Randaleführerin im dritten Stadium: Ein neues Spiel ist da ... zusammen mit Macht Nix, der Zeitung gegen Wahl und Herrschaft. Download bzw. Bestellmöglichkeit von beidem ist möglich über die Anti-Wahl-Seite.
Ein Spielbericht von Menschen, die sich an der zweiten Fassung der RandaleführerIn versuchten, findet sich bereits im Internet ... weiter so ;-)
Und jetzt: mit der Basisgruppe, mit Freunden zusammen rotten, das Spiel
downloaden, spielen und weiter verbreiten..! Der ständiger Terminkalender hält euch auf dem Aufenden...
Angefangen hatte alles mit einem Spiel, das sowohl Terminkalender als auch AktionsratgeberIn sein sollte. Bei der Erstellung der ,RandaleführerIn' zeigte sich aber, dass die Vermittlung kreativer Aktionen einfach mehr Platz erfordert. Und dann war da noch die NATO-Tagung; teilweise mit sehr kreativen Aktionen und Ansätzen, die uns neuen Mut gegeben haben. München war zwar nicht die SuperknüllerIn - könnte aber ein Anfang sein...für selbstorganisierten Widerstand. Mindestens zwei Gründe, einige Ideen für Aktionen und den frechen Umgang mit Polizei & Staat zusammen zu stellen. Anhand einiger Großereignisse dieses Jahres haben wir Beispiele gesammelt, wie ein vielfältiger, offensiver Protest von unten und kreative Militanz aussehen könnte. Was jetzt noch fehlt ist eine breite Bewegung von unten - let's go. |
CASTORTRANSPORTE
Auch dieses Jahr rollen wieder Castoren. Die massive Polizeipräsenz bei den letzen Transporten und die Einfallslosigkeit der AktivistInnen haben dazu geführt, dass der Widerstand am Ende des Jahres doch recht blaß aussah. Aber: die Polizeitaktik ist nur aufgegangen, weil die Aktionsformen so berechenbar waren, wenig Neues dabei war: Immer nur Sitzblockaden und simple Ankettaktionen bedeuten irgendwann Stillstand. Und leider ist es immer noch so, dass gelungene Aktionen immer von wenigen Gruppen ausgehen; der Großteil der CastorgegnerInnen kommt völlig unvorbereitet ins Wendland und betreibt damit maximal plattes Eventhopping.
Es hilft also nicht, die gesteigerte Repression anzuprangern - notwendig ist die ständige Weiterentwicklung von Aktionsformen - und Methoden sowie deren Weitergabe innerhalb der Bewegung: Direct-Action-Gatherings, bei denen wir uns Aktionstechniken beibringen und aneignen; Debatten darüber, wie der Protest gegen Atomkraft in einen grundsätzlichen Widerstand gegen Herrschaft und Verwertung verwandelt werden kann; Ideen, wie eine inhaltliche Vermittlung gegenüber Presse und Bürgis aussehen könnte, die in den Händen von BasisaktuerInnen liegt...anstatt es weiter BUND-FuntionärInnen und selbsternannten Pressegruppen zu überlassen. Es ist nichts zu hoffen, es ist alles zu tun - werdet widerständig, werdet kreativ! Hier eine unvollständige Sammlung von Ideen...
Direct Action:
Offene
Presseplattform
Während Basishoppel Aktionen
auf den Schienen & anderswo machen, erzählen BUND-FunktionärInnen
den Medien Scheisse darüber, warum ihr das macht ("Castor zu unsicher"
usw.) und instrumentalisieren somit den Widerstand von Basisgruppen. Auch
spezielle Pressegruppen agieren oft ohne Rückkopplung mit den Handelnden.
Eine eigene inhaltliche Vermittlung fehlt oft komplett - dass muß
sich ändern: Ein Teil selbstorganisierter Vermittlung wäre z.B.
eine offene
Presseplattform, die es Aktionsgruppen ermöglicht, direkten Kontakt
mit JournalistInnen herzustellen, ihre eigene Pressearbeit zu machen. Aussehen
könnt es so: es gibt Listen und eine Internetseite, auf denen sowohl
Kontaktnummern von Basisgruppen und AktuerInnen (die das wollen...versteht
sich!), als auch von interessierten Journis stehen. Pressegruppen der NGOs
stehen doof da - dafür haben Basishoppel direkten Draht zu MedienvertreterInnen
und umgekehrt. Eine Idee, die in München zur NATO-Tagung erstmalig
umgesetzt wurde...mit beachtlichem Erfolg. Bald ein Standard für alle
Aktionen?
Blockade
& Sabotage
Eine Kombination aus Blockade und
Sabotage, die es beim letzen Castor wohl schon gab, aber wesentlich unspektakulärer
ausfiel als erwartet: Mit Barrikaden und einer geschickten Traktorblockade
wird ein vorher ausgewählter Streckenabschnitt gegen PolizistInnen
abgeschirmt. Inmitten dieser können friedliche SitzblockiererInnen
in aller Ruhe die Gleise auseinander nehmen (X..!) und das ganze Gleisbett
abtragen. (Ablenkungsmanöver, Falschmeldungen u.ä. im Vorfeld
einsetzen, damit die Polizei die Blockade nicht bereits im Aufbau verhindern
kann.) Der Castor muss mindestens eine Nacht aussetzen.
Langes
Wochenende
Nach dem Castor fahrt ihr nicht
wie sonst direkt nach hause. Statt dessen besetzt ihr zusammen mit hunderten
Gruppen und Personen überall im Wendland öffentliche Einrichtungen
wie z.B. Arbeitsämter, Behörden, Polizeistationen, wo ihr Debatten
anzettelt und gegenüber BürgerInnen und Presse visionäre
Inhalte vermittelt. Ziel ist, den Ein-Punkt-Bezug praktisch zu überwinden
und den Zusammenhang von Atomkraft mit Herrschafts - und Verwertungsstrukturen,
die sie erst ermöglichen, zu vermitteln. Rüber kommen soll: Atomkraft
muß weg, aber das System als Ganzes ist scheiße...auch mit
,sauberem', solarem Strom.
Für
Fortgeschrittene: Castor stinkt..!
Von beiden Seiten stürmen
Gruppen auf den Wagen des / der LokführerIn zu. Bevor diesR beide
Fenster schließen kann, ist mindestens ein Mensch am Wagen hochgeklettert.
Mit einer Wasserpistole spritzt dieser Buttersäure zielsicher (!)
aufs Armaturenbrett...das stinkt gewaltig - so wird keineR weiterfahren
wollen! Achtung: bisher existiert diese Aktionsform nur in der Theorie.
Deshalb ist es wichtig, alles vorher sehr intensiv im Trockenen zu üben,
damit beispielsweise nicht die LokführerIn getroffen wird (Buttersäure
wirkt ätzend!).
Castor
,fest schweißen'
Mehrere Gruppen täuschen an
verschiedenen Stellen Angriffe auf den Castor vor. Durch diese Ablenkungsmanöver
reißt ihr eine Lücke in die Bullenreihen, die von einer Gruppe
genutzt wird, um unmittelbar an den Castor zu gelangen. Dort entzündet
diese Termit, dessen Temperaturen dazu führen, dass die Räder
des Castors mit den Gleisen verschmelzen. Wenn es klappt bedeutet dass:
Nichts geht mehr...der gesamte Wagen muss samt Schienen heraus gehoben
werden...Weiterfahrt in weiter Ferne! Wichtig: Während der kritischen
Phase wird die Zündelkombo durch weitere Gruppen mit Riesentranspis
abgeschirmt, damit keine konkreten Personen bei Straftaten abgefilmt werden
können. Sehr genau zu überlegen ist dennoch, wie ihr euch nach
gelungener Aktion in Sicherheit bringt - eine Aktion, die nur mit gutem
Training und sehr guter Kooperation verschiedener Basisgruppen zu realisieren
ist!
Unsere
Polizei bleibt hier
Aus unterschiedlichsten Gründen
wollen bzw. können nicht alle nach Ahaus oder ins Wendland kommen,
wenn Castoralarm herrscht. Daher ist es sinnvoll, wenn zeitgleich zum Castor
in vielen Städten des Bundesgebiets dezentrale Aktionen unter dem
Motto ,Unsere Polizei bleibt hier' statt finden, die vermitteln, was gegen
Atomkraft und Profitlogik einzuwenden ist. Einsatzkräfte werden mglw.
gebunden; auf jeden Fall werden die Kosten gesteigert!
hacken...statt
auf den Gleisen hocken
Du mußt nicht unbedingt auf
den Gleisen hocken, um die Anti-Atom-Bewegung zu unterstützen. Auch
vorm Computer kann mensch der Atomwirtschaft eins auswischen: Richtig cool
wär's, wenn du www.kernenergie.de
crashst, auf der plötzlich atomfeindliche Inhalte zum Vorschein kommen.
Anti-Repression:
Sich als ,armes, unschuldiges Opfer' staatlicher Repression zu wähnen, ändert nichts an Sicherheitsvorkehrungen, Polizeibrutalität usw. Statt dessen wäre es netter, endlich einmal Gegenstrategien zu überlegen und umzusetzen, die Repression angreifen, außer Kraft setzen oder subversiv unterlaufen. Nicht einschüchtern lassen...angreifen, agieren statt reagieren! Ein paar Ideen dazu:
Repression
im Wege stehen
Sitzblockaden machen nicht nur
auf Gleisen Sinn, sondern können auch mal anders eingesetzt werden:
Blockiert doch mal Gefangentransporter/-züge. Gewaltfreie Aktionsgruppen
haben das auch schon praktiziert - Solidarität zur Waffe werden lassen!
Polizei
Infrastruktur lahmlegen
Die massive Polizeipräsenz
bei den letzen Transporten hat viele Aktionen verhindert. Denkbar ist daher,
dass es beim nächsten Castor ,Beschäftigungstherapie' für
Polizei & Co. gibt, z.B. Gruppen, die gezielt Infrastruktur schwächen,
indem massenweise Bullenfahrzeuge lahmgelegt werden.
NAZI-AUFMÄRSCHE
Naziaufmärsche sind immer noch ein Schlüsselreiz für linke Gruppen mit relativ hohem Mobilisierungsgrad...von entschlossenem Widerstand ist mensch aber weit entfernt. Die antifaschistischen Gegenaktivitäten sind zur Zeit eher Zeichen für das fast völlige Fehlen von intelligenten Strategien und kreativen Aktionsformen: jedes Wochende langweilige Gegendemos, verbalradikale Posersprüche und Mackertum - kaum Aktionsfähigkeit, keine Erfolge. Wenn wie in Bielefeld 8000 Antifas nichts gegen einen Nazi-Aufmarsch von 1000 Leuten hinkriegen, ist das nur noch peinlich. Auch 2002 wird es wieder viele Gründe für antifaschistische Aktionen geben...hoffentlich bunter als bisher - ein paar Ideen folgen hier:
Direct Action
Sprüche
klopfen
Transpis schützen vor Kameras
und Bullenknüppeln. Sie sind aber auch ein wichtiges Mittel zur Vermittlung.
Vielen Aufschriften ist jedoch anzumerken, dass ihrer Entstehung keine
reflektierte Debatte voraus ging: "Castor stoppen" oder "Nazis raus" sind
in der Regel überflüssig, weil sie nur das verkünden, was
eh jedeR weiß. Sprüche klopfen ist ja in Ordnung...diese aber
darauf abklopfen, ob sie emanzipatorische Inhalte vermitteln. Oder auch
mal kreative Sprüche wagen...wie z.B. "Arbeit nur für Nazis".
Nichts gegen Militanz...aber statt sich durch gewaltverherrlichende Sprüche
an das Mackertum von Faschos anzugleichen, wäre zu überlegen,
ob dieses nicht auch unterlaufen werden kann ("Eure Glatzen sind nicht
sexy!").
Demobilisierung
faken
Zwischen rechten, faschistischen
Gruppen bestehen zahlreiche Rivalitäten, Grabenkämpfe um Macht
usw. - das läßt sich subversiv nutzen. Im Vorfeld einer angekündigten
Demo erscheint ,plötzlich' ein gefaktes Flugi einer Kameradschaft,
die zum Boykott der Demonstration aufruft und die AnmelderIn diffamiert
etc. Wenn noch mehr Fakes ins Spiel kommen, erhöht ihr die Konfusion.
Infrastruktur
,plätten'
Statt neben hunderten Antifas wirkungslos
auf der Gegendemo umher zu irren, wäre es sinnvoll, bei einem netten
Spaziergang Autos und Busse von Faschos lahm zu legen.
Obst
und Vitamine für Nazi-Horden
Bei einem Aufmarsch in Köln
prasselten mal Obst und Gemüse in Massen (statt immer nur Steinen)
auf die Nazis ein - sehr demoralisierend. Das könnte ruhig öfter
passieren! Faule Äpfel, Eier und ungenießbares Gemüse könnt
ihr auf dem Markt organisieren; dort ist mensch oft sogar froh, da Abfallkosten
eingespart werden können. Farbbeutel mit Tzatziki wären übrigens
auch irgendwie ulkig.
Gratiszüge
Das Auto stehen lassen. Zusammen
mit vielen Antifas verabredet ihr euch und organisiert einem Gratiszug
zum Nazi-Aufmarsch. Gratiszüge sind eine schöne symbolische Aktion,
weil sie ein Leben ohne Verwertung zu mindestens andeuten; wichtig ist,
zu vermitteln, dass wir ein Leben ohne Profitlogik, Zwang und Ausgrenzung
wollen: keineR bezahlt, inhaltliche Flugis werden an MitfahrerInnen verteilt,
Diskussionen geführt, mglw. gibt es eine transportable Volxküche
mit Gratisessen für alle usw. Nur Faschos müssen draußen
bleiben.
Nazi-Feten
sabotieren
Nazi-Konzerte und - Feierlichkeiten
leben stark vom Alkoholgenuß: In der Nacht verklebt ihr die Schlösser
und Klappen des Bierwagens mit Sekundenkleber - aus der morgigen Nazi-Fete
wird wohl nichts.
12.-16. Mai: ATOMFORUM IN STUTTGART
Nach München könnte das Atomforum wieder ein Ort für kreative Protest werden...direkt, subversiv wie zur NATO in München...aber noch viel besser. In Planung: Auftaktdemo wahrscheinlich am Sonntag, den 12. Mai. Direct-Action-/Antirepressions-Training 12.-14. Mai...und dann los! Nähere Infos wird es u.a. unter www.projektwerkstatt.de/hoppetosse geben. Hier schon mal einige Einfälle...
Direct Action
Autos
umfunktionieren
Eine Aktion, die bereits seit dem
Expo-Widerstand im Gespräch ist, bisher jedoch noch nie erfolgreich
umgesetzt worden ist: Im Innenstadtbereich von Stuttgart könnten Aktionsgruppen
ab je 8 Leuten Autos aus Parkbuchten auf die Straße heben und quer
stellen. Handzettel auf den Frontscheiben packen, um den HalterInnen zu
vermitteln, wogegen sich die Aktion richtet, keine Beschädigung beabsichtigt
ist usw. Innerhalb kürzester Zeit wäre der Verkehr komplett lahmgelegt
- viele kleine Aktionsgruppen könnten so sehr wirksamen Widerstand
auf die Beine stellen.
RandaleführerIn
Ihr erstellt einen Stadtplan, auf
dem strategisch wichtige Orte für direkte Aktionen (Behörden,
Polizeiwachen, Firmenleitungen usw.), zentrale Plätze und sonstige
Anlaufpunkte eingezeichnet sind. Gruppen von außerhalb haben so die
Chance, sich vorher eigene Aktionen zu überlegen und durchzuführen
und sind damit weniger abhängig von zentralen Aktionsformen wie Latschdemos.
Eine solche ,Randaleführerin' könnte ein Standard für politische
Events werden: Anläßlich der NATO-Tagung gab es bereits viel
Medienwirbel um einen solchen - nur linke Gruppen wußten nichts davon...peinlich.
Tagungsort
zum Stinken bringen
Sich als MechanikerInnen, Putzmenschen
o.ä. ausgeben, um Zugang zum Tagungsort zu erhalten. Am Tag der Atom-Konferenz
verbreitet sich durch die Klimaanlage der unerträglich stinkende Geruch
von Buttersäure überall im Tagungshaus - und keineR ahnt, wer's
war. Die Konferenz ist geplatzt und der Widerstand gegen das Atomgeschäft
wird konkret.
Markierung
setzen
Der Eingangsbereich des Tagungsortes
sieht doch so trist aus: Während der Nacht könnte dieser z.B.
mit gelber Farbe und (Anti-)Atomsymbolen überflutet und verschönert
werden. Die Wichtigsten der Atomlobby wird es freuen - garantiert.
Subversives
Die-In
Beim letzten Atomforum in Dresden
haben UmweltzerInnen bereits damit rumgenervt: Bei der Eröffnung fallen
am Boden liegende, ,konterminierte' Körper und Personen in Strahlenschutzanzügen
auf, die den Vorplatz großräumig absperren, Warnschilder aufstellen
usw. Ein gelbes, seriös erscheinendes Schild erklärt PassantInnen:
"Wir gehen über Leichen - Ihre Atomindustrie". Noch intensiver wird
die Vermittlung, wenn gleichzeitig von schick gekleideten Personen Broschüren
verteilt werden. Die Aktionsform läßt sich an verschiedenen
Orten, z.B. auf großen Plätzen in der Innenstadt, wiederholen.
Anti-Repression:
"Eine Pizza Caribinieri bitte"
PolizistInnen fehlen oft sinnvolle Beschäftigungen; kurz vor dem Atomforum tauchen in Stuttgart Handzettel einer neuen Pizzeria auf, deren besonders günstigen Preise massenhafte telefonische Bestellungen geradezu herausfordern: Die angegebene Telefonnummer führt direkt in die Polizeizentrale...da stimmt der Service.
22./22. Juni: EU-GIPFEL IN SEVILLA
Leider
nur ein Vorschlag bisher...der hat es dafür aber in sich: In der Nacht
besucht ihr das Fußballstadion von Sevilla - beim nächsten Spiel
ist fett "Smash EU, smash capitalism" in den Rasen geritzt. Damit würdet
ihr wohl zu den KandidatInnen für die coolste symbolische Aktion des
Jahres gehören. Es bleibt ja noch ein wenig Zeit, sich weitere Aktionen
auszudenken...
26.8-24. September: RIO + 10
Vor zehn Jahren wurde in Rio die Agenda 21 verabschiedet. Sie steht für mehr Atomkraft, Atommüllexport in den Trikont, Gentechnik, Entrechtung von Indigenas, mehr Rechte für Konzerne, Ausweitung der Verwertungslogik. Kurz: mehr Markt, mehr Herrschaft...mit ökologischem Deckmantel. Fast sämtliche Öko-Gruppen und Umweltverbände haben davon nichts gemerkt; überall haben sich ökokapitalistische Konzepte durchgesetzt. In Rio soll der Scheiß jetzt modernisiert werden. Auch in D-Land wird es parallel dazu in Gemeinden und Städten Agenda u. Rio Veranstaltungen und Feierlichkeiten geben. Und damit auch die Möglichkeit, überall bunte und bitter nötige Proteste gegen Öko-Neoliberalismus, Markt und Staat auf die Straße zu tragen.
Direct Action
Atemtraining
als Anti-Verarschung
Mit professionell wirkendem Infostand,
Hochglanzbroschüren, Anzug und Krawatte veranstaltet ihr ein Atemtraining
in der Innenstadt. Den PassantInnen wird dabei von ,professionellen TrainerInnen'
vermittelt, wie wichtig eine CO-2 reduzierte Atmung zum Schutz der Umwelt
doch sei. Am Ende wird den Beteiligten ein ,Zertifikat' ausgehändigt,
dass angeblich den ,Erfolg' dokumentiert. Tatsächlich wird dort die
Verarschung offen gelegt, ebenso wie ökokapitalistische, nachhaltigkeitsorientierte
Argumentationen, die Konsumverzicht von Einzelnen fordern, statt Konzerne
und Profitlogik anzugreifen. Denkbar ist, die verarschten Menschen auf
dem ,Zertifikat' zu einer Veranstaltung einzuladen, bei der die gesamte
Geschichte noch mal intensiver aufgeklärt wird. (Richtig kultig wäre,
wenn ihr es schafft, eurer ,Atemtraining' innerhalb einer Agenda-Veranstaltung
durchzuführen!)
Torte
statt vieler Worte
Bei einer lokalen Rio-Veranstaltung
kloppt ihr ökokapitalistischen ReferentInnen Torten ins Gesicht...das
klebt! Schadenfreude gehört auch dazu, wichtig bleibt aber eine inhaltliche
Vermittlung: Tortenwürfe
erzeugen immer einen massiven Erregungskorridor, der mit radikalökologischen
Gegenpositionen gefüllt werden kann.
Besetzung
Ihr besetzt das lokale Agenda-Haus/-büro
mit der Forderung, dieses in ein ökologisch-soziales Zentrum zu verwandeln.
Besetzungen, das Erobern von (begrenzten) Freiräumen sind natürlich
in allen anderen Bereichen genauso gefragt.
Agenda-Jubel-Veranstaltungen
Macht euch das Prinzip der Überidentifizierung
zu nutze: Denkbar ist z.B., eine Jubel-Veranstaltung für die Agenda
durchführen, bei welcher der ganze Mist (Atomkraft, Gentechnik, Imperialismus,
Neoliberalismus) ,abgefeiert' wird, für den sie steht. Oder ihr macht
eine Anti-Agenda-Demo mit verstecktem Theater, das indirekt den prokapitalistischen
und proherrschaftlichen Charakter der Agenda aufzeigt (z.B. ein bonzig
aussehender Typ: "Ich bin auch für Agenda...meine Atomkraftwerke kommen
so überall hin!"). Wichtig: eure Inhalte müssen gleichzeitig
ernst genommen werden, aber so überzeichnet sein, dass den Angesprochenen
klar wird, wie scheiße Agenda & Co. sind.
Nachhaltiger
Widerstand
Immer wieder greift ihr mit vielen
Aktionen den Nachhaltigkeitsbegriff auf, z.B. nachhaltige Haus oder - Parteibürobesetzung,
nachhaltige Straßenblockade, nachhaltige Umweltzerstörung usw.
Dazu immer wieder Presseinfos. Leserbriefe u.ä. raus hauen, die eure
,nachhaltigen' Anliegen betonen. Nicht vergessen: Die hervor gerufene Konfusion
mit Inhalt füllen...ansonsten vermittelt sich eure Aktion nicht.
22. September: BUNDESTAGSWAHL
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Auch in diesem Jahr wird es wieder linke Wahlaufrufe geben, die meinen, durch Stimmangabe eine CDU Regierung verhindern zu müssen; die sofort darauf rein fallen, wenn mensch ihnen einen ,besseren' Haufen Scheiße präsentiert. Illusionen über Parlametarismus sind auch hier immer noch weit verbreitet: Eigentlich ist es doch unübersehbar, dass es zwischen ALLEN Parteien keine ernst zunehmende Unterschiede gibt; alle rassistisch, alle kriegslüstern, alle für mehr Herrschaft - auch die PDS, wenn sie an die Macht kommt. Wahlfreiheit ist eine Farce. Grund genug also, um mit kreativen Aktionen gegen Bundestagswahl und demokratische Herrschaft anzustänkern. Stimme behalten - selber handeln!
Direct Action
Initiative
,Pro-Wahl'
Ihr gründet eine Bürgerinitiative
,Pro-Wahl', die während der Wahlk(r)ampfphase mit Pressemitteilungen,
Infoständen in die öffentliche Debatte eingreift. Gegenüber
BürgerInnen total überzeichnet, aber ernsthaft argumentieren,
als wärt ihr die überzeugtesten DemokratInnen schlechthin: "Auch
nach diesen Wahlen wird sich an Umweltzerstörung, Krieg und weltweiter
Armut nichts verändern. Gerade deshalb ist es unabdingbar; dass Sie
wählen gehen." "Weder SPD, CDU, Grüne, noch PDS werden. Deshalb
ist es um so wichtiger, dass Sie wählen gehen." Und das in einer schicken
Broschüre, die ihr überall in Briefkästen wandern läßt
usw. Ziel ist, die absurde Logik von Wahlen und Parlamentarismus offen
zu legen, die vorgetäuschte, demokratische Freiheit zu demaskieren.
(Noch verzwickter wird es, wenn ihr eine andere Gruppe eingreifen läßt,
die zum Wahlboykott aufruft und euch darauf bezieht. Oder z.B. ein ,offizielles'
Behördenschreiben, dass absolut sachlich-neutral den Ausfall der Bundestagswahl
mit der Begründung erklärt, dass es ohnehin keine wirklichen
Änderungen geben würde.
Internetseiten
faken
Authentische Internetseiten von
SPD, Grünen & Co. berichten unverblümt über die ,wirklichen'
Interessen und Kungeleien der Parteien. Die Herstellung täuschend
echter Kopien ist auch bei geringen HTML-Kenntnissen problemlos. Ein gutes
Beispiel: http://welcome.to/gastronomie-gegen-nato
Wahlplakate
verschönern
Mit Minimalaufwand (Sprayschablonen
und Eddings helfen...) verändert ihr die Aussagen von Wahlplakaten.
Manchmal reicht ein Wort, um die Bedeutung der ursprünglichen Aussage
zu verkehren. Im Vorfeld der NATO-Tagung tauchten in München z.B.
massebnweise Plakate mit Oberbürgermeister Ude auf, auf denen "Wir
unterstützen Mieter" in "Wir
unterstützen Mörder" verändert war. Ein schönes
Beispiel für ,Wahlwerbung' findet sich unter www.contrast.org/KG.
Wahlveranstaltungen
,sprengen'
Wahlveranstaltungen zu verhindern
erweist sich aufgrund verstärkter Sicherheitsvorkehrungen als schwierig.
Viel weniger Aufwand entsteht für euch, wenn ihr als ,Fans' der jeweiligen
PolitikerInnen auftaucht: Mit Jubelorgien, endlosem Applaus und Sprechchören
ist schon so manche Wahlveranstaltungen vor Ort gesprengt worden, weil
die RednerInnnen irgendwann entnervt aufgeben.
Selber
kandidieren
Du stellst dich selbst zur Wahl
und nutzt den Erregungskorridor, um gegen Stimmabgabe, Demokratie usw.
anzustänkern. Vorsicht: nicht zu ernst nehmen, sonst landest du doch
noch in den Fängen des Parlamentarismus...
Was bleibt: Über die Events hinaus
Nach Vorschlägen, die sich auf konkrete Anlässe beziehen, folgen jetzt noch allgemeine Tips und Ideen, die vielseitig einsetzbar sind. Darauf hingewiesen sei ohnehin, dass Gipfel - u. Eventhopping für sich wirkungslos bleibt und durchaus mit einem ,normalen' Arbeitsleben verträglich ist...linke Feierabend/-Wochendpolitik. Widerstand im Alltag und der Aufbau von lokalen Gegenstrukturen und Freiräumen, die den Ausstieg aus Verwertungszwängen schon heute möglich machen, sind unentbehrlich, wenn sich kreativer, unabhängiger Widerstand verbreitern und die meisten von uns wie üblich nicht nach 2 - 4 Jahren radikaler Politik wieder von der Bildfläche verschwinden sollen (ins Private, auf die ,andere Seite' als ModernisierInnen usw.).
Allgemeine Tips für kreativen Wyderstand:
Kleinkram
für Vermittlung & widerständiges Handeln
Es ist leider keine Selbstverständlichkeit,
dass Menschen und Gruppen alle möglichen Utensilien auf Demos usw.
dabei haben, um ihre Inhalte zu vermitteln. Bei den Protesten gegen die
NATO-Tagung hatte z.B. fast niemensch Stadtpläne, Flugis oder Transpis
dabei. Gerade in Situationen, die von harten Sicherheisvorkehrungen und
Kontrollen geprägt sind, kann dieser ,Kleinkram' sehr hilfreich sein.
Alles, was zur niedrigste Ebene inhaltlicher Vermittlung gehört: eigene
Flugis, Spuckis, Aufkleber, Edding, kleine Spraydosen und Transpis mit
intelligenten Sprüchen.
Lieder
gegen Markt & Staat
Statt des Dreschens hohler Parolen
könnten ruhig mehr Menschen ihre musikalischen Ambitionen mit einbringen.
Es ist immer nett, wenn Leute Musikinstrumente und selbstgeschriebene Lieder
gegen Markt & Staat dabei haben, die ,unsere' Positionen befördern.
Aktionen werden dadurch bunter; auch in kritischen Situationen ist es so
möglich, gute Laune und politische Inhalte vermitteln. So gab es z.B.
mindestens vier Anti-NATO-Lieder, die u.a. in Kesselsituationen gesungen
wurden.
Druckvolle
Latschdemo
Latschdemos sind langweilig...aber
in absehbarer Zeit werden sich dezentrale Ansätze wohl kaum ,durchsetzen'.
Daher ist es wichtig, sich zu überlegen, wie die bessere, coolere
Demo aussehen könnte: Mit guter Vorbereitung, Entschlossenheit und
Ortskenntnis ist es z.B. möglich, dass eine Gruppe die Demo so ,lenkt',
dass Bullenketten durchbrochen werden und es doch noch zur Blockade des
Tagungsortes kommt.
Anti-Repression:
Anna
und Arthur quasseln immer dazwischen
Auf der Bullenwache macht ihr keine
Aussagen. Wichtig ist, das auch anderen Leuten zu vermitteln, da immer
wieder Leute ,einknicken'...sei es aus Panik oder Unkenntnis. Statt euch
und andere irgendwie rein zu reiten quasselt ihr ständig dazwischen
und nervt die PolizistInnen mit Parolen, Chören und frechen Sprüchen.
Ihr bleibt die Handelnden. Wichtig dabei: sensibel dafür sein, ob
andere Gefangene mit eurer offensiven Strategie klar kommen, ob jemensch
gerade traurig, ängstlich usw. ist - direkt ansprechen und zusammen
überlegen, was für die Situation am besten ist. (Offensives Verhalten
gegenüber OrdnungshüterInnen vorher gemeinsam durchsprechen und
üben, Verhörsituationen in Rollenspielen ,trainieren' usw.)
Zivibullen
enttarnen
Zivibullen und Provokateure dürfen
sich nicht sicher in politischen Zusammenhängen bewegen dürfen.
Ihre Anonymität kann ihnen genommen werden. Ihr könnt z.B. Zivilbullen
vor laufender Kamera (kann mit JournalistInnen abgesprochen werden) entarnen...oder
während eines Redebeitrages.
Polizeifunk
abhören
Bei Plakatieraktionen u.a. kann
es helfen, die Lage der ,Gegenseite' zu kennen. Mit einem Scanner läßt
sich der Polizeifunk abhören... bei Gefahr könnt ihr dann frühzeitig
abhauen oder, kreativer, die Polizei in die Irre lenken.
Rutschpartie
Bei Sabotage o.ä. Aktionen
kann es Situationen geben, wo ihr vor PolizistInnen flüchten müßt.
Sehr witzig ist es, wenn die Bullen bei der Verfolgung unerwartet auf 3
Kilo Erbsen ausrutschen, die ihr hinter euch fallen lassen habt. Hülsenfrüchte
können sich so mglw. als echter Repressionsschutz erweisen. Filmreife
Szenen inklusive...
Anti-Überwachung
Überwachungskameras gehören
leider zum festen Bestandteil von Innenstädten, Bahnhöfen usw.
Was ihr dagegen tun könnt: Ihr überklebt alle auffindbaren Überwachungskameras
in der Innenstadt wie z.B. ein paar Autonome
Wichtel. Durch Theateraktionen benutzt ihr die Kameras entgegen deren
ursprünglichen Funktion: z.B. gibt es AktionskünstlerInnen, die
sich stundenlang mit Schildern vor Kameras positionieren und versuchen,
mit den ObservatorInnen zu kommunizieren. Solche Aktionen ziehen Aufmerksamkeit
auf sich, die genutzt werden kann, um Überwachung bnewusst zu machen
und als Herrschaftsmechanismus zu vermitteln.
Irreführung
Einzelne PolizistInnen denken nicht
(zumdest sollen sie das nicht...), sie sind abhängig von den Informationen,
die sie von ihrer Zentrale erhalten. Daher ist es sinnvoll, die Polizei
mit gezielten Falschmeldungen in die Irre zu führen, um beispielsweise
Innen-Stadt-Aktionen zu schützen. Vorsicht: eure Stimme kann identifiziert
werden.
Gefangenenbefreiung
Durch geschicktes Umstellen und
sofortiges Öffnen aller Türen gelingt es euch, eineN GefangeneN
aus einem Polizeiauto zu befreien. Aufpassen, dass ihr nicht vom Auto erfaßt
werdet...es ist schon passiert, dass PolizistInnnen einfach mal los fahren!/p>
Kulturelle
Grammatik ausnutzen
In dieser Gesellschaft repräsentiert
z.B. Kleidung auch immer Autorität und Position innerhalb von Hierarchien.
Das ist scheiße, kann aber auch mal nützlich sein: Mit Anzug,
Krawatte und einer guten Story überwindet ihr alle Sicherheitsvorkehrungen
und gelangt in die Tagungshalle - und jetzt noch eine richtig gute Aktion.
Ein gelungenes Beispiel dafür stellt z.B. das letzte Gelöbnix
in Berlin dar: zwei JungdemokratInnen im Mercedes gaben sich als Scharpings
Töchter aus...und kamen auf das abgesicherte Gelände. Wenn dann
noch die Vermittlung stimmt...
Aktionsformen und Widerstand kreativ im Netz:
Direct Action, frecher Umgang mit Polizei und Staat...kreativer Wyderstand