche Sunden wider Gott und Menschen laden diese
Baurn auf sich, daran sie den Tod verdienet haben an Leibe und Seele mannigfältiglich:
Zum ersten, daß sie ihrer Oberkeit treu und hulde geschworen haben,
untertänig und gehorsam zu sein, wie solchs Gott gebeut, da er spricht:
Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Und Röm. 13: Idermann sei der
Oberkeit untertan etc.. Weil sie aber diesen Gehorsam brechen mutwilliglich
und mit Frevel und dazu sich wider ihre Herren setzen, haben sie damit
verwirkt Leib und Seel, als die treulose, meineidige, lugenhaftigen, ungehorsamen
Buben und Bosewicht pflegen zu tun, darum auch St. Paulus Röm. 13
ein solch Urteil uber sie fället: Wilche der Gewalt widerstreben,
die werden ein Gericht uber sich uberkommen. Wilcher Spruch auch die Baurn
endlich treffen wird, es geschehe kurz oder lange, denn Gott will Treu
und Pflicht gehalten haben.
Zum andern, daß sie Aufruhr anrichten, rauben und plundern mit Frevel
Kloster und Schlosser, die nicht ihr sind, damit sie als die offentlichen
Straßenräuber und Morder alleine wohl zwiefältig den Tod
an Leib und Seele verschulden. Auch ein aufruhrischer Mensch, den man
des bezeugen kann, schon in Gotts und kaiserlicher Acht ist, daß,
wer am ersten kann und mag, denselben erwurgen recht und wohl tut. Denn
uber einen offentlichen Aufruhrigen ist ein iglicher Mensch beide, Oberrichter
und Scharfrichter, gleich, als wenn ein Feur angehet: Wer am ersten kann
leschen, der ist der Best. Denn Aufruhr ist nicht ein schlechter Mord,
sondern wie ein groß Feur, das ein Land anzundet und verwustet.
Also bringt Aufruhr mit sich ein Land voll Mords, Blutvergießen
und macht Witwen und Waisen und verstoret alles wie das allergroßest
Ungluck. Drum soll hier zuschmeißen, wurgen und stechen, heimlich
oder offentlich, wer da kann, und gedenken, daß nichts Giftigers,
Schädlichers, Teuflischers sein kann denn ein aufruhrischer Mensch,
gleich als wenn man einen tollen Hund totschlahen muß: Schlägst
du nicht, so schlägt er dich und ein ganz Land mit dir.
Zum dritten, daß sie solche schreckliche, greuliche Sunde mit dem Evangelio decken, nennen sich christliche Bruder, nehmen Eid und Hulde und zwingen die Leute zu solchen Greueln mit ihnen zu halten, damit sie die allergroßten Gotteslästerer und Schänder seines heiligen Namens werden, und ehren und dienen also dem Teufel unter dem Schein des Evangelii. Daran sie wohl zehenmal den Tod verdienen an Leib und Seele, daß ich häßlicher Sunde nie gehoret habe. Und achte auch, daß der Teufel den Jungsten Tag fuhle, daß er solch unerhorte Stuck furnimmt, als sollt er sagen, es ist das letzte, darum soll es das ärgste sein, und will die Grundsuppe ruhren und den Boden gar ausstoßen, Gott wölle ihm wehren. Da siehe, wilch ein mächtiger Fürst der Teufel ist, wie er die Welt in Händen hat und ineinandermengen kann, der so bald so viel tausend Baurn fangen, verfuhren, verblenden, verstocken und empören kann und mit ihn machen, was sein allerwütigester Grimm furnimmt.
Es hilft auch die Baurn nicht, daß sie furgeben, 1. Mos. 1 und 2, seien alle Ding frei gemeine geschaffen, und daß wir alle gleich getauft sind, denn im Neuen Testament hält und gilt Moses nicht, sondern da steht unser Meister Christus und wirft uns mit Leib und Gut unter den Kaiser und weltlich Recht, da er spricht: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. So spricht auch Paulus Rom. 12 zu allen getauften Christen: Idermann sei der Gewalt untertan. Und Petrus: Seid untertan aller menschlicher Ordnung. Dieser Lehre Christi sind wir schuldig zu geleben, wie der Vater vom Himmel gebeut und sagt: Dies ist mein lieber Sohn, den höret. Denn die Taufe macht nicht Leid und Gut frei, sondern die Seelen. Auch macht das Evangeliun nicht die Güter gemein, ohn alleine, wilche solchs williglichvon ihn selbs tun wöllen, wie die Aposteln und Jünger Apostelgesch. 4 täten, wilche nicht die fremden Güter Pilatis und Herodis gemein zu sein foderten, wie unser unsinnige Bauren toben, sonder ihr eigen Güter. Aber unser Bauren wöllen der andern fremden Güter gemein haben und ihr eigen fur sich behalten. Das sind mir feine Christen! Ich mein, daß kein Teufel mehr in der Helle sei, sondern allzumal in die Baurn sind gefahren. Es ist uberaus und uber alle Maße das Wueten.
Weil denn nu die Bauren auf sich laden beide, Gott und Menschen,
und so manchfältiglich schon des Tods an Leib und Seele schuldig
sind und keine Rechten gestehen noch warten, sondern immerfort toben,
muß ich hie die weltliche Oberkeit unterrichten, wie sie hierin
mit gutem Gewissen fahren sollen. Erstlich: Der Oberkeit, so da kann und
will ohn vorgehend Erbieten zum Recht und Billigkeit solche Baurn schlahen
und strafen, will ich nicht wehren, ob sie gleich das Evangelion nicht
leidet. Denn sie hat des gut Recht, sintemal die Baurn nu nicht mehr um
das Evangelion fechten, sondern sind offentlich worden treulose, meineidige,
ungehorsame, aufrührische Mörder, Räuber, Gotteslästerer,
wilche auch heidenische Oberkeit zu strafen Recht und Macht hat, ja, dazu
schuldig ist, solche Buben zu strafen. Denn darum trägt sie das Schwert
und ist Gotts Dienerin uber den, so Ubels tut (Röm. 13).
Aber die Oberkeit, so christlich ist und das Evangelion leidet, derhalben
auch die Bauren keinen Schein wider sie haben, soll hie mit Furchten handeln
und zum ersten die Sachen Gott heimgeben und bekennen, daß wir solchs
wohl verdienet haben, dazu besorgen, daß Gott vielleicht den Teufel
also errege zu gemeiner Strafe deutschs Lands, darnach demutiglich bitten
wider den Teufel um Hülfe. Denn wir fechten hie nicht alleine wider
Blut noch Fleisch, sondern wider die geistlichen Bösewicht in der
Luft, wilche mit Gebet mussen angriffen werden. Wenn nu das Herze so läßt
walten, ob er uns wölle oder nicht wölle zu Fürsten und
Herren haben, soll man sich gegen die tolle Bauren zum Uberfluß
(ob sie es wohl nicht wert sind) zu Recht und Gleichem erbieten, darnach,
wo das nicht helfen will, flugs zum Schwert greifen.
Denn ein Fürst und Herr muß hie denken, wie er Gottes
Amtmann und seins Zorns Diener ist (Röm. 13), dem das Schwert uber
solche buben befohlen ist und sich ebenso hoch fur Gott versundiget, wo
er nicht straft und wehret und sein Amt nicht vollfuhret, als wenn einer
mördet, dem das Schwert nicht befohlen ist. Denn wo er kann und straft
nicht, es sei durch Mord oder Blutvergießen, so ist er schuldig
an allem Mord und Ubel, das solche buben begehen, als der, da mutwilliglich
durch Nachlassen seins göttlichen Befehls zuläßt, solchen
Buben ihre Bosheit zu uben, so er's wohl wehren kann und schuldig ist.
Darum ist hie nicht zu schlafen. Es gilt auch nicht hie Geduld oder Barmherzigkeit.
Es ist des Schwerts und Zorns Zeit hie und nicht der Gnaden Zeit.
So soll nu die Oberkeit hie getrost fortdringen und mit gutem Gewissen
dreinschlahen, solang sie eine Ader regen kann. Denn hie ist das Vorteil,
daß die Bauren böse Gewissen und unrechte Sachen haben, und
wilcher Baur darüber erschlagen wird, mit Leib und Seele verluren
und ewig des Teufels ist. Aber die Oberkeit hat ein gut Gewissen und rechte
Sachen und kann zu Gott also sagen mit aller Sicherheit des Herzens: Siehe,
mein Gott, du hast mich zum Fursten oder Herren gesetzt, daran ich nicht
kann zweifeln, und hast mir das Schwert befohlen uber die Ubeltäter
(Röm. 13). Es ist dein Wort und mag nicht lügen, so muß
ich solchs Amt bei Verlust deiner Gnaden ausrichen, so ists auch offentlich,
daß diese Bauren vielfaltig fur dir und fur der Welt den Tod verdienet
und mir zu strafen befohlen. Willt du nu mich durch sie lassen töten
und mir die Oberkeit wieder nehmen und untergehen lassen, wohlan, so geschehe
dein Wille. So sterbe ich doch und gehe unter in deinem göttlichen
Befehl und Wort und werde erfunden im Gehorsam deines Befehls und meines
Amts. Drum will ich strafen und schlahen, solange ich eine Ader regen
kann. Du wirst's wohl richten und machen.
Also kann's denn geschehen, daß, wer auf der Oberkeit
Seiten erschlagen wird, ein rechter Märterer für Gott sei, so
er mit solchem Gewissen streit, wie gesagt ist, denn er geht in göttlichem
Wort und Gehorsam. Wiederum, was auf der Bauren Seiten umkommt, ein ewiger
Hellebrand ist, denn er fuhret das Schwert wider Gotts Wort und Gehorsam
und ist ein Teufels Glied. Und ob's gleich geschehe, daß die Bauren
oblegen (da Gott fur sei!), denn Gott sind alle Ding muglich, und wir
nicht wissen, ob er vielleicht zum Vorlauft des Jüngsten Tags, wilcher
nicht ferne sein will, wölle durch den Teufel alle Ordnung und Oberkeit
zerstören und die Welt in einen wusten Haufen werfen, so sterben
doch sicher und gehen zu Scheitern mit gutem Gewissen, die in ihrem Schwertamt
funden werden und lassen dem Teufel das weltlich Reich und nehmen dafur
das ewige Reich. Sölch wunderliche Zeiten sind itzt, daß ein
Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann baß
denn andere mit Beten.
Am Ende ist noch eine Sache, die billig soll die Oberkeit bewegen. Denn
die Bauren lassen ihn nicht benugen, daß sie des Teufels sind, sondern
zwingen und dringen viel frummer Leute, die es ungerne tun, zu ihrem teufelischen
Bunde und machen dieselbigen also teilhaftig aller ihrer Bosheit und Verdammnis.
Denn wer mit ihn' bewilliget, der fährt auch mit ihn' zum Teufel
und ist schuldig aller Ubeltat, die sie begehen. Und müssen's doch
tun, weil sie so schwachs Glaubens sind, daß sie nicht widerstehen.
Denn hundert Töde sollt ein frummer Christ leiden, ehe er ein Haarbreit
in der Bauren Sache bewilliget. Oh, viel Märterer künnten itzt
werden durch die blutdürstigen Bauren und Mordpropheten. Nu solcher
Gefangener unter den Baurn sollten sich die Oberkeit erbarmen. Und wenn
sie sonst keine Sache hätten, das Schwert getrost wider die Bauren
gehen zu lassen und selbs Leib und Gut dranzusetzen, so wäre doch
diese uberig groß gnug, daß man solche Seele, die durch die
Bauren zu solchem teuflischen Verbundnis gezwungen und ohn ihren Willen
mit ihnen so greulich sundigen und verdammt müssen werden, errettet
und hulfe. Denn solche Seelen sind recht im Fegefeur, ja, in der Hellen
und Teufels Banden.
Drum, lieben Herren, loset hie, rettet hie, helft hie! Erbarmet euch der armen Leute! Steche, schlahe, würge hie, wer da kann! Bleibst du druber tot, wohl dir! Seliglichern Tod kannst du nimmermehr uberkommen, denn du stirbst in Gehorsam göttlichs Worts und Befehls (Röm. am 13.) und im Dienst der Liebe, deinen Nähisten zu retten aus der Hellen und Teufels Banden. So bitte ich nu: Fliehe von den Bauren, wer da kann, als vom Teufel selbs! Die aber nicht fliehen, bitte ich, Gott wöllte sie erleuchten und bekehren. Wilche aber nicht zu bekehren sind, da gebe Gott, daß sie kein Gluck noch Gelingen haben mussen. Hie spreche ein iglicher frummer Christ Amen. Denn das Gebet ist recht und gut und gefället Gott wohl. Das weiß ich. Dunkt das jemand zu hart, der denke, daß unträglich ist Aufruhr, und alle Stünde der Welt Verstörung zu warten sei.
Autor : Martin Luther, 1525
Quelle: http://www.glaubensstimme.de/reformatoren/luther/300.htm
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