- Erneuerbare-Energien-Gesetz ++ Download Förderprogramm-Übersicht (PDF)
Die Umstellung auf Ökostrom allein hilft nicht viel. Wichtig sind zudem:
- Aufbau neuer regenerativer Energieanlagen (Solar, Wind, Wasser, Biomasse)
- Demokratisierung, Beteiligungsrechte an Stromnetz und Energieanlagen
- Politische Aktion (Anti-AKW, Widerstand gegen Großkraftwerke und Fernstromtrassen usw.)
Der folgende Text beschreibt die politische Lage zum Neubau von Energieanlagen, vor allem hinsichtlich der Mitbestimmung und Beteiligungsrechte. Er stammt aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").
Ohne Energiekonzerne, ohne Atom und Umweltverschmutzung: Strom selber machen
Diese Utopie spukt noch immer durch die Köpfe in der Alternativszene. Nimmt man Broschüren zur Hand, die um die Zeit der Energiekrise entstanden sind, sieht man kräftige Burschen in Latzhosen Landwirtschaft betreiben. Im Hintergrund nudelt das Windrad auf dem selbstgeschweißten Mast. Bauanleitungen kursierten, wie man sich mit einer alten Lichtmaschine und Kugellagern vom Autofriedhof vom Netz unabhängig machen könnte.
Ein Vierteljahrhundert später sind die Windkraftanlagen turmhoch, stehen auf dem freien Feld oder zu "Windparks" gruppiert. Sie könnten zwar locker das Dorf hinter dem Hügel versorgen, aber dem gehören sie nicht. Anonyme Investoren aus der fernen
Großstadt haben ihr sauer erspartes Geld einem Fonds anvertraut, der eine Rendite verspricht, die über dem liegt, was man auf sein Sparbuch bekommt. Der Strom geht natürlich ins Stromnetz. Darin mischt er sich mit dem Atomstrom, mit Strom aus
Braunkohlekraftwerken und was die Energiekonzerne sonst gerade am Netz haben. Der Anteil regenerativer Energie ist nur eine statistische Größe. Was als "Grüner Strom" teuer bezahlt aus der Steckdose kommt, ist eine virtuelle Größe. Der Typ mit der
Latzhose hat längst seinen Bart geschoren und sein mittlerweile schütteres Haupthaar auf wenige Millimeter gekürzt. In feines Tuch gewandet sitzt er im Aufsichtsrat und entwickelt Projekte. Da auf dem Festland der Wind viel zu schwach und unregelmäßig weht, hat man "offshore" seine Claims abgesteckt. Dort kommen einem auch nicht dauernd irgenwelche Vogelschützer in die Quere. Einfach nur lästig diese bärtigen und langhaarigen Typen. Aber man hat ja beim "Bürgerdialog Kernenergie" abgeschaut, wie man die Öffentlichkeitsbeteiligung zu seinen Gunsten manipuliert und die Platzhirsche in der Lokalpolitik mit gezielten Zuwendungen auf seine Seite bringt. Schließlich opfert man sich auf für die Umwelt. Erneuerbare Energien sind zu einem Millionengeschäft geworden. Schon lange geht es nicht mehr um eine lokale, dezentrale Energieversorgung durch eine schonende Nutzung der lokal verfügbaren Ressourcen. Es wird alles immer größer, weil der Ingenieur anfassen kann was er will - je größer die Einheit wird, umso niedriger sind die spezifischen Kosten. Windkraftanlagen, deren Flügel bereits ein Fußballfeld überspannen, immer höhere Staudämme. Die Freunde des Solarstroms haben immer noch die Vision nicht abgeschrieben, daß sie eines Tages die Sahara bepflastern können. Die nie versiegende, mit jedem Wachstum des Verbrauchs mithaltende Energiequelle wäre Realität. Und sie schiene, im Gegensatz zur Kernenergie, die genau unter diesen Prämissen vor gut 50 Jahren propagiert wurde, relativ sauber.
Die Solaranlage, die man sich auf das Eigenheim schrauben soll, ist nur das Vorgeplänkel für das ganz große Ziel. Hunderttausend Dächer sollen eine Nachfrage nach Solarzellen schaffen, die dazu führt, daß es sich für die großen Chemie- und Halbleiterfirmen endlich lohnt, massiv in das Solargeschäft einzusteigen. Die bisher eher manufakturartige Herstellung von Solarzellen soll automatisiert werden.
Die Preise würden sinken, riesige Produktionskapazitäten würden aufgebaut, so daß man endlich mit den Sonnenzellen dorthin gehen könnte, wo die Sonne länger und kräftiger scheint. Wasserstoff in riesigen Pipelines wird die Energie nach Europa bringen.
Dann fahren die Autos mit Wasserstoff, was Umweltminister Trittin schon jetzt ganz toll findet. Weil der Wasserstoff so schön sauber verbrennt (es entsteht tatsächlich nur Wasser) ist der 300 PS BMW ein Ökoauto. Wer wollte es da noch wagen, den
Individualverkehr zurückzudrängen, der ja außer Abgasen auch noch durch Lärm und einen immensen Flächerverbrauch die Umwelt belastet. Natürlich wäre es auch denkbar, die Busse mit Wasserstoff fahren zu lassen. Aber welches kommunale Verkehrsunternehmen, das in den liberalierten Markt gestoßen wird, wagt sich noch an solche Experimente? Millionen Kraftfahrzeuge auf Wasserstoff umzustellen ist ein Geschäft, gegenüber dem der Einbau von Katalysatoren seinerzeit nur Peanuts waren.
Sinnvolles wird sabotiert!
Dabei ist es durchaus nicht so, daß es nicht technisch ausreichend entwickelte und ökonomisch tragbare Alternativen gäbe. Nur sie werden gezielt sabotiert. Es ist unter Fachleuten kein Thema, daß Verbrennungsmotoren mit gereinigtem Pflanzenöl betrieben werden könnten. Jeder landwirtschafliche Betrieb könnte auf einem Teil seiner Fläche Ölpflanzen anbauen, so wie früher auf einem Teil der Felder Hafer angebaut wurde, der Treibstoff für die Zugpferde. Eine kleine Ölpresse liefert den Sprit für Trecker und Mähdrescher, deren Motoren etwas modifiziert werden müßten.
Doch stattdessen wird mit einem Millionenetat der Biodiesel propagiert. Nicht das reine Rapsöl wird in den Tank gefüllt, sondern ein chemisch verändertes Produkt, der Rapsölmethylester, der so vielversprechend "Biodiesel" genannt wird. Den kann nicht jeder herstellen, sondern da sind wieder zentrale Strukturen im Spiel, die das Öl sammeln, verarbeiten und wieder verkaufen. Es sind die Saatgutkonzerne, die den Raps gentechnisch manipulieren, der Landhandel, die Mineralölindustrie. Der Bauer hat sowieso kein Interesse am Biodiesel, denn er bekommt den Diesel aus Erdöl deutlich billiger (Gasölbeihilfe) als der normale Kraftfahrer an der Tankstelle.
Daß das so bleibt, dafür hat der Deutsche Bauernverband seinen ganzen Einfluß in die Waagschale geworfen. So bleibt das alte Abhängigkeitsverhältnis. Die Landwirtschaft liefert den billigen Rohstoff und wie mit Nestlé oder Müllermilch ist es auch beim Pflanzenöl wieder die "Veredelungsindustrie", wo die größte Wertschöpfung stattfindet.
In ähnlicher Weise wurden die Landwirte in das getreiben, was die Grünen heute euphorisch als "Biomasse" bezeichnen. Wer den Wald hat, soll billiges Holz heranschaffen. Das Biomassekraftwerk haben ganz andere gebaut, oft kamen sie aus der Windbranche und witterten neue profitträchtige Anlagemöglichkeiten. Damit es aber richtig rund läuft, nimmt man gernde etwas Altholz hinzu. Für Holz aus dem Wald muß man bezahlen, für Altholz, eigentlich Abfall, bekommt man etwas bezahlt.
Altholz kann sauber sein, es kann aber auch Holzschutzmittel, Lacke und anders Giftzeug aus der chemischen Hexenküche enthalten. Immer rein ins Biomasse-Kraftwerk. Und am besten ist es, wenn man dann auch noch die erhöhte Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien einstreichen kann. Mit einer Biomasse-Verordnung wollte die rot-grüne Bundesregierung hier Klarheit schaffen, aber die wirtschaftlichen Interessen haben über die ökologische Vernunft gesiegt. Es ist eine Verordnung
zusammengeschustert worden, die nur einer Gruppe nutzt: den Betreibern von Kraftwerken, die Holz, einschließlich Altholz, verbrennen, Dampf erzeugen und über eine Turbine Strom erzeugen. Alles andere, selbst wenn es objektiv ökologische Vorteile bieten würde, wird erschwert oder verhindert. Aber offensichtlich ist in dieser Regierung auch niemand fähig die größeren Zusammenhänge zu erkennen und die Weichen in Richtung einer "sanften Technologie" zu stellen.
Es war klar, daß die Kohl-Regierung jeden zarten Keim in diese Richtung ausgerupft hat, aber es ist schwer zu glauben, daß Grüne das fortsetzen. Bei Leuten, die sich schon länger mit regenerativen Energien, hört man immer wieder, daß gezielt Fördermittel in gewaltigem Umfang in völlig sinnlose Projekte geleitet wurden.
Ein Bereich, der in den letzten Jahren wahrlich fürstlich bedient wurde, war alles was mit dem sogenannten Elefantengras, wissenschaftlich Miscanthus sinensis, zusammenhing. Vor 10 Jahren verbreitete der Fernsehjournalist Franz Alt die Botschaft, mit Miscanthus seien alle Energieprobleme zu lösen. In seinem Buch "Schilfgras statt Atom" breitete er die Wunder aus, die diese einzelne, in Mitteleuropa nicht heimische Pflanze ermögliche sollte. Seltsamerweise stiegen gerade die Atomfans von der CDU massiv auf das ein, was ihnen das Wasser abgraben sollte. Der Forschungsminister und Atomfreund Riesenhuber teilte seinem Parteifreund Alt mit, daß er unverzüglich einige Millionen für die Miscanthus-Forschung bereitstellen werden. Jahrelang wurde geforscht um das herauszufinden, was Fachleute vorher gewußt hatten: Miscanthus wächst bei weitem nicht so üppig, wie versprochen, er braucht Wasser, Sonne, Dünger, neu zu entwickelnde Erntemaschinen, angepasste Kessel zur Verbrennung usw. Inzwischen ist die Euphorie abgeklungen, die letzten Miscanthus-Projekte werden lustlos abgewickelt. Erreicht wurde in der Sache nicht viel. Aber das wichtigste Ziel wurde erreicht. Es gab keine Fördermittel für wirklich vernünftige Projekte, weil alles vom Elefantengras aufgesogen wurde. Dabei gab es sogar schon Pflanzen, die vom Ertrag her mit Miscanthus locker mithalten können, die aber sehr viel genügsamer sind.
Autor: Roland Schnell, Berlin
Die Umstellung auf Ökostrom allein hilft nicht viel. Wichtig sind zudem:
- Aufbau neuer regenerativer Energieanlagen (Solar, Wind, Wasser, Biomasse)
- Demokratisierung, Beteiligungsrechte an Stromnetz und Energieanlagen
- Politische Aktion (Anti-AKW, Widerstand gegen Großkraftwerke und Fernstromtrassen usw.)
Der folgende Text handelt vom Neuauf von Windkraftanlagen. Er stammt aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").
Windkraft aus Selbstorganisation
Der Atomkonsens, den die sogenannten Verantwortlichen ausgehandelt haben, führt zunächst einmal weder zum beherzten Einstieg in ein solares Zeitalter noch zum Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft. Wer das will, muß es noch mindestens 32 Jahre lang privat regeln. Das heißt: "Du mußt den Strom, den Du verbrauchst, selbst erzeugen, entweder indem Du selbst ein solares Kraftwerk baust oder indem Du Dich an der Errichtung eines solchen beteiligst."
Wind ist eine Erscheinungsform der Sonnenenergie. Windkraftwerke sind die technisch am weitesten entwickelten solaren Kraftwerke. Wer Windkraft nutzen will, braucht zunächst einmal einen windhöffigen Standort. Das ist ein Plätzchen, wo der Wind in 10m Höhe über dem Erdboden mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von mindestens 4,5m/sec weht. Die Windhöffigkeit wird durch ein Windgutachten festgestellt.
Der Wind allein bringt`s aber nicht. Der Standort muß eine realistische Anschlußmöglichkeit ans öffentliche Netz (20kV-Leitung) haben. Er muß mindestens 500m vom nächsten Wohnhaus entfernt sein, wegen möglicher Schattenwurf oder Lärmbelästigung. Er darf öffentlichen Belangen nicht widersprechen. Die öffentlichen Belange werden zumeist von den Kommunen, den Naturschutzbehörden und Umweltschutzverbänden formuliert. Es ist trotzdem möglich, eine Baugenehmigung zu erhalten. Am einfachsten ist es, wenn ein Mensch ein eigenes, geeignetes Grundstück hat u n d entschlossen ist den Wind, der ihm dort um die Nase weht.
Dann muß sich dieser Mensch nur noch um:
- das nötige Geld,
- einen Gesellschaftsvertrag,
- die Auswahl eines standortgemäßen Kraftwerkes,
- die Baugenehmigung,
- den Landschaftseingriffs und Ausgleichsplan,
- den Anschluß ans öffentliche Netz
- und den Aufbau der Windkraftanlage kümmern.
Dazu braucht frau 2 bis 3 Jahre Zeit und ein dickes Fell. Steht das Kraftwerk endlich, so ist sein Betrieb relativ einfach. Es muß täglich per Modem überprüft werden. Einmal im Monat wird eine Rechnung an das abnehmende EVU geschrieben und der Eingang der gesetzlich vorgeschriebenen Vergütung überprüft.
Einmal im Jahr kommt der Wartungsdienst und eine Steuererklärung fürs Finanzamt muß erstellt werden. Die Versicherungen müssen bezahlt und die Banken bedient werden. Eine GesellschafterInnenversammlung muß vorbereitet und durchgeführt werden. Die Einspeisung ins öffentliche Netz erleichtert den Betrieb des eigenen Kraftwerkes sehr, weil damit Automaten und Fachleute die Garantie dafür übernehmen, daß der mit Wind selbst erzeugte Strom allezeit mit der richtigen Spannung ins Netz geht. Andererseits bedeutet das auch, daß die Windkraftwerksbesitzer ihren im Haushalt verbrauchten Strom weiterhin vom EVU kaufen und bezahlen müssen.
Autorin: Uschi Roos, Windblume e.V.
Wer sich mündlich informieren will, erhält Auskunft beim Verein Projekt Windblume e.V. in Laubach, Tel. 06405/4627
Nachhaltige Entwicklung bei Windkraftboom gefordert
Windkraft mit Umsicht und Know-Wo (gewußt wo) fortentwickeln!
Nach dem neuesten Klimabericht der Vereinten Nationen kann der Meeresspiegel weltweit innerhalb der nächsten 100 Jahre bis zu 88 cm ansteigen. Dies würde eine akute Bedrohung zahlloser Inseln und Küsten der Erde und natürlich auch großer Flächen unseres Wattenmeers bedeuten. Vor diesem Hintergrund sieht die Schutzstation Wattenmeer in der Nutzung alternativer Energien, also auch der Windkaft, einen wichtigen Baustein zur Verringerung klimaschädlicher Emissionen.
Zur Zeit droht jedoch ein von Gewinnmaximierung motiverter, planloser Wildwuchs, der zu unnötigen Schäden der Meeresumwelt führen wird. Im Dezember lagen allein für die deutsche Nordsee Anträge für Windparks mit einer Nennleistung von insgesamt 7000 MW vor. Das entspricht etwa 2000 Rotoren von bis 160 m Höhe.
Viele dieser Projekte sollen in ausgesprochenen Risikolagen für Mensch und Natur umgesetzt werden. Daher kann der Naturschutz diese Entwicklung nicht vorbehaltlos akzeptieren.
Bei der Windkraft geht es jetzt nicht mehr um das know how, sondern vielmehr um das „Know-Wo“.
So bergen Windparks in der Nähe von Hauptschifffahrtsrouten ein extremes Kollisionsrisiko. Ein kurz aus dem Ruder laufender Supertanker könnte, wenn die Planungen umgesetzt werden, innerhalb von fünf Minuten. auf die ersten Betonfundamente von Windrotoren treffen. Wie die Vergangenheit zeigt, sind mnövrierunfähige Schiffe auf See keine Seltenheit. Es könnte so zu drastischen Ölkatastrophen an der friesischen Küste kommen.
Ebenso steht die Schutzstation Wattenmeer Windparks in geplanten Vogel- oder Meeresschutzgebieten kritisch gegenüber. Sie sieht sich hier durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs unterstützt, der jüngst für derartige Gebiete bis zu ihrer endgültigen Ausweisung ein Verschlechterungsverbot bestätigte.
Um Schäden für die Meeresumwelt zu vermeiden, müssen Bund und Länder endlich gemeinsam Verantwortung übernehmen und der Windkraft klare Vorgaben liefern. Nach Auffassung der Schutzstation Wattenmeer sind folgende Maßnahmen vordringlich:
? Die bereits in Vorbereitung befindliche Sensitivitätskartierung der deutschen Meeresgebiete und weitere Projekte zur Erforschung der Auswirkungen von Windkraftanlagen (z.B. auf nachts ziehende Vögel) muß von unabhängigen Experten und mit ausreichend, also deutlich aufgestockten, finanziellen Mittel in einem überschaubaren Zeitrahmen umgesetzt werden. Aufgrund der wissenschaftlichen Ergebnisse sollen Präferenzgebiete für Offshore-Anlagen ausgewiesen werden. Erst dann dürfen Standortgenehmigungen erteilt werden.
Angesichts des großen Aufwands (z. B. für Schiffsfahrten) stehen die bundesweit dafür vorgesehenen 1,5 Mio DM Naturschutz -Forschungsgelder in einem krassen Mißverhältnis zu den 30 Mio. DM, mit denen das Bundeswirtschaftsministerium die technische Entwicklung von Offshorewindanlagen fördern will.
- Es darf aus Gründen der Rentabilität oder Firmenkonkurrenz nicht zu einem Flickenteppich von Windparks kommen. Statt dessen sind nur eine oder sehr wenige kompakte Flächen auszuweisen.
- Zunächst soll im Rahmen eines Pilot-Windparks die neue Technologie getestet werden. Es wäre fatal, wenn mit großem Aufwand Offshore gebaut würde und technische Mängel später zu Dauerproblemen auf der Nordsee führen würden.
- Schließlich sind klare Vorgaben zur Anlandung des Stroms notwendig. Nach den vorliegenden Plänen wären zur Anlandung von 7000 MW etwa 30 Starkstromkabel durch die Küstennationalparke und andere sensible Bereiche nötig. Ein abgestimmtes Konzept könnte ihre Zahl jedoch drastisch verringern.
Rückfragen bitte an L. Koch Tel:04651/26088/ R. Schulz,Tel:0431788035
Die Umstellung auf Ökostrom allein hilft nicht viel. Wichtig sind zudem:
- Aufbau neuer regenerativer Energieanlagen (Solar, Wind, Wasser, Biomasse)
- Demokratisierung, Beteiligungsrechte an Stromnetz und Energieanlagen
- Politische Aktion (Anti-AKW, Widerstand gegen Großkraftwerke und Fernstromtrassen usw.)
Der folgende Text handelt vom Neuauf von Wasserkraftanlagen. Er stammt aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").
Wasserkraft reaktivieren!
Sich heute für neue Wasserkraftprojekte einzusetzen, ist eine zweischneidige Sache: Einerseits haben ökologisch katastrophale Großprojekte in Kanada, der Türkei und China den Ruf dieser sauberen Energiequelle ruiniert. Andererseits tragen Mühlengräben und -teiche kleinerer Anlagen zur ökologischen Vielfalt bei und ihre Beseitigung hätte ökologisch negative Folgen.
Dem Atomstromwahn der sechziger Jahre fielen die letzten intakten Betriebe in Deutschland zum Opfer, nachdem die meisten Anlagen wegen der niedrigeren Energiepreise schon früher stillgelegt wurden. Die ostdeutsche Variante war, intakte Anlagen wegen Materialmangels zu zerlegen! So gibt es noch heute insbesondere in den Mittelgebirgen eine Vielzahl ungenutzter Standorte zur Nutzung der Wasserkraft.
Um eine derartige Anlage zu reaktivieren, müssen sowohl die rechtliche als auch die physikalische Ebene beachtet werden. Für beide Belange ist die örtliche Wasserbehörde zuständig, nämliche die Vergabe der Wasserrechte und die Erfassung der zur Verfügung stehenden Wassermenge. Es gilt nämlich herauszufinden, wer Inhaber der Wasserrechte ist. Besteht ein Altrecht, sollte versucht werden, mit dem Inhaber dieses Rechtstitels zu kooperieren. Ungleich schwerer wird die Neubeantragung eines derartigen Rechtes sein. Ein zweiter wichtiger Punkt ist jedoch die Frage, ob an dieser Stelle überhaupt ein rentabler Betrieb noch möglich ist. Hierzu sind die Kosten der Reaktivierung zu ermitteln. Die erste Frage ist, welcher Aufwand notwendig ist, um wasserbautechnisch alles auf den neuesten Stand zu bringen: Muß der Mühlengraben neu ausgehoben werden, ist das Wehr noch standsicher etc.
Bei der Rekonstruktion einer alten Anlage die Kosten hauptsächlich aus Arbeitszeit bestehen, aber so mancher Liebhaber hat dadurch, daß er eine alte Anlage Stück für Stück auseinandergeschraubt, entrostet und wieder zusammengebaut hat, wieder eine leistungsfähige Anlage erhalten. Denn tatsächlich ist es nicht so, daß es in der Turbinentechnik in den letzten 100 Jahren so erhebliche Fortschritte gegeben hätte, daß man alte Anlagen gleich verschrotten müßte. Hier zeigt sich der Vorteil einer schon lange ausgereiften Technik.
Neubau
Anders verhält es sich bei dem Neubau einer Wasserturbine. Da jeder Standort unterschiedlich ist, muß auch die Turbine den Gegebenheiten angepaßt werden. Sinnvoll nutzbar sind Gefälle ab 2 Metern und Abflußmengen von 500 Litern pro Sekunde. Aber stehen die an dieser Stelle auch tatsächlich zur Verfügung? Hier kommt die Wasserbehörde ins Spiel, die üblicherweise für jedes größere Gewässer ein Wasserbuch führt, in dem die täglichen Pegelstände vermerkt sind. Nachdem geklärt wurde, von welcher Meßstation die Werte genutzt werden sollen und ob sich zwischendurch noch größere Zuflüsse oder Entnahmestellen befinden, fängt nun die Fleißarbeit an: Alle Tageswerte werden in ein Rechenprogramm eingegeben, mindestens für die letzten 5, wenn nicht gar 10 Jahre.
Fehlende oder unplausible Daten sollten hier anhand der Meßwerte anderer Stationen ergänzt oder - eher mit negativer Tendenz - berichtigt werden. Die fertige Liste für jedes Erfassungsjahr wird nun nach Abflußmengen sortiert. Die Listen aller Jahre werden übereinandergelegt und ergeben so ein Bild von den durchschnittlichen Abflußmengen, vielleicht aber auch Hinweise auf eine eindeutige Tendenz bei der Zu- oder Abnahme der nutzbaren Wassermengen.
Nun gilt es, aus dieser Kurve die mögliche Größe des Generators abzulesen: Denn jeder Wassermenge entspricht eine ihr zu entziehenden Leistung, wenn man diese mit der Gefällehöhe und die Erdbeschleunigung zueinander in Beziehung setzt. Aus der daraus resultierenden Kurve ist erkenntlich, daß es für jeden Generator nur eine einzigen Tag im Jahr gibt, an dem er optimal ausgelastet ist: Entweder ist zuviel Wasser vorhanden, daß das Wehr ungenutzt hinunterfließt, oder es ist zuwenig Wasser da, und der Generator arbeitet mit einem schlechteren Wirkungsgrad. Hier setzt nun die kaufmännische Abwägung ein: Nehme ich einen größeren Generator, der auch größere Wassermengen verarbeiten kann und entsprechend teurer ist, oder ein kleineres Aggregat, das übers Jahr gesehen besser ausgelastet ist, aber weniger Spitzenleistung bringt. Jede Generatorvariante wird einen bestimmten Ertrag an Kilowattstunden haben. Die Option mit dem günstigsten Preis/Ertragsverhältnis sollte realisiert werden. Üblicherweise liegt dieser Arbeitspunkt bei einer Wassermenge, die zwischen 150 und 200 Tagen im Jahr erreicht wird.
Autor: Hartmut Groh, umschalten e.V. und Redaktion "Energiewende" der Ö-Punkte
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Der folgende Text handelt vom Neubau von Photovoltaikanlagen. Er stammt aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").
An der langen Leitung - oder Autarkie?
Bei der Nutzung der Solarenergie unterscheidet man grundsätzlich zwischen den Anlagen im Netzparallelbetrieb und den autarken Anlagen im sogenannten Inselbetrieb.
Die einfachste Variante der letztgenannten Möglichkeit ist das Transistorradio, das mit Akkus ausgerüstet wird und denen dann ein kleines Solarpanel mit etwas größerer Ausgangsspannung parallel geschaltet wird. Im größerem Maßstab ist dies bei Caravans möglich, für die es Module oder auch selbstklebende Solarfolien (200-800 DM) zur Befestigung auf dem Dach gibt. Hier sollte jedoch ein Laderegler (30 DM) vor die Batterie geschaltet werden, damit diese nicht anfängt zu "kochen". Die Dimensionierung spielt hier noch keine so wichtige Rolle, da im Notfall immer noch die Lichtmaschine einspringen kann.
Eine größere Sorgfalt verlangt die Planung für ein Ferienhaus u.ä., wobei eine 100%ige Eigenversorgung auch für entlegene Wohnhäuser ohne Netzanschluß wirtschaftlich interessant sein kann. Hier werden zusätzliche Akkumulatoren nötig, deren Kapazität (als ein sehr grober Richtwert) in Amperestunden in etwa der installierten Wattleistung der Module entsprechen sollte. Spezielle Solarakkus sollen die vielen Lade-/Entladezyklem besser vertragen können - herkömmliche KFZ-Akkus tun´s aber auch. Nur eine Parallelschaltung mehrerer Akkus ist kritisch, da sich diese leicht gegenseitig entladen!
Bei Anlagen ab 100 Watt Generatorleistung sollte der Betrieb von 1-2 Energiesparlampen (im Spezialhandel auch für 12 Volt - keine Halogenlampen!), des Kofferradios und gelegentlich des Fernsehers mit 12 Volt-Anschluß gesichert sein. Für Geräte mit 230 Volt gibt es Umformer für ca. 300 DM im Handel. Sollte jedoch auch noch ein Kühlschrank und eine Wasserpumpe betrieben werden, setzt dies eine genauere Planung voraus. Der voraussichtliche Verbrauch in Kilowattstunden muß abgeschätzt werden, indem die Nutzungsdauer mit dem Verbrauch des Gerätes multipliziert wird. Dann gilt es, Erzeugung und Verbrauch miteinander in Einklang zu bringen: Größe des Solargenerators multipliziert mit der mittleren Anzahl der Sonnenstunden gibt den einen, die vorhergehende Berechnung den anderen Wert. Durch die Vergrößerung der Modulfläche bzw. die Verringerung des Bedarfes kann eine Übereinstimmung erzielt werden.
Netzeinspeisung
Diese autarken Systeme haben den großen Nachteil, das sehr oft entweder zuviel oder zuwenig Solarstrom vorhanden ist. Nicht nur in dieser Beziehung, sondern auch bei der Planung haben netzgekoppelte Anlagen einen erheblichen Vorteil. Hier ist meistens nur die zur Verfügung stehende Dachfläche bzw. das zur Verfügung stehende Kapital ausschlaggebend für die Dimensionierung einer Anlage. Als Richtwert wäre für ein 4-Personen-Haushalt eine 5 kW-Anlage mit etwa 40 qm ausreichend. Aber auch kleinere Anlagen ab 1 kW haben ihren Sinn. Voraussetzung ist allerdings eine von Frühjahr bis Herbst unverschattete Dachfläche mit Südost- bis Südwest-Ausrichtung. Der Winkel des Daches sollte nicht flacher als 15° sein, damit das Regenwasser den sich darauf sammelnden Schmutz abspülen kann. Bei Neigungen ab 60° wird der Einfallswinkel allerdings so ungünstig, daß mit erheblichen Ertragseinbußen zu rechnen ist. Auf Flachdächern werden spezielle Gestelle verwendet, die entweder aufgrund ihres Eigengewichtes standfest sind oder andernfalls im Dach verankert werden können.
Der dazugehörende Umformer - mit den Maßen eines größeren Schuhkartons - kann entweder im Dach oder - wegen der günstigeren Temperaturverhältnisse - im Keller installiert werden. Er hat eine Nennleistung von etwa 0,7 der Generatorleistung, da im Sommer diese Werte aufgrund der Wirkungsgradverschlechterung bei Hitze sowieso nicht erreichbar sind. Auf jedem Fall muß ein Kabel zum Hausanschluß gelegt werden, wenn die gesetzliche Vergütung gezahlt werden soll. Zur Erfassung des Solarstroms wird ein zusätzlicher Stromzähler installiert. Insgesamt kostet eine derartige Anlage zwischen 14.000 und 18.000 DM pro Kilowatt und erreicht einen Ertrag zwischen 800 bis 1.000 Kilowattstunden im Jahr.
Autor: Hartmut Groh, umschalten e.V. und Energiewende-Redaktion der "Ö-Punkte"
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Der folgende Text handelt vom Neubau von Biomassekraftwerken. Er stammt aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").
Biogas dezentral nutzen!
Jeder Bauer verfügt über eine Energiequelle, die seinen Eigenbedarf weit übersteigt. Er kann vom "Landwirt zum Energiewirt" werden. Dazu muß er weder tief bohren noch hohe Gerüste zum Einfangen des Windes errichten. Das Material, mit dem er täglich zu tun hat, ist der Energieträger. In den landwirtschaftlichen Produkten, in den Feldfrüchten und den Neben-und Abfallprodukten der Landwirtschaft steckt die Energie.
Bioenergie, die von der Sonne stammt und von den Pflanzen eingefangen wurde. Von einem Hektar kann man in Mitteleuropa locker 5 bis 10 t pflanzliche Biomasse ernten. Das entspricht einem Energieäquivalent von 20 bis 40 MWh, wenn man einen Heizwert von 4 kWh/kg zugrundelegt. Anschaulicher wird es, wenn man sich vorstellt, daß Wiesen und Äcker durchgängig mit einem 0,2 mm hohen Ölschicht bedeckt sind. Das scheint wenig zu sein, aber da ein Hektar 10.000 m- hat, läppert es sich zum Gegenwert von 2000 l Heizöl zusammen, also etwa das, was ein Einfamilienhaus im Jahr verbraucht. Landwirtschaftliche Familienbetriebe in Bayern oder Baden-Württemberg mögen 20 ha und mehr haben, aber in den neuen Bundesländern sind Betriebe von einigen 1.000 ha keine Seltenheit. Diese Energie steckt in den Nahrungs- und in den Futtermitteln. Da nur ein Teil der Pflanze eßbar ist, bei der Kartoffel die Knolle, beim Getreide das Korn, steht oft mehr als die Hälfte der pflanzlichen Biomasse für andere Zwecke zur
Verfügung. Auch wenn das Stroh als Einstreu im Stall verwendet wird, ändert sich nur wenig an seinem Energieinhalt. Wenn Pflanzen oder Teile davon als Viehfutter genutzt werden, ist immer noch die Hälfte der ursprünglichen Energie im Mist oder in der Gülle. Das bedeutet, das parallel zur Erzeugung von Lebensmitteln der Gegenwert von 1000 l Heizöl pro Hektar vom Acker geholt werden kann.
Der Schlüssel dafür heißt Biogas. Es ist eigentlich eine uralte Geschichte, die der Natur abgeschaut wurde. In Sümpfen und Mooren entsteht durch bestimmte Mikroorganismen ein brennbares Gas. Schon vor mehr als 50 Jahren hat man in Deutschland darin die Lösung für eine autonome Energieversorgung der Landwirtschaft gesehen. Als 1955 nach langjähriger Entwicklungsarbeit die Technik halbwegs ausgereift war, kam das billige Erdöl und das Interesse an regenerativen Energiequellen erlosch schlagartig. Erst die Ölkrise brachte ein Umdenken, und dann dauerte es nochmal mehr als 20 Jahre bis Biogas in der Landwirtschaft wieder zum Thema werden konnte.
1000 Biogasanlagen gibt es in Deutschland
Nun gibt es in Deutschland etwa 1000 Biogasanlagen in der Landwirtschaft, die sich in Bayern und Baden-Württemberg häufen. In manchen Gegenden, etwa in Mittelfranken, sind es nur ein paar Kilometer von einer Biogasanlage zur anderen. Die Mundpropaganda und die Möglichkeit beim Nachbarn zuschauen zu können, wie es funktioniert, hat viel zur Verbreitung beigetragen.
Die landwirtschaftlichen Berater haben bei Biogas eher abgewunken. Es sei unwirtschaftlich, warnten sie die Bauern. Tatsächlich war Biogas eine wenig lohnende Angelegenheit, solange es nur im Heizkessel verbrannt wurde. Aber mit einigen Ausnahmen, die man einer Hand abzählen kann, haben Biogasanlagen heute ein Blockheizkraftwerk und speisen elektrischen Strom ins Netze ein. Die Abwärme kann in Haus und Hof für Heizzwecke und als Prozeßwärme zum Trocknen, Sterilisieren, Einkochen genutzt werden. Wer eine Biogasanlage hat zahl keinen Pfennig mehr für Heizöl und andere Brennstoffe. Er bekommt auch keine Rechnung für den Strom mehr, sondern der Energieversorger überweist eine Vergütung, die etwa dem 10- bis 20-fachen des früheren Verbrauchs entspricht. Mit den ersten Biogasanlagen, die Ende der 80er Jahre entstanden, war viel Enthusiasmus und persönliches Engagement verbunden. Für das Kernstück, den eigentlichen Biogasreaktor, wurden alte Öltanks genommen, die zum Schrottpreis zu bekommen waren. Der Betreiber griff selbst zum Schweißgerät oder ließ sich von Studenten helfen, die mit dem Schlafsack im Heu untergebracht wurden. Blockheizkraftwerke in passender Größe gab es nicht zu kaufen. Alte Notstromaggregate wurden umgebaut und Motoren aus Unfallautos geholt.
Es entstanden die beiden grundlegenden Bauweisen, nach denen bis heute 9/10 der Biogasanlagen gebaut werden. Die eine, der liegende Rohrreaktor aus Stahl, wurde aus handelsüblichen Tanks für Öl oder Gas entwickelt. Die zweite Bauart nutzt ebenfalls bewährte Komponenten. In diesem Fall sind es Güllelager aus Beton, die mit einer gasdichten Folie abgedeckt werden. Tauchmotorrührwerke mit elektrischem Antrieb, die vollständig in der Flüssigkeit versenkt werden, vermeiden die empfindliche gasdichte Durchführung der Achse durch die Behälterwand. Was man sonst noch braucht an Pumpen, Schiebern und Rohrleitungen bietet der Landhandel für Gülle an. Den Rest gibt es beim Sanitär-Fachhandel. Das Know-How besteht darin, die Produkte zu nehmen, die unter den besonderen Bedingungen einer Biogasanlage sicher funktionieren. Die gasdichten Folien zum Abdecken der Behälter haben auch ein anderes Problem entschärft, das Biogasanlagen früher unnötig teuer gemacht hat. Speicher für das Gas, wie man sie in der älteren Literatur abgebildet findet, waren kompliziert und empfindlich. Heute kann man vergleichsweise preiswert einen Gassack bekommen, den man diskret in der Scheune oder einem alten Silo verstaut. Damit kann man das Biogas für einige Tage
zwischenspeichern und die Gasproduktion und den Verbrauch besser aufeinander abstimmen.
Seitdem Blockheizkraftwerke zur Regel geworden sind, stellt auch die Beheizung des Biogasreaktors nicht mehr das Problem dar, als das es in der älteren Literatur dargestellt wird. Weniger als ein Drittel der Abwärme des Blockheizkraftwerks genügt, um die Biogasanlage auf der Temperatur zu halten, bei der sich die Mikroorganismen wohlfühlen. Bei 35°C langen sie schon kräftig zu und je höher man mit der Temperatur geht, umso schneller arbeiten sie. Aber bei landwirtschaflichen Biogasanlagen ist Tempo nicht alles. Man kann es gemächlicher angehen lassen, denn die ausgegorene Flüssigkeit muß ohnehin einige Monate aufbewahrt werden. Sie sollte nur dann als Dünger aufs Feld gebracht werden, wenn die Pflanzen sie auch tatsächlich brauchen und aufnehmen können.
Jeder Biogas-Bauer schwärmt davon, wie glatt die Flüssigkeit in den Boden einzieht und wie kräftig die Pflanzen danach wachsen. Die meisten haben den direkten Vergleich, da sie ja selbst jahrelang unverarbeitete Gülle ausgefahren haben. Über die Gerüchte, daß die anaerobe behandelte Gülle für den Boden schädlich sei, weil anaerob "ohne den lebensspendenden Sauerstoff" bedeutete, können Praktiker nur schmunzeln. Auch das dumme Rindvieh, das seine Weide ohne theoretischen Überbau wählt, geht schon nach kurzer Zeit freiwillig auf das Grasland, das mit Biogas-Gülle gedüngt wurde.
Es sind im Moment eher die knallhart ökonomisch denkenden Landwirte, die sehen, daß sich Biogasanlagen sehr schnell amortisieren. Es rechnet sich umso besser, je mehr Gülle man hat. Das hat die fatale Konsequenz, daß Biogasanlagen eher in Verbindung mit einer wenig tiergerechten Massenhaltung gebaut werden. Vor allem dann, wenn diese wegen der Geruchsbelästigung Streß mit den Nachbarn bekommt. Die Biobauern sind bisher zurückhaltender, obwohl Biogas ieeal zum Konzept einer ökologischen betriebenen Landwirtschaft paßt und ursprünglich aus so propagiert wurde. Die Verbände des Biologischen Landbaus beginnen sich langsam dem Thema "Energie" zu nähern und haben einige Vorurteile oder Fehlinformationen bezüglich Biogas überwunden. So ist eine Biogasanlage überhaupt nicht an Güllewirtschaft und Massentierhaltung gebunden. Man kann auch mit Einstreu arbeiten und Festmist vergären. Gerade hier gibt es interessante Neuentwicklungen. Man muß überhaupt keine Tiere halten, da man die frischen, grünen Pflanzen selbst in Biogas umwandeln kann. Das geht mit Gras, Mais, Rüben und vielen anderen Pflanzen, die in Mitteleuropa heimisch sind. Allerdings haben die übersteigerten Versprechungen, die im Hinblick auf Miscanthus (Schilfgras) gemacht wurden, die Bauern vorsichtig gemacht. Doch die Praxis zeigt, daß es geht. In einem geschlossenen System wird die Sonnenenergie vom Acker geholt. Zusätzlicher Dünger ist, im Gegensatz zu Biodiesel, nicht notwendig. Graskraft heißt ein Projekt, das den Menschen in den Metropolen die Bioenergie vom Feld in die Wohnstube bringen wird. Vor 100 Jahren zündete man abends die Lampe mit dem Rüböl an, jetzt kommt der grasgrüne Strom aus der Steckdose.
Beherrschbare und bezahlbare Technologie
Die alte Vision der "angepassten Technologie" ist im Biogas erfüllt. Für den Betreiber, der einzelne Bauer oder ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb, gilt, daß er die Sache im Wortsinn "beherrscht". Er kann schon beim Bau bei vielem selbst Hand
anlegen und den Betrieb macht er selber. Die Investitionen bleiben in einer überschaubaren Größenordnung, so daß er keine Investoren braucht, die nun im Bereich "Biomasse" das große Geld machen wollen. Das ist bei den vielgepriesenen
"Biomassekraftwerken", die Holz oder Stroh verbrennen, ganz anders. Dafür müssen einige Millionen auf den Tisch gepackt werden und die Landwirtschaft wird wieder zum reinen Zulieferer von unverarbeitetem Rohmaterial gedrängt. Ganz gleich, ob er Raps, Hanf oder Pappel anbaut, die Wertschöpfung findet im Kraftwerk statt, das den Brennstoff billig beziehen will. Bei einer Biogasanlage hat der landwirtschaftliche Betrieb das Heft in der Hand und erst beim Hausanschluß muß er sich mit dem Energieversorger abstimmen. Doch hier hat er durch das Erneuerbare Energiengesetz gute Karten. Strom aus Biogas muß bei kleineren Anlagen, und nur die sind sinnvoll, mit 20 Pf/kWh vergütet werden. Wem das nicht reicht, oder wer die Energiemonopole ausschalten will, kann seinen Strom anderweitig verkaufen. Die Ökostromhändler sind ganz scharf auf Strom aus Biogasanlagen. Auch nachts oder wenn kein Wind weht, wird Biogas erzeugt. Es kann sogar gespeichert und bedarfsgerecht abgerufen werden. Im regenerativen Energiemix sind die Biogasanlagen der Joker. Jeder Landwirt kann sie bauen und betreiben. In wenigen Monaten könnten Zehntausende Biogasanlagen entstehen, wenn man es den Bauern nur richtig erklären würde.
Aber es gibt überhaupt kein Interesse, die Unabhängigkeit der Landwirtschaft zu vergrößern. Im Gegenteil, die deutschen Landwirte wurden gezielt zu Subventionsempfängern herabgestuft, die man eigentlich nur wegen der Folklore am Leben läßt. Wenn man sie nicht auf den Acker schicken würde, wäre die deutsche Kulturlandschaft in wenigen Jahren wieder ein dichter Mischwald. Die ganz radikalen unter den Naturschützen können sich mit diesem Gedanken vermutlich anfreunden, aber damit müßte die Bevölkerung auch auf die Zahl der germanischen Urväter reduziert werden.
Die Kulturlandschaft ist, wenn man es nur auf Biomasse reduziert, produktiver als die unbearbeitete Natur. Sie kann bei vernünftiger Bewirtschaftung ökologisch stabil sein und liefert ausreichend Nahrungsmittel und leister über Biogas auch wieder einen Beitrag zur Energieversorgung. Das klappt natürlich besser, wenn man auf der Seite der Energie etwas sparsamer mit den Ressourcen umgeht und auch den Teil der Biomasse, der zur Ernährung dient, rationeller verwendet. Beispielsweise durch einen höheren Anteil pflanzlicher Kost bis hin zur vegetarischen Ernährung. Biogasanlagen haben damit, wie hoffentlich klar wurde, damit keine Probleme.
Autor: Roland Schnell, Mitarbeiter der GRÜNEN LIGA Berlin e.V.
Im Bereich der Erneuerbaren Energien hat die GRÜNE LIGA Berlin über ihre Bezirksgruppe Pankow das Projekt "Energiepark Barnim" initiiert, durch das an der Schnittstelle zwischen Berlin und seinem Umland modellhaft die Erschließung aller energetischen
Potentiale einer im Konsens mit dem Natur- und Landschaftsschutz verfolgt wird.
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