Ökostrom von unten: Wann paßt was?

Für jede Idee von "Ökostrom von unten" gibt es eine passende Lösung. Je nach Blickwinkel erscheint mal dieser Ökostromversorger am interessantesten, mal jener. Das jeweils Günstigste auszuwählen, Partnerschaften einzugehen und weiterzuentwickeln - direkt von Regionalgruppe zu Ökostromanbieter ... das wird die Kunst sein. Die folgenden Texte zeigen einige ausgewählte Blickwinkel, einige Beispiele für viele. Sie stammen aus der "Ö-Punkte"-Ausgabe Herbst 2000 (Schwerpunkt "Ökostrom von unten").
 

Welcher Ökostrom? Welche Firma?
Es kommt auf den Blickwinkel an ...

Sechs Ökostromfirmen beteiligen sich an der Idee "Ökostrom von unten" - manche bieten sogar mehrere Tarife an. Welcher ist sinnvoll? Nach welchen Kriterien kann entschieden werden? Die Frage ist nicht einfach, denn es kommt sehr auf den Blickwinkel an. Im folgenden Text sollen einige benannt werden. Sie stehen stellvertretend für viele andere und sollen zeigen: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Wer richtig schlau ist, nutzt überall die Vorzüge. Denn alle Ökostromanbieter haben bestimmte Schwerpunkte.
Das Wichtigste vorweg: "Ökostrom von unten" bedeutet auch hinsichtlich der Qualität des Ökostroms eine Vorauswahl. Soweit wir das beurteilen können (Irren ist menschlich, vielleicht werden wir uns korrigieren müssen ...), bieten alle sechs Anbieter glaubwürdige Stromtarife und schaffen bezüglich ihrer Stromquellen Transparenz. Sie sind keine "Abspalter", d.h. ihr Ökostrom ist nicht einfach Strom, der ohnehin verkauft wird - bisher nur gemischt mit Atom- und Kohlestrom. Auf die eine oder andere Weise gelangen Teile der Einnahmen aus den Ökostrom-Verkaufseinnahmen in die Neuanlage von regenerativen Energieanlagen. Niemand also muß entscheiden, ob das Geld in Ökostrom oder die Förderung von Neuanlagen gehen soll - mit der richtigen Wahl beim Ökostrom geschieht beides.
Wichtig für die regionalen AkteurInnen ist aber auch noch, daß alle Ökostromanbieter überall agieren können. Es muß also nicht der relativ beste als einziger Partner gewählt werden, sondern die regionalen Gruppen können mit allen kooperieren - und auch für alle Werbung machen. Dann haben Haushalte, Betriebe, öffentliche Gebäude usw. auch die Chance, jeweils das für sie passende auszuwählen.
 
 

Maximal viele Neuanlagen
Alle Ökostromanbieter bei "Ökostrom von unten" wollen mit ihren Gewinnen oder zumindest einem Teil derselben Neuanlagen bauen. Wie hoch die Ausgabe dafür ist, ist sehr unterschiedlich. Und auch der Ehrgeiz ist unterschiedlich. So hat z.B. Greenpeace Energy das hochgesteckte Ziel, jeweils zwei Jahre nach einem 30.6. (Stichtag) die in den 12 Monaten davor neu gewonnenen KundInnen voll aus Neuanlagen zu versorgen. Der 30.6.2000 war der erste Stichtag, d.h. in zwei Jahren muß die Genossenschaft die bisherigen KundInnen aus neuen regenerativen Anlagen versorgen. Mal sehn ...
Hohe Beträge will auch die Naturstrom AG für die Förderung von Neuanlagen ausgeben - ihr Aufpreismodell ist vor allem darauf ausgelegt. Andere Anbieter haben andere Regelungen. Und für manche paßt das Modell gar nicht, denn sie haben ohnehin den Neubau als Hauptinhalt und betreiben den Stromhandel als Nebenerzweig, um einen Teil der Energie direkt loszuwerden, z.B. Unit[e].
Für die regionalen Strom-EVGs, die den "Ökostrom von unten" in ihren Städten oder Regionen organisieren, bedeuten diese Unterschiede zum einen, jeweils den passenden Partner auswählen zu können - aber auch, eventuell durch gesonderte Verträge zur Kooperation Ökostromanbieter/regionale Strom-EVG verbesserte Förderbedingungen für Neuanlagen festzuschreiben, z.B. dann, wenn auch sehr viele NeukundInnen geworben werden.
Der passende Partner
Die verschiedenen Ökostromanbieter haben besondere Spezialitäten, z.B. Schwerpunkte auf die Versorgung von Betrieben (wie die Firma Lichtmann AG, die auch noch kreative Iden der Beteiligung strombeziehender Firmen an den Windanlagen hat) oder auf Haushalte, öffentliche Gebäude wie Schulen und Gemeindehäuser, bis hin zu Einkaufsgenossenschaften. Einige Ökostromanbieter, z.B. die Naturstrom AG, kooperieren mit Stadtwerken, was zusätzliche Chancen bietet, wenn diese für die Aktion "Ökostrom von unten" gewonnen werden können. Vor allem die Naturstrom AG hat Kooperationsverträge mit den großen Umweltverbänden und bietet für deren Mitglieder Sonderkonditionen an.
Der sauberste Strom
Auf den ersten Blick klingt diese Frage einfach: 100% regenerativ ist am besten. Bei näherem Hinsehen wird es etwas komplizierter. Zum einen bleibt die Frage nach den Neuanlagen. Es geht nicht nur darum, selbst "sauberen" Strom zu bekommen, sondern auch darum, damit anderen Strom zu verdrängen. Leider ist hier die Transparenz nicht so üppig. Was sind Neuanlagen? Wirklich neu gebaute oder auch solche, die ohnehin schon im Bau sind, oder sogar solche, die seit ein oder zwei Jahren stehen?
Zudem gibt es noch eine weitere Frage: Wenn ich Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung hinzunehme (z.B. bei den 50:50-Stromtarifen), ist der Strom bis zur Hälfte aus vergänglichen Rohstoffen. Gleichzeitig aber gewinne ich Energie zum Heizen. Wer 100% regenerativen Strom zieht, braucht in den meisten Fällen noch eine Heizung - womit ist die dann betrieben?
Spannend könnte hier sein, wenn im Zuge von "Ökostrom von unten" aus der regionalen Organisation heraus die Verknüpfung möglich wird: Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung und die Fernwärme werden zusammen bezogen. Das ist zur Zeit noch Zukunftsmusik ...
Der billigste Strom
Der läßt sich errechnen. Allerdings gibt es nicht den billigsten Anbieter, sondern je nach Jahresverbrauch können verschiedene Anbieter die günstigsten sein, da Kilowattstunden- und, falls vorhanden, monatlicher Festpreis, zusammengerechnet werden müssen. Außerdem ist "billig" nicht das einzige im Leben ...
Direkte Unterstützung
Ob bei der Förderung von Neuanlagen, als ReferentInnen bei Veranstaltungen, direkte Mithilfe bis finanzielle Förderungen für Öffentlichkeitsaktionen, Infoblätter oder Ausstellungen ... die regionalen Strom-EVGs werden schauen müssen, von wo Unterstützung kommen kann. Bei fast allen Ökostromanbietern arbeiten Menschen mit, die früher selbst in Ökogruppen aktiv waren. Daher ist die Hoffnung berechtigt, daß zwischen regionalen AkteurInnen und Ökostromanbietern ein gutes Verhältnis entstehen kann, wo auch außerhalb festgelegter Regeln Lösungen für jeden Einzelfall erreicht werden können.
Die Rosinen rauspicken
Die Ökostromanbieter sind unterschiedlich. Regionale AkteurInnen können sich die Rosinen rauspicken. Das ist legitim, wenn es zum Zwecke der Sache geschieht. Die Vielfalt der Ökostromanbieter ist deshalb auch ein Vorteil - und es wäre das Ziel, auch weiterhin alle als Partner bei "Ökostrom von unten" zu halten. Diese Auswahl sollten auch die KundInnen und EnergieerzeugerInnen haben. Deshalb empfehlen wir, überall für alle Werbung zu machen. Entschieden aber wird regional.
Zudem gibt es noch die Ansprechebene von "Ökostrom von unten" in der Projektwerkstatt. Dort wird nicht nur bundesweite Öffentlichkeitsarbeit gemacht, die Internetseite http://move.to/ oekostrom betrieben und regelmäßig in den "Ö-Punkten" zum Stand der Dinge berichtet, sondern dort gibt es auch Tipps, ReferentInnen, Texte und Bilder für die eigene Öffentlichkeitsarbeit usw.
Das alles ist eine ganze Menge an Unterstützungsarbeit für die Regionen. Es lohnt sich also, als Bündnis von Energie- und Anti-Atom-Initiativen, Einzelinteressierten, StromverbraucherInnen und -erzeugerInnen zusammenzukommen und loszulegen.
Zurück zum Anfang. Zurück zur Übersicht.

Zur Übersicht der Stromtarife.

Zu den allgemeinen Infos über Ökostrom von unten und insgesamt zum Umweltschutz von unten.